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Spott-Light: Precht/Melzer vs. Amann/Alexander

Was für ein Fight, was für eine krachende Niederlage für die Rechtsausleger!

Da geht noch mehr, dachte ich mir als Spott-Reporter unmittelbar nach der Sendung. Etwa ein ultimativer Fight Putin vs. Klitschko in Kinshasa (Kongo) als Wiederauflage des Rumble in the Jungle von 1974. Als der vormalige linke Kriegsdienstverweigerer Cassius Clay gegen den dummerweise mit einem deutschen Schäferhund, dem Wappentier der belgischen Kolonialherren sowie, später, der deutschen KZ-Herren, angereisten Favoriten George Foreman infolge seiner klügeren Taktik besiegte. Forman also als Rechtsausleger im politischen Sinne. Und Putin vs. Klitschko als Wiederauflage von Rumble in the Jungle, als Kinshasa II? Möglichst noch vor Weihnachten, weil es da in Afrika nicht gar so heiß ist und in Europa noch nicht ganz so kalt! Eigentlich eine klasse Idee, Putins auch aus antisemitischen Gründen geführten Krieg, einen Krieg gegen einen Präsidenten aus einer Familie, in der Auschwitz reiche Ernte hielt, zu beenden. Ein komplett sinnfreier Männerkrieg mit Hundertausenden Toten, darunter zahllose verhungerte Kinder nicht zuletzt aus dem Kongo – und nun endlich, mittels des Signals „Ring frei!“, zu beenden auf Männer- oder Indianerart. „Stopp!“, meldet an dieser Stelle das ZDF via Häuptling Lanz per Kopfhörer: „I-Wort, bitte!“ Sei‘s drum: Für mich jedenfalls, einen, um es nochmal zu betonen, leidenschaftlichen Spott-Reporter, war dieser Fight vorgestern beim ZDF, ein Kampf Gut vs. Böse, Beauty vs. Ugly, Geist vs. Ungeist, Linke vs. Rechte, einfach ein Hammer. Meint, ganz gegen die meisten Printmedien in Deutschland (Bunte, Stern etc.), welche die Printmedien-Kritiker Precht/Melzer klar hinten sahen in diesem Fight. Also sie offenbar für böser, hässlicher, dümmer und rechter hielten. Nichts da, meint

Spott-Reporter Christian Niemeyer

Einverstanden: Der Auftakt der Sendung (nicht etwa dieses Artikels!) war etwas verhalten. Viel Abtasten sowie Ali-Shuffle und so. Aber allmählich kam dann doch der Infight, angeführt vom well-dressed-man Richard David Precht, der, zumal in Nahaufnahme, betörend schön und cool wirkte – was ich, jeden Verdachts enthoben als heteronormativ dressierter Mann, ganz unbefangen hier so sagen darf. Ihm kaum nachstehend, noch cooler und das ganze Geschehen extrem ironisch betrachtend: Harald Welzer mit wunderbarem, hochpreisigen Schuhwerk. Und das Mundwerk? Da geht der Preis ganz klar an Melanie Amann (Der Spiegel), die zusammen mit ihrem immer leicht verschwitzt und schwer überfordert rüberkommenden (Medien?-) Partner Robin Alexander (Die Welt) ganz klar die wenigen Downlights setzte. Etwa infolge ihrer be(haar)lich unter Beweis gestellten Unfähigkeit, was sie nun in der zur Verhandlung anstehenden Precht/Welzer-Schwarte (Die vierte Gewalt. Wir Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist. S. Fischer: Frankfurt/M. 2022) gelesen hatte – oder, zwecks Steigerung ihres Empörungs-Tremolomo, angeblich gelesen hatte. Also eine strategisch eingesetzte Leseunfähigkeit, der Precht, viel zu gut für diese Welt und zumal die Welt, hin und wieder aufsaß.

