Israel – Koexistenz der Gegensätze

Israel, das kleine Land im Schnittpunkt dreier Erdteile, verblüfft mit einer großen Zahl an fast gegensätzlichen Naturschönheiten und geographischen Besonderheiten. In einer Region gelegen, in der über Tausende von Jahren nachhaltige Geschichte geschrieben wurde, steht das demokratisch verfasste Israel mit seiner heutigen Vielfalt an Kulturen, Religionen und Sprachen auf engem Raum wohl weltweit einzigartig dar…

Ein Bildervortrag von Matthias Volpert, Regensburg

Diese Kurzbeschreibung ist eine Quintessenz von insgesamt 6 jeweils zweiwöchigen Reisen, die mich zwischen 2006 und 2013 nach Israel führten. Doch ist es im Sinne der Überschrift meines Beitrags notwendig, die bereits angesprochene Vielfalt, Gegensätzlichkeit mit eingeschlossen, weiter zu differenzieren.

Spannung und Überraschung begleiten z. B. eine Autofahrt vom Norden Israels mit dem schneebedeckten Hermon-Massiv bis zum im Februar bereits sommerlich warmen Roten Meer bei Eilat. Hier ist ein stetiger Wandel der Landschaften zwischen dem bergigen Grün Galiläas und dem felsigen Gelb-Braun des Aravatals zu erleben. Frappierend ist es auch, nach einem etwas mühevollen Aufstieg auf das ca. 400 m über dem Jordantal gelegene Massada-Platteau dann konstatieren zu müssen, gerade das Nullniveau der Meereshöhe erreicht zu haben . . . .

Mit zahlreichen weiteren Bildern aus Natur und Stein gewordener Geschichte, die wie in einem Zeitraffer noch präsent ist und zu der Moderne – hier sei beispielhaft die vielfach anzutreffende Bauhausarchitektur erwähnt – eindrucksvoll kontrastiert, lässt sich das heutige bunte Gesamtbild Israels zusammensetzen.

Noch eindrucksvoller werden einem Vielfalt und Gegensätzlichkeit bewusst bei dem Erleben der Menschen, die die israelische Gesellschaft verkörpern, und dem Wissen um deren Herkunft, Geschichte, Kultur, Religion.

Schon allein das Aufzählen jüdischer Gruppierungen nach ihren Prägungen in der Zerstreuung lässt eine Meinungsvielfalt zum Thema Jüdischsein erahnen. So unterscheiden sich Jiddisch kultivierte aschkenasische, europäische Juden deutlich von den Sephardim aus dem Umfeld von Spanien und Nordafrika, die zur Verständigung Ladino benutzten. Weiter blättert sich die Vielfalt mit den äthiopischen, dunkelhäutigen Juden und allgemein mit der sehr unterschiedlichen Strenge der Religionsausübung, oftmals in Kleidung, den Riten und Essgewohnheiten etc. manifestiert, auf.        

Ganz andere „Zutaten“ zu diesem Gemisch aus Völkern und Ethnien gehen von den dem Islam oder Christentum zuzuordnenden Arabern aus, die ein Fünftel der israelischen Staatsbürger bilden. Die ebenfalls zu nennenden Drusen ergänzen mit ihrer nur mündlich weiterzugebenden Religiosität die Glaubenstraditionen der drei, bereits erwähnten, sogenannten Buchreligionen. Schließlich runden eine Majorität von Russisch sprechenden Zuwanderern mit mehr säkularer Denkweise und vielfach guter Ausbildung sowie eine Minorität von Armeniern mit deren Genozid-Hintergrund die Aufzählung im Wesentlichen ab.

Wenn am 19. April dieses Jahres der Staat Israel den 70. Jahrestag seiner Gründung bzw. der Unabhängigkeitserklärung feiern kann, dann basiert dieses wichtige Ereignis ganz sicherlich auf dem „Altneuland“- Enthusiasmus seiner zionistischen Visionäre und der damit verbundenen Freude, endlich uralte Fesseln von permanenter Bevormundung, Ausgrenzung und Lebensbedrohung gesprengt zu haben. Der dann erfolgreiche Widerstand gegen die Übermacht arabischer Armeen resultiert aus dieser Haltung und wurde gleichbedeutend von dem Wissen um die historische Chance getragen, einen sicheren Zufluchtsort für alle Juden weltweit zu schaffen.

Grundsätzliche Aussagen zu staatstragenden Prinzipien und Staatsaufbau, der sich auch an bewährten demokratischen Strukturen wie Mehrparteiensystem, Parlament, Gewaltenteilung etc. orientiert, enthält vorausschauend auch die Unabhängigkeitserklärung. „ . . . Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels . . . “ bedeutet demnach Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied von Religion, Rasse, Geschlecht, politische Anschauung, Sprache und Kultur.

Die Überschrift meines Beitrags „Israel – Koexistenz der Gegensätze“ lässt sich mit einem Ausrufezeichen, aber auch Fragezeichen abschließen.

Israel verfügt über eine prosperierende Wirtschaft, es gibt weltweit anerkannte wissenschaftliche Erfolge auf wichtigen Gebieten, eine moderne Infrastruktur, wachsende Bevölkerungszahl auch weiterhin durch Zuwanderung aus Ländern mit bedrohtem jüdischen Leben etc. – trotz permanent bestehender Bedrohung von außen.

Doch zu erwähnen sind aber auch soziale Unruhen, Benachteiligungen im Alltag mit ethnischem Hintergrund, Auseinandersetzungen zwischen säkularen und orthodoxen Interessen und nicht zuletzt das explosive Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensergebieten, was weiterhin ungelöst die israelische Gesellschaft spaltet, ihre Prinzipien in Frage stellt.

