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Die neuen Fernsehtipps

Vom 15. bis 30.11.2016…

Mi, 16. Nov · 07:10-07:20 · SWR
Unterwegs mit … einem Rabbi

Jüdisches Leben in Deutschland – knapp 70 Jahre nach dem Ende des Holocausts zwar nicht einfach Normalität, aber doch etwas ganz Alltägliches. Doch was ist Alltag in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland? Um das zu erfahren, ist das Fernsehteam unterwegs mit einem Rabbiner, erlebt mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage.

Mi, 16. Nov · 11:15-11:30 · 3sat
Werner Heisenberg, 4/6, Die Angst vor der Bombe

Mit seiner Quantenmechanik ist Werner Heisenberg (1901 – 1976) in eine neue Welt vorgedrungen. Die Reihe stellt den Forscher und Philosophen vor. Teil vier zeigt die Zeit des Nationalsozialismus. Deutschland unter den Nationalsozialisten ist das Gegenteil des Guten, Wahren, Schönen, das für den Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg Richtschnur seines Lebens ist. Trotzdem lehnt er die Angebote aus den USA ab und bleibt in Deutschland. Ende 1938 gelingt Otto Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung im Uran. In Experimenten zeigt sich, dass es möglich ist, im Uran eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Damit ist klar: In den Kräften des Atoms ist Sprengstoff von unvorstellbarer Gewalt verborgen. Nun wird die lange als ‚jüdisch‘ verunglimpfte moderne Physik auch für die Nationalsozialisten interessant. Heisenbergs Arbeiten rücken in den Fokus des Rüstungsministeriums. 1941 baut Heisenberg mit seinen Mitarbeitern an der Universität Leipzig die Vorform eines Atomreaktors – der Weg zum Bau von Atombomben ist vorgezeichnet. In dieser Situation besucht Heisenberg seinen Lehrer Niels Bohr im besetzten Kopenhagen. Durch Bohrs Vermittlung hofft er, einen Pakt der Physiker auf beiden Kriegsseiten zu ermöglichen – gegen den Bau von Atombomben. Der Plan schlägt fehl. Bohr und Heisenberg finden in der angespannten Lage keine Gelegenheit, sich zu verständigen. Aber Heisenberg baut keine Bombe für Hitler: „Wir hatten dann während des Krieges das Glück, dass sich Arbeiten an der Atombewaffnung im Krieg als unmöglich herausgestellt hatten, weil sie viel zu lange gedauert hätten. Ich konnte ganz ehrlich berichten: Im Prinzip kann man schon Atombomben machen, aber alle Verfahren, die wir bisher kennen, sind so ungeheuer kostspielig, dass es Jahre dauern würde und einen ganz enormen technischen Aufwand von Milliarden brauchen würde“. Heisenberg nimmt in Berlin regelmäßig an Treffen der so genannten Mittwochsgesellschaft teil. Das ist ein Kreis angesehener Männer aus Wissenschaft und Kunst, darunter sind aber auch Militärs und hohe Beamte. Sie treffen sich abwechselnd im Haus eines der Mitglieder zu Vorträgen. Am 18. Juli 1944 trifft sich die Gesellschaft in Heisenbergs Haus. Zwei Tage später, am 20. Juli 1944, findet ein Attentat auf Hitler statt. Zahlreiche Mitglieder der Mittwochsgesellschaft werden als Unterstützer des Attentats verhaftet und hingerichtet. Heisenberg überlebt diese Zeit in Haigerloch in Württemberg. In einem Felsenkeller betreibt er hier geheime Forschungen an einem Atomreaktor. Eilig haben es die Physiker nicht. Wie Bewohner berichten, übt Heisenberg lieber an der Kirchenorgel über dem Felsenkeller und gibt Konzerte für die Einheimischen. Als 1945 das Ende des Krieges absehbar ist, flieht Werner Heisenberg mit dem Fahrrad 270 Kilometer weit zu seiner Familie nach Urfeld am Walchensee. Dort wird er wenig später von einem amerikanischen Spezialkommando verhaftet.

Mi, 16. Nov · 21:15-21:45 · MDR
Die Spur der Ahnen – Vom Nazi-Opfer zum SS-Täter?

In der Familiengeschichte von David Löblich aus Aschersleben gibt es eine dunkle Stelle: Bertus Adelerhof, sein Urgroßonkel. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist „Onkel Beppo“ verschwunden, von dem die Großtante immer wieder schwärmt. Der 18-Jährige will unbedingt herausfinden, was es mit den Legenden um den Urgroßonkel auf sich hat. Ein netter und guter Mann sei er gewesen, erzählt die Tante. Aber es gibt viele widersprüchliche Details. Bertus Adelerhof soll als gebürtiger Niederländer mitten im Krieg in Magdeburg Zwangsarbeiter gewesen, aber später zur Waffen-SS gegangen sein. Danach verschwand er auf nimmer Wiedersehen, seine deutsche Frau hat ihn vermutlich in den 1950er-Jahren für tot erklären lassen. Bei seinen Recherchen entdeckt David im österreichischen Salzburg einen Mann mit gleichem Namen und demselben Geburtsdatum, der 1976 verstorben ist. Ein Zufall? Oder ist das sein unbekannter Urgroßonkel? Wie kam er dorthin? Und was hat er im Krieg getan: War er ein Opfer der Nazis oder ist er in der SS selbst zum Täter geworden? David Löblich macht sich auf den Weg, die Wahrheit herauszufinden.

Mi, 16. Nov · 22:00-23:20 · SWR
Nachspielzeit

Der Neuköllner Cem träumt von einer guten Zukunft und will seinen Kiez gemeinsam mit seinem Kumpel Marc gegen Nazis und Spekulanten verteidigen. Dabei übertritt er mehr als einmal die Grenzen des Gesetzes. Im Pflegeheim arbeitet Cem als Bundesfreiwilligendienstler, dort verdreht ihm Pflegerin Astrid den Kopf. Beim Fußball kämpft Cem mit Leidenschaft um jeden Punkt, wie auch sein Rivale Roman. So unterschiedlich die politischen Ansichten der beiden jungen Männer sind, ringen sie doch beide mit ihrem prekären Leben. Aus der politischen Konfrontation eines linken Türken und eines rechten Ostberliners wird ein gewalttätiger Konflikt, in dem es bald um Leben und Tod geht.

