Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. November 2020…

Mo., 2. Nov · 01:15-02:15 · HR
Jetzt – nach so viel Jahren

Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es „Klein-Jerusalem“ genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet, und die meisten Juden wurden in Konzentrationslager deportiert. In Rhina blieb von ihnen nicht mehr als ein verwüsteter Friedhof zurück. 1981 drehte ein Filmteam des Hessischen Rundfunks eine eindrucksvolle Dokumentation über das einst so jüdische Dorf in Hessen. Befragt nach den früheren Nachbarn erzählten die Rhinaer vom friedlichen Miteinander damals. Die Filmautoren Pavel Schnabel und Harald Lüders suchten aber auch nach überlebenden jüdischen Rhinaern, um so nach ihren Erinnerungen zu hören. Einige trafen sie in New York. Auch sie sind anfänglich zögerlich, wollen nicht gern über die Vergangenheit reden. Doch schnell wird klar, dass sie aus anderen Gründen schweigen Die Überlebenden schildern ganz andere Ereignisse. Höhepunkt des Films ist eine emotionale Konfrontation: Die Rhinaer sehen ihre ehemaligen Nachbarn auf der Leinwand wieder und werden konfrontiert mit der verdrängten und so lange verschwiegenen Geschichte. Jahrzehnte nach seiner Entstehung hat dieser mehrfach preisgekrönte Film nichts von seiner Brisanz verloren – im Gegenteil. Gerade angesichts jüngster Versuche, das nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren, und des sich zunehmend artikulierenden Antisemitismus hat dieser Einblick in das kollektive Gedächtnis eines deutschen Dorfes beklemmende Aktualität. Der Hessische Rundfunk zeigt diese Dokumentation, die unter anderem mit dem Grimme Preis in Gold ausgezeichnet wurde, in technisch restaurierter Fassung.

Mo., 2. Nov · 23:35-00:35 · Das Erste (ARD)
Dutschke – Schüsse von Rechts

Am 11. April 1968 wird in West-Berlin ein Attentat auf Rudi Dutschke verübt. Er gilt als Wortführer und Symbolfigur der gesellschaftskritischen, linksgerichteten Studentenbewegung. Als Hassfigur rechter Medien und der Neonazis steht er wie kein Zweiter für die Radikalisierung einer antiautoritären Bewegung. Dutschke überlebt die Schüsse schwerstverletzt, das Attentat löst die größten politischen Unruhen in der noch jungen Bundesrepublik aus. Mit dem Dokudrama „Dutschke – Schüsse von Rechts“ zeigen die preisgekrönten Autoren Cordt Schnibben und Peter Dörfler, wie sich die westdeutsche Gesellschaft damals spaltete und wie diese Spaltung eine Spirale der Gewalt in Gang setzte, die in dem Attentat auf Dutschke mündete: die Genesis einer Eskalation. Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 auf einer Demonstration von einem Polizisten erschossen wurde, markierte den Wendepunkt. Bisher galt Rudi Dutschke als Opfer eines geltungssüchtigen, kriminellen Einzelgängers. Die Autoren liefern hier nun einen neuen Blick auf den Mordanschlag. Der Attentäter Josef Bachmann war Teil der Neonazi-Szene im niedersächsischen Peine, nahm dort an Schießübungen teil. Beim Waffenhändler der rechtsradikalen Gruppe besorgte er sich Pistolen und Munition und verübte mit ihnen Anschläge auf die innerdeutsche Grenze. „Dutschke – Schüsse von Rechts“ dokumentiert, wie schon damals die Unterschätzung des Rechtsterrorismus die Arbeit von Polizei und Gerichten prägte. Auf Grundlage von bisher unbekanntem Archivmaterial und selten ausgewerteten Akten beschreibt der Film, wie Attentäter Bachmann sich in der Zeit vor dem Mordversuch auf Rudi Dutschke in der militanten Neonazi-Szene seines Wohnorts bewegte. Die Autoren gehen u.a. der Frage nach, warum die Ermittlungsbehörden in Niedersachsen zwar Bachmanns Waffenlieferanten verhörten, aber Bachmanns neonazistisches Umfeld im Gerichtsverfahren keine Rolle spielte. Neben Zeitzeugen wie unter anderem Knut Nevermann, Rainer Langhans, Stefan Aust, Barbara Sichtermann, Peter Wensierski, Thomas Giefer, Bahman Nirumand und Gretchen Dutschke liefert Rudi Dutschke selbst die wichtigste Beschreibung seiner Person. Mit zahlreichen, teils selten gezeigten Originalszenen und aus Tagebucheintragungen und Reden destillieren die Autoren eindringlich seine Sicht auf die Ereignisse, die im Laufe eines Jahres zu den Schüssen auf ihn führten.

Di., 3. Nov · 00:40-02:15 · MDR
Belle & Sebastian

Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden. Regisseur Nicolas Vanier gelang mit „Belle & Sebastian“ ein atemberaubendes Leinwanddebüt. Der Franzose verlegte die Geschichte, die auf einem Kinderbuch von Cécile Aubrys basiert, von den 1960er Jahren in den Zweiten Weltkrieg. So verbinden sich in der Geschichte zwei Stränge: die angefeindete Freundschaft zwischen dem Waisenjungen und einem vermeintlichen Monster sowie die Not der vor dem Holocaust flüchtenden Juden. Für Vanier ist die Berglandschaft auch diesmal mehr als nur eine imposante Kulisse: Bereits als Hauptdarsteller Félix Bossuet in der ersten Szene an einer Steilwand abgeseilt wird, ist zu spüren, dass die erhabene Bergwelt ein Teil der mitreißenden Geschichte sein wird.

Di., 3. Nov · 01:30-02:55 · arte
Der 90-Minuten-Krieg

Nach Jahrzehnten des Blutvergießens und vergeblicher Verhandlungen sind die Israelis wie die Palästinenser müde geworden. Statt immer weiter zu kämpfen, zu verhandeln und zu scheitern, haben der israelische Ministerpräsident und der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde erkannt, „dass es nur einen Ausweg aus dem längsten Konflikt der modernen Geschichte gibt: ein Fußballspiel. Ein einziges Spiel, das bestimmt, wer bleiben darf und wer sich eine neue Heimat suchen muss“. Ein sensationeller Entschluss, ein unfassbar hoher Einsatz: Wer verliert, muss das Land für immer verlassen. Wer gewinnt, bekommt alles – von Jaffa bis Jerusalem, von Galiläa bis Eilat. Kein Streit mehr, kein Krieg, endlich Ruhe. Doch bevor das Spiel überhaupt stattfinden kann, muss die IFA gemeinsam mit zwei israelischen und palästinensischen Verbandsfunktionären viele Fragen klären: Wo soll das Spiel ausgetragen werden? Welches Land stellt den Schiedsrichter? Wer trainiert die Mannschaften? Welche Auswahlkriterien gelten für die Spieler? Die hitzig geführten Debatten entwickeln sich zum absurden Spiegelbild des Konflikts, der seit Jahrzehnten weltweit immer wieder die Nachrichten beherrscht. Der Weg bis zum Anpfiff ist weit. Und am Ende gewinnt …? Mit großer kinematographischer Energie und einer furiosen kreativen Herangehensweise wird in „Der 90-Minuten-Krieg“ die Situation im Nahen Osten auseinandergenommen und analysiert. Das ist intelligent, schnell, witzig, ironisch und zugleich geboren aus großer Verzweiflung und Trauer. Und je lustiger und wilder der Film wird, desto schärfer beschreibt er die Lage. „Der 90-Minuten Krieg“ ist eine originelle Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt.

