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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. September 2022

Fr., 16. Sep · 09:00-09:55 · arte
Black Panthers (1/2)

Als in den 1960er Jahren der Schlachtruf „Black Power“ immer mehr Resonanz gewann, formierte sich die Black Panther Party als militante Gruppierung der Bürgerrechtsbewegung. Die Dokumentation zeigt anhand von Interviews mit den Gründungsmitgliedern, was die Black Panthers von anderen Protestbewegungen der damaligen Zeit unterschied. Archivbilder rufen den einzigartigen Kleidungsstil der „schwarzen Panther“ in Erinnerung: schwarze Sonnenbrille, Lederjacke, soldatischer Schritt und eine ausladende Afrofrisur, die zu verkünden schien – „Black is beautiful!“. Rhetorisch inspiriert wurde die Bewegung durch die separatistischen Statements von Malcolm X, der die weiße Vormachtstellung anprangerte und sich seiner Rolle in der Geschichte durchaus bewusst war. Die Black Panthers demonstrierten gegen die willkürlichen Verhaftungen in den Schwarzenvierteln und stellten politische Forderungen, wie etwa das Recht auf Beschäftigung, Bildung und würdiges Wohnen. Als nordstaatliches Pendant zur Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten stellten sie auch das kapitalistische System an sich infrage. Ihre Devise: Damit jeder Schwarze im Land frei sein kann, muss sich das ganze System verändern. Die Black Panther Party faszinierte zeitgenössische Intellektuelle wie den jungen Schriftsteller Eldridge Cleaver und wurde auf den studentischen Campussen als revolutionäre Avantgarde gehandelt. Nach der Ermordung von Martin Luther King und mehreren blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem FBI radikalisierte sich die Bewegung jedoch zunehmend. Zweite Folge im Anschluss.

Sa., 17. Sep · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Der Mossad, die Nazis und die Raketen

Die Rakete steigt steil in die Höhe über der Wüste. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser ist zufrieden. Deutsche Experten sichern ihm einen ungeheuren Propagandaerfolg und Prestigegewinn. Diese Waffen, so verkündet Nasser, könnten bis nach Israel fliegen. Nur zwei Tage später, am 23. Juli 1962, werden der Weltöffentlichkeit in Kairo weitere Raketen auf einer Parade präsentiert. In Jerusalem schrillen die Alarmglocken. Der ehrgeizige israelische Geheimdienstchef Isser Harel, gerade noch für seinen Erfolg bei der Jagd nach Adolf Eichmann gefeiert, richtet seinen gesamten Dienst auf die neue Aufgabe aus: die Abwehr der drohenden Vernichtung des jüdischen Volkes. Während in der Knesset noch über das Ausmaß der Bedrohung gestritten wird, sind Mossad-Agenten bereits aktiv. In der Raketenfabrik Kairo-Heluan explodieren Pakete, die Sekretärin des deutschen Chefingenieurs Professor Wolfgang Pilz wird durch eine Briefbombe schwer verletzt. Dann verschwindet in München der Chef der Materialzuliefererfirma für das ägyptische Raketenprojekt, Dr. Heinz Krug, spurlos. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft dessen Akte nicht geschlossen. Erst jetzt erhellen neue Dokumente und Aussagen hoher ehemaliger Mossad-Mitarbeiter sein Schicksal. Bei der Verfolgung seines Zieles, die deutschen Raketen aus Kairo unschädlich zu machen, scheint Geheimdienstchef Harel fast jedes Mittel recht. Er lässt sogar in Madrid den ehemaligen SS-Offizier Otto Skorzeny anwerben – einen Alt-Nazi, der 1943 durch seine Beteiligung an der Mussolini-Entführung auf dem Gran Sasso zu Ruhm gelangt war. Er liefert, wie Ex-Mossad-Offiziere berichten, über einen einstigen SS-Untergebenen entscheidende Informationen zu dem Raketenprojekt am Nil. Alarmiert durch die Mossad-Aktionen, versucht der israelische Vize-Verteidigungsminister Shimon Peres gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Franz Josef Strauß die Situation zu entschärfen. Auf Israels Straßen demonstrieren derweil aufgebrachte Bürger gegen „einen zweiten deutschen Holocaust“, skandieren „Strauß raus und Peres auch!“ Und der Poker geht weiter. Außenministerin Golda Meir nutzt die Gunst der Stunde, treibt den auf Aussöhnung mit Deutschland hin arbeitenden Ministerpräsidenten Ben Gurion vor sich her. Der nimmt schließlich, entnervt von vielen Affären, seinen Hut. Eine tragische Entwicklung, wie Shimon Peres in der Rückschau bedauert. Denn Nassers Raketen hatten weder Steuerung noch Sprengköpfe, hätten also für Israel nie zur Gefahr werden können. „Es war alles ein Bluff“, sagt Peres heute in einem Interview.