Mi, 16. Nov · 23:25-00:40 · WDR
Meine Familie, die Nazis und ich

Heinrich Himmler, Hermann Göring, Amon Göth – diese Namen erinnern ewig an die menschenverachtenden Verbrechen der Nazizeit. Eine Last, die ihre Nachfahren noch heute tragen. Wie leben die Kinder und Enkelkinder von Hitlers engsten Vertrauten heute mit ihrem Erbe? In der Dokumentation von Regisseur Chanoch Ze’evi beginnen Kinder und Enkel der NS-Täter eine Aufarbeitung auf ganz persönlicher Ebene. So verschieden wie die Protagonisten des Films, so unterschiedlich sind auch die Wege, die sie gefunden haben, um mit ihrem schweren Familienerbe umzugehen. Vor der Kamera des israelischen Filmemachers öffnen sie sich und erzählen ihre persönliche Familiengeschichte. Ihre Aussagen geben einen lebendigen Einblick in das familiäre Herz einer ganzen Generation. Niklas Frank lässt an seinen Eltern kein gutes Haar. Der Sohn von Hans Frank, dem Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete, schreibt in zwei Büchern schonungslos über die Vergehen seiner Familie. Seine Anklageschrift trägt er auszugsweise Schulgruppen vor und ruft auf seinen Lesungen starke Emotionen hervor. Monika Göth hingegen bekämpft ihre Familienlast mit einer offensiven Israelliebe. Die Tochter von Amon Göth, dem sadistischen Lagerkommandant des Konzentrationslagers Plaszow, lebt heute zurückgezogen in der bayrischen Provinz. Die Wahrheit über ihren Vater, der durch seine Mordpraktiken den Beinamen „Schlächter von Plaszow“ bekam, hat sie erst als Teenager schmerzlich in Steven Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ kennengelernt. Der Kinobesuch endete für sie mit einer ärztlichen Behandlung nach schwerem Schock. Bettina Göring, Großnichte von Hermann Göring, lebt seit vielen Jahren in einem entlegenen Ort in New Mexiko, USA. Sie hat sich für den Neuanfang unter einem neuen Namen entschieden und beobachtet ihrer Heimat nur noch aus der Ferne. Gemeinsam mit ihrem Bruder hat sie sich für die Sterilisation entschieden, „um keine weiteren Görings zu produzieren.“ Den entgegengesetzten Weg hat Katrin Himmler gewählt. Die Großnichte von Heinrich Himmler hat sich als Ahnenforscherin auf die eigene Familiengeschichte spezialisiert. Ihr Drang, alle Verstrickungen ihres Umfeldes aus der Zeit des Nationalsozialismus offenzulegen, stößt nicht nur auf Gegenliebe. Doch die Autorin ist überzeugt, dass man nur im Dialog voranschreiten kann. Den Dialog mit Holocaust-Überlebenden sucht Rainer Höß. Er ist der Enkel des langjährigen Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Der Film begleitet ihn auf seiner Reise gemeinsam mit einem israelischen Journalisten in das ehemalige Konzentrationslager, neben dem sein Vater aufgewachsen ist. Die Fotos aus dem Familienarchiv zeigen eine idyllische Kindheit, während auf der anderen Seite der Mauer täglich Häftlinge umgebracht wurden.

Do, 17. Nov · 22:45-00:25 · RBB
Ehe im Schatten

Der Film erzählt vom Schicksal des bekannten Bühnen- und Filmschauspielers Joachim Gottschalk. Seine Frau war Jüdin. Die Nazis verlangten von ihm die Scheidung. In dieser ausweglosen Lage wählten beide für sich und ihren Sohn den Freitod. Der Film variiert diese wahre Geschichte und konfrontiert die deutschen Zuschauer erstmals nach dem Krieg mit dem Thema Antisemitismus. Am 3. Oktober 1947 hat der Film „Ehe im Schatten“ gleichzeitig in allen vier Sektoren Berlins seine Premiere. Der erste Spielfilm des jungen Regisseurs Kurt Maetzig ist in jener Zeit ein Politikum. International erreicht er ein Millionenpublikum. Auch das Tribunal der Nürnberger Prozesse schaut ihn sich an. Heute wird „Ehe im Schatten“ uneingeschränkt zu den Klassikern des deutschen Nachkriegsfilms gezählt.

Do, 17. Nov · 23:35-01:10 · MDR
Boxhagener Platz

1968, in Ostberlin: Ein ungeklärter Nachbarschafts-Mord bringt die verlässliche Ruhe auf dem Ostberliner Boxhagener Platz in Aufruhr. Oma Ottis Verehrer und Altnazi Fisch-Winkler ist tot. Ottis Enkel, der zwölfjährige schüchterne Holger, nutzt die Chance, um als Hobbydetektiv auf Mördersuche bei den Bolzfreunden sein schlechtes Image als Sohn des linientreuen „Abschnittsbevollmächtigten“ aufzupolieren. Er erhofft sich – sollte er den Fall lösen – endlich den langersehnten ersten Kuss von seinem heimlich verehrten Mädchen. Karl Wegner, der neue Liebhaber von Holgers umschwärmter Oma Otti, entpuppt sich für Holger als Quell der Erkenntnis in Sachen Liebes- und Lebensfragen. Vor allem jedoch kennt der 80-jährige Ex-Spartakus-Kämpfer Karl eine Menge spannender politischer Geheimnisse. Natürlich macht sich der naive Holger vor seinen Kumpels damit wichtig, was die Polizei auf den Plan ruft: Karl wird festgenommen. Als er in U-Haft an Herzversagen stirbt, schwört Holger sich tiefgetroffen, nie wieder andere für den eigenen Vorteil in Gefahr zu bringen. Denn in dem menschenverachtenden System, in dem er lebt, kann solch ein Spiel fatale Folgen haben. Er entschließt sich, wenn er erwachsen ist, in Karls Fußstapfen zu treten und irgendwann wenigstens eine „tiefrevolutionäre Rede zu halten, die den Mächtigen da oben Angst und Bange macht“, auf die sein Opa in spe stolz gewesen wäre. Der Film ist eine Liebeserklä-rung an die Stadt Berlin und an den kleinen Kosmos Boxhagener Platz mit seinen liebenswerten Bewohnern – sowie eine Hommage an fantastische Schauspielgrößen aus Ost und West.

Fr, 18. Nov · 20:15-21:40 · One
Herbe Mischung

Zahra und Benni sind seit einem Jahr ein glückliches Paar. Gerade haben sie in München eine gemeinsame Wohnung bezogen. Während Benni seinen Doktor in Botanik macht, hat Zahra einen kleinen Teeladen. Alles ist möglich, alles ist gut. Doch als Bennis Opa stirbt, wird das junge Glück auf eine harte Probe gestellt. Denn Benni ist Jude, seine Familie lebt in Tel Aviv. Zahra ist Halb-Araberin, zumindest der Herkunft nach. Als sie dann gemeinsam zur Beerdigung fahren, werden durch ein Missverständnis religiöse Vorurteile offengelegt. Jetzt muss sie sich wohl oder übel damit befassen. Denn als sie mit Benni zur Beerdigung des Opas nach Tel Aviv reist, steht plötzlich im Mittelpunkt, was in München keine Rolle spielte. Bei der Beerdigung bekreuzigt sich Zahra am Grab, woraufhin Bennis Familie, die durch ein Missverständnis annahm, Zahra sei Jüdin, schockiert ist. Und es wird nur allzu deutlich: Bennis Vater Ephraim, ein General a.D., ist in den Jahren seiner Pension regelrecht zum Araberhasser mutiert und hat sein Haus in ein Fort Knox verwandelt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Araber den Großvater quasi auf dem Gewissen hat, denn der Opa bekam den tödlichen Herzinfarkt nach der Detonation einer Rakete nahe seines Hauses. Wohl kaum der richtige Zeitpunkt, entscheiden Zahra und Benni, jetzt mit Zahras pikantem Halbblut herauszurücken. Denn beide wollen nur zwei Tage bleiben und Bennis Familie hat Zahra dann doch schnell ins Herz geschlossen. Bis auf eine: Tante Edna, eine alte Jungfer, die nicht tolerieren kann, dass eine „Schickse“ sich ihr geliebtes „Bubbele“ geangelt hat. Sie ist es auch, die belauscht, dass Zahra mit Nachnamen Abdullah heißt – nur leider kann sie das nicht mehr beweisen, denn Bennis Oma hat Zahras Pass verschwinden lassen. So müssen Zahra und Benni gezwungenermaßen übers Wochenende bleiben, an dem Edna nichts unversucht lässt, Zahra zu überführen. Vater Ephraim versucht ungelenk, sich seinem Sohn anzunähern, der vor drei Jahren nach einem Streit mit ihm die Familie und Israel verließ. Zwischen Zahra und Benni beginnt es zu kriseln, denn Zahra erkennt langsam ihren Freund nicht mehr wieder. Die Situation eskaliert.

