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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Januar 2016…

Sa, 16. Jan · 16:15-17:00 · SWR BW
So isst Israel (2/3) Von den Judäischen Hügeln zum See Genezareth

* Judäische Hügel: Käseguru Shai Selzer und Yftah, der vegane Bäcker * Jüdischer Slow Food Markt im arabischen Abu Gosh * Friedensküche: jüdisch-arabisches Paar Michal und Yakub in Ein Rafa * Westjordanland: Die Israelin und die Palästinenserin von „Breaking Bread Journeys“ * Galiläa: Die Tulip Winery im „Dorf der Hoffnung“. Koscherer Spitzenwein mit Behinderten * Fladenbacken bei den Drusen von Peki`in mit Oma Jamila * Fischen auf dem See Genezareth mit Menachem * Kloster Tabgha: Pater Nikodemus und die wundersame Brotvermehrung Tom Franz hat geschafft, worum sich Deutschland seit 70 Jahren bemüht – er hat das Bild der Deutschen in Israel verändert. Nicht mit großen Reden, sondern mit Kochen. Der sympathische Rheinländer kochte sich im Fernsehen in die Herzen der Israelis und bescherte der Koch-Show „Masterchef“ mit 52 Prozent die höchste Einschaltquote der israelischen Fernsehgeschichte. „Heute“, sagte eine Jurorin, „kann man wieder an einen Deutschen denken und dabei lächeln.“ Auf seiner dreiteiligen Reise zeigt Tom Franz ein Israel der Sinnesfreuden und Geschmacksexplosionen, der kulturellen Vielfalt und religiösen Unterschiede. Was alle Israelis eint, ist die Liebe zum Essen. Die jüdische Küche entwickelte sich in zweitausend Jahren Diaspora und ist beeinflusst von den unterschiedlichen Kulturen, in denen die Juden lebten. Aus der ganzen Welt brachten die jüdischen Einwanderer ihre Spezialitäten und Traditionen mit nach Israel. Das Heilige Land wurde so kulinarisch ein Schmelztiegel: Der Geschmack Israels reicht von russisch-polnisch bis orientalisch. Wandel gehört bei Tom Franz zur Lebensroutine: Als Sohn katholischer Eltern in Erftstadt bei Köln aufgewachsen, Jurastudium mit erfolgsversprechendem Prädikatsexamen. Doch sein Herz hängt seit einem Schüleraustausch in den 80er Jahren an Israel. 2004 packt Tom Franz zum Entsetzen seiner Eltern seine Sachen, zieht nach Tel Aviv und konvertiert zum Judentum. Drei Jahre lernte der Deutsche, bis die Rabbiner ihn in ihre jüdische Gemeinde aufnahmen. Zum Judentum gehört für Tom Franz auch, koscher zu kochen und nach den Regeln der jüdischen Speisegesetze zu leben. Dass ausgerechnet ein Deutscher den Israelis ihre jüdische Esstradition wieder schmackhaft macht, scheint Teil eines völkerverbindenden Lebensweges. Der führte ihn auch zu seiner Frau Dana: Tom, der Konvertit, heiratete eine Israelin, die aus einer Familie von Holocaustüberlebenden stammt.

Sa, 16. Jan · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Claus Dieter Heinze

Dr. Claus Dieter Heinze wird 1934 auf Sumatra, einer deutschen Kolonie, geboren. Sein Vater ist dort Elektroingenieur in leitender Position. 1939, als der Krieg beginnt, folgt der Vater dem Ruf der Deutschen nach Deutschland. Er übernimmt die Elektroversorgung einer ganzen Region. Der Region, zu der auch Auschwitz gehört. Claus Dieter Heinze wächst auf mit dem Anblick der Gefangenen in gestreifter Kleidung hinter Stacheldraht. 1945 meint sein Vater: „Wenn du mal groß bist, dann geh diese Straße bis zum Ende und sieh dir an, was dort geschieht.“ Nach dem Krieg spricht er nie wieder darüber und zieht mit der Familie nach Plauen. Heinze studiert erst in Dresden, dann in Rostock, flieht 1957 in den Westen und kehrt 1990 nach Dresden zurück. 1974 ist er den Weg in Auschwitz bis zum Ende gegangen. Seitdem lassen ihn die Bilder nicht mehr los und er, der Christ, kümmert sich darum, dass die Geschichte der Juden, insbesondere die Musik jüdischer Komponisten, nicht vergessen wird. Zurück in Dresden, leitet Heinze die erste Stiftung Frauenkirche, wird Geschäftsführer des World Trade Centers und baut die Dresdner Synagoge mit auf. 2007 gründet er gemeinsam mit dem Dirigenten Michael Hurshell die Neue Jüdische Kammerphilharmonie, um die Komponisten wieder zu Gehör zu bringen, deren Werke drohen, vergessen zu werden: die jüdischen Kompositionen, 1938 als entartete Musik eingestuft. Das Repertoire des Orchesters und die kontinuierliche Aufarbeitung dieser Musik sind europaweit einzigartig. Claus Dieter Heinze hofft, dass seine Kraft noch reicht, Jahr für Jahr die Gelder zusammenzubekommen, um diese besonderen Konzerte gestalten zu können.

Sa, 16. Jan · 19:15-20:00 · ARD-alpha
Schatten über München

Wieso wird ausgerechnet München zur „Hauptstadt der Bewegung“? Wo liegen die Ursachen für den aufkommenden Nationalismus und den sich kontinuierlich ausbreitenden Antisemitismus? Welche gesellschaftliche, religiöse und vor allem politische Konstellation machen München zur Wiege des Nationalsozialismus? Fragen wie diese möchte die Filmautorin beantworten und anhand der Erlebnisse und Erinnerungen jüdischer Mitbürger die fatalen Veränderungen widerspiegeln. Bereits in den 1920er-Jahren zeichnen sich in München jene Strömungen ab, die später zum Dritten Reich und in den Zweiten Weltkrieg führen. Lange bevor Hitler in Berlin die Macht „ergreift“, findet er an der Isar den perfekten Nährboden für seine persönliche Weiterentwicklung und auch für seine „Bewegung“. Vor allem in der Zeit nach der Räterepublik und während der Weimarer Republik verändert sich das Klima in München fundamental von einer weltoffenen, liberalen Grundhaltung zu einer immer reaktionärer werdenden, konservativen Gesellschaft, die mehr und mehr nach einer starken, führenden Kraft verlangt. Reaktionäre Kräfte gewinnen mehr und mehr an Einfluss und Macht, die rechten Schlägertrupps verbreiten Angst und Schrecken. Gleichzeitig werden Hitler und seine Ideen für eine breite Schicht salonfähig. Zunehmend werden auch jüdische Mitbürger zu Ausgegrenzten und Verfolgten, darunter auch der Nobelpreisträger Richard Willstätter, der Anwalt Max Hirschberg und der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der in seinem Roman „Erfolg“ sehr eindrucksvoll schildert, wie die Stimmung im München der 1920er-Jahre kippt. Angelehnt an reale Personen und Ereignisse beschreibt Feuchtwanger die Veränderungen im jüdischen Leben in München in den Jahren vor der „Machtergreifung“.

Sa, 16. Jan · 20:15-21:45 · ARD-alpha
Mein Kampf – Programm eines Massenmörders – Thema: Neuedition von „Mein Kampf“

Hitlers Mein Kampf wurde zu einem Mythos aufgeladen. Die Urheberrechte an der Hetzschrift enden am 1. Januar 2016, 70 Jahre nach Hitlers Tod. Für die Journalistin Vivian Perkovic der Anlass, der Entstehungsgeschichte und den Inhalten des Buches nachzuspüren. Und sie fragt: Soll man sich heute noch mit diesem Buch beschäftigen? Denn viele der von Hitler verwendeten demagogischen Mittel sind zeitlos – und werden heute wieder von Rechtspopulisten in ganz Europa verwendet. Vivian Perkovic reist quer durch Deutschland und Österreich mit dem Ziel, Entstehung, Inhalt und Wirkung von „Mein Kampf“ besser zu verstehen und Hitlers Hetzschrift zu entmystifizieren. Sie trifft Experten, die sich seit Jahren mit „Mein Kampf“ beschäftigen, etwa das Historiker-Team des Instituts für Zeitgeschichte in München, das im Januar 2016 eine Neu-Edition von „Mein Kampf“, versehen mit kritischen Kommentaren und Einordnungen, herausbringen wird. Sie diskutiert mit Menschen, die dafür plädieren, das Buch müsse frei zugänglich sein und mit den Machern von „Rimini-Protokoll“, die „Mein Kampf“ auf die Theater-Bühne bringen. Umfassendes Archivmaterial ergänzt die filmische Recherche-Reise. Zunehmend offenbart sich: „Mein Kampf“ ist eine gigantische Absichtserklärung, ein politisches Programm; Judenvernichtung, Lebensraum Ost, Eugenetik – als Hitler an der Macht ist, setzt er um, was er bereits Jahre zuvor veröffentlicht hat. Und noch eine Erkenntnis trifft Vivian Perkovic: Hitlers „Mein Kampf“ sollte nicht weggesperrt werden, es muss vielmehr diskutiert, eingeordnet und erklärt werden – um den Mythos um das Buch zu entzaubern und vor allem um die demagogischen Mittel dieser Zeit besser zu verstehen. Denn auch heute noch sind sie aktuell: Das zeigen nicht zuletzt rechtspopulistische Bewegungen und das Erstarken rechtsnationaler Parteien in ganz Europa.

So, 17. Jan · 10:15-10:45 · SWR BW
Der Maler Otto Dix – Trau deinen Augen

Ein Bild wie ein Schrei: DER KRIEG. Von Künstlerhand festgehalten – das Geschehen von vor genau 100 Jahren, 1914, Erster Weltkrieg, ein Schlachtfeld irgendwo in Europa. Die Mitteltafel des Triptychons zeigt eine vollständig verwüstete Landschaft, über die Leichen und Leichenteile verstreut sind. Nur ein Soldat mit Gasmaske scheint noch am Leben zu sein. Auf dem linken Flügel sieht man eine Soldatenkolonne voll ausgerüstet durch eine nebelige Kriegslandschaft marschieren, möglicherweise in den Kampf. Auf dem rechten Flügel sind Menschen zu erkennen, die sich aus dem Kampf zurückziehen. Die beherrschende Figur dieses rechten Bilderflügels, die einem Kameraden unter die Arme greift, ist ein Selbstportät. Der hier sich selbst Porträtierte ist der Maler Otto Dix. DER KRIEG, dieses berühmteste aller Kriegsbilder, das in der Galerie Neue Meister in Dresden hängt, bekommt man nicht mehr aus dem Sinn. Otto Dix sagte von sich selbst, er sei kein Pazifist gewesen, war er doch freiwillig in den Krieg gezogen, um zu sehen, zu erleben, um Zeugnis abzulegen. Die Erfahrungen des Krieges haben ihn zum Antikriegsmaler gemacht, seine Kriegsbilder sind von einer verstörend künstlerischen Wucht. Sie rütteln auf, bis heute. Otto Dix, am 2. Dezember 1891 in Gera geboren, wurde als Maler und Grafiker mit seinem künstlerischen Schaffen zu einem herausragenden Repräsentanten der Neuen Sachlichkeit. Er lehrte bis 1933 als Professor an der Kunstakademie in Dresden und war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Sein Werk wurde von den Nazis als „entartet“ diffamiert und aus den deutschen Museen entfernt.

