Fernsehtipps für den August

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Vom 16. bis 31. August 2013…

Fr, 16. Aug · 02:00-03:07 · arte
Mein süßer Kanarienvogel

Roza Eskenazi sang, wie sie lebte – leidenschaftlich, feurig und mit Liebe. Drei junge Musiker aus Zypern, der Türkei und Israel begeben sich auf eine aufregende musikalische Reise, um den Lebensweg der berühmtesten und beliebtesten Rembetiko-Interpretin erstmals filmisch zu dokumentieren. Es ist eine Reise auf den Spuren der Sängerin, von Istanbul nach Thessaloniki und Athen. Vor allem aber ist es eine Reise in eine Welt, die zwar weitgehend verschwunden sein mag, deren Lieder aber im gesamten Mittelmeerraum auch heute noch nachklingen. Roza Eskenazi, die Diva des Rembetiko, war in den 30er Jahren die berühmteste Sängerin in Griechenland und der Türkei. Ihre auf Plakaten in allen Schallplattenläden zur Schau gestellte rassige Erscheinung vermochte selbst hartgesottenen Machos den Kopf zu verdrehen. „Mein süßer Kanarienvogel“ ist eine gut gelaunte musikalische und filmische Reise durch Griechenland und die Türkei auf den Spuren dieser Sängerin, deren Musik die Region nahezu ein Jahrhundert lang prägte. Drei auch heute ihrem Erbe verpflichtete Künstler zeichnen ihr Leben nach und interpretieren ihre Lieder, um dabei zu ergründen, warum Rozas Musik noch immer so wichtig für sie ist. Tomer Katz ist ein israelischer Oud- und Bouzouki-Spieler. Die in Großbritannien geborene Zypern-Griechin Martha D. Lewis ist Sängerin und Komponistin. Mehtap Demir, Sängerin und Musikerin, kommt aus der Türkei. Gemeinsam führen sie durch Rozas Lebensgeschichte, die den überwiegenden Teil des 20. Jahrhunderts umspannte. Ihre Saga hallt in der musikalischen Reise der drei Künstler durch die lebendige Rembetiko-Musikszene der Türkei und Griechenlands wider. In beiden Ländern treffen sie einheimische Musiker und erschließen sich gemeinsam Rozas Lieder, die auch heute wieder in den Clubs und auf den Dancefloors von Athen, Istanbul, Thessaloniki und der ganzen Welt zu hören sind – der beste Beweis dafür, dass diese Musik Zeit und Grenzen bedeutungslos werden lässt. Roza Eskenazi wurde als sephardische Jüdin in Istanbul geboren. Ende der 20er Jahre eroberte sie Thessaloniki und Athen mit ihrer Musik. Als erster wahrhafter Rembetiko-Star nahm sie Schallplatten in Rekordzahl auf. Sie hinterließ über 500 Lieder in Griechisch, Türkisch, Armenisch und Ladino. Ihr tragisches Schicksal wird von Freunden und Verwandten erzählt, von den Musikern, die sie begleiteten und – erstmals im Film – von ihrem Biografen, der das einzige Porträt der Künstlerin schrieb, von der jungen Frau bis zum Star. Rembetiko, auch „griechischer Blues“ genannt, ist ein zwischen Ost und West angesiedeltes Musikgenre, das seine Ursprungsregion in sich trägt. Seine eigentlichen Wurzeln liegen in Kleinasien. Hier entstand diese Musik Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch schon bald wurde Rembetiko zur Stimme der einfachen Leute, die in den Wirren der sozialen und politischen Umwälzungen nach dem Verfall des osmanischen Reiches, ein schweres Leben hatten. Mit der Geschichte von Roza Eskenazi entdeckt der Zuschauer eine Welt, die zwar verschwunden sein mag, aber dennoch nicht verstummt ist. Gemeinsam mit den drei Musikern begibt er sich auf die Suche nach den Spuren des künstlerischen Erbes der Sängerin. Ihre zeitlosen Lieder vermitteln die große Kraft und Aktualität des Rembetiko bis heute sehr eindrucksvoll.

Fr, 16. Aug · 17:00-17:30 · PHOENIX
Israels viertes Meer

Seit biblischen Zeiten ist der See Genezareth bekannt. Immerhin wandelte schon Jesus über den See. Da das ARD-Team dies nicht kann, macht es eine Reise rund um den See, um Land und Leute in einer der schönsten Regionen des Heiligen Landes vorzustellen. Wir besuchen Tabgha, eine christliche Pilgerstätte, die mit dem Wirken Jesu in Verbindung gebracht wird (Brotvermehrungskirche ) und das Benediktiner Kloster, in dem seit 1939 Benediktinermönche leben. Mönche und deutsche Volontäre arbeiten in der Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte Beit Noah, die ein Teil des Komplexes aus Brotvermehrungs-kirche und Kloster ist. Wir wandern durch Tiberias, eine Stadt am See, die von Herodes Antipas im Jahre 17 n. Chr. errichtet wurde. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. wurde die Stadt bald das geistige und religiöse Zentrum der Juden. Im Jahr 637 wurde die Stadt von den muslimischen Arabern erobert, sie war jedoch auch weiterhin von Juden bewohnt. 1099 eroberten die Kreuzritter die Stadt, die sie, nach der Befestigung durch eine Stadtmauer, als Stützpunkt nutzten. Tiberias bildete das Zentrum des Fürstentums Galiläa innerhalb des Königreichs Jerusalem. In Tiberias begegnen wir einem Fischer, der darüber klagt, dass es kaum noch Fische im See Genezareth gibt.

So, 18. Aug · 22:15-23:45 · BR-alpha
Deutschland gegen Deutsch

Der Jurist Dr. Hans Deutsch unterstützte im Nachkriegsdeutschland zahlreiche von den Nazis beraubte Kunstsammler dabei, Entschädigungen zu erwirken. 1964 wurde Deutsch plötzlich verhaftet. Der Vorwurf: Er habe mit gefälschten Dokumenten dem deutschen Staat schaden wollen. Es folgten 18 Monate Untersuchungshaft und ein Prozess, der trotz Freispruch seine Existenz zerstörte. Erst nach der Wiedervereinigung wurde klar, dass Deutsch offenbar Opfer einer perfiden Intrige geworden war, die bis in höchste Kreise der jungen Bundesrepublik reichte. Michael Junckers packender Dokumentarfilm erzählt ein dunkles Stück deutsche Nachkriegsgeschichte. Für seinen in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk entstandenen Film hat der Regisseur zahlreiche Zeitzeugen und Experten befragt und den unglaublichen Politskandal neu aufbereitet. 4. November 1964: Die Einladung des deutschen Finanzministeriums – der damalige Leiter war FDP-Mann Rolf Dahlgrün, ehemals NSDAP-Mitglied und Jagdfreund Görings – war für den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Hans Deutsch nicht aufregend. Als bedeutendster und mächtigster Anwalt für „Wiedergutmachung“, der vielen Opfern der „Arisierung“ zu ihrem Eigentum oder wenigstens zu einer Entschädigung verholfen hatte, war er in der Bonner Politszene quasi zuhause. Doch diesmal war alles anders: Als Deutsch sich beim Pförtner meldete, trat ein Mann mit den Worten „Sie sind verhaftet“ an ihn heran und nahm ihn fest. Hans Deutsch, 1907 in Wien geboren, in letzter Minute den Nazis entkommen und nach Palästina geflohen, 1953 von dort nach Europa zurückgekehrt, musste in der Folge 18 Monate in Untersuchungshaft in einem deutschen Gefängnis verbringen. Auf ein Gerichtsurteil in seinem Fall wartete er zehn Jahre. Der Beklagte konnte damals kaum ahnen, dass er das Opfer eines Komplotts war, das offenbar von höchsten politischen Würdenträgern eingefädelt worden war, die seinem Kampf für die jüdischen Opfer des Hitlerregimes ein Ende setzen wollten. An ihrer Spitze: der damalige Finanzminister Rolf Dahlgrün, sein Ministerialdirigent Fritz Koppe und dessen Kollege Ernst Féaux de la Croix – ein Trio, das seine mühsam unter den Teppich gekehrte nationalsozialistische Vergangenheit eint. Ankläger des Opferanwalts war dann ausgerechnet der Bonner Staatsanwalt Dr. Kirschbaum, der später als Kriegsverbrecher entlarvt wurde. Hans Deutsch wurde schließlich zwar freigesprochen, seine finanzielle und gesellschaftliche Existenz jedoch war zerstört. Nach seinem Tod im Jahr 2002 konnte sein Sohn Joram Deutsch neue Beweise für die Unschuld seines Vaters finden. Michael Juncker folgt ihm und dem US-amerikanischen Staranwalt Ed Fagan in seinem spannenden Dokumentarfilm durch Europa und begibt sich auf die Spur eines unfassbaren Politkrimis. Dabei befragt er unter anderem Zeugen des damaligen Prozesses, Sprecher von Finanz- und Justizministerium sowie Journalisten.