Sa, 19. Nov · 00:10-01:50 · 3sat
Jeder stirbt für sich allein

Nachdem der Sohn von Otto und Anna Quangel im Krieg gefallen ist, verteilen diese Flugblätter gegen das Hitler-Regime in ihrer Stadt. Sie werden Teil des deutschen Widerstandes. Das Ehepaar sieht ihren Sohn zum letzten Mal, als dieser im Jahre 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Im offiziellen Schreiben der Heeresleitung heißt es, er sei „für Führer, Volk und Vaterland“ den Heldentod gestorben. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine von diesen, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest.

So, 20. Nov · 10:40-11:30 · SWR
Kafka – Der letzte Prozess

Kafkas letzter Wunsch an den Freund und Schriftsteller Max Brod lautete, alle Werke – also Bücher, Zeichnungen, Briefe – ungelesen zu verbrennen. Max Brod widersetze sich, und eigentlich sollte die Welt ihm dafür ewig dankbar sein. Max Brod hat einige der bedeutendsten Werke der Literatur des 20. Jahrhunderts gerettet und Kafka die Anerkennung als einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren und als globale Kulturikone verschafft. Trotzdem: Franz Kafka würde sich wohl im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was derzeit mit seinem Nachlass passiert. Oder aber er würde daraus einen Roman schreiben – kafkaesk genug wäre die Geschichte. In einem Koffer aus Prag vor den Nazis nach Israel gerettet, verstaubt in einer heruntergekommenen Wohnung in Tel Aviv, bewacht von Dutzenden Katzen und einer exzentrischen Frau – das ist das Schicksal der handschriftlichen Manuskripte und Dokumente von Franz Kafka. Dazwischen wurde sein Werk mehrfach verschenkt, vererbt, teilweise versteigert und in verschiedensten Safes deponiert. Die hitzige Debatte um Kafkas Nachlass, bei der es um Millionen Euros geht und die zu politischem Gerangel zwischen Israel und Deutschland führte, ist verworren. Komponisten, Biografen, Rechtsanwälte, Experten, Erben, Autoren und Forscher wollen wissen, wo Kafkas Erbe versteckt ist, wem es gehört und wer es zuerst lesen darf. Im Oktober 2012 verfügte ein Gericht in Tel Aviv, dass der Nachlass an die israelische Nationalbibliothek gehen soll. Damit entschied die Richterin auch gegen die Ansprüche des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Das ist das vorerst letzte Kapitel dieser Geschichte. Der Regisseur Sagi Bornstein geht der Sache nach. Das Ergebnis ist eine verdrehte, bizarre Kriminalgeschichte voller Ironie und Absurdität.

Di, 22. Nov · 21:45-23:15 · 3sat
Die Akte General

In der Bundesrepublik der 1950er-Jahre, führt der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer einen einsamen Kampf gegen die Vertuschung nationalsozialistischer Verbrechen und das Wegschauen. Doch damit macht er sich viele Feinde, die ihm Steine in den Weg legen. Unterstützt wird er vom jungen Staatsanwalt Joachim Hell, mit dem er ein Verfahren gegen Adenauers engsten politischen Vertrauten Hans Globke in Gang setzen möchte. Doch Bauer ist der festen Überzeugung, dass nur so die junge Demokratie gefestigt werden könne. Nicht nur seine Haltung, sondern auch sein aufbrausendes Temperament machen Bauer angreifbar, immer wieder formiert sich Widerstand aus Politik, Nachrichtendiensten und dem Justizapparat gegen den Einzelkämpfer. Wohl wissend, dass das Interesse an der Ergreifung Adolf Eichmanns in Deutschland gering ist, versucht Bauer, den israelischen Geheimdienst zu einer Verhaftung des in Argentinien vermuteten Organisators der Massendeportationen zu bewegen. Tatsächlich gelingt es Bauer in geheimen Verhandlungen, die Verhaftung Eichmanns durch den Mossad in Gang zu setzen. Unterstützt vom jungen Staatsanwalt Joachim Hell lässt Bauer auch danach nicht locker: Mit Material aus den Eichmann-Vernehmungen will er ein Verfahren gegen Kanzleramtschef Hans Globke erreichen, um dessen Verstrickung in die Deportationen zu ahnden, und wagt sich damit an Adenauers engsten politischen Vertrauten.

Di, 22. Nov · 22:20-23:13 · arte
Das Ende des Erhabenen Staates (1/2) Vielvölkerstaat versus Osmanisches Reich

Sechs Jahrhunderte lang war das Osmanische Reich eine Großmacht, die sich über drei Kontinente und die sieben Weltmeere erstreckte. Ein riesiges Reich, Ort heiliger Stätten, Heimat der drei monotheistischen Weltreligionen, mit einer Vielzahl an Sprachen, Kulturen und Religionen, das seinesgleichen sucht – und in weniger als einem Jahrhundert zu Fall gebracht wurde. Auf seinen Trümmern ist die Welt von heute entstanden. Wer die Geschichte kennt und versteht, wird auch die politischen, religiösen und ethnischen Konflikte von heute verstehen – sei es in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo, der Türkei, im Libanon, in Syrien, Israel, Palästina oder im Irak. Im Laufe der knapp hundert Jahre von der Unabhängigkeit Griechenlands 1830 bis zu den Balkankriegen zwischen 1912 und 1913 hat sich das Osmanische Reich nach fast 500-jähriger Präsenz auf dem Balkan endgültig aus Europa zurückgezogen. Die gemeinsame Vergangenheit wird von nationalen Geschichtsschreibern zwar oftmals heruntergespielt, aber die Balkanstaaten sind, wie Mark Mazower von der Columbia University hervorhebt, vom komplexen Zusammenleben christlicher, muslimischer und jüdischer Völker eindeutig geprägt. Vielleicht handelte es sich eher um ein „Nebeneinanderher-Leben“, das auf den im Osmanischen Millet-System organisierten Glaubensgemeinschaften basierte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts haben sich die religiösen Identitäten der Region dann langsam zu klaren nationalen Identitäten hin entwickelt, die Menschen sahen sich fortan als Serben, Griechen, Bulgaren und so fort. Und diese Identitäten bergen noch heute ein großes Konfliktpotenzial. Das Bestreben der großen europäischen Mächte, sich Ressourcen und Gebiete des Osmanischen Reiches anzueignen, und die Unfähigkeit des Reiches, Reformen umzusetzen, führten zusammen mit dem aufkommenden Nationalismus zum definitiven Ende der Osmanen in Europa. Auch der mächtige Sultan Abdülhamid II., von 1876 bis 1909 an der Macht, konnte daran nichts mehr ändern – er wurde gestürzt. Und mit der nationalistischen Revolution der Jungtürken war das Osmanische Reich endgültig dem Untergang geweiht. Anhand von seltenem Bild- und Filmmaterial sowie von Beiträgen internationaler Historiker wird in dieser zweiteiligen Dokumentation das letzte Jahrhundert des Osmanischen Reiches analysiert und versucht, sein Ende zu verstehen.