Also: Ein Punkt in Runde 1 für strategisches Können an Amann/Alexander. Was aber wenig wenn nicht gar weniger als Nichts ist, wenn man einbezieht, dass strategisches Denken allenfalls ein kluges genannt zu werden verdient. Und Klugheit, nicht erst seit Nietzsche, im Verdacht steht, dem Machiavellismus, nowadays: dem Putinismus, vormals Trumpismus, zurechenbar zu sein.[1] Außerdem – aufmerksamen Leser*innen dürfte dies nicht entgangen sein – steht ja noch, wie ein Elefant, die Frage im Raum, welche Gemeinheit unser Spott-Reporter wohl mittels des Klammerausdrucks „(Medien?-)“ vor „Partner“ andeuten wollte. Nun, nichts leichter als das nach dem bisher Gesagten: Das Duo Precht/Welzer, zumal maskenfrei auftretend, sah einfach besser aus an jenem Abend. Nicht besser als Lanz selbstredend, denn Südtiroler sind in dieser Disziplin, wohl herkunftsbedingt, einfach unschlagbar. Sondern gemessen am Double Amann/Alexander, dem, im Vergleich zum vorgenannten, eine Maske gut angestanden hätte, einfach, um dem Zweifel nach der Hochzeitsnacht nach dem Motto: „Wie konnte ich nur so blöd sein!“ nicht weiter Auftrieb zu geben.

Womit ich gleich den nächsten Zweifel aus der Leserschaft ausräumen will vom Typ: „Wie geht denn das, eine Ehe zwischen Links (Der Spiegel) und Rechts (Die Welt)?“ Nun, im Prinzip hätte dies gut gehen können, steht doch immerhin jenseits des Aussehens eine weitere Schnittmange zur Verfügung, die sich schlicht aus dem Komplementärsatz zu jenem vorgenannten, auf das Paar Precht/Welzer passenden ergibt: Der Ungeist, ein wenig diffamierender geredet: die Dummheit steht nun einmal rechts, übrigens nicht so sehr ablesbar anhand der von Precht/Welzer diagnostizierten „Selbstgleichschaltung“ der Medien im Sog des Ukraine-Kriegs, sondern direkt ablesbar in der Sendung anhand des Unvermögens des Alptraum-Teams Amann/Alexander, auch nur in etwa zu verstehen, worauf Precht/Welzer mit ihrer Medienschelte hinauswollten.

Deswegen hier in Ermangelung meines andernorts[2], ausgerechnet ausgehend von einer Bemerkung zu Richard David Precht, begründeten Zugangs, mir den Inhalt der Bücher Dritter auf anderen Wegen anzueignen als denen der zeitaufwendigen Lektüre, mein Versuch, mir den Inhalt von Die Vierte Gewalt vorzustellen und von daher ihn den beiden Naivlingen Amann/Alexander auf simple Weise zu erklären: Wer, wie ich, seit Beginn von Putins Krieg, fast täglich von morgens bis abends von Welt-TV zu Bild-TV hin und her zappte mit Robin Alexander als Dauergast; und wer nebenbei den Spiegel der Melanie Amann las, bekam als ewigen Sermon Spott auf Olaf Scholz und sein Zaudern und Zögern zu hören, hin und wieder aufgemischt von einer Oppositionspolitikerin mit (grauen) Haaren, vor allem auf den Zähnen, deren Name mir entfallen ist und die zunächst eine Flugverbotszone forderte und später alle möglichen Waffen, bei (seltener!) kritischer Nachfrage zumeist sehr junger und sehr hübscher Reporterinnen (eine Spezialität von Welt-TV, darunter hin und wieder eine Intelligenzbestie: Christian Lindners Gattin) versichernd, dies werde schon nicht zum Dritten Weltkrieg führen. Lüge? Nein, vorerst nur Dummheit, also dasjenige, was es zu demonstrieren galt anhand der Gegenprobe: der Geist steht nach wie vor links, der Ungeist rechts.