So, 18. Aug · 23:15-01:05 · BR
Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Max Baumstein, Präsident der humanitären Hilfsorganisation „Solidarité Internationale“, begeht in Paris ein spektakuläres Attentat: Er konfrontiert den Botschafter Paraguays mit der Anschuldigung, dass er 1933 unter dem Namen Ruppert von Leggaert Mitglied der deutschen Botschaft in Paris gewesen sei und Beziehungen zu einer jungen Frau namens Elsa Wiener hatte. Als der Diplomat dies zögernd zugibt, zieht Baumstein eine Pistole und erschießt ihn. Danach stellt er sich der Polizei. In der Untersuchungshaft vertraut Baumstein seiner fassungslosen Frau Lina an, warum er den Botschafter getötet hat. Im anschließenden Prozess erfährt Lina Baumstein das ganze Ausmaß der Ereignisse, die in der Kindheit ihres Mannes 1933 in Berlin begannen: Dort bekam der junge Jude Max den Terror der an die Macht gekommenen Nazis grausam zu spüren, bevor sich das Ehepaar Wiener des misshandelten Jungen annahm. Elsa Wiener suchte bald darauf mit Max Zuflucht in Paris; ihr Mann Michel wollte ihnen folgen, sobald er seinen Verlag verkauft hätte, wurde zuvor jedoch von den Nazis in ein KZ deportiert. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, musste seine Frau als Sängerin in einem Nachtclub auftreten. Dort sah Ruppert von Leggaert sie und nutzte ihre Angst um ihren Mann schamlos aus. Das alles erfährt Lina Baumstein während der Gerichtsverhandlung, und sie erfährt auch, dass sie das Ebenbild jener unglücklichen Elsa Wiener ist.

Mo, 19. Aug · 06:15-06:45 · RBB
Die Propaganda-Maschine

Der Film stellt die Mittel, Techniken und die Geschichte der Propaganda vor. Umfangreiches Archivmaterial zeigt, wie sehr sich über nationale, zeitliche oder auch politische Grenzen hinaus Propagandaziele und -techniken ähneln. Die Nazis griffen für ihr perfides Zerrbild vom „ewigen Juden“ auf dieselbe Technik zurück, mit der schon ihre britischen Kollegen im Ersten Weltkrieg das Feindbild vom Deutschen entwarfen. Der Propaganda ist jedes Mittel recht. Je unauffälliger und harmloser sie daherkommt, umso wirkungsvoller geht ihre Saat auf. Keine politische Ordnung, kein Verfassungstyp verzichtet auf sie – auch nicht die Demokratie. Vor Propaganda ist niemand sicher.

Mo, 19. Aug · 20:15-21:51 · arte
Hotel Lux

Als in Berlin das Pflaster für den jüdischen Kabarettisten Hans Zeisig, (Michael Bully Herbig) spezialisiert auf die Rolle „Josef Stalin“, zu heiß wird, flieht er mit einem gefälschten Pass nach Moskau. Leider waren die Papiere jedoch für Adolf Hitlers Leibastrologen bestimmt, der in die Dienste des echten Diktators Stalin treten sollte. Ohne davon zu wissen, spielt Zeisig die ihm zugedachte Rolle weiter und lässt sich im Exilanten-Hotel Lux von den internationalen Führern der kommunistischen Parteien hofieren. Als wenig später jedoch der richtige Astrologe auftaucht, droht Zeisig aufzufliegen …

Mo, 19. Aug · 23:40-00:25 · Das Erste (ARD)
Hitlers Menschenhändler

Der Handel mit Menschenleben ist ein weitgehend unbekanntes Kapitel aus der Schreckensgeschichte des Holocaust. Während die Nazis im Zweiten Weltkrieg sechs Millionen Juden in die Gaskammern schickten, gab es tausende Menschen, die diesem Schicksal entgingen, weil die SS sie als wertvolle Handelsware betrachtete. Diese Menschen waren „Austauschjuden“, so der offizielle Begriff aus der Bürokratensprache des Unmenschen: lebende Ware, die dem Kriegsgegner zum Kauf angeboten wurde. Der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler ließ deshalb von 1943 an in Ghettos und Konzentrationslagern in ganz Europa nach jüdischen Gefangenen fahnden, die eine ausländische Staatsangehörigkeit oder eine Einreisegenehmigung für Palästina besaßen, ausländische Verwandte hatten oder über sonstige Verbindungen ins Ausland verfügten. Für die Freilassung dieser Gefangenen würden die Alliierten bereit sein, große Gegenleistungen zu erbringen, so Himmlers Kalkül. Der SS-Chef wollte – mit ausdrücklicher Genehmigung Hitlers – Juden gegen so genannte „Reichsdeutsche“ im Ausland, gegen Waffenlieferungen oder gegen Bargeld tauschen. Akribisch wurde im Auswärtigen Amt in Berlin registriert, wer als lebende Ware für dieses teuflische Geschäft infrage kam, welche Menschen, wie es in einem Vermerk aus dem Jahre 1943 hieß, „günstig zu verwerten“ waren. Die Dokumentation von Stefan Aust, Thomas Ammann und Caroline Schmidt erzählt die Geschichte jener Menschen, die nur deshalb überlebten, weil sie für die Nazis lebendig nützlicher waren als tot. Sie alle waren in das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide verschleppt worden, das im mörderischen KZ-System der Nazis eine besondere Funktion hatte. Es diente als Auffanglager für die Austauschkandidaten. Nach Bergen-Belsen kam auch eine Gruppe von rund 2000 ungarischen Juden, die Adolf Eichmann persönlich vor den Gaskammern bewahrt hatte. Der Cheforganisator des Holocaust schützte sie, weil sie insgesamt zwei Millionen US-Dollar Lösegeld gezahlt hatten. Doch gegen Ende des Krieges verlor die menschliche „Ware“ zunehmend ihren Wert für die Nazis. Und so begann für alle jüdischen Austauschhäftlinge ein mörderischer Wettlauf um Leben und Tod. Der Film enthält neben persönlichen Schilderungen von Zeitzeugen, die als Austauschkandidaten das KZ Bergen-Belsen überlebten, seltene Archivaufnahmen, zum Beispiel aus dem holländischen NS-Lager Westerbork. Originalaufnahmen aus dem Eichmann-Prozess sowie Spielfilmausschnitte ergänzen die bewegende Dokumentation.