Mo, 18. Jan · 23:30-01:00 · Das Erste (ARD)
Vater, Mutter, Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche

Über 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus ist die Vergangenheit noch immer nicht vergangen. Bis heute gehen Kinder und Enkel auf Spurensuche und fragen sich, wie ihre Eltern und Großeltern zu Hitler und zur NS-Ideologie standen. Gehörten sie zu den Unterstützern und Anhängern des NS-Regimes? Oder waren sie vielleicht sogar Täter? Und was bedeuten die Antworten auf diese Fragen für ihr eigenes Leben heute? Die Angehörigen setzen sich dabei mit einer Seite ihrer Familiengeschichte auseinander, über die nach dem Krieg zu oft geschwiegen wurde – und lernen ihre Eltern und Großeltern dabei auch von einer manchmal verstörenden Seite kennen. Sie erfahren, welche Hoffnungen diese mit der Machtübernahme Hitlers verbanden, welche Lebensentwürfe sie verfolgten und wie sich ihr Leben unter Hitler veränderte. Sie erfahren aber auch, wie diese Lebensträume an Hitlers Politik zerbrachen – und manche müssen damit leben, dass Familienmitglieder zu den Tätern gehörten. Der Film erzählt, was die Angehörigen von vier ganz unterschiedlichen Menschen bei ihrer Spurensuche herausgefunden haben. Als Quelle dienen ihnen die Tagebücher ihrer Eltern oder Großeltern, in denen diese ihre Gedanken, Ansichten und politischen Überzeugungen festgehalten haben. Diese einzigartigen Zeugnisse sind unmittelbar unter dem Eindruck der historischen Ereignisse geschrieben und geben somit die Überzeugungen ihrer Verfasser unverfälscht und unbeeinflusst von den späteren politischen Entwicklungen wieder. In aufwendigen Spielszenen rekonstruiert der Film das Leben der vier Protagonisten zwischen 1933 und 1945: Felix Landau, Wilm Hosenfeld, Luise Solmitz und Ida Timmer. In Interviews kommentieren und ergänzen deren Kinder und Enkel die Spielszenen und lassen deutlich werden, wie stark sie die Fragen von Schuld und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus noch heute beschäftigen. Teja-Udo Landau, geboren 1944, erfuhr erst spät, was sein Vater Felix Landau in der NS-Zeit getan hat. Durch das Tagebuch fand er heraus: Sein Vater war 1941 an Erschießungen von Juden in der Ukraine beteiligt. Im damals polnischen Drohobycz führte er als selbst ernannter „Judengeneral“ ein Schreckensregiment und tötete dort weitere Menschen. Das Tagebuch Felix Landaus, in dem er seine Schreckenstaten festhielt, ist ein einzigartiges, erschütterndes Dokument, das seinen Sohn Teja-Udo bis heute verstört. Für diesen Film gibt er zum ersten Mal ein ausführliches Interview: „Es hat eine Weile gedauert, dass ich mit mir ins Reine gekommen bin und mir gesagt hab, okay, du bist wohl der Sohn deines Vaters, aber das heißt noch lange nicht, dass du so sein musst wie er.“ Wilm Hosenfeld ist bekannt geworden als der Wehrmachtsoffizier, der während der deutschen Besetzung Warschaus den jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman vor dem Tod rettete. Roman Polanskis Film „Der Pianist“ machte ihn weltweit berühmt. Ein Held? Was bisher wenig bekannt war: Fasziniert von Hitler und den Nationalsozialisten besuchte Hosenfeld die Reichsparteitage, trat in die SA ein und wird als Besatzungssoldat in Polen vom Feldwebel zum Hauptmann befördert. Wie passt das zusammen? Das fragen sich seine Kinder Jorinde und Detlev, seit sie zum ersten Mal seine Aufzeichnungen lasen: „Ich glaube, der Vater konnte sich dieser Massenhysterie nicht entziehen, aber er hat doch die große Gefahr des Krieges gesehen.“ Auch die Hamburgerin Luise Solmitz ist 1933 glühende Hitleranhängerin. Sie erhofft sich nach Jahren gewaltsamer politischer Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik vor allem politische Stabilität. Aber da ihr Mann, Fredy Solmitz, der im Ersten Weltkrieg als Offizier für Deutschland gekämpft hatte, jüdischer Abstammung ist, wird die Familie ausgegrenzt und verfolgt – ein Schicksal, das ihren Enkel Robert Salkind noch heute tief berührt: „Es war ein Schock, als ich begriffen habe, wie es ihr ergangen ist.“ Ida Timmer aus Solingen begrüßt Hitlers Machtübernahme. Als junges Mädchen imponiert ihr, wie das NS-Regime die Jugend umwirbt und Arbeit und soziale Sicherheit verspricht. Sie will heiraten und Kinder kriegen. Doch ihr Lebensentwurf scheitert an Hitlers Kriegspolitik, ihre Träume platzen. Ihre Töchter beklagen das Schweigen der Mutter nach dem Krieg: „Dass sie sich mir gegenüber nicht geöffnet hat, das kann ich nicht verstehen. Warum? Warum?“ Mit Spielszenen, Interviews und der Einordnung historischer Ereignisse mit Hilfe von Archivmaterial zeichnet der Film ein authentisches Bild des Alltagslebens in Deutschland während der NS-Herrschaft und dokumentiert, wie die Ereignisse von damals noch heute das Leben der Nachfahren beeinflussen.

Mo, 18. Jan · 23:40-00:25 · BR
Verbrechen Liebe – Von polnischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen

„Ich habe ihn geliebt“, sagt Helene Wimmer aus Niederbayern über Kazimierz Rafalski, einen polnischen Zwangsarbeiter. Polen waren Slawen und für die Nazis rassisch minderwertig. Als Folge solcher Liebesbeziehungen wurden die Frauen fast immer in das Frauen-KZ Ravensbrück verschleppt. Die meist polnischen Männer kamen entweder ins KZ oder wurden in der Nähe der Dörfer erhängt, in denen sie gearbeitet hatten. BR-Autor Thomas Muggenthaler hat im Staatsarchiv Amberg einen Akt gefunden, der allein in Niederbayern und der Oberpfalz 22 Hinrichtungen dokumentiert. Ein düsteres Kapitel des Dritten Reiches, das bisher wenig erforscht ist. In der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ist eine Fotoserie zu sehen, die  eine solche Exekution dokumentiert. Filmautor Thomas Muggenthaler hat nachgewiesen, dass diese Bilder Julian Majka zeigen, der in Michelsneukirchen im Landkreis Cham am 18. April 1941 hingerichtet wurde – wegen seiner Liebe zu einem Mädchen aus dem Dorf. Der Filmautor begibt sich auf die Spuren des Polen Julian Majka. Maria Heinlein aus Schönberg im Bayerischen Wald lernte ihren Vater, den polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Kuzma, der in einem KZ verschollen ist, nie kennen. Sie ist eines der Kinder aus diesen Beziehungen, die nun ihr Schweigen brechen. Es gab auch Polen, die das „Glück“ hatten, den Rasseexperten der Nazis zu gefallen. Nach rassischer Begutachtung kamen diese sogenannten „E-Polen“ in das KZ Hinzert bei Trier. Dort sollten sie sich „charakterlich“ bewähren. Nur wenige wurden am Ende „eingedeutscht“ und durften die deutschen Frauen heiraten.

Di, 19. Jan · 23:30-00:50 · RBB Berlin
Hitlers Polizei

In der Weimarer Republik ist die Polizei als „Freund und Helfer“ bekannt. Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden uniformierte Polizei und Kriminalpolizei zum Feind und Alptraum aller, die nicht in das neue Weltbild passen. Die deutsche Polizei pflegte lange – zu unrecht – den Ruf, während der NS-Zeit frei von Schuld geblieben und nicht in verbrecherische Machenschaften verstrickt gewesen zu sein. Schnell beginnt die Jagd auf politische Gegner, vor allem auf Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale und Demokraten. Die Polizeiarbeit richtet sich aber auch gegen diejenigen, die ideologisch nicht in die „Volksgemeinschaft“ gehören: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte und sogenannte Arbeitsscheue und Asoziale. Mit Kriegsbeginn 1939 vergrößert sich das Arbeitsgebiet der deutschen Polizei. Polizeibataillone sollen für „Recht und Ordnung“ in den besetzten Gebieten sorgen, Polizisten sind in allen Gruppierungen der „Ordnungskräfte“ hinter den Fronten vertreten. Ihre Aufgaben reichen vom einfachen Polizeidienst bis hin zur aktiven Beteiligung am Massenmord und der sogenannten Partisanenbekämpfung. Nach dem verlorenen Krieg vollzieht die Polizei den Übergang in die neue Demokratie ähnlich schnell und problemlos wie den Übergang von der Weimarer Republik zum nationalsozialistischen Regime. Nur wenige Polizisten müssen sich für ihre Taten verantworten. In den Nürnberger Prozessen wird lediglich die Gestapo als verbrecherische Organisation definiert und verurteilt.

Mi, 20. Jan · 11:30-12:00 · 3sat
Der Imam von Bern

„Die Kernbotschaft des Islam ist das friedliche Zusammenleben der Menschen“, sagt Mustafa Memeti. Er kämpft gegen Extremismus und für den Dialog zwischen den Religionen. Mustafa Memeti ist Imam des Muslimischen Vereins Bern und Präsident des Albanisch Islamischen Verbandes Schweiz. Er steht für einen modernen Islam und ist darum in der Politik und bei den Medien gleichermaßen beliebt. Die „SonntagsZeitung“ kürte den albanisch-stämmigen gebürtigen Serben, der 2005 in der Schweiz eingebürgert wurde, zum „Schweizer des Jahres 2014“. Für viele konservative Musliminnen und Muslime ist Memeti indes ein rotes Tuch. Er bekommt regelmäßig Drohbriefe. Im Herbst 2014 wurde gar seine Moschee verwüstet. Memeti gibt sich unbeeindruckt – und engagiert sich weiter, zum Beispiel im Haus der Religionen am Berner Europaplatz. Dort steht er neu der kürzlich eröffneten Moschee vor und predigt fortan Tür an Tür mit Christen, Juden, Hindus und Buddhisten. Reporter Simon Christen hat Mustafa Memeti unter anderem in die Berner Strafanstalt Thorberg begleitet, wo dieser als Gefängnisseelsorger arbeitet. Der Berner Strafvollzug habe sich für eine Zusammenarbeit mit Memeti entschieden, weil dieser mithelfen solle, Radikalisierungstendenzen hinter Gefängnismauern entgegenzuwirken, sagt Thorberg-Direktor Thomas Egger. Bleibt die Frage: Wo hat Memetis Toleranz Grenzen? „Reporter“ liefert unerwartete Antworten.

Mi, 20. Jan · 20:15-21:00 · ZDFkultur
Kunst und Verbrechen (1/4) Alles wegen Wally

Das Porträt „Wally“ von Egon Schiele wurde geliebt, geraubt und versteckt. Museen und Privateigentümer kämpfen seit 70 Jahren um die blauäugige Schönheit. Zwei Staaten sind in den Kampf um NS-Raubkunst verwickelt. Es entwickelte sich ein Kunstkrimi über die Grenzen von Recht und Moral. Ende 1997 entdeckt eine jüdische Familie ein Schiele-Gemälde, das einst ihrer Tante gehörte, im New Yorker Museum of Modern Art. Von den Nazis konfisziert, war das „Porträt der Wally“ jahrzehntelang verschollen. Als die Erben es zurückfordern, beginnt ein historischer Streit um das Gemälde. Staatsanwaltschaften sind involviert, große Kunstinstitutionen, Gesetze werden geschaffen. Schieles Gemälde der blauäugigen Schönheit Walburga Neuzil wird zum Symbol des Rechtsstreits um die NS-Raubkunst. Der Film zeichnet die Odyssee des in der Nazizeit gestohlenen Egon-Schiele-Bildes nach und zeigt Bezüge zu spektakulären Fällen wie dem Gurlitt-Fund. Es geht um privates Leid, mühsame Fahndung in Archiven und Spurensuche in unterirdischen Tunnels. Die komplexe Forschungsarbeit von Kunsthistorikern ist ebenso Thema, wie Millionendeals auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt. Hinter alldem steht die Frage, wie angesichts des schmutzigen Erbes der NS-Zeit Gerechtigkeit überhaupt hergestellt werden kann.

Do, 21. Jan · 01:10-02:05 · Einsfestival
Sex around the World, 13/24 Israel

Die Doku-Serie ‚Sex around the World‘ lädt ein zum Entdecken von Sex und Liebe. Mal verrucht, mal verspielt, aber immer neugierig begiebt sich Philippe Desrosiers auf eine überraschende Entdeckungsreise um die ganze Welt. Wie funktionieren Beziehungen zwischen Mann und Frau in unterschiedlichen Ländern? Wie steht es um unterschiedliche sexuelle Praktiken? Was einerorts sozial akzeptiert ist, wird woanders unterdrückt oder gar bestraft. Tabus, Gewohnheiten, Unterschiede zwischen den Ländern der Welt und dem Sexleben ihrer Bewohner werden unter die Lupe genommen – ohne dabei einen voyeuristischen Blick einzunehmen.