Di., 3. Nov · 06:40-07:10 · arte
Vergissmeinnicht – Carl Lutz, Retter

Budapest, 1944: Als die ungarischen Juden zu Hunderttausenden nach Auschwitz deportiert werden, hat ein Schweizer Diplomat den Mut zum Widerstand. Unter Missachtung der Dienstanweisungen trotzt er dem NS-Regime und dessen ungarischen Verbündeten und rettet so mehr als 60.000 Juden das Leben. Carl Lutz erblickt am 30. März 1895 in einem kleinen Dorf am Fuße der Schweizer Alpen das Licht der Welt. Als junger Mann wandert er in die USA aus und beginnt schließlich in Washington D. C. beim Schweizer Konsulat zu arbeiten. 1935 wird Carl Lutz schließlich als Diplomat nach Palästina berufen. 1942 wird er zum Vizekonsul in Budapest befördert, dort wird er rasch zu einem der einflussreichsten Diplomaten der Stadt. Carl Lutz nutzt seinen Einfluss, um sich während des Zweiten Weltkriegs für die jüdische Bevölkerung einzusetzen. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem deutschen Gesandten gelingt es ihm, 7.800 Juden unter schweizerischen diplomatischen Schutz zu stellen. Jeder dieser 7.800 erhält einen Schutzbrief, der seine Sicherheit gewährleistet und ihm die Ausreise ermöglicht. Doch das ist Lutz nicht genug. Indem er heimlich eine weitaus größere Zahl der Schutzbriefe in Umlauf bringt, gelingt es ihm, mehr als 62.000 Juden das Leben zu retten. Nach Kriegsende kehrt Carl Lutz in die Schweiz zurück. Doch statt ihm für seine mutigen Bemühungen für die ungarischen Juden zu danken, werfen ihm die Schweizer Behörden Amtsmissbrauch vor. Dass ihm seine eigene Nation die Anerkennung versagt, quält ihn sehr. Doch zahlreiche andere Länder hingegen haben ihn geehrt. 1965 verleiht ihm Israel den Titel des „Gerechten unter den Völkern“.

Di., 3. Nov · 22:10-22:55 · MDR
Wir waren doch Nachbarn

Die Filmdokumentation beleuchtet auf exemplarische Weise den Ablauf und die Auswirkungen der Reichspogromnacht in Ostdeutschland. Wer waren Täter und Opfer vor Ort, wer Helfer und Zuschauer? Warum brannte die Synagoge in Suhl, in Görlitz jedoch nicht? Wie lief die Reichspogromnacht auf dem Dorf, in Kleinstädten wie Themar ab? Selbst dort, wo es manchmal nur einen jüdischen Kaufladen oder ein kleines Textil-oder Schuhgeschäft gab, wie im sächsischen Borna wurden Menschen „die Nachbarn waren“ gejagt, wurden Haus und Wohnung geplündert. Die letzten noch lebenden jüdischen Augenzeugen, Kinder und Enkel berichten, welche Bedeutung der 9. November 1938 für die Familie hatte. Bislang unbekannte Fotos, Dokumente und bewegte Bilder veranschaulichen die Abläufe zwischen Eisenach und Dresden.

Mi., 4. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Ist Demokratie lernbar?

„Demokratie wird nicht vererbt. Demokratie wird erlernt“, sagt Suat Yilmaz, packt sich das deutsche Grundgesetz und schart eine Gruppe Jugendlicher aus dem Dortmunder Norden in einem heruntergekommenen Jugendtreff um sich. 70 Jahre ist unsere Verfassung in Kraft, doch welche Rolle spielt das Grundgesetz im Leben junger Menschen? Ein Jahr lang bringt Sozialwissenschaftler Yilmaz Woche für Woche seinen sogenannten „Verfassungsschülern“ politisches Denken und Diskutieren nahe. Inhalt und Wert des Grundgesetzes. Und das in einem Viertel in Dortmund, in dem Perspektivlosigkeit und Armut den Ton angeben. In dem junge Erwachsene in Parallelwelten leben, sich kaum für Politik interessieren und nicht wählen gehen. Suat Yilmaz wurde bundesweit bekannt, weil er viele Jahre als Talentförderer an Schulen und Hochschulen unterwegs war. Heute koordiniert er die Integrationszentren in NRW. Jetzt hat er neben dieser Arbeit ein Pilotprojekt gegründet, das vielleicht einmal ganz groß werden könnte, weil es Diskriminierung, Extremismus und Antisemitismus an der Wurzel packen will. „Wenn Abgehängte unserer Gesellschaft in die Hände von Radikalen geraten, ist unsere Demokratie in Gefahr“, sagt Suat Yilmaz. Story-Autorin Nicole Rosenbach begleitet ihn und die Dortmunder Verfassungsschüler bei ihrem Versuch, sich zu selbstbewussten, politisch interessierten und diskussionsfreudigen jungen Erwachsenen zu entwickeln. Der Film dokumentiert die tiefe Kluft zwischen Grundgesetz und Lebensrealität. Zwischen den Rechten und Pflichten, die sich durch unsere Verfassung ergeben, und den Erfahrungen, die die Jugendlichen bislang am Rande der Gesellschaft gemacht haben. Dabei wird die Leidenschaft spürbar, mit der Suat Yilmaz die Startchancen junger Leute verbessern will. Angetrieben von seiner eigenen Biographie ist der aus der Türkei stammende Yilmaz fest davon überzeugt, dass seine Verfassungsschüler einmal die Demokratie verteidigen werden. So gibt er seiner Gruppe unter anderem die Aufgabe, mit einer AfD-Politikerin zu diskutieren. An einem anderen Tag sollen sie das Grundgesetz in der Fußgängerzone verteilen und für seine Inhalte werben. Welche Widerstände dabei zu nehmen sind und wie die hoffnungsvolle Idee einer „Verfassungsschule“ ansteckt – davon erzählt dieser Film.

Mi., 4. Nov · 22:45-00:15 · BR
Über Leben in Demmin

Im Frühjahr 1945 wird Demmin, eine kleine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, zum Ort einer schrecklichen Tragödie: Während die Rote Armee anrückt, nehmen sich hunderte Einwohner das Leben. Sie schneiden sich die Pulsadern auf, vergiften oder erschießen sich. Eltern töten erst ihre Kinder und dann sich selbst, ganze Familien gehen mit Steinen beschwert ins Wasser. Bis zum Ende der DDR wird über die konkreten Umstände des beispiellosen Massensuizids geschwiegen, die genauen Opferzahlen der kollektiven Hysterie sind immer noch unbekannt. Neonazis versuchen heute, diese Leerstelle für ihre Zwecke zu missbrauchen: An jedem 8. Mai, dem Tag des Endes des Zweiten Weltkriegs, marschieren sie schweigend durch die Straßen der Gemeinde. Gleichzeitig bemühen sich mehrere Hundertschaften der Polizei, Gegendemonstranten von der Route fernzuhalten. In der Dokumentation sprechen Überlebende zum ersten Mal von den schrecklichen, lange verdrängten Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Neben dem Wunsch nach Versöhnung und dem Willen zu einer ehrlichen Aufarbeitung stehen Hass und Feindseligkeit. So eröffnet der Film an diesem exemplarischen Ort einen neuen Blick auf den weiterhin schwierigen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte.

