Die neuen Fernsehtipps

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"Der Golem, wie er in die Welt kam", © Filmmuseum München

Von 16. bis 30. Juni 2024

So., 16. Jun · 03:45-05:15 · WDR
Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch

Nach den beiden ersten Teilen von „Mitten in Deutschland: NSU“, die sich den Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ aus Sicht der mutmaßlichen Täter und der Opfer nähern, erzählt der dritte Teil der ARD-Filmtrilogie die Perspektive der Ermittler: Polizisten zwischen Verfassungsschutz, V-Männern und Staatsinteresse. Am Beispiel zweier Zielfahnder, die früh schon mit den mutmaßlichen Tätern befasst sind, bei ihren Ermittlungen jedoch gegen unsichtbare Mauern anrennen, erzählt „Nur für den Dienstgebrauch“ davon, wie Polizei und Verfassungsschutz ganz nah dran waren und die Mordserie doch nicht verhindert wurde.

Mo., 17. Jun · 03:15-05:30 · arte
Der Kunsthandel im besetzten Paris, 1940 – 1944

Unter der NS-Besatzung erlebte der Kunstmarkt in Frankreich einen unerhörten Boom. Zwischen 1940 und 1944 sollen etwa 100.000 Kunstwerke, Kunst- und Kulturgegenstände von Frankreich nach Deutschland gebracht worden sein. In langjähriger Arbeit hat die französische Autorin und Kunsthistorikerin Emmanuelle Polack diesem gigantischen kriminellen Kunsttransfer nachgespürt und neue Ergebnisse zutage gefördert. Ihre Indizien führen zu Galeristen, Sammlern, Händlern, Vertretern des NS-Regimes, Versteigerern, Konservatoren und einfachen Mittelsleuten. Den historischen Hintergrund bilden die von der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain erlassenen antisemitischen Gesetze, die im besetzten Frankreich galten und von den französischen Behörden durchgesetzt wurden. Tausende von Kunstwerken aus dem Besitz verfolgter und deportierter Juden wurden geraubt oder zu Spottpreisen erworben. Ein blinder Fleck des kollektiven Gedächtnisses, der an die aktuelle Restitutionsdebatte anknüpft. Erst 2020 begann der Louvre genauer zu überprüfen, welche Kunstwerke während der Okkupation vom Museum erworben wurden. In Deutschland wurden, ebenfalls 2020, drei Werke der Sammlung Dorville an die Familie von Armand Dorville zurückgegeben, aufgefunden bei Cornelius Gurlitt (1932-2014), dem Sohn und Erben von Hildebrand Gurlitt (1895-1956), der ab 1940 vor allem in Paris einer von Hitlers Haupteinkäufern für das geplante Führermuseum („Sonderauftrag Linz“) im damals zum Großdeutschen Reich gehörenden Linz gewesen war. Linz ist gut hundert Kilometer von Braunau am Inn entfernt, wo Adolf Hitler 1889 geboren wurde.

Mo., 17. Jun · 20:15-21:44 · arte
Der Garten der Finzi Contini

Der wohlhabende jüdische Literaturprofessor Finzi Contini lebt in der italienischen Stadt Ferrara mit seiner Familie auf einem großzügigen Anwesen. Da die jüdische Bevölkerung gegen Ende der 30er Jahre im Zuge von Mussolinis antisemitischer Politik zunehmend ausgegrenzt wird, öffnet er den üppigen Garten, um sich und seinen beiden Kindern die Freizeitgestaltung mit Freunden zu ermöglichen. Unter den jungen Leuten, die sich während des Sommers dort treffen, ist auch Giorgio, der schon seit seiner Kindheit in Micòl, die Tochter des Hauses, verliebt ist. Auch Micòl scheint eine besondere Zuneigung für Giorgio zu empfinden, der ihrem kranken Bruder Alberto verblüffend ähnelt. Dennoch begegnet sie Giorgio mit einem seltsamen Wechsel aus Nähe, Verbundenheit und Distanz. Nach einem Aufenthalt in Venedig erklärt sie ihm, ihn nicht mehr sehen zu wollen. Giorgio reist daraufhin zu seinem Bruder, der in Frankreich studiert. Hier erfährt er zum ersten Mal von den Konzentrationslagern und der Gewalt gegen Juden in Deutschland. Bei seiner Rückkehr nach Ferrera wird die Situation mit Ausbruch des Krieges auch für Italiens Juden immer bedrohlicher. Im Jahr 1943 verhaftet man die Finzi Contini, um sie zu deportieren …