Di, 20. Aug · 08:55-10:25 · arte
Hindenburg

Am 30. Januar 1933 ernannte der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg den NSDAP-Vorsitzenden Adolf Hitler zum Reichskanzler. Das umfassende Porträt zeigt Paul von Hindenburg als einen Mann, der das Schicksal seines Landes aktiv mitbestimmt hat. Paul von Hindenburg wirkte zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse in Deutschland und in Europa innerhalb von wenigen Jahren überschlugen: Kriegsniederlage und Revolution führten das Kaiserreich in eine tiefe Krise, Inflation und Weltwirtschaftskrise stürzten die Weimarer Republik in heftige Turbulenzen. Die Welt war aus den Fugen, und Hindenburg bestimmte an entscheidender Stelle die Geschicke Deutschlands mit: in der Obersten Heeresleitung, während des Ersten Weltkriegs beim Sturz Kaiser Wilhelms II. im November 1918 und im Januar 1933, als er als Reichspräsident Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Filmemacher Christoph Weinert hinterfragt den „Mythos Hindenburg“ und räumt auf mit der hartnäckig verbreiteten Mär eines zuletzt geistig und körperlich verfallenen Greises, der in seinen letzten Lebensjahren unter fremdem Einfluss gestanden habe. Hindenburg traf alle politischen Entscheidungen bis kurz vor seinem Ableben bei klarem Verstand. Auch die zahlreichen politischen Morde, die im Auftrag seines Reichskanzlers Hitler verübt wurden, hat Hindenburg ausdrücklich verteidigt und gut geheißen. Das Dokudrama ist das Porträt eines Mannes mit einer atemberaubenden wie umstrittenen politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Weimarer Republik überdauerte und in der NS-Diktatur endete. Als der Generalfeldmarschall Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg am 2. August 1934 auf Gut Neudeck starb, war er 86 Jahre alt und hatte fast zehn Jahre das Amt des Reichspräsidenten inne.

Di, 20. Aug · 20:15-21:49 · arte
Churchills größtes Spiel

Winston Churchill gehörte zu den wenigen Politikern, die sich gegen die Appeasement-Politik aussprachen. Er war mit den Beschwichtigungen und dem Nachgeben in Bezug auf die Aggressionspolitik Hitlers nicht einverstanden. Mit seiner Ernennung zum Premierminister zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Churchill dann zum „Helden der Stunde“. Der Dokumentarfilm zeigt das Porträt eines begabten Redners und Staatsmannes, der bis heute ein hohes Ansehen genießt. Dabei wird auch das Treffen Churchills mit Stalin erstmals anhand exklusiven Materials untersucht. Und aufwendige Animationen greifen die Schlüsselszenen des Machtspiels in Europa um 1940 auf.

Mi, 21. Aug · 18:00-18:30 · PHOENIX
Der Klezmerkönig von Berlin

Er bringt gut und gerne 130 Kilo auf die Waage – das schwere Akkordeon, das er vor dem Bauch trägt, nicht mitgezählt. Die wenigen Haare, die er noch auf dem Kopf trägt, hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Wo auch immer Jossif Gofenberg auftaucht, drehen sich die Köpfe um. Doch Gofenberg – „Jossif“, „Jossl“ oder „Goscha“, wie ihn seine Freunde nennen – imponiert nicht nur durch seine physische Präsenz. Jossif ist Vollblutmusiker, Komiker, Botschafter der jiddischen Kultur, der ungekrönte Klezmerkönig von Berlin. 1949 geboren in Tschernowitz, einst eine pulsierende Metrople jüdischer Kultur, lebt Jossif Gofenberg seit über 20 Jahren in Berlin. Dort lehrt er Nichtjuden jiddische Musik und mit ihr das Judentum – nicht durch Religion oder Philosophie, und sicher nicht durch die Lehren des Holocausts. Für Gofenberg liegt das Herz des Judentums in den Melodien, den Geschichten der Lieder, in Anekdoten und Witzen, die er erzählt wie kein zweiter. Doch richtig in Fahrt kommt Gofenberg mit seiner Klezmerband `Klezmer Chidesh‘, einer vierköpfigen Band, Vollprofis, die garantiert jeden Saal zum Kochen bringen, selbst eine Rentnerveranstaltung im Franzöischen Dom in Berlin, in der sie neulich spielten, ausgerechnet am Shabbat, an dem kein Jude arbeiten soll. Auf die Frage, ob das koscher sei, ging sein schwarzer Humor mit ihm durch: „Koscher ist das nicht, aber ich freu mich immer, wenn Nichtjuden hören die jüdische Musik. Das heisst, dass sie uns morgen nicht umbringen.“ Auch das ist Jossif Gofenberg, denn auch das Lachen angesichts, 2000 Jahre Pogrome und Verfolgung ist Teil der jüdischen Kultur. Jossif Gofenberg ist Lehrer, Akkordeonspieler, Chorleiter, Sänger, Alleinunterhalter und nebenbei auch noch musikalischer Begleiter einer jiddischen Puppenshow. Die erzählt zwischen Lachen und Weinen Geschichten aus dem alten Tschernowitz, als jiddische Kultur noch eine ganze Welt für sich war.

Fr, 23. Aug · 00:10-00:40 · SWR
Die Höri im Bodensee – Versteck für Knollen und Künstler

Otto Dix, der streitbare Maler, fand die Halbinsel Höri „zum Kotzen schön“. „Das sagte man damals halt so“, versucht Jan Dix das Urteil seines Vaters zur Höri abzumildern, „zum Kotzen schön, das heißt so viel wie: kaum auszuhalten, so schön.“ Otto Dix hatte es in der Nazizeit auf der Flucht aus Dresden in den letzten Winkel des Reichs, an die Grenze zur Schweiz, verschlagen. Sein Sohn Jan Dix wohnt heute nicht weit vom Elternhaus entfernt, das längst ein kleines Museum zu Ehren des berühmten Malers geworden ist. Berühmt wurde die Höri auch durch Hermann Hesse und Erich Heckel. Diese suchten in der Abgeschiedenheit ihre Ruhe. Und tatsächlich, der Fleck entlang des Seeufers, zwischen Radolfzell und Stein am Rhein, hinkt noch heute der Zeit ein wenig hinterher. Die Höri ist ländlich, die Landschaft von Bauern und Gemüsegärtnern geprägt. Und es gibt was, was am Bodensee selten ist: Ruhe. Vor über 1.000 Jahren legten die Reichenauer Mönche auf der Höri die ersten Gemüsegärten an. Sie brachten die Bülle mit. Eine Zwiebel-Art, die kräftig im Geschmack, aber nicht zu scharf ist. Einer der beschaulichsten Orte der Höri ist Wangen. Nur ein kleiner Fleck, aber mit großer Geschichte: Funde aus der Stein- und der Pfahlbauzeit sind im Museum zu finden, daneben ein kleiner Gedenkraum an die Judenverfolgung im Ort, in dem vor 1933 genauso viele Juden lebten wie Christen. In Wangen steht auch das Bootsstüble, hier können Feriengäste Paddelboote mieten, oder mit Naturschützern Seevögel beobachten.

