Neue „Friedensbewegung“ plant Festival mit rechten Referenten

Für Ende Juni 2017 planen Teile der neuen „Friedensbewegung“ ein großes Musikfestival im brandenburgischen Niedergörsdorf. Von der veranstaltenden Pax Terra Musica gGmbH i.G. werden bis zu 5000 Teilnehmende auf dem Festivalgelände, einem ehemaligen Militärflugplatz, erwartet. Dem Publikum soll auf fünf Bühnen Livemusik, politische Vorträge und Workshops geboten werde…

K. Schmitt, redoc – research & documentation

Der Aufruf zum dreitägigen Festival unter dem Motto „Unsere Heimat ist die Erde unsere Religion ist die Liebe, unsere Nationalität ist Mensch“ klingt für unbedarfte Menschen erst einmal unverdächtig. In der Vergangenheit, so die Beschreibung auf der Homepage, habe man sich an diverse Veranstaltungen der Friedensbewegung wie z.B. Stopp Ramstein, der Lichterkette für den Frieden, der Humanistischen Friedenspartei oder der Piratenpartei beteiligt.

Beim Durchforsten der künstlerischen Hauptacts und politischen Akteure, die nach jetzigem Stand beim Festival eine Rolle spielen werden, fällt auf, das ungefähr die Hälfte in den letzten zwei Jahren ein- oder mehrmals bei den „Mahnwachen für den Frieden“ auftraten. Einige von ihnen waren im September diesen Jahres bei „Friedensfest am See“ geladen, dass die Szene an einem zuvor geheim gehaltenen Ort in der Nähe von Fürstenberg/Havel abhielt. Im Vorfeld dieses Festivals berichteten lokale Zeitungen unter anderem, dass sich auf der Gästeliste auch Personen befänden, die „der Szene der neuen Rechten und Verschwörungstheoretikern zugerechnete werden“.

Möglicherweise ist die mediale Resonanz auf dieses Event im September der Grund dafür, dass die Verbindung zu den Mahnwachen auf der Pax Terra Musica Website komplett verschwiegen wird.

Unter den Referent_innen, die für das Festival gebucht sind, befinden sich auch Verschwörungsgläubige und mutmaßliche Antisemiten.

Tommy Hansen beispielsweise gibt das alternative Nachrichtenmagazin „Free21“ heraus. In dieser kostenlos verteilten Postille geben sich vor allem Autor_innen der verschwörungsgläubigen Szene die Klinke in die Hand. Stories rund um die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA oder Fantastereien über die Rothschild-Familie sind Beleg, dass in diesem Nachrichtenmagazin auf ideologische Propaganda statt auf Fakten gesetzt wird.

Gespannt kann man auf den Auftritt von Hans-Wolff Graf sein, der bei dem Festival über „30 Jahre Friedensarbeit“ sprechen soll. Neben seinem Vortrag präsentiert Graf auf dem Eventgelände seine Projekte PERSPEKTIVE ohne Grenzen e.V., Anthropos e.V. sowie Friedenserklärung.de als Aussteller.

Was im ersten Moment harmlos erschein, entpuppt sich bei genauem Hinsehen in Teilen als ein Forum antisemitischer Propaganda.

Um beispielsweise die Shoa, den millionenfachen Mord der deutschen Nationalisten an Jüdinnen und Juden zu relativieren, zeigt die Website des Vereins mehrere Videos. Zu sehen sind einerseits Youtubevideos, die mit dem Titel „Gewollter Holocaust“ suggerieren, die fabrikmäßige Ermordung sei eine Inszenierung oder Erfindung. Andererseits ist auf der Homepage ein Film des neonazistischen Videoportals „volksfront-medien“ über die alliierten Rheinwiesenlager eingebunden, in dem als Fazit von über 12 Millionen Deutschen die Rede ist, die angeblich zwischen 1945 und 1949 umgebracht worden seien sollen. Eine Zahl, die die Opfer des nationalsozialistischen Terrors relativiert und die durch keine wissenschaftlichen Fakten belegt ist.