Mi., 4. Nov · 22:45-23:15 · ARD-alpha
Meine Demokratie: Rahel Mann

Den Abschluss der Reihe bildet das Interview mit der Psychotherapeutin und Lyrikerin Rahel Mann. Den Holocaust überlebte sie als jüdisches Mädchen versteckt. Demokratie, das bedeutet für Rahel Mann, „die Freiheit des Denkens, die Freiheit des Fühlens, die Freiheit der Entscheidung – und den Mut, das zu leben“. Was ist für mich das Wichtigste an der Demokratie? Was würde mir am meisten fehlen ohne sie? Das Demokratie-Verständnis der Menschen in Deutschland hat viele Facetten. Es hängt auch davon ab, welche Erfahrungen jeder Einzelne im Laufe seines Lebens macht.

Do., 5. Nov · 00:30-02:00 · BR
Das große Geheimnis

Die Niederlande, im Sommer 1943: Die beiden Jungs Tuur und Lambert leben in einem kleinen Dorf in Süd-Limburg nahe der belgischen Grenze. Von klein auf sind sie unzertrennlich. Doch in diesem Sommer verändert der Zweite Weltkrieg alles. Tuurs Eltern sind gegen die Deutschen und sympathisieren mit dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung, Lamberts Eltern dagegen sind Mitglieder der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung. Aber nicht nur die politischen Gegensätze der Familien stellen die Freundschaft der Jungen vor Probleme. Denn die neue Klassenkameradin Maartje freundet sich mit Tuur an. Als der eifersüchtige Lambert seinem Vater von einem Ferkel erzählt, das Bauern auf der Farm verstecken, wo auch Maartje untergekommen ist, ahnt er nicht, dass er damit die Aufmerksamkeit auf Maartje lenkt, die ein großes Geheimnis bewahrt. Denn das Mädchen ist Jüdin. Wenn ihre wahre Identität entdeckt wird, dann droht ihr die Deportation und damit der sichere Tod.

Do., 5. Nov · 23:00-23:45 · HR
Der Jude und sein Dorf

Hans Bär besucht nach 80 Jahren Exil in Argentinien zum erstenmal sein Heimatdorf. Mit 14 Jahren floh er mit der Mutter vor den Nazis. Nun reist er mit seinen Enkelinnen nach Wohnbach in der Wetterau. Was ist aus dem Dorf geworden? Gibt es Menschen, die er noch kennt? Das Dorf bereitet ein großes Empfangsfest vor. Doch was passiert in einem kleinen Ort, wenn jemand zurückkehrt, der an jene Zeit erinnert, in der Juden vertrieben und ermordet wurden? Hans Bär will mit aller Kraft noch einmal einen Blick in die Vergangenheit wagen, aber er muss sich lange sammeln, ehe er es schafft, aus dem Auto auszusteigen und sich auf Erinnerungsreise in das Dorf seiner Jugend zu begeben.

Do., 5. Nov · 23:45-01:15 · HR
Meine Tochter Anne Frank

Der Name Anne Frank steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit, aber auch für den frechen und schonungslosen Blick einer Heranwachsenden auf ihre Familie und ihre Umwelt. Millionen Menschen weltweit kennen ihr Tagebuch, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Jetzt liegt mit diesem Doku-Drama die erste große deutsche Verfilmung der Lebensgeschichte des Frankfurter Mädchens vor. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der beiden versteckten Familien im Hinterhaus neu. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen – und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich mehr als nur Küsse tauschte. Interviews mit den letzten noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. Der Film schaut auf einen kleinen Ausschnitt der Welt mit den Augen von Anne Frank. Durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen findet aber auch die Welt außerhalb des Verstecks bildlich Eingang in die Beschreibungen des Mädchens. In der Enge ihrer Kammer stürmen die Bilder der Zeit auf sie ein: der Einmarsch der Deutschen, die willkürlichen Verhaftungen auf der Straße, die Verschleppung der jüdischen Familien.

Fr., 6. Nov · 20:15-22:00 · 3sat
Akte Grüninger

„Akte Grüninger“ erzählt die Geschichte des St. Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger (1891-1972), der kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Hunderten Juden die Flucht ermöglichte. Februar 1939: Obwohl die Schweizer Grenze seit rund einem halben Jahr für Flüchtlinge geschlossen ist, gelangen weiterhin Hunderte von Menschen ohne gültiges Visum ins Land, namentlich im Grenzgebiet zu Deutschland und dem von Hitler „heimgeholten“ Österreich. Zur Abklärung der Hintergründe dieser offensichtlich illegalen Einreisen leitet der Chef der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, eine Untersuchung ein. Polizeiinspektor Robert Frei, ein junger, ehrgeiziger und autoritätsgläubiger Beamter, wird in den Kanton St. Gallen beordert. Dort kommt er im Rheintal einem Hilfssystem auf die Spur, das von breiten Teilen der Bevölkerung getragen und vom St. Galler Kantonspolizei-Kommandanten Paul Grüninger nicht nur stillschweigend geduldet, sondern aktiv unterstützt wird. Im Laufe der Ermittlungen erhärtet sich Freis Verdacht. Grüninger lässt Flüchtlinge ohne gültige Visa herein. Indem er zahllose Registrierungen vor den 19. August 1938 – den Tag des Grenzschließungserlasses – datiert, legalisiert er viele Emigranten als anerkannte Flüchtlinge. Der Polizeikommandant streitet gegenüber Frei auch gar nicht ab, dass er laufend gegen das Gesetz verstößt. Aber er tue dies aus reiner Menschlichkeit; er könne schlicht nicht anders. Frei ist irritiert.

Sa., 7. Nov · 00:15-01:55 · MDR
Verleugnung

Deborah Lipstadt (Rachel Weisz), Professorin für Jüdische Zeitgeschichte an der Emory University in Atlanta, sieht sich mit einem brisanten Gerichtsverfahren konfrontiert: In einer ihrer Publikationen bezichtigte sie den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) der Lüge, weil sich dieser vehement weigert, den im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Holocaust als geschichtliche Tatsache anzuerkennen. Irving kontert diese Provokation auf seine Weise: Er verklagt Lipstadt wegen Rufschädigung und schwört einen Verleumdungsprozess herauf, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht dazu verpflichtet ist, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen. Für die amerikanische Professorin bedeutet dies im Klartext, dass sie die historische Nachweisbarkeit der Judenvernichtung faktisch belegen muss. Unter dem Druck der Beweislast engagiert Lipstadt ein erfahrenes Verteidigerteam angeführt von dem undurchschaubaren, aber mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Richard Rampton (Tom Wilkinson), dessen eigenwillige Herangehensweise an den diffizilen Fall bei seiner Auftraggeberin nicht immer auf Gegenliebe stößt. Rampton und seine Kollegen versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, Irvings Hauptargumente außer Kraft zu setzen, während das unliebsame Justizspektakel eine kontrovers diskutierte Eigendynamik entwickelt.

