Moral vs Interessen in der Politik

Die Glaubwürdigkeit des Westens und besonders der Amerikaner liegt wegen des Einsatzes von Giftgas in Syrien auf dem Prüfstein. Gleichgültig wen die internationale Gemeinschaft am Ende wegen dieses „zivilisatorischen Verbrechens“ (so Guido Westerwelle) als Täter ausmacht und schuldig spricht, die Rebellen oder das Assad-Regime, schwindet die Glaubwürdigkeit der Moralhüter dieser Welt mit jedem weiteren Tag der Untätigkeit…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 26. August 2013

Der israelische Politologe, Professor Schlomo Avinerei, einst auch Generalsekretär im Außenministerium, kennt die Politik sowohl als Forschungsobjekt wie auch von „innen“. In einer Analyse am Montag im israelischen Rundfunk hat er den vermeintlichen Widerspruch von Moral und Interessen in der Politik erklärt.

Jede Außenpolitik eines Landes werde von Interessen gelenkt. Doch spiele da fast immer auch eine moralische, ideologische oder andere „Sympathie“ hinein. So hätten kommunistische Regime zusammengehalten. Diktatoren hätten sich gegenseitig unterstützt und demokratische Regierungen kooperieren. Nebenbei merkte Avineri an, dass die amerikanische Unterstützung für Israel auch damit zusammenhänge, dass es die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten sei. Gleichwohl hätten die USA in der Region auch ganz andere Interessen zum Nachteil Israels.

Das Zögern des Westens wegen dem Giftgaseinsatz in Syrien liege an der Notwendigkeit, Rücksichten auf die Russen abzuwägen oder unvorhersehbare Folgen eines Militärschlags zu verhindern.

Avineri zählte dazu typische Phänomene auf. Bei genauem Hinschauen habe US- Präsident beim Verkünden seiner „Roten Linie“ vor genau einem Jahr von einem „massiven“ Einsatz von Giftgas gesprochen. Und jetzt, nach der Forderung, seine Ankündigung in Taten zu umzusetzen, müsse „geprüft“ werden, ob chemische Waffen „in großem Ausmaß“ (on a large scale) verwendet worden seien. Ebenso will Obama die amerikanischen „Kern-Interessen“ ergründen. „ Wir müssen alles strategisch überdenken im Rahmen unserer langfristigen nationalen Interessen, selbst wenn wir international kooperieren, um Druck auf jene zu verüben, die unschuldige Zivilisten töten könnten“, sagte der US-Präsident im Interview bei CNN. Mit diesen diplomatischen Formeln hat sich Obama einen breiten Freiraum für Interpretationen belassen und sogar für Nichtstun belassen.

Zu den langfristigen Interessen der USA gehören laut Avineri neben den selber definierten moralischen Werten auch die Rolle als einzige verbliebene Supermacht in der Welt, mitsamt der Verpflichtung, ein globales Chaos zu verhindern. Das wiederum könnte verheerende Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft haben und zu mörderischen Kriegen führen.

Durch Nichtstun im Falle Syriens drohe den Amerikanern ein weiterer Verlust ihrer Glaubwürdigkeit. Damit schwindet freilich nicht nur in der arabischen Welt das Vertrauen in die Amerikaner als verlässlicher Verbündeter in Notzeiten. Auch andere von den Amerikanern militärisch abhängige Staaten wie Japan oder Südkorea dürften das Verhalten Washingtons sehr genau verfolgen.

Avineri erwähnte hierzu auch die klassische Schwäche der Europäer. Widersprüchliche Aussagen der Briten und Franzosen zeugen von der Unfähigkeit Europas, an einem Strang zu ziehen. Das sei während des Kosovo-Krieges besonders deutlich geworden. Deutschland habe seine eigenen Probleme mit der „Vergangenheit“ und „schlechte Erfahrung“ mit „Gewalt“ gemacht. Deshalb beeile sich der deutsche Außenminister stets mit verbaler „Empörung“ und „Verurteilungen“ und rede von „Konsequenzen“, „Entschlossenheit“ und „Besonnenheit“ – was immer diese Worte praktisch bedeuten. Ansonsten aber vermeide Deutschland tunlichst eine Beteiligung an militärischen Aktionen zur Beendigung von Massakern oder Verstößen gegen das Völkerrecht.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

27 Kommentare zu “Moral vs Interessen in der Politik

  1. Die Beste Armee ist immer noch die Israelische Verteidigungsarmee

    Auch die Palestiensischen Araber wissen sehr gut das ihre Zukunft und ihre Sicherheit von der Faehigkeit der IDF Abhaengt.

    Denn im Vergleich zu den Arabischen Staaten leben die Araber in Israel Sicher und brauchen keine Angst mehr vor Ausbeutung Unterdrueckung Clanwirtschaft Krieg und Terror von Arabischen Diktatoren zu haben.

    Und die Freude ueber den Schutz der Israelischen Armee zeigen Araber in Hebron

    Peace is Here? Soldiers Join Arab Wedding Dance

    Highly unusual video shows Arab wedding revelers in Hevron hoisting aloft IDF soldiers in battle gear

    חיילי צה“ל רוקדים בחתונה בחברון ומונפים אל על
    http://www.youtube.com/watch?v=Aj4Qgj094lw

    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/171404

    Solche Artikel werden natuerlich nicht im Moralischen „Europa“ veroeffentlicht.

