"Fehler der Weltgeschichte":
Judentum, Zionismus und Antisemitismus aus der Sicht
Rudolf SteinersVon Ralf Sonnenberg
War Rudolf Steiner ein "völkischer Antisemit"? Kritische
Kurzbibliografie und Resümee
Vor allem seit Mitte der neunziger
Jahre äußern Autoren den Verdacht, die Anthroposophie transportiere
antisemitische bzw. rassistische Inhalte und sei mitunter sogar
Wegbereiterin des Nationalsozialismus gewesen. (82)
Tatsächlich bediente sich ihr Urheber recht ungeniert aus dem
Repertoire theosophischer und anderer Rassentheorien (83),
auch wenn der Behandlung des Themas "Rassen" – sofern dieser Begriff
somatische Varietäten und nicht bewusstseinsgeschichtliche Etappen
im Sinne theosophischer Terminologie meint – in Steiners
umfangreichen Werk eine marginale Stellung einnimmt. (84)
Als rassistisch muss aus heutiger Sicht Steiners Versuch gewertet
werden, biologische "Rassen" mit dem Grad der mentalen
"Entwicklungsreife" ihrer Angehörigen zu korrelieren und somit eine
Hierarchisierung von Menschengruppen spirituell zu begründen, deren
unterste Sprossen den – aufgrund ihrer physischen "Degeneration" zum
Aussterben verurteilten – Indianern (85)
sowie den von "Trieben" (86) und
"Witterungen" (87) dominierten "Negern"
vorbehalten bleiben. Die "arische" oder europäische hielt Steiner
für die "zukünftige, da am Geiste schaffende Rasse". (88)
Sie repräsentiert innerhalb seines Weltanschauungskosmos die "fünfte
nachatlantische Kulturepoche", deren Anfang er auf den Beginn der
frühen Neuzeit datierte. (89) Die
rassistischen Implikationen dieses Stufenmodells hoffte Steiner
durch eine eigentümliche esoterische Dialektik einzuholen, die er
seinen rassenkundlichen Erörterungen vorschaltete: Die
Reinkarnationsfolgen der menschlichen Individuen führten demnach
durch die verschiedenen
biologischen "Rassen" hindurch, so dass, "obgleich man uns
entgegenhalten kann, dass der Europäer gegen die schwarze und die
gelbe Rasse einen Vorsprung hat, doch keine eigentliche
Benachteiligung" bestehe. (90)
Nach Auffassung des Politologen
Helmut Zander ist Steiners Oeuvre "von einer nicht systematisierten
oder hermeneutisch integrierten Ambivalenz gekennzeichnet", "in der
Unvereinbares und Widersprechendes stehengeblieben" sei. Es hinge
somit vor allem "von den Interessen der Leser ab, ob die
Anthroposophie rassistisch interpretiert wird oder nicht." (91)
Die völkische Tradition, unter welcher Zander recht allgemein
"sozialdarwinistische" und "rassistische" Auffassungen versteht,
ließe sich auch heute noch "neben und in den humanistischen
Vorstellungen" der Anthroposophie auffinden. (92)
Zander konzediert jedoch, dass Steiner kein "scharfmacherischer
politischer Rassist oder Antisemit" gewesen sei, auch wenn er "zum
intellektuellen Hintergrund und Überbau der deutschen Tragödie"
gehöre. (93) Der Autor verortet die
Entstehungsgeschichte der theosophisch-anthroposophischen Bewegung
im Spektrum völkischer Sondergemeinschaften, wie sie sich seit dem
ausgehenden 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zu formieren
und in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu konsolidieren
begannen.
Die von Helmut Zander nahegelegte
Subsumierung der Anthroposophie unter die völkischen Lehren der
Kaiserzeit und Weimarer Republik wäre jedoch nur dann sinnvoll, wenn
sich der Nachweis erbringen ließe, dass nationalistische,
sozialdarwinistische, pangermanische und antisemitische
Begründungsmuster einen zentralen Stellenwert innerhalb
anthroposophischer Lehren einnähmen und deren kosmopolitischen und
humanistischen Gehalt überlagerten bzw. marginalisierten.
