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Eichmanns geheimnisvoller Gesprächspartner in den „Sassen-Interviews“ – Dr. Ernst Chlan, alias Dr. Franz Langer

Von Susanne Benöhr-Laqueur/ Matthias Gafke
Unter Mitarbeit von: Johanna Holtschlag, Lina Schröder und Jana auf der Heide

1. These

Die Autoren vertreten die These, dass sich hinter „Dr. Klan, alias Dr. Langer“, der als Adolf Eichmanns Gesprächspartner in Argentinien fungierte, Dr. jur. Ernst Chlan verbirgt.[1]

2. 1957: Buenos Aires

Im Hause des deutsch-niederländischen Journalisten und ehemaligen SS-Angehörigen Willem Sassen traf sich im Jahre 1957 für circa vier Monate[2] in regelmäßigen Abständen eine interessante Herrenrunde.[3] Hauptgast war: Adolf Eichmann. In vertrauter „kameradschaftlicher“ Atmosphäre referierte er für ein Buchprojekt vor ausgewählten Gästen mit NS-Vergangenheit in erster Linie über die „Endlösung der Judenfrage“.[4] Als Stichwortgeber, Fragesteller sowie Moderator fungierte primär der Hausherr, wobei die Gespräche auf Tonband mitgeschnitten und anschließend transkribiert wurden. Allerdings bedurften Eichmanns umfangreiche Ausführungen der Kontrolle. Letztere Aufgabe übertrug Sassen zeitweise einem gewissen Dr. Langer.[5] Mit vernehmbar österreichischem Akzent korrigierte oder bestätigte er Eichmanns Darstellungen.[6] Dr. Langer erwies sich sowohl in juristischer Hinsicht als auch bezüglich der Organisations- und Befehlsstruktur der SS und des SD als ein ausgesprochen versierter Gesprächspartner.[7] Allerdings wurde das Buchprojekt nie verwirklicht. Als der Mossad Eichmann im Jahre 1960 entführte, versteckte Sassen die Tonbänder nebst Abschriften.[8] Der Grund war offensichtlich: Eichmann hatte, wie die folgende Passage zeigt, seine antisemitischen Überzeugungen keinesfalls revidiert. 1957 äußerte er sich gegenüber Sassen und den „Kameraden“ wie folgt:

„Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, hätten wir von den 10,3 Millionen Juden (…) 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet.“[9]

3. 1961: Jerusalem

Das weltweite Interesse an Eichmann nutzte Sassen, um transkribierte Auszüge der Interviews meistbietend zu verkaufen.[10] Von diesem Umstand erhielt u.a. auch die israelischen Anklagebehörde Kenntnis und in der Folgezeit gelangte sie in den Besitz diverser Abschriften.[11] Streitig war jedoch, ob und inwieweit Duplikate eines Interviews, dessen Originalbänder nicht vorlagen, in einem Strafprozess als Beweismittel zulässig sind.[12] Das Gericht entschied schließlich, dass bestimmte Textpassagen Eichmann zumindest vorgehalten werden können.[13] Dies geschah u.a. am 102. Verhandlungstag.[14] Im Kreuzverhör versuchte Generalstaatsanwalt Gideon Hausner nähere Angaben über ein Treffen von Polizeiführern in Berlin am Ende des Krieges in Erfahrung zu bringen. Zur Verdeutlichung begann Hausner aus den „Sassen-Interviews“ vorzulesen und Eichmann zu fragen, ob er diese Äußerung getätigt hätte. Die folgende Textpassage aus dem „Sassen-Interview“ lag Hausner vor:[15]

„Weiterer Beweis; Im Preussenhaus hatte K. zu einer Dienstbesprechung aufgerufen, zwischen der Mussolinie Befreiung und dem Maerz 1944 hat die Tagung im Preussenhaus stattgefunden, es koennte aber auch sein, dass ich zu diesem Zweck von Ungarn nach Berlin befohlen wurde, das weiss ich nicht mehr.

Jedenfalls in der sehr hohen Zeit des Krieges hat K. zu dieser Tagung aufgerufen, weil im Stapo Amt kein Platz war, es war zum Teil ausgebombt, im Preussenhaus. Leipzigerstr, nahe am Potsdamerplatz—- Da waren saemtl. Stapo Leiter, saemtl. Stapo Leit Leiter, saemtl. Insprekteure saemtl. Befehlshaber der SIPO und SD, ob Einsatzgruppenchefs und Einsatzkommendochefs dabei waren, das weiss ich nicht, jedenfalls war es eine Versammlung von rund 300 Mann, auch 400 koennen es gewesen sein, auch Goebbels war dabei gewesen, auch Lange, weil die SD Oberabschnittsfuehrer auch mit dabei waren und ich war unter den Referenten die einen Vortrag halten mussten, und ich hielt meinen Vortrag weil die SD Oberabschnittsfuehrer auch mit dabei waren und ich war unter den Referenten die einen Vortrag halten mussten, und ich hielt meinen Vortrag ueber XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXpfungX das Ergebnis der Weltanschaulichen Gegnerbekaempfung. Es war damals eine sehr hohe Zeit im Kriegsgeschehen. Vor mir sprach Ko …….. ueber seine Mussolinibefreiung – ich gebe das alles an, weil es Daten sind, wenn man sie sonst nicht so auf Anhieb sagen kann. Und an diesem Tage hatte ich einen Vortrag zu halten…“.[16]

Hausner generierte aus diesem Text die folgenden Fragen:[17]

Hausner: Sie haben einmal einen Vortrag im Preußenhaus gehalten. Erinnern Sie sich daran?
Eichmann: Ja, in der Tat. Daran erinnere ich mich. Aber das muss gegen Ende des Krieges gewesen sein.
Hausner: Das war ein von Kaltenbrunner organisiertes Treffen, an dem auch Goebbels und etwa 300 oder 400 Polizeikommandanten teilnahmen, richtig?

Eichmann: Erstens war Goebbels nicht anwesend, und zweitens war es nur eine Polizeisitzung. Aber es waren nicht drei- oder vierhundert Teilnehmer. Ich glaube nicht, dass… es waren vielleicht… höchstens die Hälfte davon, aber Goebbels war nicht anwesend.
Hausner: Und Skorzeny hat dort auch einen Vortrag über die Operation zur Befreiung Mussolinis gehalten, richtig?
Eichmann: Ja, das ist richtig.
Hausner: Und das Thema Ihres Vortrags war „Ergebnisse des ideologischen Kampfes gegen den Gegner“. Das war das Thema Ihres Vortrags.
Eichmann: Das kann ich kaum glauben, denn ich hätte nur über das sprechen können, was auf dem Gebiet der Lösung der Judenfrage geschah. Aber das Thema des Kampfes gegen ideologische Gegner, ich glaube nicht, dass das das Thema war.

Hausner: Was war denn dann das Thema Ihres Vortrags?

Eichmann: Das Thema dieses Vortrags wird ungefähr dasselbe gewesen sein wie das in der Broschüre, also die Arbeit vom Beginn der Emigration bis zum Tag des Vortrags. Ich weiß es nicht genau, aber das wird wohl so gewesen sein.
Vorsitzender Richter: Wann hat denn dieser Vortrag stattgefunden?
Eichmann: Es war eigentlich kein Vortrag, sondern ein Referat, das ich zu halten hatte. Er fand statt – es war ein zehnminütiger Vortrag, und er fand gegen Ende des Krieges statt: vielleicht 1944, 1943… ich kann es nicht genau sagen.

Hausner: Und ich sage Ihnen, dass die Fakten anders waren, als Sie sie beschrieben haben, und dass Sie Sassen die folgende, korrektere Beschreibung der Fakten gegeben haben:
„Kaltenbrunner hatte zwischen der Freilassung Mussolinis und dem März 1945 ein offizielles Treffen im Preußenhaus einberufen, und das fand im Preußenhaus statt. Es ist aber auch möglich, dass ich zu diesem Zweck von Ungarn nach Berlin beordert wurde. Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall hat Kaltenbrunner sehr spät im Krieg dieses Treffen einberufen, weil im
Landespolizeiamt kein Platz mehr war. Das Preussenhaus war teilweise ausgebombt. Leipzigerstraße, Nähe Potsdamer Platz.“

Ist das so weit richtig?

Eichmann: Bis jetzt ist das richtig. Aber diese genaue Definition, Potsdamer Platz und so weiter, das kann gar nicht von mir sein, weil ich das nicht weiß.

Hausner: „Es waren alle Leiter der Staatspolizei dort, alle Inspektoren, alle Kommandeure der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes. Ob die Chefs der Einsatzgruppen und der Einsatzkommandos dort waren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall waren es dreihundert Männer, vielleicht sogar vierhundert. Und Goebbels war auch anwesend.“ Ist das richtig?

Eichmann: Nein, das kann nicht stimmen, denn soweit ich weiß, habe ich Goebbels das letzte Mal gesehen, als ich noch in der Hauptverwaltung des Sicherheitsdienstes war. Danach habe ich ihn während des ganzen Krieges, bis zum Ende, nicht mehr gesehen. Ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo ich ihn gesehen habe, und er war wirklich nicht zu übersehen, nicht mit seinem Gang.

Hausner. „Und auch Lange, ein SD-Oberabschnittsführer, war dabei.“ Ist das richtig?
Eichmann: Lange, Dr. Lange.
Hausner: War er dort?

Eichmann: Ein Dr. Lange war auch anwesend, als Sassen… zu der Zeit, als er diese Dinge von mir aufnahm… Oberabschnittsleiter des Sicherheitsdienstes, Dr. Lange. Das ist durchaus möglich, denn ich habe Lange tatsächlich in Buenos Aires gesehen, und er kann das gesagt haben. Es ist möglich, aber ich weiß nicht, ob ich es gesagt habe, oder ob er es gesagt hat. Aber diese Sache mit Goebbels kann leicht überprüft werden, denn bei so hochrangigen Ministern kann man die Anwesenheit oder die Teilnahme an Sitzungen mit anderen Mitteln überprüfen, ob das stimmt oder nicht. Ich muss das auf jeden Fall bestreiten.

Hausner: „Und ich habe meinen Vortrag über die Ergebnisse des ideologischen Kampfes gegen die Gegner gehalten. Das war schon sehr spät im Verlauf des Krieges. Vor mir sprach Skorzeny über seine Befreiung von Mussolini.“ Ist das so weit richtig?

Eichmann: Ja, das ist richtig, aber ich muss hinzufügen, das ist nicht dieser Dr. Lange, auf den hier immer wieder Bezug genommen wird. Sondern dieser Dr. Lange, der hieß eigentlich Dr. Klan, und war ein ehemaliger Bezirksleiter des Sicherheitsdienstes in Österreich.“

Dr. Lange/ Dr. Langer war somit gemäß der Aussage von Eichmann nur ein Deckname für Dr. Klan.

4. Wer ist Dr. Langer?

Der Name „Dr. Langer“ bzw. nur „Lange“ erscheint des Öfteren in den „Sassen-Interviews“.[18] Eichmann versah seinerseits diverse Passagen mit handschriftlichen Anmerkungen, in denen „Dr. Langer“ zu lesen steht.[19] Ferner ist im Manuskript aber auch stellenweise nur von „Lange“ die Rede.[20] Angesichts der schlechten phonetischen Qualität der Tonbänder und Eichmanns handschriftlichen Vermerken zu „Dr. Langer“ kann davon ausgegangen werden, dass sich der Gesprächsgast in der Tat „Dr. Langer“ nannte. Während Irmtrud Wojak[21], David Cesarini[22] und Uki Goni[23] die Person „Dr. Langer“ völlig ignorierten bzw. ihr keine besondere Beachtung beimaßen, erregte sie Bettina Stangneths berechtigte große Aufmerksamkeit.[24] Bei „Dr. Langer“ handelte es sich nämlich offenbar um einen „Insider“, den die Forschung bisher völlig außer Acht gelassen hatte. Im Rahmen des Buchprojektes „Eichmann vor Jerusalem“ initiierte Stangneth eine umfangreiche Suche in Archiven und unter Historikern.[25] Ohne Erfolg, dabei ist die Lösung des Problems simpel: Der Schriftführer verstand „Klan“, gemeint war aber „Chlan“. Diese kleine aber feine phonetische Nuance in der deutschen Sprache nebst Eichmanns ohnehin eigentümlicher Sprechweise, machten aus dem SD-Abschnittsführer Wien und SS–Sturmbannführer Dr. jur. Ernst Chlan, den geheimnisvollen „Dr. Klan“.