    Und es zeigt sich wieder das wir in Israel keine Moralpredigt aus Europa brauchen wie wir was zu machen haben.

    Wir wissen es besser weil wir hier zu Hause sind.

  2. Moral??? ??? ??? ??? ?

    RINGSUM Israel lodern moslemische “human burning machines“

    – middle east in flames –

    …und da fällt ’Welt’ – federführend “Obimbo & Vasallen“ – slicha and forgive – TATsächlich nix anderes ein, auch noch INMITTEN Israels – im Herzen sozusagen – political by force- ein weiteres islamistisches DESPOTISTAN errichtend installieren zu wollen???

    ’Welt’ …Mensch 🙁 hat wahrlich ’n KNALL 🙁

    g’d please save ISRAEL

  3. Die Moral einiger Europaer ist: Das sie sich bis heute nicht fuer ueber 100.000 Tote und ueber 3 Millionen Fluechtlinge interessiert haben, weil sie damit Beschaftigt waren illegale Grenzen fuer Israel zu schaffen.

    Grosse teile der Giftgasproduktion und die Technologie fuer den Irak kam aus der Bundesrepublik und der DDR.

    Im 1. Golfkrieg 1991 mussten Juden wieder Angst haben das sie aus dem Irak mit Raketen beschossen werden mit Gas aus Deutschland.

    Europa und Moral das sind zwei verschiedene Dinge.

      • wieso ich hatte genau desswegen geschrieben :

        „Die Moral einiger Europaer ist:“

        und einiger ist nicht Pauschal oder sehe ich das Falsch

        aber ich kann auch gerne das Wort „bestimmte“ oder „gewisse“ benutzen

      • „lieber Heron geht es auch ohne Pauschalurteile über Europa?“

        Ganz ohne vorurteile komme ich auch nicht aus. Es wird in Europa
        und vor allem von der „linken“ das eingreifen (durch militaeraktionen oder waffenlieferungen etc)von europaeischen laendern und den usa thematisiert und kritisiert.

        Dabei wird das eingreifen durch den iran oder russland
        ignoriert.

        J

      • Karl Pfeifer

        Immerhin schreibt Heron „Die Moral einiger Europaer“, ‚einiger‘, und das „Europa“ im abschließenden Satz dürfte wohl jenes von „Ashton & Co. GmbH…“ meinen.

        Ist manchmal wirklich kompliziert über die einen zu schreiben ohne die anderen versehentlich „mit zu meinen“, etwa im Beispiel „die Araber“.
        Oft wird uns vorgehalten, daß wir „die Araber“ hassen würden, dabei, wenn schon überhaupt „hassen“!, lehnen wir genau dieselben Leute ab, die auch vernünftige und lebensfrohe Araber ablehnen.
        Und zwar nicht nur israelische Araber, die aufgrund ihrer „luxuriöseren“ Position sich durchaus mehr Kritik erlauben, als es irgendwelchen Arabern in arabischen Ländern überhaupt ohne weiteres möglich ist, wenn diese eben ihr Leben lieben.

        Und doch geschieht es auch dort, oder dem Iran…
        Und wie geschieht ihnen??! Eben, sie sterben, sie werden grausam gefoltert und geschändet, sie vegetieren in den Kerkern von Sadisten und Perversen! Ausgeliefert.

        Weil sie leben wollen!
        Weil sie unglaublich mutig sind!

        Und was haben wir dann hier auf ‚Hagalil‘?
        Die „bösen Israeli“ hier, die „bösen Juden“ dort, die armen armen „Araber“, die nur aus der Not heraus Terror und Gewalt über ihre Mitmenschen werfen, und die schändlichsten Dinge an ihnen ausführen.
        Die „Akzeptanz“ solcher Verbrecher und ihres Tuns hat längst schon üble Konsequenzen auch für „stinknormale Europäer“, zum Beispiel im Stichwort „Sex-Jihad“ anzutreffen.

        Wenn Israel nur ein Gramm so grausam wäre…
        (Ist es denn so, daß wir keine Schmerzen kennen!!?)

        Lieber Herr Pfeifer,
        widersprechen möchte ich Ihnen nicht, wie könnte ich? (bin mir selbst ‚Europäer‘ wie es sein kann, wie soviele von uns…), aber ich denke schon, daß Heron nicht so verallgemeinert, wie es jetzt möglicherweise den Anschein macht.
        Sie geben einen wertvollen Hinweis. Das ist es, was man daran erkennen soll. Heron wird es sicher erkennen.

        Aber ich hoffe auch, daß meine Ergänzung nun genehm ist.
        Seien sie gesund immerdar!

        Etwas Musik für’s Radio unterwegs… 😉
        https://www.youtube.com/watch?v=EmnHKi_nD9A

      • Nein weil ich keine Person anspreche sondern “ das Europa“

        Aber ich kann in Zukunft gerne Konkreter werden, wer genau auf dem Europaeischen Kontinent gemeint ist.