Zur Kaschierung seines Weltbilds greift Hans-Wolff Graf scheinbar häufig auf codierte Sprache zurück. Wenn er von den „Illuminaten“, „Kosmokraten“, der „Bilderberger-Konferenz“, von den „Rockefellers und Rothschilds“ oder der „Ostküste der USA“ spricht, wissen Insider, was gemeint ist. Im Artikel „Die schleichende Revolution der Kosmokraten“, den Graf vor einigen Jahren mit einem Co-Autor verfasste, rückte er vom Verschleierungsmuster ab und wurde deutlich: „Bis heute sind es aber zumeist die superreichen Familien Englands, Frankreichs und Hollands – größtenteils khasarische, also nicht-semitische Juden -, die das Wirtschaftsgeschehen in der Welt bestimmen.

Noch deutlicher wurde Graf im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem russischen Informationsportal „NewsBalt“. Auf die Frage, „wie selbstständig ist Deutschland in seiner Außenpolitik, sagte er:

„Deutschland ist eine amerikanische Kolonie. Wir haben bis heute keinen Friedensvertrag mit den Alliierten, aber nur die wenigsten wissen das. Wir sind kein souveräner Staat, und so ist es schon seit 70 Jahren oder sogar seit 97 Jahren, wenn wir den 1. Weltkrieg berücksichtigen. Damals wurde Deutschland zerstückelt und unter Kuratel gestellt, und es wurden harte Sanktionen verhängt. Dann kamen die NSDAP und Hitler an die Macht, die von den Konzernen und Banken der USA finanziert wurden. Ohne sie hätten die Nazis nicht an die Macht kommen können. Die USA sponserten faktisch den 2. Weltkrieg.“

NewsBalt: „Ja, davon weiß aber kaum jemand, sogar in Deutschland selbst.“

Graf: „Kennen Sie die Geschichte der khasarischen Juden? Der 13. Stamm, die sogenannten „unechten“ Juden. Aus ihnen stammen Bankiersfamilien wie die Rockefellers, Morgans und Rothschilds. Sie finanzierten die NSDAP und den 2. Weltkrieg. Sogar in der Zeit aktiver Kriegshandlungen in Europa machten sie Geschäfte mit Deutschland und Ländern, mit denen Deutschland im Krieg war.“

Dieses Interview, dass in Teilen Gedankengut der extrem rechten Reichsbürger wiedergibt, wurde in einer Übersetzung als PDF-Dokument auf der Website des Anthropos e.V. veröffentlicht, ist dort inzwischen aber nicht mehr abrufbar. Der gemeinnützige Verein, gegründet und geleitet von Hans-Wolff Graf, setzt sich das Ziel „den Kindern ein Leben ohne Angst und Zwänge zu ermöglichen, das frei von nationalistischem Eigensinn und religiöser, staatlicher und kultureller Einseitigkeit ist“. Im Duktus der Alternative für Deutschland (AfD) will der Verein Akzente setzen gegen „die Gleichmacherei, vom Gender-Mainstreaming über den Sozialismus bis hin zur Political Correctness“.

Malte Klingauf, einer der Moderatoren der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ in Berlin, ist Geschäftsführer der Pax Terra Musica gGmbH i.G. in Falkensee bei Berlin. Nach dem derzeitigen Stand ist er der Hauptorganisator des Musikfestivals in Niedergörsdorf.

Aus seinen Facebook-Beträgen und Kommentaren Klingaufs wird deutlich, für welche politischen Themen er sich interessiert. „Das der 11.9. nicht so abgelaufen ist, wie sie uns erzählen ist doch klar“, posaunt er heraus. Und „wie soll denn ein Gebäude gerade einstürzen, wenn eine Seite brennt? Von WTC7 will ich gar nicht anfangen.“ Ein verschwörungideologischer Glaube wie dieser ist wesentlicher Bestandteil dessen, was Sympatisant_innen dieser neue „Friedensbewegung“ eint und zusammenhält. Immer wieder stößt man bei ihnen auf die Frage „Cui Bono?“, wem nützt es.

