Täter auf der Schulbank

Ohne die Polizei wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Während des „Dritten Reichs“ befand sich ihre bedeutendste Schule in Fürstenfeldbruck bei München. Hunderte von Männern aus ganz Deutschland besuchten dort spezielle Kurse, in denen die Ordnungspolizei sie zu ihren Offizieren ausbildete…

Neben hartem Drill und Paragraphen standen „Bandenkampf“ und Antisemitismus auf dem Lehrplan. Ausgestattet mit diesem Wissen zogen zahlreiche Oberbeamte nach Ende ihrer Kurse in den „auswärtigen Einsatz“, aus dem erschreckend viele von ihnen als Massenmörder und Kriegsverbrecher zurückkehrten. Nach Kriegsende führten sie ihre Karrieren einfach fort, ohne jemals angemessen bestraft worden zu sein.

Sven Deppisch beleuchtet erstmals die Geschichte der Polizeischule Fürstenfeldbruck. Er zeigt, wie die Nationalsozialisten ihre führenden „Gesetzeshüter“ für den Holocaust trainierten. Die Studie analysiert das Ausbildungssystem der NS-Diktatur und veranschaulicht, welche Fächer und Inhalte es in den besonderen Lehrgängen gab. Darüber hinaus deckt sie auf, wie das Leben an ihrer herausragenden Lehranstalt aussah und an welchen Massenverbrechen sich ihr Personal beteiligte. Dabei bringt sie ans Licht, dass in der deutschen Ordnungsmacht von der Weimarer Demokratie bis weit in die Bundesrepublik hinein die gleichen Denkweisen, Einsatzmuster und Feindbilder existierten, auf denen ihr schrecklicher Beitrag am Judenmord basierte.

Sven Deppisch studierte Neuere und Neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind vor allem die Geschichte der Polizei, der Nationalsozialismus und der Holocaust. Der promovierte Historiker arbeitet in den Bereichen Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.

Sven Deppisch, Täter auf der Schulbank. Die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei und der Holocaust, Tectum Verlag 2017, 676 S., Euro 39,95, Bestellen?

LESEPROBE

Dunkle Vergangenheit im Schatten – Die verspätete Auseinandersetzung mit der Rolle der Polizei im Nationalsozialismus

„In fließendem Deutsch antwortet auf unsere Fragen der Judenälteste im Getto von Sm., einer einstmals mittleren Großstadt vor Moskau. Die Stadt selbst ist nicht mehr; sie wurde heftig umkämpft und hat daher schwer gelitten. In einem der wenigen noch einigermaßen bewohnbaren Stadtteile sind die Juden nun unter sich – im Getto. Besagter Judenältester hat einstmals Deutschland mit seiner Anwesenheit beglückt und ist dann nach den Frühlingsstürmen des Jahres r933 ausgerückt in das wirkliche, gelobte Paradies. Er ist ein echter Jude: seine Klagen gelten nicht etwa der neuen Lage und den Deutschen, sondern seinen eigenen Rassegenossen, die er beschimpft und denunziert in der leicht erkennbaren Absicht, sich hieraus Vorteile zu verschaffen. Geradezu widerlich ist seine Lobhudelei auf das ,gutte Deitschland, so daß wir ihm verbieten müssen, unser Vaterland überhaupt mit seinem dreckigen Munde zu nennen. Nun ist diese Judenpracht vorbei – vorbei Freizügigkeit und Herrendünkel, bevorzugte Stellungen und Schmarotzertum. Sie wissen sehr wohl, was ihnen blüht, diese nur durch Ausrottung zu vertreibende Pest!“(1)