      • Europa ist auch nicht durch und durch ein Ort der Güte und Gerechtigkeit – mir scheint aber doch immer noch besser als in den meisten Teilen der Erde. Bis auf den Kosovo, gabs hier über 60 Jahre keinen Krieg mehr.

      • gab es irgendwo in der geschichte mehr kriege als in
        europa? historisch gesehen? nicht nur kolonialkriege, auch
        kriege innerhalb des kontinents.

        oder mehr verbrechen gegen die menschlichkeit? holocaust,
        sklavenhandel, inquisition, conquista, colonisierung?

        der 2.wk war vorbei und dann erstmal einen „kalten krieg“,
        dann war der vorbei, dann erstmal jugoslavien krieg….

        europa sieht sich gerne als wiege der zivilisation aber die
        realitaet schaut dann doch etwas anders aus.

        das bedeutet nicht, dass es im augenblick ein guter ort zu
        leben ist.

        aber was moral betrifft sollte europa etwas leiser treten.

        J

  4. Ich sage, eine Invasion ist sofort nötig. Klar ist das ein billiges, verlogenes Spiel, ein Sandkastenspiel, das wahrlich nicht schwer zu durchschauen ist, warum machen sich Geheimdienste überhaupt die Mühe zu verbergen, wenn man alles „ableiten“ kann. Von daher ist klar, die Regime (USA, Tausende Tote durch Ermordung und Folter, Russland Tausende Tote durch Ermordung und Folter, China,…. etc. haben tatsächlich wenig Interessen, endlich die Folteropfer aus den Folterkellern zu holen. Eher im Gegenteil, War Lords im Kongo, oder sonstwo. Rohstoffe rausklauen, eine globale Umweltseuche, aber dann sprechen von „nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft“ ? Ne,ne, jetzt ist mal Zeit, mal wirklich was für die Kinder da zu tun. Invasion, und gleich die gesamten Islamisten dort bekämpfen, egal ob Al Kaida, Nusra, Hisbollah, Handabhacken Ade, da sollen die Verbündeten mit 150.000 Mann rein, und zwar sofort. Aber wenn diese Mistkerle schon die Kinder da im Stich lassen, dann sollen sie wenigstens „komplett alle“ Millitärgeräte in Schutt und Asche legen.

    • …und dann richten die Amerikaner wieder Geheimgefängnisse mit Folterkellern ein.

      Wo da noch irgendwo Moral zu finden sein soll ist mir ein Rätsel.

      Aber die Flüchtlinge und die Kinder versorgen, das wäre jedenfalls sinnvoll.

      Deutschland könnte auch mehr machen.

    • Hallo Herr Pfeifer,
      ehrlich gesagt ich sehe im moment auch nicht wirklich
      was die usa konkret in syrien tuen kann und die reaktion
      von denen scheint mir doch sehr konfus und ziellos.

      es waere eher sinnvoll jordanien zu unterstuetzen und zu
      stabilisieren, damit der konflikt nicht uebergreift oder
      diplomatisch fuer mehr demokratie dort zu sorgen, damit
      es kein chaos dort gibt.

      was libanon betrifft hat ja israel bereits ganz klar und
      ohne grosses blabla die rote linie aufgezeigt. und hat sich
      fuer das naechste ueberschreiten alle optionen offen gehalten.

      aber in syrien selbst? ich sehe keine klare moeglichkeit
      auf eine weise einzugreifen, die die situation verbessert.

      wie stellen sie sich das genau vor?

      J

      • Stimme Ihnen zu. Wichtiger wäre es die Flüchtlinge zu versorgen und Jordanien zu stützen.
        Hier könnten doch die arabischen Staaten, die reich sind, zeigen, dass sie solidarisch sind.

      • Die sache ist ja anderer seits, wenn es eine moeglichkeit
        gibt die chemischen waffen aus syrien rauszubekommen, sei
        es diplomatisch oder wenn nicht dann technisch-militaerisch,
        dann waere es jetzt der anlass das zu tun. es wuerde zivile
        opfer verringern und die region stabilisieren.

        aber mir ist nicht klar, ob es diese moeglichkeit gibt.
        bis jetzt hiess es immer, chemische anlagen „stehen nicht
        auf der abschussliste“. und wenn die militaerischen planungen
        so konfus sind, wie die aeusserungen von Obama, dann wird am
        ende irgendetwas gemacht einfach nur um irgendetwas
        gemacht zu haben.

        J

      • „Stimme Ihnen zu. Wichtiger wäre es die Flüchtlinge zu versorgen und Jordanien zu stützen.
        Hier könnten doch die arabischen Staaten, die reich sind, zeigen, dass sie solidarisch sind.“

        PS.: in dieser situation zeigt sich ja auch, wie wichtig
        der golan fuer israel ist.

        ich willl mir nicth vorstellen, wenn in jordanien eine aehnliche
        fuer israel unberechenbare situation entstehen wuerde.
        (samt waffenlieferungen ueber den jordan an die gruppen die
        israel am aktivsten schaden wollen)

        J

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