Diese Fragen beantwortet Malte Klingauf in Bezug auf den gewaltsamen Absturz des malaysischen Flugzeugs MH17 über der Ukraine wie folgt: „Was hätten die Rebellen davon gehabt eine zivile Maschine abzuschießen? Die Kiewer Ukraine hingegen hatte sehr wohl ein Interesse an diesem Abschuss, da sie davor und danach immer wieder versucht hat die westlichen Verbündeten in den Konflikt hineinzuziehen.“

Mit der Allzweckwaffe „Cui Bono?“ findet Klingauf nicht nur am heimischen Computer immer wieder eine Problemlösung ganz nach seinem Geschmack. Als Moderator der Montagsmahnwachen in Berlin weiß er, dass „wem nützt es?“ und „die Wahrheit“ die wichtigsten Tools sind, um die Sympathisant_innen der eingeschworenen Gemeinschaft bei Laune zu halten.

Diese und andere Elemente des Zusammenhalts finden sich bei den Kundgebungen stets in den gehaltenen Reden sowie den gut sortierten „Wahrheits“-Medien auf dem Büchertisch wieder. Egal ob man dort zur „Free21“ oder zur „Montagspost“ greift; betreffend der Kernaussagen steht überall so ziemlich das Gleiche drin. Die Rothschilds sollen die meisten Zentralbanken kontrollieren, wird da behauptet. Oder die offizielle 9/11-Version sei eine Fälschung, Putin sei ein großer Demokrat während „Killery“ Clinton und Obama fast den 3. Weltkrieg heraufbeschwören.

Im Gegensatz zur „Stimme und Gegenstimme“ der Schweizer Sasek-Sekte, kann man die anderen feilgebotenen Publikationen fast als seriös im Dschungel der Wahrheiten betrachten. In diesem wöchentlich erscheinenden Faltblatt, das regelmäßig auf dem Büchertisch in Berlin zu finden ist, gehört antisemitisches, rassistisches und islamfeindliches Gedankengut quasi zum guten Ton. Als Quellen nennt die S&G u.a. die einschlägig bekannten Blogs pi-news, info-direkt oder kopp-online.

Den etablierten Medien von ARD, über ZDF bis hin zu den zahlreichen Zeitungredaktionen werfen die Aktivist_innen der neuen „Friedensbewegung“ Zensur und Meinungsmache vor. Als Grund mutmaßte Malte Klingauf bei einer Kundgebung am 23. November 2015, das die Zeitungen in Deutschland in den Händen von lediglich fünf Familien lägen, was eine Manipulation von Nachrichten vereinfache. Wie er auf Zahl Fünf kam, bleibt sein Geheimnis, wobei überprüfbare Tatsachen der Szene sowieso unwichtig sind.

Obwohl Mate Klingauf bei dem Protest von dem ARD-Hauptstadtstudio versicherte, dass man „Lügenpresse“ nie bei einer Mahnwache hören würde – weil es einfach zu platt sei, hetzte wenige Minuten später der nächste Redner gegen die „Lügenpresse“, die mal wieder über etwas Wichtiges nicht berichtet hätte. Jenseits der Distanzierung Klingaufs haben die meisten Anhänger_innen der neuen „Friedensbewegung“ ein ebenso gespaltenes Verhältnis zu den etablierten Medien, wie die von PEgIdA, BärgIdA und Co. Behinderungen und Angriffe auf Journalisten war in Berlin sowohl von Akteuren der Mahnwachen als auch von BärgIdA-Aktivisten zu beobachten. Ein Plakat, dass die „Propaganda-Lügen“ von ARD und ZDF zum Thema sah man sowohl zuerst bei den Mahnwachen als auch später des Öfteren bei den BärgIdA-Aufmärschen am Berliner Hauptbahnhof. Einzig die Parole „Lügenpresse halt die Fresse“ skandierten nur die rechten Hools bei BärgIdA.

Insgesamt gibt es zwischen den beiden konträren Szenen mehr Gemeinsames als Trennendes. Bevor PEgIdA in Dresden mit einer Galgen-Nachbildung medial für Furore sorgte, war über ein Jahr zuvor eine Guillotine, die augenscheinlich Merkel als Ziel ins Visier nahm, bei den Mahnwachen in Berlin bereits Geschichte.