Mo., 17. Jun · 23:25-00:20 · arte
Auf der Suche nach den Gärten der Finzi-Contini

Die Dokumentation „Auf der Suche nach den Gärten der Finzi-Contini“ geht der Frage nach, inwiefern und mit welchen Folgen ein Kunstwerk unsere Sicht auf die Welt beeinflusst. Wie wird die von einem Schriftsteller, einer Regisseurin oder bildenden Künstlerin erschaffene Fiktion in der kollektiven Wahrnehmung zur vermeintlichen Wirklichkeit? Wo verläuft die Grenze zwischen imaginärer und realer Welt? Ausgehend von Giorgio Bassanis Meisterwerk erkundet die Dokumentation, wie der Roman das Bild von Ferrara, von einem dunklen Kapitel der Geschichte und vom Leben einer jüdischen Familie im faschistischen Italien geprägt hat. Beleuchtet werden der historische Kontext, die Macht der Bilder und der Worte, die faszinierenden Figuren des Romans, die Verfilmung des Stoffs durch Vittorio De Sica und die Bedeutung eines unvergessenen Werks. Eine Mise en abyme mit zahlreichen Darstellerinnen und Darstellern, Statistinnen und Statisten, Interviews, Auszügen aus dem Spielfilm und Archivmaterial. Ein Streifzug auf den Spuren der Zeit und den Wegen eines Gartens, den es gar nicht gibt. De Sicas Film wurde unerwartet mit einem Oscar ausgezeichnet, und Giorgio Bassanis scharfe Kritik an der Adaption verstärkte das Interesse des Publikums an der ohnehin schon sehr beliebten Geschichte nur. Die Hauptfigur Micòl wurde berühmt und auch heute noch ist der Roman in Italien Schulstoff und Grundlage lebhafter Unterrichtsdebatten – auch über die Rolle der Kunst als Zufluchtsort.

Mo., 17. Jun · 23:55-00:25 · 3sat
37°: Schock Schalom – jung, jüdisch, jetzt

Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat das Leben für Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert. Der Hass gegen sie scheint größer zu werden. Wie gehen sie damit um? Religiöse Symbole werden verborgen, jüdische Einrichtungen müssen bewacht werden, Angriffe auf Jüdinnen und Juden häufen sich. Was macht das mit jungen Menschen, die sich eigentlich um ihre Ausbildung, um die erste Liebe und um Partys und Freunde kümmern sollten? Die Münchnerin Alice (24) studiert Psychologie und jobbt als Türsteherin. Von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Deutschland hätte sie sich nach dem 7. Oktober mehr Solidarität mit der jüdischen Community erhofft. Der Essener Anton (29) ist Schauspieler und engagiert sich in der jüdischen Jugendarbeit. Aus interreligiösen Projekten hat er sich zurzeit zurückgezogen. Die Münchner Studentin Aviva (23) engagiert sich im Verband Jüdischer Studenten in Bayern und spricht auf Kundgebungen. Sie kämpft unter anderem gegen Fake News im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Die Berliner Adam (39) und Eyal (27) treten als „Two Jews“ in Comedyklubs auf. Ihre Scherze machen auch vor dem Holocaust und dem 7. Oktober nicht halt. Die Berliner Schwestern Emily (20) und Paula (15) sind nicht religiös, aber setzen sich seit dem 7. Oktober stärker als zuvor mit ihrer jüdischen Identität auseinander. Die Stuttgarterin Meira (21) und ihr Mann Simon (29) halten als orthodoxe Juden streng die Kleider- und Speisevorschriften ein. Bei politischen Themen halten sich die jungen Eltern weitgehend heraus. Der Osnabrücker Nika (22) will als Rapper und Musikproduzent erfolgreich werden. Das Judentum spielt in seinem Leben kaum eine Rolle. Die Berlinerin Nogah (18) macht gerade ihr Abitur. Ihre Freundschaft mit einer palästinensischen Mitschülerin wird zurzeit auf eine harte Probe gestellt. Der Berliner Samuel (26) lebt streng religiös und absolviert eine Ausbildung zum Rabbiner. Durch seine Kippa ist er als Jude sichtbar, und er versucht aus Sicherheitsgründen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden.