Ob’s auch noch ein wenig konkreter geht und möglichst am Beispiel der Intelligenteren von den beiden, Melanie Amann? Aber gerne doch: In der Causa Precht/Welzer, jedenfalls. wie ich mir den Inhalt dieses sehr lesenswerten, aber offenbar von niemanden der bisher genannten Kritiker*innen desselben gelesenen Büchleins zusammenreime, sticht das von beiden Autoren am 30.9. herausgestellte permanente Scholz-Bashing des Spiegel hervor – eine Kritik, ob derer sich Amann bei Markus Lanz permanent mit federndem Schritt in die Seile drückte wie Ali gegen Foreman 1974 in Kinshasa. Ali, sieben Jahre älter als Forman, war damals erfolgreich mit dieser Taktik – keine Garantie indes für irgendetwas, zumal ich aus Erlebtem über ein analoges Vorgehen dieser Supertaktikerin berichten darf. Falls Sie, liebe Leser*innen, mir diese dem Spott-Reporter leicht von der Zunge gehende Vokabel nachsehen wollen: Ich spreche nun von meinen persönlichen Erfahrungen aus einem Sparrings-Training mit Melanie Amann, besser gesagt: mit zwei (nicht Amanns, sondern Trainings).

Die erste Geschichte hat nicht direkt etwas mit dem von Precht/Welzer problematisierten Scholz-Bashing der Amann zu tun, ist aber deswegen interessant, weil dieses spätere Ereignis inklusive des gleichfalls auffälligen permanenten Spotts auf Robert Habeck gleichsam Spiegel-verkehrt gelesen werden darf zum Pampern der windigsten Figuren der Vorgängerregierung. Selbst noch, nachdem deren Spiel eigentlich vorbei war. Führend auch auf diesem Feld: Eben Amann, unter Assistenz ihrer Vasallen. Da mir als Spott-Reporter nur ein begrenzter Sprachschatz zur Verfügung steht und ich unbedingt vermeiden will, dass mir die Leser*innen an dieser entscheidenden Stelle wegnicken, habe ich mich der Hilfe eines Welzer-Kollegen von der TU Dresden versichert, der dem Ganzen eine erzählerisch aufgepeppte Anmutung verlieh. In etwa dieser Art:

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Friedlich im Esszimmer meiner 400 qm-Loft in der Dresdner Neustadt unter Edvard Munchs Nietzsche II (1906) sitzend, also in jener erstmals im November 2013 (in der Zeitschrift für Sozialpädagogik 12/2014, H. 1, S. 2 f.) beschriebenen und seitdem unveränderten Kulisse, las ich gestern, am 18. 11. 2021, mit Sammy zu meinen Füßen, meine Datei Vom Leserbrief zum Offenen Brief letztmals Korrektur. Nachher wollte ich im Keller noch ein wenig Der Fall Kabuls mit meiner Modelleisenbahn nachspielen. Ich las das Folgende, wie gesagt: Korrektur:

„Sie, Melanie Amann und Martin Knobbe, inszenieren Horst Seehofer im SPIEGEL-Gespräch Horst Seehofer über sein Leben zwischen Politik und Hobbykeller (in Heft Nr. 45/6.11.2021. S. 32-35) zum Ende seiner 50-jährigen Politiker-Karriere per Homestory von Bunte-Format als Ikone des Kindischen. Ist Ihnen dabei nicht die Idee gekommen, sie gingen Ihrem Modelleisenbahn-Freak auf den Leim, weil er sich via ‚kindisch‘ prächtig aus der Verantwortung stehlen kann? Welche Verantwortung? Nun, vielleicht, um mit dem allerletzten Skandal zu beginnen: für den Fall Kabuls Mitte August und das schändliche Instichlassen der afghanischen Ortskräfte, auch und gerade durch Seehofers Ministerium. Ein Skandal der Alt-Regierung, über den der mit dem Leserbriefschreiber identische Chefredakteur des wohl kleinsten Print-Magazins Deutschlands dieser Tage meinte: ‚So träumte mir […], ich sei Adler, hätte, endlich, meinen Horst verlassen und nahe des Dörfchens Seehofer unten auf der Straße einen Karrenbauer entdeckt, der maaß-los vor sich hinmerkelte. Offenkundig kam er mit dem Einsammeln der Leichen nicht zu Rande, die von einem in großer Höhe abdrehenden US-Transporter abfielen.‘ (Zeitschrift für Sozialpädagogik 19/2021, H. 4, S. 345) Sie müssen zugeben: ein prächtiges Bild für jeden Modelleisenbahn-Bauer – nur nicht für Horst Seehofer! Quod erat demonstrandum: Das Kindische ist ihm als Verteidigungsstrategie hilfreich – mehr nicht. Prof. Dr. Christian Niemeyer, Berlin / Dresden.“