Fr, 23. Aug · 00:25-01:55 · MDR
Schwarze Nelke

1973. Harald Edelstam ist schwedischer Botschafter in Chile. Er macht keinen Hehl aus seiner Sympathie für den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Am 11. September putscht das Militär mit Hilfe der USA und übernimmt die Macht, zeitgleich läuft eine unvorstellbare Verhaftungswelle gegen die linken Anhänger des gestürzten Präsidenten Allende an, Zehntausende werden verhaftet, gefoltert, ermordet. Das Nationalstadion ist eine der Gräuelstätten. Edelstam, der schon im 2. Weltkrieg als Diplomat im besetzten Norwegen hunderte Widerstandskämpfer und Juden rettete und dort den Spitznamen „Schwarze Nelke“ erhielt, erlebt die Aktionen hautnah mit. Eine seiner ersten Taten ist die Rettung kubanischer Bürger. Als chilenische Panzer auf die kubanische Botschaft vorrücken (Kuba hat Allende besonders unterstützt), stellt er sich ihnen in seiner Funktion als schwedischer Botschafter in den Weg und reklamiert die kubanische Vertretung als schwedisches Hoheitsgebiet. Wenig später gewährt er verfolgten Chilenen den Zutritt zu seiner Botschaft, die später ausreisen können, er unterstützt Uruguayer und Brasilianer, auf die die Junta Jagd macht. Und er kümmert sich um einzelne Personen, wie Ana Dominguez (Lumi Cavazos), Allendes Privatsekretärin, um die Schwedin Susanne Martens (Lisa Werlinder), die sich für die Sozialisten engagiert hat, und um Consuelo Fuentes (Kate del Castillo), deren Vater Ricardo Fuentes (Daniel Giménez Cacho) ein hoher Militär ist und in die er sich verliebt hat. Dank seines großen Einsatzes, auch seiner zahlreichen Beziehungen zum Militär, kann Edelstam viel erreichen. Er rettet über 1.300 Menschen das Leben. Als er in Pressekonferenzen die Zustände in Chile anprangert und von Folter und Mord erzählt, wird er ausgewiesen. Das einfühlsame, kluge Politdrama, das z.T. an Originalschauplätzen gedreht wurde und auch historische Originalaufnahmen einbezieht, würdigt das mutige Wirken von Harald Edelstam, der einer adligen Stockholmer Familie entstammte. 1972 wurde er als Botschafter Schwedens nach Chile entsandt, wo er sich, wie im Film geschildert, für verfolgte Chilenen, Uruguayer und Brasilianer einsetzte und ihnen Asyl in Schweden vermittelte. Der Militärputsch gegen den chilenischen sozialistischen Staatspräsidenten Salvador Allende und seine Unidad Popular begann am 11.September 1973. Zehntausende Menschen wurden aus politischen Gründen verhaftet, zusammengetrieben und gefoltert. Tausende verschwanden spurlos. Mindestens 3.197 Menschen kamen ums Leben.

Fr, 23. Aug · 22:30-00:00 · PHOENIX
Sir Nicky – Held wider Willen

Der heute über 100-jährige Brite Sir Nicholas Winton (geb. 1909) ist ein Held, der eigentlich keiner sein wollte. Der Dalai Lama, Václav Havel und Madeleine Albright halten öffentlich Lobreden über ihn, Queen Elisabeth II adelte ihn mit dem Ritterschlag. Tausende von Kindern fühlen sich von ihm inspiriert und engagieren sich für die Menschlichkeit. Dabei sind Nicky Winton diese zahlreichen Ehrungen eher unangenehm. Jahrzehntelang hat er über das geschwiegen, was kurz vor dem Zweiten Weltkrieg geschah. Von seinem selbstlosen Handeln, das Hunderten Kindern das Leben rettete, erfuhr die Öffentlichkeit erst Jahrzehnte später. Prag 1939, nach dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei wird der 30-jährige Börsenmakler Nicholas Winton Zeuge von Fluchtversuchen jüdischer Familien. Tief berührt von der Verzweiflung der Familien, insbesondere der Kinder, denen der Abtransport in Konzentrationslager und damit der sichere Tod droht, beschließt er zu helfen: Er organisiert Kindertransporte von Prag durch Hitler-Deutschland bis nach Großbritannien. Dort warten dank seines persönlichen Engagements britische Gastfamilien und Heime auf die Flüchtlinge. 669 Kindern rettet Nicholas Winton so das Leben. Fast 50 Jahre lang schweigt er über das Geschehene. Nur durch Zufall entdeckt seine Frau Ende der 80er Jahre beim Aufräumen des Speichers sein Notizbuch mit detaillierten Aufzeichnungen von damals. Ohne sein Wissen kontaktiert sie das Britische Fernsehen und organisiert ein erstes ?Familientreffen?: In einer live ausgestrahlten Fernsehsendung begegnen sich erstmals Nicholas Winton und einige der von ihm geretteten Kinder, die inzwischen längst erwachsen sind. Ihnen war bis dahin nicht bekannt, dass sie ihr Leben nicht dem Roten Kreuz, sondern diesem einzelnen Menschen verdanken.

Sa, 24. Aug · 19:30-20:00 · 3sat
Nacht über Deutschland

Berlin, 27. Februar 1933: Der Reichstag, das Symbol des deutschen Parlamentarismus, steht in Flammen. „Es gibt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben.“ Das soll Hitler zu einer Gruppe von Politikern, Polizisten und Militärs gesagt haben, die sich am brennenden Reichstag versammelt hatten. Was Hitler in jenen Minuten wirklich denkt, wird kein Historiker je rekonstruieren können. Auf alle Fälle sieht er eine Gelegenheit, den Aufbau seines Macht- und Terrorapparates in beispielloser Weise forcieren zu können. Tags darauf werden die Notverordnungen „zum Schutz von Volk und Staat“ erlassen. Damit werden verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft gesetzt. Das ist der Beginn einer totalitären Herrschaft, die vor nichts zurückschreckt. Ausgehend vom Reichstagsbrand verfolgt die Dokumentation „Nacht über Deutschland“ den rasanten, erschreckenden und dennoch nicht unaufhaltsamen Weg Deutschlands in die Hitler-Diktatur. Sie erzählt die ersten 100 Tage von Hitlers Kanzlerschaft. Eine Geschichte der politischen Tricks und des brutalen Terrors, der haltlosen Versprechungen und wohlgesetzten Drohungen, des Widerstands und der raschen Ausschaltung aller demokratischen Kräfte. Es war ein „Blitzkrieg“ gegen Demokratie und Menschenrechte mit dem erklärten Ziel, die Alleinherrschaft an sich zu reißen. Und die Mehrheit der Deutschen? Sie wird immer mehr eingesponnen in die „Volksgemeinschaft“ der Nazis, mit Hitlergruß und Hakenkreuz. 80 Jahre nach dem Frühjahr 1933 werden Ereignisse, ihre Geschichte, Hintergründe und Folgen rekonstruiert. Historiker wie Michael Wildt, Norbert Frei und Hans-Ulrich Thamer kommen zu Wort.