Di, 22. Nov · 23:15-00:08 · arte
Das Ende des Erhabenen Staates (2/2) Der berstende Nahe Osten

Sechs Jahrhunderte lang war das Osmanische Reich eine Großmacht, die sich über drei Kontinente und die sieben Weltmeere erstreckte. Ein riesiges Reich, Ort heiliger Stätten, Heimat der drei monotheistischen Weltreligionen, mit einer Vielzahl an Sprachen, Kulturen und Religionen, das seinesgleichen sucht – und in weniger als einem Jahrhundert zu Fall gebracht wurde. Auf seinen Trümmern ist die Welt von heute entstanden. Wer die Geschichte kennt und versteht, wird auch die politischen, religiösen und ethnischen Konflikte von heute verstehen – sei es in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo, der Türkei, im Libanon, in Syrien, Israel, Palästina oder im Irak. Das Osmanische Reich war schon geschwächt, als es 1914 an der Seite von Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg eintrat. An allen Ecken und Enden des Reiches, das sich mittlerweile auf Kleinasien – Anatolien – und die letzten Provinzen in Syrien, Palästina, Mesopotamien und Hedschas beschränkte, wurde gekämpft. Zu Zeiten dieser Beschränkung auf den „harten anatolischen und muslimischen Kern“ des Osmanischen Reiches, wie der Politologe Hamit Bozarslan es bezeichnet, wird mit der Vernichtung der Armenier, der in Anatolien lebenden Christen, der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Versuche des Reiches – nun in den Händen der Jungtürken – sehen, seinen Einfluss auf die verbliebenen arabischen Provinzen zu wahren, die als letzte Bastion angesehen wurden. Aber auch die arabischen Völker waren es leid, zentral von Istanbul aus regiert zu werden, und verfolgten nationale Bestrebungen. Durch die 1916 von Hussein, Scherif von Mekka, angestoßene Revolte wurde die Spaltung besiegelt. Und die Feinde des Reiches wussten die Gunst der Stunde zu nutzen. Briten und Franzosen spielten die Ambitionen der Araber gegenüber den Osmanen aus, nur um anschließend die Versprechen an die arabischen Herrscher schnell wieder zu vergessen und ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Was vom Osmanischen Reich noch übrig geblieben war, wurde in künstlich geformte Nationalstaaten mit umstrittenen Grenzen gegossen. Die Entstehung von Ländern wie Libanon, Syrien, Palästina, Transjordanien oder Irak ist vor allem auf das Expansionsstreben der Briten und Franzosen zurückzuführen. Als die Siegermächte 1921 versuchten, das untergehende Osmanische Reich in enge Grenzen zu verweisen, ergriff der türkische Offizier Mustafa Kemal die Führung der starken türkischen Nationalbewegung. Er bekämpfte die Alliierten ebenso wie die letzten treuen Anhänger des Reiches, schaffte das Sultanat ab und rief 1923 die Republik Türkei aus. Um die Gebiete, in denen vormals unterschiedliche Bevölkerungen lebten, zu „homogenisieren“, wies die Türkei mehr als eine Million Christen nach Griechenland aus, von wo aus wiederum die dort noch verbliebene muslimische Bevölkerung deportiert wurde. Dieser Bevölkerungstausch besiegelte endgültig den Sieg der Nationalstaaten über das Osmanische Reich.

Mi, 23. Nov · 04:45-06:30 · PHOENIX
Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten

Berlin 1935. Unter großen persönlichen Risiken gelingt es der Lehrerin Leonore Goldschmidt, mitten in Nazi-Deutschland eine jüdische Schule zu gründen. Sie findet ein Schlupfloch in den nationalsozialistischen Schulgesetzen und widersteht allen Repressalien durch die SA. Für viele jüdische Kinder Berlins wird die Goldschmidt-Schule zum letzten Zufluchtsort vor dem wachsenden Rassismus. Auf dem Lehrplan steht vor allem Englisch – als Voraussetzung für ein Leben im Exil. Nach der Pogromnacht 1938 eskaliert die Lage der Juden in Deutschland: Viele Goldschmidt-Schüler fliehen mit ihren Familien. Im September 1939 muss Leonore Goldschmidt die Schule schließen. Sie geht ins Exil nach England. „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ erzählt die bislang weitgehend unbekannte Geschichte einer mutigen und listigen Frau, die für viele jüdische Kinder Berlins zum Schutzengel wurde. Vor allem aber lässt die Dokumentation nacherleben, wie Rassismus und Antisemitismus in die Gesellschaft einsickerten und die Seelen der jüdischen Kinder peinigten: Überlebende Schüler, heute alle weit über 80 Jahre alt, berichten in berührenden Statements, wie sehr sie unter Ausgrenzung und Drangsalierungen litten. Aus allen aber spricht tiefe Dankbarkeit für eine Frau, die eine „Oase inmitten der Hölle“ schuf und „ihre“ Kinder vorbereitete auf ein neues Leben im Exil. Für die Dokumentation „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ hat die Familie Goldschmidt ihr Archiv mit zahlreichen Fotos, Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten geöffnet. Leonore Goldschmidts Enkel David erzählt von seiner Großmutter, die 1983 verstorben ist. Außerdem können die Autoren auf einen Dokumentarfilm zurückgreifen, den der amerikanische Journalist Julian Bryan 1937 in der Goldschmidt-Schule gedreht und aus Deutschland herausgeschmuggelt hat. Er zeigt u. a. die Zeitzeugen, die in der Dokumentation zu Wort kommen. So entsteht ein dichtes und emotionales Bild vom Leben in der Goldschmidt-Schule – einer einzigartigen Institution im Schatten des Nazi-Terrors.