Die Beweisführung gelang den VerfasserInnen mit Hilfe eines Bild- und Schriftabgleiches. Das Bildmaterial umfasste zum einen das Fahndungsfoto, welches höchstwahrscheinlich aus der Akte des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS (RuSHA) stammte und Chlan in Zivilkleidung mit seiner zukünftigen Ehefrau circa im Jahre 1941 in einer bergigen Sommerlandschaft zeigte.[26] Als Chlan im Juli 1946 in den Fokus der österreichischen Polizei geriet, gelang die Beschaffung dieses (noch) relativ aktuellen Fotos, welches zur Strafakte gelegt wurde.[27] Vergleicht man die Aufnahme mit dem Passbild des Reisedokuments des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz von „Franz Langer“, so ist die Ähnlichkeit trotz des Oberlippenbartes, frappierend.[28]

Dr. Ernst Chlan, circa 1941, Quelle: Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 5a.
Franz Langer, alias Dr. jur. Ernst Chlan, IKRK-Ausweis Nr. 39634 vom 27.1.1947 – Quelle: Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Genf.

Hinzu kommt, dass sich die Bogenführung des Buchstabens „L“ zwischen 1941 und 1947 nur marginal verändert hatte.[29]

Bundesarchiv, R 9361 – III – 26436, Lebenslauf – verfasst für den Antrag auf Eheschließung, 31.7.1941.
Franz Langer, alias Dr. jur. Ernst Chlan, IKRK-Ausweis Nr. 39634 vom 27.1.1947 – Quelle: Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Genf.

Ferner lautete der zweite Vorname von Chlan – nach seinem Vater – „Franz“.[30] Und schlussendlich hat ein noch lebender Zeitzeuge bestätigt, dass Chlan durch eine „Hilfsorganisation des Vatikan“ zuerst nach Paraguay und dann nach Argentinien auswanderte.[31] Angesichts dessen dürfte eine Verwechselung ausgeschlossen sein. Gleichwohl bleibt die Frage: Wer war Ernst Chlan und warum hat ihn Eichmann in Jerusalem verraten?

5. Dr. jur. Ernst Chlan

Ernst Chlan wurde am 24.12.1912 in Trient als einziges Kind des Ehepaares Chlan geboren. Die Eltern, Franziska (Fanni) Chlan, geb. Franzelin und Franz Chlan, heirateten am 19.2.1912 in Mühlbach.[32] Franz Chlan arbeitete bei der Geburt seines Sohnes in Trient als „K.u.K. Oberingenieur“. In Trient verblieb die Familie bis 1915.[33] Infolge der Kriegsereignisse verließ Franziska Chlan die Stadt und verzog (zunächst nur mit ihrem Sohn) nach Innsbruck.[34] Dort bewohnte sie ab dem Jahre 1917 eine Wohnung in dem sehr repräsentativen Haus Erzherzog-Eugen-Str. 17.[35] Bis zum November 1939 sollte dies das Hauptdomizil von Familie Chlan bleiben.[36] Ernst Chlan besuchte gemäß eigenen Angaben die Volksschule, das Realgymnasium, um schließlich im Juni 1931 in Kufstein sein Abitur abzulegen. Bereits im Jahre 1927 – als 14- Jähriger – war er dem Freikorps „Heimwehr“ beigetreten, welches er nach einem Jahr verließ. Von 1929 bis 1930 war er Mitglied der Hitlerjugend und nahm 1929 am Reichsparteitag teil. Im Mai 1930 verstarb überraschend sein Vater. Chlan war zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglied der Innsbrucker Burschenschaft „Skaldia“.[37] Seine Mutter firmierte fortan als „Hofratswitwe“, während ihr Sohn drei Monate nach dem Abitur als Alpenjäger im österreichischen Bundesheer diente. Bereits am 26.10.1931 trat er am Heeresstandort Enns der NSDAP bei, wobei ihm aber aus Vorsicht kein Parteibuch überreicht worden sein soll. Aus der Offizierslaufbahn schied er allerdings nach einem halben Jahr – am 1.3.1932 – wieder aus, weil er sich unter einer Wehrmacht etwas anderes vorstellte „als eine Parteigarde der Christlichsozialen“.[38]

Zum Sommersemester 1932 begann er ein Rechtswissenschaftliches Studium an der Universität Innsbruck.[39] Während des Wintersemesters 1932/1933 lebte und studierte er an der Universität Wien, um am 10.10.1932 nunmehr ganz offiziell der örtlichen NSDAP und zugleich der SS beizutreten.[40]

Im Dezember 1932 wurde Chlan – als Mitglied der SS-Standarte 37 – zwar nach Innsbruck zurückbeordert, gleichwohl war er bis Ende Februar 1933 in Wien gemeldet.[41] Am 19.6.1933 erging für Österreich das NSDAP-Verbot. Chlan unterbrach sofort sein Studium und siedelte auf Befehl der NSDAP in das „Altreich“.[42] Zunächst fungierte er als KZ- Lageraufseher in Dachau,[43] wechselte dann zur Österreichischen Legion nach Lechfeld,[44] um schließlich erneut nach Dachau zurückzukehren[45] – wobei er am Reichsparteitag 1933 teilnahm . Nachdem Chlan ein Großteil des Jahres 1934 im „Altreich“ verbrachte, stellte er im September 1934 den Antrag nach Österreich zurückkehren zu dürfen, um sein Studium wieder aufzunehmen.[46] Ergänzend teilte er in einem Schreiben mit, dass nach „Erkundigungen meiner Mutter bei einem uns nahestehenden Polizeibeamten gegen mich nichts vorliegt“.[47] Der Hinweis auf seine Mutter und Nachforschungen[48] lässt aufmerken. In der Tat war Franziska Chlan, eine geborene Franzelin und stammte aus Bruneck/ Südtirol.[49] Der Polizeidirektor von Innsbruck hieß gleichfalls Franzelin. Dessen Vater war ebenfalls aus Südtirol gebürtig.[50] Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Franziska Chlan geb. Franzelin und Dr. Adolf Franzelin miteinander verwandt waren. Chlan wurde jedenfalls am 15.9.1934 antragsgemäß „ausgemustert“.[51] Er begab sich im September 1934 erneut nach Wien,[52] um sein Studium wieder aufzunehmen, wobei er aber gleichzeitig dem Motorsturm der SS-Standarte 11[53] angehörte. Chlan war mit Unterbrechungen und an unterschiedlichen Wohnsitzen in Wien bis zum Oktober 1935 gemeldet,[54] versah jedoch ab Juli 1935 bereits wieder seinen Dienst in Innsbruck, künftig als SS-Truppführer, Schulungsleiter und Standarten-Adjudant.[55] Ab dem Jahre 1936 arbeitete er für den SD, den Nachrichtendienst der SS.[56] Am 16.3.1938 und damit vier Tage nach dem „Anschluss“ Österreichs absolvierte er in Innsbruck sein 3. rechtswissenschaftliches Staatsexamen. Dies implizierte den juristischen Doktortitel. Somit studierte Chlan insgesamt 5 Jahre Rechtswissenschaften, wobei ein Jahr (mithin zwei Semester) bereits in Abzug gebracht worden sind. Chlan selber gibt an, er habe lediglich 9 Semester studiert. Etwaige kritische Nachfragen zu seinem Studienverlauf bzw. Studienerfolg entkräftete er in seinem Curriculum Vitae für das Reichs- und Sippenhauptamt im Vornherein mit den Worten: „Ich habe alle nach der österreichischen Studienordnung vorgeschriebenen Prüfungen (3 Staatsprüfungen, 3 Rigorosen) abgelegt.“[57] Nach seinem letzten Staatsexamen wurde er sofort hauptamtlich in den SD übernommen und arbeitete ab Juni 1938 als SS-Führer beim Stab im Abschnitt Innsbruck (SS-Standarte 87).[58]

6. 1938: Treffen mit Eichmann

Stangneths Intuition, wonach sich die beiden Männer nicht erst in Buenos Aires trafen, ist richtig.[59] Falls sie sich nicht bereits in der „Österreichischen Legion“ flüchtig begegnet sein sollten, ist ein Treffen am 19.9.1938 in Innsbruck jedenfalls aktenkundig. Eichmann war in seiner Funktion als „Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien“ nach Innsbruck gebeten worden, „da die Auswanderungslust unter den Juden immer schwächer geworden sei und zudem sich eine gewisse Arroganz in der Haltung der Juden bemerkbar gemacht habe“.[60] An diesem Treffen nahmen neben Repräsentanten aller Innsbrucker Sicherheitsbehörden auch Chlan teil.[61] Ob und welche Verbrechen ihm in der Nacht des Novemberprogroms in Innsbruck anzulasten sind, ist bisher ungeklärt.[62] Der Aktenlage zufolge, war er weder bei der nächtlichen Besprechung, in der das Vorgehen gegenüber der jüdischen Bevölkerung beschlossen wurde, noch bei den Mordaktionen anwesend.[63] Indes schrieb er, der Aussage des SD-Protokollführers Gustav Jakob Fast zufolge, am 12.11.1938 mit einem weiteren SD-Sachbearbeiter den Abschlussbericht.[64]

7. Ab 1939: Wien

Im April 1939 wurde Chlan zum SD-Oberabschnitt Donau nach Wien abkommandiert.[65] Zu diesem Zeitpunkt erwartete eine in Trennung lebende Zahnarztgattin, die aus einer Innsbrucker Professorenfamilie stammte, ein Kind von ihm.[66] Die von Chlan angestrebte Eheschließung fand nicht statt.[67] Im November 1939 wurde im „Lebensbornheim Steinhöring/ Bayern“ ein Kind geboren, das fortan – unter dem Mädchennamen seiner Mutter – bei einer „Lebensborn-Pflegemutter“ aufwuchs.[68] Gleichfalls im November 1939 löste seine Mutter Franziska Chlan nach über 20 Jahren ihren gesamten Hausstand in Innsbruck auf und zog zu ihrem Sohn nach Wien.[69] Mutter und Sohn lebten in den kommenden zweieinhalb Jahren gemeinsam in einem großen Mietshaus in der Weyringergasse 31 im IV. Wiener Bezirk.[70] Diverse Wohnungen dieser Liegenschaft sind ab 1938 „arisiert“ worden, somit stand exklusiver Wohnraum zur Verfügung.[71] Gleichwohl stagnierte Chlans berufliche Karriere. Die anstehende Beförderung zum SS-Sturmbannführer unterblieb mit dem Argument, dass Chlan sich weigere an einer zehnmonatigen Wehrschulung teilzunehmen.[72] Hinzu kam eine ambivalente dienstliche Bewertung.[73] Zwar bescheinigte man ihm ein hohes Maß an Interesse, Fleiß, Entgegenkommen und Kameradschaft, jedoch neige er zur „Gutmütigkeit“ und er sei „gelegentlich etwas leicht bezw seicht“.[74] Dass Chlan zur „Nachsicht“ neigte, zeigte sich in den „Sassen-Interviews“ im Hinblick auf den Umgang mit „SS-Männern“, die jüdischer Abstammung waren.[75] Chlan erklärt, er habe auf seiner Dienstelle einen Untersturmführer gehabt, der „viertel Jude“[76] gewesen sei: „Er wollte sich umbringen, ich habe ihn davon abgehalten, er kam dann zur Luftwaffe, er hat sich dort fantastisch geschlagen…und wie man mir erzählt hat, (hat) er in der neuen nationalen Bewegung Österreichs jetzt nach dem Kriege wieder in Österreich eine große Rolle gespielt“.[77] Eichmann hat diese Textstelle handschriftlich kommentiert mit „dies ist von Dr. Langer gesagt nicht von mir“.[78]

Unangenehm dürfte sich zudem ab dem Jahre 1940 Chlans „Mitgliedsbuch-Affaire“ ausgewirkt haben.[79] Im April 1940 beantragte die Ortsgruppe Braunes Haus in München die Ausstellung eines Mitgliedsbuches für Chlan.[80] Zu diesem Zwecke gab er zum einen das Eintrittsdatum während seiner Zeit beim Bundesheer (1931) als auch den „offiziellen Eintritt“ im Jahre 1932 an.[81] Erstere Angabe konnte nicht verifiziert werden und so entstand ein dreijähriger Schriftwechsel (!) darüber, ab wann Chlan der Partei beigetreten sei. Die Debatte mündete schließlich in einer Eidesstattlichen Versicherung von Chlan[82] sowie einer detaillierten polizeilichen Wohnortrecherche ab 1932 für die Stadt Wien.[83] Schlussendlich wurde die Frage dahingehend gelöst, dass ein Beitritt im Jahre 1931 als nichtig anzusehen sei.[84] In diesem Zusammenhang ist die zunehmende Gereiztheit des umfangreichen Schriftwechselverkehrs zwischen den diversen österreichischen Gauleitungen und dem Braunen Haus in München augenfällig. Zeitgleich mit der Beilegung des Konflikts wurde Chlan im April 1943 – nunmehr durch Fürsprache Dr. Ernst Kaltenbrunners, des Nachfolgers von Reinhard Heydrich – zum befördert.[85] Kaltenbrunners Einschätzung zufolge war Chlan, der bereits die Funktion des SD-Abschnittsleiters in Wien übernommen hatte, „überdurchschnittlich begabt“.[86] Diese Einschätzung dürfte nicht zuletzt auf Chlans diplomatische bzw. nachrichtendienstliche Fähigkeiten zurückzuführen sein.