Sinnbildlich für’s Gemeinsame standen die Proteste im Juni 2016 gegen die Bilderberg-Tagung in Dresden. Weil es gegen den gemeinsamen Feind ging, kamen sich NPD, AfD, Reichsbürger und PEgIdA auf der einen und die sogenannten neue Friedensbewegten sowie Nationalbolschewist_innen auf der anderen Seite bei ihren Protesten gegen die Elite der vermeintlichen Neuen Weltordnung nicht in die Quere. Sämtliche Aktionen gegen die „Bilderberger“ waren gekennzeichnet durch antisemitische Stereotypen.

Beworben wurden die Proteste gegen die Bilderberg-Tagung in Dresden in einem Video-Statement von Malte Klingauf sowie mit drei Posts auf der Facebookseite von Mathias Tretschog, dem Presseverantwortlichen des „Pax Terra Musica – Festivals“. In einem seiner Beiträge verlinkte Tretschog ein Facebook-Post des Livetickers von Eingeschenkt.tv, einer Videoplattform aus dem rechten Querfrontmilieu. Das dieser Artikel des Selfmade-Managers Tretschog aus Königs-Wusterhausen kein Ausrutscher war, bewies sein Aufruf zur Unterzeichnung einer „Petition für Abzug der US-/UK-Truppen aus Deutschland“, die Christoph Hörstel, Chef der Partei „Deutsche Mitte“, im Sommer 2016 initiiert hatte. Hörstel trat in der Vergangenheit sowohl bei den „Mahnwachen für den Frieden“ als auch mehrfach als Redner bei den antisemitischen Al-Quds-Aufmärschen in Berlin auf. Nachdem er sich beim Al Quds Marsch 2015 krampfhaft an der Semantik des Wortes Antisemitismus abgearbeitet hatte, geifert er in die Menge: „Die heutigen Medien lügen absichtlich genauso, wie damals zurzeit von Adolf Hitler. […] Das sind Nazimedien. Mit denen möchte ich nichts zu tun haben“.

Tretschog, der bisher nicht durch direkte Kontakte zur neuen „Friedensbewegung“ auffiel, positioniert sich bezüglich des geopolitischen Weltgeschehens im traditionellen Freund-Feind-Denken. Dieses Denken, das auf dem altlinken Mythos der guten Sowjetunion einerseits und den bösen imperialistischen Amis andererseits beruht, scheint seine Schnittstelle zur verschwörungsideologischen Querfrontszene zu sein. Im der mythisch aufgeladenen Ideologie dieser angeblichen Friedensszene wird beispielsweise das Leid durch russische Bomben im Syrienkrieg als „essenziellen Beitrag zur Lösung des Syrienkonflikts“ verklärt, während ausschließlich die andere Seite als Aggressor dargestellt wird.

In diesem postfaktischen Modell, sich simplifizierend das Geschehen auf der Welt zu erklären, findet sich neben den Anhängern der neuen „Friedensbewegung“ auch die Menschen wieder, die jeden Montag bei PEgIdA ihren Unmut auf die Straße tragen. Sichtbares Resultat der sich ähnelnden ideologischen Glaubensrichtungen war die zeitweilige Teilnahme bekannter NPD-Funktionäre, Reichsbürger sowie Holocaustleugner bei den „Mahnwachen für den Frieden“. Weder die neue „Friedensbewegung“ mit ihrer Querfrontideologie und einem „Friedensfestival“, wie es Ende Juni 2017 Niedergörsdorf geplant ist, noch PEgIdA mit ihrem „Merkel muss weg“-Gegeifere bei den montäglichen Aufmärschen werden dazu beitragen, die Welt friedlicher und menschlicher zu machen.

Weitere Fotos von den Mahnwachen & Protesten der neuen „Friedensbewegung“

2 Kommentare zu “Neue „Friedensbewegung“ plant Festival mit rechten Referenten

  1. Falkensee, Königs Wusterhausen, 27.12.2016

    Offener Brief an haGalil wegen Diffamierung Friedensfestival 2017 und seiner Organisatoren
    Pax Terra Musica gGmbH und Medienagentur Manager4Business

    Am 18. Dezember 2016 diffamiert der/die Autor*in K. Schmitt von redoc – research und dokumentation, in dem Artikel „Neue „Friedensbewegung“ plant Festival mit rechten Referenten“, auf dem Online-Nachrichtenmagazin für Jüdisches Leben haGalil, die Organisatoren, Aussteller, Musiker und Besucher des Friedensfestivals Pax Terra Musica, welches vom 23.06. bis 25.06.2017 in Niedergörsdorf stattfinden soll.

