Fotoausstellung zur Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern

Armin T. Wegner (1887 – 1978) war Weltenbummler, Abenteurer und Fotograf. Und doch war er noch mehr: 1915 wurde er – als Sanitätsoffizier des Roten Kreuzes in Bagdad – Zeuge der systematischen Vertreibung der Armenier. Trotz Verbots begab er sich in die Flüchtlingslager, fotografierte, schmuggelte. Briefe der Verfolgten zur amerikanischen Botschaft. So wurde er zum Chronist des Völkermordes an den Armeniern. Noch bis zum 21.12.2010 zeigt das Kölner Lew Kopelew Forum eine Ausstellung seiner Bilddokumente…

Von Uri Degania

Der türkische Völkermord an den Armeniern ist in der Türkei ein bis heute tabuisiertes Thema, wie die Inhaftierung des deutsch-türkischen Schriftstellers und Menschenrechtlers Dogan Akhanli in der Türkei auf bedrückende Weise zeigt. Wegen seines Armenien-Romans und seines konsequenten Engagements gegen jegliche Form des Antisemitismus wird Akhanli heute in der Türkei der Prozess gemacht – ein Skandal.

Am 1.12.2010 wurde die Ausstellung „Aghet – Der vergessene Völkermord“ im Kölner Lew Kopelew Forum eröffnet. Mitveranstalter sind die Deutsch-Armenische-Gesellschaft in Kooperation mit der Armin T. Wegner Gesellschaft, Wuppertal, die Stiftung Guardini, Berlin und die Bergische Universität Wuppertal.

Nach einem Grußwort von Susanne Böhringer, Vorsitzende der Deutsch-Armenischen Gesellschaft, und einführenden Worten zur Ausstellung von Judith Schönwiesner, Kuratorin der Ausstellung, folgte ein anspruchsvoller Vortrag von Prof. Dr. Andreas Meier: „Austreibung oder Völkermord? A.T. Wegner als Augenzeuge des Genozids an den Armeniern“, in welchem er die komplexe Persönlichkeit und die Pionierleistung Wegners in lebendiger Weise darbot. Für eine musikalische Umrahmung dieses schwierigen Themas sorgte der Musiker und Komponist Ulrich Klan.

Dauer der Ausstellung: 02.12. – 17.12.2010, Öffnungszeiten: di. – fr. 11.00 – 18.00 und nach Vereinbarung

Ort: Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18a, Neumarkt Passage, 50667 Köln
www.kopelew-forum.de
Tel.: +49 221 257 67 67, Fax: +49 221 257 67 68

Nachfolgend dokumentieren wir die Eröffnungsrede von Judith Schönwiesner, M. A.

Liebe Pastorin Böhringer,

sehr geehrte Damen und Herren,

Armin T. Wegner gehört heute zu den zu Unrecht vergessenen Schriftstellern. Ja, er war Autor und ein leidenschaftlicher Fotograf, der  in den 20er Jahren zu einem der bedeutendsten Reiseschriftsteller Deutschlands avancierte. Hierfür unternahm er Reisen durch die frühe Sowjetunion, den damals noch „illegalen“ Staat Israel und durch den Orient. Wie zu seiner Zeit als Krankenpfleger in der Türkei hielt er seine Erlebnisse immer schriftlich – in Tagebüchern – und in Bildern fest.

Wegner war ein Reisender, ein Beobachtender, deutscher Autor sowie ein Mensch seiner Zeit, und als solcher sah er seine Aufgabe darin, die Geschehnisse der Zeit aufzugreifen, zu diesen Stellung zu beziehen und ein Weiterdenken zu provozieren.

Seine Liebe zum Leben, seine Wissbegierde und seine Abenteuerlust trieben ihn voran, immer wieder Neues entdecken zu wollen und das Gesehene schließlich zur Basis, seiner literarischen Texte werden zu lassen. Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, Gewalt und Ungerechtigkeit bildeten hierbei einen Schwerpunkt in seinem Leben wie auch in seinem literarischen Schaffen und verhalfen ihm zu einem thematisch vielseitigen Spektrum seines Werkes in verschiedenen literarischen und journalistischen Gattungen.