Sa., 7. Nov · 00:15-01:55 · BR
Die Brücke

Im April 1945 geht der Krieg in die letzte Phase. Während die alliierten Truppen auf breiter Front im Vormarsch sind, zieht das Nazi-Regime sein letztes Aufgebot zum Volkssturm ein. Darunter befinden sich sieben Gymnasiasten aus der bayerischen Provinz, deren bisheriges Leben von der NS-Propaganda bestimmt war. Ihr besonnener Lehrer Stern (Wolfgang Stumpf) erreicht durch Intervention beim zuständigen Hauptmann (Heinz Spitzner), dass man seine Schüler nicht mehr in den Kampf schickt. Stattdessen werden sie zur weniger gefährlichen Bewachung einer Brücke in ihrer Heimatstadt abkommandiert. Ein gutmütiger Unteroffizier (Günter Pfitzmann), der für ihr Überleben sorgen soll, wird bei einem Erkundungsgang als vermeintlicher Deserteur erschossen. Die unausgebildeten Rekruten sind nun ganz auf sich gestellt. Als Sigi (Günther Hoffmann), der Jüngste der Gruppe, bei einem Tieffliegerangriff stirbt, eröffnen seine Kameraden blindlings das Feuer auf heranrollende US-Panzer. Ein amerikanischer G.I., der nicht auf Kinder schießen will, bezahlt sein Friedensangebot mit dem Leben. Von der Gegenwehr überrascht, zieht der alliierte Verband sich zurück.

Sa., 7. Nov · 01:55-02:20 · MDR
Kurzfilme: Der Koffermacher

1939/Emsland: Der alte Koffermacher Opa Alfred wird täglich vom kleinen jüdischen Nachbarjungen Samuel in seinem Koffermacherladen belagert. Der Junge hat nur einen Wunsch, er will Koffermacher werden. Dies passt dem mürrischen Alten gar nicht. Und besonders nicht seinen Nazi-Kunden, die dies deutlich zu verstehen geben. Eines Tages wird die jüdische Familie von Samuel deportiert. Alfred muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht. Unter Lebensgefahr gelingt ihm die Rettung des kleinen Jungen – in einem seiner großen Koffer.

Sa., 7. Nov · 07:30-08:00 · RBB
Liebe statt Gehorsam – Das Kinderheim in der Auguststraße

Eine denkwürdige Begegnung: Schülerinnen und Schüler einer evangelischen Schule in Berlin treffen in der Auguststraße in Berlin-Mitte Holocaustüberlebende, die dort einen Teil ihrer Kindheit im Kinderheim Ahawah (deutsch: Liebe) verbrachten oder in die jüdische Mädchenschule nebenan gingen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurden die Kinder, die oft Kriegswaisen waren, entgegen dem noch weit verbreiteten Zeitgeist nicht zu Gehorsam und Anpassung erzogen, sondern als Menschen wertgeschätzt und entsprechend ihren persönlichen Begabungen gefördert. Erst mit dem Holocaust endete für viele von ihnen eine Zeit, an die sie sich bis heute gern erinnern. Die heutigen Berliner Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit dem Schicksal der damaligen Kinder auseinandergesetzt und bringen die historischen Geschichten durch die Kinderaugen betrachtet auf eine besondere Weise nahe.

So., 8. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Rabbi Dr. Henry G. Brandt

„Schuld war eigentlich der rosarote Elefant. Sonst wäre ich vielleicht nie nach Deutschland zurückgekehrt“, sagt Rabbi Dr. Henry G. Brandt. Was er damit meint und wie sein Kindheitstraum, Trambahnfahrer zu werden, durch eine Abenteuerreise auf einem Schiff nach Tel Aviv ersetzt wurde, davon berichtet der 90-Jährige in diesem Film. Brandt prägte den interreligiösen Dialog und die Wiederbelebung des liberalen Judentums in Europa wie kaum ein anderer. Eine Lebensgeschichte wie ein Abenteuerroman. „Wir sitzen hier gemeinsam im gleichen Boot. Ich helfe Dir, du hilfst mir. So wuchsen wir auf. Das war Freiheit.“ Erinnert sich Henry Brandt, wenn er von seiner Ankunft als 12-Jähriger in Tel Aviv im Jahre 1939 spricht. Die Freiheit. Nur kurz zuvor hätte Familie Brandt sie fast verloren. Bis zum letzten Moment wollte Vater Friedrich Brandt es nicht wahrhaben. Seine Heimat Deutschland, für die er im ersten Weltkrieg als Patriot gekämpft hatte, würde ihn und seine Familie schützen. Aber weit gefehlt. Es wurde bedrohlich. Für alle Juden. Die beiden Schwabinger Schuhgeschäfte der Familie Brandt wurden enteignet, die geliebte liberale Hauptsynagoge am Lenbachplatz noch vor der Pogromnacht im November 1938 abgerissen. Mit einem der letzten Schiffe nach Palästina gelingt der Familie die Flucht. Für Henry G. Brandt, der damals noch Heinz-Georg heißt, ist es eine Flucht nach vorn. Ein Abenteuer. In diesem erstmals so ausführlichen Interview erzählt der heute 90-jährige Rabbiner Henry G. Brandt von seinen verschiedenen Leben: Seinem Kindheitstraum, Straßenbahnfahrer in München zu werden. Seinem leidenschaftlichen Einsatz als junger Hagana-kämpfer beim Unabhängigkeitsprozess des Staates Israel. Seinem Leben als Marktanalyst bei Ford in England und seiner Berufung zum Rabbiner, die ihn über unterschiedliche Länder zurück nach Bayern führte und zu einem der prägendsten Persönlichkeiten im liberalen Judentum Europas sowie im interkonfessionellen Dialog machte. Was letztendlich ein rosaroter Elefant mit Henry G. Brandts Rückkehr nach Deutschland zu tun hatte – auch davon erzählt der vielfach auszeichnete Rabbiner auf seine kluge, humorvolle und einnehmende Weise in diesem Film. „Schuld war eigentlich der rosarote Elefant. Sonst wäre ich vielleicht nie nach Deutschland zurückgekehrt“, erzählt Rabbi Dr. Henry G. Brandt. Was es damit auf sich hat, und wie sein Kindheitstraum, Münchner Trambahnfahrer zu werden, von einer Abenteuerreise auf einem der letzten Emigrationsschiffe nach Tel Aviv ersetzt wurde, davon berichtet der heute 90-Jährige in diesem Film. Dr. Henry G. Brandt zählt heute zu den prägendsten Persönlichkeiten im interreligiösen Dialog und der Wiederbelebung des liberalen Judentums in Europa. Eine Lebensgeschichte – wie ein Abenteuerroman.

So., 8. Nov · 23:20-23:50 · ARD-alpha
Mitten im braunen Viertel – Das neue israelische Generalkonsulat

Anlässlich der Eröffnung des Israelischen Konsulats eine Reportage über den Generalkonsul, die deutsch-israelischen Beziehungen und das Braune Viertel

