- haGalil - https://www.hagalil.com -

Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Oktober 2022

Sa., 1. Okt · 07:30-08:00 · RBB
rbb wissenszeit: Rassismus.Kolonialismus.Heute

Rassismus gab es schon, bevor europäische Länder Kolonien in außereuropäischen Gebieten gründeten. Die Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly hält den Rassismus für den Motor der Kolonialisierung. Sie sagt, die Idee, dass Schwarz für Leid und Tod steht, das Negative, und Weiß das Positive symbolisiert, zum Beispiel in der Darstellung weißer Engel, wurde auf die Menschen übertragen. Der Film setzt sich anhand der Lebensgeschichte des Herero-Nachfahren und Aktivisten Israel Kaunatjike mit der Frage des Rassismus und der deutschen Kolonialzeit auseinander. Die promovierte Soziologin, Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin Natasha A. Kelly analysiert die Strukturen, die den Rassismus gefördert und tief in unsere Gesellschaft eingeschrieben haben. Und zwar bis heute. Von den Einflüssen der Kolonialzeit auf ihre Arbeit am Theater berichtet die Regisseurin und Autorin Simone Dede Ayivi und sie erzählt von ihrem Aktivismus bei ISD – der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

So., 2. Okt · 10:30-11:15 · 3sat
Heinrich Mann, der unbekannte Rebell

Heinrich Mann (1871-1950) war Beobachter und Kommentator politisch-gesellschaftlicher Vorgänge seiner Zeit. Gerade heute lohnt es, die Botschaften des Humanisten neu zu betrachten. Viele Essays lesen sich wie aktuelle Kommentare – sei es zu Hate-Speeches in Sozialen Medien oder zum Aufflammen von Antisemitismus oder deutschnationalem Geraune. Der Film begibt sich auf die Spuren des Schriftstellers. Ulrich Tukur interpretiert Heinrich Manns Texte. Heinrich Mann war ein Humanist, eine moralische Instanz, dessen Botschaften uns gerade heute wieder viel zu sagen haben. Neben seinen berühmten Werken wie „Professor Unrat“, „Der Untertan“ oder seinen beiden „Henri Quatre“-Romanen hat Mann über 1000 Essays verfasst, die sich zwischen romantischer Verklärung politischer Utopien und exzellenten, hellwachen Analysen von Fehlentwicklungen bewegen. Er wurde nicht müde, für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten. In seinen Essays äußerte er sich zunehmend besorgt über die deutschnationale Rechte, plädierte für ein starkes, geeintes Europa mit einer deutsch-französischen Achse und positionierte sich gegen jeden nationalen Chauvinismus. Schon im Ersten Weltkrieg gehört Heinrich Mann zu den großen Mahnern und Pazifisten und hat sich damit ganz gegen seinen kriegsbegeisterten und deutschnationalen Bruder Thomas gestellt. 1914 vollendet er seinen Roman „Der Untertan“ über einen typischen Opportunisten im Kaiserreich. Erst nach Kriegsende kann der Roman erscheinen und verkauft sich sofort rasant. Heinrich Mann gehört in dieser Zeit zu den populärsten Autoren Deutschlands. Aber auch zu den streitbarsten. Er engagiert sich für den Sozialismus, für soziale Gerechtigkeit als Basis für eine funktionierende Gesellschaft. 1933 steht sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nazis, seine Bücher werden verbrannt, und Heinrich Mann emigriert in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er in der jungen Bundesrepublik mit Ressentiments betrachtet, die DDR hingegen wählt ihn 1949 zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin. Kurz vor seiner Abreise aus den USA stirbt Heinrich Mann. Für die Dokumentation „Heinrich Mann, der unbekannte Rebell“ interpretiert Schauspieler Ulrich Tukur Texte von Mann, die den Nöten der Zeit, ihrer Zerrissenheit und den Konflikten in einer Gesellschaft nachspüren, die sich auf geradem Weg in den nächsten Krieg befindet. Die Texte erhalten auch intime Einblicke in Heinrich Manns private Beziehungen zu Frauen aus der Boheme, die den Autor mehr als nur literarisch beschäftigt haben. Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Prostituierte erscheinen bei Heinrich Mann als „starkes Geschlecht“ und nicht, wie sonst in dieser Zeit üblich, als bloßes Interieur einer bürgerlichen Welt. Inwieweit er vielleicht in seinen Beziehungen aber auch nur literarischen Ausbeutungsinteressen gefolgt ist, wird ebenfalls Thema. Zu Wort kommen außerdem die Heinrich-Mann-Fans Claudia Roth (MdB/ Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags) und Martin Schulz (Friedrich-Ebert-Stiftung). Im Anschluss an die Dokumentation „Heinrich Mann, der unbekannte Rebell“ zeigt 3sat um 11.15 Uhr den Spielfilm „Der Untertan“, eine Adaption des berühmten Heinrich-Mann-Romans der DEFA von Wolfgang Staudte.

