Festlicher Abschluss der 37. Jüdischen Kulturtage Berlin mit einer symbolträchtigen Aktion
Die Abschlussveranstaltung der 37. Jüdischen Kulturtage Berlin begann auf dem Bebelplatz – einem geschichtsträchtigen Ort. Am 10. Mai 1933 wurden dort – und parallel an 19 weiteren Universitäts-Standorten – 20.000 Bücher unliebsamer Autoren verbrannt. Die Deutsche Studentenschaft wollte damit ein Zeichen gegen den „jüdischen Intellektualismus“ setzen. Der Bebelplatz befindet sich genau gegenüber der Humboldt-Universität zu Berlin, in dessen Räumlichkeiten Studierende Räume unterschiedlicher Fachrichtungen besetzten und dort unter anderem das rote Dreieck hinterließen. Mit diesem Symbol markiert die Hamas ihre Gegner.
1200 Menschen wurden am 7. Oktober beim Angriff der Hamas auf Israel getötet. „Jeder dieser Getöteten hatte einen Namen – und diese Namen dürfen wir nicht vergessen“, betont Avi Toubiana, Intendant der Jüdischen Kulturtage Berlin. Sie werden im Rahmen des Schreibens einer neuen Torarolle festgehalten, was durch eine Charityaktion ermöglicht wird. Die Einweihung der Schrift ist zugleich eine Feier des Lichts, was mit dem Motto der diesjährigen Festivaledition korrespondiert.
Ein knappes Jahr dauert es, die vorgeschriebenen 79.980 Wörter beziehungsweise 304.805 Buchstaben kunstvoll mit Gänsekiel und reiner Tinte auf das Pergament zu bringen. Die Vollendung ist dem Sofer Micha Yerushalmi, der an der Pariser Sorbonne zu hebräischen Handschriften forscht, vorbehalten. Der Schriftgelehrte führte zuvor in Kalligrafie-Workshops interessierte Berlinerinnen und Berliner in seine Kunst ein. Das Fertigstellen umrahmen Tanz und Musik. Dazu reist der chassidische Sänger Shloime Gertner eigens aus London an und untermalt den Festakt mit seinem Gesang. Vom Bebelplatz führte ein Festzug schließlich zur Synagoge Beth Zion in der Brunnenstraße.
Alle Fotos: © Margrit Schmidt