Programmatische Inhalte völkischer Agitation wie die Forderung nach
Segregation der Juden, nach Bildung einer "artgerechten" Religion,
nach eugenischer Selektion und Ausmerze oder nach Errichtung eines
imperialen Rassenstaates müssten demnach das ideologische Bindeglied
für die unterschiedlichen anthroposophischen Ideen und Aktivitäten
abgeben und das Selbstverständnis ihrer Protagonisten entscheidend
prägen. (94) Aus der partikularen
Konvergenz von rassistischen Argumentationssträngen und
Ideologemen, wie sie im ersten Quartal des 20. Jahrhunderts den
gesellschaftsübergreifenden Diskurs dominierten und somit kein
Spezifikum völkischer Ideologiebildungen darstellten, eine
strukturelle Koinzidenz von völkischer und anthroposophischer
Lehre extrapolieren zu wollen, hieße jedoch den Begriff "völkisch"
auf eine Weise zu inflationieren, die diesen als Instrument der
geschichtswissenschaftlichen Analyse gänzlich untauglich machte.
Historiker wie George L. Mosse (95), Jörn
Rüsen (96), Uwe Puschner (97)
oder jüngst Michael Rißmann (98) haben
daher zu Recht Vorbehalte gegenüber dem Versuch angemeldet, Steiner
unter die völkischen "Systembauer" und Aktivisten einzureihen: "Von
den völkischen Theorien über die Geschichte des Judentums
unterscheidet sich dieser Entwurf (der Steinersche, Anm. R.S.)
erheblich. Bereits die Annahme, die Existenz des Judentums habe
überhaupt einen Sinn gehabt, hätten Vertreter des
völkisch-nationalsozialistischen Spektrums widersprochen, die im
Judentum eher einen ›Menschheitsverderber‹ vom Beginn der Geschichte
an sahen. Das von Steiner geforderte ›Aufgehen‹ des Judentums in der
Menschheit darf … keinesfalls mit jenem ›Erlösungsantisemitismus‹
der Nationalsozialisten verwechselt werden, der im Genozid seine
konsequente Vollendung fand." (99)
Wirft schon die Konnotation des
Adjektivs "völkisch" mit dem Substantiv "Religion" Probleme auf, da
fragwürdig ist, ob im Hinblick auf den Eklektizismus völkischer
Sinntstifungsversuche überhaupt von Religion im herkömmlichen Sinne
gesprochen werden kann, so erweist sich der Ausdruck "›arteigenes‹
Glaubenssystem", wie er im Titel eines Sammelbandes auftaucht (100),
in Bezug auf eine Charakterisierung des anthroposophischen
Selbstverständnisses gleich in zweifacher Hinsicht als irreführend:
Steiner begriff die Anthroposophie nicht als Religion, sondern als
"Weg meditativer Schulung", welcher dem esoterischen Verständnis der
Weltreligionen, vor allem aber des Christentums und (antiken)
Judentums, diene. Die Schaffung einer "arteigenen Religion" lehnte
er, der sich als Erneuerer der christlichen Esoterik sah,
ausdrücklich ab: "Der Christus ist kein Volksgott, ist kein
Rassengott, der Christus ist überhaupt nicht der Gott irgendeiner
Menschengruppe, sondern der Christus ist der Gott des einzelnen
Menschen, insofern dieser einzelne Mensch nur ein Angehöriger der
gesamten Menschheit ist". (101)
Anders als Theodor Fritsch, Alfred Rosenberg oder Max
Bewer, die einen "arischen Christus" propagierten, sah Steiner in
Jesus von Nazareth einen hochstehenden jüdischen "Eingeweihten", der
während der Jordan-Taufe den Christus-Geist in sich aufgenommen