Dieses Zitat stammt nicht aus der Feder eines Kriegsberichterstatters des „Dritten Reichs“. Weder ein Mitglied der Waffen-SS noch ein Aufseher eines Konzentrationslagers (KZ) brachten diese Zeilen zu Papier. Hier schrieb auch kein führender Propagandist oder Ideologe des NS-Staats. Den Mitte Dezember 1941 veröffentlichten Text hatte Polizeioberleutnant Erich Bürkner verfasst, der überraschend ehrlich und deutlich darauf hinwies, dass die Judenvernichtung in dieser Phase des Ostkriegs in vollem Gange war. Er war ein Offizier der Ordnungspolizei, der sich wie viele seiner Kollegen im „auswärtigen Einsatz“ befand, von dem zahlreiche „Gesetzeshüter“ als Massenmörder zurückkehrten. Tausende Polizisten beteiligten sich während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich an den Verbrechen der NS-Diktatur. Es waren deutsche Ordnungskräfte, die in den besetzten Gebieten Osteuropas agierten, an den Erschießungsgruben abertausende jüdische Opfer töteten und so ihren schrecklichen Beitrag zur Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums leisteten. Daneben bildeten sie eine zentrale Säule der deutschen Besatzungspolitik und bereiteten einer Entwicklung den Weg, der über Ghettos und Deportationszüge letztlich in die Vernichtungslager führte. Ohne die Polizei wäre der Holocaust nicht möglich gewesen.

Diese Tatsache und das obige Zitat passen so gar nicht in das Bild, das die Deutschen von ihrer Polizei haben. In der Populärkultur erscheint der Polizist meist als „Freund und Helfer“ oder als heldenhafter Ermittler, der mit kriminalistischem Spürsinn und rechtsstaatlichem Idealismus für Gerechtigkeit und gegen Verbrecher kämpft. Kriminalromane und Fernsehsendungen verpassen der Ordnungsmacht ein glorifizierendes Image, an dem die Exekutive in ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit anzuknüpfen versucht. Trotzdem werden Staatsdiener bei Demonstrationen regelmäßig durch Randalierer gezielt angefeindet oder sogar tätlich angegriffen, weil sie in ihnen vielmehr Vertreter eines brutalen Polizeistaats zu erkennen glauben. Obwohl sie durch das Fehlverhalten einzelner Beamter immer wieder am medialen Pranger steht, vertrauen die Bundesbürger dennoch keiner Institution so sehr wie der deutschen Polizei.(2) Schließlich geht die breite Öffentlichkeit davon aus, dass Gesetzeshüter eher Verbrechen verhindern oder zumindest aufklären, anstatt selbst welche zu begehen.

Umso erstaunlicher ist es, dass die dunkle Vergangenheit der deutschen Ordnungsmacht nach Ende des Zweiten Weltkriegs viele Jahrzehnte lang nicht nur der Gesellschaft allgemein, sondern auch speziell der Forschung verborgen blieb. Allenfalls erschien die Polizei als Komparse der deutschen Geschichte, wie etwa während der Studentenunruhen der späten sechziger Jahre, bei der gescheiterten Geiselbefreiung im Rahmen des Olympia-Attentats in München 1972 oder im Kampf gegen die Rote Armee Fraktion (RAF) und weitere linke Terrorgruppen.(3) Aber von solchen Ausnahmen einmal abgesehen, blickten deutsche Historiker lange Zeit kaum in das „Auge des Gesetzes“. Vor allem dessen Rolle im „Dritten Reich“ war über einige Dekaden hinweg kaum Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Stattdessen ließen sich Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit von der Legende der „sauberen“ Polizei allzu leicht blenden, obwohl die NS-Diktatur schon frühzeitig gerne als „Polizeistaat“ bezeichnet wurde.(4) Erst wenige Jahre vor Ende des vergangenen Jahrtausends löste sich diese Paradoxie auf, als die Forschung ganz allgemein die nationalsozialistischen Täter für sich entdeckte. Das war aber großteils einem wachsenden Interesse an der Geschichte der deutschen Polizei zu verdanken. Nun offenbarte sich, dass sich die Polizeigeschichts- und die Täterforschung nicht nur ergänzten, sondern auch eine Entwicklung vollzogen hatten, die zuweilen parallel verlaufen war.(5)