Mi, 23. Nov · 20:15-22:00 · 3sat
Die Täter – Heute ist nicht alle Tage

Über Jahre mordete der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) unentdeckt in ganz Deutschland. Wie konnte das passieren? Der Film blickt auf die Täter und ihr Umfeld. Jena, 1990: Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es keine ähnliche Situation in Deutschland, in der in so kurzer Zeit so viele Menschen gleichzeitig ihre Arbeit verlieren. Viele Jugendliche in Ostdeutschland spüren die Machtlosigkeit der Polizei und des Staates. Sie fühlen sich orientierungslos, ungewollt und gekränkt. Instinktiv ordnen sie sich als Menschen zweiter Klasse ein, versuchen sich anzupassen und lernen in kürzester Zeit, dass von Seiten der Gesellschaft keine oder wenig Hilfe zu erwarten ist. Reihenweise driften junge Leute von der Schule in die Arbeitslosigkeit. Manche schaffen den Sprung, indem sie in die alten Bundesländer wechseln. Doch viele von denen, die bleiben, beginnen wütend zu rebellieren. Eine von ihnen ist Beate Zschäpe, die in den Bann junger Rechtsradikaler in Jena-Winzerla gerät. Sie freundet sich mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Aus den drei Freunden wird schnell eine verschworene Gemeinschaft. Ihr Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit ist das grundlegende Erfahrungsmuster, das sie mit tausenden jungen Menschen in Ostdeutschland teilen. Bei den Dreien aber setzt eine eigene Entwicklung ein: Wut und Rebellion werden in Hass und Gewalt verkehrt. In einem rechtsextremen neonazistischen Umfeld organisieren und radikalisieren sie sich, dicht gefolgt und umgeben nicht nur von Verbündeten, sondern von „Nazi-Kameraden“, die inzwischen als Spitzel für den Verfassungsschutz arbeiten. Ihre Aktionen sind sowohl der Polizei wie dem Verfassungsschutz bekannt, dennoch werden sie nicht festgenommen. Nach einem missglückten Bombenanschlag und nach dem Fund von Sprengstoff in einer von Beate Zschäpe angemieteten Garage, gehen die drei Neonazis, inzwischen ein unzertrennbares Trio, Ende 1998 in den Untergrund. Was folgt, ist die schwerwiegendste, erschütterndste Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Mi, 23. Nov · 21:00-21:45 · NDR Hamburg
Unsere Geschichte – Als Zwangsarbeiter auf dem Land schuftet

Zwangsarbeit auf norddeutschen Bauernhöfen war in der Nazizeit an der Tagesordnung. Über Erniedrigung und Ausbeutung erzählen in diesem Film jetzt die letzten noch lebenden Opfer. Die neue NDR Dokumentation über Zwangsarbeit schildert starke Schicksale, die emotional miterleben lassen, was arische Ausgrenzung bedeutet. Polnische Kinder wurden entführt, gefangenen genommen, um für norddeutsche Bauern zu schuften. Ihnen wurden Kindheit und Jugend genommen, Bildung und Ausbildung verwehrt. Nur die wenigsten fanden Familienanschluss oder erfuhren heimliche Fürsorge. Jozef Butniak sollte zu Hause in Polen für seine Mutter im Dorfladen Lebensmittel einkaufen. Dort fingen ihn Wehrmachtssoldaten ein und verschleppten ihn nach Hameln. Noch heute singt er nachts im Schlaf deutsche Schlager, die die Tochter des Bauern ihm heimlich beigebracht hat. Janina Radaczewska war gerade erst acht Jahre alt, als sie in Verden den Arbeitspass als Landarbeiterin bekam. Bis heute kann sie nicht fassen, dass sie als kleines Mädchen arbeiten musste, während die deutschen Kinder spielen und zur Schule gehen durften. Als Czeslaw Sieczkowski als 16-Jähriger in Ottersberg bei Bremen ankam, sprach er kein Wort Deutsch. Bald konnte er Plattdeutsch wie alle im Ort. Er versuchte, sich anzupassen, so war das Leben für ihn einfacher. Und die Bauern mochten ihn. Doch eine Gaststätte durfte er nicht betreten und an der Brust trug er das „P“, damit jeder sah, dass er Pole ist. 75 Jahre später besucht er mit seiner Frau diesen Ort noch einmal. Als der Krieg begann, waren sie Teenager oder sogar noch Kinder, die Deutschen und die Polen, die in niedersächsischen Dörfern fünf Kriegsjahre lang zusammen arbeiteten und lebten. Jetzt, nach Jahrzehnten, berichten sie darüber. Die Zwangsarbeiter sind vom Leben in der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen. Doch es gab auch Bauern, bei denen sie fast zur Familie gehörten, während sie bei anderen im Stall schlafen mussten und misshandelt wurden. Um das enge Zusammenleben mit den Ausländern zu kontrollieren und zu reglementieren wurden Gesetze erlassen und harte Strafen angedroht. Haltet Abstand von den Polen! Werdet nicht zu Verrätern der deutschen Volksgemeinschaft! Lasst die Polen nicht mit an eurem Tisch essen! Bei euren Feiern haben die Polen nichts zu suchen! Haltet das deutsche Blut rein! – So ermahnten NS-Merkblätter die Landbevölkerung. Boleslaw Nowak wurde geschlagen und ins Gefängnis gesperrt, weil er, ohne das diskriminierende „P“ an der Kleidung, auf die Straße gegangen war. Zygmunt Cizdziel war als Kind in der Nähe von Göttingen. Dort erlebte er, dass seine Mutter und sein Bruder vom Gutsherrn misshandelt und in ein Lager gebracht wurden. Als die Mutter zurückkehrte, war sie so entstellt, dass er sie nicht erkannte. Kurz nach der Befreiung kam sein Bruder ums Leben. Ein Mord, der nie aufgeklärt wurde. Zum ersten Mal nach dem Kriegsende besucht Zygmunt Cizdziel das Grab seines Bruders. Er will den Menschen danken, die das Grab pflegten. Das ist ihm wichtig. Zwangsarbeit auf dem Land war im Rückblick der meisten Deutschen „normaler Kriegsalltag“. Fast jeder Hof hatte „seinen“ Polen, Russen oder Ukrainer. Auf den Höfen nahmen die Frauen, deren Männer bei der Wehrmacht waren, die Bewirtschaftung zusammen mit den „Fremdarbeitern“ selbst in die Hand. Ohne die Zwangsarbeiter hätten die Felder im Krieg brach gelegen, die Ernährungskette wäre zusammengebrochen. Sie wurden zu unfreiwilligen Helfern der Kriegsmaschinerie.

Mi, 23. Nov · 21:15-21:45 · MDR
Die Spur der Ahnen: Wie ein SS-Mann den Holocaust verhindern wollte

August 1942. Ein Nachtzug von Warschau nach Berlin. In Europa tobt der Zweite Weltkrieg – ein halbes Jahr zuvor haben die Nationalsozialisten die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen: den industriellen Völkermord. Im Zug nach Berlin trifft der schwedische Diplomat Göran von Otter auf den deutschen SS-Mann Kurt Gerstein. Der SS-Offizier erkennt seine einmalige Chance: der schwedische Diplomat kann ihm helfen, das millionenfache Morden zu stoppen. Kurt Gerstein wird in dieser Nacht zum wichtigsten Whistleblower des Holocaust. Keiner der beiden Männer hat einen Sitzplatz, stundenlang sitzen sie nebeneinander auf ihren Koffern im Gang. Die Geschichte, die der SS-Mann dem Diplomaten erzählt, klingt unglaublich: „Ich habe gestern gesehen, wie mehr als 10.000 Juden ermordet wurden“, beginnt er und berichtet die ganze Nacht über die Verbrechen der SS. Gerstein hofft, dass von Otter die Geschichte öffentlich macht. Dass schwedische Zeitungen über den Massenmord berichten. Dass die Weltöffentlichkeit aufschreit. Dass Juden in ganz Europa gewarnt werden. Dass der Holocaust gestoppt wird. Doch nichts von alledem passiert. Warum nicht? Schließlich hatte der Diplomat Göran von Otter keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt des Gehörten. Warum also tat er nichts? Oder tat er doch etwas und ihm hörte nur niemand zu? Hätten die beiden Männer den Holocaust tatsächlich verhindern können? Diese Fragen begleiten Göran von Otters Tochter Brigitta schon ihr ganzes Leben. Um endlich Antworten zu finden, begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit ihres Vaters.