Do, 21. Jan · 05:10-06:30 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Do, 21. Jan · 22:35-23:03 · MDR Sachsen
Laufen bis zum Umfallen – Die Schuhtester von Sachsenhausen

Im Konzentrationslager Sachsenhausen mussten Häftlinge auf einer speziell angelegten sogenannten „Schuhprüfstrecke“ deutsches Schuhwerk testen. Sie wurden gezwungen, bis zu 48 Kilometer am Tag auf der 700 Meter langen Strecke zurückzulegen, die abwechselnd mit Split, Schotter, Lehm und Schlacke ausgelegt war. Das „Schuhläuferkommando“ war als Strafkommando unter Häftlingen besonders gefürchtet. Hunderte starben hier aus Erschöpfung oder durch Folter der brutalen SS-Wachmannschaften. Aber die Schuhindustrie profitierte davon. Wie die Historikerin Anne Sudrow aufgedeckt hat, diente die „Schuhprüfstrecke“ fast der gesamten damaligen Schuhindustrie und ihren Zulieferfirmen dazu, ihre Produkte preiswert zu testen und weiterzuentwickeln. Darunter sind auch Firmen, die bis heute erfolgreich sind. Materialien und Verarbeitungsformen, die zum Teil immer noch Verwendung finden, wurden maßgeblich durch brutale Menschenversuche im KZ Sachsenhausen entwickelt. Die Testreihen auf der „Schuhprüfstrecke“ sind die einzigen Humanexperimente im KZ, die nicht medizinischen, biowissenschaftlichen oder biochemischen Zwecken dienten, sondern vornehmlich der Wirtschaft. Heute leben noch fünf Zeitzeugen dieser menschenverachtenden Experimente. Einer von ihnen ist der 93-jährige Joop Snep. Er kam ins KZ, weil er Juden zur Flucht verhalf. Anlässlich der offiziellen Feier zum 70. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des KZ kommt er noch einmal nach Sachsenhausen. Wie hat er die damaligen Torturen verarbeitet? Wie geht er mit seinen Erinnerungen um? Empfindet er Wut oder gar Hass? Die Filmemacherinnen fragen auch bei deutschen Unternehmen nach, deren Vorgängerfirmen ihre Produkte im KZ testen ließen. Sehen sie sich in der Verantwortung?

Sa, 23. Jan · 06:45-07:15 · SWR BW
Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Drei Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Sa, 23. Jan · 07:15-07:45 · SWR BW
Mein Himmel ist voller Musik

Ella Milch-Sheriff wuchs in Israel mit dem Schweigen ihres Vaters auf. Erst als sie sein Tagebuch liest, erfährt sie von seinem grausamen Geheimnis. „Der Himmel ist leer“ hatte der verzweifelte Baruch Milch in sein Tagebuch gekritzelt, 1942, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. In Israel gründete er eine neue Familie. Aber er sprach nicht über das, was geschehen war. Seine Tochter Ella wuchs mit seinem Schweigen und der vermeintlichen Kälte der Eltern auf, die sie nicht verstand, bis Dr. Milch seiner 13-jährigen Tochter sein Tagebuch in die Hand drückte. Mit der Oper „Baruchs Schweigen“ hat Ella Milch-Sheriff seine Geschichte und ihre Kindheit verwoben und in Musik übersetzt.

Sa, 23. Jan · 16:15-17:00 · SWR BW
So isst Israel (3/3) Von Galiläa nach Tel Aviv

* Galiläa: Uri Buri, der Fischkoch von Akko * Erez Kamorovsky: Vater der „New Israeli Cuisine“ an der libanesischen Grenze * Tel Aviv: Streetfood bei Dr. Shakshuka * Mit Kochpapst Haim Cohen auf den Spuren seiner Kindheit in Jaffa * Koscheres Shabbatessen to go: Die ultraorthodoxe Welt von Bnei Brak * Mit Gil Hovav, dem Enkel von Eliezer Ben-Yehuda beim Äthiopier Itzak * Kreativstar Meir Adoni im Bauhausviertel * Tanz auf dem Vulkan: Finale mit Eyal Shani im „HaSalon“ Tom Franz hat geschafft, worum sich Deutschland seit 70 Jahren bemüht – er hat das Bild der Deutschen in Israel verändert. Nicht mit großen Reden, sondern mit Kochen. Der sympathische Rheinländer kochte sich im Fernsehen in die Herzen der Israelis und bescherte der Koch-Show „Masterchef“ mit 52 Prozent die höchste Einschaltquote der israelischen Fernsehgeschichte. „Heute“, sagte eine Jurorin, „kann man wieder an einen Deutschen denken und dabei lächeln.“ Auf seiner dreiteiligen Reise zeigt Tom Franz ein Israel der Sinnesfreuden und Geschmacksexplosionen, der kulturellen Vielfalt und religiösen Unterschiede. Was alle Israelis eint, ist die Liebe zum Essen. Die jüdische Küche entwickelte sich in zweitausend Jahren Diaspora und ist beeinflusst von den unterschiedlichen Kulturen, in denen die Juden lebten. Aus der ganzen Welt brachten die jüdischen Einwanderer ihre Spezialitäten und Traditionen mit nach Israel. Das Heilige Land wurde so kulinarisch ein Schmelztiegel: Der Geschmack Israels reicht von russisch-polnisch bis orientalisch. Wandel gehört bei Tom Franz zur Lebensroutine: Als Sohn katholischer Eltern in Erftstadt bei Köln aufgewachsen, Jurastudium mit erfolgsversprechendem Prädikatsexamen. Doch sein Herz hängt seit einem Schüleraustausch in den 80er Jahren an Israel. 2004 packt Tom Franz zum Entsetzen seiner Eltern seine Sachen, zieht nach Tel Aviv und konvertiert zum Judentum. Drei Jahre lernte der Deutsche, bis die Rabbiner ihn in ihre jüdische Gemeinde aufnahmen. Zum Judentum gehört für Tom Franz auch, koscher zu kochen und nach den Regeln der jüdischen Speisegesetze zu leben. Dass ausgerechnet ein Deutscher den Israelis ihre jüdische Esstradition wieder schmackhaft macht, scheint Teil eines völkerverbindenden Lebensweges. Der führte ihn auch zu seiner Frau Dana: Tom, der Konvertit, heiratete eine Israelin, die aus einer Familie von Holocaustüberlebenden stammt.

Sa, 23. Jan · 20:15-21:50 · BR
Das große Geheimnis

Die Niederlande, im Sommer 1943: Die beiden Jungs Tuur und Lambert leben in einem kleinen Dorf in Süd-Limburg nahe der belgischen Grenze. Von klein auf sind sie unzertrennlich. Doch in diesem Sommer verändert der Zweite Weltkrieg alles. Tuurs Eltern sind gegen die Deutschen und sympathisieren mit dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung, Lamberts Eltern dagegen sind Mitglieder der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung. Aber nicht nur die politischen Gegensätze der Familien stellen die Freundschaft der Jungen vor Probleme. Denn die neue Klassenkameradin Maartje freundet sich mit Tuur an. Als der eifersüchtige Lambert seinem Vater von einem Ferkel erzählt, das Bauern auf der Farm verstecken, wo auch Maartje untergekommen ist, ahnt er nicht, dass er damit die Aufmerksamkeit auf Maartje lenkt, die ein großes Geheimnis bewahrt. Denn das Mädchen ist Jüdin. Wenn ihre wahre Identität entdeckt wird, dann droht ihr die Deportation und damit der sichere Tod.

Sa, 23. Jan · 23:20-01:05 · RBB Berlin
Hannah Arendt

Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr wegzudenken. Als die jüdische Philosophin Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat. Im Auftrag der Zeitung „The New Yorker“ reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Als sie 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen, und ist zunächst irritiert. Die geistlose Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie mit dem Titel „Eichmann in Jerusalem“, deren provozierende These von der „Banalität des Bösen“ für weltweite Empörung sorgt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet und angefeindet. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Sie bleibt konsequent bei ihrer Haltung, kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt aber auch zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen).

Mo, 25. Jan · 00:20-01:40 · ZDF
Mit dem Mut der Verzweiflung

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz schildert die 80-minütige szenische Dokumentation das Schicksal von Menschen, die in der Hölle der Mordfabrik Mut bewiesen. Nur wenige überlebten durch glückliche Umstände. Hugo Egon Balder ist in dieser Dokumentation nicht nur Erzähler seiner Familiengeschichte, er verbindet die geschilderten Schicksale mit Gedanken, die ihn auf der Suche nach den Spuren der Vergangenheit bewegten. Gerda Leyserson ist die Mutter von Hugo Egon Balder. Sie und sein Halbbruder Peter verdanken ihr Überleben einer Fügung des Schicksals. Bei der Deportation aus Berlin werden die beiden zunächst in einen Zug nach Auschwitz gepfercht. Doch beim Kontrollieren der Namenslisten stellen die SS-Schergen fest, dass eine Namensvetterin für diesen Transport vorgesehen war. Beide werden aus dem Zug geholt und ins Lager Theresienstadt gebracht. Familienvater Walter Leyserson wird in Auschwitz ermordet. Witold Pilecki ist ein Offizier der polnischen Untergrundarmee. Er lässt sich 1940 freiwillig von den Deutschen festnehmen, um in der Todesfabrik Widerstand zu organisieren und Informationen über die Vorgänge in Auschwitz aus dem Lager zu schmuggeln. „Er hat uns immer gesagt: Wenn du etwas beginnst, dann tue es gut und bringe es zu Ende“, erinnert sich der Sohn an die Haltung seines Vaters. Fredy Hirsch wächst als jüdischer Deutscher in Aachen auf. 1935 flieht er vor den Repressalien der Nazis nach Prag. Dort arbeitet er in der zionistischen Jugendbewegung, doch im März 1939 holen ihn seine Verfolger wieder ein. In den Lagern Theresienstadt und Auschwitz wird er als mutiger Beschützer zum Hoffnungsbringer vieler Kinder: „Ihm verdanke ich, dass ich noch lebe. Nicht nur ich, alle aus dem Kinderblock verdanken ihm ihr Leben“, sagt Yehuda Bacon, der heute als Maler in Israel lebt. Itzhack Birnhack und Rena Ferber lernen sich in einem NS-Lager bei Krakau kennen. Als das Lager aufgelöst wird, hat das junge Liebespaar das Glück, auf Oskar Schindlers Liste zu geraten. Doch der Zug mit den Frauen wird fehlgeleitet – nach Auschwitz. „Ich habe immer gesagt: Ich will leben! Selbst in den schlimmsten Zeiten. Ich will leben!“, erinnert sich Rena. Hans Frankenthal wird als 17-Jähriger Opfer der Judenverfolgung. Er durchleidet Zwangsarbeit, Konzentrationslager und Todesmärsche, bevor er nach der Befreiung als einer der wenigen Überlebenden in sein Heimatdorf im Sauerland zurückkehrt. Sein letztes Interview ist auch ein persönliches Vermächtnis: „Ich liebe Deutschland, ich liebe dieses Land. Es muss nur aufgepasst werden, dass dieses Land nicht wieder Dummheiten macht. Es ist zu verhindern. Glauben Sie mir.“

Mo, 25. Jan · 12:00-13:15 · BR
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – Veranstaltung des Bayerischen Landtags live aus Hersbruck

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes: Millionen Menschen wurden entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit – Bundespräsident Roman Herzog führte diesen Tag im Jahr 1996 als zentralen Gedenktag ein. Der Bayerische Landtag gedenkt der Opfer des Nazi-Terrors dieses Jahr am 25. Januar in der Mehrzweckhalle des Kinderkompetenzzentrums nahe der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Hersbruck. Moderation: Kirsten Girschick Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes: Millionen Menschen wurden entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit – Bundespräsident Roman Herzog führte diesen Tag im Jahr 1996 als zentralen Gedenktag ein. Der Bayerische Landtag gedenkt der Opfer des Nazi-Terrors dieses Jahr am 25. Januar in der Mehrzweckhalle des Kinderkompetenzzentrums nahe der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Hersbruck. Es sprechen die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, der Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, Karl Freller, und der Sohn eines Hersbrucker KZ-Opfers, Pierre Diederichs. Geplant ist außerdem der Auftritt von Vittore Brocchetta. Der 97-jährige italienische Künstler überlebte die KZ-Haft in Flossenbürg und Hersbruck. Es musizieren die Schüler und Schülerinnen der Grete-Schickedanz-Mittelschule und der Johannes-Scharrer-Realschule. Die ehemalige Klasse der Richard-Glimpel-Schule und des Sonderpädagogischen Förderzentrume Lauf / Hersbruck stellen ihr Projekt „Teresio Olivelli“ vor. Mit einem Bühnenstück von Schülern des Paul-Pfinzing-Gymnasiums endet der Gedenkakt.