In den ersten Nachkriegsjahren machte die deutsche Gesellschaft vor allem Adolf Hitler und seine Führungsriege, aber auch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Schutzstaffel (SS) exklusiv für die Verbrechen des NS-Regimes verantwortlich. Im Nürnberger Prozess hatten die alliierten Richter nicht nur ranghohe Funktionäre des „Tausendjährigen Reiches“ zu langjährigen Haftstrafen oder gar zum Tode verurteilt, sondern auch beide Institutionen der Gewalt zu verbrecherischen Organisationen erklärt. Das bot den Deutschen eine willkommene Gelegenheit, ausschließlich die politische Elite des NS-Staats und ihre Handlanger für den Holocaust und andere Massenverbrechen verantwortlich zu machen. Nun verbreitete sich die Ansicht, die Deutschen seien von regelrecht übermenschlichen Dämonen verführt und ins Verderben gebracht worden, ohne dass sie etwas gegen die diabolischen Kräfte hätten ausrichten können.(6) Hitler und seine Entourage wie auch Heinrich Himmlers Geheimpolizei und dessen Weltanschauungstruppe fungierten als Stellplätze der Schuld, auf denen die Deutschen ihren moralischen Ballast abladen konnten. Sie trösteten sich nur allzu bereitwillig mit der vermeintlichen Tatsache, dass das Zusammenspiel von diabolischer NS-Führung, SS und politischer Polizei jedwede Opposition absolut unmöglich gemacht habe. Während sich die breite Öffentlichkeit so der eigenen Verantwortung entzog, machten sich Einzelne an eine frühe Typologie der NS-Verbrecher. Als einer der ersten versuchte der Soziologe Eugen Kogon in seinem T946 erschienenen Werk „Der SS-Staat“, die Täter der SS, aber auch der Gestapo zu analysieren, nachdem die Nationalsozialisten ihn mehrere Jahre lang im KZ Buchenwald terrorisiert hatten. Er beschrieb seine Peiniger als gescheiterte Existenzen, die geistig, kulturell und sozial deklassiert und gerade deswegen barbarisch sowie brutal gegenüber ihren Opfern gewesen seien.(7) Indes arbeiteten ehemalige Staatsdiener des „Dritten Reichs“ daran, ihre Vergangenheit rein zu waschen und die Legende von der „sauberen“ Polizei in Umlauf zu bringen. Denn während Gestapo und SS aus dem Nürnberger Prozess als Inkarnation des Bösen hervorgegangen waren, hatten Kriminal- und Ordnungspolizei in Nürnberg noch nicht einmal auf der Anklagebank gesessen, obwohl die Alliierten sehr wohl über deren Verbrechen informiert gewesen waren.(8)

Stattdessen nutzten Funktionäre des nationalsozialistischen Polizeistaats das Gerichtsverfahren als Kulisse, um der Welt eine alternative Version der Wahrheit zu präsentieren. „Der Gedanke an eine Vernichtung bestimmter Bevoelkerungsteile ist uns Offizieren der Ordnungspolizei nie gekommen und nie gesagt worden“, wie der ehemalige SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei, Adolf von Bomhard, T946 in einer eidesstattlichen Versicherung erklärte.(9) Die uniformierten Staatsdiener seien lediglich mit dem Katastrophenschutz in der Heimat, militärischen Kampfeinsätzen an der Front oder der „Aufrechterhaltung der oeffentlichen Ordnung und Sicherheit“ in den besetzten Gebieten betraut gewesen.(10)

Allenfalls habe die Polizei ab und an „im Rahmen der Amtshilfe“ Deportationszüge begleitet.(11) Auch die frühesten Werke zur Polizei des NS-Staats konstruierten ganz in diesem Stil eine eigenwillige Version der jüngsten Geschichte. Der frühere Generalleutnant der Ordnungspolizei Paul Riege meinte z. B. in seinem Machwerk „Kleine Polizei-Geschichte“ aus dem Jahre 1954, dass innerhalb der uniformierten Staatsmacht ein regelrechter Widerstand gegen Himmlers Politik geherrscht habe.(12) Der „Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei“ (RFSSuChdDtPol) habe es, Riege zufolge, nicht verstanden, „die deutsche Ordnungspolizei zu einem willfährigen Instrument seiner Machtbestrebungen zu machen“.(13) Ferner schrieb der ehemalige Generalleutnant und Befehlshaber der Ordnungspolizei im Reichskommissariat Niederlande, Dr. Heinrich Lankenau, im Jahre 1957, dass die zentrale Aufgabe der Polizei während des Zweiten Weltkriegs lediglich im Luftschutz gelegen habe.(14)