Unvermutet war meine Tochter, inzwischen 15 Jahre, hinter mich getreten, frisch aus der Schule kommend. Nach dem üblichen Schulterblick – nicht über ihre, sondern über meine Schulter – ging das Fragegewitter schon los, diesmal beginnend mit dem Dateinamen:

„Papi, was ist ein Offener Brief?“

„Schatzi, ganz einfach: Gesetzt, Du hättest einen Freund…“

„Ich habe keinen Freund!“

„Gesetzt, Schatzi! Also Konjunktiv!“

Schweigen.

„… und machtest mit ihm Schluss, und würdest ihm zu diesem Zweck einen Brief schreiben…“

„Häh!“

„Nun gut: eine SMS!“

Schweigen.

„Und er käme Dir komisch!“

Schweigen.

„Dann könntest Du denselben Brief als ‚Offenen Brief‘ auf Facebook posten, in der Hoffnung, dass er die Botschaft nun versteht!“

„Facebook?“

„Okay: also Instagram!“

„Also ist Dein ‚Offener Brief‘ eine gemeine Form von Leserbrief! Weil der Spiegel diesen nicht veröffentlichen wollte!?“

„So ungefähr!“

„Daddy, zeig‘ mir mal ein paar Leserbriefe des Spiegel!“

Ich kramte Heft 46 (vom 13.11.2021) heraus, nur gekauft, weil ich meinen Leserbrief hier vermutet hatte. Meine Tochter, nennen wir sie Charlotte, schlug die Leserbriefseite auf und las nach einigem Suchen aus einem Leserbrief zu einer anderen Story von Ingrid Dietz, Saarbrücken, das Folgende vor:

„Herr Schäuble sollte in seinem Alter gemütlich auf dem Sofa sitzen und seinen Enkeln Märchenbücher vorlesen; dort wäre er wesentlich besser aufgehoben, als weiterhin veraltete Politik zu machen. Wer sagt ihm, dass er endlich in Berlin seine Koffer packen soll?“

Ich schaute Charlotte fragend an, murmelte etwas wie „Altersdiskriminierend!“ sowie „Nicht sehr gehaltvoll!“, wurde aber von ihr harsch unterbrochen:

„Daddy, merkst Du’s denn nicht: Frau Dietz versteht man wenigstens!“

Ich war perplex – aber Charlotte kannte kein Erbarmen, entdeckte gleich nach jenem von Dietz den Leserbrief eines Professors, meines Pädagogik-Kollegen Rudolf Messner aus Kassel, lobte dessen klar gebauten Eröffnungssatz:

„Wolfgang Schäuble wäre ein guter Bundespräsident gewesen“ sowie die Schlusszeile: „Danke für die exzellente Recherche von Melanie Amann.“ (Heft 46 / 13.11.2021, S. 44)

Ich war empört: „Sag‘ mal, Schatzi, möchtest Du jetzt Deinen Daddy zum Schleimer umerziehen?“ Vor meinem geistigen Auge sah ich in diesem Moment schon die Headline aufziehen:

„Professor Niemeyer (Ossi?) mäkelt, im Vergleich zu Professor Messner (Wessi?), einfach zu viel rum – und leitet dadurch neues Wasser auf die Mühle vom ewig unzufriedenen Ostdeutschen!“

Da fuhr Charlotte dazwischen:

„Daddy, etwas netter zu sein hat noch keinem geschadet! Weit weniger jedenfalls als Dein ewiges Nietzsche-Gedöns: ‚Ich bin meiner Natur nach kriegerisch!‘“

Mein Sohn war auch noch da:

„Jedenfalls hättest Du dann jetzt einen Leserbrief mehr und einen Offenen Brief weniger!“

Ich war betroffen und konterte mit einem rüden:

„Wenn alle so dächten wie ihr, mutierte der Spiegel endgültig zu einem Apothekenblättchen, bei dem die Langweiler (im Heft) und die Schleimer (auf der Leserbriefseite) den Ton angeben!“

Und ohne ein weiteres Wort drückte ich die Sendetaste via Hamburg.