Di., 18. Jun · 00:35-01:55 · MDR
Der schwarze Nazi

Sikumoya Mumandi ist Kongolese und wohnt in Sachsen. Er ist eigentlich gut integriert. Eines Tages wird er von einer Nazikameradschaft brutal zusammengeschlagen. Er fällt ins Koma und erwacht deutscher als jeder Deutsche. Mit seinem Verhalten überholt er die Nazis von rechts und macht ihnen ihre eigene Ideologie streitig.

Di., 18. Jun · 21:45-22:45 · arte
Jüdische Hochzeitsnacht

In der ultra-orthodoxen jüdischen Gesellschaft findet der erste sexuelle Kontakt zwischen Mann und Frau in der Hochzeitsnacht statt. Einander fast fremde Menschen müssen plötzlich Intimität teilen, ohne zu wissen, was das wirklich ist und wie das gehen soll. Viele Männer und Frauen empfinden diese Erfahrung im Nachhinein als belastend, nicht wenige als traumatisch. Manche bezeichnen sie sogar als Vergewaltigung. Der Film „Hochzeitsnacht“ greift ein tabuisiertes Thema der ultra-orthodoxen jüdischen Gesellschaft auf und lässt uns tief in eine uns ansonsten verschlossene Welt eintauchen. Zwei Jahre lang hat Rachel Elitzur Dutzende Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Gesellschaftskreisen interviewt. Der Filmemacherin, die selbst aus dieser Community stammt, gelingt ein seltener und einzigartiger Zugang zu Männern und Frauen, die erstaunlich freimütig über das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, über Sexualität und Liebe sprechen, die ihre widersprüchlichen Gefühle offenlegen und als Braut oder Bräutigam ihre Ängste und Hoffnungen benennen. Der Dokumentarfilm begleitet Frauen und Männer auf ihrer emotionalen Reise: die Zusammenführung als Paar, die Verlobungszeit, die Eheberatung durch den Rabbi, der Hochzeitstag und schließlich die Hochzeitsnacht. Der Film verbindet privates Archivmaterial mit Interviews und behutsamen Reenactments. Um die Interviewpartner zu schützen, wird ihre Identität nicht enthüllt.

Di., 18. Jun · 22:45-00:25 · arte
Libanon, der Jahrhundertraub

Der Dokumentarfilm erzählt von der Beschlagnahme eines Landes, das einst zu den fortschrittlichsten Nationen des Nahen Ostens gehörte: Seit den 1970er und 80er Jahren wird der Libanon von einer Kaste aus Finanzhaien und ehemaligen Milizionären beherrscht, die nach dem Bürgerkrieg ihre Feindschaft begruben und sich den Reichtum des Landes aufteilten. Ihr politisches Programm besteht daraus, die religiösen Gemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Zum Vorteil gereicht ihnen auch die geopolitische Lage des winzigen Staates: Eingezwängt zwischen Israel und Syrien wird er immer wieder zum Spielball der Nahost-Interessen Frankreichs, der USA, Saudi-Arabiens und des Iran. Heute steht der Libanon vor dem Aus. Grundnahrungsmittel sind unbezahlbar geworden, drei Viertel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, das Bankensystem liegt brach. Vielen Jüngeren bleibt nur noch der Weg ins Exil, um ihre Familien dann aus dem Ausland zu unterstützen. Wie kam es zu diesem Niedergang? Wie konnten die Banken über 30 Jahre lang die Warlords mit den Ersparnissen der libanesischen Mittelschicht mästen? Und warum sind sie noch an der Macht? Im Oktober 2019 sind eine Million Libanesen auf die Straße gegangen, um die Regierung zum Rücktritt zu zwingen. Junge Schiiten, Christen, Drusen und Sunniten marschieren Seite an Seite. Wochenlang erlebte das Land eine Welle der Zuversicht. Doch die alten Kriegsherren verschanzten sich in ihren Palästen, bis die Bewegung verpuffte. Die gestrigen Feinde halten zusammen, wenn es gilt, ihre Privilegien und ihre immenses, durch die Abzweigung von Entwicklungshilfe gescheffeltes Vermögen zu schützen.