Sein Handeln und Denken war stetig geprägt von der Forderung nach Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit unter den Menschen und Völkern.

Die hier präsentierte Ausstellung ist Teil einer größeren Wanderausstellung charakteristischer Reisefotografien aus dem Nachlass Wegners, in dem sich insgesamt über 6700 Fotografien finden ließen. Die ursprüngliche Ausstellung wurde von Matthias Flügge von der Galerie Guardini, Berlin und Prof. Andreas Meier von der Bergischen Universität Wuppertal erarbeitet. Hier wird also nur ein kleiner Ausschnitt dieser, mit dem thematischen Schwerpunkt der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich, gezeigt. Von den Aufnahmen, die Wegner mit einer einfachen Plattenkamera – die Sie hinten in der Vitrine des Lew Kopelews Forums sehen können – gemacht hat, sind nur die Glasdiapositive zu einem Vortrag überliefert, so dass die Bilder hier in modernen Abzügen gezeigt werden. Sie gehören zu jenem Vortrag, den Wegner zwischen 1919 und 1924 hielt und von dem uns Prof. Meier gleich mehr erzählen wird.

Seinen Einsatz für Gerechtigkeit brachte Wegner nicht nur in Vorträgen und literarischen Umsetzungen zum Ausdruck, sondern auch  in seinen pazifistischen und revolutionären Aufrufen oder in seinem „Brief an Hitler“ vom 11. April 1933.

Diese konsequente Haltung veränderte 1933 das Leben Wegners radikal, da er sich auch nach der Machtergreifung Hitlers beharrlich für humane Ideale einsetzte. All dies hatte zur Folge, dass sich sein Name auf der ersten „Schwarzen Liste“ wieder fand, seine Werke verbrannt wurden, er Berufsverbot bekam und im August des gleichen Jahres von der SA verhaftet wurde. (Er ist von einem Nachbarn denunziert worden, der ihn dabei beobachtet hatte, wie er illegale Schriften im Garten seines Hauses „Sieben Wälder“ verbrannt hatte.) Er durchlief eine viermonatige Haft in verschiedenen Konzentrationslagern und wurde schließlich auf Druck internationaler Kräfte wieder freigelassen. 1936 ging er ins lebenslange italienische Exil.

Nach dem Krieg galt Wegner als verschollen, zeitweilig hielt man ihn sogar für tot. An seine Erfolge während der Weimarer Republik konnte er später nicht mehr anknüpfen, obschon er von Israel, Armenien und auch der Bundesrepublik für seine Zivilcourage geehrt wurde und Nachdrucke früherer Werke ebenso erschienen wie Essays und etliche Rundfunkbeiträge.

Bevor ich das Wort nun an Prof. Meier übergebe, möchte ich noch kurz danken: Zunächst Pastorin Böhringer für die fruchtbare Zusammenarbeit und das in mich gesetzte Vertrauen. Sodann Michele Wegner, der Armin T. Wegner Gesellschaft, der Stadtbibliothek Wuppertal, der Galerie Guardini und dem Kunstmuseum Solingen für die spontane Zusage, die Ausstellung mit ihren Leihgaben zu unterstützen. Frau Hahn, Geschäftsführerin des Lew Kopelew Forums und ihrem Team für die Hilfe hier vor Ort und natürlich Ulrich Klan und Prof. Meier für die Bereitschaft, das Eröffnungsprogramm dieser Ausstellung mit zu gestalten. Vielen Dank!

Wir danken Judith Schönwiesner, M.A., Kuratorin der Wegner-Ausstellung, für die Nachdruckrechte.

Ein Kommentar zu “Fotoausstellung zur Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern

  1. Der Brief Armin Th. Wegners vom 11.04.1933 an Hitler lässt sich hier nachlesen:
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    http://www.exil-archiv.de/grafik/biografien/wegner/brief.pdf
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    btw.: Zu Wegner wäre vielleicht noch ein Detail hinzuzufügen, was ich 2002 schon mal hier in haGalil schrieb:
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    „die Braunen haßten ihn ganz besonders, denn er hatte, blond und blauäugig und hochgewachsen, die arische (Herren-)Rasse verraten (eine Jüdin, oh Himmel bzw. oh Himmler, geheiratet).“
     

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