So., 18. Sep · 15:40-15:55 · MDR
Jüdisch sein – Eine Frage der Überzeugung

Jüdisch ist, wer eine jüdische Mutter hat. Das Judentum wirbt nicht aktiv um neue Mitglieder, schließt einen Übertritt aber auch nicht aus. Die Kriterien für die Aufnahme in die Religionsgemeinschaft sind streng und der Weg zum richtigen Juden ist lang. Ulf Nguyen hat sich vor sieben Jahren entschieden, diesen Weg zu gehen. In seiner Familiengeschichte entdeckte er Hinweise auf eine jüdische Vorfahrin, das weckt sein Interesse an der Religion. Nach und nach hat er sich immer mehr mit dem Judentum beschäftigt. Interesse und Faszination allein genügen aber nicht für einen Übertritt zum Judentum: Ulf Nguyen muss sich an die 613 Ge- und Verbote des Judentums halten. Um die Heilige Schrift, die Tora, studieren zu können, hat er hebräisch gelernt. Er ist beschnitten, ernährt sich koscher und betet drei Mal am Tag. Die Religionsgesetze strukturieren sein Leben. Als selbständiger Architekt kann er seine Arbeitszeiten nach dem jüdischen Kalender richten, doch für die Familie waren nicht alle Umstellungen einfach. Seine damalige Partnerin wollte nicht mit ihm konvertieren. Sie ist mit den beiden gemeinsamen Kindern in eine eigene Wohnung gezogen. In seiner Heimatstadt Pirna kennt Ulf Nguyen keine anderen jüdischen Gläubigen. Es gibt weder eine Gemeinde noch einen Gebetsraum. Mehrmals die Woche fährt er nach Dresden, besucht dort die Synagoge und begeht in der jüdischen Gemeinde den Schabbat, den siebten Wochentag – und Ruhetag. Die Gemeinde beschreibt er als Familie. In Rabbiner Akiva Weingarten hat er einen Lehrer und Mentor gefunden. Ein richtiger Jude ist Ulf Nguyen aber noch nicht. Seine Prüfung vor einem jüdischen Gericht aus drei Rabbinern steht noch aus.

Mo., 19. Sep · 01:15-02:45 · HR
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München vor genau 40 Jahren. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß kaum noch jemand: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL AL Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Er war der Kollateralschaden für eine vermeintlich gute Sache, für den angeblich gerechten Kampf um einen palästinensischen Staat. Aber wer hatte beschlossen, dass sein Tod gerecht ist? Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach Antworten auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der 70er Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten.

Mo., 19. Sep · 20:15-22:10 · One
Die Blumen von gestern

Totila Blumen ist Holocaust-Forscher. Als solcher versteht er keinen Spaß. Weder im Allgemeinen noch im Besonderen, wenn seine Kollegen versuchen, aus einem Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen und somit das Erbe des gerade erst verstorbenen und von Totila hochverehrten Professors Norkus mit Füßen treten. Als man ihm die sehr junge und sehr nervige französische Studentin Zazie als Praktikantin vor die Nase setzt, die ihm folgt wie ein Hündchen und mit seinem direkten Vorgesetzten ein Verhältnis hat, ist der stets ernst und überlegt dreinblickende Totila am Ende. Doch Jammern hilft nicht – erst recht nicht bei seiner gestressten Frau Hannah, die ihn auffordert, weniger zu hadern und sich mit dem zu arrangieren, was das Leben gerade anbietet. Und so macht Totila weiter seine Arbeit, unterstützt von der überdrehten, exzentrischen Zazie. Die jedoch scheint ihre ganz eigene Agenda zu haben – eine Agenda, die eng mit Totilas Herkunft und seinem wohlgehüteten Familiengeheimnis verknüpft ist.