Mo, 25. Jan · 20:15-21:50 · Einsfestival
A Serious Man

Amerika, 1967. Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) lebt mit seiner Familie in einer bürgerlichen Vorortsiedlung im amerikanischen Mittelwesten: eine Einöde aus uniformen Einfamilienhäusern, menschenleeren, betongrauen Straßen und akkurat gestutzten Rasenflächen. Er ist ein respektiertes Mitglied der Jüdischen Gemeinde und als Physik-Professor am örtlichen College tätig. Aber der Anschein gepflegter Biederkeit trügt: Larry Gopniks Leben gleicht in jeder Hinsicht einem Katastrophengebiet. Seine Frau Judith (Sari Wagner Lennick) will sich für einen anderen Mann (Fred Melamed) von ihm scheiden lassen und sein pubertierender Sohn Danny (Aaron Wolff) interessiert sich ausschließlich für den nächsten Joint und den störungsfreien Empfang seiner Lieblingsserie. Töchterchen Sarah (Jessica McManus) denkt an die Finanzierung ihrer Nasen-OP und verschwindet allabendlich in der Disco. Damit nicht genug, hat sich Larrys arbeitsloser Bruder Arthur (Richard Kind), der wegen illegalen Glücksspiels von der Polizei gesucht wird, auf der Familiencouch eingenistet. Larrys aggressiver Nachbar (Peter Breitmayer) nimmt ungefragt einen Teil seines Grundstücks in Beschlag und ein Student (David Kang) will ihn für eine bessere Note bestechen. Dessen Vater (Steve Park) wiederum droht mit einer Anzeige wegen Rufmords, sollte Gopnik die Sache publik machen. Zur gleichen Zeit wird Larrys Beförderung am College durch anonyme Verleumdungsbriefe gefährdet. In seiner Verzweiflung sucht der arme Kerl Hilfe bei verschiedenen Rabbinern. Doch deren Ratschläge geben ihm nur noch mehr Rätsel auf. Fast scheint es, als würde Gott höchstpersönlich ihn auf die Probe stellen.

Mo, 25. Jan · 23:40-00:25 · BR
„Nie wieder!“ – Das NS-Dokumentationszentrum München

70 Jahre nach Kriegsende bekommt München ein Dokumentationszentrum, das die Geschichte der Stadt als „Hauptstadt der Bewegung“ bezeugt, es wurde am 30. April 2015 eröffnet. Andrea Mocellin schildert in ihrem Film die Erwartungen an das neue Zentrum und sein Konzept als Erinnerungs- und Aufklärungs-Ort. Am 30. April 2015 wurde das NS-Dokumentationszentrum eröffnet, genau an dem Tag, an dem 70 Jahre zuvor die Amerikaner München befreiten. Andrea Mocellin schildert in ihrem Film die Erwartungen an das neue Zentrum und sein Konzept als Erinnerungs- und Aufklärungs-Ort. Es geht um das wohl dunkelste Kapitel Münchens. Genau zwischen zwei ehemaligen Nazi-Bauwerken, dem sogenannten Führerbau und dem NSDAP-Verwaltungsgebäude, ist das neue Dokumentationszentrum prominent platziert. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Es befand sich dort einst das im Krieg zerstörte „Braune Haus“, die NSDAP-Parteizentrale. Rund um den Königsplatz war das ideologische Zentrum der Nazidiktatur entstanden, 50 Gebäude mit fast 6.000 Mitarbeitern des Partei- und Terrorapparates. Im Film äußern sich Theo Waigel, Hans-Jochen Vogel, Charlotte Knobloch, der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer und weitere Zeitzeugen. Ergänzt werden diese Erzählungen mit Originalaufnahmen und eindrucksvollen Luftbildern von der Münchner Innenstadt und dem Königsplatz.

Mo, 25. Jan · 23:45-01:30 · NDR Hamburg
Die verlorene Zeit

In dem sensiblen Holocaust-Drama „Die verlorene Zeit“ wird die Lebens- und Liebesgeschichte der Jüdin Hanna und des Polen Tomasz erzählt. Den beiden gelingt es, während des zweiten Weltkriegs aus Auschwitz-Birkenau zu fliehen. Auf ihrer langen Flucht werden sie getrennt, danach glauben sie sich gegenseitig für tot. Anfang der 1970er Jahre erkennt Hanna Tomasz‘ Gesicht zufällig in einem Fernsehinterview wieder und setzt alles daran, ihn ausfindig zu machen. Auschwitz Birkenau 1944: Tomasz Limanowski, Katholik und politischer Auschwitzhäftling liebt die Jüdin Hanna Silberstein. Die beiden arbeiten in der Lager-Bäckerei und schaffen es, sich immer wieder dank Bestechung für ein Rendezvous zu treffen. Hanna wird schwanger und Tomasz ist klar, dass etwas geschehen muss. Er freundet sich mit Kryzstof aus der Kleiderkammer an und bald hat er aus alten Uniformresten eine deutsche Offiziersuniform geschneidert. Als Offizier verkleidet holt er Hanna als „Gefangene“ aus dem Lager, um sie zu „verhören“. New York, Bronx, in den 1970er Jahren: Hanna hat überlebt. Sie ist mit einem Psychiater verheiratet und hat eine Tochter. Eines Tages sieht sie durch Zufall in einer Fernsehdokumentation ein Interview mit dem mittlerweile 50-jährigen Tomasz, der von ihrer Liebe in Auschwitz erzählt. Sie nimmt Kontakt mit dem Suchdienst des Roten Kreuzes auf. Zurück im Jahr 1944: Die Flucht von Tomasz und Hanna gelingt. Sie schaffen es, sich zu Tomasz Familiengut durchzuschlagen. Dort residieren die Nazis, aber Tomasz trifft den alten Stallmeister und schließlich seine Mutter Stefania. Die ist überglücklich, den Sohn wiederzusehen, aber entsetzt darüber, dass er die Jüdin Hanna mitgebracht hat. Tomasz Bruder Czeslaw ist bei der nationalen, polnischen Untergrundarmee. Hanna erleidet eine Fehlgeburt und Tomasz muss derweil seinen Bruder im Untergrund treffen. Hanna flieht vor der antisemitischen Mutter der beiden Brüder und kommt bei Czeslaws Ehefrau Magda auf einem Bauernhof unter. Warschau wird in Schutt und Asche gelegt und hunderttausende Soldaten der polnischen Nationalarmee werden getötet. Czeslaw überlebt, kann seinen Bruder nicht finden und kehrt schließlich zu Magda und Hanna zurück. Hanna, die glaubt, dass Tomasz in Warschau umgekommen ist, zieht Richtung Westen und wird von einem Rot-Kreuz-Konvoi gefunden. Aber Tomasz hat überlebt und kehrt aus Warschau zurück. Stefania belügt Tomasz und sagt, dass Hanna tot sei. Zurück in die 1970er Jahre: Tomasz lebt mit seiner Tochter in einer polnischen Kleinstadt. Das Leben und der repressive polnische Politapparat setzen ihm zu. Da klingelt das Telefon, es ist Hanna. Tomasz erkennt sie sofort wieder und ist erschüttert. Sie verabreden einen Besuch …

Mo, 25. Jan · 23:55-01:35 · MDR Sachsen
Ehe im Schatten

Der Film erzählt vom Schicksal des bekannten Bühnen- und Filmschauspielers Joachim Gottschalk. Seine Frau war Jüdin. Die Nazis verlangten von ihm die Scheidung. In dieser ausweglosen Lage wählten beide für sich und ihren Sohn den Freitod. Der Film variiert diese wahre Geschichte und konfrontiert die deutschen Zuschauer erstmals nach dem Krieg mit dem Thema Antisemitismus. Am 3. Oktober 1947 hat der Film „Ehe im Schatten“ gleichzeitig in allen vier Sektoren Berlins seine Premiere. Der erste Spielfilm des jungen Regisseurs Kurt Maetzig ist in jener Zeit ein Politikum. International erreicht er ein Millionenpublikum. Auch das Tribunal der Nürnberger Prozesse schaut ihn sich an. Heute wird „Ehe im Schatten“ uneingeschränkt zu den Klassikern des deutschen Nachkriegsfilms gezählt.

Di, 26. Jan · 20:15-21:45 · 3sat
Landauer – Der Präsident

Kurt Landauer, ehemaliger Spieler und Präsident des FC Bayern, ist eigentlich nur auf der Durchreise, auf dem Weg in seine neue Heimat Amerika. Doch dann kommt alles ganz anders. Als „bayerischer Jude“ war er 1933 vom Präsidentenamt verdrängt, ins KZ Dachau verschleppt und ins Schweizer Exil getrieben worden. Nun will er sich in der amerikanischen Besatzungszone ein Visum abholen und für immer in die USA ausreisen. Von seiner Familie, aber auch von seinem einstmals geliebten Club ist fast nichts mehr übrig. Und doch findet er ein letztes Familienmitglied: die langjährige Haushälterin im Haus seiner Eltern, Maria. Zwar hält er daran fest, nur solange bleiben zu wollen, bis der Papierkram mit den Amerikanern erledigt ist, doch kann der Macher Landauer nicht aus seiner Haut und wird schnell wieder zu einem wichtigen Mann des FC Bayern. Dabei herrscht Misstrauen auf beiden Seiten. Es gibt genug Mitglieder im Verein, die aus eigenen Schuldgefühlen oder nach wie vor tief sitzenden Ressentiments gegenüber dem „Juden Landauer“ ihn lieber so schnell wie möglich auf dem Dampfer nach Amerika sehen wollen. Doch Landauer setzt sich durch, bringt das Stadion in einen bespielbaren Zustand, schließt Frieden mit dem Stadtrivalen 1860 München und schafft es tatsächlich, aus jungen, ausgehungerten Männern wieder ein Team zu bilden. Landauer legt den Grundstein für einen der erfolgreichsten Fußballvereine der deutschen Nachkriegsgeschichte. Landauers Biografie ist außergewöhnlich, und doch hat bisher noch niemand sein Leben erzählt. Der Fokus des Films von Regisseur Hans Steinbichler und Produzent Michael Souvignier nach einem Buch von Dirk Kämper liegt auf einem Abschnitt der deutschen Geschichte, die ebenso wie Landauer bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Im Gegensatz zum „Dritten Reich“, dem Zweiten Weltkrieg und den wundersamen Wachstumsjahren blieb die Zeit, die unmittelbar auf den Krieg folgte, ein kaum bearbeitetes Thema des deutschen Films. Genau in dieses zerbombte und desillusionierte Deutschland kehrt Landauer zurück.

Di, 26. Jan · 22:45-00:15 · HR
Meine Tochter Anne Frank

Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Otto Frank, Annes Vater, hat als einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. Der Name Anne Frank steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit, aber auch für den frechen und schonungslosen Blick einer Heranwachsenden auf ihre Familie und ihre Umwelt. Millionen Menschen weltweit kennen ihr Tagebuch, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Jetzt liegt mit diesem Doku-Drama die erste große deutsche Verfilmung der Lebensgeschichte des Frankfurter Mädchens vor. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der beiden versteckten Familien im Hinterhaus neu. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen – und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich mehr als nur Küsse tauschte. Interviews mit den letzten noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. Der Film schaut auf einen kleinen Ausschnitt der Welt mit den Augen von Anne Frank. Durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen findet aber auch die Welt außerhalb des Verstecks bildlich Eingang in die Beschreibungen des Mädchens. In der Enge ihrer Kammer stürmen die Bilder der Zeit auf sie ein: der Einmarsch der Deutschen, die willkürlichen Verhaftungen auf der Straße, die Verschleppung der jüdischen Familien. „Meine Tochter Anne Frank“ erzählt die kurze Lebensgeschichte des jüdischen Mädchens aus Frankfurt – bildgewaltig, emotional und authentisch.

