Heute wurde eine ausführliche Stellungnahme des IDF-Sprechers zu dem Dokumentarfilm „Naza“ veröffentlicht. Wir geben hier die deutsche Übersetzung der Zusammenfassung wieder:
Vollständige Stellungnahme des IDF-Sprechers zum Film „Naza“
Einheit des IDF-Sprechers, 1. Oktober 2026
„Der Film „Naza“ vermittelt ein verzerrtes, irreführendes und unrealistisches Bild der Zielplanung und der Angriffsverfahren der IDF. Die Darstellung im Film beruht auf grundlegenden sachlichen Fehlern, die aus einer verfälschten und manipulativen Schilderung resultieren.
Zusammenfassend lässt sich – entgegen den im Film aufgestellten Behauptungen – Folgendes festhalten:
1. Verbindliche IDF-Richtlinien unterscheiden ausdrücklich, kategorisch und eindeutig zwischen Terroristen und unbeteiligten Zivilisten im Gazastreifen. Die Angriffsverfahren der IDF basieren vollständig auf dieser Unterscheidung; sie untersagen Angriffe auf Zivilisten und schreiben vor, das Risiko einer Gefährdung für diese so weit wie möglich zu minimieren.
2. Die IDF hat niemals einen Angriff im Gazastreifen geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem zu erwarten war, dass 500 Zivilisten – oder eine Zahl in dieser Größenordnung – getötet würden. Ebenso wenig gab es jemals einen ernsthaften Vorwurf gegen die IDF, dass einer ihrer Angriffe eine derartige oder auch nur annähernd vergleichbare Zahl von Todesopfern gefordert hätte.
3. Künstliche Intelligenz hat niemals eigenständig Ziele für IDF-Angriffe ausgewählt. Die Zielidentifizierung erfolgt ausschließlich durch qualifizierte Geheimdienstoffiziere, die Angriffsplanung wird von entsprechenden Fachleuten durchgeführt und die Entscheidung zum Angriff auf Ziele obliegt den operativen Kommandeuren.
4. Verbindliche IDF-Richtlinien haben niemals eine automatische Genehmigung für Angriffe auf Ziele erteilt, die eine vorab festgelegte Anzahl von Zivilisten gefährden (etwa 20 Zivilisten bei einem niedrigrangigen Kämpfer oder 200 Zivilisten bei einem hochrangigen Kommandeur, wie von der im Film auftretenden Person behauptet).
5. Bei „Lavender“ handelt es sich nicht um eine Liste von Zielen, die für einen Angriff freigegeben sind, sondern vielmehr um eine Datenbank, die Geheimdienstanalysten bei ihrer Arbeit unterstützt.
6. Verbindliche Richtlinien der IDF gestatten es nicht, eine für ein bestimmtes Gebiet herausgegebene Evakuierungswarnung als Genehmigung für Angriffe in diesem Gebiet zu betrachten, wenn dabei die Anwesenheit von Zivilisten, die dort verblieben sind, außer Acht gelassen wird.
7. Die IDF ignoriert die Folgen ihrer Angriffe nicht; vielmehr prüft sie diese – einschließlich Fällen unbeabsichtigter Schäden für die Zivilbevölkerung –, was der im Film aufgestellten Behauptung widerspricht. Dieser Überprüfungsprozess bildet die Grundlage für die Untersuchung Hunderter von Kampfeinsätzen und dient dazu, entsprechende Lehren daraus zu ziehen.
Hätten die Filmemacher eine angemessene und gewissenhafte Überprüfung der Fakten sowie einen Abgleich verschiedener Quellen vorgenommen – wie es der üblichen Praxis entspricht –, so hätten sie die grundlegenden Fehler im Film erkennen können. Das Endergebnis zeigt, dass dies nicht geschehen ist. Die zahlreichen Fehler sind zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Interviewpartner – die als ehemalige Angehörige des IDF-Geheimdienstkorps vorgestellt werden – typischerweise nur begrenzte Vorstadien der nachrichtendienstlichen Arbeit schildern. Sie lassen den weitaus umfassenderen Prozess der Angriffsplanung und -freigabe außer Acht; dieser liegt außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Geheimdienstkorps und obliegt stattdessen operativen Stellen, die für die Steuerung und Durchführung von Angriffen verantwortlich sind. Dadurch wird deutlich, dass die Interviewpartner in einigen Fällen Spekulationen und Eindrücke wiedergeben, denen jegliche faktische Grundlage fehlt.
Die Filmemacher ließen viele weitere am umfassenden Prozess der Zielplanung beteiligte Akteure unerwähnt: die Fachleute, die mit der Planung zur Minimierung ziviler Schäden betraut sind, die Rechtsberater, welche geplante Angriffe prüfen, sowie die Kommandeure, die für deren Genehmigung oder Ablehnung zuständig sind. Das Ergebnis ist eine höchst ungenaue und irreführende Darstellung der Realität. Um die Darstellung zudem mit dem Narrativ in Einklang zu bringen, das der Film vermitteln möchte, lassen die Macher kontextuelle Details weg, die für das Verständnis des Krieges im Gazastreifen und des Vorgehens der IDF während des Konflikts unerlässlich sind.
Der Film versäumt es, den Sicherheitsgründen für das Vorgehen Israels im Gazastreifen und dem Hintergrund des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober angemessen Rechnung zu tragen; ebenso wenig berücksichtigt er die Strategie der Hamas, sich gezielt inmitten der Zivilbevölkerung zu verschanzen – was die eigentliche Ursache für das Leid der Zivilbevölkerung darstellt. Auch die zahlreichen Maßnahmen und Methoden der IDF zur Minimierung ziviler Opfer bleiben unerwähnt, darunter Warnungen vor Angriffen, die Wahl der Munition und eine sorgfältige Einsatzplanung sowie die Unterstützung bei der Lieferung humanitärer Hilfe.
