Die neuen Fernsehtipps

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Von 16. bis 30. September 2023

Sa., 16. Sep · 01:15-02:00 · ZDF
Terra X History: SS – Macht und Mythos

Sie war die Elitetruppe des Naziregimes – zugleich aber auch Inbegriff des Terrors. Als Vollstreckerin des Holocaust verantwortlich für millionenfachen Mord: die SS. Keine andere Organisation in Hitlers Reich steht so sehr für den tödlichen Rassenwahn des Regimes. Gleichzeitig war die sogenannte Schutzstaffel aber auch ein gefährliches und effektives Machtinstrument innerhalb der NS-Diktatur und Hitler bedingungslos ergeben. SS – zwei Buchstaben in Runenschrift und der Totenkopf sind ihr Symbol. Am Anfang nur eine Art Partei-Security und Teil der SA, der „Sturmabteilung“, empfinden sich die SS-Leute bald schon als „Schwarzer Orden“, als die rassische Speerspitze des Nationalsozialismus. Wer waren die Männer, die sich im Schatten der braunen SA-Kolonnen zu einer elitären Parteitruppe formen ließen – bereit, notfalls auch gegen die eigenen Kameraden zu marschieren? Wie wurden aus oft ganz normalen Deutschen Massenmörder in Uniform?

So., 17. Sep · 01:05-02:35 · NDR
Der Stadtneurotiker

Alvy Singer, ein bekümmerter Komiker, tut sich schwer mit sich und der Welt. Als er in New York die hübsche Annie Hall kennenlernt, hat er zwei gescheiterte Ehen und 15 Jahre psychoanalytische Behandlung hinter sich. Beide sind schnell entflammt füreinander, aber auch Annie hält es nicht lange mit Alvy aus. „Der Stadtneurotiker“, einer der populärsten Filme Woody Allens, wurde 1978 mit vier „Oscars“ ausgezeichnet.

So., 17. Sep · 10:30-10:45 · SWR
Jewrovision 2023 – der Show-Wettbewerb der jungen, jüdischen Community

Die „Jewrovision“ ist der größte jüdische Gesangs- und Tanzwettbewerb Deutschlands und Europas. Dieses Jahr fand der Event im Mai in Frankfurt/M statt. Gewinnen ist das eine, aber es geht bei diesem Treffen auch darum, ohne Diskriminierung mit anderen jungen Leuten zu feiern und sich über Städtegrenzen hinweg kennenzulernen. Monatelang haben sie geprobt, Tanzschritte und Songs einstudiert. Am 19. Mai 2023 trafen sich rund ein Dutzend jüdische Jugendgruppen mit tollen Bühnen-Shows, eigenen Songtexten und ausgefeilter Choreographie beim jüdischen Songwettbewerb „Jewrovision“, um gegeneinander anzutreten. Das Top-Event findet immer in der Heimatstadt des Sieger:innen-Teams des Vorjahres statt. 2023 war der Austragungsort Frankfurt am Main. Es geht bei diesen Treffen auch darum, ohne Diskriminierung und viele Erklärungen mit anderen jungen Leuten zu feiern, zu tanzen und sich über Städtegrenzen hinweg kennenzulernen. Der Show-Contest schweißt die jungen Menschen der jüdischen Community zusammen. Die Autoren Bernd Seidl und Beate Meschies begleiten eine Gruppe der Jüdischen Jugend aus Baden (JuJuBa) über Wochen hinweg bei den Vorbereitungen. Sie blicken hinter die Kulissen, sind beim Tanz- und Gesangstraining dabei und beim entscheidenden Auftritt.

