Lea Goldberg in Bonn

Eine Schule, eine Straße und eine Abbildung im Pflaster erhalten das Gedenken an Paul Kahle, der als Regimekritiker 1939 von der Universität suspendiert wurde, und Marie Kahle, die jüdischen Freunden nach dem Pogrom 1938 half und 1939 nach England emigrieren musste. Lea Goldberg jedoch, jüdische Schülerin des Orientalistik-Professors, ist in Bonn beinahe vergessen, während sie in Israel Geschichte(n) schrieb…

Von Julia Anspach

Im Frühling 1932 trifft sie in Bonn ein, um bei Professor Kahle zu promovieren. Sie genießt die Vorteile der Kleinstadt in Form persönlicher Kontakte und Freundschaften. Kahle verdient zu Recht die Bezeichnung Doktorvater, denn die Beziehung ist nicht nur auf fachlich-wissenschaftlicher Ebene intensiv. Bei Wanderungen mit seiner Familie und während der Besuche bei ihm wird daraus eine Bindung voller Respekt und Zuneigung. Mit Wertschätzung erinnert sich Goldberg später in Über die Größe eines Menschen an den Mut Kahles, zu seinen verfolgten Mitarbeitern zu stehen.

Den Antisemitismus ihrer Umgebung bekommt Goldberg zunehmend zu spüren. Nach Aufenthalten in Russland und Litauen kann auch Bonn nur eine Station bleiben. Denn das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums schließt Juden aus dem öffentlichen Leben aus und markiert einen Schritt auf dem Weg zu deren Vernichtung. Goldberg muss Uni und Stadt verlassen. 1935 emigriert sie ins spätere Israel. Als Wissenschaftlerin, Übersetzerin und vor allem Autorin prägt sie die Kultur des neuen Staates, wo sie wissenschaftlich und literarisch gewürdigt wird. Nach Bonn kehrt sie nie zurück. Ihre Erlebnisse hier bleiben leise autobiografische Anklänge in ihrem literarischen Werk.

9783839219881Leseprobe aus:

Julia Anspach, Bonn – Porträt einer Stadt, Gmeiner Verlag 2016, 192 S., Euro 14,99, Bestellen?

Außerdem sprechen in dem Buch Norbert Blüm, Bonn Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan, Sr. Nicola Boers, Religionslehrer Benjamin Pollak, Comedian Bernhard Hoecker, die ehemalige Integrationsratsvorsitzende Safiye Temizel und viele andere über Politik, Flüchtlinge und buchstäblich Gott und die Welt…

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