So., 8. Nov · 23:35-01:28 · Das Erste (ARD)
Elser

Wäre die Bombe am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller 13 Minuten früher hochgegangen – Georg Elser hätte womöglich die Weltgeschichte verändert. Am 8. November 1939 wird ein Mann an der Grenze zur Schweiz wegen des Besitzes verdächtiger Gegenstände festgenommen. Nur Minuten später explodiert im Münchner Bürgerbräukeller unmittelbar hinter dem Pult, an dem Hitler seine Jubiläumsrede hielt, eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod. Der festgenommene Mann ist Georg Elser, ein Schreiner aus dem schwäbischen Königsbronn. Als man bei ihm eine Karte des Anschlagsortes und Sprengzünder findet, wird er dem Chef der Kripo im Reichssicherheitshauptamt, Arthur Nebe, und dem Gestapochef Heinrich Müller zum Verhör überstellt. Von ihnen erfährt Elser, dass sein Vorhaben gescheitert ist – dass der Mann, den er töten wollte, den Bürgerbräukeller 13 Minuten vor der Explosion verlassen hat. Tagelang wird Elser von Nebe und Müller verhört, tagelang hält er ihren Fragen stand. Bis er schließlich gesteht und die Geschichte seiner Tat schildert. Er wird gefoltert, weil Nebe und Müller ihm nicht glauben, dass er seine Tat ganz allein beging. Nach den Verhören kommt er in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau, wo Georg Elser schließlich auf Befehl Hitlers am 9. April 1945 ermordet wird – nur wenige Tage vor Ende des Krieges. Wer war dieser Mann, der aus einfachen Verhältnissen kam, der aber die Gefahr, die von Hitler ausging, deutlicher erkannte als die meisten anderen? Der bereit war zu handeln, als diese anderen mitliefen oder schwiegen? Regisseur Oliver Hirschbiegel und die Autoren Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer erzählen die packende Geschichte eines Handwerkers, der trotz schwerster innerer Konflikte in Kauf nahm, durch seine Tat auch andere Menschen zu töten als denjenigen, dem sie eigentlich galt.

Mo., 9. Nov · 10:55-11:55 · WDR
Planet Wissen: Jüdisches Leben in Deutschland – Normal oder gefährlich?

Jüdisches Leben in Deutschland ist auch 75 Jahre nach dem Ende der Shoah nicht wieder zur Normalität geworden. Anschläge wie der auf die Synagoge in Halle und Anfeindungen und Angriffe sogar auf offener Straße nehmen zu. Jüdische Einrichtungen stehen unter Polizeischutz. Wie erleben das in Deutschland lebende Juden? Wie wird ihr Alltag davon beeinflusst? Und was muss sich ändern? Darüber diskutieren die deutsch-jüdischen Autorin Linda Rachel Sabiers, Michael Rubinstein vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und Sina Arnold vom Zentrum für Antisemitismusforschung.

Mo., 9. Nov · 19:40-20:14 · arte
Re: Ultraorthodoxe Aussteiger – Neues Leben für Juden in Deutschland

Weltweit leben mehr als 1,3 Millionen Juden in ultraorthodoxen Gemeinschaften. Eine Art Parallelwelt, in der allein die Regeln Gottes zählen. Jeder Aspekt des Alltags ist klar geregelt: Die Frauen kümmern sich um Haushalt und Kindererziehung, die Männer widmen ihr Leben dem Studium der Religion. Schätzungen zufolge verlassen allein in Israel zehn Prozent der Juden ihre streng religiöse Gemeinschaft, Tendenz steigend. Vor allem junge Erwachsene fliehen, überraschenderweise nach Deutschland. Akiva Weingarten wächst in einem New Yorker Vorort auf, bei den Satmarern, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte. 2014 macht er einen radikalen Schnitt. Er verlässt seine Frau und seine drei Kinder und beginnt in Berlin ein neues Leben. Ohne Familie, ohne Kreditkarte und Konto – und ohne je einen Beruf erlernt zu haben. Mittlerweile ist um ihn herum eine freie Gemeinschaft aus ehemaligen Ultraorthodoxen entstanden, denen der Rabbiner mit lebenspraktischen und auch theologischen Fragen hilft. Aussteiger Moshe Barnett und David Lamberger leben erst seit ein paar Monaten zusammen in einer WG in Dresden. Sie suchen nicht nur ein neues Leben, sondern auch ein neues Verhältnis zu Gott.

Mo., 9. Nov · 20:15-21:40 · ZDF
Das Unwort

Nachdem ein jüdischer Junge monatelang von Mitschülern drangsaliert wurde, entbrennt eine Auseinandersetzung zwischen den überforderten Eltern, der Klassenlehrerin und der Schulleitung. Krisengespräch am Berliner Westend-Gymnasium: Max, 15 Jahre, hat seinem Mitschüler Karim das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen, Reza, die Nase gebrochen. Nun droht Max der Schulverweis. Wie sich bald herausstellt, hat der Vorfall eine Vorgeschichte: Als die Klassenlehrerin Annika Ritter einige Zeit zuvor Das Tagebuch der Anne Frank im Unterricht behandeln möchte, erzählt Max von seiner jüdischen Herkunft und wird damit zur Zielscheibe eines monatelangen Mobbings durch seine Mitschüler. Sogar Max‘ Freund Reza schlägt sich irgendwann auf die Seite von Karim, der die treibende Kraft hinter den verbalen und physischen Attacken gegen Max ist. Während die Klassenlehrerin mit der Situation überfordert ist, versucht die Schulleitung aus Angst um den Ruf der Schule, das Problem herunterzuspielen. „Zu ihrem eigenen Schutz“ sollen Max und andere jüdische Kinder ab sofort während der großen Pause im Klassenzimmer bleiben. Die Eskalation ist programmiert, auf der Schulkonferenz kommt es vollends zum Eklat. Was ist der richtige Umgang mit der Situation? Ist die Sache aus der Welt, wenn statt Max nun Karim und Reza von der Schule fliegen? Max‘ Vater Simon möchte um keinen Preis, dass sein Sohn zum Opfer gemacht wird, Rezas Mutter Majan Marschner Merizade sieht sich einer antimuslimischen Vorverurteilung ausgesetzt, der Schuldirektor Ralf Stege hat Angst um seine politische Karriere, und die eigens angereiste Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde, Frau Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann, will einen Medienskandal vermeiden. So gerät der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt der Jugendlichen zu lösen, unversehens zu einem „Kampf der Kulturen“, einen Kampf zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Moslems, Juden und „deutscher Leitkultur“, zwischen Bürokratie und Menschlichkeit. Ein folgenschwerer Abend, an dem sich jenseits aller politischen Korrektheit die Vorurteile und Ressentiments der Erwachsenen Bahn brechen. Ein Film über alltägliche Gewalt, über Vorurteile, Ausgrenzung und die Herausforderung, damit umzugehen.
© ZDF und [F] Conny Klein ; [M] Ar Herr Eichmann (Florian Martens), Direktor Stege (Devid Striesow), Frau Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben), Valerie Berlinger (Ursina Lardi), Max Berlinger (Samuel Benito), Annika Ritter (Anna Brüggemann), Simon Berlinger (Thomas Sarbacher), Majan Marschner Merizade (Neda Rahmanian).

Mo., 9. Nov · 21:40-22:25 · ZDF
Hey, ich bin Jude! Jung. Jüdisch. Deutsch.

