Recha Freier

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Recha Freier
oder der Traum 10.000 Kinder zu retten

Erdbeben:

Der Stadtgarten
Das goldglänzende Gitter
geschlossen
ein großes weißes Pappschild
Ein Rahmen aus schwarzem Papier
Eintritt für Hunde
und Juden verboten!

Mit diesen Zeilen beschreibt Recha Freier das Erfahrung im Alter von „Erdbeben", das diese erste antisemitische vier Jahren in ihr auslöste. Geboren 1892 in Norden/Ostfriesland, wächst sie in einer Kleinstadt in Niederschlesien auf. Wegen des Schreibverbots am Schabbat wird sie in der Schule verspottet und von einem Lehrer hämisch gefragt, ob sie sich denn samstags überhaupt die Schürze zubinden dürfe. Musikalisch und dichterisch begabt studiert sie neue Sprachen an der Universität Breslau und ist dann als Lehrerin und als Pianistin tätig. 1919 heiratet sie den Rabbiner Moritz Freier und geht mit ihm bis 1926 nach Sofia/Bulgarien.

Dann wird ihr Mann als Oberrabbiner nach Berlin berufen. Recha Freier beschäftigt sich mit Märchenforschung und lehnt es ab sich über den Beruf ihres Mannes zu definieren. 1932 kommen fünf 16jährige ostjüdische Jungen zu ihr, die aus ihren Stellen gekündigt wurden und bitten sie um Hilfe. Im Gegensatz zur beschwichtigenden Haltung des jüdischen Arbeitsamtes sieht sie den Vorfall nicht als Wirtschafts- und Sozialproblem sondern als antisemitisches Handeln. Eines Nachts hat sie die Idee, Jugendliche nach Palästina zu bringen: Zur Persönlichkeitsförderung und zum Aufbau des Landes.

Von allen Seiten bekommt sie Widerstand zu spüren: Von der zionistischen Bewegung, denn in Palästina brauche man Fachkräfte und außerdem sei alles nicht so schlimm, von Eltern und von der jüdischen Gemeinde. Am 30. Januar 1933, dem Tag von Hitlers Machtübernahme gründet Recha Freier bei einem Rechtsanwalt offiziell das "Hilfskommitee für jüdische Jugendliche".

Täglich ist sie Krisen, Aufregungen und Intrigen ausgesetzt. Geld und Zertifikate für die Einreise nach Palästina müssen beschafft werden. Außerdem müssen die Jugendlichen ausgewählt und für das Leben in Palästina in landwirtschaftlichen Betrieben vorbereitet werden. In dieser Zeit reist sie viel zwischen Berlin und Palästina hin und her um Kontakte zu knüpfen und Gelder zu beschaffen. Als die erste Gruppe von 6 Jugendlichen startet, ist der Anhalter Bahnhof schwarz von Menschen.

Ihre Methoden sind bei den anderen Vorstandsmitgliedern der jüdischen Jugendhilfe umstritten, weil sie sich nicht scheut in einer rechtlichen Grauzone zu agieren. Bei Reedereien beschafft sie Schiffspassagen mit der Lüge, sie habe die für die Einreise nötigen Zertifikate. Beim Palästinaamt droht sie mit den Fahrkarten, sie brauche jetzt die Zertifikate sonst gäbe es einen Skandal.

1938 wird sie aus dem Vorstand der jüdischen Jugendhilfe ausgeschlossen, da man sich mit ihren illegalen Methoden nicht arrangieren will. Während der Pogromnacht hält sich Recha Freier mit ihrer Familie in London auf, kehrt aber sofort nach Deutschland zurück als sie hört, was passiert ist um ihre Aktivitäten auf eigene Faust fortzusetzen. Sie wird wegen Antinazipropoganda von Kollegen denunziert. Da sie rechtzeitig gewarnt wird, gelingt es ihr auf abenteuerlichen Wegen nach Palästina zu kommen und noch 40 Jugendliche mitzunehmen.

Ihr Leben lang leidet sie, die mehr als 7600 Kinder aus Nazideutschland herausgebracht hat, darunter, daß sie nicht noch mehr Kinder retten konnte. Sie gründet ein Zentrum für die Ausbildung der Kinder und ruft 1958 die Stiftung "Testimonium" zur Unterstützung jüdischer Künstler ins Leben.

Die von ihr gegründete Kinder- und Jugendauswanderungsbewegung verwaisten Kindern, "Jugend-Alijah" hilft nun die mit den verschiedenen Einwanderungswellen ins Land kommen. 1954 - inzwischen sind Kinder aus 72 Ländern gekommen - schlägt Einstein sie vergeblich für den Friedensnobelpreis vor. Recha Freier stirbt 1984 in Jerusalem.

Ankunft

Dunkler in den Augen. Dunkel in
den Augen.

Kein Himmel.

Dunkel.
Ich lag in dem weichen, feuchten Sand
und schlief ein.

Ich erwachte
und weinte
und schlief ein.

Ich weinte im Schlaf
und erwachte.
Ich erschrak und weinte -
und schlief ein.

Und weinte und schlief
ich schlief
ich schlief
schlief

(Beide Gedichte sind dem Gedichtband "auf der Treppe" entnommen)

Weitere Links zur Jugendalijah:

An Overview:
Jewish Women's Activities in Berlin

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Zwischen Tradition und Aufbruch
Von Iris Weiss
1902-1944
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Von Rachel Monika Herweg

 


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