Sa, 24. Aug · 22:00-23:30 · MDR
Pfarrer Braun: Die Gärten des Rabbiners

Nach einem rätselhaften Mordfall in der Synagoge von Potsdam wird ausgerechnet der Rabbiner Seelig verdächtigt. Pfarrer Braun, der hier gerade seine neue Wirkungsstätte bezogen hat, leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe und ermittelt in der jüdischen Gemeinde. Nebenbei müssen Braun und Seelig gemeinsam eine jüdisch-katholische Liebesheirat ermöglichen. Ein schwieriges Problem, denn die Familien des jungen Paares sind sich nicht grün: Ihre Gärtnereien konkurrieren erbittert um die lukrative Bepflanzung des Schlossparks von Sanssouci. Bischof Hemmelrath (Hans-Michael Rehberg) und sein Adlatus Mühlich (Gilbert von Sohlern) wollen Pfarrer Braun (Ottfried Fischer) versetzen. Ostgrönland oder Potsdam stehen zur Auswahl. Und so fügt Braun sich in sein Schicksal und reist mit der Roßhauptnerin (Hansi Jochmann) und Armin (Antonio Wannek) nach Potsdam. Ein Novum für den katholischen Pfarrer: Seine neue Wirkungsstätte liegt in der Nachbarschaft einer jüdischen Gemeinde. Braun gewöhnt sich jedoch schnell ein, denn kurz nach seiner Ankunft geschieht ein Mord – ausgerechnet in der Synagoge: Ein Geselle aus der hiesigen Gärtnerei Grün wurde mit einem Blumendraht erwürgt. Kommissar Geiger (Peter Heinrich Brix), aufgrund seiner hohen Aufklärungsquote zum LKA berufen, verdächtigt ausgerechnet Rabbi Seelig (Rudolf Kowalski). Braun ist diese Verdächtigung nicht ganz koscher. Er nimmt erst einmal eine Prise Schnupftabak und leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe. Dabei kommt er einer jüdisch-katholischen Familienfehde auf die Spur. Die Gärtnerei Grün und die Gärtnerei Kruschke kämpfen mit harten Bandagen um lukrative Marktanteile bei der Bepflanzung des weltberühmten Schlossparks Sanssouci. Trotz der Feindschaft verbindet Adam Grüns (Peter Silbereisen) Tochter Alisha (Julia Richter) und Egon Kruschkes (Manfred Lehmann) Sohn Gerd (Niels Bruno Schmidt) eine heimliche Zuneigung. Gemeinsam mit Rabbi Seelig will Braun eine Liebesheirat durch Familienversöhnung ermöglichen. Bei der Frage, wer dabei zu welchem Glauben konvertiert, treten die beiden Gottesmänner in einen temperamentvollen Wettstreit. Nebenbei findet Braun heraus, dass der Ermordete ein begnadeter Botaniker war. Er hat eine neue Tulpenzwiebel gezüchtet, die mit Gold aufgewogen wird.

Sa, 24. Aug · 22:20-23:30 · 3sat
… dann bin ich ja ein Mörder

Am 29. März 1945 erschießen drei SS-Männer im burgenländischen Ort Deutsch Schützen-Eisenberg knapp 60 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter. Das Verbrechen ist als „Massaker von Deutsch Schützen“ in die Geschichte eingegangen. Einer der mutmaßlichen Mörder ist SS-Unterscharführer Adolf Storms, der für die Tat nie zur Rechenschaft gezogen wurde. 63 Jahre danach hat der Politikwissenschaftler und Historiker Walter Manoschek den unbehelligt als Pensionist in Duisburg lebenden Adolf Storms (1919 – 2010) gefunden. Für seinen Dokumentarfilm, der schließlich den Titel „… dann bin ich ja ein Mörder“ bekommt, spricht Manoschek mit Storms, tatbeteiligten HJ-Führern und den Menschen, die das Massaker überlebten. Er rekonstruiert das Verbrechen und stellt Fragen nach dem Vergessen, dem Verdrängen und der Verantwortung. Dabei verfällt Manoschek nie in die Rolle des Verhörenden. Er bleibt Journalist, der aus seinen Interviewpartnern, vor allem aus Adolf Storms, hermeneutisch und präzise nach und nach die Wahrheit herausholt.

So, 25. Aug · 10:30-11:00 · SWR
Die Alten und die Liebe

Auch mit 97 Jahren weiß Anni Bober nicht, was die Liebe ist. Zuverlässigkeit, vielleicht? Verantwortung für den Anderen – auf jeden Fall! „Hab mich ein bisschen lieb und hab‘ mich lange lieb“, ist ihr Motto und so hat sie mit der Liebe ihren Frieden gemacht. Sie ist eine von drei jüdischen Bewohnern im Budge-Altersheim in Frankfurt/Main, die von der Liebe erzählen, – davon wie sie ihr im Leben begegneten. Alle drei überlebten den Holocaust fern von Deutschland und kehrten später nach Frankfurt zurück. Der Jüngste, Bert Silbermann, ist 79 Jahre alt. Vier Frauen waren wichtig in seinem Leben. Zwei Mal war er verheiratet, zwei Mal lebte er „ohne Trauschein mit einer Frau zusammen“. Gelernt hat er daraus, der Versuchung nicht zu widerstehen. Dennoch hat er heute der Liebe abgeschworen. Vernunft statt allzu viel Gefühl, – das sei jetzt seine Devise. Doch zu bereuen gibt es nichts. Isi Gutman ist 93 Jahre alt. Seine Frau Beatrice lernte er mit 18 Jahren kennen und blieb ihr treu vom ersten bis zum letzten Kuss. Mehr als 65 Jahre lebten sie zusammen, bevor sie an einem Hirntumor verstarb.

So, 25. Aug · 16:00-16:45 · 3sat
Der Führer trank keinen Muckefuck

Das „Dritte Reich“ rüstete auf, mobilisierte die gesamte Bevölkerung, wurde in wenigen Jahren zur stärksten Macht Europas. Doch es gab eine Schwachstelle: Deutschland war abhängig von Rohstoffen aus dem Ausland. Für die geplanten Kriege war dies ein Damoklesschwert. Deshalb befahl Hitler früh die Suche nach Alternativen. „Heimstoffe“ sollten dieses Problem lösen. Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg veranlassten Hitler die NS-Wirtschaftspolitik auf Autarkie im Bereich der Roh- und Wertstoffversorgung auszurichten. Für die Rüstungsproduktion waren Metalle von Bedeutung, für einen späteren Krieg die Treibstoffversorgung. Aber auch an das Wohlergehen des Volks wurde gedacht: Ersatzstoffe sollten den exotischen Kaffee- oder Kakaogenuss liefern. Der berühmt-berüchtigte „Muckefuck“ blieb vielen Deutschen noch lange in Erinnerung.

So, 25. Aug · 16:45-17:30 · 3sat
Mädchen für Hitler – BDM

Der Bund Deutscher Mädel (BDM) war eine Teilorganisation der Hitlerjugend (HJ) und entstand 1930. In dieser Vereinigung sollten alle Mädchen und Frauen zwischen zehn und 21 Jahren erfasst und im Geiste des Nationalsozialismus erzogen werden. Später kamen Arbeitseinsätze und Kriegshilfsdienste hinzu. Mit dem „Gesetz über die Hitlerjugend“ von 1936 wurde die Mitgliedschaft im BDM für alle Mädchen der entsprechenden Jahrgänge verpflichtend. Gegliedert war der BDM in „Gaue“, „Mädelringe“, „Gruppen“, „Schare“ und „Mädelschaften“. Bis zum 14. Lebensjahr gehörte man dem „Jungmädelbund“ an, bis 18 Jahre dem eigentlichen BDM, und für die 18- bis 21-Jährigen gab es das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. Geführt wurde der BDM zwischen 1939 bis 1945 von Jutta Rüdiger, einer promovierten Psychologin.

So, 25. Aug · 17:30-18:15 · 3sat
Hitlers Reiseagentur KdF

Ein Urlaub in den Bayerischen Alpen, in einem Seebad an der Ostsee oder gar auf einem Kreuzfahrtschiff war für die meisten Menschen in der Weimarer Republik ein unerreichbarer Traum. Es fehlten sowohl das Geld als auch die Zeit, denn der bezahlte Jahresurlaub eines Arbeiters betrug damals höchstens eine Woche. Dies sollte sich nach dem Willen der Nationalsozialisten ändern. Sie verlängerten den Urlaub auf zwei bis drei Wochen im Jahr und gründeten ein nationales Freizeitwerk, die Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF). Diese Organisation sollte jedem Deutschen erschwingliche Ferien in den schönsten Gegenden des Reichs und sogar im Ausland ermöglichen. Der Hintergedanke dabei war aber nicht etwa Menschenfreundlichkeit: Damit sollte die Gleichschaltung und Überwachung der Deutschen in ihrer Freizeit gewährleistet und Werbung für die NS-Ideologie gemacht werden.