Fr., 21. Jun · 01:15-03:25 · 3sat
Paris Calligrammes

„Ich war 20 Jahre jung und mit dem festen Ziel nach Paris gekommen – eine große Künstlerin zu werden“: Ulrike Ottinger erinnert sich an ihre Anfänge in den bewegten 1960er-Jahren. In einem dichten Strom aus akustischem und visuellem Archivmaterial, verknüpft mit eigenen künstlerischen und filmischen Arbeiten, entsteht das vielschichtige Bild einer Epoche aus persönlicher Sicht, die Kunst, Politik, Modisches und Geschichte erfasst. Ulrike Ottinger lässt das Quartier Saint-Germain-des-Prés und das Quartier Latin mit ihren Literatencafés und Jazzkellern, die Begegnung mit Vertretern des jüdischen Exils, das Zusammenleben mit ihren Künstlerfreunden, die Gedankenwelt der Pariser Ethnologen und Philosophen, die politischen Umwälzungen des Algerienkrieges und des Mai 1968 sowie das Erbe der kolonialen Zeit wieder aufleben. „Ich folgte den Spuren meiner Heldinnen und Helden“, erzählt Ottinger, „und wo immer ich sie fand, werden sie in diesem Film erscheinen.“ Ausgangspunkt ihrer Entdeckung von Paris war das deutsche Antiquariat „Librairie Calligrammes“ des jüdischen Exilanten Fritz Picard, der rund 25 Jahre zuvor vor den Nazis nach Frankreich geflohen ist. Die geteilte Liebe zur Literatur begründet eine Freundschaft, die ihren Ausdruck darin findet, dass Ottinger Picard auf seinen Streifzügen begleitet, beim Ankauf von auf der Flucht von Exilanten zurückgelassenen Büchern.

Fr., 21. Jun · 22:50-01:10 · BR
Schwarzer Sonntag

Ein packender und temporeicher Politthriller aus dem Jahr 1977 von John Frankenheimer, der auf einer Geschichte des renommierten Polizeireporters Thomas Harris basiert, der später mit seinem Werk „Das Schweigen der Lämmer“ den legendären Kino-Schurken Hannibal Lecter schuf. Eine Terroristengruppe plant, den Goodyear Zeppelin in die Luft zu jagen, der während des Super Bowls über einem überfüllten Stadion schwebt. Spannung pur und eine Verfolgungsjagd, die in der Filmgeschichte einzigartig ist. Eine palästinensische Terroristengruppe plant in den USA, ein Luftschiff samt Splitterbombe über dem Super-Bowl-Stadion zum Explodieren zu bringen, während sich darin 80.000 Menschen und der Präsident der Vereinigten Staaten befinden. Robert Shaw verkörpert einen israelischen Kommandeur, der das Komplott aufdeckt, seine Gegenspieler sind mit Marthe Keller und Bruce Dern als traumatisiertem Vietnam-Veteran prominent besetzt. Regisseur John Frankenheimer zeichnet ein erschreckendes Bild von Menschen, die bereit sind, für ihre Ziele notfalls zu sterben. Im atemberaubenden Finale lenken Dern und Keller das tödliche Luftschiff über das Stadion, während Shaw sie in einem Hubschrauber verfolgt – Höhepunkt einer der ungewöhnlichsten Verfolgungsjagden in der Filmgeschichte.