So., 17. Sep · 23:25-00:20 · arte
Der Komponist Paul Dessau – Von Hamburg über Hollywood in die DDR

Paul Dessau schreibt Operetten- und Filmmusik – sowohl zu Bergfilmen mit Leni Riefenstahl als auch zu Trickfilmen Walt Disneys. Im Ersten Weltkrieg ist der gebürtige Hamburger Soldat, im Zweiten jüdischer Exilant in Frankreich und in den USA. In Amerika arbeitet er auf einer Hühnerfarm und schreibt als anonymer Komponist die Klänge zu einigen Zelluloid-Blockbustern. Als überzeugter Kommunist geht Paul Dessau in die DDR. Er arbeitet mit Bertolt Brecht sowie der Regie-Ikone Ruth Berghaus, seiner vierten Frau, und prägt maßgeblich die sozialistische Musikszene und Bühnenkunst. Seine „Thälmann-Kolonne“ wird zum Gassenhauer, gleichzeitig wird er wegen seiner oft eigenwilligen Klangsprache als Formalist verschrien. Er wird zum nach außen gefeierten, nach innen angefeindeten DDR-Staatskomponisten. Die Dokumentation skizziert ein Künstlerleben zwischen Anpassung und Abstoßung, politischem Idealismus und musikalischer Individualität, in dem sich wie unter einem Brennglas die wechselhafte deutsch-deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts verdichtet. Mit über 430 Werken ist Paul Dessau ein Arbeitswütiger, mit seiner explosiven, oft sperrigen Klangsprache ein Unbequemer, der die Gesellschaft verändern und mitgestalten möchte und mit fast naiver Unerschütterlichkeit an der kommunistischen Idee festhielt. Interviewpartner vom Politiker Gregor Gysi bis zum amerikanischen Jazz-Komponisten Jack Cooper lassen nicht nur mit Worten, sondern tatsächlich puzzelnd das Porträt eines deutschen Künstlers entstehen.

Di., 19. Sep · 04:05-04:35 · BR
nachtlinie extra: Auf dem Alten Israelitischen Friedhof in München

Jüdische Friedhöfe sind wichtige Zeugnisse unserer Geschichte. Sie sind ein sichtbarer Beleg für die Jahrhunderte zurückreichende Existenz jüdischer Gemeinden in Deutschland. Im Judentum werden sie als „Orte des Lebens“ oder „Orte der Ewigkeit“ bezeichnet. Die Gräber sind auf Dauer angelegt und dürfen nicht eingeebnet werden. Anstelle von Blumen legt man beim Besuch des Friedhofs kleine Steine darauf. Sie belegen den Besuch am Grab und sind, so ein Rabbiner, wie „Visitenkarten ohne Namen“. Der Alte Israelitische Friedhof in München ist bereits stillgelegt. Vor einiger Zeit ist er in den Fokus der Ahnenforschung gerückt. Angehörige aus der ganzen Welt begeben sich hier auf die Suche nach ihren Vorfahren. Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hilft dabei, auch wenn die Gräber von Jahr zu Jahr immer mehr an wertvollen Informationen verlieren, da die Inschriften unleserlich werden oder die Steine verfallen. Angesichts der fortschreitenden Verwitterung der Grabmäler hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine kartografische Erfassung der 80.000 Grabsteine der in der Denkmalliste aufgeführten jüdischen Friedhöfe in Bayern angeordnet. Mit dem Versuch, die Gräber im nächsten Schritt zu stabilisieren, will man den stillen Tod der Grabsteine aufhalten. Auf dem großen Friedhofsareal an der Thalkirchner Straße gibt Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, interessante Einblicke in die jüdische Bestattungskultur, die Gestaltung der Gräber und in Biografien bedeutender Münchner Persönlichkeiten – wie Rosa Klauber, Gründerin und Inhaberin des traditionsreichen Spitzenhauses in der Theatinerstraße, oder Uri Siegel, Rechtsanwalt und Neffe des langjährigen FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. Am Mahnmal zum Gedenken an alle Opfer der NS-Verfolgung erinnern Ellen Presser und Andreas Bönte im Gespräch an die durch Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Di., 19. Sep · 20:15-22:00 · arte
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts

Die Zerstörung der traditionellen Rechtsordnung gehört vermutlich zu den weniger bekannten und dennoch wesentlichen Zielen der Nationalsozialisten. Als erbitterte Gegner des herkömmlichen römischen Rechts, der Philosophie der Aufklärung und der von der Französischen Revolution getragenen Werte wollten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen von der Rolle der Justiz um jeden Preis durchsetzen. So wurde die Etablierung einer starken nationalsozialistischen Rechtspflege zur vorrangigen Aufgabe, bildete sie doch die Grundlage der „neuen Welt“, die das Tausendjährige Reich hervorbringen sollte. Die Gleichschaltung der Justiz begann zunächst in Deutschland und hatte die Errichtung einer durch Blut- und Rassegesetze bestimmten Gesellschaft zum Ziel. Zur atmosphärischen Kulisse von Fritz Langs Film „M“, der in einer deutschen Großstadt spielt und 1931 in die Kinos kam, erzählt die Dokumentation die Geschichte dieser radikalen Umformung der Justiz. An vier Einzelschicksalen werden Triebkräfte und ideologische Hintergründe dieses Bruchs erforscht. Wie gelang es Hitler und seinen Gefolgsleuten, die Rechtsordnung derart auszuhöhlen und durch die schrittweise Unterwerfung des gesamten Justizapparates die Vorherrschaft der „Volksgemeinschaft“ über den Einzelnen durchzusetzen? Neben dem Werdegang des bayrischen Scharfrichters Johann Reichhart, der weit über 3.000 Todesurteile vollstreckte (darunter auch das der Geschwister Scholl), schildert die Dokumentation das Schicksal der Gerichtsreferendarin und Widerstandskämpferin Elisabeth Gloeden, des hochrangigen NS-Juristen und Polizeichefs Werner Best und des Rechtsanwalts und Nazi-Gegners Hans Litten. In der zwölf Jahre währenden NS-Ära (1933 bis 1945) verhängten Hitlers Gerichte etwa 16.000 Todesurteile. 30.000 weitere wurden von Militärgerichten ausgesprochen. Dieser Justizterror diente zunächst der Ausschaltung und Vernichtung des inneren Feindes und kündigte gleichzeitig die kommenden Eroberungskriege und den Schrecken des Holocaust an. Die Zerstörung von Recht und Justiz endete erst 1946 mit den Nürnberger Prozessen und der Einführung neuer internationaler Regeln.

Mi., 20. Sep · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Auch Leben ist eine Kunst – Der Fall Max Emden

In den 1920er Jahren machte der jüdische Geschäftsmann Max Emden mit Kaufhäusern wie dem KaDeWe, oder dem Oberpollinger ein Vermögen und gehörte zu den bedeutendsten Mäzenen Hamburgs. Am Lago Maggiore führte er ein glamouröses Leben mit schellen Booten und schönen Frauen, doch der lange Arm der Nazis erreichte ihn auch dort – Emden verlor alles. Bis heute kämpfen seine Erben vergeblich für eine angemessene Entschädigung.

Do., 21. Sep · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Vater, Mutter, Hitler – Begeisterung und Zweifel

Anfang der 1930er Jahre geht es Deutschland wirtschaftlich schlecht. Millionen Menschen sind arbeitslos und leben in großer Not. Die politische Lage ist instabil. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift, setzen viele Menschen große Hoffnung in ihn. Die Solinger Arbeiterin Ida Timmer, die mit ihren Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebt, ist jung und voller Lebensdrang. Sie eifert Hitlers Idealen nach und lernt den jungen Soldaten Franz Sommer kennen. Der Wiener Felix Landau ist fanatischer Anhänger der Nazi-Ideologie. 1934 beteiligt er sich in Wien an einem Putschversuch der Nationalsozialisten gegen den Bundeskanzler; doch die Aktion scheitert. Felix Landau kommt zunächst ins Gefängnis. Später wird er als SS-Hauptscharführer beauftragt, die Juden in Österreich zu enteignen. Der Lehrer Wilm Hosenfeld aus Hessen setzt sich für ein starkes Deutschland ein und tritt der SA bei. Doch er glaubt auch an Frieden und Nächstenliebe und beginnt schon bald, Zweifel an Hitlers Zielen zu hegen. Nach Hitlers Sieg über Polen leitet Wilm Hosenfeld eine Wehrmachtssportschule in Warschau. Dort wird ihm klar, welche Verbrechen die deutschen Besatzer an der Bevölkerung begehen. Die Hamburger Bürgerin Luise Solmitz, deren Mann jüdische Wurzeln hat, will nicht wahrhaben, wie Hitler den Hass gegen die jüdische Bevölkerung schürt. Doch als ihrer Tochter als „Nicht-Arierin“ die Aufnahme im Bund Deutscher Mädel verweigert wird, bricht für Luise Solmitz eine Welt zusammen. Langsam erkennt sie den wahren Charakter des NS-Regimes.