So, 25. Aug · 22:40-23:30 · 3sat
Im Bett mit dem Feind – Liebe und Sex im Krieg

Nach der Eroberung Frankreichs durch Nazi-Deutschland im Sommer 1940 kommt es zwischen den Besatzungstruppen und der französischen Zivilbevölkerung zu zahlreichen hetero- und homosexuellen Beziehungen. Geschätzte 200.000 Kinder entstammen Affären zwischen deutschen Soldaten und französischen Frauen. Die Nähe zum Tod scheint das Verlangen und die Leidenschaft zu verstärken: Konventionen werden über Bord geworfen, moralische und ethische Regeln gelten nicht mehr – ungezügelte Sexualität wird zum letzten Schrei nach Leben und Freiheit. „Im Bett mit dem Feind“ greift ein historisches Tabu auf und dokumentiert mit selten gezeigten Filmsequenzen, darunter Ausschnitte aus Amateurfilmen, die deutsche Soldaten in Frankreich drehten, die sexuelle Ausnahmesituation in jener Zeit. Der Film beschreibt auch das Schicksal jener Frauen, die nach der Befreiung gedemütigt und brutal bestraft wurden: Tausende wurden standrechtlich erschossen.

Mo, 26. Aug · 16:05-16:50 · 3sat
Ein General gegen Hitler – Wilhelm Zehner

12. März 1938: Die deutsche Wehrmacht marschiert in Österreich ein – ohne auf Widerstand zu stoßen. Hätte der Anschluss militärisch verhindert oder verzögert werden können? Der letzte Staatssekretär im österreichischen Verteidigungsministerium, General der Infanterie Wilhelm Zehner, befürwortete einen Einsatz des Bundesheeres gegen NS-Deutschland. Seine Gesinnung hat er mit dem Tod bezahlt. Zehner starb nach einem Besuch der Gestapo in seiner Wohnung am 10. April 1938. Die Dokumentation „Ein General gegen Hitler – Wilhelm Zehner“ zeichnet die Ereignisse in Spielszenen und mit Originalaufnahmen nach und lässt auch Historiker und Zeitzeugen zu Wort kommen.

Mo, 26. Aug · 16:50-17:35 · 3sat
Flucht ins Ungewisse

Über Nacht waren sie vogelfrei, befanden sich plötzlich in Lebensgefahr, wurden ihres Vermögens beraubt: 130.000 jüdische Bürger und politische Gegner überlebten Terror, Verfolgung und Holocaust nur, weil ihnen nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs die Flucht gelang. Wo sie nach der gefährlichen Odyssee strandeten, erwartete sie kein gelobtes Land, sondern eine fremde Welt. Ob erfolgreicher Neubeginn oder nicht: Für die meisten blieben Entwurzelung, Heimat- und Kulturverlust ein lebenslanges Trauma. An verschiedenen Beispielen beschreibt die Dokumentation „Flucht ins Ungewisse“ den gefährlichen und abenteuerlichen Lebensweg vertriebener Österreicher.

Mo, 26. Aug · 17:35-18:30 · 3sat
Idole der Nazis: Hanna Reitsch – Hitlers Fliegerin

Als erste Frau erhielt Hanna Reitsch das Eiserne Kreuz 2. Klasse und später als einzige Frau auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Sie flog den ersten funktionsfähigen Hubschrauber der Welt, testete das erste Überschallflugzeug der Geschichte und entwickelte Hitlers Geheimwaffen mit. Sie wollte den Krieg mit Kamikazeflügen entscheiden. Am 26. April 1945 startet Hanna Reitsch zum Flug ihres Lebens: mitten durch russischen Beschuss ins eingeschlossene Berlin zu Hitler in den Führerbunker. Danach sollte sie den Makel der Nazifliegerin nie mehr loswerden. Reitsch selbst hat sich nie glaubhaft vom Nationalsozialismus distanziert.

Mo, 26. Aug · 20:15-21:45 · 3sat
Unsere Mütter, unsere Väter (1/3) Eine andere Zeit

Berlin, Sommer 1941: Die fünf Freunde Wilhelm, sein jüngerer Bruder Friedhelm, Charlotte, Viktor und Greta treffen sich, um Abschied zu nehmen. Wilhelm und Friedhelm sind an die Ostfront beordert, Charlotte wird als Krankenschwester dorthin gehen. Sie versprechen, sich nach dem Krieg wieder zu treffen und sind fest davon überzeugt, dass das schon Weihnachten sein wird. Nach anfänglich großen Erfolgen dringt die deutsche Wehrmacht in Richtung Moskau vor. Je länger der Krieg im Osten andauert, desto öfter erleben der kriegserfahrene Leutnant Wilhelm und sein Bruder Friedhelm, ein einfacher Soldat, die Schrecken des Russlandfeldzugs. Als die beiden Zeugen eines Pogroms in einem ukrainischen Bauerndorf werden, bei dem ein deutscher Offizier ein 14-jähriges Mädchen erschießt, geraten ihre bisherigen Einstellungen zum Krieg ins Wanken. Auch Charlotte trifft im Lazarett auf die grausame Kriegswirklichkeit. Als sie eine jüdische Ärztin unter den Krankenschwestern ausmacht, sieht sie sich vor eine schwere Gewissensprüfung gestellt. Greta arbeitet derweil in Berlin an ihrer Karriere als Schlagersängerin und beginnt eine Affäre mit Sturmbannführer Dorn von der SS – eine Liaison, die sie vor ihrem jüdischen Freund Viktor verheimlicht. Für Viktor und seine Eltern wird die Situation zunehmend schwieriger. Sie wollen das Land verlassen, doch das ist inzwischen fast unmöglich. Greta nutzt ihre Beziehung zu Dorn, um Papiere für Viktor zu besorgen. Doch noch in Berlin wird Viktor verhaftet. Dorn hat ihn verraten. Der Herbst geht zu Ende, der „Blitzkrieg“ ist gescheitert, und die Wehrmacht steckt vor Moskau fest. Friedhelm stumpft durch die Kriegserlebnisse zunehmend ab, während Wilhelm langsam am Sinn des Krieges zu zweifeln beginnt. Erster Teil des Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“, der die Geschichte von fünf Freunden in den Jahren zwischen 1941 und 1945 erzählt. Die weiteren zwei Teile von „Unsere Mütter, unsere Väter“ im Rahmen der Themenwoche „Kriegsgeschichten“ zeigt 3sat an den kommenden Tagen jeweils um 20.15 Uhr. Weiter geht es um 22.25 und 23.20 Uhr mit den Dokumentationen „Diese verfluchten Stunden am Abend“ und „Idole der Nazis: Otto Skorzeny – SS-Agent für Hitler“. Am Dienstag, 27. August, beginnt ab 22.25 Uhr die sechsteilige Dokumentation „Der Krieg“.