Sa., 22. Jun · 02:05-02:35 · SWR
Masel Tov Cocktail

Dima (16) ist Jude und hat Mitschüler Tobi geschlagen. Dafür soll er sich entschuldigen. Leid tut es ihm allerdings nicht unbedingt. Auf dem Weg zu Tobi begegnet Dima ein Querschnitt der deutschen Gesellschaft und immer wieder ein Problem, das es auszuhandeln gilt: seine deutsch-jüdische Identität. Eine Bestandsaufnahme.

Sa., 22. Jun · 03:15-03:25 · SWR
Ein kleiner Schnitt

Der verklemmte jüdische Finanzdirektor eines prächtigen Barock-Hofs wird unvermittelt gezwungen, seinen hitzköpfigen jungen Herrscher zu einer Beschneidung zu bewegen. Er trifft das temperamentvolle herzogliche Paar bei einer heiklen Tasse Tee und versucht verzweifelt, eine genitale Staatskrise zu verhindern.

Mo., 24. Jun · 05:25-06:25 · arte
Eine Familie unterm Hakenkreuz

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich der Doktorand Helmut und die Medizinstudentin Erna 1929 kennenlernen. Beide schauen zuversichtlich in die Zukunft. Dann erfährt Erna in der heraufziehenden Nazizeit von einem Familiengeheimnis: Ihre Mutter ist Jüdin. Erna ist sich sicher, dass sich Helmut von ihr trennen wird. Doch ihr Verlobter steht zu ihr. Die beiden heiraten und bekommen drei Söhne. Nach und nach wird das Leben im nationalsozialistischen Deutschland für die Familie immer schwerer. Erna gilt als Mensch zweiter Klasse, nach den sogenannten Rassegesetzen ist sie Halbjüdin und darf nicht mehr studieren. Helmut bekommt als Arzt keine Zulassung für Kassenpatienten. Das Ehepaar sieht nur noch eine Chance: Durch seine Bewährung als tapferer Soldat will Helmut die sogenannte Sippenschande tilgen. Der Führer und Reichskanzler kann durch seine Unterschrift Helmuts Familie angesichts seines tapferen Einsatzes im Krieg für „deutschblütig“ erklären. Helmut nimmt als Feldarzt am Krieg teil. Erna bleibt mit den drei Söhnen im Münsterland und muss dort den rassistischen Alltag und die Bedrohung von Gesundheit und Leben durch die Nationalsozialisten und ihre autoritätshörigen Helfer allein bestehen. Von der Wehrmacht wird Helmut für seine Tapferkeit ausgezeichnet. Er fällt an der Front. Doch das scheinbar Unmögliche, die Rettung seiner Familie, gelingt ihm posthum. Erna wird nach seinem Tod tatsächlich für „deutschblütig“ erklärt und entkommt den Deportationen. Sie überlebt mit ihren drei Kindern den Nationalsozialismus. Helmut und Erna waren beide sehr begabt, beide konnten gut schreiben; er war ein leidenschaftlicher Fotograf und Filmemacher. Er hielt die ersten Schritte seiner Kinder und das anfangs glückliche Leben als Arzt genauso in Filmen, Fotos und Briefen fest wie später das Grauen an der Front. Die Geschichte von Erna und Helmut zeigt eine sehr nahe, neue Perspektive auf das Leben im NS-Staat, sie bewegt, sie reißt mit und konfrontiert die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Gewissensfrage: Wie hätte ich mich verhalten?