„Wir sind keine Aliens!“, sagen sie und wollen als ganz normale junge Menschen gesehen werden. In einer Doku, die sich an den Film „Das Unwort“ anschließt, erzählen junge Juden, was sie bewegt. Was bedeutet es, der einzige Jude oder die einzige Jüdin auf der ganzen Schule zu sein? Sich mit Klischees oder Stereotypen rumschlagen zu müssen? Ein Film über den Alltag zwischen Sportplatz und Synagoge, Thora und Instagram, Schabbat und Party. Auf deutschen Schulhöfen ist „Du Jude!“ ein gängiges Schimpfwort. Antisemitische Sprüche, geschmacklose Witze und nervige Vorurteile gehören für junge Jüdinnen und Juden in Deutschland zum Alltag. Für sie ist es eine traurige Selbstverständlichkeit, dass sie ihre Kippa oder ihre Davidstern-Kette nicht überall offen tragen können – aus Angst vor Pöbeleien und Übergriffen. Andererseits wollen sie raus aus der Opferrolle. Ilan (20) sagt: „Für viele sind wir eine Randgruppe, die einfach immer nur erniedrigt wird. Aber es ist falsch, dass wir nur darauf reduziert werden.“ Und Paula (12) ergänzt: „Ja, das wünsche ich mir, dass man nicht ständig komisch angeguckt wird.“ Der Film zeigt, dass es ein lebendiges, junges jüdischen Leben in Deutschland gibt. So verschieden die jüdischen Jugendlichen sind – religiös, atheistisch, musikalisch, sportlich oder technisch interessiert: Sie alle eint, dass sie nicht nur als „Museumsstück“ (Roman, 19) wahrgenommen werden wollen, sondern als aktive junge Menschen, die im Hier und Jetzt leben. Die Dokumentation verzichtet auf einen Kommentar und besteht ausschließlich aus einfühlsamen Gesprächen mit jüdischen Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren, die der Filmemacher Jan Tenhaven in Berlin, Frankfurt am Main, Osnabrück, Essen, München und Weßling geführt hat. Ergänzt werden diese Gespräche von nüchternen Protokollen antisemitischer Vorfälle, vorgelesen von Iris Berben.

Mo., 9. Nov · 23:10-00:55 · MDR
Korczak

Der Kinderarzt und Schriftsteller Janusz Korczak ist Leiter eines Heims für jüdische Waisenkinder. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wird das Kinderheim ins Warschauer Getto verlegt. Er trotzt dort den entsetzlichen Bedingungen, beschafft Nahrungsmittel und versucht, die Würde und Persönlichkeit der Kinder zu bewahren. Mit großer Hingabe moderiert Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak) eine seiner beliebten Warschauer Radiosendungen. Hinterher muss er erfahren, dass es die Letzte war: Als Jude erscheint er den polnischen Behörden 1936 nicht mehr tragbar. Korczak, ein international profilierter Mediziner und Schriftsteller, konzentriert sich nun ganz auf die Leitung des von ihm gegründeten Heims für jüdische Kinder. Die Prinzipien seiner erzieherischen Arbeit sind anti-autoritär, von klein auf lernen Kinder in Korczaks Modellwaisenhaus, sich selbst zu verwalten und Verantwortung zu übernehmen. Nachdem deutsche Truppen Polen überfallen, muss der leidenschaftliche Pädagoge mit seinen Kindern ins Getto umziehen. Durch die Grausamkeit und Unbarmherzigkeit der deutschen Bewacher spitzt sich die Lage für die Juden hier immer mehr zu. Korczak setzt alles daran, seinen Kindern angesichts der täglichen Bedrohung ihre Ängste zu nehmen. Um ihnen das alltägliche Sterben auf den Straßen begreiflich zu machen, inszeniert er mit ihnen ein Theaterstück über den Tod. Unermüdlich durchstreift Korczak das Getto auf der Suche nach Lebensmitteln für seine 200 hungrigen Mäuler und ist sich dabei nicht zu schade, Geld von reichen Getto-Juden anzunehmen, die an der Misere ihrer Landsleute noch verdienen. Dabei gerät Korczak immer wieder in große Gefahr, denn der Unbeugsame weigert sich standhaft, einen Judenstern zu tragen. Mehrmals versuchen einflussreiche Freunde, ihm mit gefälschten Papieren zur Flucht zu verhelfen, doch Korczak lehnt ab. 1942 stirbt er mit seinen Kindern im Konzentrationslager Treblinka.

Mo., 9. Nov · 23:15-00:35 · NDR
Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut

Der zwölfjährige Simon Grünberg soll seine Vorhaut opfern und so endlich das Bündnis mit Gott eingehen. Seine Eltern haben sich getrennt, er wohnt abwechselnd bei seinem gläubigen Vater Frank und seiner sehr weltlich orientierten Mutter Hannah. Kein Wunder, dass deren Begegnungen mit apokalyptischen Streitigkeiten verbunden sind. Während Hannah sich seit der Trennung ungebremst ihrer Tätigkeit als Autorin erotischer Liebesromane hingibt, möchte Frank die Regeln und Rituale des Judentums nun mit noch größerer Konsequenz praktizieren. Dazu gehört auch sein dringender Wunsch, dass Simons Beschneidung endlich nachgeholt wird. Simons Leben wird erschüttert, als er sich mit großer Heftigkeit in die neue Rabbinerin Rebecca verliebt, die ungünstigerweise 20 Jahre älter ist als er. Aber Simon ist sich sicher: Sie ist sein „Weib der ersten Liebe“, für das es, einer Talmudstelle gemäß‚ „keinen Ersatz auf der Welt gibt“. Mit seinen beiden Freunden Clemens und Ben beschließt Simon, Rebecca nach allen Regeln der machiavellistischen Kriegslist zu erobern. Er scheint nicht der Einzige zu sein, der es auf Rebecca abgesehen hat; der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Simon meint, in seinem Vater seinen größten Gegner zu erkennen. In dem Jungen entbrennt eine ungeahnte Kampfeslust. Er ist bereit, aufs Ganze zu gehen und seinen ersten Eroberungsfeldzug zu führen: Rebecca wird von nun an Tag und Nacht beobachtet, alles wird über sie gesammelt und im Keller akribisch genau geordnet und studiert. Darüber hinaus scheut Simon keine Mühen, das „Weib seiner ersten Liebe“ zu beeindrucken.

Di., 10. Nov · 00:40-01:50 · RBB
Gedenken an die Pogromnacht 1938 – Lebensmelodien

Das Projekt „Lebensmelodien“ von dem Musiker Nur Ben Shalom entdeckt Musik jüdischer Komponisten, die zwischen 1933 und 1945 entstanden sind. Die Musik hat geholfen in den Ghettos und Lagern zu überleben – oder um Abschied zu nehmen. Das Projekt ist das Lebensthema von Nur Ben Shalom. Er lebt seit Jahren in Berlin, kommt aus Tel Aviv, spielt Klarinette und hat die Geschichten um die Melodien recherchiert. Das Konzert am 8. November 2020 ist der Auftakt zu dem auf zwei Jahre angelegten Projekt „Lebensmelodien“. Die Werke spielt das „Nimrod Ensemble“. Der Schauspieler Udo Samel liest die Lebensgeschichten.

Di., 10. Nov · 00:45-02:05 · ZDF
Lebenszeichen – Jüdischsein in Berlin

Zwei Generationen nach dem Holocaust mögen die Erinnerungen daran zu verblassen beginnen, aber in kleinen, scheinbar banalen Momenten des täglichen Lebens sind sie noch spürbar. „Lebenszeichen“ ist ein vielstimmiges Porträt der deutschen Hauptstadt und seiner jüdischen Geschichte. Regisseurin Alexa Karolinski hat Familienmitglieder, Freunde, Historiker und zufällige Bekannte befragt und ist im heutigen Berlin auf Spurensuche gegangen. Sie folgt den vielgestaltigen Lebenszeichen, Ritualen und Gewohnheiten, um festzuhalten, wie persönliche Erinnerung und kollektive Geschichte, vererbtes Trauma und gelebte Gegenwart zusammenwirken. Nach „Oma & Bella“ (2012), Karolinskis berührendem Doppelporträt von ihrer Großmutter und deren bester Freundin, ist „Lebenszeichen – Jüdischsein in Berlin“ der zweite Teil einer Trilogie über jüdisches Leben in Deutschland, die das Gestern als notwendige Bedingung für das Heute versteht. „Lebenszeichen“ ist nicht nur eine intime Selbst- und Familienerkundung, sondern auch ein vielstimmiges Porträt der deutschen Hauptstadt und seiner jüdischen Geschichte. Die ruhige Erzählung und assoziative Struktur des Films sind dabei eine Einladung an die Zuschauerinnen und Zuschauer, den ganz eigenen Lebenszeichen nachzuspüren. Mit Annie Karolinski Donig, Siegfried Zielinski, David Karolinski, Evelyn Gutman, Regina Karolinski, Carolin Würfel, Atina Grossmann, Frank Mecklenburg und anderen.

