Täubchen studiert Tora

Eine weiße Taube gibt Talmudschülern in Jerusalem Rätsel auf. Jedes Mal, wenn sie sich zu ihren regelmäßigen Lernstunden zusammensetzten, tauchte der weiße Vogel auf, ließ sich auf dem Fenstersims nieder und verschwand erst wieder, als die Stunde vorüber war…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. Dezember 2010

Das wiederholte sich jeden Tag. Die frommen Talmudschüler glaubten schon, dass es sich bei der Taube um die Inkarnation eines Heiligen handelte. Die Schüler setzten sich rund um die Taube unter das Fenster und schließlich versuchten sie, den Vogel zu prüfen. Sie verschlossen alle Fenster. Dennoch ließ sich das Tier nicht davon abhalten, an der Lehrstunde heiliger Texte teilzunehmen. „Irgendwie“ gelang es der Taube, dennoch in das Lehrhaus zu gelangen und brav dem Talmudkurs zu lauschen. Das Gerücht über die „heilige Taube“ machte die Runde im ultraorthodoxen Viertel rund um die Vischnitzer-Jeschiva.

Ein Talmudschüler konnte die Ablenkung vom Studium heiliger Schriften nicht länger aushalten, griff die Taube, nahm sie zu sich nach Hause und gab ihr zu Essen und zu Trinken. Dann brachte er sie zu einem Schächter, um sich des Vogels zu entledigen. Doch der Schächter entschied, dass die Taube nicht „koscher“ sei. Wie israelische Zeitungen berichten, wird weiter über das Schicksal der Taube beraten. Vorläufig darf sie wieder an den Talmudkursen teilnehmen.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com