Verurteilung des „Klagemauer-Betreibers“

Endlich. Es war seit Jahren überfällig: Der Betreiber der sogenannten „Kölner Klagemauer“, der 76-jährige Dauerdemonstrant Walter Herrmann, der Vielen in seiner Impertinenz und Verbohrtheit als antisemitisch motiviert gilt, ist am 10.4. vom Kölner Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe wegen Verstoßes gegen den Jugendschutz verurteilt worden…

Von Uri Degania

Die Richterin folgte dem Antrag des Staatsanwaltes, dass Herrmanns öffentlich auf dem Domplatz zur Schau gestellten Fotos von grausam verstümmelten Menschen und Leichen – angebliche Opfer aus dem Gazastreifen, was zu bezweifeln ist – „in einer die Menschenwürde verletzenden Weise“ öffentlich dargestellt würden. Diese Fotos würden „dem Betrachter geradezu aufgedrängt“, hieß es in der Anklageschrift und wurde auch im Prozess von der Richterin ausgeführt. Herrmanns Versuch, das Strafverfahren als einen politischen Prozess zu inszenieren, ließ die Richterin nicht gelten. Das Verbot bezieht sich auf 15 konkrete Fotos. Wenn Herrmann diese Fotos innerhalb des nächsten Jahres zeige müsse er 40 Tagessätze á 15 Euro bezahlen.

Herrmann betreibt seit 24 Jahren auf dem Kölner Domvorplatz eine Plakatwand, die seit über zehn Jahren nur ein Thema kennt: Eine demagogisch anmutende Hetze gegen den israelischen Staat und gegen Juden. Fortdauernd wird Israel dort auf Papptafeln, die Fotos und anklagende Parolen beinhalten, als ein Staat bezeichnet, der Kinder willkürlich und vorsätzlich ermorde. 2010 hatte eine von ihm gezeigte Bildcollage für weltweite Empörung gesorgt: Sie war die Karikatur eines Juden, der in den Farben der amerikanischen Flagge mit Messer und Gabel ein auf einem Teller liegendes palästinensisches Kind zerteilt und verspeist. Auf seinen Papptafeln stellt der 76-jährige nahezu täglich öffentlich Vergleiche von Netanjahu mit Hitler und den palästinensischen Gebieten mit dem Warschauer Ghetto her. Insbesondere jüdische Touristen reagierten häufig mit tiefem Schock auf diese öffentlichen Verunglimpfungen im Herzen Kölns. Die berühmte, aus Köln gebürtige israelische Schauspielerin Orna Porat war 2005 in Köln für ihre Leistungen geehrt worden. Nach einer Konfrontation mit dieser „Klagemauer“ verließ sie ihre frühere Heimatstadt Köln tief verletzt.

Herrmann, der verspätet zum Prozess erschienen war – vermeintlich ein Fahrradplatten -, verließ den Gerichtssaal noch vor der Urteilsverkündung, gefeiert von 40 betagten Unterstützern. Die Urteilsbegründung selbst ging im Tumult unter. Er werde das Urteil auf keinen Fall anerkennen und weitermachen, tobte der Verurteilte erregt. Das Urteil gibt Anlass für Hoffnungen.

Holocaust in Gaza, (c) Gerd Buurmann, aufgenommen am 11. April 2015 um 13h
(c) Gerd Buurmann, aufgenommen am 11. April 2015 um 13h

Eine Nachbemerkung: Ein paar Stunden nach dem Urteil fand die abstruse Geschichte noch eine Fortsetzung. Der Kölner Express berichtet soeben: „Walter Herrmann (76) bleibt stur: Erst am Freitagvormittag hatte das Landgericht eine Verwarnung gegen ihn ausgesprochen. Stein des Anstoßes: Fotos von verstümmelten Kinderleichen, die er an der Kölner Klagemauer anbrachte. Am gleichen Abend erstatte ein Kölner erneut eine Anzeige: Herrmann zeige die Fotos immer noch. Die Polizei erschien, forderte ihn auf, sechs Fotos, die nicht jugendfrei sind, abzuhängen. Es kam zum Tumult: „Herr Herrmann weigerte sich und warf sich auf den Boden“, beschreibt ein Sprecher der Polizei den Einsatz. Nach einem Gespräch beruhigte sich Herrmann. Die Beamten konfiszierten ein Foto, auf dem eine Kinderleiche zu sehen war.“

Mehr zum Thema:

http://www.hagalil.com/2010/12/19/ueberzeugungstaeter/
http://www.hagalil.com/2010/02/21/antiwand/
Pascal Beucker: Mahner mit Hang zur Egomanie, taz nrw, 12.4.2007: http://www.beucker.de/2007/tk07-04-12.htm
“Antisemitismus ist unser aller Problem!” haGalil-Interview mit Gerd Buurmann: http://www.hagalil.com/2010/02/21/antiwand-2/
„Mossad! Mossad!!!!“ http://www.hagalil.com/2011/06/21/klagemauer-3/
Ein Überzeugungstäter. Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Mai 2010, H. 194, S. 40-42. Internet: http://www.hagalil.com/2010/12/19/ueberzeugungstaeter/
Amtsgericht: Initiator der Kölner Klagemauer soll auf Schockbilder verzichten, KSTA, 11.4.2015. Internet: http://www.ksta.de/koeln/amtsgericht-initiator-der-koelner-klagemauer-soll-auf-schockbilder-verzichten,15187530,30395314.html
http://mobil.express.de/koeln/passant-erstattete-anzeige-weiter-wirbel-um–klagemauer–am-koelner-dom,22840120,30411310.html
http://tapferimnirgendwo.com/2015/04/13/die-peepshow-vor-dem-kolner-dom/