733 Tage 2 Stunden 35 Minuten

0
374
Foto: Efrat Machikawa

Am 7. Oktober 2026 wird im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages eine besondere Ausstellung eröffnet.

733 Tage 2 Stunden 35 Minuten
Manche Zeiträume enden mit einem Datum.
Andere mit einem Abkommen.

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten liegen zwischen dem Morgen des 7. Oktober 2023 und dem Abkommen über die Freilassung der letzten von der Hamas festgehaltenen Geiseln im Oktober 2025. Die Ausstellung führt nach Be’eri, Nir Oz, Nahal Oz, Kfar Aza, Sderot und auf das Gelände des Nova-Festivals – an Orte, die für viele Menschen zu Symbolen geworden sind und bis heute die Spuren der Gewalt tragen.

Die Fotografien zeigen, was zurückblieb: zerstörte Häuser, Orte und Gegenstände als stille Zeugnisse des Terrorangriffs. Die Videointerviews eröffnen eine andere Perspektive. In ihnen berichten Überlebende und Angehörige von Verlust, Hoffnung und den bleibenden Folgen des 7. Oktober.

Zugleich erzählt die Ausstellung vom langen Kampf der Angehörigen und der israelischen Gesellschaft um die Rückkehr der Geiseln und darum, ihre Schicksale im öffentlichen Bewusstsein zu halten.

Die meisten Fotografien und Videointerviews entstanden im Oktober 2025. Im ersten Teil der Ausstellung sind auch Fotos aus dem Kibbuz Be’eri vom November 2023 zu sehen.

Die Ausstellung richtet den Blick auf das, was bleibt: auf Verlust und Erinnerung, auf Trauer, Hoffnung und den Versuch, weiterzuleben.

„733:02:35“ lädt dazu ein, hinter Zahlen und Schlagzeilen die Menschen zu sehen.

Diese Ausstellung ist den Menschen gewidmet, die ihre Erfahrungen und Erinnerungen geteilt haben – und ebenso jenen, die dazu bis heute nicht in der Lage sind oder deren Stimmen für immer fehlen.

Mehr zur Ausstellung unter:
https://733ausstellung.de/

Das Anemonenprojekt von „733:02:35“

Ein zentrales Element im Konzept der Ausstellung „733:02:35“ ist ein Feld aus roten Keramikanemonen. Die Blumen werden nicht als fertige Ausstellungsobjekte produziert, sondern entstehen in Israel in einem gemeinschaftlichen Kunstprojekt.

Die rote Anemone ist mit der Landschaft des südlichen Israel verbunden. Besonders im westlichen Negev prägen ihre roten Blüten in der Blütezeit Felder und Wiesen.

Seit dem 7. Oktober 2023 ist die Anemone zugleich zu einem wiederkehrenden Symbol des Erinnerns, des Weiterlebens und der Erneuerung geworden. Keramische Anemonen finden sich an verschiedenen Erinnerungsorten in Israel, darunter auch auf dem Gelände des Nova-Festivals bei Re’im.

Das Anemonenfeld von „733:02:35“ greift dieses Motiv auf. Die Blumen für die Ausstellung werden eigens für das Projekt in Israel geschaffen und anschließend nach Deutschland gebracht.

Ein Gemeinschaftsprojekt in Israel

Geleitet wird das Anemone Field Community Project von Efrat Machikawa. Sie ist eng mit der Gemeinschaft von Kibbutz Nir Oz verbunden und koordiniert die Workshops und die Umsetzung des Projekts. Die künstlerische Leitung liegt bei der Kunsttherapeutin Galit Amir und der Keramikkünstlerin Edna Cohen.

Foto: Efrat Machikawa

Die Anemonen selbst entstehen in gemeinschaftlicher Handarbeit: An den Workshops und den verschiedenen Arbeitsschritten beteiligen sich Mitglieder der Gemeinschaften von Kibbutz Nir Oz und Moshav Lachish, Bewohner aus Karmei Gat und der weiteren Region sowie Freiwillige aus Deutschland. Dazu gehören auch Mitglieder der Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e. V. . Viele Hände formen und bearbeiten so gemeinsam die Blumen für die Ausstellung.