Mo., 24. Jun · 12:45-13:30 · arte
Stadt Land Kunst

(1): Nizza: Die Synagoge von Joann Sfar (2): Nepal: Die kriegerische Seele der Gurkhas (3): Israel: Eyals kleine Schokocroissants (4): Alabama: Die blutige Geschichte der Frauenheilkunde
(1): Nizza: Die Synagoge von Joann Sfar Mit über 50 Jahren hat sich der Romancier, Filmemacher und vor allem Comicautor Joann Sfar eine kindliche Sensibilität und grenzüberschreitende Sicht auf die Dinge bewahrt. In Nizza, das in seinen Erzählungen immer wieder auftaucht, lüftet er den Schleier über seinem Werk „La Synagogue“, das 2022 veröffentlicht wurde. Darin hat er mit besorgtem Blick das Erbe seines Vaters gebündelt – einen besessenen Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und jegliche Form von Diskriminierung. (2): Nepal: Die kriegerische Seele der Gurkhas Noch vor Sonnenaufgang starten viele junge Männer in Nepal ein intensives Training, das sie ihrem Traum ein Stück näherbringen soll: Mitglied der Gurkhas zu werden, einer Elitebrigade der britischen Armee. Seit mehr als 200 Jahren kämpfen die Gurkhas tapfer an der Seite der Briten und haben sich auch in den beiden Weltkriegen um das Vereinigte Königreich verdient gemacht. Sie sind das Erbe einer einzigartigen Geschichte, die die kriegerische Seele des Landes widerspiegelt, denn das kleine Nepal mit seiner wild-zerklüfteten Landschaft konnte sich stets gegen die Eroberung durch fremde Mächte zur Wehr setzen. (3): Israel: Eyals kleine Schokocroissants In Givatayim, einem Vorort von Tel Aviv, bereitet Eyal Rugelach zu, ein traditionelles osteuropäisches Gebäck, das in Israel ein echter Klassiker ist. Die kleinen Croissants werden mit einer Füllung aus zerstoßenen Butterkeksen, Kakaopulver, Zucker und Butter gefüllt. Spontan zaubert er auch eine Version mit Haselnüssen. (4): Alabama: Die blutige Geschichte der Frauenheilkunde Montgomery in Alabama trägt das Leid und den Kampf der schwarzen Bevölkerung im Stadtbild: Auf den Fassaden der Hochhäuser erzählen Wandgemälde ihre Geschichte. Eines davon zeigt Sklavinnen, die im 19. Jahrhundert im Namen der Medizin schlimmste Qualen über sich ergehen lassen mussten …

Mo., 24. Jun · 22:05-23:55 · arte
The Big Red One – Die unbesiegbare Erste

1918: In Frankreich erlebt ein US-Soldat das Ende des Ersten Weltkriegs. Stolz trägt er das Abzeichen der ersten Infanteriedivision (genannt „The Big Red One“) auf dem Oberarm. 1942 fährt derselbe Soldat im Zweiten Weltkrieg als Sergeant mit seinen Gefreiten übers Meer, um an der algerischen Küste anzulanden und von dort aus der deutschen Wehrmacht die Stirn zu bieten. In einem Gefecht wird er von seiner Division getrennt. Schließlich trifft er wieder auf seine Truppe und es verschlägt sie nach Sizilien. Auf dem Weg nach Frankreich wachsen sie als Division weiter zusammen. Bei der Landung an der Küste der Normandie wird der vormals unsichere Private Griff zum Helden. Zwischen den Gefechten sprechen die Soldaten über ihre Sehnsüchte und das Leben fernab des Krieges. Doch bis das Töten 1945 zu einem lang ersehnten Ende kommt, werden sie noch einem Hinterhalt entkommen müssen und an der Befreiung eines Konzentrationslagers beteiligt sein. Die Figur des Private Zab, der einen Roman verfassen möchte, greift den Drang des Filmemachers Samuel Fuller auf, das Erlebte als Geschichte für die Nachwelt festzuhalten. Fuller war an der Befreiung des KZ-Außenlagers Falkenau beteiligt. Schauspieler Mark Hamill sticht in seiner Rolle als zurückgezogener und dann über sich hinauswachsender Private Griff hervor.