Do., 21. Sep · 07:50-08:25 · WDR
Planet Schule: Vater, Mutter, Hitler – Krieg und Verderben

Seit 1933 regieren in Deutschland die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler. Das NS-Regime betreibt die systematische Vernichtung der europäischen Juden und will das Deutsche Reich ausdehnen. Nach dem Sieg über Polen 1939 überfällt die deutsche Wehrmacht 1940 weitere Staaten. Viele Deutsche sind überzeugte Anhänger Hitlers, aber auch Angst macht sich breit. Die Solinger Arbeiterin Ida Timmer träumt von einer glücklichen Familie mit ihrem Verlobten Franz. Doch Franz zieht für Hitler in den Krieg und überlebt den Russlandfeldzug nicht. Ida Timmers Traum platzt. Als sie 1944 Otto Eichhorn kennenlernt, einen Führer der Hitler-Jugend, will sie ihr Leben endlich genießen. Der Wiener SS-Mann Felix Landau verübt als Besatzer in der Ukraine gewissenlos Gräueltaten an der Bevölkerung. Gleichzeitig verfasst er Liebesbriefe an seine Verlobte, die Gestapo-Sekretärin Gertrude. Die Hamburgerin Luise Solmitz, deren Mann Jude ist, fürchtet um die Sicherheit ihrer Familie: Zahlreiche ihrer jüdischen Nachbarn werden deportiert. Sie hat Angst, die Gestapo könne auch ihren Mann und ihre Tochter abholen. Bei Bombenangriffen auf Hamburg im Juli 1943 werden die drei im Keller ihres Hauses verschüttet. Auch der Lehrer Wilm Hosenfeld aus Hessen hat den Glauben an Hitler verloren. Die Zustände im sogenannten Warschauer Ghetto haben ihm die Augen geöffnet. Er will nicht länger tatenlos zusehen, wie die Nazis hunderttausende Menschen in Vernichtungslagern ermorden lassen und beginnt einen heimlichen Kampf um jedes Menschenleben.

Do., 21. Sep · 19:30-20:00 · ARD-alpha
alpha-demokratie weltweit: Jüdisches Leben

Begriffe, die tagtäglich in den Nachrichten vorkommen – wer versteht sie wirklich? alpha-demokratie hinterfragt, erklärt, kratzt nicht an der Oberfläche, sondern geht in die Tiefe. alpha-demokratie befasst sich mit den zentralen Fragen und Entwicklungen unserer Demokratie in einer unruhigen Welt- über die Aktualität hinaus.

Sa., 23. Sep · 19:20-20:00 · 3sat
Tanz aus Israel

Im besten Sinn ist Tanz ein Spiegel der Gesellschaft. Tanz aus Israel bedeutet: Gegenwart, Modernität, Emotion, Schönheit – aber auch Aggressivität und in zunehmendem Maße Politik. Tanz, der aus einem derart politisch, sozial und gesellschaftlich zerrissenen Land wie Israel kommt, ist spannend, herausfordernd und selbst komplex. Dieser Vielseitigkeit geht der Film nach. Er zeigt Proben und Tanzausschnitte und lässt Choreografen zu Wort kommen. Tanz erlaubt es, in einprägsamen Bildern die Verarbeitung einer sehr komplexen Welt zu zeigen. Das Land Israel ist prädestiniert dafür. Seit 20 Jahren hat die israelische Tanzszene die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums auf sich gezogen. Choreografinnen und Choreografen sowie Ensembles blicken auf die gesellschaftspolitische Lage. Sie alle stellen Fragen und zeigen in manchmal provokanter Direktheit Tabus und Traumata der israelischen Gesellschaft – und das in einer Zeit, in der sich die Welt auf dramatische Weise verändert. Tanz als ästhetisches Ausdrucksmittel für einen arabisch-jüdischen Kulturaustausch hat viele Möglichkeiten. Dies wird in den Interviews mit unterschiedlichsten Protagonistinnen und Protagonisten deutlich. Das Inbal Dance Theatre in Tel Aviv, die Vertigo Dance Company in Jerusalem, die Kibbutz Contemporary Dance Company mit ihrem Chefchoreografen Rami Be’er, die SOL Dance Company mit Eyal Dadon in Be’er Sheva am Rande der Wüste Negev, die jüdisch-israelische Choreografin Yasmeen Godder, die Solokünstlerin Miriam Engel in Jerusalem, der hippeste Solist Roni Chadash in Tel Aviv, die Tanz-Podcaster Yali Nativ und Iris Lana: Sie alle spüren die Verantwortung, durch die Tanzsprache auf die gespaltene Gesellschaft aufmerksam zu machen und Erlebtes zu verarbeiten. Die Dokumentation gibt zudem Einblicke in Probensituationen und zeigt Ausschnitte aus verschiedenen Aufführungen der renommierten israelischen Tanzszene. Eingebettet in die Schönheit der Landschaft Israels beeindruckt Tanz mit Körperlichkeit und Ästhetik. Der Choreograf Rami Be’er sagt dazu: „Bewegung und Tanz, das bedeutet Leben.“
Bild oben: © ZDF und Thomas Frischhut