Hierfür finden sich in der Literatur zwei Anhaltspunkte. Erstens vermittelte Chlan in einem Konflikt zwischen dem Gesandten Nazideutschlands und dem Vorsitzenden der Deutschen Partei in der Slowakei.[87] Zweitens intervenierte er 1943 gekonnt, um die Wahl des Dekans der Philosophischen Fakultät zum Rektor der Universität Wien zu verhindern.[88] Auch der Umstand, dass Chlan im Jahr 1942 geheiratet hatte[89] und seine Frau ein Kind erwartete könnte bei der Beförderung eine Rolle gespielt haben. Turnusgemäß wird ihm letztmalig am 14.10.1944 die Planstelle eines SS-Obersturmbannführers zugewiesen.[90] Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits geschieden, die Ehe hatte nur 13 Monate bestanden.[91] Seine Ehefrau verließ ihn unmittelbar nach der Geburt des Kindes im Mai 1943.[92] Chlan verblieb alleine in der ehelichen Wohnung, die sich in einer repräsentativen Mehrparteienvilla in der Steckhovengasse 6 im XIII. Wiener Bezirk befand. Der Wahl des ehelichen Wohnortes hatte Chlan im Juli 1941 höchste Priorität beigemessen. So intervenierte er massiv, um eine bevorzugte Bearbeitung der Eheschließung durch das Reichs- und Sippenamt in Berlin zu erreichen. Als Begründung gab er an: „Ich habe eine konkrete Aussicht auf eine Wohnung und möchte mich in Kürze vertraglich verpflichten…Im Falle einer Verzögerung bei der Bearbeitung des Antrages würde diese einmalige Gelegenheit verloren gehen“.[93] Das Haus war zum Zeitpunkt der Antragstellung als „jüdisches Sammelhaus“ genutzt worden – alle Bewohner wurden in diesem Jahr deportiert, die letzten im November 1941.[94]

8. 1945: Flucht mit Rudolf Mildner

Der letzte SS-Stammakteneintrag datiert vom 30.1.1945 – Chlan erhielt an diesem Tage das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern.[95] Seine Flucht aus Wien lässt sich zumindest in groben Zügen anhand der Verhörprotokolle des letzten Kommandeurs der Sicherheitspolizei in Wien, Dr. Rudolf Mildner, nachvollziehen.[96] Demnach sind Chlan und Mildner angesichts des Vormarsches der russischen Truppen auf Wien zunächst bei General Rudolf von Bünau vorstellig geworden.[97] Sodann suchte Mildner den Stadtkommandanten Baldur von Schirach auf, der seinerseits einen Rückzug in das von der Landeshauptstadt circa 5 km entfernte Bisamberg/ Niederösterreich in Betracht zog.[98] Dort trafen ihn Mildner und Chlan in der Folgezeit.[99] In den letzten Kriegstagen fuhren Chlan, Mildner, der Wiener Gestaporeferatsleiter, Dr. Viktor Siegel,[100] in Begleitung von zwei Fahrern nach Innsbruck,[101] um dort Dr. Max Nedwed, den Leiter der örtlichen Gestapo aufzusuchen.[102] Als sie ihn nicht fanden, trennten sich ihre Wege. Mildner, der zunächst vergeblich versuchte eine Berghütte zu erreichen, zog östlich in Richtung „Totes Gebirge“.[103] Die Gruppe um Chlan fand er nicht mehr.[104] Gemäß den US-amerikanischen Akten ist Chlan zuletzt in Woergl/ Tirol gesehen worden.[105] Dies macht angesichts der Nähe zu Innsbruck – seiner Heimatstadt – durchaus Sinn.

Im Juli 1946 geriet Chlan – sowie diverse andere SD-Funktionäre – in den Fokus der Ermittler.[106] Die private Fotoaufnahme von Chlan und seiner späteren Ehefrau aus dem Jahre 1941 ist eines der ersten Aktenbestandteile.[107] Zugleich wurde angefragt, ob er bereits zur Fahndung ausgeschrieben worden ist.[108] Diese Anfrage wurde an das Referat IV der Polizeidirektion Wien (Referat Altmann) Ende Juli 1946 weitergeleitet.[109] Erst nach über einem Jahr, am 11.8.1947, erging von der Polizeidirektion Wien I eine Verfügung an das Polizeirevier im XIII. Wiener Bezirk, zu ermitteln, wo sich Chlans Aufenthaltsort befände.[110] Die Aufforderung erreichte das Revier binnen drei Tagen.[111] Während des folgenden Monats konnte die örtliche Polizeidienststelle in Erfahrung bringen, dass Chlan von August 1942 bis kurz vor dem Einmarsch der Russen in der Steckhovengasse 6 gewohnt habe. Die Bewohner des Hauses kannten Chlan jedoch nicht, da sie allesamt erst seit Mai 1945 in dem Haus leben würden. Gleichfalls wäre er in der Umgebung nicht bekannt.[112] Im Zentralmeldeamt erfolge zwar immer noch eine Meldung unter der Adresse, aber der derzeitige Wohnort ließe sich nicht ermitteln.[113] Dieser Bericht erreichte die Polizeidirektion Wien I am 16.9.1947.[114]

Ein halbes Jahr später, am 28.2.1948, erstattete die Wiener Polizei Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien aufgrund §§ 8, 10, 11 Verbotsgesetz[115] iVm § 58 Strafgesetzbuch[116] iVm § 412 Strafprozessordnung[117] und führte an, dass sich Chlan derzeit (mithin im Februar 1948) mit 5 bis 6 anderen SS-Funktionären bei einer Familie in Steinach Irdning aufhalten solle.[118] Weitere polizeiliche Ermittlungen erfolgten nicht. Einen Monat später, am 12.3.1948, wurde Chlan zur Fahndung ausgeschrieben.[119] Sieben Jahre später, nach der Erlangung der Souveränität Österreichs am 15.5.1955, erließ der Bundespräsident eine Amnestieregelung, der auch Chlan unterfiel. Bereits am 6.6.1955 widerrief die Staatsanwaltschaft Wien das Fahndungsersuchen.[120] Das Innenministerium informierte seinerseits am 16.6.1955 das Landesgericht Wien und die Staatsanwaltschaft Wien mit der Anweisung im nächsten polizeilichen Fahndungsblatt den Widerruf zu publizieren.[121] Dergleichen geschah umgehend im Fahndungsblatt Nr. 4/55.[122] Am 8.9.1955 ist das gesamte Verfahren eingestellt worden und die Einstellungsverfügung ging an Chlans letzte Anschrift am 16.9.1955.[123] Von dort kam der Brief als unzustellbar am 19.9.1955 an das Landesgericht Wien zurück.[124] Dies veranlasste das Landesgericht Wien sofort erneut tätig zu werden. Bereits am 21.9.1955 verfügte es eine amtliche Anfrage, wo sich die gegenwärtige Wohnung von Chlan befände.[125] Die postwendende Bearbeitung ergab, dass Chlan zwar nach wie vor in der Steckhovengasse 6 gemeldet sei, aber dort seit dem Jahre 1947 nicht mehr angetroffen wurde.[126]

9. 1946 : Flucht über die „Rattenlinie“

Noch während der Anfangsphase der polizeilichen Ermittlungen im Jahre 1946 hatte Chlan sich bereits nach Italien abgesetzt und in Rom Kontakt mit der Päpstlichen Hilfskommission für Flüchtlinge aufgenommen. Am 13.11.1946 erbat Monsignore Francesco Echarri[127] in einem Vordruck das IKRK in Rom, dem Staatenlosen „Langer, Franz“ einen Pass mit dem Reiseziel(en) Argentinien, Südamerika auszustellen.[128] Gleichwohl begab sich Chlan, versehen mit dem Reisepassersuchen Nr. 3604/6, erst im Januar 1947 zum IKRK in die Via Gregoriana 28.[129] Eine Woche zuvor hatte er die Päpstliche Hilfsorganisation erneut aufgesucht. Dort ließ er das ursprüngliche Schreiben aus dem November 1946 umdatieren auf den 21.1.1947.[130] Am 27.1.1947 wurde seine seine neue Identität vom IKRK bestätigen. Aus Dr. jur. Ernst Chlan wurde „Franz Langer“, geboren am 10.10.1914 in „Böhmisch Leipa Tschechoslowakei“ als Sohn von „Giovanni Francesco Langer“ und „Milada Hešek“, österreichischer Staatsbürger aus Tschechien, jetzt „staatenlos“, berufstätig als (landwirtschaftlicher) Gutsverwalter, ledig, Kriegsflüchtling seit 1945 mit der aktuellen Adresse „Roma, Corso Umberto 92“.[131] Basierend auf dem Gesuch vom 21.1.1947 unter der Nr. 3604/6 wurde ihm ein Reisepass des IKRK mit der Nr. 39634 am 27.1.1947 mit den Destinationen „Südamerika, Brasilien, Argentinien“ ausgestellt.[132] Dieses offizielle Dokument ließ Chlan einen Tag später, am 28.1.1947, erweitern. Er suchte wiederum Monsigniore Echarri auf und erwirkte einen „Ergänzungsantrag“. Das neue Gesuch – in Schreibmaschinenschrift und Tippfehlern – wurde um den Fluchtort „Spanien“ ergänzt und erhielt eine neue Ordnungsziffer, nämlich Nr. 3707/1.[133] Chlan war somit am 28.1.1947 in Besitz aller notwendigen Dokumente. Er konnte sich nach Spanien begeben oder aber (direkt) nach Südamerika. Welche Fluchtroute Chlan wählte, ist ungeklärt. In Südamerika soll er zunächst in Paraguay und dann in Argentinien gelebt haben.[134]

Das Fluchtgeschehen offenbart, dass Chlan zielsicher und schnell handelte. Ungeklärt ist, ob er sich erst in Rom den Namen „Langer“ zulegte. Fakt ist indes, dass Chlan, der in Trient geboren wurde, als „Südtiroler“, problemlos einen italienischen Reisepass (und damit eine neue Identität) hätte erhalten können.[135] Gleichwohl wählte er – durchaus überlegt – keine italienische Identität, sondern eine osteuropäische. Angesichts der „Beneš-Dekrete“ und der damit einhergehenden Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung sowie vor dem Hintergrund des „Eisernen Vorhangs“ war eine Identitätsüberprüfung von „Franz Langer“ für absehbare Zeit nahezu ausgeschlossen. Hinzu kam, dass seine Vorfahren väterlicherseits aus Tschechien stammten[136] und er sich während seiner Zeit beim Wiener SD vermehrt in Prag aufhielt.[137] „Land und Leute“ waren ihm somit vertraut und bereits der Umstand, dass er seine Heimat verlassen hatte, suggerierte eine antikommunistische Haltung. Selbstredend dürfte „Langer“ ein Angehöriger der katholischen Kirche gewesen sein.[138] Beide Faktoren, nämlich Antikommunismus und Katholizismus, wurde von der katholischen Kirche sowie den südamerikanischen Machthabern überaus wohlwollend goutiert.[139] Chlans vorsichtiges und überlegtes Agieren wird auch daran deutlich erkennbar, dass er – quasi in letzter Minute – noch „Spanien“ als Fluchtziel einsetzte. Dies könnte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass einerseits in Barcelona die Schiffe aus Genua anlegten, bevor sie den Atlantik überquerten und zum anderen, dass in Spanien die Faschistin Clarita Stauffer ein Hilfsnetzwerk für geflüchtete Nationalsozialisten unterhielt.[140] Bliebe zu erwähnen, dass die Berufsangabe dem Anforderungsprofil diverser südamerikanischer Staaten entsprach: Eine europäische Führungspersönlichkeit, die in der Lage war, ein Landgut betriebswirtschaftlich zu führen. Höchstwahrscheinlich dürfte er sich zum Zeitpunkt des Fahndungsaufrufes – im März 1948 – bereits in Südamerika befunden haben.