habe.(102) Im Unterschied zur
Argumentationsweise der Rassenantisemiten, die einen manichäischen
Antagonismus von "arischer" und "jüdischer" Rasse" konstruierten,
erblickte Steiner zudem gerade in den "Ursemiten" die Begründer der
"arischen Wurzelrasse", deren Angehörige vor allem die "Denkkraft"
entwickelt hätten.(103) Steiner deutete
die Weltgeschichte auch nicht wie Arthur Comte de Gobineau als Arena
von "Rassenkämpfen" oder wie Alfred Ploetz als Laboratorium
eugenischer Zuchtexperimente, sondern sah in ihr einen Prozess
allmählicher Emanzipation von "Gattungsmerkmalen" wie Rasse,
Vererbung oder Geschlecht. Dem Selbstverständnis ihres Urhebers nach
bildete die Anthroposophie somit einen Gegenentwurf zur
zeitgenössischen naturalistischen Anthropologie, welche die
vermeintliche genetische Determination des Menschen zur Richtschnur
ihres Denkens und Handelns bestimmte und in letzterem oft ein
Zielobjekt rassenhygienischer Manipulation und Selektion
erblickte.(104) Es werde dahin kommen,
so prognostizierte Rudolf Steiner bereits 1907, "dass alle Rassen-
und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom
Menschen immer verschiedener werden. Die Zusammengehörigkeit wird
nicht mehr durch das gemeinsame Blut vorhanden sein, sondern durch
das, was Seele an Seele bindet. Das ist der Gang der
Menschheitsentwicklung".(105)
In
dem völkischen Konstrukt einer "Volksgemeinschaft" erblickte er
einen gefährlichen Rückfall in atavistische Bewusstseinsformen, dem
er seit 1917 seine politische Utopie einer "Dreigliederung des
sozialen Organismus" entgegensetzte, die er als Beitrag zur
Fortbildung der parlamentarischen Demokratie verstand. Das so
genannte Dreigliederungskonzept sah eine Entmachtung des ethnisch
definierten Nationalstaates durch die Entflechtung der Bereiche
Staat, Bildungswesen und Wirtschaft vor.(106)
"Ein Mensch", so urteilte Steiner 1917 im Hinblick auf die Ursachen
des Ersten Weltkrieges, "der heute von dem Ideal der Rassen und
Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von
Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen so
genannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit
hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich
die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich
die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen."(107)
Stattdessen sei es notwendig, dass die anthroposophische Bewegung "
… gerade im Grundcharakter dieses Abstreifen des Rassencharakters
aufnimmt, dass sie nämlich zu vereinigen sucht Menschen aus allen
Rassen, aus allen Nationen, und auf diese Weise überbrückt diese
Differenzierung, diese Unterschiede, diese Abgründe, die zwischen
den einzelnen Menschengruppen vorhanden sind."(108)
Mit
diesen Worten ist ein weiteres Unterscheidungskriterium von
anthroposophischen und völkischen Lehren benannt, soweit diese sich
in institutionalisierten Formen Ausdruck verschafften. Denn während
in völkischen Vereinen oder Organisationen der so genannte
Arier-Paragraph über die Homogenität der Gemeinschaft wachte, stand
die Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft Juden offen.