So., 24. Sep · 05:25-06:15 · arte
Die großen Musikrivalen – Furtwängler vs. Toscanini

Sie waren die berühmtesten Dirigenten ihrer Zeit, getrieben vom Ehrgeiz, die Nummer eins zu sein: Arturo Toscanini und Wilhelm Furtwängler; der eine ein glühender Antifaschist, der andere, scheinbar unpolitisch, nur der Kunst verpflichtet. Salzburg, 1937: Maestro Arturo Toscanini ist der bekannteste Dirigent der Welt und herrscht seit Jahren über die Festspiele. Doch jetzt gibt es ernsthafte Konkurrenz: Wilhelm Furtwängler, in Deutschland längst ein Star, gibt sein Debüt. In Toscaninis Garderobe kommt es zum Streit. Toscanini wirft Furtwängler vor, sich an das Hitler-Regime zu verkaufen. Furtwängler widerspricht wütend: Große Musik sei immun gegen jede politische Vereinnahmung. Aus Kollegen werden Feinde; Furtwängler geht einen Pakt mit den Nazis ein, Toscanini emigriert in die USA. Heute ist Toscanini vielen nur noch als unbeugsamer Antifaschist bekannt, Furtwängler dagegen wird als einer der größten Dirigenten aller Zeiten geradezu kultisch verehrt, seine Aufnahmen sind legendär. Wie ist das zu erklären? Was machte die beiden als Dirigenten aus? Und was hat Musik mit Moral zu tun? Die Dokumentation erzählt die spannende Geschichte der Rivalität zweier Ausnahmedirigenten, deren gegensätzliche künstlerische und weltanschauliche Positionen die Frage aufwerfen, was große Kunst in der Musik eigentlich ausmacht.

So., 24. Sep · 09:05-10:05 · 3sat
Boris Cyrulnik – Trauma und Resilienz

Das Leben des französischen Neurologen und Psychiaters Boris Cyrulnik begann mit einem Trauma: Seine Eltern wurden von den Nazis getötet. Er selbst entkam mit sechs Jahren nur knapp dem Tod. Heute ist der 85-Jährige ein international gefragter Experte, wenn es um Traumata und Resilienz geht. Yves Bossart spricht mit Boris Cyrulnik über seine Biografie, über den Umgang mit Traumata, über das Rätsel der Resilienz und die Wurzeln des Fanatismus. Boris Cyrulnik hat eine bewegende Biografie. Als er fünf Jahre alt ist, werden seine Eltern deportiert und in den Konzentrationslagern von Auschwitz umgebracht. Er selbst kann sich verstecken, entkommt nur knapp dem Tod und wächst als Waisenkind bei Pflegefamilien und in diversen Pflegeheimen auf. Dieses frühe Trauma prägt sein gesamtes Leben und auch seine wissenschaftliche Forschung als Neuropsychiater und Professor in Toulon. Boris Cyrulnik ist heute 85 Jahre alt, seine Bücher sind Bestseller, und er gilt als einer der wichtigsten Experten, wenn es um Resilienz geht, um die Fähigkeit, besonders belastende, traumatische Erfahrungen zu überstehen – und manchmal sogar an ihnen zu wachsen.