Mo., 24. Jun · 23:55-01:30 · arte
Der Golem, wie er in die Welt kam

Prag, 16. Jahrhundert: Als ein Edikt des Kaisers die Juden zum Verlassen der Stadt auffordert, ist für Rabbi Löw die Zeit gekommen, nach den Regeln magischer Überlieferung aus Lehm die Gestalt des Golem zu formen, der zum Retter der Juden werden soll. Der kaiserliche Bote, Graf Florian, verliebt sich in Löws Tochter Mirjam. Während Rabbi Löw zur Audienz am Hof ist, wo er den Golem vorstellt, nutzt Florian die Zeit zu einem Stelldichein mit Mirjam. Vom Golem begeistert, fordert der Kaiser in seiner Euphorie magische Schauspiele von Löw. In einer Vision beschwört Löw den Auszug der Juden aus Ägypten, verlangt aber für seine Vorstellung absolute Ruhe, da sonst ein Unheil geschehe. Als das Gebot der Stille von Mitgliedern des Hofstaats gebrochen wird, verschwindet die Erscheinung und setzt magische Kräfte frei, die den kaiserlichen Palast in ein Trümmerfeld zu verwandeln drohen. Löws Golem rettet den Kaiser vor dem Verderben, der aus Dankbarkeit den Juden Schutz verspricht. Der Golem hat seine Pflicht erfüllt. Löw entfernt die ihn belebende Zauberformel, den „Schem“, damit die Zauberkraft sich nicht gegen die Juden wende. Aber der auf Florian eifersüchtige Famulus belebt erneut die Lehmfigur, um seinen Rivalen bei Mirjam auszuschalten. Jetzt entzieht sich der Golem dem menschlichen Willen und bringt Verderben und Zerstörung über das Ghetto … ARTE strahlt den Film im Rahmen seiner cineconcerts aus, Stummfilmpremieren mit Musik. Die Musik von „Der Golem, wie er in die Welt kam“ ist die originale von Hans Landsberger aus dem Jahr 1920, die lange verschollen war, von Richard Siedhoff rekonstruiert werden konnte und dann für Orchester bearbeitet wurde. Sie wurde vom Deutschen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Burkhard Götze eingespielt und im September 2023 im Rahmen des Kunstfestes Weimar uraufgeführt.

Mi., 26. Jun · 21:15-21:45 · MDR Sachsen
Past Forward: Radikaler Rechtsruck – kommt alles wie 33?

Deutschland rückt nach rechts außen – und die Warnungen vor einem neuen 1933 werden immer lauter. Aber lässt sich das heute wirklich mit dem Beginn des Nationalsozialismus vergleichen? In der neuen Folge des jungen ARD-Geschichtsformates sucht Reporterin Lisa in der Geschichte nach Parallelen und findet im Archiv erschreckende Szenen aus den 1980er Jahren: Neonazis wollten die kleine hessische Stadt Langen zur ersten ausländerfreien Stadt Deutschlands machen. Und nach der Wende eskaliert auch im Osten die Gewalt gegen alle, die vermeintlich nicht deutsch sind. Wie hängt das alles zusammen? In Brandenburg wird 1999 ein algerischer Asylbewerber von rechtsextremen Jugendlichen in den Tod gehetzt. Heute, 25 Jahre später, gibt es dort auf einer Demo gegen Rechtsextremismus Einschüchterungsversuche. Ein Klima der Angst, das stellte die NSDAP vor 1933 auch schon her, durch massive Gewaltexzesse der SA. Zum nationalsozialistischen Mustergau wurde damals Thüringen, wo die NSDAP schon 1929 in den Landtag einzog. Sieht der Thüringer Chef des Verfassungsschutzes Stephan Kramer Parallelen zu heute? Lisas Recherche in der Vergangenheit ist hoch aktuell.

Mi., 26. Jun · 22:00-22:30 · RBB
Liebe statt Gehorsam – Das Kinderheim in der Auguststraße

Eine denkwürdige Begegnung: Schülerinnen und Schüler einer evangelischen Schule in Berlin treffen in der Auguststraße in Berlin-Mitte Holocaustüberlebende, die dort einen Teil ihrer Kindheit im Kinderheim Ahawah (deutsch: Liebe) verbrachten oder in die jüdische Mädchenschule nebenan gingen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurden die Kinder, die oft Kriegswaisen waren, entgegen dem noch weit verbreiteten Zeitgeist nicht zu Gehorsam und Anpassung erzogen, sondern als Menschen wertgeschätzt und entsprechend ihren persönlichen Begabungen gefördert. Erst mit dem Holocaust endete für viele von ihnen eine Zeit, an die sie sich bis heute gern erinnern. Die heutigen Berliner Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit dem Schicksal der damaligen Kinder auseinandergesetzt und bringen die historischen Geschichten durch die Kinderaugen betrachtet auf eine besondere Weise nahe.

