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Wunder, Witz und weise Worte – Geschichten, gesammelt von Moira Thiele, München

Wie ich jüdische Geschichten entdeckte und dazu kam, sie zu erzählen

Mir fällt die Ehre zu, mit dieser kleinen Sammlung zu beginnen, die langsam und stetig wachsen soll. Deshalb möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Moira Thiele, ich habe vor vielen Jahren in München Germanistik studiert, mit Schwerpunkt Literatur der Zwanziger Jahre, wobei ich unter diesen 1933 „Verbrannten Dichtern“ teils unbekannten faszinierenden Autoren begegnet bin, wie Ernst Toller, Erich Mühsam, Gustav Landauer und dem Klassiker Kurt Tucholsky, allesamt jüdischer Herkunft.

Nebenbei habe ich den jüdischen Witz entdeckt, dessen Stärke, in allen Lagen den Kopf samt Humor hoch zu tragen und sich sowie die Welt nicht ernster zu nehmen als nötig, fast eine Art Lebenshilfe für mich war. Und Witze sind ja, wie Anekdoten, nichts anderes als kurze Geschichten, die geradezu danach rufen, weitererzählt zu werden.

Dabei habe ich mich in die jiddische Sprache verliebt und viele Jahre später in einen Israeli aus Jerusalem. Zusammen mit unserem kleinen Sohn habe ich zum ersten mal einen jüdischen Geschichtenerzähler gehört, Gidon Horowitz, der Märchen aus aller Welt erzählt und in wunder-schönen Büchern wie dem „Märchenschiff“ gesammelt hat, das ich noch heute habe. Vielleicht sprang da der Funke über, jedenfalls habe ich bald darauf eine Ausbildung zur Geschichtenerzählerin gemacht und trat bei Festen und Erzählabenden auf, meist mit anderen zusammen.

Die neuen Erzählfreundinnen und -freunde brachten mich dazu, bei mir zuhause einmal im Monat ein Erzähltreffen zu machen, wo wir uns im Wohnzimmer beim Licht orientalischer Lämpchen, Mandeltee aus Israel und Knabbereien Geschichten erzählen, darüber reden und uns auf Wunsch Feedback geben. Dieses kleine Erzählforum – maximal 15 Leute – gehört seit über 15 Jahren zu den größten Geschenken meines Lebens, das offenbar auch allen, die kommen, viel gibt – unterbrochen nur durch die Corona-Zeit. Doch gerade da entdeckte ich 2020 das monatliche Zoomtreffen des World Storytelling Institute, moderiert von dessen Direktor Eric Miller. „Storytelling for adults“ steht Erzählern aus aller Welt offen, ein Online-Format, das überraschenderweise auch am Bildschirm intensives Erzählen, begeistertes Zuhören, Austausch und Feedback möglich macht, dazu Begegnungen und Kontakte von USA bis Indien, von Afrika bis Indonesien, von Europa bis in den Nahen Osten.

So entstand die Idee einer kleinen Anthologie jüdischer Lieblingsgeschichten; einen herzlichen Dank an Eric Miller stellvertretend für alle Erzähler und Erzählerinnen, die Kontakte knüpfen halfen und die mit ihren persönlichen Erzähl-Schätzen zu dieser Sammlung beisteuern.

Zunächst aber möchte ich selber eine Handvoll Geschichten mit Ihnen teilen, aufgeschrieben ungefähr so, wie ich sie frei erzähle, und bald auch mit der Möglichkeit, sie anzuhören. (Die Geschichten erscheinen nach und nach.)
   
1   Das Heilige Stück Land
2   Onkelos und die Mesusa
3   Das Geheimnis des Granatapfelkerns
4   Der kleine Jonathan
5   Der Schatz unter der Brücke
6   Königin Esther
7   Zum Asasel
8   Morgen ist morgen
9   Todje der Gerissene und Leiser der Knicker
10 Der Wunsch des Propheten Elias

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