10. Circa 1959: Rückkehr nach Innsbruck

In Argentinien lernte Chlan seine zweite Frau – gleichfalls eine Österreicherin – kennen. Ende der 1950er Jahre kehrten beide in ihr Heimatland zurück und heirateten im April 1961 in Innsbruck.[141] Chlan soll sodann in Südtirol zunächst für die bundesdeutsche Reiseagenturen Dr. Scharnow bzw. Dr. Tigges tätig gewesen sein. Als das Unternehmen Dr. Scharnow einen Chefreiseleiter für Mallorca suchte, sei er sofort ausgewählt worden, da er fließend Spanisch sprach.[142]

11. 1965: Mallorca, „Vielgeliebter“ Reiseleiter

Im Oktober 1965 verbrachte der Journalist Kai Herrmann seinen Urlaub auf der Mittelmeerinsel Mallorca. Dort traf er auf den Chef des Scharnow-Reiseleiter Teams: Dr. Ernst Chlan. In seinem Artikel „Mallorcinische Abenteuer“ beschrieb er ihn wie folgt [143] „In seinem deux cheveaux jagd der vielgeliebte, vielgereiste freundliche Herr über frischasphaltierte Eselspfade und mietet Betten für das nächste Jahr…Dr. Chlan liebt seine Insel, und das nicht nur von Berufs wegen…da gibt es Orte, die der Fuß des Dr. Chlan nie betreten hat: einsame Felsbuchten, idyllische Fischerdörfer, Treffpunkte der Reichen und der Ausgelassenen dieser Welt“.[144]

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass es sich hierbei um Eichmanns Gesprächspartner „Dr. Franz Langer“, alias Dr. Ernst Chlan gehandelt hat. Denn Chlan war zu diesem Zeitpunkt bereits seit circa fünf Jahren in Innsbruck ansässig und im Adressbuch des Jahres 1964 als „Reiseleiter“ vermerkt.[145] Bis Anfang der 1970er Jahre arbeitete Chlan – sodann für die TUI[146] – auf Mallorca.[147] Die Insel war Mitte der 1960 Jahre aber bei weitem nicht nur ein Treffpunkt der „Reichen und Schönen“. Sie diente auch Otto Skorzeny, der Eichmann mit Sassen in Buenos Aires bekannt gemacht hatte, als Refugium – und nicht nur ihm.[148] Selbst 1976 – dem Jahr der Olympischen Winterspiele in Innsbruck – firmierte Chlan noch im Adressbuch der Stadt, jetzt als „Reisebüroangestellter“.[149] Chlan starb am 9.2.1992 und liegt auf dem Innsbrucker Westfriedhof begraben.[150]

12. 2022: Versuch einer (rechts-)historischen Einordnung: Eichmanns Verrat

Was veranlasste Eichmann der Weltöffentlichkeit den Klarnamen von Chlan zu verraten?! Hatte er sich versprochen? Oder handelte er mit Vorsatz?

In diesem Zusammenhang ist es zunächst notwendig, die gesamte Verhörsituation genau zu analysieren.[151] In der Tat war es Hausner, der nach „Lange“ fragte und wissen wollte, ob auf diesem Treffen „Lange“ anwesend war.

Hausner: „Und auch Lange, ein SD-Oberabschnittsführer, war dabei. Ist das richtig?“[152] Eichmann wiederholte und präzisierte die Frage bezüglich des Doktortitels: Eichmann: „Lange, Dr. Lange.“[153] Hausner fragt erneut: „War er dort?“[154] Und Eichmann antwortete: „Ein Dr. Lange war auch anwesend, als Sassen… zu der Zeit, als er diese Dinge von mir aufnahm… Oberabschnittsleiter des Sicherheitsdienstes, Dr. Lange. Das ist durchaus möglich, denn ich habe Lange tatsächlich in Buenos Aires gesehen, und er kann das gesagt haben. Es ist möglich, aber ich weiß nicht, ob ich es gesagt habe, oder ob er es gesagt hat. Aber diese Sache mit Goebbels kann leicht überprüft werden, denn bei so hochrangigen Ministern kann man die Anwesenheit oder die Teilnahme an Sitzungen mit anderen Mitteln überprüfen, ob das stimmt oder nicht. Ich muss das auf jeden Fall bestreiten.“[155] Hausner ging auf die Namensnennung gar nicht ein, sondern hielt Eichmann weiterhin Passagen aus dem „Sassen-Interview“ vor und fragte nach deren Richtigkeit. Daraufhin antwortete Eichmann: „Ja, das ist richtig, aber ich muss hinzufügen, das ist nicht dieser Dr. Lange, auf den hier immer wieder Bezug genommen wird. Sondern dieser Dr. Lange, der hieß eigentlich Dr. Klan, und war ein ehemaliger Bezirksleiter des Sicherheitsdienstes in Österreich.“[156]

Dieser Abschnitt bedarf der Auslegung.

In der Tat dürfte Hausner an Dr. jur. Rudolf Lange, Befehlshaber der Sicherheitspolizei sowie des SD u.a. im Gau „Wartheland“ gedacht haben. Eben jener Dr. Rudolf Lange hatte an der Wannseekonferenz als „Praktiker“[157] für Massenexekutionen teilgenommen.[158] Da der Jerusalemer District Court peinlichst genau darauf bedacht war, Eichmann alle Beweismittel vorzulegen, dürfte er im Übrigen während Hausners Vorhaltung, die entsprechende Passage im „Sassen-Interview“ auch mitgelesen haben.[159] Eichmann ergriff in diesem Augenblick die Möglichkeit, die gesamten Passagen aus dem „Sassen-Interview“ Dr. Langer zuzuschreiben: „Das ist durchaus möglich, denn ich habe Lange tatsächlich in Buenos Aires gesehen, und er kann das gesagt haben. Es ist möglich, aber ich weiß nicht, ob ich es gesagt habe, oder ob er es gesagt hat.“[160] Es folgte eine Bekräftigung mit dem Hinweis, dass der „Dr. Lange“, auf den hier beständig im Prozess Bezug genommen werde, nicht der Dr. Lange sei, von dem er (in Wirklichkeit) spreche. Hierbei handele es sich um den vormaligen Abschnittsleiter des SD in Österreich und dieser hieße in Wirklichkeit Dr. Klan.

An dieser Stelle wäre jetzt nur noch zu klären, was Eichmann mit dem Hinweis „das ist nicht dieser Dr. Lange, auf den hier immer wieder Bezug genommen wird“[161] gemeint haben könnte. Falls er auf Dr. Rudolf Lange Bezug nahm – und damit Hausners Gedankengang bestätigte und fortentwickelte – müsste im vorherigen Prozessverlauf die Person von Dr. Rudolf Lange erwähnt worden sein. Dies kann bejaht werden. Eichmanns Brief an Herbert Hagen vom 8.5.1938 war als Beweisstück in den Prozess eingeführt worden und darin ist die Rede von Assessor Rudolf Lange, den Eichmann als Leiter der Wiener Zentralstelle für Auswanderung in sein Amt gebeten habe, um ihm 1938 eine Einführung in die Materie zu geben.[162]

Anders formuliert: Eichmann las im „Sassen-Interview“ den Namen „Lange“, vermutete wohl zurecht, das Hausner an Dr. Rudolf Lange dachte und ergriff sofort die Gelegenheit, um auf einen zweiten „Dr. Lange“ aufmerksam zu machen. Eben jenen „Dr. Langer“, der als Gesprächspartner in den „Sassen-Interviews“ diente und der eigentlich „Dr. Klan“ hieße und die Funktion eines Abschnittsleiters des SD in Österreich inne hatte. Eichmann verriet coram publico den „Klarnamen“ seines Gesprächspartners und negierte darüber hinaus die gesamte Verteidigungsstrategie seines Rechtsanwalts. Denn „Dr. Klan“ avancierte mit Eichmanns Aussage zu einem potentiellen Zeugen, der die Authentizität der Tonbandaufnahmen hätte bestätigen können. Anders formuliert: Eichmanns Aussage war extrem töricht und für die Verteidigung ausgesprochen misslich.[163] Lediglich in Anbetracht der Tatsache, dass die Anklagebehörde bereits alle wesentlichen Fakten dem Jerusalemer District Court präsentierte hatte, ist erklärlich, warum Hausner nicht weiter insistierte. Mehr noch: Er schien Eichmanns Hinweis förmlich überhört zu haben.

Aber warum verriet Eichmann „Dr. Langer“?! Diesbezüglich können nur Vermutungen angestellt werden. Hier mag Neid eine Rolle gespielt haben. Chlan hatte ab September 1955 die Möglichkeit, völlig legal nach Österreich zurückzukehren. Dass er dergleichen – mit der künftigen Ehefrau Nr. 2 – auch getan hatte, dürfte Eichmann 1961 bekannt gewesen sein. Chlan, als promoviertem Juristen, eröffnete sich somit als „Endvierziger“ noch einmal die Chance, ein neues Leben in seinem Heimatland zu beginnen. Gleichwohl käme aber auch eine nach Aufmerksamkeit haschende Präsentation von „Neuigkeiten“ in Betracht. Dass Täter im Prozess das Bedürfnis verspüren Wissen preiszugeben, das vorher dem Gericht, der Anklagebehörde und dem eigenen Rechtsbeistand völlig unbekannt war, ist in der Tat nicht ungewöhnlich. Nicht auszuschließen ist ferner, dass Eichmann den Verdacht hegte, durch Sassen und Chlan in eine Falle gelockt worden zu sein und schlussendlich mag auch die stundenlange scharfe Befragung durch Hausner ihren Anteil zu der Aussage beigetragen haben.

13. Fragen und Résumé

Chlans Vita ist nach wie vor in großen Teilen ein Mysterium. So erscheint er in den historischen Unterlagen des Wiener Stadt- und Landesarchivs im Sommer 2022 mit seiner letzten Adresse aus dem Jahre 1947 (!) vermerkt mit dem Hinweis: ohne Abmeldung.[164] Eine gleichzeitige Anfrage beim Amt für Melde-und Einwohnerwesen der Landeshauptstadt Innsbruck ergab, dass weder die „Einwohnermeldekarte“ von Chlan noch diejenige seines Vaters gefunden werden konnte.[165] Damit sind sowohl genaue Datierungen im Hinblick auf Chlans Rückkehrzeitpunkt nach Österreich nahezu unmöglich wie auch andere Verwaltungsvorgänge, z.B. die Ausstellung von Reisepässen etc. pp.[166] Parallelen zum Fall des NS-Multifunktionärs, ehemaligen „Gestapo-Leiters von Wien“, späteren BND-Mitarbeiters und ehemaligem Vorgesetzten von Chlan, Josef Huber[167] – bei dem im Münchener Einwohnermeldeamt gleichfalls keine „Karte“ gefunden werden konnte – sind deutlich erkennbar.[168]

Dabei befand sich Chlan – das beweisen die handschriftliche Einträge auf den Akten des Bundesarchivs – durchaus im Fokus der deutschen und österreichischen Sicherheitsbehörden. So sind seine „NS-Akten“ im Jahre 1961 nach Wiesbaden übersandt worden und im Jahre 1964 stellte die Wiener Polizei ein Auskunftsersuchen.[169] Unverständlich ist im Übrigen, warum Chlan, der 1955 begnadigt wurde, noch 1957 vehement darauf bestand während des „Sassen-Interviews“ mit „Dr. Langer“ angeredet zu werden. Darüber hinaus ist völlig ungeklärt, welcher Erwerbstätigkeit Chlan in Paraguay und Argentinien nachging und in welchen (anderen) Kreisen er verkehrte.