Mo, 26. Aug · 23:15-00:10 · 3sat
Idole der Nazis: Otto Skorzeny – SS-Agent für Hitler

Während des Zweiten Weltkriegs war er berühmt und berüchtigt: Otto Skorzeny (1908 – 1975), Kriegsverbrecher und Befreier des „Duce“ Benito Mussolini. Nach 1945 galt er als Kopf von ODESSA, einer Hilfsorganisation für ehemalige SS-Angehörige und NS-Verbrecher. Das machte ihn zur zentralen Figur der internationalen Alt- und Neonazi-Szene. Die Dokumentation „Idole der Nazis: Otto Skorzeny – SS-Agent für Hitler“ rollt das Leben des ehemaligen SS-Mannes auf. Der Historiker Robert Gokl sichtete dazu nicht nur Skorzenys persönlichen Nachlass, sondern auch unzählige Unterlagen des britischen und amerikanischen Geheimdienstes. Zeitzeugen berichten über ihre Begegnungen mit dem SS-Agenten.

Di, 27. Aug · 21:00-21:45 · BR-alpha
alpha-Forum: Channa Birnfeld

Channa Birnfeld wuchs in Siebenbürgen auf, wurde 1944 nach Auschwitz-Birkenau, dann nach Kaufering deportiert. Heute lebt sie in Hamburg und engagiert sich in der jüdischen Gemeinde, u. a. für die Errichtung eines Altersheims. Im Gespräch mit Dr. Sybille Krafft Das war etwas Schreckliches, das war furchtbar. Früh am Morgen wurden wir abgeholt: Wir mussten alles zurücklassen, mussten sogar noch den Schlüssel ins Türschloss stecken. Wir wurden auf einen Lieferwagen verladen und fuhren durch eine kleine Straße. Dabei saßen wir oben auf diesem offenen Lieferwagen und ich sah auf einmal eine Frau. Heute sagen wir „Roma“, damals nannten wir solche Frauen „Zigeunerinnen“. Sie hatte eine Pfeife im Mund. Als sie uns nachschaute, wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Ich dachte mir: „Oh weh, oh weh, wenn sie unseretwegen weint, was wird uns dann erwarten?“ Ich hatte also ein ganz schlechtes Gefühl und hatte eine ganz negative Erwartung.

Di, 27. Aug · 23:30-00:25 · RBB
Eine blonde Provinz

Der Film schlägt ein in der Öffentlichkeit weithin unbekanntes Kapitel der Nazivergangenheit Deutschlands auf: Er berichtet über den Versuch, im besetzten Polen ein Experimentierfeld des Rassenwahns zu installieren. In der „blonden Provinz“, wie sie Heinrich Himmler nannte, sollten „germanische Herrenmenschen gezüchtet“ werden. Um „Volksdeutschen“ Platz zu schaffen, wurden innerhalb weniger Wochen hunderttausende Polen und Juden vertrieben, als Arbeitssklaven missbraucht oder getötet – der Auftakt des Holocaust. Um zwei Uhr nachts kamen die Deutschen: „15 Minuten habt ihr. Raus, raus Pollack!“ – Tausende Polen christlichen und jüdischen Glaubens wurden nach dem deutschen Überfall auf Polen von der deutschen Wehrmacht, der SA und der SS aus ihren Häusern vertrieben, deportiert, umgebracht. Die so genannten Übergangslager für Polen ähnelten Konzentrationslagern: Hunger, Krankheiten und Tod standen auf der Tagesordnung. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos gesperrt, grausame Zwischenstationen für die Lager, in die die Menschen zum Zwecke ihrer Ermordung deportiert werden sollten. Die Autoren stellen drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen verbunden ist. Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reist, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen sucht und dessen Weg in den Widerstand führt. Und Dieter Bielenstein, der als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.

Mi, 28. Aug · 21:50-22:25 · 3sat
Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung

Hitlers Krieg traf 1939 Polen zuerst – und am härtesten. Kein Land musste im Zweiten Weltkrieg, gemessen an der Einwohnerzahl, einen so hohen Blutzoll entrichten wie Deutschlands östlicher Nachbar. Von 35 Millionen Bewohnern zu Kriegsbeginn fielen sechs Millionen Menschen, meist jüdischer Herkunft, dem Wüten der selbsternannten Herrenmenschen zum Opfer. Trotz militärischer Aussichtslosigkeit formierte sich im Verborgenen von Beginn an auch Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Guerillagruppen verübten Anschläge im schwer zugänglichen Hinterland; Untergrundkämpfer bildeten ein Netzwerk zur Weitergabe von Waffen und Informationen. Neben der national orientierten „Heimatarmee“ (Armia Krajowa), die mit Unterstützung der Exilregierung operierte, nahmen lokale, katholisch oder auch kommunistisch orientierte Gruppierungen den Kampf auf, den die Besatzungsmacht mit brutaler Repression und Massenerschießungen erwiderte. Die Dokumentation „Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung“ beschreibt das Dilemma dieses ungleichen Ringens, in dem ganz besonders die jüdische Bevölkerung zwischen alle Fronten geriet, auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse, mit Einschätzungen polnischer und israelischer Historiker und mit Schilderungen unmittelbar Beteiligter, illustriert durch viele, bisher unbekannte Filmaufnahmen. Dabei spart der Film auch die derzeit in Polen heftig diskutierte Frage nicht aus, welchen Anteil antisemitisch gesinnte Polen an der Verfolgung ihrer jüdischen Landsleute hatten und belegt zugleich, dass es in keinem Volk so viele Menschen gab, die die Todgeweihten, oft unter eigener Lebensgefahr, retteten wie in Polen.

Do, 29. Aug · 01:45-02:31 · arte
Milch und Honig, 1/6

Polen, Casablanca, Marseille: Aus allen Teilen Europas treffen Juden 1946 auf einem spanischen Boot aufeinander. Nicht wenige unter ihnen haben die Konzentrationslager überlebt. Von Nordafrika über Marseille geht die Reise in den kommenden Staat, Erez Israel, das Land, in dem „Milch und Honig fließen“. Doch nur einem Teil gelingt es, dort anzukommen … In Casablanca treffen Ashriel und Perla Bouzaglo im Geheimen die Vorbereitungen für ihre Abreise nach Palästina. Eine Gruppe von Emigranten soll, angeführt von Dov, französischer Jude und Mitglied der Untergrundorganisation Hagana, an einem Strand in Algerien von einem spanischen Frachter aufgenommen und nach Palästina gebracht werden. Zur gleichen Zeit sucht Léa in Polen ihre Tochter Hannah. Beide haben die Konzentrationslager überlebt. Deportiert und enteignet, wollen sie nach dem Ende des Krieges das Land verlassen und ins Gelobte Land, Erez Israel, genauso wie Max, deutsch-jüdischer Partisane, Angèle und viele andere. Der Katholik Antoine, der sich des Sohnes eines von den Nazis ermordeten jüdischen Freundes angenommen hat, trifft die gleiche Entscheidung. Im Hafen von Port-de-Bouc treffen Léa, Max, Angèle, Antoine und der junge Marc auf die Familien aus Nordafrika. An Bord des überfüllten spanischen Frachters „Yehuda Halevi“, und bedroht von der englischen Marine, die streng die Einreisequoten überwacht, versuchen Dov und Ashriel, alle ans Ziel zu bringen, trotz der Spannungen zwischen sephardischen und aschkenasischen Juden. In Palästina überwacht währenddessen Ilan die Einrichtung des Kibbuz, das sie aufnehmen soll …

Fr, 30. Aug · 04:30-05:00 · 3sat
Der Eichmann-Faktor

Am 31. Mai 1962 wurde das Todesurteil an Adolf Eichmann vollstreckt. Der Prozess, der dieser Hinrichtung in Israel vorangegangen war, brachte das Jahrhundertverbrechen des Holocaust noch einmal ans Licht der internationalen Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele, auch in Deutschland, mit der Aufarbeitung der Vergangenheit bereits abgeschlossen. Eichmanns Berufung auf Befehle, Pflicht und Obrigkeit trug maßgeblich dazu bei, dass diese Begriffe von der jungen Generation abgelehnt wurden. Die aufkeimende Studentenbewegung stellte ihre neuen Ideale von Gewissen und Freiheit dagegen. So wurde der Eichmann-Prozess einer der Motoren der „68er“. Auch im internationalen Recht bildete der Eichmann-Prozess, wie zuvor schon die Nürnberger Prozesse, eine Zäsur. Denn mit seiner Verteidigung, er hätte sich nur an die in der Hitlerzeit geltenden NS-Gesetze gehalten, kam Eichmann vor Gericht nicht durch. Der Schutz der Menschenwürde müsse immer über der staatlichen Gesetzgebung stehen. Auf diesem Verständnis fußen alle späteren internationalen Verfahren gegen Diktatoren und Kriegsverbrecher.