Do., 27. Jun · 01:45-03:15 · arte
Die Rastatter Prozesse – Kriegsverbrecher vor Gericht

Rastatt, im Frühjahr 1946: Das Tribunal Général der französischen Besatzungszone wird eröffnet. Während der nächsten drei Jahre finden vor dem Gericht im Ahnensaal des Rastatter Schlosses 235 Prozesse statt. 2.130 Mal wird Anklage erhoben, hauptsächlich gegen das Personal der NS-Lager auf dem Gebiet der französischen Besatzungszone. Damit gehören die Rastatter Prozesse zu den größten alliierten Kriegsverbrecherprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotzdem sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Das liegt nicht nur an der 100-jährigen Sperrfrist, der die Gerichtsakten bis vor kurzem unterlagen, sondern auch daran, dass die Verfahren jahrzehntelang im Schatten der Nürnberger Prozesse standen. Nachdem die Sperrfrist vorzeitig aufgehoben worden ist, sind nun große Teile der Prozessakten einsehbar. Sie ermöglichen es, den Verlauf der Prozesse zu rekonstruieren. Zeit also, diesem wichtigen, aber vergessenen Kapitel der deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte einen Dokumentarfilm zu widmen.

Do., 27. Jun · 23:15-00:35 · BR
Der Schwimmer

Der talentierte Schwimmer Erez (Omer Perelman Striks) trainiert mit seinen Kameraden für die Teilnahme an Olympia – und verliebt sich ausgerechnet in seinen härtesten Konkurrenten Nevo (Asaf Jonas). Ausgezeichnet als bester Independent-Film auf dem Jerusalem Film Festival und für sein Kostümdesign bei den Israeli Academy Awards nominiert, ist „Der Schwimmer“ eine kühne Mischung aus Sportfilm und Coming-out-Story, garniert mit heißen Beats und einer außergewöhnlichen Ästhetik.

Fr., 28. Jun · 00:20-01:50 · SWR
Lea Tsemel, Anwältin

Israels Besatzung palästinensischer Gebiete führt seit Generationen zu blutigen Auseinandersetzungen. Lea Tsemel ist jüdische Anwältin und verteidigt palästinensische Straftäter:innen, die in ihrem Land keine Stimme haben. Ihr Mandant ist der 13-jährige Ahmad. Für die Israelis ist der Palästinenserjunge ein Terrorist, der eine hohe Gefängnisstrafe verdient hat, egal, wie es zu der Messerattacke kam und wie jung er ist. Für die Palästinenser:innen ist er ein willkommenes Opfer, um die Methoden der Israelis anzuprangern. Der Dokumentarfilm behandelt den israelisch-palästinensischen Konflikt, indem er die Juristin ins Zentrum stellt und fragt: Welchen Preis zahlen Lea Tsemel und ihre Familie für ihren Kampf um Gerechtigkeit? Was bedeutet Gerechtigkeit vor dem Hintergrund des unlösbaren Nahostkonflikts? Und was bedeuten diese Fragen, wenn das Opfer, ein Kind, auch Täter ist?

Fr., 28. Jun · 22:50-00:50 · BR
The Boys from Brazil – Geheimakte Viertes Reich

Thriller aus dem Jahr 1978: Ein Nazi Jäger (Steve Guttenberg) und sein Kollege Ezra Liebermann (Laurence Olivier) heften sich an die Fersen einer Gruppe Alt – Nazis. Der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele (Gregory Peck) soll ihnen helfen, aus Genmaterial Adolf Hitlers eine Vielzahl an Klonen des Führers zum Leben zu erwecken, um dann zu gegebenem Zeitpunkt das 4. Reich aufzubauen.