    Die Vorwürfe sind so elementar, das wir diese nicht unkommentiert in der Öffentlichkeit und im Internet stehen lassen können und seitens von haGailil bzw. dem/der Autor*in K. Schmitt – redoc research & documentation, keine Bereitschaft besteht, trotz ausführlicher Korrespondenz die Anschuldigungen und Denunziationen zu korrigieren bzw. komplett aus dem Netz zu nehmen.

    Wie ausführlich und verifizierbar in dem Offenen Brief dargestellt, sind die Aussagen von K. Schmitt von bewusst falschen Darstellungen, unhaltbaren Vorwürfen und Diffamierungen aller Protagonisten des Festivals geprägt. K. Schmitt agiert hier unter dem Deckmantel der Anonymität genau so, wie es „Besorgte Bürger“, deutschen Medien unter dem Begriff „Lügenpresse“ vorwerfen und begibt sich somit auf selbige Ebene, die Sigmar Gabriel als Pack bezeichnet hat.

    Dr. Andrea Livnat, die die Inhaberin und redaktionelle Verantwortliche ist, erklärt auf ihrer Internetpräsenz haGalil deutsch-jüdisches Leben in Deutschland, das die Meinungen der Autoren auf haGalil, nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. Gesamtredaktion ist.

    Dennoch stellt Frau Dr. Livnat ihr jüdisches Nachrichtenmagazin K. Schmitt als Plattform zur Verfügung, die auf ihren eigenen Facebookseiten und Websiten zu research & documentation ein rechtsicheres Impressum verweigert und Unternehmen wie Einzelpersonen des öffentlichen Rechts denunziert und diffamiert. Dieser Verantwortung kann sich Frau Dr. Andrea Livnat nicht entziehen.

    Den vollständige Wortlaut des Offenen Briefes finden interessierte Leser unter:
    http://www.manager4business.com/hagalil-vs-friedensfestival

    Mathias Tretschog und Malte Klingauf

  2. KLARSTELLUNG
    Pax Terra Music gGmbH zum Beitrag von K. Schmitt, redoc – research & documentation – „Neue „Friedensbewegung“ plant Festival mit rechten Referenten“, auf haGalil onLine vom 18. Dezember 2016

    Wir, das Organisationsteam des Friedensfestivals Pax Terra Musica – vom 23.06. bis 25.06.2017 in Niedergörsdorf bei Jüterbog, distanzieren uns ausdrücklich vom Inhalt – unter Achtung unseres Grundgesetzes Artikel 5 Meinungsfreiheit, von oben genannter Veröffentlichung, verfasst von K. Schmitt.

    In militärischen Konflikten – aktuell vor allem in den Hauptkrisengebieten Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan, Ukraine, Jemen, Pakistan, Sudan, Nigeria u. a., verlieren täglich Tausende Menschen ihr Leben, verlieren Familien ihre Väter und Mütter, verlieren Eltern ihre Kinder und Menschen werden grausam verstümmelt. Neben der Destabilisierung und totalen Zerstörung ganzer Regionen, ist es für die zu beklagenden Toten unwesentlich, ob sie durch eine russische, amerikanische, eine deutsche oder durch eine Rebellenkugel oder Bombe getötet wurden, sie sind alle Opfer einer gescheiterten Außen- und Friedenspolitik der Weltgemeinschaft.

    Zu den Fluchtursachen gehören darüber hinaus Hunger-, Klima- und Naturkatastrophen, vor allem aber politische und religiöse Verfolgungen, Verhaftungen, Vergewaltigungen, Folter und angedrohte Tötungen in diktatorischen Staaten.