Zu den Mitarbeitern und Anhängern Steiners jüdischer Abstammung
zählten der Philologe Ernst Müller (1880-1954), der Philosoph und
Zionist Hugo Bergmann (1883-1974)(109),
der Fabrikant Carl Unger (1878-1929)(110),
der in Auschwitz ermordete Komponist Viktor Ullmann (1898-1944)(111),
aber auch Berta Fanta (1865-1918), die vor dem Ersten Weltkieg in
Prag einen einflussreichen philosophisch-literarischen Salon
unterhielt.(112) Nicht zuletzt der
Umstand, dass in der Anthroposophischen Gesellschaft Juden
"überrepräsentiert" waren und darüber hinaus Schlüsselpositionen
innehatten, brachte ihrem Begründer die Feindschaft völkischer
Kreise bis hin zu einem Attentatsversuch ein.(113)
Als Ausdruck der umfassenden Sinn-
und Wertekrise in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg
partizipierten Steiners esoterische Lehren an dem
rassentheoretischen Diskurs jener Zeit, indem er diesem einzelne
Elemente entnahm, welche er den theosophischen Ideen der Genese von
Rassen und Kulturen anverwandelte. Im Gegenzug adaptierten völkische
Theoretiker wie etwa die "Ariosophen" Jörg Lanz von Liebenfels
(1874-1954) und Guido von List (1848-1919) Versatzstücke
theosophischer Rassentheorien, ohne jedoch deren Einbindung in den
universalistischen und kosmopolitischen Horizont der Blavatskyschen
Theosophie zu berücksichtigen. (114)
Steiners peripheren Auseinandersetzungen mit dem zeitgenössischen
Judentum bewegten sich im Spannungsfeld zwischen einem aufgeklärten,
die Assimilation bedingungslos einfordernden Antijuduaismus
und der kirchenchristlichen Tradition soteriologisch untermauerter
Judenfeindschaft, ohne dass dessen Anschauungen über jüdische Kultur
und Religion bereits restlos in dieser ideengeschichtlichen
Schnittmenge aufgingen. Es ist jedoch gewiss kein Zufall, dass
Steiner wesentliche Anstöße bezüglich der Genese seines
philosophisch-anthroposophischen Werkes den Schriften Kants,
Fichtes, Hegels und Herders verdankte, die stellvertretend für die
Mehrheit der christlichen Aufklärer an der Überzeugung von der
Obsoletheit des Judentums festhielten und ein geschichtsevolutives
Stufenmodell favorisierten. (115) Im
Subkontext transportierten seine Forderungen nach Assimilation der
jüdischen Minderheit sowie seine stereotypen Miniaturen jüdischen
Daseins Elemente eines "antisemitischen Codes" rechtsbürgerlicher
sowie linksliberaler Kreise in den Jahrzehnten vor und nach dem
Ersten Weltkrieg. Als manifesten (Rassen-) Antisemiten könnte man
Rudolf Steiner freilich nur dann apostrophieren, wenn sich
herausstellte, dass seine wiederholten Distanzierungen vom
judenfeindlichen, nationalistischen und rassistischen Diskurs
damaliger Zeit nicht ernst gemeint waren und somit lediglich als
Vorwand dienten, um unter der Hand eine politische Agitation
zu betreiben, die auf eine gesellschaftliche Ausgrenzung bzw.
Benachteiligung von Juden abzielte. Eine solche Deutung erscheint
jedoch angesichts der Fülle an gegenteiligen Belegen und Zeugnissen
als wenig überzeugend.
Die zuerst von Julia Iwersen (116)
verbreitete, dann von Helmut Zander (117)
und Micha Brumlik (118) reproduzierte
Kolportage, Steiner habe "die Juden" für den Ausbruch des Ersten
Weltkrieges verantwortlich gemacht und sei somit als Multiplikator
antisemitischer Verschwörungsmythen in Erscheinung getreten, zeigt
immerhin, wie ausgeprägt selbst unter seriösen
Wissenschaftlern die Bereitschaft ist, sich im Umgang mit devianten
Strängen der jüngeren Religions- und Ideengeschichte eher auf
Vorurteile zu verlassen denn auf ein sorgfältiges Studium
einschlägiger Quellen: Den Kontext der betreffenden Aussage bildete
eben nicht die von Iwersen postulierte Schuldzuweisung an Juden,
sondern eine Kritik an dem europäischen Nationalismus, der zum
Ersten Weltkrieg geführt habe. Den Zionismus nahm Steiner von dieser
Kritik nicht aus, sofern dessen politische Programme mit dem
europäischen Nationalismus konvergierten. (119)
Die "Protokolle der Weisen
von Zion", in denen sich der judeophobe Verschwörungsmythos
idealtypisch verdichtete, wies Steiner ausdrücklich als "Fälschung"
politisch reaktionärer Kreise zurück. (120)
In der Verbreitung der so genannten Dolchstoß-Legende erblickte er
den Versuch deutscher Militärs, die Verantwortung für die Niederlage
im Ersten Weltkrieg auf politisch missliebige Gruppen abzuwälzen, zu
denen vor allem Juden und Kommunisten gehörten. (121)
Eine unfreiwillige Pointe liegt freilich darin, dass der frühe
Apostat des katholischen Kirchenchristentums und spätere
Neognostiker Steiner den antisemitischen Verschwörungsmythos seiner
Zeit zu entkräften suchte, indem er bei einem anderen – damals nicht
minder populären – Konspirationsglauben Zuflucht nahm: Die
"Protokolle" werden nicht den Juden, sondern den Machinationen
fortschritts- und demokratiefeindlicher Jesuiten angelastet.