Di, 26. Jan · 23:15-23:45 · RBB Berlin
Die Püppchen aus der Auguststraße

Die Zwillinge Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Heute sind sie 85 Jahre alt. Ihre Mutter starb früh, und sie kamen ins jüdische Kinderheim. Nur knapp haben sie überlebt. Jetzt sind sie noch einmal von Israel nach Berlin Mitte gekommen und zeigen uns die Orte ihrer Kindheit und ihrer Träume. Damals wollten sie Bühnenstars werden. Doch alles kam anders … „Ruthchen und Ginchen“ haben sich noch einmal auf den Weg gemacht. Vermutlich zum letzten Mal in ihrem Leben kommt das Zwillingspaar, heute 85 Jahre alt, von Tel Aviv nach Berlin. Hier haben die Mädchen ihre Kindheit verbracht und Visionen von einem Leben als Bühnenstars gehabt. Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim. In der Reportage führen uns die Zwillingsschwestern an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. Der Höhepunkt ihres knapp einwöchigen Aufenthaltes ist ein Besuch im Kino Babylon. Dort haben beide ihren ersten Film mit Shirley Temple gesehen, der sie nacheifern wollten – wenn sie gekonnt hätten. Nun, fast am Ende ihres Lebens dürfen sie hier im Babylon gemeinsam auf der Bühne stehen und singen …

Di, 26. Jan · 23:45-00:30 · RBB Berlin
Späte Rückkehr

Über 60 Jahre lebte Margot Friedlander in New York. 1947 war sie zusammen mit ihrem Mann hierher emigriert. Beide haben den Holocaust überlebt; Margot im Untergrund ihrer Heimatstadt Berlin. 2010 kehrt sie für immer dahin zurück. Der Film „Späte Rückkehr“ erzählt die Geschichte einer langsamen Annäherung – die Wunden der Vertreibung und Entrechtung können ein ganzes Leben brauchen, um zu heilen. 2003 besucht Margot Friedlander zum ersten Mal wieder Berlin. Diese Reise in ihre Vergangenheit und – wie sich zeigen sollte – auch in ihre Zukunft erzählt der Film „Don’t call it Heimweh“, ein bewegendes Dokument der Wiederbegegnung mit der Stadt in der sie versteckt den Naziterror überlebt hat. Dem Film folgt vier Jahre darauf ihre Autobiographie „Versuche Dein Leben zu machen“. Dann fällt der Entschluss der nun 88-Jährigen, nach Berlin zurückzukehren. Doch der Abschied von New York fällt nicht so leicht wie gedacht. Vor allem bei Freunden, die wie sie aus Deutschland emigriert waren, trifft ihre Entscheidung auf Skepsis und Widerspruch. Im Dialog mit ihren New Yorker Freunden wird deutlich, wie schwierig und schwerwiegend der Entschluss zur Rückkehr ist. Für Margot Friedlander schließt sich mit ihrer Heimkehr in die Stadt ihrer Kindheit der Kreis ihres Lebens. Dennoch markiert der Film kein Happy End. „Heimat“, sagt Margot Friedlander, „hab ich keine, aber ein Zuhause.“ Und das ist jetzt wieder in Berlin, wo sie geboren wurde und wo sie heute mehr Freunde hat als in New York. Sie hat eine Mission: Sie will jungen Deutschen von ihrem Erleben berichten – damit es nicht in Vergessenheit gerät. Den Deutschen ihrer Generation jedoch traut sie bis heute nicht.

Mi, 27. Jan · 00:35-02:05 · BR
10% Helden

Wie schon in seinen früheren Filmen führen Yoav Shamirs Fragen und seine Suche nach Antworten zu lustigen, dramatischen und überraschenden Situationen und an Orte, die ihn auch mit harten und verwirrenden Tatsachen konfrontieren. „10% Helden“ wird jeden von uns auf seine Weise erreichen; denn der Film regt an, nachzudenken, wie wir uns selbst verhalten – oder verhalten würden. Der Blick aufs Heldentum lohnt sich, auch dank faszinierender Einblicke in die menschliche Natur. „Es ist wirklich eine der spannendsten Fragen der Menschheit: Was macht einen Helden aus? Denn wenn wir das wüssten, könnten wir mehr von ihnen produzieren!“ – Professor Philip Zimbardo, Verhaltenspsychologe, Stanford University. Der preisgekrönte Regisseur Yoav Shamir („Defamation“, „Checkpoint“) begibt sich auf eine unterhaltsame und aufschlussreiche Erkundungsreise, um den Begriff „Heldentum“ zu ergründen. Fünf Jahre lang ist Yoav Shamir mit der Kamera unterwegs gewesen, ist von San Francisco nach New York, in den Kongo, über Deutschland nach Südafrika und zurück nach Israel und Palästina gereist, um die unterschiedlichsten Charaktere zu treffen. Er traf die, deren Arbeit sich ganz um die Helden dreht, die die Helden und ihre Geschichten verwalten; er sprach mit Primatologen, Biologen, Neurologen und Genetikern. Er lernte Egoisten kennen, aufrechte Kämpfer, Alltagshelden, Freiheitskämpfer und zu guter Letzt auch einen gewandelten Helden. Und dann bekam er exklusiven Zugang zu einer revolutionären Verhaltensstudie, durchgeführt von zwei führenden Psychologen: Professor Philip G. Zimbardo (Stanford) und Professor Rony Berger (Tel-Aviv).

Mi, 27. Jan · 11:30-12:30 · 3sat
Überleben im Versteck

Drei ehemals versteckte jüdische Kinder reisen in die Vergangenheit. Die Protagonisten erzählen von ihrer Kindheit, der Angst, dem Mut und wie das Erlebte ihr Leben prägte. „Ich fühle mich wie ein Singvogel, dem man die Flügel beschnitten hat und der im Dunkeln gegen die Stangen seines engen Käfigs anfliegt. Heraus, heraus, schreit es in mir, ich habe Sehnsucht nach Luft und Lachen“ – so beschreibt Anne Frank 1943 ihr Leben im Versteck. Sie hält in ihrem Tagebuch den Alltag dort fest. Doch Anne Frank wurde verraten, deportiert und starb 1945 im KZ Bergen Belsen. Am 12. Juni 2009 wäre sie 80 Jahre alt geworden. Anne Frank ist eines von 1,6 Millionen jüdischen Kindern, die im Dritten Reich ermordet wurden. Überlebt haben nur einige Zehntausend, traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet. Für viele war das Versteck die einzige Chance, den Deportationen und damit dem Tod zu entkommen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, wenn Eltern ihre Kinder anderen, oft völlig fremden Menschen übergaben. Sie mussten sie einem ungewissen Schicksal überlassen, um deren Leben zu retten. Ob sie einander jemals wieder sehen würden, war mehr als ungewiss. Fred Taucher war in Berlin versteckt. Die Frauen, die seiner Mutter, dem Bruder Henry und ihm beim Untertauchen halfen, waren eng mit Hitler verbunden. In dem Berliner Nah-Erholungsgebiet „Bürger-Ablage“ lebte die jüdische Familie versteckt in einem Gartenhaus mitten unter hochrangigen Nazis. Es hat 62 Jahre gedauert bis Eva ihre Retterin wie durch ein Wunder wiederfand. Eine Nonne hatte das kleine Mädchen in einem polnischen Kloster vor den Nazis versteckt und sich liebevoll um sie gekümmert. Als der Krieg zu Ende war, holte eine überlebende Verwandte die kleine Eva ab – ohne dass sie sich von ihrer geliebten „Schwester Klara“, ihrer Retterin, hätte verabschieden können. Eva wanderte mit ihrem Vater nach Kanada aus und sehnte sich zeitlebens nach einem Wiedersehen, zu dem es erst Jahrzehnte später kam. Heute ist Schwester Klara 96 Jahre alt und blind – und sie wartet sehnlich auf die Besuche ihrer kleinen „Ewonia“. Nach dem Kriegsende liefen in Holland alle Leute jubelnd auf die Straße. Doch Lore war traurig, sie musste ihre liebevolle Ziehmutter verlassen. Mit fünf Jahren hatten die Eltern sie bei der holländischen Bauernfamilie versteckt und waren selbst untergetaucht. Als Lores Eltern drei Jahre später wieder vor ihr standen, waren sie für das kleine Mädchen Fremde. Lore lebt heute mit ihrer großen Familie in New York. Dass sie ihren Eltern nicht freudig in die Arme gefallen ist, das hat sie sich bis heute nicht verziehen.

Mi, 27. Jan · 20:15-21:57 · arte
Lore

Als das Kriegsende bevorsteht, flüchtet ein ranghohes Nazi-Ehepaar mit seinen fünf Kindern in eine Berghütte. Um der Verhaftung zu entgehen, lassen die Eltern die Kinder unter Obhut der Ältesten, Hannelore, zurück. Allein versuchen die Geschwister zum Bahnhof zu gelangen, um zur Großmutter nach Norddeutschland zu reisen. Doch es fahren keine Züge mehr – zu Fuß machen sie sich auf die Reise. Auf ihrem Weg lauscht Lore den durch die Alliierten aufgedeckten Berichten über die deutschen KZs. Auf einem Foto erkennt sie ihren Vater und mit schmerzlicher Gewissheit wird ihr klar, was er – für Lore stets ein Held – getan hat. Ein junger Mann folgt ihnen. Als die Kinder von einem amerikanischen Konvoi kontrolliert werden, ist der Fremde – Thomas – plötzlich zur Stelle und verbürgt sich mit einem jüdischen Pass für die Geschwister. Sie setzen den Weg gemeinsam fort. Trotz Lores Aversionen entwickelt sich zwischen ihnen eine zaghafte Liebesgeschichte. Um einen Fluss zu überqueren, will sich Lore einem Fährmann anbieten. Thomas kommt hinzu und erschlägt den Mann. Lore ist so schockiert, dass sie sich das Leben nehmen will, was Thomas verhindert. Im Wald wird Lores fünfjähriger Bruder von alliierten Soldaten erschossen. Endlich im Zug erfolgt eine Passkontrolle. Thomas glaubt seinen Pass verloren zu haben und verschwindet. Als Lores Bruder Thomas‘ Papiere hervorholt, versteht sie, dass Thomas eine falsche Identität angenommen hatte. Bei der Großmutter angekommen, kann Lore nicht vergessen, was sie gesehen hat. In einem Akt der Verzweiflung bricht sie mit ihrer Kindheit in Nazi-Deutschland.

Mi, 27. Jan · 21:00-21:45 · 3sat
Auschwitz vor Gericht

Vor gut 50 Jahren, am 20. Dezember 1963, begann in Frankfurt das bedeutendste und größte Gerichtsverfahren der deutschen Rechtsgeschichte: Der Frankfurter Auschwitzprozess. Die Dokumentation folgt äußerlich dem historischen Ablauf des ersten Prozesses und konzentriert sich dabei auf die Hauptakteure: Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der das Verfahren ins Rollen brachte, die Staatsanwälte Kügler und Wiese, sowie die SS-Männer. 700 Seiten umfasste die in über fünf Jahren erarbeitete Anklageschrift. Sie richtete sich gegen 21 Angehörige der Waffen-SS, alle waren Personal des Konzentrationslagers Auschwitz und mussten sich wegen Mordes „in einer unbestimmten Vielzahl von Fällen“ verantworten. An 183 Verhandlungstagen wurden 359 Zeugen gehört, darunter 248 Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, die nach Frankfurt gereist waren, um unter Eid Zeugnis abzulegen. Unweigerlich muss der Zuschauer den Blick immer wieder nach Auschwitz richten. Denn wie im Prozess sind es die Aussagen der Überlebenden, die auch diese Dokumentation zu einem unabweisbaren und eindrucksvollen Zeugnis für die Verbrechen der Nationalsozialisten machen: Hermann Langbein, Rudolf Vrba, Mauritius Berner, Jenny Schaner und Yehuda Bacon gingen vor die Kamera. Yehuda Bacon war noch ein Kind, als er Holz in die Verbrennungsöfen schleppen, menschliche Asche auf vereiste Wege streuen und zusehen musste, wie die Körper der Ermordeten aus den Gaskammern gezerrt wurden. Darüber hinaus greifen die Autoren des Hessischen Rundfunks zurück auf die von ihnen 1992 aufgespürten und über 500 Stunden umfassenden Tonband-Protokolle des Prozesses. Diese waren, einmalig in der deutschen Justizgeschichte, wegen des großen Zeugenaufgebots eigens vom Bundesgerichtshof genehmigt worden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sie nach der Urteilsverkündung wieder gelöscht werden. Sie blieben jedoch auf Anweisung des hessischen Justizministers erhalten und sind heute zum unverzichtbaren historischen Forschungsmaterial geworden. Nach Jahren des öffentlichen Verschweigens konfrontierte dieser Prozess die Deutschen und die Welt zum ersten Mal mit allen Einzelheiten des Völkermords an den europäischen Juden. Als am 20. August 1965 das Urteil gesprochen wurde, sagte der Vorsitzende Richter Hans Hofmeyer in seinem Schlusswort: „20 Monate lang haben wir im Geiste nochmals alle Leiden und all die Qualen erlebt, die die Menschen dort erlitten haben und die mit Auschwitz immer verbunden bleiben.“ Hermann Langbein, Gefangener in Auschwitz und Zeuge vor Gericht, erklärte, der Prozess habe wesentlich dazu beigetragen, „der Öffentlichkeit unanfechtbare Tatsachen über einen Abschnitt der deutschen Geschichte zu vermitteln, der bis dahin für allzu viele im Dunkeln lag.“ Dass die Mörder von Auschwitz erst 18 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers angeklagt werden konnten, zeigt, wie schwierig es war, überhaupt über Auschwitz Gericht zu halten. Dass es schließlich doch dazu kam, ist vor allem dem damaligen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu verdanken, der im Nachkriegsdeutschland einer der wenigen entschlossen handelnden Verfolger der NS-Verbrechen war. Doch muss die Dokumentation schließlich konstatieren, dass 50 Jahre nach Eröffnung des historischen Prozesses unzählige Verbrechen von Auschwitz noch immer ungesühnt sind, dass Tausende Mitglieder von KZ-Wachmannschaften ungestraft davonkamen. Weitere Prozesse wurden angegangen: Die Vorermittlungen gegen 30 ehemalige Auschwitz-Wächter wurden abgeschlossen. Der älteste Beschuldigte ist 97 Jahre alt.

