50 Jahre danach: Eichmann-Entführer erinnern sich

Am 11. Mai 1960 wurde der Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann von israelischen Agenten in Argentinien entführt und anschließend nach Israel gebracht, wo er zwei Jahre später nach einem Aufsehen erregenden Gerichtsprozess hingerichtet wurde…

Aus Anlass des 50. Jahrestages der Entführung des SS-Obersturmbannführers, der als Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt für die Deportation und Ermordung von Millionen europäischer Juden mitverantwortlich war, erinnern sich drei der vier seiner noch lebenden Entführer – Rafi Eitan, Avraham Shalom und Yaakov Gat – in der Tageszeitung Haaretz an ihre spektakuläre Aktion.

Rafi Eitan (84), zuletzt Minister für Seniorenangelegenheiten im Kabinett Ehud Olmerts, beschreibt, wie er den frisch gefassten Eichmann identifizierte:

„Woran ich mich erinnere ist, dass ich bereits im Auto nach den beiden Narben suchte, von denen ich wusste, dass ich sie fühlen muss, und schnell fand ich eine unter der Achselhöhle. Das war die Narbe seiner SS-Nummer. Dann kam die andere, auf dem Bauch, eine Blinddarmnabe von einer groben Operation. Ich entdeckte all das in den ersten zwei Minuten. Dann nahm ich meine Hand von Eichmanns Bauch und nahm die Hand von Zvi Malkin und deutete ihm mit meinem Kopf an, dass dies der Mann sei. Ich erinnere mich, wie erhoben ich mich nach dem Händedruck mit Zvika fühlte. Stell Dir vor, sagte ich zu mir selbst, ein jüdischer Offizier hat den Nazi in den Händen, der sechs Millionen Juden auf die Schlachtbank führte.“

Zu seinem damaligen Eindruck von Eichmanns Persönlichkeit sagt Eitan: „Meine größte Überraschung war, dass ich einen Offizier von absolut mittelmäßigem Niveau gefunden hatte, der sich vom ersten Moment, da wir ihn in den Händen hatten, völlig ergab. Es war ein Fall der Unterwerfung und Ergebenheit gegenüber seinen neuen Herren. Ich fand eine weniger als mediokre Person, und du sagst dir, es war das Schicksal des jüdischen Volkes, unter diesem Technokraten vernichtet zu werden. Als Technokrat war er offensichtlich talentiert.“

Die drei Agenten im Ruhestand ziehen nach 50 Jahren in unterschiedlicher Weise Schlüsse aus ihrer damaligen Operation.

Shalom: „Ich bin immer mehr überzeugt davon, dass es ohne eine jüdischen Staat einen weiteren Holocaust geben würde. Hätten wir damals einen Staat gehabt, wäre der Holocaust nicht passiert.“

Gat: „Es ist hart sich vorzustellen, was wir taten, 11 000 Kilometer weit weg von hier, ohne Kommunikationsequipment, ohne Kontakt mit Israel. Es war eine außergewöhnliche Kühnheit. In meinem fortgeschrittenen Alter kann ich sagen, dass es heute sogar noch erstaunlicher aussieht als zuvor.“

Eitan: „Die Eichmann-Entführung hat mein Leben nicht verändert.“

Haaretz, 06.05.10