    Das Friedensfestival Pax Terra Musica findet also in einer Zeit statt, wo aktuell mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Dies ist die höchste Zahl von Flüchtlingen, die jemals vom UNHCR verzeichnet wurde. Waren weltweit im Jahr 2011 noch 42,5 Mio. Menschen auf der Flucht, steigt die Anzahl der Flüchtlinge jedes Jahr kontinuierlich auf dramatische Weise an, in den letzten 5 Jahren um mehr als 20 Millionen Menschen (siehe Refugees/Migrants Response)!

    Zu den Lösungsansätzen der Beseitigung von Fluchtursachen, gehören nach Ansicht zahlreicher Friedensinitiativen und Organisationen folgende Kernforderungen:
    • keine deutschen Waffen- und Munitionsexporte in Krisengebiete (siehe Zeit Online 13.06.2016),
    • keine militärische Ausbildung durch die Bundeswehr von Offizieren des wahhabistischen Regimes in Saudi Arabien (siehe Frankfurter Allgemeine vom 08.12.2016),
    • keine US-Bombendrohnen die von deutschem Boden aus in Ramstein über Afghanistan, Jemen usw. gesteuert werden (siehe Strafanzeige wegen Kampfdrohnen von Ströbele MdB vom 15.12.2016),
    • keine Modernisierung von US-Atombomben in Büchel (siehe Heise vom 22.09.2015),
    • keine exorbitante Steigerung von Rüstungsausgaben auf Kosten der Gesellschaft und (siehe n-tv vom 22.06.2016),
    • keine aufgezwungen Freihandelsabkommen wie EPA, die nachhaltig Existenzgrundlagen von Millionen Menschen in afrikanischen Ländern zerstören (siehe ARD – Report Mainz vom 04.11.2014)
    um nur einige Politikentscheidungen kritisch zu benennen.

    Das Musik- und Friedensfestival Pax Terra Musica bietet allen friedliebenden und interessierten Menschen und Organisationen, einen Ort der Begegnung mittels Workshops, Ausstellungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen für den informellen Austausch, Vernetzung und Findung von weiteren Lösungsvorschlägen an. Hier stehen Meinungsfreiheit, Achtung und Toleranz gegenüber allen Teilnehmern – auch wenn sie Andersdenkende sind im Vordergrund, nur so kann eine konstruktive und kritische Interaktion ohne Ausgrenzung in unserer heutigen medialen Zeit funktionieren.

    Die Inhalte von Workshops, Vorträgen, Podiumsdiskussionen etc. spiegeln dabei die Meinungen der jeweiligen Autoren wieder, wobei das Organisationsteam von Pax Terra Musica sich bewusst ist, dass Meinungsfreiheit auch Grenzen hat.

    Es sei an dieser Stelle erneut ausdrücklich – wie auch auf der Internetpräsenz veröffentlicht, erwähnt, dass die Pax Terra Musica gGmbH mit faschistischen, rassistischen oder menschenverachtenden Gruppen nicht zusammenarbeitet und wir uns vorbehalten, solche Gruppen oder Personen jederzeit vom Festival auszuschließen. Ausgeschlossen sind und werden ebenfalls ewig Gestrige jeglicher Couleur, Links- wie Rechtsextremisten. Insofern nehmen wir alle Hinweise zum Anlass, um zu prüfen, ob Inhalte und Aussagen von Autoren nicht durch den Artikel 5 der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt sind bzw. die Würde von Menschen verletzen.

    Neben innenpolitischen Themen, Ausstellungen, Filmvorführungen und Vorträgen, wie u. a. zu: Bedingungsloses Grundeinkommen, Alternatives Geldsystem, Medienkompetenz, Hintergründe um Truppenstützpunkt Ramstein u. v. m., steht natürlich auch Musik von und mit vielen Künstlern und unterschiedlicher Musikrichtungen mit auf der Agenda.

    Malte Klingauf, Gründer und Geschäftsführer als auch Mathias Tretschog, Pressesprecher von Pax Terra Musica gGmbH, laden Herrn/Frau K. Schmitt herzlich zu einem persönlichen Gespräch in Berlin ein, um die direkten Kritikpunkte zu den beiden Aktivisten, als auch den generellen Umgang mit den gegebenen Hinweisen zu diskutieren.

    Malte Klingauf & Mathias Tretschog

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