Der Tod von Assaf Ramon

Der Tod von Hauptmann Assaf Ramon, Kampfpilot und Sohn eines Kampfpiloten, hat gestern den ganzen Staat Israel erschüttert…

Leitartikel der Haaretz-Redaktion

Für einen seltenen Moment – beim Aufblitzen der Explosion von Assafs abstürzendem Flugzeug in den Bergen von Hebron, gleich einer Wiederkehr des Aufblitzens vom Verlust der Raumfähre „Columbia“, an Bord derer sich sein Vater Ilan befand – fiel Licht auf einen Teil der israelischen Gesellschaft, der oft für selbstverständlich genommen wird: junge Männer, darunter solche, die den Weg ihrer Väter fortsetzen, darunter Söhne oder Brüder in verwaisten Familien, die freiwillig Tag für Tag ihr Leben für die Verteidigung des Staates riskieren. Die Trauer, die Israel gestern erfasst hat, ist ein weiterer Aspekt der Wertschätzung ihres Opfergangs.

Ilan Ramon repräsentiert das doppelte Gesicht Israels. Zum einen der Kämpfer an nahen und fernen Fronten, einer der acht Piloten, die den Atomreaktor nahe Bagdad bombardierten. Zum anderen, an einer noch weiter entfernten Front von Wissenschaft und Technologie, der erste israelische Astronaut. Assaf Ramon, der entschlossen war, es seinem Vater nachzutun, fiel wie er im Dienst.

Knapp drei Jahrzehnte nach jenem weiten Flug von Ilan Ramon und seinen Kameraden in den Irak, steht Israel vor einer noch weiter entfernten und größeren atomaren Bedrohung, diesmal aus dem Iran. Assaf Ramons Kameraden werden womöglich weiter fliegen und ihr Leben in noch größerem Maße gefährden müssen als sein Vater und dessen Kameraden.

Die Entscheidung, dies zu tun, liegt bei den Politikern, aber der Aufbau der Fähigkeit dazu und auch – bei einer Entscheidung – die Ausübung dieser Fähigkeit, bleibt den ausführenden Dienstgraden überlassen, und diese riskieren ihr Leben – wie es gestern geschehen ist – auch bei Übungsflügen und nicht nur bei Einsätzen.

Israels Verteidigungspolitik ist in der Öffentlichkeit umstritten. Wie andere, die in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften dienen, haben auch die Piloten selbst unterschiedliche Meinungen darüber, was beim Kampfeinsatz richtig, erlaubt oder verboten ist. Die Existenz dieser wichtigen Meinungsverschiedenheiten darf jedoch nicht die Hingabe derjenigen vergessen machen, die ihr Leben aufs Spiel setzen – in der Luft wie auch zu Land und zu See. Sie sind nicht die Hauptsache, und sie haben weder die Autorität noch die Prätention, den politischen Weg zu bestimmen, aber ohne sie würde es gar keine Debatte geben, und auch kein Israel.

Zwei miteinander eng verbundene Familien sind gestern schwer geschlagen worden – die Familie Ramon und die Familie der Luftwaffe. Für einen kurzen Moment hat ganz Israel, in Agonie und Hochachtung, an dieser Familientrauer teilgehabt.

Haaretz, 14.09.09