Fr, 30. Aug · 22:35-00:30 · 3sat
Lili Marleen

Die deutsche Schlagersängerin Willie verliebt sich 1938 in Zürich in den jüdischen Komponisten Robert, der verfolgten Juden in Nazideutschland hilft. Robert zieht Willie ins Vertrauen und nimmt sie mit auf eine Reise nach München, doch Roberts Familie, insbesondere sein Vater David Mendelsohn, macht ihren Einfluss geltend und verhindert Willies Rückkehr in die Schweiz. Als der Krieg ausbricht, wird das Lied „Lili Marleen“, das von der Trennung der Soldaten von ihren Liebsten erzählt und das Willie einst erfolglos aufgenommen hat, durch eine zufällige Ausstrahlung in einem Radiosender urplötzlich zur Sehnsuchtsvision der Kämpfer auf allen Seiten. Willie, die immer mehr Menschen mit der Figur in ihrem Lied identifizieren, wird zum Star und vergisst doch Robert nicht. Dieser sucht sie in Berlin auf und bittet sie, für ihn Unterlagen über deutsche Konzentrationslager über die Grenze zu schmuggeln. Die Mission gelingt, doch dann wird Robert gefangen genommen. Bis zum Kriegsende wird Willie ihn nicht mehr sehen, und ihre Liebe wird nicht überleben. Ende der 1970er Jahre trat der Filmproduzent Luggi Waldleitner an Rainer Werner Fassbinder heran und bot ihm eins der größten Spielfilmbudgets der Nachkriegszeit, um die gerade als Buch erschienene Geschichte der Sängerin Lale Andersen für zehn Millionen Mark zu verfilmen. Die Ängste waren groß, dass der Filmkünstler Fassbinder kommerziell werden würde. Stattdessen schuf er ein Werk zwischen Publikums- und Autorenfilm, das vor der Kulisse eines populären Mythos die Geschichte einer Liebe erzählt und dabei trotzdem Fassbinders ironische Perspektive auf den Faschismus und seine Ästhetik nicht ausspart. Hanna Schygulla, durch eine innige Hassliebe mit Fassbinder verbunden, führt im Film ein internationales Schauspielerensemble an, dass die epische Geschichte überzeugend zum Leben erweckt.

Sa, 31. Aug · 20:15-21:42 · arte
Das Exil der Juden – Mythos und Geschichte

Im Jahre 70 nach Christus zerstörten die Römer den Tempel in Jerusalem und zwangen die Juden in die Fremde. Seitdem existierte der Wunsch nach der Rückkehr in ein eigenes Land. Es entstand der Mythos vom jüdischen Exil. Dieser Mythos ist ein Grundstein sowohl der jüdischen als auch der christlichen Theologie und prägt auch heute die Geschichte Europas und des Nahen Ostens. „Nächstes Jahr in Jerusalem“, lautet der Wunsch von Juden aus aller Welt seit der Zerstörung des Tempels durch die Römer vor knapp 2.000 Jahren. Seither, so heißt es, seien die Juden zum Exil verdammt. Die Christen sahen darin lange Zeit die Strafe Gottes für diejenigen, die in Jesus nicht den Messias erkannten. Seit 1985 legen Archäologenteams Gebäude und Überreste der antiken Stadt Sepphoris in Galiläa frei und schreiben damit ein bislang unbekannt gebliebenes Kapitel der Geschichte des Judentums. Entgegen der vorherrschenden Meinung führten die Jahrhunderte nach der Tempelzerstörung nicht etwa zur Schwächung des Judentums, sondern leiteten eine Ära der Erneuerung ein. Das jedenfalls belegen die in Galiläa, Masada und Jerusalem sowie Grabungen in Roms Katakomben. Historiker und Archäologen sind sich heute einig, dass die lange Zeit herrschende Meinung, das Exil der Juden sei eine in der Geschichte fortwirkende Katastrophe gewesen, infrage gestellt werden muss. Was, wenn es nach der Tempelzerstörung gar kein Exil der Juden gegeben hat? Was, wenn die jüdische Diaspora rund ums Mittelmeer schon lange zuvor existierte? Was, wenn die Palästinenser von heute zum Teil von den Juden der Antike abstammen? Und was, wenn eine neue Geschichtsschreibung den Menschen von heute ein besseres Verständnis für ihre gemeinsamen Wurzeln vermitteln würde? All diese Fragen haben weit mehr als bloß anekdotische Bedeutung, vielmehr rütteln sie an Grundfesten. Im Thema des jüdischen Exils sind Geschichtsschreibung und Mythenbildung, Wahrheit und Legende über die Jahrhunderte hinweg eine nur schwer zu entwirrende Verbindung eingegangen.

Sa, 31. Aug · 21:40-22:30 · arte
Die Schätze des Königs Salomon

Aus Israel stammen Verlautbarungen, die weltweit zu Verunsicherung führten, da sie Teile der biblischen Geschichte infrage stellen. Nach Behördenaussagen handelt es sich bei verschiedenen Fundstücken, die aus der Zeit König Salomons stammen sollen, um äußerst raffinierte Fälschungen. Sollten diese Aussagen zutreffen, verlieren Museen auf der ganzen Welt wertvolle Kunstschätze. Aber es geht auch um den Wahrheitsgehalt biblischer Geschichten, deren einziger archäologischer Beleg diese nun als Fälschungen entlarvten Gegenstände waren. Im Jahr 2001 wurde dem Israel-Museum in Jerusalem eine angeblich aus dem Tempel Salomons stammende Schrifttafel zum Kauf angeboten. Eine Prüfung durch Spezialisten der israelischen Altertumsbehörde ergab, dass es sich bei dieser Tafel sowie bei einem Gefäß, das die Gebeine Jakobs enthalten haben soll und diesen als den Bruder von Jesus auswies, um sehr gute Fälschungen handelte. Nach Ermittlungen in mehreren Ländern vermuteten die Behörden, die gleichen Betrüger hätten seit über 20 Jahren zahlreiche biblische Gegenstände gefälscht. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass es sich bei vielen in Israel und weltweit hoch verehrten Reliquien um raffinierte Fälschungen handelt. Laut Polizei sei das möglicherweise der größte Antiquitätenbetrug aller Zeiten. Die Gegenstände, die im Zentrum der Ermittlungen stehen, haben sehr hohen Symbolwert. Sie sind der einzige archäologische Beleg für die biblische Geschichte um David, seinen Sohn Salomon und das Reich, über das sie herrschten. Denn entsprechende archäologische Stätten wurden nie entdeckt. Es existieren lediglich einige unschätzbar wertvolle Artefakte. Dabei handelt es sich um Siegel, Schrifttafeln und Öllampen aus der entsprechenden Zeit. Ihre Inschriften stimmen mit den biblischen Texten überein. Doch die Authentizität dieser in Museen auf der ganzen Welt aufbewahrten Objekte werden heute infrage gestellt.