Zurück
Anmerkungen:
(82) Die Arbeiten solcher Autoren bieten in der
Regel interessantes Quellenmaterial, das jedoch häufig mit stark
polemischer Einfärbung präsentiert wird. Die einseitige Auswahl der
Quellen, deren absichtliche oder auch unabsichtliche Verstümmelung
und Missdeutung spiegelt zudem die oft beträchtlichen Aversionen und
auch Vorurteile der Interpreten wider. Bezeichnend hierfür sind die
Erträge folgender Schriften: Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel
und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die
Waldorfpädagogik, Hamburg 1999; Oliver Geden: Rechte
Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus, 2.
Aufl., Berlin 1999; Guido und Michael Grandt: Schwarzbuch
Anthroposophie. Rudolf Steiners okkult-rassistische Weltanschauung,
Wien 1997; Georg Otto Schmid: Die Anthroposophie und die
Rassenlehre Rudolf Steiners zwischen Universalismus, Eurozentrik und
Germanophilie, in: Joachim Müller (Hg.): Anthroposophie und
Christentum. Eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung,
Freiburg 1995, S. 138-194; Christian Schüller/ Petrus van der
Lett:
Rasse Mensch. Jeder Mensch ein Mischling, Aschaffenburg 1999,
S. 112-160; Volkmar Wölk: Natur
und Mythos, Duisburg 1992.
Um eine ausgewogenere Darstellung und Interpretation bemüht sich
hingegen Helmut Zander in zwei quellengesättigten Beiträgen: Helmut
Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien aus dem okkulten
Untergrund des Kaiserreiches, in: Uwe Puschner/ Walter Schmitz/
Justus H. Ulbricht (Hg.): Handbuch zur "Völkischen Bewegung"
1871-1918, München 1999, S. 224-251 sowie ders.:
Anthroposophische Rassentheorie. Mit der wechselvollen
Geschichte anthroposophischer Einrichtungen während des "Dritten
Reichs" und der NS-Verfolgung einzelner Mitglieder der 1935
verbotenen Anthroposophischen Gesellschaft beschäftigt sich eine
materialreiche Studie, deren Autor jedoch die Frage, inwieweit
antisemitische Überzeugungen unter damaligen Anthroposophen
verbreitet waren, vollkommen ausspart. Siehe Uwe Werner:
Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945),
München 1999. Eine kritische Auseinandersetzung mit
anthroposophischen Rassenlehren verspricht der Bericht einer von
niederländischen Anthroposophen eingesetzten
Untersuchungskommission: Anthroposophie und die Frage der Rassen.
Zwischenbericht der niederländischen Untersuchungskommission
"Anthroposophie und die Frage der Rassen", Frankfurt a.M. 1998.
Eine Studie der Autoren Jürgen Bader und Lorenzo Ravagli
arbeitet entsprechendes Quellenmaterial fundiert, aber in deutlich
apologetischer Absicht auf: Jürgen Bader/ Lorenzo Ravagli:
Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und
der Rassismus-Vorwurf, Stuttgart 2002.
Zum Antisemitismus-Verdacht erschienen desweiteren folgende
Arbeiten: Julia Iwersen: Rudolf Steiner: Anthroposophie und
Antisemitismus. Zu einer wenig bekannten Spielart des christlichen
Antisemitismus, in: Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart,
Nr. 16-17, Oktober 1996, S. 153-163; Ekkehard W. Stegemann:
Antijüdische Stereotypen in der anthroposophischen Tradition? Im
Internet aufrufbar unter
http://www.akdh.ch/ps/ps_60Ref-Stegemann.html und Bader / Leist/
Ravagli: Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit.
