Offener Brief der israelischen Autoren

Kritik an Juryentscheid des Heidelberger Stückemarkts 2010…

Bei der Preisverleihung am 9.5. erhielten wir nach einem langen und aufregenden Aufenthalt beim diesjährigen HEIDELBERGER STÜCKEMARKT die überraschende Nachricht: Wie inzwischen bekannt sein dürfte, handelte es sich hierbei um die Nachricht, dass sich keines der Stücke würdig erwies, einen Preis zu erhalten. Was auf der Abschlussfeier des Festivals durch die Jurymitglieder Christine Dössel, Erik Altorfer und Nis-Momme Stockmann angekündigt wurde, löste ein heftiges Gefühl der Verwirrung aus. Wir, die ausgewählten israelischen Autoren, wurden von der Künstlerischen Leitung des Festivals und dem Co-Leiter und israelischen Dramaturgen Avishai Milstein eingeladen. Es war eine lange und spannende Reise, in deren Verlauf unsere Stücke ins Deutsche übersetzt und in Heidelberg bei szenischen Lesungen durch die Schauspieler des Heidelberger Theaters vorgestellt wurden.

Wir wissen, dass das Ergebnis ziemlich ungewöhnlich ist, da es niemals zuvor die Situation gab, dass kein Sieger benannt werden konnte. Wir fühlen uns ungerecht behandelt. Wir sind es gewohnt, für die ständigen Spannungen in unserem Land und die Komplexität des Konflikts in dem wir leben, kritisiert zu werden. Oftmals sind wir außerhalb Israels dazu gezwungen, uns nicht als Individuen zu präsentieren, sondern als politische Vermittler. Ab und an ist diese Situation vertretbar, wenn wir Fragen zur politischen Situation beantworten, um die Neugier Außenstehender zu befriedigen, aber in anderen Fällen leiden wir darunter, den Stempel „Israeli“ aufgedrückt zu bekommen. Wir wollen nicht durch Verallgemeinerungen bestraft werden, sondern als individuelle und professionelle Künstler angesehen werden.

Normalerweise wird einer der Preise, der „Europäische Autorenpreis“, an eines der Stücke aus dem jeweiligen Gastland verliehen. Diese Stücke sind Teil eines anderen Entscheidungsprozesses (siehe oben). Die Missachtung unserer Stücke durch die Jury hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, sowohl bei den Autoren, als auch bei den Organisatoren. Es fällt sehr schwer daran zu glauben, dass beide Auswahlgremien mit dem ausgewählten Material für das Festival gänzlich falsch lagen.

Die Tatsache, dass sich die Jury dazu entschied, alle Preise in einer einzigen Kategorie zusammenzufassen, wirft die Frage auf, ob die Entscheidung nicht verallgemeinert und unüberlegt getroffen wurde und die nötige Aufmerksamkeit vermissen lässt. Die Entscheidung ist für die Autoren eher demoralisierend als hilfreich. Anstatt für unsere Kunst ausgezeichnet zu werden, werden wir als Künstler geschädigt. Anstatt stolz darauf zu sein, an diesem Festival teilnehmen zu dürfen, müssen wir uns schämen. Die Entscheidung der Jury entspricht nicht den Richtlinien des Wettbewerbs. Stattdessen entspricht sie den unreflektierten Zielen einiger weniger Personen. Ohne eine weitere Erklärung abzugeben, entschied sich die Jury keinen klaren Standpunkt zu beziehen, als dieser dringend nötig war. Stattdessen zog sie es vor, unsere Arbeit zu verwerfen, statt sich ihren eigenen Fragen zu stellen und zu lösen. Vermutlich war es keine einfache Entscheidung, die die Jury zu treffen hatte, aber die Leichtfertigkeit, mit der die Ergebnisse mitgeteilt wurden, legt nahe, dass sie auch nicht allzu schwer zu treffen war.

Wir hoffen, dass das Festival auch weiterhin als wichtige Plattform für junge Autoren dienen kann und dass die außergewöhnliche Entscheidung der Jury den fragilen Prozess der Weiterentwicklung einer ganzen Gruppe von Autoren nicht schädigen wird. Desweiteren hoffen wir, dass man einen Weg finden wird, um die qualitativ hochwertige Kunst, welche wir mit uns nach Heidelberg gebracht haben und an die wir glauben, wertzuschätzen und hervorzuheben.

Unterzeichnet von den israelischen Autoren Yaron Edelstein, Roni Kuban und Oded Liphshitz

A letter for the press: By the Israeli authors participated in the stuckemarkt 2010

A few days ago we were all given the surprising news after a long and exciting stay on the stuckemarkt festival. The news was, as known, that none of the plays was worthy enough to be able to receive any prize. The announcement that was given at the closing ceremony of the festival by the jury members (Christina Dossel, Erik Altorfer and Nis-Momme stockmann) caused an emotional feeling of confusion. We, the Israeli authors, were chosen to participate in this festival, only three among many others, and had to be selected both by the Israeli dramaturge Avishai Milstein, and by the festival’s own artistic management. That was a long and exiting journey that involved along its way the process of the translation of our plays, and the staged readings of them in Heidelberg by local and talented actors.

We know that the results of this festival were quite unusual, for the decision not to declare on the winners never occurred before. That is one of the reasons why we had the sense of feeling of unrighteousness.
We are used, as Israelis, to be criticized for our country’s permanent state of strain and for the complexity of the conflict that we live in. and many times we are forced when abroad, to represent ourselves not as individuals, but as an a political agents in need. Sometimes the situation is eligible when we need to answer questions concerning the political situation, trying to satisfy the curiosity, but in other cases we sometimes suffer from the general attribution of being Israelis, and being judged by generalization that does not fit for us wishing to be treated as personal and professional artists.

As part of the festival each year, a special prize is guaranteed for plays written by the guest country. This year, it was Israel. Those specific plays are being treated in another process, as written above, as they are supervised and handled by an outside body. The disregarding of plays that were collected by two different authorities lives us both the writers and the organizers with a taste of awkwardness. Though it is hard to believe both the bodies were completely wrong about the material they have chosen for the festival.

The fact that the jury decided to treat all the festival categories as one, by canceling all the prizes, raises the questions whether the decisions made were not generalized and reductive, without the sufficient and needed attention. It serves more as a demoralizing decision than of a useful one for all playwrights who participated in the festival. Instead of being benefited of the act of exposing our art, we, as artist, are being damaged. Instead of being proud of being part of the event, we are left ashamed. The decision made by the members of the jury does not serve the guideline of the festival. Instead, it served the un-interpreted aims of few individuals. Without a farther explanation they have chosen not to take a stand, at a time one was needed, and preferred to throw away the work we have done instead of confronting and solving their own disputes. It might not have been an easy decision to take, but the attitude and easiness by which we were informed of the results, gave us the feeling it was also not too hard.

We all wish that the festival will continue on serving as a very important platform for young authors, for the coming years. And that the jury’s exceptional decision won’t harm the very fragile process of development for a whole group of writers, and that a way will be found, to weight and expose again the fine and qualitative art that we all brought with us to Heidelberg, and sincerely believe in.

Signed below, The Israeli playwrights Yaron Edelstein, Roni Kuban, Oded Liphshitz.

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