Den Rest der Story erklärte ich meiner Tochter wenig Tage in Gestalt eines hier textlich hier leicht veränderten Kinderliedes, also wie folgt:

„In Hamburg angekommen, denn Hamburg war sein Ziel, verlor, vermutlich ein Oller, meinen Leserbrief plötzlich im Gewühl. Ne‘ volle halbe Stunde hat er nach ihm gespürt – und als er ihn endlich fand, war er, der Brief, ziemlich ruiniert.“

Charlotte starrte mich an wie Emma Ihren Vater Til Schweiger in dessen Film Kleinohrhasen:

„Daddy, alles okay?“

Wütend legte ich ihr die im vom Spiegel (Heft 47/2021) schließlich doch noch abgedruckten Leserbrief fehlenden Zeilen vor:

„Ein Skandal der Alt-Regierung, über den der mit dem Leserbriefschreiber identische Chefredakteur des wohl kleinsten Print-Magazins Deutschlands dieser Tage meinte: ‚So träumte mir […], ich sei Adler, hätte, endlich, meinen Horst verlassen und nahe des Dörfchens Seehofer unten auf der Straße einen Karrenbauer entdeckt, der maaß-los vor sich hinmerkelte. Offenkundig kam er mit dem Einsammeln der Leichen nicht zu Rande, die von einem in großer Höhe abdrehenden US-Transporter abfielen.‘ (Zeitschrift für Sozialpädagogik 19/2021, H. 4, S. 345) Sie müssen zugeben: ein prächtiges Bild für jeden Modelleisenbahn-Bauer – nur nicht für Horst Seehofer! Quod erat demonstrandum: Das Kindische ist ihm als Verteidigungsstrategie hilfreich – mehr nicht.“

„Oh, Daddy, das ist ja gemein. Andererseits: Dürfen die das nicht, kürzen?“

„Doch, Schatz, natürlich dürfen die kürzen – aber doch nicht ausgerechnet das ihnen nicht Passende! Denn dann führt Pressefreiheit zur ‚Vierten Gewalt‘?“

Charlotte zuckte mit den Schultern: „Vierte Gewalt“ – was war das denn schon wieder! Sie verzog sich unter dem Vorwand, sie müsse noch Vokabeln lernen. Ich aber nahm, jetzt erst recht erwacht, das nächste Spiegel-Heft zur Hand – und wurde bald fündig.

****

„Okay, Herr Professor, sehr schön, aber können Sie die Sache vielleicht etwas beschleunigen, sonst werden wir nie fertig!“

Das wirkte, und der Professor erzählte, mit etwas mehr Tempo im Stil eines Spott-Reporters, von seinem nächsten Spiegel-Leserbrief. Anlass diesmal ein Artikel von vier aus Respekt hier nicht zu Nennenden unter der hier, wie zur Tarnung, verdrucksten Headline Erste Zweifel an Olaf Scholz in der SPD mit der Botschaft:

„Potsdamer Nachbarn fanden im Hausmüll vertrauliche Papiere, die der Kanzler dort offensichtlich entsorgt hatte.“

Ein Skandal also von Donald-Trump-Format, nur dass Trump nicht ganz so dumm agierte wie Scholz, insofern dieser als Entsorgungsanlage dem Klo vertraute, dabei allerdings einiges zu Vernichtende vergessend, was ihm nun das passive Wahlrecht kosten dürfte – eine klare Warnung also, zurückgehend auf unsere vier trefflichen Spiegel-Redakteure, die nun doch (Ehre, wem Ehre gebührt) bei Ihrem Klarnamen genannt werden sollen: Kevin Hagen, Christoph Hickmann, Veit Medick, Christian Teeves – hinzugerechnet Christoph Schult und ihrer aller Chefin Melanie Amann. Die mir den folgenden Leserbrief an den Spiegel vom 23. Juli 2022 (natürlich nicht abgedruckt, damit ab jetzt ein hier erstmals präsentiertes Dokument!) offenbar schwer übelnahm, wie Ihr gleich danach dargebotene Mail deutlich machen wird. Doch erst mein Leserbrief:

„Da Christoph Schult („G 7? Ab in die Tonne“; Heft 30/23.7.2022: 23) den von Melanie Amann forcierten Niedergang dieses vormals von Strauß, Dregger und Kohl gefürchteten Nachrichtenmagazins vollendet und ich fürchten muss, dass Nachbarn im Papiercontainer den Spiegel entdecken und Sie darüber informieren könnten, was mir extrem peinlich wäre, werde ich mein Abo aus Sicherheitsgründen zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Christian Niemeyer“

Darauf teilte mir Frau Amann (keine Regel, meine Freunde, Mails von der Chefin bekommen offenbar nur Professor*innen!) am 5. August um 15:33 per Mail ihren Dank für meinen Leserbrief (den Sie vermutlich in ihrem Hausmüll entsorgt hatte!) mit und ihr Bedauern über meine Abonnementskündigung. Ansonsten stellte Sie jeden Vorwurf eines „Anti-Scholz-Kampagnenjournalismus“ in Abrede[3], hinzufügend:

„Was die konkrete Geschichte über Herrn Scholz angeht: Dass er Dokumente, die ‚VS – nur für den Dienstgebrauch‘ eingestuft sind, im Hausmüll entsorgen (sic!), finde ich, ist für den SPIEGEL schon ein Thema wert. Das wäre es auch schon zu Zeiten von Strauß, Dregger und Kohl gewesen.“

Ein, wie mir schein will, nur schwach verklausuliertes Geständnis, dass schon der Spiegel unter Augstein den Hausmüll zweier Ministerpräsidenten und eines Bundeskanzlers durchwühlt hatte, möglicherweise gar, den Fall Trump in Erinnerung gerufen, aller drei Klos! Was die Weiterung erlaubt, dass ein gewisser Heinz Ehrhardt, der in den 1960er Jahren in der Adria badend und nach eigenem Geständnis so manch‘ alten Bekannten treffend, nichts weiter war als ein Spiegel-Volontär.

In diesem Moment tauchte plötzlich meine Frau auf als übte sie, nach Art autofahrender Frauen, den Schulterblick – allerdings, wie meine Tochter, über meine Schulter, was in der Regel ein Gewitter zur Folge hatte, ein ganz leise sich andeutendes, so wie auch jetzt wieder: „Was schreibst Du da, Schatz? Ist das nicht ein wenig zu schmutzig und geradezu absurd, ohne jeden roten Faden?“ Ich hatte noch überlegt, zu korrigieren auf „braune Faden“, kapitulierte dann aber und drückte die Sendetaste via Tel Aviv. Die Sache schien mir nun klar: 3:0 für das neue Dream-Team Precht/Welzer/Niemeyer gegen das hoffnungslos unterlegenen Duo Amann/Altmann!

Ein wichtiger Etappensieg auch, wie mir scheinen will, um jene Rationalität zu stärken, die erforderlich ist, nun auch noch Putin in die Knie zu zwingen! Ohne Klitschko oder gar die Klitschko-Brüder, selbstredend.

Autor: Prof. Dr. Christian Niemeyer, Berlin. Wichtige Veröffentlichung zum Thema, im Text angeführt: Schwarzbuch Neue/Alte Rechte. Glossen, Essays, Lexikon. Beltz Juventa: Weinheim Basel 2021. Im nämlichen Verlag erscheint demnächst: Schwarzbuch AfD 2021/22 (Arbeitstitel).

Bild: Screenshot ZDF Mediathek

[1] Hier am 4. April 2022: hagalil.com/2022/04/trumpismus
[2] Hier am 28. Juli 2021: hagalil.com/2021/07/sarrazin-12/
[3] Ich zitiere hier mit Billigung der Putin-Feinde ‚Glasnost‘ und ‚Perestroika‘, woraus mir einen Strick zu binden unpassend dünkte.