So., 24. Sep · 11:45-12:00 · Das Erste (ARD)
Rabbinerin, Feministin, Aktivistin

Die Männer beten, lehren und richten – die Frauen kümmern sich um Küche und Kinder. Dieses Rollenbild haben Religionen über Jahrhunderte gefestigt – auch das Judentum. Vor allem in orthodoxen jüdischen Gemeinden haben Frauen längst nicht dieselben Rechte wie die Männer. Doch jüdische Frauen begehren auf, zeigen sich selbstbewusst und fordern Gleichberechtigung. Rabbinerin Andriani wurde vor drei Jahren in Berlin ordiniert und ist Rabbinerin der liberalen jüdischen Gemeinde Göttingen. Sie setzt sich gegen den Gender Pay Gap ein, gegen die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Und sie möchte, dass moderne Werte und Feminismus in den jüdischen Communities ihren Platz bekommen. Auch Anna Fuhrmann kämpft für die Gleichstellung jüdischer Frauen. Sie ist regionale Leiterin des queer-jüdischen Vereins „Keshet“. Ihr Ziel ist die Integration homosexueller und intersexueller Personen, vor allem auch in der jüdischen Gemeinschaft. Starke jüdische Frauen im Portrait: die queere Aktivistin und Feministin Anna Fuhrmann und die liberale Rabbinerin Jasmin Andriani. Sie erzählen über ihr Verständnis von Geschlechterrollen, berichten über Diskriminierung und über ihren Kampf für die Gleichstellung von Frauen im Judentum.

So., 24. Sep · 23:35-01:18 · Das Erste (ARD)
Und morgen die ganze Welt

Wie weit bist du bereit für deine politischen Überzeugungen zu gehen? Diese Frage muss sich auch Luisa stellen, als sie der Antifa beitritt. Sie ist Jurastudentin im ersten Semester, stammt aus gutem Hause und will, dass sich etwas verändert in Deutschland. Alarmiert vom Rechtsruck und der zunehmenden Beliebtheit populistischer Parteien, zieht sie in eine linke Kommune und beteiligt sich an Aktionen gegen Rechts. Schnell findet sie Anschluss beim charismatischen Alfa. Für ihn ist auch der Einsatz von Gewalt ein legitimer Weg. Doch Luisa muss sich entscheiden: Ist Gewalt ein politisches Mittel, um sich durchzusetzen? Luisa studiert Jura im ersten Semester und glaubt an Recht und Gesetz. Als Mädchen aus adligem Hause will sie endlich auf eigenen Beinen stehen und für ihre Ideale kämpfen. Durch Batte, ihre beste Freundin seit Schultagen, wird Luisa als neue Wohngenossin in der autonom geführten Kommune P81 aufgenommen. Von dort aus plant auch die örtliche Antifa ihre Aktionen gegen Rechtsradikale. Als Nächstes steht eine Wahlkampfveranstaltung der populistischen Liste 14 an. Der Protest soll friedlich ablaufen, wie Batte betont. Doch als die Ordner immer ruppiger gegen die Protestierenden vorgehen, eskaliert die Situation. Luisa gelingt es, das Handy von einem der Ordner zu ergattern, wodurch die Gruppe von einer baldigen Hetzjagd der Nazis erfährt. Gemeinsam mit dem charismatischen und gewaltbereiten Alfa und dessen bestem Freund Lenor organisiert Luisa die Aktion: Während des Aufmarschs wollen sie auf dem Parkplatz die Autos der Nazis demolieren. Alles läuft nach Plan. Aufgeputscht durch den Erfolg, drängt Alfa jedoch auf mehr. Er sucht die direkte Konfrontation mit dem rechten Gegner. Lenor wendet sich ab; Luisa, die sich zu Alfa hingezogen fühlt, macht wie die anderen mit. Doch die Aktion geht nach hinten los und Luisa wird schwer am Bein verletzt. Zurück im P81 geht Batte mit Alfa hart ins Gericht: Gewalt gegen Sachen ist akzeptabel, Gewalt gegen Menschen nicht. Noch stimmt Luisa Batte zu, aber tief in ihrem Innern ist sie längst auf Alfas Seite. Doch wird sie mit ihm wirklich bis zum Äußersten gehen?