Anthroposophie und der Antisemitismusvorwurf.
(83) Ideengeber Steiners in puncto Rassenlehren
waren neben H.P. Blavatsky und Ernst Haeckel (1834-1919) vermutlich
auch Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), Carl Gustav Carus
(1789-1869) und Hegel. Vgl. Zander: Anthroposophische
Rassentheorie, S. 302 f.
(84) Zur semantischen Aufschlüsselung in
der Anthroposophie gebräuchlicher Periodisierungen wie
"Wurzelrasse", "Unterrasse" oder "Kulturepoche" siehe Bader /
Ravagli:
Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und
der Rassismus-Vorwurf. Zur Einordnung des Komplexes "biologische
Rassen" im Steinerschen Oeuvre vgl. Anthroposophie und die Frage
der Rassen, S. 15-32.
(85) Etwa Steiner: Die Mission, S.
79 und S. 118.
(86) Rudolf Steiner.: Vom Leben des Menschen
und der Erde. Über das Wesen des Christentums (GA 349), Vortrag
vom 3. März 1923, Dornach 1980, S. 53.
(87) Rudolf Steiner: Über Gesundheit und
Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre
(GA 348), Vortrag vom 16. Dezember 1922, Dornach 1959, S. 105 f.
(88) Steiner: Die Mission, S. 67.
(89) Vgl. Jens Heisterkamp: Weltgeschichte als
Menschenkunde. Untersuchungen zur Geschichtsauffassung Rudolf
Steiners, Diss., Dornach 1989. S. 129 ff.
(90) Steiner: Die Mission, S. 78.
(91) Zander: Sozialdarwinistische
Rassentheorien, S. 246.
(92) Ebd., S. 248.
(93) Zander: Anthroposophische Rassentheorie,
S. 325.
(94) Zur Definition völkischer Ideologien und
Organisationen vgl. Uwe Puschner/ Walter Schmitz/ Justus H.
Ulbricht: Vorwort, in: Handbuch zur "Völkischen Bewegung",
S. IX-XXVII. Siehe auch Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im
wilhelminischen Kaiserreich, Darmstadt 2001, S. 10-25.
(95) George L. Mosse: Die Geschichte des
Rassismus in Europa, Frankfurt a.M. 1990, S. 119 f.
(96) Jörn Rüsen: Rassismus, Modernität und
Anthroposophie, in: Info3, Nr. 12, Dezember 1998, S.
11-15.
(97) Brief Uwe Puschners vom 11.11. 2002 an den
Autor.
(98) Michael Rißmann: Nationalsozialismus,
völkische Bewegung und Esoterik, in: Zeitschrift für
Genozidforschung 2 (2003), S. 58-91, S. 61 ff.
(99) Ebd., S. 63 f.
(100) Schnurbein/ Ulbricht: Völkische
Religion.
(101) Rudolf Steiner: Alte und neue
Einweihungsmethoden (GA 210), Vortrag vom 7.1.1922,
Dornach 2001, S. 25.
(102) Rudolf Steiner: Aus der
Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium (GA 148), Vortrag vom
6.1.1914, Dornach 1996, S. 155-160.
(103) Rudolf Steiner Aus der Akasha-Chronik
(GA 11), Dornach 1979, S. 30-33.
(104) Rudolf Steiner: Die spirituellen
Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis
(GA 177), Vortrag vom 7. Oktober 1917, Dornach 1999, S. 84-86.
(105) Steiner: Theosophie des Rosenkreuzers,
Vortrag vom 4. Juni1907, S. 129.
(106) Vgl. Ted van Baarda: Das
Selbstbestimmungsrecht der Völker. Steiners Kritik einer
folgenreichen Lehre, in: Jens Heisterkamp (Hg.): Die
Jahrhundertillusion. Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker,
Steiners Kritik und die Frage der nationalen Minderheiten heute,
Frankfurt a.M. 2002, S. 11-52 sowie Albert Schmelzer: Die
Dreigliederungsbewegung 1919. Rudolf Steiners Einsatz für den
Selbstverwaltungsimpuls, Diss., Stuttgart 1991.