Mi, 27. Jan · 21:15-21:45 · MDR Sachsen
Die Spur der Ahnen

Es ist eine berührende Geschichte: Akiba Zwick, ein Mann in den 80ern, kehrt mit seiner Familie zurück nach Leipzig. Seine Mutter hat ihn und drei seiner Geschwister vor den Nazis retten können. Sie selbst, Akibas Vater und seine Schwester Leni jedoch wurden ermordet. Heute will Akiba wissen, wie genau es seinen Eltern und seiner Schwester in den letzten Tagen und Monaten ihres Lebens erging, möchte verstehen, warum er überlebte und andere nicht. * Akibas Familiengeschichte ist ein Lehrstück über die Kraft der Familie, über Liebe in schwerster Zeit, über einen sympathischen Mann, der seinen Lebensmut nie verlor. Es ist eine berührende Geschichte: Akiba Zwick, ein Mann in den 80ern, kehrt mit seiner Familie (2 Töchter, Sohn, Ehefrau) zurück nach Leipzig. Seine Mutter hat ihn und drei seiner Geschwister vor den Nazis retten können. Sie selbst, Akibas Vater und seine Schwester Leni jedoch wurden ermordet. Heute will Akiba wissen, wie genau es seinen Eltern und seiner Schwester in den letzten Tagen und Monaten ihres Lebens erging, möchte verstehen, warum er überlebte und andere nicht. Und er möchte seine Kinder mitnehmen an die Orte seiner Kindheit, möchte ihnen zeigen, woher sie kommen. Er hat viele Fragen: Warum ist Vater alleine geflohen, ohne die Familie? Was genau geschah mit ihm? Was mit der Mutter? Was mit der Schwester? Es wird eine äußerst emotionale Reise in die Vergangenheit, eine Reise, bei der Akiba erfährt, wie unglaublich stark und selbstlos seine Eltern waren. Mutter und Vater taten buchstäblich alles, um ihre Kinder zu retten. Akibas Familiengeschichte ist ein Lehrstück über die Kraft der Familie, über Liebe in schwerster Zeit, über einen sympathischen Mann, der seinen Lebensmut nie verlor.

Mi, 27. Jan · 21:55-22:53 · arte
Claude Lanzmann – Stimme der Shoah

„Shoah“ ist der wichtigste Film über den Holocaust. Zwölf Jahre lang hat Claude Lanzmann das fast zehnstündige Meisterwerk erarbeitet. Todesdrohungen, schwere Verletzungen, finanzielle Schwierigkeiten – 30 Jahre nach Vollendung erzählt der Regisseur nun in „Claude Lanzmann – Stimme der Shoah“ von den menschlichen und künstlerischen Abgründen, an die ihn das Ringen um die Wahrheit über die Ermordung der Juden führte. 30 Jahre nach Vollendung seines zehnstündigen Meisterwerks „Shoah“ erzählt Claude Lanzmann dem Filmemacher und Journalisten Adam Benzine von den menschlichen und künstlerischen Abgründen, an die ihn das Ringen um die Wahrheit über die Ermordung der Juden führte. Claude Lanzmann führt mit seiner emotionalen Erinnerung zurück in die 70er Jahre, als er fast 30 Jahre nach Kriegsende in Deutschland auf Täter traf, die wenig Reue zeigten, die sich in einer scheinbar wohlgeordneten Kleinbürgerlichkeit eingerichtet hatten und die nur mit Tricks und verdeckter Kamera zum Reden gebracht werden konnten. Und als die Überlebenden selbst möglichst nicht mehr mit dem Schmerz des Erlittenen konfrontiert sein wollten. Doch genau darum ging es Claude Lanzmann, er wollte, dass sie mit ihm, mit dem Film, mit den Zuschauern, das Grauen in der Erinnerung noch einmal erfuhren. Neben dem „Making of Shoah“, konzentriert sich der Film von Adam Benzine auf einige zentrale Moment in Claude Lanzmanns Leben, seine Jugendjahre, in denen er in der Résistance kämpfte, seine Liebesgeschichte mit Simone de Beauvoir und seine tiefe Freundschaft mit Jean-Paul Sartre, seine Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft. Die Geschichte von „Shoah“ war für Claude Lanzmann eine zwölfjährige Konfrontation mit dem größten Verbrechen an der Menschlichkeit und die Arbeit daran, wie er es selbst beschreibt „eine seltsame Mischung aus akuter Notsituation und äußerster Geduld“.

Mi, 27. Jan · 22:00-23:30 · BR
Überall war Tod – Vom Leiden und Sterben im KZ Flossenbürg

Die Filmautoren zeichnen die Geschichte des KZs Flossenbürg nach und geben Überlebenden des Terrors eine Stimme. Die Dokumentation „Überall war Tod – Vom Leiden und Sterben im KZ Flossenbürg“ zeichnet die Geschichte dieses KZs nach. Überlebende des Terrors berichten von ihren grauenvollen Erfahrungen im KZ Flossenbürg, von ihrem tagtäglichen Überlebenskampf. Sie erinnern sich, was sie am Leben gehalten hat, obwohl sie schon mehr tot als lebendig waren. „Ich wurde nicht befreit, ich habe mich selbst befreit“, sagt der Italiener Vittore Bocchetta, dem es gelungen war, auf dem Todesmarsch zu fliehen. Die Filmautoren zeichnen die Geschichte des KZs Flossenbürg nach und geben Überlebenden des Terrors eine Stimme. „Ich habe Flossenbürg verlassen, aber Flossenbürg hat mich nie mehr verlassen“, sagt Jack Terry. Als der jüdische Junge aus Polen 1945 hier befreit wurde, war er 15 Jahre alt und wog 34 Kilo. Überall war Tod: im Steinbruch, in den Baracken, auf dem Appellplatz, in der Krankenstation. Häftlinge wurden zu Tode gequält, geprügelt, erhängt, erschossen. „Vernichtung durch Arbeit“ war das „Motto“ des KZs Flossenbürg. Granit ist der Grund, warum die SS 1938 in diesem oberpfälzischen Ort ein Konzentrationslager errichtet. Häftlinge müssen in den Steinbrüchen unter furchtbaren Bedingungen als billige Arbeitssklaven Granit für die geplanten Prachtbauten des NS-Staates gewinnen. Später wird das KZ Flossenbürg zu einem wichtigen Rüstungsstandort. Ab1943 produziert hier die Firma Messerschmitt Flugzeuge. Das KZ wird zudem die Zentrale eines weit verzweigten Systems von Außenlagern. In den beiden größten, in Hersbruck und in Leitmeritz, arbeiten, leiden und sterben ebenfalls Tausende für absurde Rüstungsprojekte des untergehenden Reiches. Als die Lager im Osten evakuiert werden und Transporte auch Flossenbürg erreichen, drängen sich 15.000 Menschen unter katastrophalen Umständen in einem Lager, das für 3.000 Häftlinge geplant war. Das tragischste Kapitel von Flossenbürg sind schließlich die Todesmärsche. Wegen der heranrückenden US-Armee werden die Häftlinge in Richtung Dachau getrieben. 7.000 Gefangene sterben – Tage, oft nur Stunden vor der Befreiung.

Mi, 27. Jan · 22:25-23:55 · 3sat
Ende der Schonzeit

Ein abgelegener Bauernhof im Schwarzwald 1942. Emma und Fritz sind seit zehn Jahren verheiratet. Die wortkarge, aber gut eingespielte Ehe ist trotz Wunsch kinderlos. Eines Abends entdeckt der raubeinige Fritz beim Wildern den Juden Albert im Unterholz und bietet ihm kurzerhand ein Nachtlager in der Scheune an. Gegen Emmas Willen schlägt Fritz dem Juden vor, ihm auf dem Hof Unterschlupf zu gewähren. Im Gegenzug soll Albert dem Bauernehepaar bei der harten Arbeit unter die Arme greifen. Fritz findet zunehmend Gefallen an dem Flüchtling, dem er, anders als Emma, vorurteilsfrei begegnet. Die sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Fritz den jungen Mann um einen besonderen Gefallen bittet. Albert soll an seiner Stelle mit Emma ein Kind zeugen. Unter zunehmendem Druck stimmt Albert schließlich zu, Emma wird die Wahl gar nicht erst gelassen. Aus dem technischen Begattungsvorgang entwickeln sich ungeahnte Gefühle: Emma entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben die Leidenschaft, Fritz die Eifersucht und Albert die Willkür. Als sich die Schwangerschaft nicht sofort einstellt, wird das Arrangement zur Zerreißprobe für alle Beteiligten.

Mi, 27. Jan · 22:45-00:15 · RBB Berlin
Später wirst du es verstehen

Die Geschichte einer französischen Jüdin, die erst sehr spät ihren Enkelkindern von ihren Erlebnissen während der Besatzungszeit durch die Nazis und der Deportation ihrer Eltern erzählt. Ihren eigenen Kindern hatte sie bisher immer Rede und Antwort verweigert. Ein düsteres Geheimnis deckt sich dadurch auf. Der französische Geschäftsmann Victor Bastien recherchiert wie besessen die Vergangenheit seiner Mutter Rivka. Er findet heraus, dass diese ihm verschwiegen hat, dass seine Großeltern unter der Herrschaft Hitlers deportiert und im KZ ermordet wurden. Jeanne Moreau, Hippolyte Girardot und Emmanuelle Devos spielen die Hauptrollen in diesem einfühlsamen Drama des israelischen Regisseurs Amos Gitaï („Free Zone“).

