Jeden Abend: Hiermit vergebe ich und verzeihe

In sefardischen Gebetsbüchern (Sidur, Nusach Sfarad) findet sich „Hareni mochel vesoleach“ im täglichen Nachtgebet. Es wird ausdrücklich zum Ausgleich des Gemüts empfohlen, täglich. Probieren Sie es aus, nicht nur im Elul…

Herr Welt!
Hiermit vergebe ich und verzeihe

allen, die mich verärgert oder erzürnt haben, oder sich gegen mich vergangen haben,
sei es gegen meinen Körper, sei es gegen mein Vermögen,
sei es gegen mein Ansehen oder sei es gegen etwas anderes, das mein ist.
Ob unter Zwang oder aus freiem Willen,
ob versehentlich oder mit Absicht,
ob mit Worten oder mit Taten,
ob in dieser Wanderung oder einer anderen Wandlung,
und es werde kein Mensch meinetwegen bestraft.

Elul

Hören: Adon haSlichoth – Radio Sfarad im Elul

Ribono schel Olam!
Hareni mochel vesoleach
lekhol mi schehikh’is vehiknit oti, o schechata kenegdi.
bejn beGufi bejn beMamoni
bejn biKhwodi bejn bekhol ascher li.
Bejn beOnes bejn beRazon,
bejn beSchogeg bejn beMasid
bejn beDibur bejnbeM’aseh,
bejn beGilgul seh bejn beGilgul acher,
velo j’anesch schum Adam beSibati.

6 Kommentare zu “Jeden Abend: Hiermit vergebe ich und verzeihe

  1. Schau mal, Pat: http://test.hagalil.com/2005/09/elul.htm

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    Eigentlich geht der Sinn (und Zweck) eines solchen Gebetes schon aus der vorangestellten Einführung hervor: Es wird ausdrücklich zum Ausgleich des Gemüts empfohlen, täglich. Probieren Sie es aus, ganz besonders im Elul …

    Mit dem Hinweis auf Elul wird die besondere Bedeutung dieses Gebetes in Hinblick auf diesen Monat aufgezeigt – Umkehr, alles was der Beziehung mit Gott störend im Wege steht möglichst auszuräumen. Missgunst, Wut und Hass gehören natürlich dazu.

    Mit dem erreichbaren „Gemütsausgleich“ ist aber auch der durchaus diesseitige Aspekt solcher „Meditation“ gemeint – der persönliche Gewinn, psychodynamisch, den jeder Mensch, natürlich auch der vollkommen areligiöse, aus solcher Einstellung bzw. Fähigkeit zu Vergeben, ziehen könnte.

    Nachtragend zu sein, wütend bis hin zum Hass, bedeutet immer eine Belastung, die eigene Einschränkung, man unterwirft sich diesen Empfindungen, liefert sich ihnen aus, lässt sich von ihnen leiten, oftmals bis zum Verkümmern der Seele mit dem Verlust, Freude und Liebe empfinden zu können.

    Jeder weiß wie erhebend, wie schön, letzten Endes, wie sehr befreiend eine Versöhnung sein kann. Eine bedrückende, unser Denken und Fühlen bestimmende Last fällt von uns ab.

    Befreiend, das heißt – man gewinnt seine Autonomie und damit seine Fähigkeit zu Empathie, seine Liebesfähigkeit – die Fähigkeit zur Freude wieder.

    Also, zu verzeihen ist immer (und vor allem für sich selbst) – Ausgleich des Gemüts – ein Gewinn!

  2. Ein bisschen geht schon. Aber alles? Ohne Entschuldigung der Gegenseite? Das erfordert schon sehr viel Verständnis für die menschliche Unzulänglichkeit. Vielleicht hilft Liebe?

  3. Da finde ich den Satz von General Patton passend.

    MAY GOD HAVE MERCY UPON MY ENEMIES, BECAUSE I WON´T

    Und keine Witze ihr Schlaumeier ER hat die NAZIS
    in den Hintern getreten, nicht ihr!

  4. Schön – und doch auch schwer, sehr schwer, fast menschenunmöglich. Wer kann das alles verwirklichen? Selbst bei bestem Willen.

    Danke für diesen Einblick in das fromme Judentum. Vielen Dank.

    Ich werde mal probieren, mich zu versetzen in die dafür notwendige, sanfte Stimmung, selbst wenn vieles in mir dagegen aufbegehren möchte: mich dazu zu zwingen versuchen! Ein bisschen wird es schon gehen.

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