Mi., 5. Okt · 00:15-01:00 · SWR
Unsere Geschichte: Der Südwesten in Farbe – Amateurfilme von 1936 – 1944 (1/2)

SWR Autor Jan N. Lorenzen hat die Archive nach seltenen Filmaufnahmen durchsucht. Die Amateurfilme zeigen den Alltag der Menschen im Nationalsozialismus, was sie bewegte und was ihnen so wichtig war, dass sie es filmisch festhalten wollten – in Farbe. Das NS-Regime ist allgegenwärtig in den Aufnahmen der Amateurfilmer: mit NSDAP-Parteiabzeichen am Revers und Hakenkreuz-Fahnen. Der erste Teil der SWR Dokumentation fokussiert auf die Jahre ab 1936, als die ersten Farbfilme auf den Markt kamen, bis zum Kriegsbeginn 1939. Es sind Bilder von einem Land, das glaubt, glücklich zu sein – von Familien, die Ausflüge machen und Feste feiern. Doch der Nationalsozialismus ist immer präsent – ob am 1. Mai 1937 in Heidenheim, wo die Voith GmbH sich stolz mit einem Wagen und der Aufschrift „Unsere Arbeit dem Führer“ präsentiert, oder beim Fasching in Aalen, wo der US-Präsident lächerlich gemacht und die Juden „nach Palästina“ gewünscht werden. Es entsteht das bedrückende Bild einer Gesellschaft durchdrungen vom Nationalsozialismus.

Mi., 5. Okt · 10:05-10:35 · HR
Re: Polen Shalom – Jung, jüdisch, selbstbewusst

Verstecken oder bleiben? Zwar gehören junge Jüdinnen und Juden in Polen zu einer winzigen Minderheit, aber unter ihnen wächst ein neues Selbstbewusstsein. Radek, Informatikstudent aus Warschau, hat erst vor kurzem von seiner jüdischen Abstammung erfahren. Er ist glücklich, seine Identität gefunden zu haben, lebt plötzlich streng religiös. Auch Patrycja und Eryc aus Wrocław sind stolz auf ihre jüdischen Wurzeln, trauen sich aber nicht, sich öffentlich als Juden zu erkennen zu geben. Das junge Paar sieht für sich keine Zukunft in Polen, packt die Koffer für die Ausreise nach Israel. Sie wollen sich nicht länger verstecken, sondern ihr Jüdischsein offen ausleben – so gut es geht. Zwar gehören junge Jüdinnen und Juden in Polen – dem einstigen Zentrum des europäischen Judentums – zu einer winzigen Minderheit, aber unter ihnen wächst ein neues Selbstbewusstsein. Allen antisemitischen Tendenzen zum Trotz. Radek, ein 19-jähriger Informatikstudent aus Warschau, hat erst vor kurzem von seiner jüdischen Abstammung erfahren. Er ist glücklich, endlich seine wahre Identität gefunden zu haben, lebt plötzlich streng nach den orthodoxen Gesetzen, bringt sich sogar die jiddische Sprache bei. Patrycja (27) und Eryc (23) aus Wrocław gehen nur selten in die Synagoge, aber das junge Paar fühlt sich dennoch im Herzen jüdisch. Das Schabbat-Mahl am Freitag ist für sie der Höhepunkt der Woche. Allerdings wagen sie es nicht, sich außerhalb ihres Freundeskreises als Juden zu erkennen zu geben. Zu groß ist die Angst vor Anfeindungen. Anders als Radek sehen sie für sich keine Zukunft in Polen. Patrycja und Eryc packen die Koffer für ihre Ausreise nach Israel. In Krakau – eine Immigration in die andere Richtung: Aus Brasilien sind Jullie (39) und Sergio (35) bewusst nach Polen eingewandert, weil sie sich hier sicherer als in ihrer alten Heimat fühlen. Vom Antisemitismus bekommen sie wenig mit, sagen die Eltern von drei kleinen Kindern. Sie loben die lebendige jüdische Community in Krakau, fühlen sich in Polen wohl. Und überhaupt: „Als Juden werden wir sowieso überall etwas schief angesehen, da ist es fast egal, in welchem Land wir sind“, sagt Sergio achselzuckend.

Mi., 5. Okt · 14:00-14:45 · 3sat
Basare der Welt: Jerusalem

Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37 000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind vorprogrammiert. Die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Filmautorin Elke Werry zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Sie porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Sie besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse „Souk Lahamin“ und eine palästinensische Bäckerei. Sie trifft einen armenischen Fotografen in seinem nostalgischen Laden mit hunderten Fotografien des alten Jerusalem und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Sie macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler und in einem Friseurgeschäft, in dem Frauen aller Religionen für kurze Zeit ihren anstrengenden Alltag vergessen und miteinander ins Gespräch kommen.

