Hausdurchsuchungen bei bundesweitem Netzwerk antisemitischer Reichsbürger

In den gestrigen Morgenstunden (25.1.2017) durchsuchten an die 200 Polizisten in mehreren Bundesländern insgesamt 12 Wohn- und Geschäftsräume von sogenannten Reichsbürgern. Die federführende Bundesanwaltschaft wirft den sechs Beschuldigten die Bildung einer „rechtsextremistischen Vereinigung“ vor. Seit knapp einem Jahr plante die Vereinigung nach jetzigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden bewaffnete Angriffe auf Polizisten, Repräsentanten des Staates, Geflüchtete sowie Jüdinnen und Juden…

K. Schmitt, redoc – research & documentation

Ziel der Hausdurchsuchungen, bei denen nach SWR-Informationen im baden-württembergischen Schwetzingen sowie im brandenburgischen Rietz-Neuendorf auch Waffen und scharfe Munition gefunden wurde, war die Beschaffung weiterer Beweismittel für das tatsächliche Bestehen einer Vereinigungsstruktur sowie zu den angeblich geplanten Straftaten.

Im Mittelpunkt des Reichsbürger-Netzwerks steht offenbar der selbst ernannter „Druide“ Burghard B., der sich in den sozialen Netzwerken „Burgos Von-Buchonia“ nennt.

B., der sich neben AfD, NPD sowie „Friedensaktivist_innen“ an den Gegenprotesten der letztjähren Bilderberg-Tagung in Dresden beteiligte, kommunizierte mit seinen Reichsbürger-Kameraden aus dem gesamten Bundesgebiet in letzter Zeit vor allem über das russische Facebook-Pendant „VKontakte“ (vk).

Im Gegensatz zu Facebook, wo ab und zu volksverhetzende Kommentare gelöscht und entsprechende Accounts gesperrt werden, kann die rechte Szene bei vk weitestgehend ohne Einschränkungen gegen Geflüchtete, Juden, Muslime, Andersdenkende sowie Systempolitiker hetzen.

Neben „Burgos Von-Buchonia“, der in einem Kommentar schrieb „Wann werden JUDEN gemessert? Wir haben noch fast 6 Millionen Opfer zu liefern.“, ist besonders der Berliner Beschuldigte Karsten R. im Reichsbürger-Netzwerk bei vk aktiv. Fast täglich postet R. aus seiner mit Reichsbürgerflagge ausstaffierten Moabiter Ladenwohnung dutzende Beiträge auf seinem Profil. Viele dieser Posts sind Aufrufe zur Gewalt, volksverhetzend, antisemitisch oder rassistisch.

Genau vor einem Jahr forderte Karsten R.: „Ich sach das dann nochmal, ne, kann ja sein, dass es wie ein Witz rüberkam…: ick suche hier in Berlin een Russen, der nicht zu feige ist, mich zu bewaffnen…! […] Ich bin Deutscher und ich wehre mich gegen Feinde aus dem Ausland genau so, wie gegen Feinde von Innen…! Ich poste nicht nur bunte Bildchen, sondern ich stehe hinter dem, was ich von mir gebe…!“ Gekrönt wurde dieser Beitrag mit einem Selfie, auf dem R. mit Revolver in der Hand posiert. Im Dezember 2016 ergänzte Karsten R. seinen Aufruf mit der Frage: „Wo sind die Millionen, die dem scheiss System endlich den Hals umdrehen…? Wo sind die mutigen Männer, die ein Exempel nach dem anderen statuieren…? […].“

  

Militärische Erfahrungen sammelte der Reichsbürger, der im Alltag in abgeranzter Rockerkluft herumläuft, offenbar bei der Armee der DDR. Zwei Familienfotos, die er ebenfalls vor einem Jahr bei vk hochlud, zeigen ihn bei der NVA-Wachkompanie in Bautzen (1978-1980) sowie seinen „Opa in der Wehrmacht“.

Ebenso wie bei „Burgos Von-Buchonia“ liegt der Schwerpunkt des Hasses von Karsten R. auf Vernichtungsphantasien gegen Jüdinnen und Juden.
Während „Burgos Von-Buchonia“ noch vor einer Woche schrieb „Ruhe und Frieden auf der Welt gibt es erst, wenn kein Jude mehr atmet“, hetzte R. Anfang November 2016 „Merzt es endlich aus, das von Gott, verfluchte Juden-Gesindel…!!“. Und am 14. Januar postete er auf seinem vk-Profil: „Brecht dem Juden endlich das Genick, dann kommt der Friede auf Erden zurück…!“

Ergänzend zu solchen menschenverachtenden Hassbeiträgen, veröffentlichte der Berliner Beschuldigte unzählige, rassistische, staatsfeindliche und NS-verherrlichende Bilder (u.a. Hitler-Portraits) sowie Selfies, auf denen er wahlweise Werbung für die rechte Kleinstpartei „Pro Deutschland“ oder für den Dresdener Pegida-Aufmarsch macht, an dem er sich mit seiner Frau mindestens einmal beteiligt haben will.

Bei der Hausdurchsuchung im Berliner Ortsteil Moabit konfiszierte die Polizei bei Karsten R., der bei dieser Aktion wegen eines offenen Haftbefehls in Gewahrsam genommen wurde, kistenweise Akten und weitere Druckerzeugnisse sowie einen Computer.

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