Mo., 25. Sep · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
ARD History: 1945 – Frauen als Kriegsbeute

Die deutsche Wehrmacht wütet sechs Jahre lang grausam in Europa, bis im Frühjahr 1945 der Zweite Weltkrieg auf europäischem Boden vorbei und das Nazi-Regime besiegt ist. Doch ein Kapitel, das nun folgt, bleibt bis heute weitestgehend vergessen: Mindestens 860.000 Frauen und Mädchen werden in Deutschland von Soldaten der Alliierten sexuell missbraucht. Viele schweigen aus Scham und Angst vor der Schande ihr ganzes Leben lang, besonders, wenn die Täter aus den Armeen der Westalliierten kommen. „1945 – Frauen als Kriegsbeute“ ist eine filmische Annäherung an dieses bis heute tabuisierte Thema. Die Doku lässt Betroffene zu Wort kommen, spricht mit der Kinder- und Enkelgeneration sowie mit Historiker/-innen und zeigt, wie tief diese dunkle Erfahrung der deutschen Nachkriegsgeschichte bis in unsere heutige Zeit nachwirkt.

Mi., 27. Sep · 23:30-00:25 · arte
Irvin Yalom – In die Sonne schauen

Irvin Yalom ist erfolgreicher Psychiater und Psychotherapeut und gefeierter Schriftsteller. Seine Fachbücher sind Klassiker. Mit seinen Geschichten und Romanen landet er einen Erfolg nach dem anderen. Als Therapeut kennt Irvin Yalom die Probleme der Menschen – und ist seiner Zeit voraus: Schon früh benutzt er das direkte Gespräch als diagnostisches Mittel. Mit seinem „Hier und Jetzt“-Ansatz konzentriert er sich auf die Beziehung zwischen ihm und seinen Patienten und Patientinnen und verhandelt stets die Themen Tod, Freiheit, Einsamkeit und Sinnhaftigkeit. Die Liebe zur Literatur teilte Irvin Yalom mit seiner Frau Marilyn Yalom, selbst Autorin zahlreicher Bücher. Die beiden sind 75 Jahre lang ein Paar, inspirieren sich stets gegenseitig. 2019 stirbt Marilyn. Irvin und Marilyn schreiben ein Buch über den Tod und das Abschiednehmen. Irvin muss lernen ohne Marilyn zu leben, fällt in eine tiefe Depression. Doch seit ein paar Monaten hat Irvin Yalom eine neue Frau an seiner Seite. Mit der deutschen Therapeutin Sakino Mathilde Sternberg ist er wieder glücklich. Gemeinsam schreiben sie ein Buch über ihre Kindheitstraumata. Es ist ein offener Dialog zwischen der Tochter eines Nazis und dem Sohn jüdischer Flüchtlinge. Die Dokumentation begleitet Irvin Yalom in seinem Alltag und Schaffensprozess, ermöglicht dem Publikum emotionale Momente und spannende Einblicke in das Leben des 91-jährigen Schriftstellers. Irvin, seine Kinder und Weggefährtinnen blicken auf das ereignisreiche Leben von ihm und seiner Frau Marilyn zurück und bieten einen sehr persönlichen Blick auf das „Hier und Jetzt“.

Fr., 29. Sep · 23:30-00:15 · WDR
Freitagnacht Jews – Daniel Donskoy unterwegs in London

„Freitagnacht Jews“ mit Daniel Donskoy ist zurück. Die mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Late-Night-Show wird in Staffel 2 international: Daniel Donskoy und sein Team haben sich in den vergangenen Monaten auf die Reise gemacht, um herauszufinden, wie es außerhalb Deutschlands um die Jüdinnen und Juden bestellt ist. In der ersten Folge trifft Donskoy in einem ur-typischen Londoner Pub Dana Margolin, Front-Frau der Band „Porridge Radio“, und Komiker und Autor David Baddiel, der mit seinem Buch „Jews don’t count“ für Aufsehen sorgte. Hitzig diskutieren sie die Frage, ob es Jüdinnen und Juden in Großbritannien leichter fällt, ihre britisch-nationale sowie ihre jüdische Identität gleichwertig zu leben.