Festzuhalten bleibt, dass „Dr. Franz Langer“, alias Dr. jur. Ernst Chlan ein überzeugter Nationalsozialist der ersten Stunde war. Als ein Karrierist des NS-Staates fungierte er als KZ-Lageraufseher, zog er seinen Nutzen aus der rechtswidrigen Enteignung jüdischen Wohneigentums und überantwortete sein Kind dem „Lebensborn“. Hochintelligent, diplomatisch geschickt und mit einer offenbar sehr gefälligen sowie ausgesprochen charmanten Art leitete er zunächst den SD in Wien, um sich dann über die „Rattenlinie“ nach Südamerika abzusetzen. Als Sassen ihn bat, den Treffen mit Eichmann beizuwohnen, bestand Chlan – klug strategisch vorausblickend – auf seinem Tarnnamen. In den „Sassen-Interviews“ wird deutlich, dass Chlan auch 1957 noch ein überzeugter Nationalsozialist war, aber im konkreten Einzelfall – anders als Eichmann – wohl zu vorsichtigen Ermessenserwägungen tendierte. Chlan begann Anfang der 1960er Jahre in Österreich, Südtirol bzw. Mallorca ein neues Leben, von dem wir keine nähere Kenntnis besitzen. Dass im Einwohnermeldeamt Innsbruck Angaben zu seiner Person fehlen, gibt jedenfalls zu diversen Fragen Anlass.

14. Danksagung

Chlan und seinen Mitstreitern ist es erfolgreich gelungen, die wahre Identität von „Dr. Langer“ nahezu 76 Jahre geheim zu halten. Daher waren umfangreiche Recherchen von Nöten. Die Verfasser dieses Beitrages bedanken sich ganz herzlich bei den folgenden Personen und Institutionen bzw. staatlichen Behörden für ihre Hilfsbereitschaft:

In Deutschland: Bei Herrn Walter Krombach, Herrn Prof. Dr. Hasso Spode, Herrn Kai Herrmann, der TUI-Deutschland, den Mitarbeitern des Arolsen-Archives sowie des Bundesarchives in Berlin.

In Österreich: Den Mitarbeitern der Magistratsverwaltung der Stadt Innsbruck sowie des evangelischen Friedhofs in Wien-Matzleinsdorf und des Wiener Stadt- und Landesarchivs sowie insbesondere den Initiatoren/ Betreibern der Internetseite „Innsbrucker*innen“.

In der Schweiz: Den Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Und nicht zuletzt gebührt unser Dank dem unbekannten österreichischen Kriminalbeamten, der im Jahre 1946 das „Privatphoto“ von Chlan aus der RuSHA-Akte anforderte, welches als Aktenbestandteil in der Strafakte bis zum heutigen Tage aufzufinden ist.

 

Anmerkungen:

[1]     Die Forschungsfrage: „Wer ist Dr. Langer?“ auf dem der vorliegende Artikel beruht, entstand im Rahmen des Seminars „1961, vor Gericht: Adolf Eichmann“ an der Hochschule für Polizei und Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW), Standort Münster, Abteilung Polizei im Wintersemester 2021/2022. Dr. Matthias Gafke/ Dresden (Ders.: Heydrichs Ostmärker, Darmstadt 2015, https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/28759/heydrichs-ostmaerker sowie „ Heydrichovi „muži z Východní marky“ – Rakouský vedoucí personál bezpečnostní policie a SD 1939-1945, Praha 2022, https://search.mlp.cz/cz/titul/heydrichovi-muzi-z-vychodni-marky/4632930/#book-content ) hat das Projekt aktiv unterstützt und fungiert als Co-Autor.

[2]     «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part One, 19561957, Abschnitt 1 von 6, S. 28, https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10622517 (letzter Zugriff am 12.9.22) sowie «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Four, 19561957, Abschnitt 6 von 6, S. 715, https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623185 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[3]     Hierzu gehörte u.a. Eberhard Fritsch (Herausgeber der deutschsprachigen revanchistischen Zeitschrift „Der Weg“), Ludolf-Herrmann von Alvensleben (Reichstagsabgeordneter der NSDAP, SS- Gruppenführer,, Generalleutnant der  der Polizei und der Waffen-SS, von einem polnischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt) sowie diverse andere Personen. Vgl. in diesem Zusammenhang: Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011 mit einer umfassenden Darstellung.

[4]     Vgl. in diesem Zusammenhang: Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011 mit einer umfassenden Darstellung.

[5]     Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 334 ff.

[6]     Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 339. Stangneth spricht von einem leichten Wiener Akzent. Dem kann – nach Anhörung der Tonbandaufnahmen – nicht gefolgt werden.

[7]     Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 334 ff.

[8]     Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 503.

[9]     Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 392 sowie «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Four, 19561957, Abschnitt 6 von 6, S. 715, https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623185 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[10]   Shelliem, Jochanan: Begegnungen mit einem Mörder, in: Deutschlandfunk, 23.6.2011, https://www.deutschlandfunk.de/begegnung-mit-einem-moerder-102.html (letzter Zugriff am 12.9.22).

[11]   Alexander, Harriet: ‚If we had killed 10.3 million Jews, I would say with satisfaction, „Good, we destroyed an enemy“‚: Nazi Holocaust architect Adolf Eichmann is heard admitting to devising Final Solution in newly unearthed tapes, in: Daily Mail Online, 5.7.2022, https://www.dailymail.co.uk/news/article-10982305/Nazi-Adolf-Eichmann-heard-admitting-devising-final-solution-newly-unearthed-tapes.html (letzter Zugriff am 12.9.22).

[12]   Hauff, Lisa: „Die Augen der Welt schauen nach Jerusalem“. Der Prozess gegen Adolf Eichmann, in: Fritz Bauer Institut (Hrsg.): Einsicht 05, Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Adolf Eichmann vor Gericht. Der Prozess in Jerusalem, Frühjahr 2011, S. 42 ff (S. 44 m.w.N.), https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/einsicht-05.pdf (letzter Zugriff am 12.9.22).

[13]   Hauff, Lisa: „Die Augen der Welt schauen nach Jerusalem“. Der Prozess gegen Adolf Eichmann, in: Fritz Bauer Institut (Hrsg.): Einsicht 05, Bulletin des Fritz Bauer Instituts, Adolf Eichmann vor Gericht. Der Prozess in Jerusalem, Frühjahr 2011, S. 42 ff (S. 44 m.w.N.), https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/einsicht-05.pdf (letzter Zugriff am 12.9.22).

[14]   «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22), sowie die TV-Aufzeichnung – wobei jedoch der Anfang der 102. Sitzung bisher nicht publiziert wurde.

[15]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 4 von 6, S. 474, https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623184 (letzter Zugriff am 12.9.22). Falls die Kopien der Bundesarchives verwendet werden sollten, so handelt es sich um S. 493, https://fragdenstaat.de/dokumente/7747-sassen/?page=1 (letzter Zugriff am 12.9.22). Stangneth verwendet eine noch andere Systematik, siehe Fußnote: 1144.

[16]   Aus Gründen der Lesbarkeit, wurde die Rechtschreibung korrigiert.

[17]   «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[18]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 1 von 6, S. 365/ Abschnitt 2 von 6, S. 408/ Part Four, 1956-1957, Abschnitt 1 von 6, S. 555, Abschnitt 3 von 6, S. 610.

[19]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive, exts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 2 von 6, S. 408, https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&GridItemId=10623184&TreeItemId=10622517 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[20]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 1 von 6, S. 365/ Abschnitt 2 von 6, S. 408/ Part Four, 1956-1957, Abschnitt 1 von 6, S. 555, Abschnitt 3 von 6, S. 610.

[21]   Wojak, Irmtrud: Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay, Frankfurt/ New York 2001, keine Erwähnung im Personenindex.

[22]   Cesarini, David: Adolf Eichmann. Bürokrat und Massenmörder, Berlin 2004, keine Erwähnung im Personenindex.

[23]   Goni, Uki: Odessa. Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher, Hamburg 2006, Auszug zu Eichmann unter: https://archiv.labournet.de/branchen/auto/dc/ar/eichmann.pdf, S. 15 – mit Bezug auf den 102. Prozesstag. Goni widmet „Lange“, alias „Dr. Klan“ einen Satz.

[24]   Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 651, siehe Registereintrag zu „Dr. Langer“.

[25]   Stangneth vertrat die These, dass sich in der Sitzung durchweg alle Teilnehmer mit ihrem „Klarnamen“ anredeten, folglich galt es einen Dr. Langer zu suchen. Eichmann habe „Klan“ erfunden bzw. den Namen einem Arzt des Mossad entlehnt (Zitat: „ …im Hause Sassen gab es keine Decknamen…Bezeichnenderweise gibt es im Eichmann-Umfeld tatsächlich einen Mann dieses exotisch klingenden Namens, nämlich den Arzt im Mossad-Team…“). Diese Schlussfolgerungen sind (rechts-)historisch absolut nicht nachvollziehbar und harrten der Überprüfung, vgl. Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 339, 340.

[26]   In der Akte des Rasse- und Siedlungshauptamts-SS/RuSHA fehlt das „gemeinsame Foto“, vgl. Bundesarchiv, BArch/RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 26436, Verlobungs- und Heiratsgesuch vom 31.7.1941, Blatt 2 (Unterlagen: „1 gemeinsames Lichtbild“. Das Foto befindet sich in der Akte des Wiener Stadt und Landesarchives (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 5a.

[27]   Nur dieser polizeilichen Arbeit war eine schnelle Identifizierung im Jahre 2022 zu verdanken. Von Eichmann existierte lange Zeit überhaupt kein aktuelles Foto, dieser Umstand erschwerte die Fahndung enorm, vgl. Diamant, Manus: Geheimauftrag: Mission Eichmann, Wien 1995, S. 225 ff.

[28]   Vgl. Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg. 8E Vr 705/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 5a und im Vergleich: IKRK-Ausweis, Franz Langer, Nr. 39634 vom 27.1.1947.

[29]   Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 26436, Verlobungs- und Heiratsgesuch vom 31.7.1941, Lebenslauf und im Vergleich: IKRK-Ausweis, Franz Langer, Nr. 39634 vom 27.1.1947.

[30]   Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 26436, Ahnentafel, Dr. Ernst Franz Chlan.

[31]   Angaben eines hochbetagten noch lebenden Zeitzeugen, dessen Namen den Verfassern bekannt ist, der jedoch anonym bleiben möchte.

[32]   Lienzer Nachrichten vom 27.2.1912, S. 4, Rubrik «Vermählungen“, https://diglib.uibk.ac.at/obvuibz/periodical/pageview/7081315?query=Chlan (letzter Zugriff am 12.9.22).

[33]   Vgl. Bundesarchiv, BArch/ R 9361 – III/ 520116, Lebenslauf vom 25.5.1938, siehe auch «Innsbrucker*innen“ unter dem Namen «Franziska Chlan“, Eintrag im Jahre 1917 unter «Erzherzog-Eugen-Str. 17″.

[34]   Die Familie lebte zunächst in Mühlau (Rosenhof 137). Von dort aus begab sich Franziska Chlan auf Wohnungssuche, vgl. Innsbrucker Nachrichten vom 19.7.1917, https://diglib.uibk.ac.at/obvuibz/periodical/pageview/3876989?query=Chlan (letzter Zugriff am 12.9.22).

[35]   Wohnhaus Erzherzog-Eugen-Strasse 17, Innsbruck, Historische Fotografie, «Ein Winterspaziergang im Saggen“, https://innsbruck-erinnert.at/ein-winterspaziergang-im-saggen/ (letzter Zugriff am 12.9.22) – Franziska Chlan lebt spätestens im Dezember 1917 in der Erzherzog-Eugen-Straße 17, dies geht aus einer Anzeige in den Innsbrucker Nachrichten vom 18.12.1917 hervor, https://diglib.uibk.ac.at/obvuibz/periodical/pageview/3878617?query=Chlan (letzter Zugriff am 12.9.22).