Sa, 26. Nov · 22:30-23:15 · 3sat
Der Mann, der Nofretete verschenkte – James Simon, der vergessene Mäzen

Jährlich lockt die Nofretete-Büste im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel Tausende von Besuchern an. Die Grabungen, die sie ans Tageslicht holten, wurden von James Simon bezahlt. Der jüdische Baumwollgroßhändler und Millionär, der von 1851 bis 1932 lebte, gab beträchtliche Teile seines Vermögens für die Museumsinsel aus. Alle Kunstwerke und Objekte aus Amarna, das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aus Babylon, über 600 Kunstwerke der italienischen und nordalpinen Renaissance, Gemälde und Skulpturen hat er den Berliner Museen geschenkt. Aber nicht nur der Kunst galt sein Mäzenatentum, sondern auch den Armen und Bedürftigen, allen voran den Arbeiterkindern, die im aufstrebenden Berlin der Jahrhundertwende große Not litten. Heute ist James Simon, der mit der Weltwirtschaftskrise selbst verarmte, weitgehend in Vergessenheit geraten. Zum ersten Mal gibt es nun einen Film über diesen Mann und sein wechselvolles Leben: Die Dokumentation „Der Mann, der Nofretete verschenkte – James Simon, der vergessene Mäzen“ von Carola Wedel zeichnet den Lebensweg des Mannes nach, dem Berlin viele bedeutende Ausstellungsstücke verdankt. Carola Wedel lässt Historiker, Museumsdirektoren und Nachfahren von James Simon zu Wort kommen und präsentiert einige der herausragenden Kunstwerke, die Berlin dem großen Mäzen zu verdanken hat. Außerdem werden in spielfilmähnlichen Sequenzen zentrale Situationen und Begegnungen seines Lebens in Szene gesetzt.

So, 27. Nov · 20:15-21:35 · arte
Diplomatie

Paris, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944: Die Alliierten stehen vor den Toren von Paris. Kurz vor Tagesanbruch bereitet sich General von Choltitz, Stadtkommandant von Paris, in seinem Hauptquartier im Hotel Meurice darauf vor, Hitlers Befehl auszuführen und die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Alles ist bereits vorbereitet: Der Louvre, die Oper, Notre-Dame, der Eiffelturm und die Brücken über die Seine sind vermint. Doch plötzlich steht der schwedische Konsul Raoul Nordling vor Choltitz‘ Schreibtisch – er ist durch eine Geheimtür eingetreten. Nordling versucht den pflichtbewussten Choltitz, der noch nie einen Befehl verweigert hat, in seinem Vorhaben umzustimmen. Ein verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden beginnt, in dem Nordling an die Vernunft und Moral des Generals appelliert. Nordling erinnert Choltitz an die Millionen von Menschenleben, die einer Bombardierung zum Opfer fallen würden. Choltitz ist sich der militärischen Sinnlosigkeit des Auftrags bewusst, jedoch ist er davon überzeugt, dass eine Verweigerung des Befehls zu einer unverzüglichen Verschleppung seiner Familie führen würde. So verspricht Nordling ihm, dass er sich um eine sichere Ausreise der Familie kümmern wird. Wird sich Choltitz umstimmen lassen? „Diplomatie” ist eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Cyril Gély, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Wenngleich es Kontakte zwischen den historischen Personen gegeben hat – die Auseinandersetzung von Choltitz und Nordling, so wie sie der Film erzählt, ist Fiktion.

So, 27. Nov · 23:05-01:05 · MDR
Nackt unter Wölfen

Frühjahr 1945, Konzentrationslager Buchenwald. Die sich nähernde Front von Ost und West versetzt die Lagerleitung in Panik und täglich werden mehr Häftlinge in den Tod geschickt. Dagegen wächst unter Führung der Häftlingsselbstverwaltung der Widerstand der Lagerinsassen. In dieser angespannten Situation trifft im KZ ein neuer Evakuierungstransport aus Auschwitz ein. Unter ihnen auch ein Pole mit einem großen, zerdrückten Koffer. Die Häftlinge Höfel (Armin Mueller-Stahl) und Pippig (Fred Delmare) erschrecken zutiefst, als sie dessen Inhalt, ein Kind, sehen. Es im Lager zu verstecken, ist schwierig und gefährlich und gefährdet gleichzeitig die Pläne einer Selbstbefreiung. Deshalb entscheidet schweren Herzens der Leiter der illegalen Widerstandsgruppe Bochow (Gerry Wolff), dass der Pole und der Junge mit dem nächsten Transport das Lager wieder verlassen müssen. Für ihn stehen 50.000 Menschen gegen ein einziges Kind. Aber der Lagerälteste, Walter Krämer (Erwin Geschonneck), lässt die Abschiebung nicht zu. Bochows Befürchtungen bestätigen sich, die SS erfährt von dem Kind. Doch ihre Suche danach ist vergeblich. Unter Einsatz ihres Lebens reichen es Krämer, Pippig und Höfel und viele andere von Versteck zu Versteck. Der Junge wird für die Häftlinge zum Sinn ihres Lebens und zum Ziel des Kampfes gegen ihre Peiniger. Als am 11. April 1945 das Signal zum Aufstand ertönt, ist unter den 21.000 Häftlingen aus 32 Ländern auch der kleine jüdische Junge.

So, 27. Nov · 23:35-01:05 · Das Erste (ARD)
Der letzte Mentsch

Als alter Mann wird Marcus Schwartz von seiner jahrzehntelang verdrängten Vergangenheit eingeholt. Mit der jungen Deutschtürkin Gül macht er sich auf die Reise nach Ungarn, um nach Beweisen für seine jüdische Identität zu suchen. Ein tragikomisches Roadmovie voller Poesie. Marcus ist ein Überlebender von Theresienstadt und Buchenwald. Seine Überlebensstrategie nach dem Krieg war das Vergessen. Nichts ist passiert, der Horror hat nicht stattgefunden, seine Familie wurde nicht ausgelöscht. Als alter Mann holt ihn die Vergangenheit ein und er möchte als Jude bei den Seinen beerdigt werden. Doch zu seiner Überraschung muss er erst einmal beweisen, dass er Jude ist. In dieser Situation macht er sich zusammen mit der jungen Deutsch-Türkin Gül auf, nach Beweisen für seine lang vergessene Identität zu suchen.