Di., 10. Nov · 20:15-21:05 · arte
Wir, Geiseln der SS (1/2) Fahrt ins Ungewisse

Am 26. April 1945 verlässt ein schicksalhafter Konvoi mit Gefangenen das KZ Dachau. Er transportiert die Sonder- und Sippen-Häftlinge der SS: 139 Menschen aus 17 Ländern Europas, von denen die Nazis glauben, sie seien „mehr wert als eine ganze Division“. Adelige, Kleriker, hohe Kader aus Militär und Politik – darunter auch die Familien der Hitler-Attentäter. Sie alle sind Faustpfand in einem Plan, der wie Wahnsinn klingt, doch Methode hat: In den Alpen will sich die SS im Angesicht der drohenden Niederlage mit ihrem vermeintlich besten Druckmittel verschanzen. Das Kalkül ist schlichte Erpressung: Entweder Immunität und günstige Friedensbedingungen, oder Widerstand bis zum Letzten in der sogenannten Alpenfestung – das wäre der „worst case“ für die Alliierten. Die elitäre Schicksalsgemeinschaft erlebt auf der Fahrt sechs Tage zwischen Tod und Freiheit, ständig die Gefahr eines grausamen Massakers vor Augen. Ohne Kontakt zum Hauptquartier hadern die leitenden SS-Offiziere mit ihren Plänen: Alle sofort erschießen oder doch Kontakt mit den Amerikanern aufnehmen und die Geiseln austauschen? Unsicherheit und Nervosität als idealer Nährboden für irrationale Entscheidungen – auf beiden Seiten. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, doch die Geiseln begreifen: Um zu überleben, müssen sie zusammenhalten. Fluchtversuche Einzelner werden verhindert, politische Gesinnungen oder gesellschaftliche Stände treten in den Hintergrund. Ein kühner Streich wendet das Blatt: Die Gefangenen senden einen Hilferuf – plötzlich stehen sich Soldaten der SS und der Wehrmacht waffenstarrend gegenüber.

Di., 10. Nov · 21:05-22:00 · arte
Wir, Geiseln der SS (2/2) Auf Messers Schneide

Die Fahrt über den Brenner überstehen Geiseln und SS-Schergen unbeschadet. Am 28. April 1945 hält der Konvoi kurz vor dem kleinen Ort Niederdorf. Die SS-Sturmführer Stiller und Bader versuchen, Kontakt zu ihren Vorgesetzten aufzunehmen. Schließlich erzwingen die Häftlinge einen Aufenthalt in Niederdorf, indem sie eigenmächtig die Busse verlassen und sich unter das Volk mischen. Dadurch ist es für die SS unmöglich geworden, die Gefangenen gegebenenfalls unauffällig zu liquidieren. Der Transport macht vorerst in Niederdorf halt. Aber die SS- Bewacher sind nun ohne Kontakt zu ihrem Oberkommando – die Kommunikation mit Berlin oder anderen Dienststellen der SS ist zusammengebrochen. Das macht die SS-Bewacher unkalkulierbar und versetzt die Häftlinge in Angst und Schrecken. Die Initiative des Obersten Bogislaw von Bonin bringt die ersehnte Wende. Dem deutschen Wehrmachtsoffizier, der wegen Befehlsverweigerung inhaftiert wurde, gelingt es, einen Hilferuf an das Oberkommando der Heeresgruppe Italien in Bozen abzusetzen. Die Wehrmacht ist nun über die Situation der Häftlinge informiert und bereit einzuschreiten. So kommt es, dass sich eine herbeigeeilte Wehrmachtskompanie und die SS-Einheit mit gezückten Waffen gegenüberstehen. Unter dem Druck der Umstände ist Obersturmführer Stiller bereit, die Verantwortung über die Sonder- und Sippenhäftlinge an die Wehrmacht abzugeben. Die Gefangenen werden unter der Obhut der Wehrmacht ins nahe gelegene Hotel Pragser Wildsee gebracht. Am 4. Mai 1945 erreichen die Amerikaner das Hotel, doch das Schicksal der Angehörigen ist weiter ungewiss.

Di., 10. Nov · 22:00-22:55 · arte
Die geheimen Depots von Buchenwald

Ende der 1980er Jahre taucht bei Recherchen des amerikanischen Historikers Kenneth Alford in den National Archives in Washington eher zufällig eine mysteriöse handgemalte Skizze auf. Sie zeigt den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald, darin eingezeichnet acht Bunker. Es handelt sich vermutlich um Stollen, die von den Nazis kurz vor Kriegsende in den Berg getrieben wurden. Zwei Stollen wurden von der US-Armee 1945 nach ihrer Ankunft in Buchenwald aufgrund entsprechender Hinweise entdeckt und geöffnet. Tonnenweise bargen die zusammengerufenen Helfer Raubgut, das nach Frankfurt am Main gebracht wurde und dessen Spuren sich später in ihrer Gänze verlieren. Von den sechs anderen Stollen wussten die Amerikaner nichts. Eine Skizze gab es damals nicht. Doch seit ihrer Entdeckung rätseln Experten und Wissenschaftler, wie auch der Historiker Dr. Harry Stein von der Gedenkstätte Buchenwald, was im Berg wirklich noch verborgen liegt. Aufgrund der Recherchen des Journalisten und Filmemachers Peter-Hugo Scholz wurde die Indizienkette immer stärker. Daraufhin gab das wissenschaftliche Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora grünes Licht, um den Berg zu öffnen und das Rätsel endlich zu lösen. Was hat es mit den zusätzlichen Stollen von der Skizze auf sich? Gibt es sie wirklich? Was liegt darin verborgen? Ein Filmteam hat die Ausgrabungsarbeiten begleitet und dokumentiert. Auf seiner Spurensuche offenbart es eine bisher unerzählte Geschichte.

Mi., 11. Nov · 00:00-02:35 · HR
Die Blechtrommel

An seinem dritten Geburtstag verweigert der 1924 in Danzig geborene Oskar Matzerath weiteres Wachstum und Teilnahme an der Welt der Erwachsenen. Auf seiner Blechtrommel artikuliert das ewige Kind seinen Protest gegen Nazis und Mitläufer, und erst nach Kriegsende fasst er den Beschluss, wieder zu wachsen, um mitzubestimmen. – Volker Schlöndorffs brillant inszenierte, weitgehend werktreue Verfilmung des Bestsellers von Günter Grass erhielt zahlreiche Preise, unter anderem die Goldene Palme von Cannes und einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film.

