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Theo van Gogh:
Die öffentliche Verarbeitung eines islamistischen Mords

Oder: Was "Israelkritik" und "Islamkritik" gemeinsam haben

Von Susanne Bressan

Gibt man die Wörter "Israelkritik" und "Israelkritiker" in verschiedenen Variationen in die Internet-Suchmaschine Google ein, so erhält man 14.900 Treffer. Für die Wörter "Islamkritik/Islamkritiker" zeigt Google 5.630 Seiten an. Damit führen Israel und Islam deutlich vor denselben Kombinationen mit den Wörtern Amerika, Deutschland, Christentum oder Europa. Weit abgeschlagen rangiert China (356 Treffer), und Russland kommt nach diesem Suchkriterium ganz ohne Kritik aus.

Auch wenn die Kritik an Israel auf deutschsprachigen Internetseiten, in Presse und Rundfunk fraglos dominiert – seit dem Mord am niederländischen Regisseur Theo van Gogh bekommt sie ernsthafte Konkurrenz. Quer durch die Medienlandschaft waren sich Journalisten schnell darin einig, in dem Filmkünstler und Kolumnisten einen "Islamkritiker" zu sehen. Zweifellos verdient dieser Mord keinerlei Rechtfertigung. Zu recht macht es zudem Angst, dass die Tat höchstwahrscheinlich nicht nur aus individuellen religions-fanatischen Motiven begangen wurde, sondern aus der Unterstützung eines islamistischen Umfelds heraus. Auch ich teile das Entsetzen darüber, dass ein Mensch vermutlich deshalb getötet wurde, weil er in einem Film Frauenfeindlichkeit und Gewalttätigkeit anprangerte, die sich auf den Koran beruft. In welcher Form dieses Entsetzen jedoch in der Öffentlichkeit verarbeitet wird, hat streckenweise nur noch wenig mit der Tat selbst zu tun: Im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit steht nicht eine Analyse "des" Islamismus, seines Gefahrenpotenzials und möglicher Gegenstrategien. Stattdessen werden "westliche" Werte wie Toleranz, Pluralismus und Offenheit zur Zielscheibe.

Ebenso, wie sich hinter der Formulierung, es müsse doch erlaubt sein, Israel zu kritisieren, zumeist ganz andere Motive erkennen lassen, wird "Islamkritik" nicht immer in einem Zusammenhang verwendet, in dem es um die Auseinandersetzung mit einer Religion geht. Dies zeigt sich daran, wie Feuilleton-Autoren die Begriffe "Islamkritik", Meinungsfreiheit, Toleranz, Integration und Multikulturalismus in Beziehung zueinander setzen, um den Mord an dem niederländischen Filmemacher einzuordnen. So wird als "islamkritisch" nicht nur der Film charakterisiert, den der Mörder als Anlass für seine Tat nahm. Unter dem Etikett "Islamkritik" erfahren auch Theo van Goghs Diffamierungen gegenüber Muslimen und anderen Minderheiten, die er außerhalb seines filmischen Schaffens äußerte, eine erstaunliche Verharmlosung, ja sogar Aufwertung – ebenso wie seine Freundschaft mit dem vor zwei Jahren ebenfalls in den Niederlanden ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn und schließlich Fortuyn selbst. Und dies geschieht selbst dann, wenn nicht die politische Debatte um den Mord im Mittelpunkt steht, sondern das künstlerische Werk des Ermordeten.

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