Die im Film ausgelassenen Abläufe und Entscheidungen verdeutlichen, was die Bemühungen der IDF zum Schutz von Zivilisten tatsächlich beinhalteten: die Anforderung zusätzlicher Aufklärungsergebnisse, Planänderungen, den Abbruch von Angriffen und den Verzicht auf militärische Gelegenheiten. Diese Entscheidungen schränkten den Gewalteinsatz allein aufgrund der Risikobewertung für die Zivilbevölkerung ein. Auf empörende Weise verzerrt der Film die Realität zudem durch manipulative Interviewschnitte und Vergleiche mit historischen Gräueltaten, während er der IDF fälschlicherweise und ohne jede Grundlage böswillige Absichten unterstellt. Selbst der Filmtitel stellt eine Verkehrung der Realität dar. „Kollateralschaden“ (Naza) ist ein Fachbegriff, der bei rechtsstaatlich handelnden Streitkräften weltweit gebräuchlich ist; er bezeichnet die Einschätzung des zu erwartenden zivilen Schadens infolge eines Angriffs und dient Kommandeuren als Grundlage, um die Rechtmäßigkeit des Angriffs zu prüfen und Maßnahmen zur weitestmöglichen Minimierung ziviler Schäden zu ergreifen.
Absurderweise stellt der Film den enormen Aufwand und die Detailgenauigkeit, mit denen die IDF potenzielle Schäden für die Bevölkerung im Vorfeld eines Angriffs prüft, als Gleichgültigkeit gegenüber zivilen Leben dar. Tatsächlich ist die Bewertung zu erwartender Schäden völkerrechtlich vorgeschrieben; die IDF führt diese Prüfung durch, damit Kommandeure die Rechtmäßigkeit des Angriffs beurteilen, zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen anordnen, den Angriffsplan ändern oder den Angriff gänzlich abbrechen können – stets mit dem Ziel, das Risiko einer Schädigung unbeteiligter Zivilisten zu minimieren, wie es IDF-Kommandeure im Verlauf des Krieges bereits zahllose Male getan haben.
Mehrere Befragte beschreiben mit eigenen Worten das moralische Gewicht, das sich aus der Beteiligung an Angriffsprozessen ergibt. Die Last des Gewichts ist real und die IDF negiert sie nicht. Entscheidungen, die das Leben von Zivilisten kosten können, gehören zu den schwierigsten, mit denen Soldaten und Kommandeure konfrontiert sind, und die IDF erwartet von ihren Soldaten, dass sie die damit verbundene Last spüren und entsprechend handeln. Die mit solchen Entscheidungen verbundene moralische Belastung ist jedoch kein Beweis dafür, dass sie illegal waren oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben von Zivilisten widerspiegelten. Im Gegenteil: Die moralische Belastung spiegelt die Ernsthaftigkeit wider, mit der die Entscheidungen getroffen wurden.
Die tragischen Folgen von Kriegen rechtfertigen keine Verfälschung der Tatsachen. Eine ernsthafte Diskussion über die Schädigung von Zivilisten erfordert eine getreue Beschreibung, wie die Entscheidungen tatsächlich getroffen wurden. Der Film bietet dies nicht, sondern stellt ein vereinfachtes Pamphlet dar, das von einer klaren Agenda geleitet wird. Der Film soll den Eindruck erwecken, dass die IDF unmenschlich vorgeht.
In Wirklichkeit können die Filmemacher jedoch nur einen solchen Eindruck erwecken, indem sie Fakten verzerren, den zum Verständnis der Dinge erforderlichen Kontext weglassen, frühere IDF-Veröffentlichungen und Erklärungen ignorieren und emotionale Manipulation und Drehbucheffekte hinzufügen. Die IDF handelte und handelt menschlich, auch wenn die Filmemacher alles in ihrer Macht Stehende taten, um diese Tatsache zu verbergen.
Die IDF ist offen für ehrliche Kritik an ihrem Verhalten und legt Wert darauf, Lehren aus begründeten Behauptungen zu ziehen und ihre Arbeitsmethoden ständig zu verbessern. Die IDF unterliegt dem humanitären Völkerrecht und ist diesem verpflichtet. Ihre operativen Verfahren sind darauf ausgelegt, diese rechtlichen Verpflichtungen umzusetzen, und sie verfügt über spezielle Einheiten und Mechanismen, um den Schaden für Zivilisten zu reduzieren.
Die IDF scheut sich nicht, Pannen und Fehler einzuräumen, die während des Krieges aufgetreten sind – Vorfälle, wie sie bei derart komplexen Kampfeinsätzen unvermeidlich sind. Anschuldigungen bezüglich Verstößen gegen das Gesetz oder IDF-Befehle werden geprüft und – sofern gerechtfertigt – durch Disziplinarverfahren, strafrechtliche Ermittlungen oder sonstige Maßnahmen geahndet.
Entgegen der üblichen Praxis legten die Filmemacher ihre Behauptungen der IDF vor der Veröffentlichung nicht zur Prüfung und Stellungnahme vor; auch stellten sie nach der Vorführung keine Kopie des Films zur Verfügung, obwohl die IDF darum gebeten hatte. Um den Inhalt des Films dennoch prüfen zu können, war die IDF daher auf den detaillierten Bericht eines Vertreters angewiesen, der an einer öffentlichen Vorführung teilgenommen hatte, sowie auf weitere öffentlich zugängliche Beschreibungen.“