Selbst die ersten Versuche, die Vergangenheit der uniformierten Polizei wissenschaftlich seriös aufzuarbeiten, waren nicht immun gegen diese Geschichtsklitterung. So erwähnt etwa das 1957 erschienene Standardwerk des Bundesarchivs „Zur Geschichte der Ordnungspolizei“ von Hans-Joachim Neufeldt, Jürgen Huck und Georg Tessin die Untaten der Staatsdiener in grüner Uniform mit keiner Silbe. Dieses Defizit hatte nicht zuletzt darin seinen Ursprung, dass das Bundesarchiv etwa Adolf von Bomhard als fachkundigen Berater zum Thema zu Rate gezogen und seine „Expertise“ eingeholt hatte.(15) Mit einer objektiven Suche nach dem tatsächlichen Wirken der Ordnungsmacht in den besetzten Gebieten hatte das herzlich wenig gemein. Andere Studien dieser Zeit erkannten zwar ebenfalls nicht, wie sehr die Polizei wirklich im Holocaust involviert war. Doch sie deuteten bereits in die richtige Richtung. So kam Ermenhild Neusüß-Hunkel in ihrer frühen Studie zur SS aus dem Jahre 1956 zu dem Schluss, dass das Personal der judenmordenden Einsatzgruppen zu einem hohen Anteil aus Ordnungspolizisten bestanden habe.(16) Da aber weder sie noch andere Forscher diesen Ansatz weiter verfolgten und es versäumten, die Rolle der Polizei kritisch zu hinterfragen, blieb das Lügengebilde der polizeilichen Apologeten in den Folgejahren weiterhin intakt.

© Tectum Verlag

LESEPROBE AUS: Sven Deppisch, Täter auf der Schulbank. Die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei und der Holocaust, Tectum Verlag 2017, 676 S., Euro 39,95, Bestellen?