Mi., 5. Okt · 20:45-21:15 · MDR
Exakt – Die Story: Der Anschlag von Halle – ein Trauma für immer?

Vor drei Jahren versuchte der Rechtsextremist Stephan B. gezielt, Jüdinnen und Juden in der Synagoge von Halle zu töten. Als das misslang, erschoss er dann zwei Passanten in der Stadt. Der Attentäter musste sich vor Gericht für seine Taten verantworten und wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Der Schock vom 9. Oktober 2019, die Trauer, aber auch die bundesweite Anteilnahme – wie wirkt das nach? „Exakt – Die Story“ fragt, was seitdem in Halle passiert ist, wie es den Betroffenen geht und was sich verändert hat. Wie haben diejenigen den Anschlag erlebt, die sich an Jom Kippur 2019 in der Synagoge in Halle aufgehalten haben? Stephan B. versuchte, dort schwer bewaffnet einzudringen, wollte töten – angetrieben aus einer rechtsextremistischen, antisemitischen und rassistischen Weltsicht. „Wir haben gesehen, wie er Granaten und Molotow-Cocktails geworfen hat, wie er geschossen hat auf die Tür“, sagt Gemeindevorsteher Max Privorozki. „Dass das ein Anschlag auf unsere Synagoge war, habe ich nicht sofort verstanden.“ Die Tür zur Synagoge hielt den Schüssen stand. Das zersplitterte Holz wurde zum Symbol für den Tag des Anschlages. Max Privorozki stand dem Attentäter im Gerichtssaal gegenüber „Ich wollte verstehen, wie er sich entwickelt hat – von einem Judenhasser zu einem Mörder“, sagt er. Wie fühlt sich jüdisches Leben heute für Max Privoroski an? Gibt es ein Gefühl der Sicherheit? Die Polizei ist heute, anders als damals, hier präsent. Landesweit wurde das Sicherheitskonzept für die jüdischen Gemeinden überarbeitet. Auf der Straße vor dem Gotteshaus hatte der Angeklagte die Passantin Jana L. erschossen, wenig später in einem Döner-Imbiss den Gast Kevin S. Die Mitarbeiter Rifat und Ismet Tekin erleben den Mord mit. Ismet Tekins Leben ist seit diesem 09. Oktober ein anderes: „Die Tage werden Nacht, die Nacht wird Tag“, beschreibt er sein Trauma. Auch um das Gesehene zu verarbeiten, hat er das Verfahren gegen Stephan B. verfolgt. Ismet Tekin hat auch viel Solidarität in Halle erfahren. Ein Unterstützerkreis half ihm bei einem gastronomischen Neustart – sein Imbiss lief nicht mehr. Ist es ihm gelungen, noch einmal ganz neu zu beginnen, oder verfolgt ihn der Mord in seinem Geschäft immer noch?

Mi., 5. Okt · 22:55-00:25 · arte
Wirf deine Sorgen über Bord

Alma, Erbin eines beträchtlichen Vermögens, beschließt, ihr Leben Menschen in Not zu widmen, und ist gewillt, ihr ganzes Erbe hierfür einzubringen. Sie verspürt den inneren Drang, anderen zu helfen. Sie kann und will diesen starken Impuls nicht kontrollieren, vermittelt er ihr doch das Gefühl von Zugehörigkeit und Erfüllung. Als sie auf Marina und ihre kleine Tochter trifft, beide obdachlos und ohne Ausweg, meldet sich das Verlangen wieder in ihr – so stark wie nie zuvor. Die Begegnung verändert Almas Leben für immer, denn ihre Hilfe trifft auf fruchtbaren Boden und sorgt gleichzeitig dafür, dass sie sich selbst endlich bereit fühlt, aus dem starren gesellschaftlichen Korsett auszubrechen. Doch was löst wohl in Alma diese radikale Menschenliebe aus? Was mag wohl in ihrer Vergangenheit passiert sein? Ihr Umfeld schafft es nicht, ihr Wesen zu begreifen: Für die einen ist sie eine Manipulatorin, andere sehen eine Heilige und wiederum dritte sind der Meinung, dass sie den Verstand verloren hat. Der Film versucht nicht Almas geheimnisvollen, widersprüchlichen Charakter zu sezieren, sondern zeigt auf, was für Konsequenzen ihr Verhalten nach sich zieht – folgt den Problemen, den Schwierigkeiten, dem Terror, die in Almas Leben einziehen. „Wirf deine Sorgen über Bord“ zeigt eine Frau, die stets ihrem Inneren folgt, einer Schlafwandlerin gleich, die in ihrem eigenen Unterbewusstsein umherläuft. Wird Alma aufwachen? Nach einigen preisgekrönten Kurzfilmen gab der israelische Regisseur Tom Shoval mit „Youth“, präsentiert auf der Berlinale 2013, sein Spielfilmdebüt. „Wirf deine Sorgen über Bord“ reiht sich in seine spannende Filmografie ein und behandelt, wie meist in Shovals Filmen, eines der brennenden Themen unserer Zeit: in diesem Fall Immigration im 21. Jahrhundert.