Do., 12. Nov · 06:10-06:40 · arte
Augenblicke der Weltgeschichte: Jean und Natascha, die Liebe zweier Zwangsarbeiter

Im August 1944 feiert Paris nach vier Jahren Besatzung seine Befreiung. Doch für über 600.000 Franzosen, die zum Pflichtarbeitsdienst im Deutschen Reich eingezogen wurden, ist der Krieg noch nicht vorbei. In den Fabriken teilen sie das Schicksal von acht Millionen Zwangsarbeitern, die von den Nazis aus ganz Europa verschleppt wurden. Jean Baudet ist 20, als er in die „Kraft durch Freude“-Stadt, das heutige Wolfsburg, kommt. In der Fabrik, die 1938 noch Vorzeigewerk des Naziregimes und Geburtsstätte des Volkswagens war, stellt Baudet nun an der Seite seiner französischen und russischen Kameraden Kriegsmaterial für die deutsche Armee her. Nach einem Bombardement im September 1944 wird er in das Dorf Neindorf versetzt, wo er eine junge Zwangsarbeiterin aus der Ukraine kennenlernt und sich in sie verliebt. Der Krieg führt Jean und Natascha zusammen – doch der Frieden trennt sie wieder. Im Mai 1945 gelangt Natascha nach Frankreich, wo sie in einem Lager für sowjetische Staatsangehörige interniert und schließlich nach Russland ausgewiesen wird. Zahlreiche Fotografien und Briefausschnitte dokumentieren Baudets Leben in dem niedersächsischen Arbeitslager und die Liebe zu dem Mädchen, das er nach Kriegsende nie wiederfand.

Do., 12. Nov · 23:15-00:15 · SWR
Let’s make babies – Schwule Väter in Israel

Motty und Alon, ein schwules Paar aus Israel, möchten unbedingt Kinder haben. Während einige alleinstehende Männer oder Paare sich für eine geteilte Elternschaft, das sogenannte Co-Parenting entscheiden, wählen andere wie sie den Weg der Leihmutterschaft. Sie ist in Israel seit 1996 völlig legal, jedoch nur für verheiratete heterosexuelle Paare – deshalb gehen viele Paare ins Ausland und geben viel Geld aus für ihren Traum. Auf jährlichen Leihmutterschaftsmessen werben Kliniken und Agenturen um neue Kunden. Ein regelrechter Babyboom. Israel ist der Industriestaat mit der höchsten Geburtenrate weltweit. Durchschnittlich werden hier 3,1 Kinder pro Frau geboren, in Deutschland und der EU sind es 1,6. Der Familie Nachkommen schenken zu wollen, ist ein tief in der israelischen Gesellschaft verwurzeltes Bedürfnis. Da macht es keinen Unterschied, wen man liebt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer begleiten Motty und Alon auf ihrem Weg zu eigenen Kindern. Mit Hilfe ihrer Leihmutter Krista in Portland, USA. Ihre Geschichte wird stets nah beobachtet, angefangen von Komplikationen beim Embryotransfer oder dem ersten Ultraschall, den Motty und Alon über Skype mitverfolgen. Welche Vorbereitungen treffen sie, welche Sorgen machen sie sich 11.000 Kilometer von ihren heranwachsenden Zwillings-Babies entfernt? Wie erfüllen sie sich ihren Traum von Glück? Anhand der intimen Situationen, in denen Zuschauerinnen und Zuschauer das Paar erleben und der Einblicke in das Leben in Israel, entsteht ein Portrait eines modernen und sehr vielfältigen Landes voller Gegensätze, in der die Familie die wichtigste Rolle einnimmt. Der Film wirft Fragen auf über Elternschaft, soziale Normen und den Zeitgeist in der heutigen technologisch hochentwickelten Welt.

So., 15. Nov · 01:15-01:50 · arte
Masel Tov Cocktail

Der Schüler Dima ist mit seinen Eltern als Kind aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Die jüdischen Aussiedler sind hier heimisch geworden. Doch Dima wird ständig mit seiner jüdischen Herkunft konfrontiert. Als er deswegen in der Schule in einen Streit mit einem Mitschüler gerät und es zu Handgreiflichkeiten kommt, wird er vom Direktor mit vorübergehendem Schulausschluss belegt. Außerdem soll Dima sich entschuldigen. Das empfindet er als extrem ungerecht. Unter dem Druck seiner Eltern macht er sich dennoch auf den Weg zu seinem Mitschüler. Dabei begegnen ihm die unterschiedlichsten Figuren, die alle eine Haltung zu seiner jüdischen Herkunft haben. Als er endlich bei seinem Mitschüler ankommt, hat sich aber seine Haltung dem Streit gegenüber geändert. Es könnte alles gut werden …

So., 15. Nov · 19:30-20:15 · ARD-alpha
RESPEKT – Judenhass – was tun gegen eine mörderische Ideologie?

Laut einer aktuellen Studie denkt ein Viertel der Deutschen antisemitisch. Warum Antisemitismus (immer noch) so häufig vorkommt und wie er am besten zu bekämpfen, will Christina Wolf für „Respekt“ herausfinden. Dazu forscht sie erst nach, wann und wie Antisemitismus entstanden ist – eine unselige Geschichte, die fast bis Christi Geburt zurückreicht. Um den modernen jüdischen Alltag kennenzulernen, besucht Christina Wolf die eher traditionelle Israelitische Kultusgemeinde in München. Und sie besucht die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom, die das Judentum bewusst „liberal“ und „zeitgemäß“ interpretiert. Im Gespräch mit Jüdinnen und Juden erfährt die Moderatorin, welche Erfahrungen sie im Alltag mit Antisemitismus gemacht haben. Die Rubrik „Zahlen und Fakten“ zeigt die Entwicklung antisemitischer Übergriffe. Antisemitismus hat aber auch andere Erscheinungsformen. Häufig „tarnt“ er sich als Kritik an der Politik Israels. Die Grenze zwischen legitimer politischer Kritik und Antisemitismus ist meist nicht leicht zu erkennen. Christina Wolf will mehr erfahren und reist nach Berlin, um eine Antisemitismusforscherin zu treffen. Um den jüdischen Alltag auch einmal selbst mitzuerleben, mietet sie sich kurzerhand einen Juden. „Rent a Jew“ nennt sich ein Projekt, das Begegnungen von jüdischen und nichtjüdischen Menschen fördert. Es vermittelt jüdische ehrenamtliche Referent*innen z.B. an Schulen. Am Ende ihrer interessanten Reise kommt die Moderatorin in der Reportage zu dem Ergebnis: Antisemitismus hat eine lange Geschichte und viele Formen. Ihm begegnen kann man mit Aufklärung und gegenseitigem Verständnis. „RESPEKT“ will dazu beitragen, Demokratie, Grund- und Menschenrechte nicht nur als abstrakte Begriffe zu verstehen, sondern als Werte des gemeinschaftlichen Lebens. Die Online-Videos und TV-Reportagen überprüfen Vorurteile und Klischees wie Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Homophobie oder Sexismus. Die Presenter Sabine Pusch, Rainer Maria Jilg und der aus Syrien stammende Schauspieler Ramo Ali treffen Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz einsetzen. Mit Ironie und in lockerem Ton zeigen sie, wie Grundwerte und Menschenrechte im Alltag gelebt werden können – und warum wir alle von einem solidarischen Miteinander profitieren. Umfragen mit Passanten ergänzen den Blick auf das jeweilige Thema. Eine „Zahlen und Fakten“-Rubrik hilft dabei, die unterschiedlichen Standpunkte zu beurteilen und sich eine fundierte Meinung zu bilden.

Kommentar verfassen