Israel ohne Yitzhak Rabin
Sein gesamtes Sein war ausgerichtet auf die Verteidigung Israels - auf die Erfüllung der Ideale des ursprünglichen Zionismus. Dessen, was wir uns darunter vorgestellt haben: Ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung, in Sicherheit und Frieden, in Respekt und vielleicht sogar nachbarschaftlichem Miteinander.
Jenes Land, von dem er als erster sagte, dass es ein Pfand sei, ein Pfand für den Frieden - und er wiederholte dies immer wieder. 1995 schien es, daß er das Ziel erreichen würde. Jizhak Rabin versprach uns die Verwirklichung unserer Hoffnung. Die Verwirklichung unseres fast vergessenen Traumes. Wenn ich heute daran zurückdenke, gestehe ich: Ich habe gar nicht begriffen wovon er sprach. Viele konnten es schon nicht mehr glauben. Viele verstanden gar nicht die Ungeheuerlichkeit seines Tuns. Rabin war losmarschiert - uns und unseren Kindern den Frieden zu bringen. Wiedereinmal hatte er unsere Angst hinter sich gelassen. Und wir haben es nicht verstanden - wir haben ihn alleine gelassen.
Undankbare und Unwissende wurden aufgehetzt von fanatischen Meinungsmachern, die ihnen beibrachten, Rabin sei ein Verräter, Rabins Ziel sei die Zerstörung Israels. Zerstört wurde Jizhak Rabin. Erst danach begriffen wir, was er getan hatte - und wieviel Hoffnung er uns gegeben hatte. Wir begriffen, was er für uns getan hatte - und wie allein wir ihn gelassen hatten. Haben die nationalen Hetzer Israel zerstört? Niemand übernahm Verantwortung. Keiner stand auf und sagte 'Ich habe Blut an den Händen'. Nur Jigal Amir grinste und war stolz.
Seinem Tod folgte betäubende Trauer. Ein Gefühl ausserhalb der Realität. Wir flohen aus der Realität - wir flohen vor der Erkenntnis unserer Verantwortung: Wir alle haben es gesehen, wir alle haben es gehört. Wir alle haben uns gefürchtet und fast alle haben geschwiegen. Wie sollte Israel ohne diesen Mann Israel sein? Ohne seine tiefe, zögernde Stimme der Versicherung? Ohne seinen tiefen etwas schüchternen Blick für das Wesentliche? Wer sollte uns nun daran erinnern, dass die Mission des Zionismus die nationale Wiedergeburt und nicht das Bevölkern subventionierter Immobilien mit Fanatikern war? Wer sollte nun die Mehrheit der Israelis davon überzeugen, dass wir 'unser Land' um des Friedens Willen teilen können? Wer sollte nun die Palästinenser davon überzeugen, mit Entschiedenheit zu den Vereinbarungen zu stehen? Wer sollte nun 'Security' sagen und nicht 'Real-Estate' meinen? Nur er könnte mit der Sicherheit von Israel betraut werden, wenn die Vereinbarungen auf den Punkt gebracht würden. Nach Rabins Ermordung verlor der Friedensprozeß sein Herz. Verlor Israel sein Herz? War dies alles vielleicht unvermeidlich?
Das Klagen sollte ein Ende haben, aber unser Klagen hat noch immer kein Ende. Beklagen wir den verlorenen Frieden? Beklagen wir Rabin - einen Mann? Beklagen wir Rabin - einen Vater? Beklagen wir uns? Es ist schwierig zu wiegen, welcher Schmerz - bis heute - und sicher noch viel länger - am schwersten wiegt. Ami Isserof und David Gall, November 1998
Hunderttausende Israelis gedenken Izchak Rabin 1998 - Drei Jahre nach der Ermordung von Ministerpräsident Rabin haben in Israel Hunderttausende Menschen des Attentats gedacht. Rabin war 1995 bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem jüdischen Extremisten erschossen worden. Seine Anhänger forderten jetzt die Fortsetzung von Rabins Friedenspolitik. Rabins Witwe Lea, sein langjähriger Weggefährte Shimon Peres und Verteidigungsminister Mordechai hielten am Ort des Attentats Ansprachen. Zum 11.Cheschvan 5756 / 4.November 1995Sie finden hier den Text von Shir laShalom (hebr., deutsch, engl. - auch als ra-file zu hören). Auf derselben Seite finden Sie ausserdem eine Diskussion um Jizhak Rabin bzw. zum Text des Shir laShalom - (November 1995).
|