[36]   Vgl. den Eintrag im Adressbuch der Stadt Innsbruck zu „Franziska Chlan“, https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=129&buch=1939&back=1&meta1=0 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[37]   Innsbrucker Nachrichten vom 22.5.1930, S. 9 mit dem folgenden Text: «Burschenschaft «Skaldia“ …Versammlung auf der Bude zur Teilnahme am Leichenbegräbnis des Bundesbruders Chlan“.

[38]   Vgl. Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 520116, „Lebenslauf“ vom 27.5.1938.

[39]   Chlans Angaben bezüglich seiner Studienzeit sind intransparent. Demnach habe er Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck studiert und dort auch promoviert, er sei jedoch 3 Semester in Wien immatrikuliert gewesen. In seinem Lebenslauf aus dem Jahre 1941 (verfasst für das Reichs- und Sippenamt) schreibt er: „Im Sommer 1932 begann ich das Studium der Rechte an der Universität Innsbruck“ (Quelle: Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 26436, 31.7.1941). Zum Wintersemester 1932/1933 wechselte er nach Wien. Dass Sommersemester 1933 scheint er wiederum in Innsbruck verbracht zu haben. Sodann folgt die Zeit im „Altreich“, Das Wintersemester 1934 und das Sommersemester 1935 studierte er wohl erneut in Wien. In seinem Lebenslauf gibt Chlan an: „Im Sommersemester 1932 begann ich das Studium der Rechte und promovierte am 16.3.1938 zum Doktor. 3 Semester war ich an der Wiener Universität, die übrigen in Innsbruck“, Vgl.: Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 520116, Lebenslauf vom 27.5.1938.

[40]   Vgl. Rothländer, Christiane: Die Anfänge der Wiener SS, Köln/ Wien, 2012, S. 196, FN. 745.

[41]   Chlans diverse Wohnsitze in Wien (11 Wohnsitze in 11 Jahren) sind nachzuvollziehen über: Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Listung der Polizei Wien vom 12.11.1942.

[42]   Vgl. Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 520116, Personalfragebogen, 15.7.1938, „Lebenslauf“ handschriftlich sowie „Lebenslauf“ vom 27.5.1938, Zitat: „Im Juli 1933 musste ich auf Befehl aus Innsbruck in das Altreich.“

[43]   Vgl. Rothländer, Christiane: Die Anfänge der Wiener SS, Köln/ Wien, 2012, S. 486, demzufolge wurden die ersten österreichischen SS-Flüchtlinge zunächst nach Dachau überstellt und der Wachmannschaft des Konzentrationslagers zugeteilt.

[44]   Vgl. Rothländer, Christiane: Die Anfänge der Wiener SS, Köln/ Wien, 2012, S. 487: Die österreichische SA Führung hatte Anfang Juni im Kloster Lechfeld bei Augsburg die „Österreichische Legion“ aufgestellt. In diese wurde die österreichische SS integriert.

[45]   Vgl. Rothländer, Christiane: Die Anfänge der Wiener SS, Köln/ Wien, 2012, S. 487: Es kam zu massiven Konflikten zwischen der SS und der SA. Das Experiment wurde im November 1933 beendet. Die SS zog wieder nach Dachau.

[46]   Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 520116, Antrag vom 12.9.1934, Anschreiben an „Sturm 1 der Dachau-Kommandatur – Dachau- Sturmbanner“.

[47]   Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 520116, Antrag vom 12.9.1934, Anschreiben an „Sturm 1 der Dachau-Kommandatur – Dachau- Sturmbanner“.

[48]   Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 520116, Antrag vom 12.9.1934, Anschreiben an „Sturm 1 der Dachau-Kommandatur – Dachau- Sturmbanner“.

[49]   Zu Franziska Chlan: Lienzer Nachrichten vom 27.2.1912, S. 4, Rubrik «Vermählungen“, https://diglib.uibk.ac.at/obvuibz/periodical/pageview/7081315?query=Chlan (letzter Zugriff am 12.9.22).

[50]   „Polizeidirektor Pg Dr. Adolf Franzelin gestorben“, in: Innsbrucker Nachrichten, 26.4.1940, S. 5., „Er entstammte väterlicherseits einem Weinbauerngeschlecht aus der Umgebung von Bozen…“, https://diglib.uibk.ac.at/download/pdf/3975021?name=2641940 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[51]   Bundesarchiv, R BArch /9361 – III/ 520116, handschriftliche Zettelnotiz der „Bekleidungskammer“ vom 15.9.1934.

[52]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 520116, Lebenslauf vom 27.5.1938, „Im September 1934 ging ich nach Österreich zurück und zwar zuerst nach Wien. Dort war ich bei der SS Truppführer und Stuf-Stellvertreter.

[53]   Bundesarchiv, R BArch /9361 – II/ 141052, Dienstzeugnis vom 7.4.1938. Demgemäß ging Chlan im September 1934 nach Österreich zurück, und zwar nach Wien. „Die Dienstleistung in Wien erfolgte bei einem Motorsturm der Standarte 11, und zwar als Truppführer und Sturmführer-Stellvertreter. In seinem Lebenslauf gibt Chlan an: „Im Sommersemester 1932 begann ich das Studium der Rechte und promovierte am 16.3.1938 zum Doktor. 3 Semester war ich an der Wiener Universität, die übrigen in Innsbruck“, Vgl.: Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 520116, Lebenslauf vom 27.5.1938.

[54]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Abschrift einer Rücknote des Polizeipräsidenten in Wien vom 12.11.1942 bezüglich der Meldedaten in der Stadt Wien zu Ernst Chlan. Die Wohnsitze waren die Folgenden: 25.10.1934 bis 1.2.1935, Wien 8., Langegasse 11/14/ 2.3.1935 bis 6.7.1935, Wien 17., Pallfygasse 18/4/ 11.9.1935 bis 30.9.1935, Wien 8., Pfeilgasse 4/30/ 2.10.1935 bis 18.10.1935, Wien 9., Porzellangasse 30/III/88.

[55]   Bundesarchiv, RBArch / 9361 – III/ 26436, „Lebenslauf für das Reichs- und Sippenamt, ohne Datum, wohl aber 1941.

[56]   „Seit ca. 1938 arbeitete ich im illegalen Nachrichtendienst“, vgl. Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 26436, „Lebenslauf für das Reichs- und Sippenhauptamt, ohne Datum, wohl aber 1941.

[57]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 26436, „Lebenslauf für das Reichs- und Sippenhauptamt, ohne Datum, wohl aber 1941.

[58]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/  520116, „Personalbericht“ (o.D. – jedoch circa Ende 1939/1940) ist vermerkt: „Hauptamtlich seit: 15. März 1938“ – mithin sogar ein Tag (!) vor seinem 3. Staatsexamen.

[59]   Stangneth, Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 337.

[60]   Gehler, Michael: Murder on Command. The Anti-Jewish Progrom in Innsbruck 9th-10th November 1938, in: The Leo Baeck Institute Year Book, Volume 38, Issue 1, January 1993, Pages 119–153, S. 120.

[61]   Gehler, Michael: Murder on Command. The Anti-Jewish Progrom in Innsbruck 9th-10th November 1938, in: The Leo Baeck Institute Year Book, Volume 38, Issue 1, January 1993, Pages 119–153, S. 120/ FN. 6 mit einem Hinweis auf das Privatarchiv von Edwin Tangl.

[62]   Guggenberger, Michael: Unbekannte Täter im Novemberprogrom in Innsbruck, in: Albrich, Thomas (Hg.): Die Täter des Judenprogroms 1938 in Innsbruck, 4. Auflage, Innsbruck/ Wien 2019, S. 375.

[63]   Guggenberger weist zu Recht darauf hin, dass das Novemberprogrom in Innsbruck nie gänzlich aufgeklärt werden konnte. In diesem Zusammenhang wurde bis zum heutigen Tage die Frage nicht beantwortet, wer Helene Link, die Witwe des 1932 verstorbenen Landesrabbiners von Tirol und Voralberg sowie ihre Haushälterin, Viktoria Kuen, in der Nacht zum 10. 11.1938 in ihrer Wohnung in der Erzherzog-Eugen-Str. 24 überfallen hat. Das Rollkommando kam zu Fuß, allesamt jüngere Leute, in Zivil. Ohne körperliche Gewalt gegen die beiden Frauen anzuwenden, hätten sie sich nachdem sie Wohnung durchsucht hatten und die erwachsenen Kinder nicht antrafen, schließlich entfernt. Guggenheim geht davon aus, dass es sich um eine SA-Einheit gehandelt habe, da die Gruppe nicht motorisierte gewesen sei, vgl. Guggenberger, Michael: Unbekannte Täter im Novemberprogrom in Innsbruck, in: Albrich, Thomas (Hg.): Die Täter des Judenprogroms 1938 in Innsbruck, 4. Auflage, Innsbruck/ Wien 2019, S. 364, 365. Diese Schlussfolgerung ist durchaus nachvollziehbar. Denkbar wäre aber auch, dass Chlan diese Gruppe angeführt hat. Er wohnte nur eine Minute (circa 80 Meter) entfernt in der Erzherzog-Eugen-Str. 17.

[64]   Weber, Dominik: SS-Untersturmführer Gustav Fast, in: Albrich, Thomas (Hg.): Die Täter des Judenprogroms 1938 in Innsbruck, 4. Auflage, Innsbruck/ Wien 2019, S. 27.

[65]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 26436, „Lebenslauf für das Reichs- und Sippenamt, ohne Datum, wohl aber 1941.

[66]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, Stammakte. In der Stammakte ist vermerkt: Kinder: unehelich, männlich, 28.11.1939. Diese Angabe ist falsch, vgl. Arolsen, Lebensborndatei, Standort Steinhöring.

[67]   Chlan beantragte die Eheschließung am 22.2.1939. Am 31.7.1939 teilte er dem RuSHA mit, dass beidseitig keine Heiratsabsichten mehr bestünden, vgl. Bundesarchiv,BArch / R 9361 – III/ 26436.

[68]   Arolsen, Lebensborndatei, Standort Steinhöring. Das Kind wurde an eine österreichische Pflegemutter in Tirol übergeben. Es hat dort seine ersten Lebensjahre mit einem „Ziehbruder“ verbracht, er stammte gleichfalls aus einer außerehelichen Beziehung einer Professorentochter. Ob Chlan oder die leibliche Mutter das Kind besucht haben, kann aus den Akten nicht entnommen werden.

[69]   „Wegen Übersiedlung sind verschiedene Möbelstücke zu verkaufen bei Chlan, Erzherzog-Eugen-Str. 17, Parterre…“, in: Innsbrucker Nachrichten, 7.11.1939, S. 8, https://diglib.uibk.ac.at/obvuibz/periodical/pageview/3974278?query=Chlan (letzter Zugriff am 12.9.22), vgl. zudem: Adressbuch, Wien, „Lehmanns“, Jahrgang 1940, S. 199: „Chlan, Franziska, Priv., IV., Weyringerg. 31“ https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/pageview/254479 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[70]   Bundesarchiv, RBArch / 9361 – II/ 141052, Abschrift einer Rücknote des Polizeipräsidenten in Wien vom 12.11.1942 bezüglich der Meldedaten in der Stadt Wien zu Ernst Chlan.

[71]   Diese Schlussfolgerung lässt ein Jahresvergleich 1938/1939/1940/1941/1942 des Wiener Adressbuches (Lehmann´s) zu. Während 1938 in dem Haus noch Dr. med. Richard Weinberger/ Dr. med. Leopold Feil/ Dr. med. Erich Winter/ Dr. med. Bernhard Schwarz wohnten, fehlen diese Namen bereits im Adressbuch des Jahres 1939. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die „Arisierung“ der Wohnung und der Schokoladenfabrik von Gisela Jakobowitz. Sie war Inhaberin der Schokoladen- und Süßwarenfabrik „Ritter“ und wohnte in der Weyringergasse 31. Die sog. „Eichmann-Akten“, also ein Verzeichnis sämtlicher Namen der zur Auswanderungen gezwungenen Wiener Juden, sind verschollen. Eine Suche im DÖW-Archiv bezüglich der Opfer der Shoah unter https://www.doew.at/personensuche “ – Eingabe unter Wohnort „Wien 4, Weyringergasse 31“ – ergab hingegen kein Ergebnis. Dergleichen im Hinblick auf eine Recherche bezüglich der Straßenkarte der arisierten Liegenschaften, vgl.: http://maps.tacticalspace.org/unserwien/map.html (letzter Zugriff am 12.9.22).

