Cem Özdemir erhält Leo-Baeck-Preis 2022

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat heute seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, verliehen. Laudatorin war die Schriftstellerin Ronya Othmann.

Unter den 300 Gästen waren u.a. der israelische Botschafter, Prof. Ron Prosor und Margot Friedländer sowie die ehemaligen Preisträger Volker Beck (2015), heute Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Prof. Dr. Dr. Peter Hommelhoff, der ehemalige Rektor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (2005).

Cem Özdemir erlebte als Kind türkischer Einwanderer viele Facetten von Diskriminierung. Das Einleben in eine fremde Sprache und Kultur prägte seinen Werdegang. Gleichzeitig lernte er Bildungschancen und Demokratie in Deutschland schätzen, was seinen Weg in die Politik beflügelte. Er setzt sich für ein liberales und aufgeklärtes Deutschland ein. Dies ist die Voraussetzung für eine funktionierende demokratische Gesellschaft, für Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und ein Leben ohne Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus. Cem Özdemir ist der erste Leo-Baeck-Preisträger mit einem muslimischen Hintergrund. Der Preis wird auch als Zeichen der Gemeinsamkeit gegen Radikalismus und Fanatismus und für Religionsfreiheit und Toleranz verstanden.

In Zeiten wachsender Unsicherheit mit Inflation, Energiepreissteigerungen, Krieg in der Ukraine und der immer noch präsenten Pandemie, ist es umso wichtiger zusammenzuhalten und gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden. Hierfür sind Dialog und gegenseitiger Respekt unverzichtbar.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erklärt: „Cem Özdemir ist ein Grüner, ein Liberaler, ein Verfassungspatriot, um einmal einen Begriff Dolf Sternbergers wieder aufleben zu lassen. Er ist ein Verteidiger Israels; ein vehementer Streiter gegen Fanatismus, Ausgrenzung und Antisemitismus sowie für Religionsfreiheit und damit ein würdiger Träger des Leo-Baeck-Preises. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist ihm zu tiefstem Dank verpflichtet.“

In seiner Dankesrede wies Bundesminister Cem Özdemir auf den Zusammenhang von Antisemitismus und der Verteidigung der Werte der liberalen Demokratie hin: „Wo Antisemitismus grassiert, da wird auch unser Grundgesetz angegriffen und alles wofür ein modernes, weltoffenes Deutschland steht. Und da, wo dieses moderne, weltoffene Deutschland angegriffen wird, da ist der Antisemitismus nicht weit. Daher ist der wehrhafte Kampf für die liberale Demokratie immer auch ein Kampf gegen Antisemitismus. Und daher ist der Kampf gegen Antisemitismus immer auch ein Kampf für die liberale Demokratie. Das gehört untrennbar zusammen.“

Die Laudatorin Ronya Othmann erinnerte in ihrer Laudatio für den Preisträger an die Philosophin und ungarische Schoa-Überlebende Agnes Heller sel. A. und ihre Überlegungen, wann ein Mensch „anständig“ und wann er „gut“ sei. Sie betont: „Cem Özdemir hat den Kampf gegen Antisemitismus zu seiner eigenen Sache gemacht, wie wir ihn alle zu unserer eigenen Sache machen sollten.“ Auf die Frage, was es bedeute, in einer liberalen Demokratie anständig zu bleiben, erklärt Ronya Othmann: „[V]ielleicht bedeutet es nicht wegzusehen, wo leider zu oft weggesehen wird, zu handeln, wo leider oft nur untätig zugeschaut wird, konsequent zu bleiben, ob man sich Freunde macht und/oder Feinde. Die richtigen Worte zu finden, mit Witz und Würde. Mit Achtung und Respekt, nicht mehr und auch nicht weniger. Das alles hat Cem Özdemir bewiesen und dafür gebührt ihm diese Auszeichnung.“

Mit dem Leo-Baeck-Preis, der an den Rabbiner Leo Baeck erinnert, ehrt der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern zählen die Bundespräsidenten a. D. Richard von Weizsäcker (1994), Roman Herzog (1998) und Christian Wulff (2011), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2007) und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. 2019 erhielt der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, den Preis. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Foto: © Zentralrat der Juden

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