Mi., 5. Okt · 23:00-00:25 · WDR
Schalom und Hallo – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

In 90 Minuten durch 1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte. Die Schauspielerin Susan Sideropoulos sucht in dieser Dokumentation nach den Spuren ihrer eigenen Vorfahren. Ihre Mutter wurde in Israel als Kind deutsch-jüdischer Flüchtlinge geboren, ihr Großvater von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Die Dokumentation ist ihre Reise durch die Zeit und die jüdische Kultur.

Do., 6. Okt · 00:25-00:50 · WDR
3 mal 7 Fragen zum jüdischen Leben

In dem dreiteiligen Filmprojekt werden jeweils sieben Aspekte aus den Themenbereichen jüdische Religion, jüdische Geschichte in Deutschland und jüdische Kultur aufgegriffen. Unterhaltsam und mit „Insider-Wissen“ vermitteln sie einen Einblick in das jüdische Leben. Präsentiert wird „3 mal 7 Fragen zum jüdischen Leben“ von dem 24-jährigen Lars Umanski. In Unna geboren, studiert er mittlerweile in Berlin und ist Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland JSUD. Er hat Erfahrungen sowohl in einer Einheitsgemeinde als auch in einer liberalen Gemeinde und steht für ein junges, diverses und vielfältiges Judentum, das selbstbewusst und weltgewandt ist. Die übrigen Folgen werden im Anschluss gesendet.

Do., 6. Okt · 07:20-07:50 · HR
Schlechte Noten, schiefe Blicke – Rassismus im Schulaltag

Rassismus in Form von Beleidigungen und Gewalt ist Alltag in Deutschland, oft auch an Schulen. Betroffene Kinder bekommen schlechtere Noten und häufig keine Empfehlung für den Übertritt aufs Gymnasium.

Do., 6. Okt · 22:20-23:50 · arte
Der letzte Flug – Ein deutsches Geheimnis

20. April 1945: In den Abendstunden schlagen die Schrecken des Krieges mit voller Wucht zwischen den kleinen Dörfern Glienig und Buckow ein. 70 Kilometer vom bereits heftig umkämpften Berlin entfernt schießt die Rote Armee ein Zivilflugzeug der Deutschen Lufthansa vom Himmel, das sich auf dem Weg ins österreichische Enns befindet. Kurz nach dem Start in Tempelhof kracht eine „JU 52“ mit insgesamt 18 Personen an Bord in ein Brandenburger Waldgebiet und geht in Flammen auf. Nur ein Berliner Ingenieur kann sich in letzter Sekunde aus der Maschine retten und dem brennenden Inferno entkommen, dem seine Mitpassagiere zum Opfer fallen. Als deren sterbliche Überreste ein Jahr nach Kriegsende auf dem Friedhof Glienig anonym bestattet werden, bleiben essenzielle Fragen rund um den sogenannten „letzten Flug“ unbeantwortet: Wer war an Bord der Maschine und wer durfte das von den Alliierten bombardierte Berlin – noch dazu an einem symbolträchtigen Tag wie Adolf Hitlers Geburtstag – zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch verlassen? Warum gibt es bis heute keine Passagierliste? Warum wurde die Crew kurz vor Abflug aus Berlin noch einmal ausgetauscht? Was hat es mit den Gerüchten auf sich, hochrangige NS-Größen und Günstlinge des Regimes wie der berüchtigte Spielfilmregisseur Hans Steinhoff („Hitlerjunge Quex“) wollten sich mit Flügen wie diesem in Richtung der mystischen Alpenfestung absetzen? Und wohin sind die großen Mengen an Geld, Schmuck und Wertpapieren verschwunden, die sich angeblich an Bord der Maschine befunden haben sollen? „Der letzte Flug – Ein deutsches Geheimnis“ geht diesen Fragen in Form eines packenden True-Crime-Doku-Thrillers auf den Grund und rekonstruiert erstmals die mysteriösen Hintergründe eines tragischen Vorfalls, der nicht nur das Leben der Passagiere und deren Angehöriger zerstört, sondern auch tiefe Spuren am Unglücksort hinterlassen hat. Seit dem Absturz der Maschine liegt deren geheimnisvolle Geschichte wie eine bleierne Decke über der Gemeinde – und das Schweigen über den Wahnsinn der letzten Kriegstage umfasst nicht nur die Umstände des Flugzeugabschusses, sondern auch noch viel tiefergehende persönliche Tragödien.

Fr., 7. Okt · 07:20-07:50 · HR
Alltagsrassismus – die unsichtbare Gewalt

Immer wieder berichten Menschen, dass sie regelmäßig rassistische Diskriminierung erfahren – durch Polizei und Justiz, durch Behörden, im Berufsleben, bei der Wohnungssuche. Wie verbreitet ist Alltagsrassismus in Deutschland?

Sa., 8. Okt · 23:30-01:00 · RBB
Der Stadtneurotiker

Alvy Singer, ein bekümmerter Komiker, tut sich schwer mit sich und der Welt. Als er in New York die hübsche Annie Hall kennenlernt, hat er zwei gescheiterte Ehen und 15 Jahre psychoanalytische Behandlung hinter sich. Beide sind schnell entflammt füreinander, aber auch Annie hält es nicht lange mit Alvy aus. „Der Stadtneurotiker“, einer der populärsten Filme Woody Allens, wurde 1978 mit vier „Oscars“ ausgezeichnet.

So., 9. Okt · 09:30-10:00 · BR
Die neue Musik jüdischer Künstler

Der jüdische Musiker Yuriy Gurzhy ist bekannt für die „Russendisko“, die er gemeinsam mit seinem Freund Wladimir Kaminer in Berlin veranstaltet hat. Der geborene Ukrainer führt viele kulturelle Einflüsse in seiner Musik zusammen, auch traditionell jüdische Elemente wie alte jiddische Liedertexte. In seinem Buch „Richard Wagner und die Klezmerband“ hat er sich auf die Suche nach einem neuen „jüdischen Sound“ in Deutschland gemacht und unzählige verschiedene Antworten bekommen. Der neue „jüdische Sound“ ist geprägt von Traditionen sowie Musikerinnen und Musikern vieler Länder, aus Russland und der Ukraine, aus Israel und den USA. Daniel Kahn, der Rapper Ben Salomo, Masha Raykhman aus München und die Songwriterin Noam Bar – jede und jeder versteht etwas ganz Anderes unter „jüdischer Musik“ in der Pop-, Balladen- oder Rap-Kultur. Sie alle aber sehen auch den jeweils jüdischen Kern ihrer Arbeit. Ob in der Weiterentwicklung der Klezmer, der Neuinterpretation jiddischer Lieder oder in den Songtexten. So kämpft der Rapper Ben Salomo gegen Anti-Israelismus und Antisemitismus nicht nur im Deutschrap. Dass sich eine Vielfalt von Identitäten und kulturell unterschiedlichen jüdischen Wurzeln heute in der Musik wiederfindet, hat auch der Wettbewerb „Jümid – Jüdische Musik in Deutschland“ bewiesen, den die Hannoveraner Villa Seligmann mit ihrem Zentrum für jüdische Musik veranstaltet hat. Der Film „Jewish Songbook“ lädt zu Entdeckungen ein.

So., 9. Okt · 22:20-23:05 · MDR
Antisemiten sind immer die anderen – Nie wieder Judenhass – eine Illusion?

„Die Rothschild-Seuche lässt sich nicht wegimpfen“ stand bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf einem Plakat der Querdenker. Der Antisemitismus treibt neue Blüten, nicht erst seit Beginn der COVID-Krise. Auf der Straße und im Netz wird von unterschiedlichsten Seiten gegen Juden gehetzt. Doch seit dem Anschlag von Halle sind Politik und Zivilgesellschaft wachgeworden. Jährlich gibt die Bundesregierung für Extremismusprävention und Demokratieförderung 125 Millionen Euro aus. Wer entwickelt die Programme und Projekte? Was sind die neuen Strategien gegen den Judenhass in Deutschland? Gerade im Netz ist dem Antisemitismus nur schwer beizukommen. Der Antisemitismusforscher Matthias Becker von der Technischen Universität in Berlin geht neue Wege. Mit europäischen Partneruniversitäten entwickelt er eine KI, eine Künstliche Intelligenz, die Antisemitismus im Netz erforschen, dekodieren soll, denn dort ist Judenhass oft nur versteckt zu finden. Der „salonfähige“ Antisemitismus, so Becker, sei tot und trage im Nachkriegsdeutschland neue Kleider. Niemand will heute mehr als Antisemit gelten. „Die Antisemiten“, meint Michael Blume, der engagierte Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, „sind immer die anderen“. Besonders in der Mitte der Gesellschaft werden judenfeindliche Tendenzen meist verleugnet. Doch Blume lässt nicht locker und legt den Finger in die Wunden, die er sieht – sei es muslimischer Judenhass in den Schulen oder Israel-bezogener Antisemitismus, der heute alles Übel der Welt im Jüdischen Staat sieht. Der Zentralrat der Juden in Deutschland geht mit „Meet a Jew“ neue Wege: das Programm schickt Jüdinnen und Juden in Schulen und in die Öffentlichkeit. Nichts baue antisemitische Vorurteile besser ab als direkte Begegnungen. Bisher haben Zeitzeugen die Erinnerung an den Holocaust aufrechterhalten. Doch bald werden die letzten Zeitzeugen nicht mehr leben. In Israel porträtiert ein Fotograf Holocaust-Überlebende aus einem sehr persönlichen, lebensbejahenden Blickwinkel. Seine Bilder sind Beispiele für eine neue, emotionale Erinnerungskultur. Judenhassern und Holocaustleugnern, meint er, sei nicht mit Geschichtsunterricht beizukommen. In Berlin machen „Die Demokratielotsen“ mit arabischen Migranten Filme – auch Filme, die den in muslimischen Gesellschaften oft tief verwurzelten Antisemitismus ins Visier nehmen. So wie „Meet a Jew“ werden sie von der Bundesregierung unterstützt. Auch Kirchen gehen in die Offensive. Christian Staffa ist Antisemitismusbeauftragter der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er setzt auf Bildung und auf den schonungslosen Umgang mit der eigenen antisemitischen Geschichte der Kirchen. Im Brandenburgischen Neuruppin hat er mit einer ganzen Schule einen zweitätigen Schwerpunkt zum Thema Judenhass organisiert. Nie wieder Antisemitismus? Angesichts fast zwei Jahrtausenden institutionalisiertem Judenhass ist dieser Slogan Wunschdenken. Darin sind sich alle einig, die sich den Kampf gegen Antisemitismus aufs Banner geschrieben haben. Doch es gibt neue Strategien – in Bildung, Politik und Gesetzgebung – und die zeigen Früchte.

Mo., 10. Okt · 02:10-03:55 · Das Erste (ARD)
Hannah Arendt

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt verfolgt 1961 den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Im Gerichtssaal trifft sie auf einen unscheinbaren Mann, der, wie er nicht müde wird zu betonen, „nur“ Befehle ausführte. In einer Artikelserie charakterisiert sie ihn, einen der Hauptverantwortlichen für die Shoa in Europa, als mediokren Schreibtischtäter und löst damit ungeahnte Proteststürme aus. Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat. Im Auftrag der Zeitung The New Yorker“ reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Im Gerichtssaal erwartet sie, ein Monster anzutreffen, und ist zunächst irritiert. Die Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte. Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie, deren provozierende These von der Banalität des Bösen“ für weltweite Empörung sorgt. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen). Margarethe von Trotta gelingt eine faszinierende Annäherung an das Hauptwerk der jüdischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt. Die sensible Filmbiografie mit der großartigen Barbara Sukowa in der Titelrolle verdeutlicht, warum die Frage nach dem Holocaust immer wieder neu gestellt werden muss.

Mo., 10. Okt · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Martha Liebermann – Ein gestohlenes Leben

Berlin, im Kriegsjahr 1943. Die großbürgerliche Witwe Martha Liebermann (Thekla Carola Wied) hätte sich niemals vorstellen können, ihre geliebte Heimat im Alter von 85 Jahren verlassen zu müssen. Als Jüdin bleibt ihr jedoch nur die Wahl, ins Ausland zu gehen oder auf ihre Deportation ins Konzentrationslager zu warten. Noch geben ihr das hohe Ansehen und die wertvollen Bilder ihres weltberühmten Ehemanns Max Liebermann (Rüdiger Vogler) Schutz. Doch wie lange noch? Marthas Freunde drängen sie zu einem illegalen Verkauf, um damit ihre Flucht mithilfe der Widerstandsgruppe von Hanna Solf (Fritzi Haberlandt) zu finanzieren. Gestapo-Kommissar Teubner (Franz Hartwig) mit seinem Handlanger (Daniel Noël Fleischmann) sieht nun seine perfide Chance, den couragierten Regimegegnerinnen eine Falle zu stellen. Der für die Nazis arbeitende Kunstexperte Solbach (Wanja Mues), der seinen Geliebten Benjamin (Vladimir Korneev) in Sicherheit bringen möchte, ist undurchsichtig. Kann man ihm trauen? Als sich die Lage dramatisch zuspitzt und sie sogar um ihre treue Haushälterin Luise (Lana Cooper) fürchten muss, zeigt Martha Liebermann ihre wahre Klugheit und Größe. Das Stück fokussiert auf das exzellente Ensemble mit Lana Cooper als ihre loyale Haushälterin, Rüdiger Vogler in der Rolle des Malers Max Liebermann sowie Fritzi Haberlandt, Johanna Polley und Arnd Klawitter als mutige Helfer:innen seiner Frau. Drehbuchautor Marco Rossi entwickelt die spannungsgeladene Dramaturgie, die auf einer wahren Begebenheit beruht, nach Motiven des Romans „Dem Paradies so fern“ von Sophia Mott.

Mo., 10. Okt · 21:45-23:15 · HR
Nazijäger – Reise in die Finsternis

1945 und 1946 fahren die Männer der britischen „War Crimes Investigation Unit“ auf der Jagd nach Naziverbrechern durch Norddeutschland. Einer von ihnen ist Captain Anton Walter Freud. Im Team lernt er Hanns Alexander kennen. Der Sohn eines Berliner Arztes ist wie er vor den Nazis nach England geflohen. Sie spüren Mörder auf, die auf den Fahndungslisten der Alliierten stehen: Killer in Nadelstreifen, brutale SS-Schergen und erbarmungslose Ärzte, die medizinische Experimente selbst an Kindern durchführten. – Wesentliche Grundlagen des Doku-Dramas sind die Protokolle der Verhöre, die Freud und Alexander damals durchgeführt haben.

Mo., 10. Okt · 22:00-22:45 · NDR
45 Min: Sieben Jahre Deutschland – Mein Versuch eine „Alman“ zu werden

Sieben Jahre ist es her, dass Mayss Shehawi nach Deutschland gekommen ist. Das war 2015. Für sie führte der Weg vom Libanon über das Mittelmeer und über die Balkanroute. Schließlich endete er in einer Flüchtlingsunterkunft in Finsterwalde. Heute lebt die 30-Jährige in Hamburg, ist Journalistin beim NDR und hat es geschafft. Geschafft, sich ein selbstbestimmtes Leben in der Fremde aufzubauen, die Sprache zu lernen. Bald wird sie deutsche Staatsbürgerin sein. Auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte gelungener Integration. Aber was ist in diesen sieben Jahren passiert? Was bedeutet es, anzukommen in einem Land, in dem alles neu und überfordernd ist? Wenn rassistische Begegnungen alltäglich werden? Und was bedeutet Integration überhaupt?

Di., 11. Okt · 23:30-00:15 · SWR
Eisenbahner im Widerstand – Vergessene Gegner des NS-Regimes

Ohne die Reichsbahn hätte die Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg nicht führen können, ohne sie hätten die Nazis nicht Millionen Menschen in die Konzentrationslager transportieren können. Aber es gab hunderte Eisenbahner, die Widerstand leisteten. In den von Deutschland besetzten Gebieten waren es noch mehr. Viele kamen in Konzentrationslager, viele wurden hingerichtet. Die SWR Dokumentation berichtet über Männer, die sich illegal vernetzt, die NS-Opfern geholfen oder Sabotage begangen haben. Ohne die Deutsche Reichsbahn hätte die Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg nicht führen können, ohne sie hätten die Nazis nicht Millionen Menschen in die Konzentrationslager transportieren können. Aber es gab hunderte Eisenbahner, die Widerstand leisteten. In den von Deutschland besetzten Gebieten waren es einige tausend. Viele von ihnen kamen in Konzentrationslager, viele wurden hingerichtet. Doch ihre Namen sind bis heute meist unbekannt, ihr Opfer, ihr Mut und ihre Verdienste unerwähnt. Einige haben sich schon kurz nach der Machtübernahme der Nazis illegal vernetzt oder haben später heimlich Berichte über die Aufrüstung in Deutschland ins Ausland geschmuggelt. Die SWR Doku von Autor Hermann G. Abmayr berichtet über einen Bahnhofsvorsteher, der eine Jüdin versteckte, über ein illegales Eisenbahner-Netzwerk im Südwesten Deutschlands, über Eisenbahner, die in der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ aktiv waren, über Sabotage in Frankreich und die Rettung von KZ-Häftlingen im heutigen Tschechien.

Mi., 12. Okt · 22:00-22:45 · BR
The American Führer – Hitlers unliebsamer Doppelgänger

Dies ist die unglaubliche Geschichte des Faschisten Julius Kuhn. Ein deutscher Auswanderer, der sich selbst in den Dreißigerjahren in Amerika zu Hitlers Stellvertreter hochstilisiert, seine Truppen durch New York marschieren lässt und mit seiner antisemitistischen und rassistischen Hetze zehntausende Amerikaner hinter sich sammelt. Weder Hitler noch das FBI können ihn stoppen. Erst ein deutschstämmiger Journalist bringt Kuhn zu Fall.

Mi., 12. Okt · 22:45-00:20 · BR
Die Akte Oppenheimer

Der Jude Joseph Süßkind Oppenheimer war ein erfolgreicher württembergischer Finanzminister, der nach einem unrechtmäßigen Prozess 1738 grausam hingerichtet wurde. Die Nationalsozialisten stilisierten ihn im Propagandafilm „Jud Süß“ zu einer dämonischen Figur, die den Hass gegen Juden befeuern sollte. Ina Knobloch begibt sich auf die Suche nach der wahren Geschichte hinter dem Justizmord. Ausgehend von den acht Regalmeter umfassenden Prozessakten führt sie die Spur immer tiefer in die deutsch-jüdische Vergangenheit und zu antisemitischen Stereotypen, die bis heute fortwirken.

Do., 13. Okt · 22:20-23:15 · arte
Alices Buch – Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Alice Urbach, die unter Hitlers Regime die Rechte an ihrem Kochbuch verlor. In den 30er Jahren war sie eine erfolgreiche Konditorin in Wien und Bestseller-Autorin mit einer eigenen Kochschule. Nach dem deutschen Anschluss Österreichs emigrierte sie nach England – wo sie sich in den Kriegsjahren um jüdische Flüchtlingskinder kümmerte. Als sie Ende der 40er Jahre nach Wien zurückkehrt, entdeckt sie, dass ihr Buch „So kocht man in Wien!“ unter dem Namen Rudolf Roesch veröffentlicht wird. Der Verleger weigert sich, ihr die Rechte zurückzugeben. Für einen Neuanfang zieht sie schließlich nach San Francisco und eröffnet eine Wiener Konditoreischule. Ihr Traum, ihr Kochbuch unter ihrem eigenen Namen auf Englisch zu veröffentlichen, blieb bis zu ihrem Tod unerfüllt. Jetzt, 80 Jahre später, macht sich die Historikerin Karina Urbach – Alices Enkelin – auf, die Geschichte hinter dem gestohlenen Kochbuch aufzudecken und für eine Neuauflage des Buchs zu kämpfen. Ihre Recherchen führen sie von Cambridge über Wien und München bis in den britischen Lake District. In Archiven findet sie Dokumente, die längst verloren geglaubt waren. Ihre Arbeit verschafft Karina Urbach endlich Aufmerksamkeit bei dem Verlag ihrer Großmutter. Erschütternd und unglaublich bewegend erzählt Alices Buch die Geschichte einer Frau, die mit ihrer Leidenschaft für das Kochen die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überlebte. Erzählt wird der Film aus subjektiv-erlebender Sicht – Stück für Stück setzt die Protagonistin das Puzzle der Vergangenheit zusammen.
Bild oben: © Andrea Oster – Alice (Petra Kuss) schreibt Rezepte auf.

Do., 13. Okt · 23:15-00:15 · arte
Eine Familie unterm Hakenkreuz

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich der Doktorand Helmut und die Medizinstudentin Erna 1929 kennenlernen. Beide schauen zuversichtlich in die Zukunft. Dann erfährt Erna in der heraufziehenden Nazizeit von einem Familiengeheimnis: Ihre Mutter sei Jüdin. Erna ist sich sicher, dass sich Helmut von ihr trennen wird. Doch ihr Verlobter steht zu ihr. Die beiden heiraten und bekommen drei Söhne. Nach und nach wird das Leben im nationalsozialistischen Deutschland für die Familie immer schwerer. Erna gilt als Mensch zweiter Klasse, nach den sogenannten Rassegesetzen ist sie Halbjüdin und darf nicht mehr studieren. Helmut bekommt als Arzt keine Zulassung für Kassenpatienten. Das Ehepaar sieht nur noch eine Chance: Durch seine Bewährung als tapferer Soldat will Helmut die sogenannte Sippenschande tilgen. Der Führer und Reichskanzler kann durch seine Unterschrift Helmuts Familie angesichts seines tapferen Einsatzes im Krieg für „deutschblütig“ erklären. Helmut nimmt als Feldarzt am Krieg teil. Erna bleibt mit den drei Söhnen im Münsterland und muss dort den rassistischen Alltag und die Bedrohung von Gesundheit und Leben durch die Nationalsozialisten und ihre autoritätshörigen Helfer allein bestehen. Von der Wehrmacht wird Helmut für seine Tapferkeit ausgezeichnet. Er fällt an der Front. Doch das scheinbar Unmögliche, die Rettung seiner Familie, gelingt ihm posthum. Erna wird nach seinem Tod tatsächlich für „deutschblütig“ erklärt und entkommt den Deportationen. Sie überlebt mit ihren drei Kindern den Nationalsozialismus. Helmut und Erna waren beide sehr begabt, beide konnten gut schreiben; er war ein leidenschaftlicher Fotograf und Filmemacher. Er hielt die ersten Schritte seiner Kinder und das anfangs glückliche Leben als Arzt genauso in Filmen, Fotos und Briefen fest wie später das Grauen an der Front. Die Geschichte von Erna und Helmut zeigt eine sehr nahe, neue Perspektive auf das Leben im NS-Staat, sie bewegt, sie reißt mit und konfrontiert die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Gewissensfrage: Wie hätte ich mich verhalten?

Sa., 15. Okt · 22:45-23:15 · 3sat
Masel Tov Cocktail

Dima, 16, ist Sohn russischer Einwanderer, Schüler am Gymnasium, und er ist Jude. Das wäre nicht der Rede wert, wenn nicht alle ständig darüber reden würden. So auch sein Klassenkamerad Tobi, der ihn eines Tages in der Toilette mit einem ziemlich schlechten Witz über das Schicksal der Juden in Deutschland provoziert. Dima könnte darüber hinweggehen, aber dazu hat er keine Lust – und so haut er Tobi eine rein.