[72]   Am 9.11.1942 wurde eine Beförderung mit der Maßgabe abgelehnt, Chlan habe zunächst eine 10-wöchige Grundausbildung zu absolvieren, vgl. Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, o.D. (wohl Februar 1943).

[73]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, „Personalbericht“, oD. (wohl aber Januar 1940 im Hinblick auf die Beförderung zum SS-Hauptsturmführer).

[74]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, „Personalbericht“, oD. (wohl aber Januar 1940 im Hinblick auf die Beförderung zum SS-Hauptsturmführer).

[75]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 2 von 6, S. 408 (Band 44, S. 10), https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623184 (letzter Zugriff am 12.9.22)

[76]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 2 von 6, S. 408 (Band 44, S. 10), https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623184 (letzter Zugriff am 12.9.22)

[77]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 2 von 6, S. 408 (Band 44, S. 10), https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623184 (letzter Zugriff am 12.9.22)

[78]   «Sassen-Interviews“, Yad Vashem Documents Archive,Texts of the tapes of the interview held by Willem Sassen with Eichmann in Argentina, Part Three, 1956-1957, Abschnitt 2 von 6, S. 408 (Band 44, S. 10), https://documents.yadvashem.org/index.html?language=en&search=global&strSearch=Sassen&TreeItemId=10622517&GridItemId=10623184 (letzter Zugriff am 12.9.22)

[79]   In diesem Zusammenhang wurde sogar eine eigene Akte angelegt, vgl. Bundesarchiv, R 9361 – II/ 141052.

[80]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Schreiben des Amtes für Mitgliedschaftswesen (o.D. Bezug zum Laufschreiben 14292 vom 17.4.1940).

[81]   Bundesarchiv,BArch / R 9361 – II/ 141052, Personalbogen von Chlan vom 17.5.1938. Dort findet sich kein Hinweis auf einen Parteieintritt während der Zeit im Bundesheer.

[82]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Eidesstattliche Erklärung von Chlan vom 18.11.1942.

[83]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Abschrift einer Rücknote des Polizeipräsidenten in Wien vom 12.11.1942 bezüglich der Meldedaten in der Stadt Wien zu Ernst Chlan.

[84]   Bundesarchiv, BArch /R 9361 – II/ 141052, Schreiben an die Ortsgruppe Braunes Haus vom 1.3.1943.

[85]   Bundesarchiv,BArch / R-9361 –  III/ 520116 (o.D. wahrscheinlich 20.4.1943).

[86]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III – 520116 (o.D. wahrscheinlich 20.4.1943).

[87]   Vgl. Krawinkel, Niklas: Belastung als Chance. Hans Gmelins politische Karriere im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen 2020, S. 217, 284. Die nachrichtendienstliche Tätigkeit des Prager-SD in der Slowakei führte offensichtlich immer wieder zu Spannungen zwischen der Volksgruppenführung unter Franz Karmesin, und dem Gesandten, Dr. jur. Hans Gmelin. Gmelin betonte in einem Gespräch 1942, dass sich hinfort der Prager-SD zurückziehen möge und stattdessen der Wiener-SD die nachrichtendienstliche Tätigkeit ausüben solle. „Mit dem Wiener-SD habe man beste Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht. SS-Hauptsturmführer Ernst Chlan machte daraufhin den Vorschlag, in Zukunft monatlich dem gesandten Vortrag zu erstatten und darüber hinaus regelmäßige Besprechungen mit Gmelin abzuhalten…“, vgl. Krawinkel, Niklas: Belastung als Chance. Hans Gmelins politische Karriere im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland, Göttingen 2020, S. 217, 218. Im Februar 1944 wurde eine Bilanz der Zusammenarbeit gezogen, die Gmelin als „erfreulich gut ansehe“, aaO, S. 284.

[88]   Vgl. Leitner, Irene Marie: „Bis an die Grenzen des Möglichen“: Der Dekan Viktor Christian und seine Handlungsspielräume in der Philosophischen Fakultät 1938-1943, in: Ash, Mitchell G./ Wolfram Nieß/ Ramon Pils (Hrsg.): Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus. Das Beispiel der Universität Wien, Göttingen 2010, S. 49 ff (S. 73). Dem Artikel von Leitner kann man entnehmen, wie sehr der SD-Wien und damit Chlan in die Geschicke der Universität Wien eingegriffen hatten.

[89]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, Mitteilung Reichssicherheitshauptamt, 17.9.1942. Chlan hatte am 11.7.1942 geheiratet.

[90]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 – III/ 520116, Schreiben SD-Leitabschnitt Wien an SS-Personalhauptamt, 14.10.1944. Am 14.10.1944 wird Chlan in die „Führerlaufbahn des leiteten Dienstes“ eingewiesen und in die Planstelle „B3“ (Oberstumbannführer) eingestuft. Verantwortlich für das Schreiben war Dr. Ernst Kaltenbrunner. In der „SS-Stammakte“ ist eine Beförderung nicht verzeichnet.

[91]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, Scheidungsurteil als Aktenbestandteil, Landgericht Wien, 11.8.1943, AZ 19 Cg 188/43. Chlan wurde schuldlos geschieden.

[92]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 –  III/ 520116, Scheidungsurteil als Aktenbestandteil, Landgericht Wien, 11.8.1943, AZ 19 Cg 188/43 sowie Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „Personalities in the GESTAPO Wien“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239, S. 13: Mildner beschrieb Chlan ausführlich wie folgt : „CHLAN: Sturmbannfuehrer. Chief of the SD in WIEN. Studied Law in INNSBRUCK (D 7658), altained a doctorate. Had to flee the TIROL before 1938 because of his illegal Nazi party connections. Worked with the SD WIEN since 1939. Divorced his wife after she bore him one child. He also has a bastard child. Last seen at WOERGL (GSGS 4346/N 48/ E 2685) (aaO.)

[93]   „Verlobungs- und Heiratsgesuch“ an das RuSHA vom 30.7.1941, Bundesarchiv, BArch /R 9361 – III/ 26436.

[94]   Vgl. https://www.doew.at/personensuche “ – Eingabe unter Wohnort „Wien 13, Steckhovengasse 6“ – erscheinen  10 Namen (Deportationen zwischen Februar und November 1941). Siehe ferner: Farbe der Deportation Juden gelebt in Hietzing. Ein EU-Projekt der Volkshochschule Hietzing, https://docplayer.org/39431454-Farbe-der-deportation-juden-gelebt-in-hietzing-ein-eu-projekt-der-volkshochschule-hietzing-uebe-r.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Chlan wohnte ab dem 11.8.1942 in der Steckhovengasse 6. Eine Rekonstruktion der Bewohner des Hauses ergibt das Folgende: Das Haus wurde zuweilen auch unter der Adresse „Auhofstr. 17A“ geführt, da es im „rechten Winkel“ in beide Straßen hineinreicht (siehe bis heute „googlemaps“). Im Jahre 1941 war der Hausabschnitt Steckhovengasse 6 mit 21 Mietparteien belegt. Diese dürften sodann zum Auszug gezwungen worden sein. Das Wohnhaus wurde im Jahre 1941 zum „jüdischen Sammelhaus“. Im Jahre 1942 waren es nur noch zwei Mietparteien – nun mit Hinweis auf die Auhofstr. 17 A“ – verzeichnet und zwar „Rauchenstrauch und „Richter L Frau“. Ein „Ernst Rautenstrauch“ erscheint als Zeuge im Scheidungsverfahren „Chlan ./. Chlan“. Die „Gegenprobe“ ergibt, dass in der Tat eine Frau Leopoldine Richter in der Steckhovengasse 6/ Auhofstr. 17A gemeldet war. Allerdings ist kein„Rauchenstrauch“ im Namensregister 1942 verzeichnet. Siehe in diesem Zusammenhang auch die Ausstellung: Letzte Orte vor der Deportation. Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse, https://www.oeaw.ac.at/ausstellung-letzte-orte/ (letzter Zugriff am 12.9.22), jedoch ohne Nennung der „Steckhovengasse 6 bzw. der Auhofstr. 17 A. Dem Kriegsschädenplan von 1946 kann man die genaue Lage des Hauses (mit angrenzenden Tennisplätzen) entnehmen, vgl. https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/grafik.aspx?bookmark=ZGDzRd7psUV-aLrRG0-aMuRhwZlCQ-b (letzter Zugriff am 12.9.22).

[95]   Bundesarchiv, BArch /R-9361 – III/ 520116, Stammakte.

[96]   Gafke, Matthias: Heydrichs Ostmärker. Der österreichische Führungspersonal der Sicherheitspolizei und des SD 1939-1945, Darmstadt, 2019, S. 166.

[97]   Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, S. 13, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239 S. 15/ 16. Rudolf von Bünau wurde 1947 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Sofort knüpfte er ein Netzwerk und wurde aktiv in der sog. „Schnez-Organisation“. Ziel dieser Gruppe aus Angehörigen der ehemaligen Wehrmacht und der Waffen-SS war es, eine Untergrundarmee aufzustellen. In diesem Zusammenhang wurde nicht nur der SPD-Abgeordnete Fritz Erler bespitzelt auch die Kategorisierung“ Halb-Jude“ wurde wieder eingeführt, vgl. Kesselring, Agilof: Die Organisation Gehlen und die Verteidigung Westdeutschlands. Alte Elitedivisionen und neue Militärstrukturen, 1949-1953, Marburg 2014, S. 252 sowie Agence France Press (AFP): Ehemalige Offiziere der Wehrmacht und SS planten Geheimarmee, in: ZEIT ONLINE, 12.5.2014, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-05/bnd-akten-geheimarme?utm_referrer=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2F (letzter Zugriff am 12.9.22).

[98]   Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239 S. 15/ 16.

[99]   Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239 S. S. 17.

[100] Dr. Viktor Siegel war für die Beschlagnahmung jüdischen Eigentums (insbesondere Wohnungseigentums) zuständig.

[101] Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239 S. 12.

[102] Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239S. 12.

[103] .Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239, S. 12.

[104] Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239 S. 12.

[105] Interrogation Report (IRR) Nr. 47, „The last Days of the GESTAPO WIEN“, 11.9.1945, Mildner, Rudolf. Dr., D 00880, NARA RG 239, S. 13.

[106] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 7.

[107] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 7. Die Fotografie  ist versehen mit der Anmerkung Bl. 5 und Bl. 5a.

[108] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 7.

[109] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), ohne Blattbezeichnung.

[110] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 9.

[111] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 9.

[112] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 11.

[113] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 11.

[114] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 11.

[115] Chlan erschien – anders als Mildner – nicht auf den „Vier Kriegsverbrecherlisten“/ „Schwarzen Listen“ für Österreich der Alliierten aus den Jahren 1945 bis 1946. Die gesetzliche Grundlage zur Aburteilung der Angeklagten durch die „Volksgerichte“ bildete das Verbotsgesetz aus dem Jahre 1945 und das ergänzende Kriegsverbrechergesetz aus dem Jahre 1947. § 8 Verbotsgesetz vom 8.5.1945 betraf zunächst eine Formalie. Unter Strafe wurde gestellt, wer sich nicht (bei den Alliierten) registrierte. § 10 Verbotsgesetz vom 8.5.1945 beinhaltete die Bestrafung der „Alten Kämpfer“, dergleichen traf auf Chlan zu. § 11 Verbotsgesetz vom 8.5.1945 stellt zu § 10 einen Qualifizierungstatbestand dar. Davon betroffen waren Parteiangehörige, die zudem noch eine Funktion hatten – vom Untersturmführer aufwärts. Dies traf auf Chlan als „SS-Obersturmbannführer“ zu. Vgl. die Gesetzessammlung unter: http://www.nachkriegsjustiz.at/service/gesetze/index.php (letzter Zugriff am 12.9.22).