Anmerkungen:
(1) Erich Bürkner, Streiflichter aus der Sowjet-Union. Nach Tagebuchblättern von Oberleutnant der SchP. E. Bürkner, in: Die Deutsche Polizei, 15.12.1941, Nr. 24, S. 424 f., hier: S. 424. Offensichtlich handelt es sich bei der genannten Stadt um Smolensk, die rund 370 km von Moskau entfernt ist. Sie fiel an die deutschen Besatzungstruppen nach einer Kesselschlacht mit der Roten Armee, die von Anfang Juni bis zum 5. August 1941 tobte, und wurde dabei fast komplett zerstört. Vgl. u. a. Gerhard Schreiber, Der Zweite Weltkrieg, 4. Aufl., München 2007, S. 60; Lothar Gruchmann, Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik, 11., durchges. und akt. Aufl., München 2005, S. 131 und 133; Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 71, 2. Aufl., München 2009, S. 123; Christian Hartmann, Unternehmen Barbarossa. Der deutsche Krieg im Osten 1941-1945, München 2011, S. 58; Ders., Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 75, München 2009, S. 254.
(2) Der Global Trust Report 2013 – eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) – gibt an, dass 81 % der Deutschen ihrer Polizei vertrauen, womit die Ordnungsmacht mit deutlichem Abstand an der Spitze aller Behörden steht. Vgl. GfK Verein, Jahresbericht 2012/13, Nürnberg 2013, S. 34 f.
(3) Vgl. u. a. Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968-1976, Köln 1976; Simon Reeve, Ein Tag im September. Die Geschichte des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München 1972, München 2006; Stefan Aust, Der Baader-Meinhof-Komplex, Hamburg 1985.
(4) Wie geläufig der Begriff des „Polizeistaats“ in den ersten Nachkriegsdekaden war, zeigt z. B. das Buch des Politikwissenschaftlers Brian Chapman, in dem er sich mit dem Phänomen in seiner semantischen und historischen Dimension auseinandersetzt. Vgl. Brian Chapman, Der Polizeistaat, München 1972.
(5) Zur Entwicklung der Täterforschung im Folgenden vgl. u. a. Gerhard Paul, Von Psychopathen, Technokraten des Terrors und „ganz gewöhnlichen“ Deutschen. Die Täter der Shoah im Spiegel der Forschung, in: Ders. (Hrsg.), Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?, Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 2, Göttingen 2002, S. 13-90; Michael Wildt, Von Apparaten zu Akteuren. Zur Entwicklung der NS-Täterforschung, in: Angelika Benz/Marija Vulesica (Hrsg.), Bewachung und Ausführung. Alltag der Täter in nationalsozialistischen Lagern, Geschichte der Konzentrationslager 1933-1945, Bd. 14, Berlin 2011, S. 11-22. Ferner: Peter Longerich, Tendenzen und Perspektiven der Täterforschung. Essay, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 14/15 (2007), S. 3-7; Ulrich Herbert, Wer waren die Nationalsozialisten? Typologien des politischen Verhaltens im NS-Staat, in: Gerhard Hirschfeld/Tobias Jersak (Hrsg.), Karrieren im Nationalsozialismus. Funktionseliten zwischen Mitwirkung und Distanz, Frankfurt am Main/New York 2004, S. 17-42, hier: S. 19-26. Wie sich die Forschung zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus entwickelte, skizziert ferner: Herbert Reinke, Die deutsche Polizei und das „Dritte Reich“. Anmerkungen zur Geschichte und Geschichtsschreibung, in: Harald Buhlan/Werner Jung (Hrsg.), Wessen Freund und wessen Helfer? Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus, Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Bd. 7, Köln 2000, S. 51-63; Ders., „Restauration“ oder „Ein neuer Anfang“: Zur Polizeigeschichte und -geschichtsschreibung des „Dritten Reiches“ und der Bundesrepublik, in: Bundeskriminalamt (Hrsg.), Das Bundeskriminalamt stellt sich seiner Geschichte. Dokumentation einer Kolloquienreihe, Köln 2008, S. 143-159.
(6) Vgl. Wildt, Apparaten, S. 12.
(7) Vgl. Eugen Kogon, Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, 44. Aufl., München 2006, S. 363-381.
(8) Wie Richard Breitman ausführt, wussten die USA und Großbritannien über die Massenverbrechen der Nationalsozialisten recht gut Bescheid. Seit Oktober 1939 fingen britische Geheimdienste den Funkverkehr der Ordnungspolizei ab und erfuhren so, dass auch dieses Exekutivorgan während des Krieges an Massakern in Osteuropa beteiligt war. Gegenüber den USA teilten sie diese Informationen jedoch nur in Ansätzen, weshalb ihre amerikanischen Kollegen über konkrete Einzelheiten relativ we nig wussten. Doch auch aus pragmatischen Gründen unterließen es die Westalliierten, die Ordnungspolizei in der Nachkriegszeit für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen. Vgl. Richard Breitman, Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis – von den Alliierten toleriert, München 2001.
(9) Affidavit SS-82: Eidesstattliche Versicherung des Generalleutnants der Ordnungspolizei Adolf von Bomhard vom 13. Juli 1946, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg 14. November 1945-1. Oktober 1946 (IMT), Bd. 42, Nürnberg 1949, S. 636-652, hier: S. 642.
(10) Ebd., S. 641.
(11) Ebd., S. 643. Hervorhebung im Original.
(12) Vgl. Paul Riege, Kleine Polizei-Geschichte, Kleine Polizei-Bücherei, Bd. 15/16, Lübeck 1954, S. 45 f.
(13) Ebd., S. 46.
(14) Vgl. Bernhard Heinrich Lankenau, Polizei im Einsatz während des Krieges 1939/1945 in Nordrhein Westfalen, Bremen 1957, S. 5 und 167. Zur Person Lankenaus ferner: Christoph Spieker, Traditionsarbeit. Eine biografische Studie über Prägung, Verantwortung und Wirkung des Polizeioffiziers Bernhard Heinrich Lankenau 1891-1983, Villa ten Hompel. Schriften, Bd. 12, Essen 2015; Ders., Export von Münster nach Den Haag: BdO Dr. Heinrich Lankenau (1891-1983), in: Alfons Kenkmann/Ders. (Hrsg.), Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung. Begleitband zur gleichnamigen Dauerausstellung, Villa ten Hompel. Schriften, Bd.1, Essen 2001, S. 176-191.
(15) Vgl. Hans-Joachim Neufeldt/Jürgen Huck/Georg Tessin, Zur Geschichte der Ordnungspolizei 19361945, Schriften des Bundesarchivs, Bd. 3, Koblenz 1957, S. VI.
(16) Vgl. Ermenhild Neusüß-Hunkel, Die SS, Hannover/Frankfurt am Main 1956, S. 99.

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