Für das Projekt hat Efrat Machikawa ein besonderes Ziel formuliert: Mindestens 255 sollen Anemonen entstehen – entsprechend der Zahl der Menschen, die als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Das Ziel stellt eine direkte Verbindung zu einem zentralen Thema von „733:02:35“ her: zur Erinnerung an die Verschleppten und an die Familien und Gemeinschaften, die durch Entführung, Geiselhaft, Ungewissheit und Verlust getroffen wurden.

In Nir Oz waren Überlebende des Massakers und deutsche Freiwillige aus Bergisch Gladbach gemeinsam kreativ, Foto: Efrat Machikawa

Die Menschen, die an den Anemonen arbeiten, bringen sehr unterschiedliche historische Erfahrungen in das Projekt ein. Unter den Veteraninnen und Veteranen von Moshav Lachish, die sich an der Herstellung beteiligen, sind auch Holocaust-Überlebende. Mit der 86-jährigen Edna Cohen wirkt zugleich eine Pionierin des Kibbutz Nir Oz an der künstlerischen Leitung mit – eine Vertreterin jener Generation, die jüdisches Leben im Süden Israels über Jahrzehnte mit aufgebaut und geprägt hat.

Diese historischen Erfahrungen antisemitischer Gewalt reichen bis in die Gegenwart. Nir Oz gehörte am 7. Oktober 2023 zu den am schwersten getroffenen Orten des größten antisemitischen Massakers seit der Shoah. Rund ein Viertel der Gemeinschaft wurde ermordet oder nach Gaza verschleppt, zahlreiche Häuser wurden geplündert und niedergebrannt.

Auch Edna Cohens Familie wurde schwer getroffen. Sie ist die Schwägerin von Gadi Moses und Margalit Moses, die beide aus Nir Oz verschleppt wurden. Margalit Moses kam nach 49 Tagen Geiselhaft frei. Gadi Moses, Efrat Machikawas Onkel, gehörte mit 80 Jahren zu den ältesten Geiseln und war 482 Tage in der Gewalt der Hamas, bevor er am 30. Januar 2025 nach Israel zurückkehrte. Seine langjährige Partnerin Efrat Katz wurde am 7. Oktober getötet. Nach seiner Freilassung erklärte er, er werde alles dafür tun, beim Wiederaufbau von Nir Oz zu helfen.

Dass heute Holocaust-Überlebende, Angehörige der Pioniergeneration, Menschen aus den direkt vom 7. Oktober betroffenen Gemeinschaften gemeinsam an den Anemonen arbeiten, verbindet sehr unterschiedliche Biografien über Generationen hinweg. In ihnen begegnen sich Erfahrungen antisemitischer Gewalt ebenso wie der Wille, jüdische Selbstbestimmung zu verteidigen und zerstörte Gemeinschaften wiederaufzubauen.

Eine Anemone in den Händen von Gadi Moses, Foto: Foto: Efrat Machikawa

Führungen durch die Ausstellung
Donnerstag, 8. Oktober, 13 Uhr – Sabrina Zinke
Donnerstag, 8. Oktober, 15 Uhr – Christian Weiß
Freitag, 16. Oktober, 14 Uhr – Jonas Weibel
Mittwoch, 21. Oktober, 14 Uhr – Christian Weiß
Donnerstag, 22. Oktober, 11 Uhr – Christian Weiß
Dienstag, 27. Oktober, 16 Uhr – Sabrina Zinke
Freitag, 6. November, 13 Uhr – Simone Bartunek

Wenn Sie die Ausstellung im Deutschen Bundestag besuchen möchten, müssen Sie sich spätestens zwei Werktage vor dem gewünschten Besuchstermin anmelden. Dazu verwenden Sie bitte das Anmeldeformular unter:
www.bundestag.de/parlamentarische_ausstellung.

Bitte beachten Sie:
Bei der Anmeldung müssen Sie Ihren vollständigen Vor- und Zunamen, Ihr Geburtsdatum und eine Telefonnummer angeben, unter der Sie erreichbar sind, sowie das Datum und die Uhrzeit des gewünschten Besuchstermins. Eine Anmeldung ist jeweils zur vollen Stunde möglich. Sie erreichen die Ausstellung über den Westeingang des Paul-Löbe-Hauses, Konrad-Adenauer-Str. 1, 10557 Berlin. Bitte finden Sie sich 15 Minuten vor Ihrem Besuchstermin beim Personal der Westpforte ein, damit ausreichend Zeit für die Einlasskontrolle besteht.