Mo, 28. Nov · 23:55-01:50 · MDR
Simon

Südschweden, kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs: Simon Larsson (Bill Skarsgård) lebt mit seinen Eltern Karin (Helen Sjöholm) und Erik (Stefan Gödicke) in einem kleinen Haus an der Küste vor Göteborg. Die Eltern sind einfache, aber liebevolle und prinzipientreue Menschen. Während der Vater, ein bodenständiger Arbeiter, ihn am liebsten zum Handwerker machen würde, ist Simon ein Bücherwurm. Oft hat er das Gefühl, nicht in die Familie zu passen. Sein bester Freund ist eine Eiche, in deren Krone er sich in seine eigene Traumwelt flüchtet. Mutter Karin unterstützt und fördert ihren Jungen so gut sie kann. Dank ihrer Hilfe geht er schließlich auf die höhere Schule in der Stadt, wo er sich mit Isak (Karl Linnertorp) anfreundet, dem Sohn des reichen Buchhändlers Ruben Lentov (Jan Josef Liefers). Isaks Familie ist aus Nazi-Deutschland geflohen und hat in Schweden eine neue Heimat gefunden. Simon lernt durch die Lentovs eine Welt der Bildung und Kultur kennen, Ruben nimmt ihn an wie einen zweiten Sohn. Erik kümmert sich dagegen um Isak. Dann bricht der 2. Weltkrieg aus. Isak, durch die Flucht traumatisiert, zieht sich zurück. Ruben bringt ihn bei den Larssons unter. Beide Familien wachsen immer mehr zusammen und ihre Schicksale verflechten sich über Jahrzehnte hinweg. Erst spät – nach dem Krieg – erfährt Simon, dass er adoptiert wurde und einen jüdischen Vater hat. Gemeinsam mit Ruben Lentov fährt er nach Berlin, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Dabei taucht er in eine Welt der Kultur und Musik ein, die ihn auch nach seiner Rückkehr nach Schweden nicht mehr loslassen wird.

Di, 29. Nov · 20:15-22:04 · arte
Get – Der Prozess der Viviane Amsalem

Viviane Amsalem, die im Alter von 15 Jahren ihren Mann Elisha geheiratet hat, möchte die Scheidung. Seit Jahren leben die beiden schon getrennt. Allerdings kann in Israel die Eheschließung sowie deren Auflösung ausschließlich von Rabbinern vollzogen werden; und nur mit dem vollen Einverständnis des Ehemanns. Da sich dieser jedoch weigert, der Scheidung zuzustimmen, beginnt ein Prozess vor dem Rabbinatsgericht, der insgesamt fünf Jahre andauern wird. Auf der einen Seite steht eine Frau, die in einer unglücklichen Ehe lebt und sich nichts sehnlicher wünscht, als ihrem Mann endgültig den Rücken zu kehren. Auf der anderen Seite steht ein Mann, der kaum eine Gefühlsregung zeigt und von kalter Unnachgiebigkeit geprägt ist. Eine Anhörung folgt der nächsten. Ein Zeuge nach dem anderen erscheint. Mal wird in höchsten Tönen von Elisha als Vorzeigeehemann gesprochen, der sich fürsorglich um das Wohl seiner Familie kümmert. Ein anderes Mal wird Viviane in Schutz genommen und das Gericht um Nachsicht gebeten. Obwohl das Gericht Elisha dazu dräng, seiner Frau ihren Wunsch zu erfüllen, rückt dieser nicht von seiner Entscheidung ab. Wird es Viviane gelingen, den Kampf um ihre Freiheit zu gewinnen und den Scheidebrief zu bekommen? „Get – Der Prozess der Viviane Amsalem” ist der letzte Film in einer Trilogie um eine Frau im heutigen Israel. In „Getrennte Wege” (2004) und in „Shiva” (2008) versucht Viviane schon, ihren Mann zu verlassen, denn die Ehe des jüdisch-marokkanischen, aber in Israel lebenden Paares ist zerrüttet. Jedes Mal ist es die Familie, die ihr Veto einlegt.
Bild oben: ARTE France / © Amit Berlowitz Viviane Amsalem (Ronit Elkabetz) versucht alles, um den „Get“, den Scheidebrief, zu bekommen. Die kalte Unnachgiebigkeit ihres Ehemanns hat jedoch einen langjährigen Prozess zur Folge.

Di, 29. Nov · 22:05-22:48 · MDR
Nazi-Karrieren in der DDR?

„Die Nazis waren doch alle im Westen“ – dies war und ist häufig die landläufige Meinung über den Verbleib nationalsozialistischer Täter und Mitläufer nach dem Zweiten Weltkrieg. Sind aber tatsächlich alle Nazis, die sich in der SBZ und der DDR aufhielten, ihren gerechten Strafen zugeführt worden oder frühzeitig in den Westen gegangen? Oder gab es auch in den Biografien manches Ostdeutschen braune Schatten? „Die Nazis waren doch alle im Westen“ – dies war und ist häufig die landläufige Meinung über den Verbleib nationalsozialistischer Täter und Mitläufer nach dem Zweiten Weltkrieg. Sind aber tatsächlich alle Nazis, die sich in der SBZ und der DDR aufhielten, ihren gerechten Strafen zugeführt worden oder frühzeitig in den Westen gegangen? Oder gab es auch in den Biografien manches Ostdeutschen braune Schatten? Schlagzeilen aus diesem Jahr: Die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen ermittelt in neuen Fällen gegen ehemaliges KZ-Personal, wohnhaft in West- wie in Ostdeutschland. In Neubrandenburg steht ein ehemaliger KZ-Sanitäter vor Gericht und in Halle ermittelt man lediglich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gegen einen in der DDR hochgeachteten Statistikprofessor, der als SS-Mann im KZ Auschwitz diente. Warum hatten diese Männer ausgerechnet in der antifaschistischen DDR keine Verfolgung zu fürchten? Eine wichtige Rolle beim Verdrängen und unter Verschluss halten von braunen Vergangenheiten spielte die Stasi. Eine Sonderabteilung, untergebracht in einer Villa in Hohenschönhausen, beherbergte das sogenannte „Nazi-Archiv“ – über zehn Kilometer Aktenregale mit Material für den Propagandakampf gegen den Westen, aber auch mit Informationen über die eigenen Alt-Nazis. Warum wurden einige öffentlichkeitswirksam verfolgt, andere absichtlich nicht? Ausgerechnet der staatlich verordnete Antifaschismus entpuppt sich in der Nachschau als ein wesentliches Hemmnis der Aufarbeitung und Strafverfolgung. Der Film von Christian Schulz und Claudia Gründer wirft einen kritischen Blick auf den „einzigen antifaschistischen deutschen Staat“ und auf dessen tatsächlichen Umgang mit Alt-Nazis, NSDAP-Mitgliedern, Mitläufern und Kriegsverbrechern, kurz: mit dem braunen Erbe der DDR.

Di, 29. Nov · 23:00-00:37 · arte
Mit den Augen eines Diebes

Der Palästinenser Tarek landet fälschlicherweise wegen eines Bombenattentats für viele Jahre im Gefängnis. Keiner weiß, dass er in Wahrheit für einen anderen Anschlag verantwortlich war. Nach seinem Gefängnisaufenthalt kehrt er in ein verändertes Palästina zurück, auf der Suche nach seiner verschwundenen Familie. „Mit den Augen eines Diebes” thematisiert die gesellschaftlichen Konflikte Palästinas, das durch die Spaltung der Gesellschaft, die Besatzung durch Israel und die Korruption im eigenen Land geprägt ist. Von einem Hügel aus beobachtet der 27-jährige Palästinenser Tarek einen israelischen Kontrollposten an der Straße zwischen Ramallah und Nablus, bekannt als das Tal der Diebe. Dann hebt er sein altes Gewehr und beginnt zu schießen. Im entstandenen Chaos mit vielen Toten kann Tarek unerkannt entkommen. Doch einige Zeit später gerät er in eine Straßenkontrolle. Während sein Ausweis überprüft wird, kommt es zu einer Explosion. Tarek will davonlaufen, wird aber von einem Soldaten angeschossen und schwer verletzt. In dem durch eine zweite Explosion entstehenden Durcheinander gelingt ihm dennoch die Flucht in ein katholisches Nonnenkloster, in dem seine Wunden versorgt werden. Danach macht er sich auf den Weg in seine Heimatstadt Sabastia, gerät aber erneut in eine Straßenkontrolle. Die Soldaten entdecken Blut an ihm und kurzerhand wird Tarek festgenommen. Zehn Jahre später wird er aus dem Gefängnis entlassen. In einem vollkommen veränderten Palästina macht er sich auf die Suche nach seiner Tochter …