(107) Steiner: Die spirituellen Hintergründe,
S. 205.
(108) Rudolf Steiner: Die tieferen
Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien (GA
117), Dornach 1986, S. 152.
(109) Siehe Sonnenberg:
Zionismus.
(110) Ronald Templeton: Carl Unger. Der Weg
eines Geistesschülers, Dornach 1990.
(111) Verena Naegele: Viktor Ullmann.
Komponieren in verlorener Zeit, Köln 2002.
(112) Georg Gimpl: Weil der Boden selbst hier
brennt. Aus dem Prager Salon der Berta Fanta (1865-1918),
Furth im Wald 2002.
(113) Werner: Anthroposophen, S. 8.
Ravagli: Anthroposophie und völkisches Denken. Zur
rechtsradikalen Gegnerschaft der Anthroposophen in der Weimarer Zeit
vergl. Lorenzo Ravagli: Unter Hammer
und Hakenkreuz. Der völkisch-nationalsozialistische
Kampf gegen die Anthroposophie, Stuttgart 2004.
(114) Siehe Nicholas Goodrick-Clarke: Die
okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Stuttgart 1997,
S. 36-109; ferner Ulrich Nanko: Das Spektrum völkisch-religiöser
Organisationen von der Jahrhundertwende bis ins "Dritte Reich",
in: Schnurbein/ Ulbricht: Völkische Religion, S. 208-226, hier
213-217 und Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien, S.
233 ff.
(115) Zur kontroversen Diskussion um
antisemitische Positionen in den Werken herausragender Vertreter der
Aufklärung, der Romantik und des philosophischen Idealismus siehe
etwa folgende Literaturauswahl: Hans-Joachim Becker: Fichtes Idee
der Nation und das Judentum, Amsterdam 2000; Micha
Brumlik:
Deutscher Geist und Judenhass. Das Verhältnis des philosophischen
Idealismus zum Judentum, München 2000; Horst Gronke/
Thomas Meyer/ Barbara Neißer (Hg.): Antisemitismus bei Kant und
anderen Denkern der Aufklärung, Würzburg 2001; Gudrun
Hentges:
Schattenseiten der Aufklärung.
(116) Iwersen: Rudolf Steiner, S. 155.
(117) Zander: Sozialdarwinistische
Rassentheorien, S. 244.
(118) Micha Brumlik: Die Gnostiker. Der Traum
von der Selbsterlösung des Menschen, Berlin 2000, Vorwort.
(119) Steiner: Wesen des Judentums, S.
189.
(120) Rudolf Steiner Vergangenheits- und
Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen (GA 190), Vortrag vom 5.
April 1919, Dornach 1971, S. 114 f. Einen Überblick über die
Entstehungs- und frühe Rezeptionsgeschichte des
antisemitisch-antifreimaurerischen Verschwörungsmythos‘ verschaffen
folgende Studien: Norman Cohn: "Die Protokolle der Weisen
von Zion". Der Mythos der jüdischen Weltverschwörung, Zürich
1997; Jeffrey L. Sammons: Die Protokolle der Weisen von Zion. Die
Grundlage des modernen Antisemitismus – eine Fälschung. Text und
Kommentar, Göttingen 1998 sowie Armin Pfahl-Traughber: Der
antisemitisch-antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der
Weimarer Republik und im NS-Staat, Wien 1993.
(121) Siehe zum Beispiel Rudolf Steiner:
Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer
Fragen (GA 192), Dornach 1991, Vortrag vom 18. Mai 1919, S. 118.
Eine Orientierung über die umfangreiche Fachliteratur zur
"Dolchstoßlegende" gibt Gerd Krumeich: Die Dolchstoß-Legende,
in: Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 1, hg. von Etienne
Francois und Hagen Schulze, München 2001, S. 585-599.
hagalil.com
07-07-2004
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