Mi, 27. Jan · 22:55-00:35 · arte
Youth

Zwei Brüder bieten ihrem von Depression und Existenzsorgen geprägten Alltag in Israel mit radikalen Mitteln die Stirn: Yaki leistet bei der Armee seinen Wehrdienst ab, Shaul lebt mit den Eltern in einer kleinen Wohnung und geht noch zur Schule. Als ihr Vater seine Arbeit verliert und die Mutter ihre Familie nur mühsam mit Aushilfsjobs über Wasser hält, beschließen Yaki und Shaul, ein Mädchen aus Shauls Schule zu entführen, um Geld zu erpressen. Doch es läuft nicht alles wie geplant, denn die gläubigen Eltern des Mädchens feiern den heiligen Sabbat und reagieren nicht auf die Anrufe der Entführer … Shaul geht noch zur Schule. Sein 18-jähriger Bruder Yaki ist schon bei der Armee, wo er seinen Wehrdienst ableistet. An den Wochenenden kommt er nach Hause zu seiner Familie. Mit seiner Waffe fühlt sich Yaki stark und auch Shaul ist von seinem Bruder beeindruckt. Als der Vater seine Arbeit verliert, versucht Mutter Paula, die Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Doch bald schon stehen die Gläubiger vor der Tür und drohen der Familie mit dem Rauswurf aus ihrer Wohnung. Um der prekären Situation Herr zu werden, beschließen Yaki und Shaul, gemeinsam ein Mädchen aus Shauls Schule zu entführen. An einem Wochenende wollen sie Geld von den reichen Eltern der jungen Dafna erpressen, die Shaul seit einiger Zeit beobachtet. Gemeinsam lauern sie ihr auf dem Nachhauseweg auf und verstecken sie gefesselt und geknebelt im Keller ihres Wohnhauses. Die Situation ist angespannt, denn Dafnas Eltern feiern als orthodoxe Juden den heiligen Sabbat und gehen nicht ans Telefon, doch am Sonntag muss Yaki wieder in die Kaserne. Durch das unbedarfte Verhalten der jungen Männer erstickt ihre Geisel einmal beinahe. Außerdem hat sie mehrmals die Chance, einen Blick auf die Gesichter ihrer Entführer zu erhaschen. Schließlich entscheiden die Brüder, Dafna wieder freizulassen. Mit Dafnas Kreditkarte heben sie 400 Euro – Dafnas Konto hat eine Jugendsperre – als Ersatz für das geplante Lösegeld von 125.000 Euro ab. Als Yaki wieder bei der Armee ist, erhält er plötzlich die Nachricht, dass sein Vater sich das Leben genommen hat. Er reist sofort nach Hause, wo ihn die von Trauer betäubte Familie empfängt …

Mi, 27. Jan · 23:25-01:00 · SWR BW
Sir Nicky – Held wider Willen

Zum Auschwitz-Gedenktag * Für viele Menschen ist Sir Nicolas Winton ein wahrer Held. Der Dalai Lama, Vaclav Havel und Madeleine Albright halten öffentlich Lobreden über ihn. Königin Elisabeth II. adelte ihn mit dem Ritterschlag. Tausende von Menschen, Erwachsene und Kinder, fühlten sich von ihm inspiriert. Im Spätherbst 1939, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei, rettete der Londoner Börsenhändler Nicolas Winton in Prag 669 jüdische Kinder vor dem Tod im KZ. In seinem Heimatland fand er Pateneltern, die bereit waren, die Kinder aufzunehmen. Für viele Menschen ist Sir Nicolas Winton ein wahrer Held. Der Dalai Lama, Vaclav Havel und Madeleine Albright halten öffentlich Lobreden über ihn. Königin Elisabeth II. adelte ihn mit dem Ritterschlag. Tausende von Menschen, Erwachsene und Kinder, fühlten sich von ihm inspiriert. Im Spätherbst 1939, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei, rettete der Londoner Börsenhändler Nicolas Winton in Prag 669 jüdische Kinder vor dem Tod im KZ. In seinem Heimatland fand er Pateneltern, die bereit waren, die Kinder aufzunehmen. Das Dokudrama „Nickys Familie“ – Originaltitel: „Nicky’s Family“ – rekonstruiert die dramatische Rettungsaktion und erzählt das Schicksal mehrerer Kinder, die dem inzwischen über hundertjährigen Briten ihr Leben verdanken. Nicolas Winton ist ein bescheidener Held: Gut fünfzig Jahre lang schwieg er über die Ereignisse im Spätherbst 1939. Nicht einmal seine Frau wusste davon. 1988 entdeckte sie auf dem Speicher ihres Hauses ein Notizbuch mit exakten Aufzeichnungen aus dieser Zeit und brachte die Geschichte an die Öffentlichkeit.

Mi, 27. Jan · 23:25-00:10 · WDR
Akte D – Das Versagen der Nachkriegsjustiz

Nachrichtenbilder, die in den vergangenen Monaten für Erstaunen gesorgt haben: Hochbetagte Männer werden verhaftet und vor Gericht gestellt, angeklagt für Verbrechen, die in der NS-Zeit begangen worden sind – vor mehr als 70 Jahren. Wie kann das sein? Was hat die deutsche Justiz in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit gemacht? Warum hat sie so viele Täter weder gefasst noch verurteilt? Mehr als 500.000 Deutsche, so schätzen Historiker heute, waren an den Verbrechen des NS-Regimes beteiligt. Zunächst übernahmen die Alliierten die Aufgabe, die Schuldigen zu bestrafen. Bis 1949 wurden 50.000 NS-Täter abgeurteilt. Dann ging die Verfolgung von NS-Verbrechen in die Hände der deutschen Justiz über – seitdem sind nicht einmal mehr 1.000 Täter rechtskräftig verurteilt worden. Die Geschichte verlief in West- und Ostdeutschland sehr unterschiedlich – und hatte doch ein ähnliches Ergebnis. Während sich die DDR nach einigen spektakulären Schauprozessen für „nazifrei“ erklärte, war es in der Bundesrepublik die Justiz selbst, die eine konsequente Verfolgung von NS-Verbrechen über Jahrzehnte verhinderte. Als sich nach dem Ende des Kalten Krieges Archive in aller Welt öffneten und Ermittler aus dem Ausland tätig wurden, sah man sich auch in Deutschland gezwungen zu handeln. Doch da war es in den meisten Fällen zu spät, die Täter waren verstorben oder verhandlungsunfähig. Die Dokumentation von Christoph Weber enthüllt, wie die Justiz dabei mitgewirkt hat, dass zahllose NS-Täter straffrei geblieben sind.

Do, 28. Jan · 00:10-01:00 · WDR
Nie wieder Theresienstadt! Die Kinderoper Brundibar

„Nicht schon wieder!“ Das ist eine typische Reaktion von Jugendlichen, wenn sie sich, dem Lehrplan folgend, im Schulunterricht mit NS-Zeit und Holocaust beschäftigen sollen. Es ist alles so lange her und so weit weg! Doch die Annäherung an dieses Kapitel der deutschen Geschichte kann auch ganz anders aussehen, persönlich, kreativ, berührend und sehr aktuell… Sie heißen Annika, Ikra und David, und sie sind Mitglieder der Theatergruppe „Die Zwiefachen“ an der Berliner Schaubühne. Die 15-20jährigen, die zu dieser Gruppe gehören, kommen allesamt aus schwierigen Verhältnissen. Mit der Theaterpädagogin Uta Plate studieren sie die Kinderoper „Brundibár“ ein, die eine besondere Geschichte hat: „Brundibár“ wurde über fünfzig Mal im Ghetto Theresienstadt von deportierten jüdischen Kindern aufgeführt. Nur wenige der Kinder-Darsteller überlebten die Zeit im Ghetto, unter ihnen Greta Klingsberg. Sie spielte ab 1943 die Hauptrolle der Annika in „Brundibár“ und lebt heute in Israel. Sie erklärt sich bereit, die jungen Schauspieler der „Zwiefachen“ bei der Vorbereitung ihrer Aufführung zu unterstützen, mit ihnen gemeinsam nach Theresienstadt zu reisen und dort das ehemalige KZ zu besuchen. Der Filmemacher Douglas Wolfsperger hat das Projekt der „Zwiefachen“ begleitet und beobachtet. Er zeigt die jungen Darsteller bei den Proben in der Schaubühne, in ihrem Berliner Alltag und beim Erforschen des Familiengedächtnisses. Über das Erarbeiten von „Brundibár“ ändert sich ihr Blick auf die deutsche Geschichte, sie bilden sich eine eigene Meinung, persönlich und emotional. Ganz wesentlich dafür: die intensive Begegnung mit Greta Klingsberg, die den Jugendlichen ihre Erinnerungen ohne alle Bitterkeit erzählt und ihnen so die Scheu gegenüber ihrer Geschichte nimmt. Die Arbeit an der Kinderoper eröffnet für die Jugendlichen einen ganz neuen Zugang zur deutschen Vergangenheit. Engagierter als dies im Schulunterricht möglich wäre, setzen sie sich kreativ und persönlich mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander. Daraus ergeben sich viele Fragen: Was können wir heute noch daraus lernen? Welche Parallelen gibt es? Wäre so etwas heute wieder möglich? Wie tolerant sind wir selbst Minderheiten gegenüber? Und: Hat Deutschlands Nazi-Geschichte noch etwas mit uns zu tun? Spätestens als zur ausverkauften Premiere von „Brundibár“ auch Greta Klingsberg an die Berliner Schaubühne kommt, ist diese Kinderoper für die Jugendlichen auf der Bühne auch ein Stück ihres eigenen Lebens geworden.

Do, 28. Jan · 01:00-02:50 · HR
Jud Süß – Film ohne Gewissen

Berlin, 1939: Joseph Goebbels, NS-Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Herr über die deutsche Filmindustrie, plant das Prestigeprojekt „Jud Süß“ – den großen antisemitischen Hetzfilm, der die „Endlösung der Judenfrage“ propagandistisch begleiten soll. Doch wer soll die Hauptrolle des Jud Süß spielen? Goebbels entscheidet sich für den österreichischen Schauspieler Ferdinand Marian. Dieser ziert sich jedoch. Zwar verspricht ihm Goebbels eine einmalige Karrierechance, doch Marians Ehefrau Anna warnt ihn nachdrücklich davor, die Rolle anzunehmen. Als Goebbels den Druck erhöht, schließt Marian schließlich den Pakt mit dem Teufel und akzeptiert die Rolle. Um sein Gewissen zu beruhigen, redet er sich ein, er könne seinem Protagonisten sympathische Züge verleihen. Doch auch diesen Selbstbetrug macht sich Goebbels, der die Dreharbeiten persönlich überwacht, geschickt zunutze. Als Marian sich nach dem Erfolg des Propagandafilms in Alkoholexzesse und Seitensprünge flüchtet, beginnt sein endgültiger Abstieg.

Do, 28. Jan · 01:00-02:30 · SWR BW
Menachem und Fred

Zum Auschwitz-Gedenktag * Nach fast 60 Jahren begegnen sich die Brüder Menachem und Fred, einst Heinz und Manfred Mayer, wieder. 1940 wurden sie mit ihren Eltern nach Südfrankreich in das Konzentrationslager Gurs deportiert. Später kamen die Brüder in einem staatlichen französischen Waisenhaus unter, wurden von ihren Eltern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten. Der 90-minütige Dokumentarfilm begleitet Menachem und Fred auf ihrer Reise nach Deutschland, zeigt das erste Familientreffen nach fast 60 Jahren in Hoffenheim und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit in Frankreich und Polen. Menachem und Fred wurden als Manfred und Heinz Mayer in Hoffenheim bei Heidelberg geboren. 1940 wurden sie mit ihren Eltern und 6500 weiteren Juden nach Südfrankreich in das Konzentrationslager Gurs deportiert. Später kamen die Brüder in einem staatlichen französischen Waisenhaus unter, wurden von ihren Eltern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten. Der letzte Auftrag der Mutter an den damals zwölfjährigen Manfred war, sich um den drei Jahre jüngeren Bruder zu kümmern. Nach dem Krieg entschieden sich die Brüder für völlig entgegengesetzte Lebenswege: Während Heinz als Frederick Raymes in die USA emigrierte und seine jüdisch-deutsche Herkunft verleugnete, begann Manfred unter seinem hebräischen Namen Menachem ein national-religiöses Leben als orthodoxer Jude in Israel. Über Jahrzehnte hatten die beiden keinen Kontakt – bis die Briefe, die ihnen die Eltern aus dem Lager ins Waisenhaus geschrieben hatten, und die Fred bei einem Umzug wiederentdeckte, sie wieder zusammenbrachten. Ihr Jugendfreund aus Hoffenheim, der spätere SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, dessen Vater als SA-Truppenführer mitschuldig war an der Deportation, hat ein Wiedersehen der Brüder samt ihrer Familien in Hoffenheim arrangiert und finanziert. Die Brüder Mayer sind inzwischen mit den Hopps befreundet. Der 90-minütige Dokumentarfilm von Ofra Tevet und Ronit Kerstner begleitet Menachem und Fred auf ihrer Reise nach Deutschland, zeigt das erste Familientreffen nach fast 60 Jahren in Hoffenheim und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit in Frankreich und Polen. Ein bewegender Film über eine außergewöhnliche Familiengeschichte, zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens und eine späte Versöhnung.