[116] § 58 StG beinhaltete den „Hochverrat“. Der Tatbestand ist erfüllt, wenn man etwas unternimmt was die gewaltsame Veränderung der Regierungsform zur Folge hat. Das traf auf Chlans Aktivitäten im Jahre 1938 zu. Vgl. die Gesetzessammlung unter: http://www.nachkriegsjustiz.at/service/gesetze/index.php (letzter Zugriff am 12.9.22).

[117] § 412 StPO betrifft u.a. den Fall, das ein Erscheinen vor Gericht nicht möglich ist. Dies traf auf Chlan zu – § 412 StPO war der einschlägige Paragraph für geflüchtete NS-Täter. Vgl. die Gesetzessammlung unter: http://www.nachkriegsjustiz.at/service/gesetze/index.php (letzter Zugriff am 12.9.22).

[118] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 5.

[119] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 5.

[120] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 3.

[121] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 13.

[122] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 19.

[123] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 15, 17, 21.

[124] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 15.

[125] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 23.

[126] Wiener Stadt und Landesarchiv (WStLA), Vg 8e Vr 709/55 (Strafsache gegen Dr. Ernst Chlan), Bl. 23.

[127] Monsignore Echarri half ferner Gerhard Bast (ehemaliger Gestapo-Chef von Linz) im März 1947 zu einer neuen Identität. Darüber hinaus war er tätig in den Fällen „Philipp Heimberger und Wilhelm Ernst“ – hierbei handelt es sich um erfundene Identitäten, vgl. Steinacher, Gerald: Nazis auf der Flucht, Innsbruck/ Wien/ Bozen 2008, S. 102, S. 106.

[128] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 13. 11.1946 – gestrichen und sodann ersetzt durch 21.1.1947, Unterschrift: F. Echarri, Vordruck, Prot. N. 3604/6.

[129] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 27.1.1947.

[130] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 13. 11.1946 – gestrichen und sodann ersetzt durch 21.1.1947, Unterschrift: F. Echarri, Vordruck, Prot. N. 3604/6.

[131] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 13. 11.1946 – gestrichen und sodann ersetzt durch 21.1.1947, Fragebogen – Organisationsziffer: 482/47 I, Nr. 39 636.

[132] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 27.1.1947.

[133] Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Genf, Akte: „Franz Langer“, Nr. 39634, Datum: 28.1.1947, Unterschrift: F. Echarri.

[134] Chlan soll sich sowohl in Buenos Aires als auch in Bariloche aufgehalten haben. Auskunft eines hochbetagten Zeitzeugen, dessen Namen den Verfassern bekannt ist, der jedoch anonym bleiben möchte.

[135] Steinacher, Gerald: Nazis auf der Flucht, Innsbruck/ Wien/ Bozen 2008, S. 60, 62, 107, 108, 110.

[136] Vgl. BArch /RuSHA-Akte, R 9361 – III/ 26436, Ahnentafel, Dr. Ernst Franz Chlan.

[137] Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich/ Hamburg 2011, S. 335.

[138] In den Dokumenten des IKRK finden sich keine Ausführungen zur Religionszugehörigkeit.

[139] Klee, Ernst: Persilscheine und falsche Pässe. Wie die Kirchen den Nazis halfen, Frankfurt/ Main 1992, S. 29.

[140] Meding, Holger M.: Flucht vor Nürnberg? Deutsche und österreichische Einwanderung in Argentinien; 1945-1955, Köln/ Weimar 1992, S. 110, 113.

[141] Auskunft Magistrat der Stadt Innsbruck. Demzufolge fand die Eheschließung im April 1961 in Innsbruck statt. Dass Chlan circa 1959 nach Österreich zurückkam, ist eine Mutmaßung, da seine „Einwohnermeldeamtskarte“ fehlt. Die spätere Ehefrau ist jedenfalls ab dem 30.9.1959 wieder in Innsbruck gemeldet. Gemäß Auskunft eines  hochbetagten Zeitzeugen, dessen Name den Verfassern bekannt ist, der jedoch anonym bleiben möchte, soll das Paar zusammen nach Innsbruck zurückgekehrt sein. Chlan lebte wohl zunächst bei seiner Mutter – Franziska Chlan (Haydnplatz 5) – denn diese Adresse wurde bei der Eheschließung angegeben.

[142] Auskunft eines hochbetagten Zeitzeugen, dessen Namen den Verfassern bekannt ist, der jedoch anonym bleiben möchte.

[143] Hermann, Kai: Mallorcinische Abenteuer, in: DIE ZEIT Nr. 42/1965, 15.10.1965, online unter: https://www.zeit.de/1965/42/mallorcinische-abenteuer (letzter Zugriff am 12.9.22).

[144] Hermann, Kai: Mallorcinische Abenteuer, in: DIE ZEIT Nr. 42/1965, 15.10.1965, online unter: https://www.zeit.de/1965/42/mallorcinische-abenteuer (letzter Zugriff am 12.9.22). Eine Anfrage bei Kai Herrmann ergab, dass er sich nicht mehr an diesen Urlaub und Dr. Chlan erinnern kann.

[145] Vgl. „Innsbrucker*innen“ 1964, https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=247&buch=1964&back=1&meta1=0 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[146] Eine Anfrage bei der TUI ergab, dass sämtliche Personalunterlagen gemäß den gesetzlichen Vorgaben bereits vernichtet worden sind.

[147] Vgl. „Innsbrucker* innen“ 1970, https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=197&buch=1970&back=1&meta1=0. Chlans Mutter starb 1972, vgl. Amtsblatt der Stadt Innsbruck vom April 1972, S. 9, https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/_amtsblatt_197204_nr04_gesamt/9 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[148] Sepasgosarian, Alexander: Der SS-Scherge und Mallorca, in: Mallorca Magazin, 23.4.2016, https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/gesellschaft/2016/04/23/46222/der-scherge-und-mallorca.html (letzter Zugriff am 12.9.22).

[149] Vgl. „Innsbrucker* innen“ 1976, https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=235&buch=1976&back=1&meta1=0 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[150] Das Grab existiert nicht mehr, vgl. den gesamten Eintrag unter: https://city-map.innsbruck.gv.at/stadtplan/synserver?project=Friedhof_Ibk&client=flex (letzter Zugriff am 12.9.22).

[151] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt.

[152] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[153] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[154] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[155] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[156] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[157] Gedenk – und Bildungsstätte Haus der Wannsee- Konferenz, „Dr. Lange kam jeden Samstag zur Besichtung. Er schoss die Leute einfach wahllos nieder.“, https://www.ghwk.de/de/blog/er-schoss-die-leute-einfach-wahllos-nieder (letzter Zugriff am 12.9.22).

[158] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 18, 27.4.1961, Part 5 of 6, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-018-05.html (letzter Zugriff am  12.9.22) sowie auch: https://www.jewishvirtuallibrary.org/adolf-eichmann-takes-control-of-jewish-life-in-austria-may-1938 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[159] Die Filmaufnahmen des 102. Verhandlungstages zeigen nicht den Anfang der Gerichtsverhandlung, https://www.youtube.com/watch?v=ecKBgEYYvXU bzw. https://www.youtube.com/watch?v=aK27HrLp4Gs (letzter Zugriff am 12.9.22). Auch die deutsche Sendung «Vor 60 Jahren: Eine Epoche vor Gericht“ geht in der Folge 3/3 nicht auf die 102. Sitzung ein, https://www.ardmediathek.de/video/alpha-doku/vor-60-jahren-eine-epoche-vor-gericht-3-3/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzJiYTYxNTM3LTk0YmEtNDk1OC05NTc5LTEwNWYzMjczM2EzMA (letzter Zugriff am 12.9.22).

[160] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[161] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 102, 19.7.1961, Part 1 of 5, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-102-01.html (letzter Zugriff am 12.9.22). Die englische Originalversion wurde von den VerfasserInnen in die deutsche Sprache übersetzt, zudem wurden die jeweils fragenden bzw. antwortenden Personen genau bezeichnet.

[162] «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 18, 27.4.1961, Part 5 of 6, http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-018-05.html (letzter Zugriff am  12.9.22) sowie auch: https://www.jewishvirtuallibrary.org/adolf-eichmann-takes-control-of-jewish-life-in-austria-may-1938 (letzter Zugriff am 12.9.22).

[163] Um die Authentizität der Transkripte/Abschriften mit den Tonbandaufnahmen zu beweisen, wäre es nötig gewesen, die Tonbandaufnahmen im Original anzuhören. Da Sassen die Aufnahmen unter Verschluss hielt, konnten sie nicht beschafft werden. Jedoch wären primär Sassen und Fritsch – die bei den Tonbandaufnahmen in Buenos Aires zugegen waren – potentielle Zeugen gewesen. Folglich benannte Eichmanns Verteidiger Dr. Servatius in der 72. Sitzung Sassen und Fritsch als Zeugen, wohlweislich in der Kenntnis, dass beide Männer angesichts ihrer NS-Vergangenheit in Israel nicht willkommen waren und folglich erst gar nicht zum Prozess anreisen würden, vgl. «The Trial of Adolf Eichmann“, Nizkor-Projekt, Session 72, 9.6.1961, Part 8: „ But there exists better evidence – the witness Sassen himself, who can be questioned as to whether he truthfully noted down what was said“ , vgl. http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-072-08.html sowie Session 73, 12.6.1961, Part 3, vgl. http://www.nizkor.com/hweb/people/e/eichmann-adolf/transcripts/Sessions/Session-073-03.html (letzter Zugriff am 12.9.22).

[164] Schriftliche Auskunft der Stadt Wien vom 29.6.2022. Im Jahre der Archivierung – 1976 – war offensichtlich weder ein Abgleich mit den landesweiten Daten erfolgt noch mit denjenigen der Stadt Innsbruck. Wer Chlan in Wien suchte, würde ihn folglich nicht finden.

[165] Schriftliche Auskunft der Stadt Innsbruck vom 6.7.2022 sowie mündliche Auskunft am 5.8.2022. Dass auch die Karte des Vaters verschwunden ist, lässt darauf schließen, dass eine vollständige Entfernung aller Daten sämtlicher männlichen Angehörigen mit dem Namen „Chlan“ durchgeführt wurde (Zur Erinnerung: Der Vater verstarb 1930!).

[166] Nur über (komplizierte) Querverbindungen lassen sich Daten ermitteln. Die 2. Ehefrau von Chlan – mit der er bereits in Buenos Aires liiert gewesen ist – war ab dem 30.9.1959 wieder in Innsbruck ansässig. Chlan wartete indes mit der Hochzeit fast zwei Jahre. Die Hochzeit fand erst im April 1961 statt, Chlan war zum Zeitpunkt der Eheschließung bei seiner Mutter Franziska Chlan (Haydnplatz 5/ Innsbruck) gemeldet.

[167] Rauscher, Hans: Der „Minderbelastete“: Gestapo-Chef Franz Josef Huber, in: DER STANDARD, 10.4.2021, https://www.derstandard.de/story/2000125711404/der-minderbelastete-gestapo-chef-franz-josef-huber (letzter Zugriff am 12.9.22).

[168] Vgl. Unmasking a hidden Nazi: The SS General living unnoticed in Germany | report München extra, 6.4.2021, Min: 00:29, https://www.youtube.com/watch?v=f9JXm1ti0Rg (letzter Zugriff am 12.9.22).

[169] Alle drei Akten des Bundesarchives tragen Anforderungs- bzw. Benutzervermerke. Die Aktenbestände wurden im Berliner Document Center unter amerikanischer Ägide verwahrt und erst am 1.7.1994 der Bundesrepublik Deutschland übergeben. Die Aktenbenutzungsvermerke ( die z.T. unleserlich sind) konnten wie folgt rekonstruiert werden: Übersendung der Akten im März 1962 nach Wiesbaden (höchstwahrscheinlich an das Bundeskriminalamt), Übersendung im Juni 1964 an die Wiener Polizei I (höchstwahrscheinlich Polizeidirektion I). Übersendung im Oktober/ November 1964 erneut nach Wien, wohin ist unklar. Anforderung eines Fotos von Chlan im April 1974, wohin ist unklar. Anforderung eines Telegramms als Akteninhalt am 2.3.1989, wohin ist unklar. Die amerikanischen Behörden haben im Jahre 1994 zwar die Akten übergeben hingegen nicht die jeweiligen Benutzerakten.