Der jüdische Friedhof Erlangen

Kurz vor Jahresende 2018 erschien die Dokumentation „Der Jüdische Friedhof in Erlangen“, herausgegeben vom Freundeskreis der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen unter tatkräftiger Mitarbeit zahlreicher Persönlichkeiten…

Von Israel Schwierz

Die in Wort und Bild äußerst beeindruckende Arbeit zeigt auf den Umschlagbildern vorne das alte und das neue Gräberfeld des Friedhofes, während auf der  Rückseite das inzwischen renovierte Tahara-Haus und das Denkmal für die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen ist.

Nach Impressum und Inhaltsangabe folgen Vorworte von Dr. Hans Markus Horst, dem 1. Vorsitzenden des Freundeskreises der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen, Dr. Florian Janik, dem Oberbürgermeister der Stadt Erlangen und ein Geleitwort von Herrn Dr. Josef Schuster, dem Präsidenten des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern.

Danach folgt eine äußerst schön bebilderte und sehr gut erklärte Arbeit von Christof Eberstadt mit dem Titel „Der Friedhof der jüdischen Gemeinde von Erlangen an der Rudelsweiherstraße“, in der alle wichtigen Punkte des Friedhofs – besonders das alte  (historische) und das neue Gräberfeld der früheren und der heutigen Kultusgemeinde sowie das 1891 erbaute und 2016 renovierte und restaurierte Tahara-Haus  eindrucksvoll und sehr gut verständlich beleuchtet werden. Dabei wird auch das Leben und Sterben einzelner Mitglieder der Gemeinde und ihrer Angehörigen sehr eindrucksvoll dargestellt. Äußerst beeindruckend werden auch die auf dem Friedhof vorhandenen  Denkmäler dem Betrachter in Wort und Bild nahegebracht: Das Ehrenmal der Stadt Erlangen zur Erinnerung an die ausgelöschte ehemalige jüdische Gemeinde, das „Denkmal der Erlanger Jüdischen Kultusgemeinde zur Erinnerung an die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus“, das Denkmal für die Opfer der Euthanasie und – eine absolute Einmaligkeit – ein Denkmal für die jüdischen Soldaten der Roten Armee, die im „Großen Vaterländischen Krieg“ 1941-1945 zur Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Diktatur gefallen sind und deren Familienangehörige heute  der im Jahre 1997 neu gegründeten IKG Erlangen angehören. Ihre Namen sind auch in dem Gedenkbuch zu finden, ebenso wie zahlreiche wichtige Angaben über den Friedhof in den Anlagen 1-3.

Das nachfolgende Kapitel der Dokumentation „Sterben im Judentum und der Ritus im Umgang damit“  von Ester Limburg-Klaus beschäftigt sich sehr eindrucksvoll und gut verständlich  mit dem Tod und allem, was damit zusammenhängt: Mit den verschiedenen  Bezeichnungen   für das Wort „Friedhof“, mit den Reinigungen beim Verlassen eines jüdischen Friedhofes, mit der Chewra Kadischa – der Heiligen Brüderschaft/Schwesternschaft – die die Verstorbenen  durch die Tahara für den Sarg und die Bestattung vorbereiten, die Levaja = Bestattung, das Kaddisch, den Grabstein und Kulturtraditionen, die im Judentum nicht erlaubt sind (Einbalsamierung, Autopsie, Urnenbeisetzung).

Im nachfolgende Kapitel mit der Überschrift „Ha-olam ha-ba  –  Eschatologie im Judentum: Endzeit- und Jenseitsvorstellungen“  erklärt Rabbinerin Dr. Antje Yael Deusel vom Mishkan Ha-Tfila in Bamberg sehr eindrucksvoll und für jeden  äußerst gut verständlich alles Wichtige, was mit dem Jenseitsdenken und dem Leben nach dem Tode in Verbindung gebracht wird. Ein schwieriges Thema, das sich auch mit den Maschiach-Vorstellungen im Judentum auseinandersetzt, wird für den Leser hier leicht begreifbar dargestellt.

Die nächste Arbeit von Detlev Müller „Dr. med. Jakob Herz – Eine Spurensuche in Erlangen und Baiersdorf“  hat das Leben und Sterben des großen Gelehrten Universitätsprofessors und Ehrenbürgers der Stadt Erlangen zum Inhalt, der auf dem jüdischen Friedhof zu Baierdorf seine letzte Ruhestätte gefunden hat, während im nachfolgenden Kapitel „Spuren der Familie Herz auf dem Erlanger Friedhof – Das Grab der Brigitte Neustädter (Grab AT, Nr. A-9) Christof Eberstadt Interessantes über die Verwandtschaft von DR. Jakob Herz zu berichten weiß.

Das letzte Kapitel der Dokumentation von Dr. Andreas Jakob „Das Denkmal für Jakob Herz in Erlangen – Ein Beispiel für die Überwindung der Ausgrenzung von Juden im 19. Jahrhundert“ ist wiederum dem großen Sohn der Stadt  Erlangen gewidmet, der In der Stadt Professor der Medizin an der dortigen Universität wurde und auch Ehrenbürger von Erlangen,  dessen Denkmal, das ihm Bürger 1875 errichtet hatten, die Nationalsozialisten   jedoch 1933 zerstörten. Bis heute erinnern ein neues Denkmal mit der Inschrift „Wir denken an Jakob Herz  dem Bürger dieser Stadt ein Denkmal setzten und zerstörten“ und eine Gedenktafel am Hugenottenplatz, am ehemaligen Standort des Jakob-Herz-Denkmals, daran.

Ein Glossar wichtiger hebräischer Ausdrücke, eine Liste der Autoren in Wort und Bild, ein Lageplan des jüdischen Friedhofes und ein übersichtlicher Bildnachweis runden diese in der Tat einmalige  und ganz hervorragende Dokumentation harmonisch ab.

Allen, die am Zustandekommen dieser exzellenten Arbeit beteiligt waren gebührt Dank und Anerkennung derer, denen die Beschäftigung mit der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart ihrer Heimat etwas Wertvolles ist.

DER JÜDISCHE FRIEDHOF IN ERLANGEN, ISBN 978-3-00-060968-8

Man kann dieses wertvolle  Buch erwerben, indem man mit der Jüdischen Gemeinde Erlangen in Kontakt tritt, bestenfalls durch die E-Mail jkg.erlangen@gmail.com oder aber telefonisch 09131/ 9730940. Es gibt die Möglichkeit, das Buch zu verschicken, dabei bittet die Gemeinde wir um eine Spende von 10 € und die Übernahme der Versandkosten ca. in Höhe von 2,50€.

 

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