Do, 28. Jan · 03:15-04:50 · Das Erste (ARD)
Mein Kriegswinter

Januar 1945 in einem niederländischen Dorf in der von den Nazis besetzten Provinz Overijssel: Durch die vereisten Fenster seines Zimmers beobachtet der 14-jährige Michiel van Beusekom (Martijn Lakemeier) den Absturz eines Flugzeuges im nahe gelegenen Wald. Es ist eine Maschine der britischen Air Force, aus der sich einer der Piloten rettet und dabei einen herbeigeeilten deutschen Rekruten erschießt. Davon ahnt Michiel nichts, als er am nächsten Morgen gemeinsam mit seinem Freund Theo Knopper (Jesse van Driel) neugierig das Wrack untersucht und von Wehrmachtssoldaten festgenommen wird, während Theo entkommen kann. Im deutschen Hauptquartier gibt der Junge an, allein im Wald gewesen zu sein. Sein Vater Johan van Beusekom (Raymond Thiry), der örtliche Bürgermeister, will es sich mit den Besatzern nicht verderben und erwirkt die Freilassung des Sohnes. Michiel beobachtet misstrauisch die betont unparteiische Haltung seines Vaters, die er insgeheim für feige Tatenlosigkeit hält – erst recht, als Onkel Ben (Yorick van Wageningen) bei ihnen einzieht, in den Augen seines kleinen Neffen ein mutiger Widerstandskämpfer. Kurz darauf wird Michiel von Dirk Knopper (Mees Peijnenburg), Theos Bruder, ein verschwörerisches Kuvert zugespielt, das er dem Schmied Bertus van Gelder (Tygo Gernandt) übergeben soll. Doch bevor dies gelingt, wird Dirk von den Deutschen verhaftet und Bertus erschossen. Als der Junge das Schreiben nun selbst öffnet, findet er darin Angaben zu einem geheimen Waldversteck, in dem sich der britische Pilot Jack (Jamie Campbell Bower) vor den Nazis verbirgt. Michiel beschließt, diesem bei der Flucht in die Provinzhauptstadt Zwolle zu helfen, er weiht seine ältere Schwester Erica (Melody Klaver) und schließlich auch Onkel Ben in den gefährlichen Plan ein. Doch als die Flucht misslingt, muss Jack erneut untertauchen. Währenddessen entdeckt die Wehrmacht die Leiche ihres bei dem Absturz getöteten Soldaten. Um ein Exempel zu statuieren und den Widerstand der lokalen Bevölkerung zu brechen, wird eine Exekution angeordnet: Gemeinsam mit anderen unschuldigen Bürgern soll auch Michiels Papa öffentlich hingerichtet werden. Ein dramatischer Gewissenskonflikt, denn der Junge kann nur einen Menschen retten: seinen neuen Freund Jack oder den eigenen Vater. Aus der Perspektive eines heranwachsenden Jungen schildert Martin Koolhovens eindringliches Drama eine Episode aus dem letzten Winter des Zweiten Weltkrieges. Der Film basiert auf dem 1975 veröffentlichten Roman „Oorlogswinter“ von Jan Terlouw. Inmitten der verschneiten niederländischen Landschaftsidylle werden die Kriegsgräuel für den 14-jährigen Protagonisten zur brutalen Realität, als er erkennen muss, dass Widerstandskampf mehr ist als nur ein aufregendes Abenteuer und letztlich den Verlust der kindlichen Unschuld bedeutet. In den Niederlanden erntete „Mein Kriegswinter“ mehrere Festivalpreise und war ein großer Erfolg an den Kinokassen. 2009 erhielt er eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film. Der Jungdarsteller Martijn Lakemeier gab als Michiel sein beeindruckendes Debüt, für das er mit dem Rembrandt Award als Bester niederländischer Schauspieler ausgezeichnet wurde.

Do, 28. Jan · 20:15-21:00 · 3sat
Cannabis gegen Krebs

Cannabisöl soll Krebs heilen, doch für die Herstellung des Öls werden Mengen von Cannabis benötigt, die in Deutschland illegal sind. Wird den Patienten ein wichtiges Heilmittel vorenthalten? Erste wissenschaftliche Studien deuten an, dass der psychoaktive Inhaltsstoff der Hanfpflanze, das THC, tatsächlich das Tumorwachstum bremsen kann. Doch was bedeutet dies für die Krebsforschung? Ist es Grund genug, die Legalisierung des Rauschmittels zu fordern? Renate leidet an einem inoperablen Hirntumor. Ihre Prognose ist sehr schlecht, aber weder sie noch ihre Tochter wollen das hinnehmen. Nach langem Suchen im Internet hat sich Renate ein Cannabismedikament verschreiben lassen. Ihre Hoffnung basiert auf einem regelrechten Hype, der sich in der letzten Zeit wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet: Cannabis heilt Krebs! Internetforen und Facebookgruppen sind voll von anekdotischen Erfolgsgeschichten. Die Israelin Natalie hat – wie mittlerweile viele andere Krebspatienten – Chemotherapie und Bestrahlung abgebrochen und setzt alles auf die heilende Wirkung eines Cannabisöls. Woher kommt der Hype um dieses Öl und was steckt dahinter? Erste Hinweise führen zu Rick Simpson. Der Kanadier behauptet, seinen eigenen Hautkrebs mit Cannabisöl geheilt zu haben. Angeblich hat er etlichen Menschen das Leben gerettet: Tausende hätten das Öl nach seinem Rezept hergestellt und überlebt. Doch Beweise gibt es dafür nicht. Stattdessen finden sich erste Hinweise auf die Wirksamkeit in der Wissenschaft. Der Rostocker Pharmakologe Burkhard Hinz hat es geschafft, mit einem Cannabismolekül Tumorzellen regelrecht zum Platzen zu bringen. Der Biologe David Meiri aus Israel untersucht gerade die Wirkung von verschiedenen Cannabissorten auf Tumorzellen. Warum tötet eine Cannabiskonzentration Brustkrebszellen – und zeigt keine Wirkung auf Pankreaskrebs? Der Spanier Manuel Guzman hat die weltweit erste Studie an Patienten durchgeführt und nachgewiesen, dass THC das Tumorwachstum bremst. In Israel wird Cannabis in Mengen verschrieben wie nirgendwo sonst auf der Welt. 24.000 Patienten bekommen mittlerweile Cannabis auf Rezept, 40 Prozent davon haben Krebs. Doch durch Cannabis geheilte Patienten findet man dort nicht. Sven Gottschling behandelt an der Kinderklinik in Homburg den elfjährigen Luca mit einem THC-haltigen Medikament. Luca leidet ebenfalls an einem inoperablen Gehirntumor. Für ihn und seine Mutter ist es ein „Wundermittel“, denn es hilft ganz ohne Nebenwirkungen gegen das ständige Erbrechen und die Spastiken, die der Tumor auslöst. Die Wissenschaftsdokumentation versucht eine erste Bilanz zu Cannabis als Krebsmedikament. Was kann es und wo sind seine Grenzen? Redaktionshinweis: In 3sat steht der Donnerstagabend im Zeichen der Wissenschaft: Um jeweils 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante Fragen aus Natur- und Geisteswissenschaften, Kultur und Technik. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen über weitere Aspekte.

Do, 28. Jan · 20:15-23:10 · kabel eins
Unbeugsam – Defiance

Der Film basiert auf dem Buch „Defiance: The Bielski Partisans“. Er schildert die Flucht polnischer Juden vor den deutschen Besatzern während des 2. Weltkriegs und deren Widerstandskampf. Die Protagonisten sind die Brüder Tuvia, Zus, Asael und Aron Bielski, deren Familie zum großen Teil durch die Deutschen getötet wurde, die eine Widerstandsgruppe aufbauen um andere Juden zu retten.

Sa, 30. Jan · 01:20-03:05 · Das Erste (ARD)
Die Rache des Tanzlehrers

Die Ermordung des pensionierten Polizisten Herbert Molin, der in seinem abgelegenen Haus in Nordschweden förmlich hingerichtet wurde, stellt die Ermittler vor einige Rätsel: Blutige Fußabdrücke am Tatort weisen ein eigenartiges Muster auf – als hätte der Mörder mit seinem Opfer noch einen Tango getanzt. Die grauenhafte Tat schockiert auch Molins Freund und Ex-Kollegen Stefan Lindman. Als dieser mit seinen Nachforschungen beginnt, macht er eine Reihe erschütternder Entdeckungen, die auch den Blick auf sein eigenes Familienleben radikal verändern. Jonas Karlsson spielt die Hauptrolle in dieser spannenden Verfilmung des politisch brisanten Krimis von Henning Mankell. Kommissar Stefan Lindman (Jonas Karlsson) hat gerade seinen Vater zu Grabe getragen und will sich bei dem pensionierten Ex-Kollegen Herbert Molin (Peter Kneip) für den Kranz bedanken, den dieser schickte. Doch er trifft ihn nicht mehr an: Molin wurde brutal ermordet, markante Blutspuren auf seinem Dielenboden erinnern an eine Reihe von Tanzschritten. Zuständig für diesen Fall ist der hiesige Polizeichef Rundström (Mats Bergman), der sich jedoch als schlampiger Kriminalist erweist. Lindman nimmt eigene Ermittlungen auf und stellt rasch fest, dass er den langjährigen Freund offenbar nicht gut kannte. Warum änderte Molin schon vor geraumer Zeit seinen Namen? Und warum wurde sein Haus von einem Hochsitz aus beobachtet? Die Maklerin Elsa Berggren (Lena Granhagen), von der Molin das Haus kaufte, hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm, über die sie sich jedoch ausschweigt. Nicht sehr redselig ist auch der Nachbar David Andersson (Göran Graffman), der im Gespräch plötzlich sehr nervös wird. Andersson konnte Molin auf den Tod nicht ausstehen. Worin diese Abneigung gründet, kann Lindman aber nicht mehr herausfinden, denn auch Andersson wird brutal ermordet. Während die Kollegen nach einem Zusammenhang zwischen den Taten suchen, stößt Lindman bei nochmaligem Durchstöbern von Molins Haus auf alte Dokumente, die seinen Freund als überzeugten Altnazi ausweisen. Mit Hilfe seines Kollegen Giuseppe Larsson (Douglas Johansson) stößt Lindman auf ein braunes Netzwerk, zu dem auch Molins sympathische Tochter Veronica (Lia Boysen) gehört – und sogar sein eigener Vater war Mitglied dieser Organisation. Allein der Mord an Molin bleibt rätselhaft.

Sa, 30. Jan · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Justin Sonder

Der ehemalige Kriminalkommissar hat in seinem Leben viele Leichen gesehen, aber die wenigsten davon im Dienst. Justin Sonder war in Auschwitz. Die Jahre im Lager sind auch heute noch präsent, oft steht der 89-Jährige vor Schülern, berichtet und mahnt: So etwas dürft ihr nie wieder zulassen! Justin Sonder ist jüdischer Abstammung und wurde 1943 als 17-Jähriger deportiert. Dabei fühlte er sich als ganz normaler deutscher Junge, wuchs in Chemnitz auf, begann eine Lehre zum Koch. Er wurde sogar erfolgreich gemustert und ermuntert, sich freiwillig der Waffen-SS anzuschließen. Jemand hatte übersehen, dass er aus einer jüdischen Familie stammt. 22 seiner Verwandten sind ermordet worden. 1945 kehrt Justin Sonder in seine Heimatstadt Chemnitz zurück. Er wird Kriminalkommissar, gründet eine Familie und setzt sich bis heute für Antifaschismus und Aufklärung ein. Justin Sonder ist einer der wenigen Überlebenden von Auschwitz – und einer der letzten, der heute noch als Augenzeuge über die Verbrechen berichten kann.

So, 31. Jan · 03:00-03:45 · PHOENIX
ZDF-History: Das Geheimnis der Auschwitz-Alben

„ZDF-History“ erzählt die Geschichte der Auschwitz-Alben und schildert, wie die Holocaust-Überlebende Lili Jacob eines der Foto-Alben fand. Fotografieren war in Auschwitz streng verboten. Und doch gibt es mehrere Fotoalben vom Schauplatz des Verbrechens. Wer fotografierte – und warum? Das blieb lange ein Rätsel.Bis heute sind drei Foto-Alben der SS bekannt – das letzte tauchte erst 2006 wieder auf. Experten versuchen nun zu klären, wie die Bilder entstanden, wer die Fotografen waren und weshalb diese geheimen Bildbände angefertigt wurden. Die bekanntesten Fotos aus Auschwitz hat ein SS-Mann im Mai 1944 aufgenommen. Sie zeigen die „Selektion“ einer großen Gruppe ungarischer Juden direkt nach der Ankunft, an den Gleisen. Doch die Stationen der Ermordung sind in dem Foto-Album „Umsiedlung der ungarischen Juden“ nicht zu sehen, womöglich sollten die Aufnahmen Propaganda-Zwecken dienen. Das Album wird dennoch später im Auschwitz-Prozess zum Beweismittel und ist mit dem Schicksal einer Überlebenden verbunden. 1945 fand Lili Jacob das Dokument kurz nach der Befreiung. Und es ist ausgerechnet ihr Transport, den der SS-Mann im Mai 1944 fotografierte. Lili Jacob hütete das Album und damit die letzten Fotos ihrer jüngeren Brüder wie einen Schatz. Heute befindet sich das Auschwitz-Album in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel.