Brauner Spuk mit Alkoholverbot

Am Ostersamstag soll unter dem Motto „Linker Intoleranz entgegentreten“ ein Neonazi-Aufmarsch am Südbahnhof in Köln stattfinden…

Von Susanne Müller

Am 14. Januar hatte der Köln-Zollstocker Neonazi Jan Fartas gemeinsam mit dem langjährigen, vorbestraften Kölner Neonazi Paul Breuer – ehemals „Kampfbund deutscher Sozialisten“ sowie der „Kameradschaft Walter Spangenberg“ – eine braune Kundgebung in Köln durchgeführt. Anfangs waren es 110 Personen; beim teils militärisch anmutenden Marsch war die Teilnehmerzahl jedoch rasch auf die Hälfte zusammengeschmolzen, da einige von ihnen Kneipen aufsuchten. Bei der Abschlusskundgebung hatten sich mehrere Redner offen als Nationalsozialisten bezeichnet. Der 45-jährige Breuer gefiel sich besonders darin, die sehr zahlreich anwesende Kölner Polizei als Versager zu beschimpfen. Die Formulierung „Sieg oder Untergang“ schmückte seine Rede.

Anschließend kündigten Fartas & Breuer an, nun regelmäßig in Köln öffentlich aufzutreten, jedoch ohne Beteiligung der rechten Spaß- und Trinkerleute. Fartas & Breuer stammen beide aus Köln-Zollstock, wo sie auch die örtliche Grundschule besucht haben. Breuer war anschließend Schüler der Gesamtschule Köln-Rodenkirchen.

Auf Facebook firmiert Fartas proletarisch-züchtige Zollstocker Kleinstgruppe unter dem Namen „Köln für deutschen Sozialismus“, findet dort jedoch eher bescheidenen Anklang. Auf dieser FB-Seite wurde kürzlich in offen antisemitischer Weise der Tod des jüdischen Bankiers David Rockefeller mit den Worten „Volksgenossen. Besser spät als nie“ gefeiert. Für einige Tage war diese FB-Seite danach wegen einer Sperre offline.

In Köln-Zollstock hatten mehrfach örtliche Initiativen in öffentlichen „Putzaktionen“ die zahlreichen Neonaziaufkleber entfernt, die dort regelmäßig zu finden sind. Die Kölner Boulevardzeitung Express überschrieb im Oktober 2015 einen Beitrag über diese Neonazis mit Extrem militant und gewaltbereit. Hier marschieren die Köpfe der Kölner Neonazi-Szene

Neue Bezugnahmen zu Michael Kühnen

Als bemerkenswert erscheint: In jüngster Zeit hat die Fartas zugerechnete Facebook-Seite – die durch ihre inhaltlich durchgängig wirr-pathetischen Beiträgen gekennzeichnet ist – mehrfach Bezug zu dem früh an Aids verstorbenen militanten, mehrfach zu Haftstrafen verurteilten Neonazi-Anführer Michael Kühnen hergestellt. Kühnen war u.a. maßgeblich an der 1995 verbotenen rechtsextremen, militaristischen Kleinstpartei Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) beteiligt. Deren Mitglieder traten öffentlich bevorzugt in peinlichen Naziklamotten auf. Mehrere ehemalige Mitglieder dieser militanten Gruppierung haben fürchterlich zerstörerische Spuren in Köln hinterlassen…

Bemerkenswert insbesondere deshalb, weil Kühnens nationalsozialistisches Wirken mit einem Mord unter Nazis im Kontext interner Kämpfe um die Beurteilung der Homosexualität verbunden ist. Auf Wikipedia wird hierzu konstatiert: „Während seiner zweiten Haft wurde nach einem verbandsinternen Appell zur Ausrottung der „Homosexuellen, Perversen und Verräter“ am 26. Mai 1981 das ehemalige ANS-Mitglied Johannes Bügner (* 1955) aufgrund „erwiesener Homosexualität“ von fünf ANS-Leuten in der Feldmark bei Sternwarde erstochen. Kühnen distanzierte sich von der Tat und widmete Bügner seine 1986 fertiggestellte 67-seitige Broschüre Nationalsozialismus und Homosexualität.“ 

Der kahlköpfige Fartas wurde im Juli 2016 durch einen Fernsehauftritt bei Dunja Hayalis ZDF-Donnerstags-Talk bundesweit bekannt. Als Teilnehmer einer Bielefelder Neonazi-Kundgebung[01] setzte er sich gegenüber der Journalistin in Szene, indem er seinen Unterarm präsentierte, auf den er das Bekenntnis „Nationalsozialist“ wohl hat eintätowieren lassen: „Ja, wir sind Nationalsozialisten“, verkündete er voller Stolz in die Fernsehkamera. Um es deutlich zu sagen: Die bekennenden Nationalsozialisten Fartas & Breuer sind eine wirkliche Gefahr für in Köln lebende Juden. Daran lassen sie keinen Zweifel. Erfahrene Kölner Antifa-Gruppen warnen nachdrücklich vor einer direkten Konfrontation mit den beiden und ihrem kleinen, gewaltbereiten Umfeld.

Ostersamstag, Bahnhof Süd ab 12 Uhr

Für Ostersamstag, den 15.4. – also bewusst eine Woche vor dem AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel, gegen den es sehr massive Gegenproteste geben wird – hat Fartas nun erneut eine Kundgebung angemeldet, diesmal in der Luxemburger Straße/Südbahnhof in Köln. Motto des sprachlich und inhaltlich wirren Aufrufes ist „Aufmarsch: Linker Intoleranz entgegen treten“.

„Alkoholisierte Anreisende“ werden „ausgeschlossen“

Fartas hat die Genehmigung erhalten, an dem in der Luxemburger Straße gelegenen Autonomen Zentrum vorbei zu marschieren. Ganz in der Nähe liegt auch die traditionsreiche Einrichtung SSK (Sozialistische Selbsthilfe Köln). Fartas hatte bis 2011 in der Kölner Punk- und Oi-Szene sowie auch im Kölner AZ verkehrte. Wegen seiner antisemitischen und rassistischen Äußerungen sowie seines gewaltsuchenden Auftretens hatte er dort jedoch keinen Anschluss gefunden.

In dem Aufruf wird „das Mitbringen von Brd-, Stauffenberg- sowie Israel- Fahnen“ ausdrücklich „untersagt“. „Alkoholisierte Anreisende“ würden „konsequent von der Versammlung ausgeschlossen“, heißt es.

In der Gellertstraße am Bahnhof Süd sowie vor dem AZ haben die Initiative „Köln gegen Rechts“ und andere linke Gruppen ab 12.00 Uhr Gegenkundgebungen unter dem Motto: „Naziaufmarsch gegen das Autonome Zentrum läuft nicht“ angemeldet.

Die mehr als renommierten Bands Mülheim asozial und pogendroblem spielen ab 12.30 Uhr gratis vor dem Autonomen Zentrum.
Ihr eigens für Jan Fartas geschriebener Song yuppieschweine dürfte auch laufen:

Aktuelle Infos unter:
https://www.facebook.com/events/205942899889532/
https://www.facebook.com/events/388844511499772/

Eine kürzere Version dieses Beitrages ist beim Blick nach Rechts (bnr) erschienen.

Bild oben: Jan Fartas (C) S. Müller

Nachtrag: Das Autonome Zentrum weist daraufhin: „Die wahrscheinliche Route der Nazis, wird über die Luxemburger Straße, Universitätsstraße und Zülpicher Straße zum Südbahnhof gehen.“

  1. Eine filmesche Dokumentation dieser Bielefelder Neonazi-Kundgebung hat der Journalist Marcus Arndt (2016) erstellt: https://www.youtube.com/watch?v=DwKVgAJjTL4&t=11s ; siehe auch https://www.youtube.com/watch?v=p9FQxzVrZUc ab Minute 2:42 []

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