Aber 70 Jahre Israel sprechen für sich!  

Nicht nur eine vergleichsweise gute Lebensperspektive, sondern auch die gemeinsame Geschichte, die Erinnerung an Shoa, Flucht und Vertreibung und nicht zuletzt das religiös begründete Heilige Land können aus meiner Sicht die unumstößliche Existenz Israels bekräftigen. Aufgabe der politisch Verantwortlichen bleibt es jedoch immer, im Sinne von Sicherheit und Stabilität das gesellschaftliche Gleichgewicht zu wahren.

Mit meinen eingangs angesprochenen Israel – Reisen erhöhte sich natürlich immer mehr die Anzahl der Fotos, mit denen ich meine vielfältigen Eindrücke „festhalten“ wollte. Angeregt durch den Freundeskreis Israel in Regensburg, dessen Mitglied ich bin, entstand daraus, schrittweise variiert und ergänzt, schließlich der Bildervortrag, auf den ich hier Bezug nehme. Damit lässt sich ein wichtiges Anliegen des Freundeskreises, das darin besteht, ein realistisches Israelbild zu vermitteln, in die Tat umsetzen. Schon mehrere Male wurde dieser Bildervortrag Interessenten in Regensburger Hochschulen, bei entsprechenden kulturellen Aktivitäten, aber auch in Kirchgemeinden sowie in der Jüdischen Gemeinde Regensburg mit vorwiegend osteuropäischen Zuwanderern vorgestellt. 

In den deutschen Medien wird das Israel-Bild fast ausschließlich am sogenannten Nahost-Konflikt festgemacht, wobei die Verursacherrolle in der Regel Israel zugewiesen wird. Diese Position setzt sich im Alltag vielfach kritiklos fort. Geschichtliche Hintergründe werden ausgeblendet oder sind unbekannt. So befördert dieses Zerrbild neben weiteren negativen Einflüssen vermehrt antijüdische bzw. antiisraelische Stimmungen in der Gesellschaft, die kontraproduktiv zur Aussage der deutschen Staatsführung stehen, wonach die gesicherte Existenz Israels als Teil der Staatsräson verstanden wird. Diese öffentlich gern zitierte, zunächst sehr abstrakte Aussage hat sich dann praktisch und stärker wahrnehmbar in Gremien der internationalen Politik, aber auch bei diverser Zusammenarbeit, Kulturaustausch und persönlicher Begegnung, z.B. von Schülern, entsprechend zu bewähren.  

Der Vortrag selbst gliedert sich in 4 Bilder – Abschnitte, mit denen ich die von mir gewählte Überschrift „Israel – Koexistenz der Gegensätze“ transparent machen will.

Die nachfolgende Übersicht dazu beschreibt jeweils kurz deren Inhalte und ergänzt diese durch einige Bilder aus der Gesamtheit des Vortrags.

Abschnitt 1: „Landschaften – steinerne Zeitzeugen . . .“ nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, die mit der Burgruine Nimrod nahe des Drei-Länder-Ecks Israel – Libanon – Syrien beginnt und am Golf von Akaba endet.

Abschnitt 2: „Städte“ zeigt eine Auswahl von Bildern zu Akko, Haifa, Tel Aviv, Jerusalem und Eilat.

Abschnitt 3: „Menschen, Begegnungen . . .“ stellt Einzelpersonen, Gruppen in ihrer sehr unterschiedlichen Zugehörigkeit bzw. bei bestimmten Anlässen und Tätigkeiten vor, lässt auch in interessante Gesichter blicken.

Abschnitt 4: „70 Jahre Israel“ charakterisiert mit: Visionen – harte Arbeit – Lernprozesse – Selbstbehauptung – Friedenssehnsucht . . . die Entstehung und Entwicklung des Staates Israel und führt über das Bild von Herzls Grab, ausdrucksstarke Bilder von Yad Vashem, Ansichten von der Knesseth, dem Denkmal von Rabin in Tel Aviv, von Grenzbefestigungen und Anlagen moderner Technik zu Möglichkeiten eines friedvollen Miteinanders hin.

Alle Bilder: © Matthias Volpert
Bild oben: Massada

„Landschaften – steinerne Zeitzeugen . . .“

Die Festung Nimrod im Golan

 

See Genezareth von Kursi aus gesehen

 

Reste einer Kreuzritterburg in Cesarea

 

Blick vom Berg Tavor in die Isre’el-Ebene

 

Im Aravatal im Süden des Landes

 

„Städte“

Die ehemalige Karawanserei in Akko

 

Die Bahai Gärten in Haifa

 

Tel Aviv – Beit Asia

 

Tel Aviv – Rothschild Boulevard

 

Tel Aviv – Kontrastreiche Architektur, im Vordergrund die Hassan Bek Moschee

 

Jerusalem, Damaskustor zur Altstadt

 

Jerusalem – Blick auf die Altstadt, Felsendom und den Ölberg im Hintergrund

 

In der Neustadt

 

Die „Harfenbrücke“ in Jerusalem

 

„Menschen, Begegnungen . . .“

 

 

 

 

 

 

„70 Jahre Israel“

Die Knesset, gesehen durch das Denkmal „The Burning Bush“ von David Palombo im Gedenken an die Gefallenen im Unabhängigkeitskrieg

 

Das Grab von Theodor Herzl am nach ihm benannten Berg in Jerusalem

 

Yad vaShem

 

Gedenkstätte der Negev Brigade von Dani Karavan

 

Denkmal für Jitzhak Rabin, der an dieser Stelle in Tel Aviv ermordet wurde

 

Better place ?

 

Jaffa

 

„One“ von Tova Heilprin in Nes Amim

Kommentar verfassen