Di, 29. Nov · 23:15-00:15 · RBB
Ein Jude, der Deutschland liebte – Das Tagebuch des Willy Cohn

„Es ist trotz all dem sehr schwer, sich die Liebe zu Deutschland ganz aus dem Herzen zu reißen“, schreibt Willy Cohn Anfang 1933. Der Historiker ahnt, was auf die Juden zukommt – und kann sich dennoch nicht von dem Land trennen, „dessen Sprache wir reden und dessen gute Tage wir auch miterlebt haben!“. Er wird mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern im November 1941 in Kaunas, Litauen, erschossen. Sie gehören zu den ersten Opfern der systematischen Mordaktionen der Nazis. Sein Tagebuch hatte er in Sicherheit gebracht. Die Veröffentlichung des Tagebuchs („Kein Recht, nirgends“) war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1.200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die zunehmende Marter der Juden, die seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten „in einer Mausefalle“ saßen: Willy Cohn beschreibt auch die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in „Erez Israel“ vorstellen konnte. Als der Entschluss fiel auszuwandern, war es zu spät. Seine drei ältesten Kinder Louis „Wölfl“, Ernst und Ruth hatte Willy Cohn noch rechtzeitig nach Frankreich und Palästina geschickt. So überlebten sie. Autorin Petra Lidschreiber hat die drei filmisch begleitet: Nach Wroclaw, das Louis Wölfl zum ersten Mal seit 74 Jahren besucht, und nach Israel. Ein anrührender filmischer Dialog zwischen den Kindern und ihrem ermordeten Vater entsteht: Warum kehrte Willy Cohn wieder zurück, als er 1937 mit seiner Frau den Sohn Ernst in Palästina besuchte? Warum zögerte er, die deutsche Heimat zu verlassen? Tochter Ruths Stimme versagt, als sie sich erinnert: „Es hätte so nicht enden müssen …!“ Drei Jahre vor seinem Tod hatte Willy Cohn notiert: „Meine Hoffnung ist, dass meine Kinder meinen Namen in meinem Sinne fortsetzen werden …“ Am Ende des Films versammelt sich eine Vier-Generationen-Familie zu einem Gruppenfoto. Sie haben Willy Cohns Wunsch wahr gemacht.

Di, 29. Nov · 23:50-00:50 · BR
Tahrib – Die unendliche Reise

Das transmediale Dokumentarfilm-Projekt „Tahrib – Die unendliche Reise“ beginnt als TV-Film mit Flüchtlingen in Ostafrika und geht im Online-Teil auf die Angekommenen, besonders in Deutschland, ein. In individuellen User-Journeys, die teilweise auf Social Media beginnen und alle auf eine projektübergreifende Website führen, kann man den Ideen von Einzelnen folgen, die jeweils ihre persönliche These formulieren, wie die Flüchtlingskrise in Deutschland zu meistern sei. Deutschland, 2016: Nach dem sogenannten Fluchtsommer ist eine Art von Fluchternüchterung eingetreten. Deutschland sieht sich einem Alltag gegenüber, in dem es weniger um offene Arme, als vielmehr um realistische Lösungen geht. Wir begegnen Menschen, die wir nicht verstehen. Wir entwickeln Ressentiments, die teils vorschnell, teils unbegründet sind. Wie verhält man sich in solch einer angespannten Lage? Das transmediale Dokumentarfilm-Projekt „Tahrib – Die unendliche Reise“ beginnt als TV-Film mit Flüchtlingen in Ostafrika. In Kenia und dem Niger folgt das TV-Team Menschen, die die größten Herausforderungen – Sahara und Mittelmeer – noch vor sich haben. In Libyen werden Menschen gezeigt, die sich einer höllischen Realität hinter Gittern gegenübersehen. In Israel leben die Geflüchteten in einer Art Zwischenwelt: nicht angekommen, aber auch nicht in der Lage weiterzuziehen. Und Flüchtlinge in Istanbul, vor dem Sprung nach Europa. Der Zweifel, ob dies der richtige Weg ist, verbindet die Protagonisten. Schließlich stranden sie in Griechenland. „Tahrib – Die unendliche Reise“ endet nicht an den Außengrenzen Europas. Das Projekt geht im Online-Teil auf die Angekommenen, besonders in Deutschland, ein. „Ok, wir schaffen das, wenn …?“ ist die Ausgangsfrage, die nicht nur Politiker, Experten aus dem gemeinnützigen Bereich, sondern ganz normale Menschen und Flüchtlinge beantworten. Welche Lösungsansätze und welche Wege gibt es, mit der neuen Situation in Deutschland umzugehen? In individuellen User-Journeys, die teilweise auf Social Media beginnen und alle auf eine projektübergreifende Website führen, kann man den Ideen von Einzelnen folgen, die jeweils ihre persönliche These formulieren, wie die Flüchtlingskrise in Deutschland zu meistern sei.

Mi, 30. Nov · 23:25-00:25 · SWR
Im Biblischen Zoo von Jerusalem

Im „Biblischen Zoo“ von Jerusalem arbeiten verschiedene ethnische und religiöse Gruppen zusammen oder treffen als Besucher aufeinander. Was an vielen Orten der Welt Normalität ist, ist hier in Jerusalem, wo immer wieder Gewalt und Krieg ausbrechen, eine Ausnahme. Der Film dokumentiert den Alltag im „Biblischen Zoo“, in dem von den gesellschaftlichen und politischen Spannungen in Israel kaum etwas zu spüren ist. Ammar, muslimischer Israeli, und Shachar, Israeli jemenitischer Abstammung und jüdischen Glaubens, betreuen gemeinsam die Elefanten. Gilad ist jüdischer, Rushdi arabischer Herkunft. Die beiden sind für die Nashörner verantwortlich. Die Pflege der großen Tiere erfordert Teamarbeit, die Männer müssen sich aufeinander verlassen können. Zwischen ihnen hat sich eine freundschaftliche Beziehung entwickelt, obwohl ihre Ansichten und politischen Haltungen oft konträr sind. Vor dem Hintergrund der hierarchischen Arbeitsstrukturen im Zoo und den allseits präsenten Spannungen gelingt ihnen ein Balanceakt des Miteinanders. Jüdische, muslimische und christliche Besucher jeden Alters treffen im „Biblischen Zoo“ aufeinander. Der Ort erweist sich als ein friedlicher Treffpunkt für Menschen, die jenseits der Zoomauern getrennt voneinander in gegensätzlichen Welten leben. „Im Biblischen Zoo von Jerusalem“ erzählt von einem Ort der Begegnung in der geteilten Stadt Jerusalem. Die Regisseurin Katharina Waisburd wirft in ihrem Film die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Zusammenlebens unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gruppen auf. Ein Film auch über Freiheit und Selbstbestimmung.

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