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Koscher leben...
 
 

Paraschat Wajechi:
Krieg

Rabbiner Tom Kučera

Wajechi - er lebte im Land. Er lebte friedlich im Land. Diese Anfagsworte der Paraschath haSchawu'a klingen aufgrund der Situation der letzten Wochen als eine weit entfernte Vision.

Wir sind jeden Tag überfüllt mit den Nachrichten, wir empören uns oft wegen der Berichterstattung, wir staunen über das Denken der anderen und fragen uns, warum die Welt nicht verstehen kann, dass die Medinat Israel sich 2005 aus Gasa zurückgezogen hat, unter gewaltigem Protest vieler, die darauf hingewiesen haben, dass dadurch die Sicherheit Israels gefährdet wird (was auch tatsächlich passierte).

Damals im 2005 haben diese Leute dazu orange Farbe als ihr Symbol benutzt und weil ich gerade in diesem Sommer in Jerusalem war, habe ich diese enorme Spannung in der Gesellschaft selbst empfunden, als ich die orangefarbenen Bänder, die auf den Strassen Jerusalems verteilt wurden, nicht angenommen habe (und meine T-Shirts in orange liegen ließ).

Neben dieser historischen Tatsache des Gasa-Rückzugs, durch den die Medinat Israel eine enorme Geste der Friedensbereitschaft gezeigt hat, können wir weiter nicht verstehen, wieso die Welt nicht einsieht, dass der Krieg nur eine Antwort auf den Beschuss in Sderot war. Diese Antwort war gar nicht spontan und auch nicht selbstverständlich. Prof. Paul Liptz weist darauf hin, dass zwischen Unabhängigkeitskrieg 1948 und Sechstagekrieg 1967 Nordisrael ständig unter dem Beschuss von Syrien war und trotzdem hat die israelische Armee nichts unternommen, weil es sich um eine ziemlich kleine Gruppe der Betroffenen handelte, was der jetzigen Situation ähnlich ist.

Diese zwei Tatsachen, Rückzug aus Gaza und Sderot-Krise, werden zur Zeit nicht berücksichtigt, auch aus dem Grund, dass es jetzt schon auf beiden Seiten viele Tote gibt. Dadurch erreichen beide Seiten die faktische Ebene, die gegeneinander benutzt werden kann und benutzt wird. Kein militärischer Konflikt, wie berechtigt auch immer, kann den Tod Unschuldiger verhindern.

Die Reformrabbiner in Israel waren traditionell sehr empfindlich für das Leiden der Unschuldigen. Rabbi Levi in der Reformgemeinde Kol haNeschama in Jerusalem hat einen Text geschrieben, der mit den folgenden Worten anfängt:
"Wenn es je eine Zeit für ein Gebet gegeben hat, dann ist es jetzt.
Wenn es je einen verlassenen Ort gegeben hat, dann ist Gaza der Ort"...

Weiter spricht Rabbi Levi von den Kindern von Gasa, und er bittet Gott, dass er für sie ein Wunder mache, dass er sie genauso vor uns, wie vor den Eigenen errette.

In Jischma'el erkannte er den Vater der Kinder von Gasa. In Jischma'el, der in der Tora ohne Hoffnung, ohne Nahrung, ohne Wasser, erschöpft auf den Tod wartet - und von Gott errettet wird. So endet der Text dann auch mit der Zeile: "Möge Gott auch diesen Kindern von Gasa sein Gesicht zeigen und Schalom bringen".

Diese Worte mögen heftige Diskussion hervorrufen. Man muss jedoch wissen, dass die gleiche Reformgemeinde Einkaufsausflüge nach Sderot organisiert hat, um die Unterstützung für die dortige Bevölkerung in den schlimmsten Zeiten zu zeigen, um also auch die Kinder von Sderoth zu unterstützen.
Auf diese Weise steht auch der Text von Rabbi Levi in der Tradition der Propheten, wie z.B. Hosea, Amos, Oded, die die Könige Israels scharf kritisiert haben, die den Baal-Kult bekämpft haben und Krieg gegen die Feinde führten.

Ich frage mich, inwieweit diese Empathie eine öffentliche Unterstützung des Krieges ermöglicht. Wir zweifeln nicht an der Ursache des Krieges, doch wir zweifeln an den Konsequenzen. Wir befürworten unsere Verteidigung, wir wollen auch den Tod der Unschuldigen vermeiden, der nicht zu vermeiden ist. Wir stehen in einer Spannung, die grundsätzlich ist, und gleich am Anfang steht.

In vielen Synagogen werden die Gesetzestafeln dargestellt, die zweite von ihnen beginnt immer mit den Worten LO TIRZACH - töte, morde nicht. Es ist ein wesentlicher Teil des Dekalogs. Darüber hinaus sagt die Mischna: Wenn einer ein Leben rettet, dann ist es als habe er die ganze Welt gerettet.

Auf der anderen Seite definieren die talmudischen Rabbiner nicht nur Milchemet mizva, den "Pflichtkrieg", sondern auch Milchemet reschut, den "Wahlkrieg", der durch den König initiiert und vom Sanhedrin, dem Hohen Rat,  bestätigt werden muss. Dieser Krieg kann auch das Ziel haben, dem Feind die Möglichkeit zu nehmen, gegen uns überhaupt erst aufzumarschieren.

Diese Spannung zwischen beiden Gedankenrichtungen weist auf einen besonderen Modus in unserem religiösen Leben. Ich habe die Reaktion einiger religiösen Autoritäten beobachtet. Was sagt ein Oberrabbiner den Soldaten vor dem Krieg? In der biblischen Zeit wurde der Aron, der Tora-Schrank herausgefahren und gesungen: Wajehi binsoa haaron, die gleichen Worte, die wir bei der Öffnung des Tora-Schrankes singen.

Heutzutage kommt der Oberrabiner - und was sagt er? Oberrabiner Mezger hat den Soldaten einen Segen gegeben und sagte, dass alle Juden eine Seele haben, die sie begleiten wird, wohin auch immer sie gehen werden. Es ist ein originelles, märchenhaftes aber wesentlich motivierendes Argument, das aus der Spannung zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit das Beste zu ziehen versucht.

Auf jeden Fall ist diese Antwort besser, als der Rat eines Rabbiners, die Psalmen 20 - 120 zu beten, für den Erfolg der israelitischen Soldaten. Sowohl die Empfehlung (Psalmen sagen, als Rezept für alles Unheil) als auch die Aussage es gehe weniger um den Erfolg der Soldaten als um die Lösung der Situation, betrachte ich als fragwürdig. Sie zeigen nur die erwähnte Spannung zwischen unserem religiösen Gefühl unter normalen Bedingungen und zwischen dem besonderen Modus im Krieg. Mögen wir und besonders diejenigen, die direkt involviert sind, die Kraft haben, diese Spannung auszuhalten, in der Hoffnung, dass dieser besondere Zustand, der so viel in unserem spirituellen Wortschatz durcheinander bringt, bald vorbei ist.

Ken jehi razon.

[Diskussion]

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