Mo., 19. Sep · 22:50-23:35 · Das Erste (ARD)
Der Documenta Skandal

„Kunstmesse der Schande!“ titelt die BILD-Zeitung. „Willkommen bei der Antisemita15“ schreibt der SPIEGEL. Und wann wird schon einmal stundenlang im Bundestag über eine Ausstellung gestritten? Die Documenta15 ist zum Politikum geworden – und gleichzeitig durchaus erfolgreich beim Publikum. Gerade bei den Jüngeren. Ein 100 Quadratmeter großes Banner mit antisemitischer Motivik eines indonesischen Kollektivs war der Katalysator, weitere als judenfeindlich lesbare Werke sind dazugekommen. Nicht nur jüdische Menschen in Deutschland sind massiv irritiert und schockiert. Aber längst geht es nicht mehr um einzelne problematische Beispiele, sondern um Fragen, die weit über die Ausstellung hinausweisen: Wo beginnt Antisemitismus, wo hört Israelkritik auf? Darf man in Deutschland die Politik Israels kritisieren? Und wer darf das wie? Gibt es in der Kunst- und Kulturszene einen schleichenden Boykott jüdischer oder israelischer Positionen? Wo kommen rechte Stereotype zum Tragen? Welche Rolle spielt die Anti-Israel-Boykottbewegung „BDS“? Und wie wollen wir in einer multikulturellen Gesellschaft Erinnerungskultur leben? Der Film „Der Documenta Skandal“ erforscht nicht nur die Ereignisse auf der Kasseler Weltkunstausstellung, sondern auch eine erbitterte, wütend und äußerst polarisiert geführte Debatte. Eine spezifisch deutsche Debatte. Eine Debatte, die ins Herz der deutschen Staatsräson zielt. Eine Debatte, in der an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert wird. In ihrem ersten TV-Interview spricht mit uns die Künstlergruppe „Taring Padi“, verantwortlich für das große Banner „People’s Justice“, das tagelang im Herzen Kassels zu sehen war. Des Weiteren sprechen wir mit Claudia Roth, dem Zentralrat der Juden, Eva Menasse, Igor Levit, Meron Mendel und anderen.

Di., 20. Sep · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Siebenmal jüdisches Leben in Bayern

Die Zahl sieben hat in der jüdischen Tradition eine ganz besondere Bedeutung: Die Tora beginnt mit der Geschichte der Schöpfung in sieben Tagen. Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche, im siebten Jahr folgt jeweils das Schmittahjahr, den sieben fetten Jahren folgen in Josefs Deutung des Traums des Pharaos die sieben mageren Jahre, und der heilige Leuchter, die Menora, hat sieben Arme. Im Jahr 321 wird in einem römischen Dekret zum ersten Mal eine jüdische Gemeinde auf deutschem Gebiet erwähnt. Anlass, im Jahr 2021 „1700 Jahre jüdisches Leben in Bayern“ zu feiern. Die Dokumentation rückt sieben Frauen und Männer aus ganz Bayern in den Fokus, die ihr Jüdischsein unterschiedlich leben. Für die einen spielt ihre Religion im Alltag kaum eine Rolle, für die anderen ist ihr Glaube ein wichtiger Bezugspunkt. Eine Reise durch ganz Bayern, quer durch die Generationen, und eine Spurensuche: Was wurde aus dem Landjudentum? Wo finden sich Wurzeln jüdischen Lebens in Bayern? Und wie passen bayerisches, fränkisches, schwäbisches und jüdisches Brauchtum und Lebensgefühl zusammen? Robert Spitz aus Straubing sagt: „I bin a Jud und a boarischer Bua“. Er ist in der damals kleinsten jüdischen Gemeinde aufgewachsen und erinnert sich gerne an seine Kindheit und Jugend in Niederbayern – die von drei Jahren in Israel unterbrochen wurde. Heute leitet er ein Theater in München. Doris Maugg aus München: Sie ist seit langem auf der Suche nach ihren Wurzeln und nach Vorfahren. Das Tagebuch einer israelischen Verwandten hilft ihr dabei, und Doris erfährt: in Tel Aviv lebt ein großer „neuer“ Teil ihrer Familie. Ob sie sich persönlich treffen können? Josef und Aron Schuster aus Würzburg: Der Präsident des Zentralrats der Juden und sein Sohn Aron sind unterwegs in Bad Brückenau, dem Ort, wo Großvater Julius ein Hotel baute, in dem sich vor vielen Jahrzehnten reiche jüdische Familien einen Kururlaub gönnten. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, musste der Großvater das Hotel an sie überschreiben und konnte nach Palästina ausreisen. Als Josef Schuster zwei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm zurück nach Bayern. Weitere Protagonist:innen sind: Sacha Pitimson, Gastronom und Inhaber des „Jewish Deli“ in Nürnberg-Gostenhof, Irina Mugerman, die mit anderen jüdischen Frauen in Augsburg die Tanzgruppe „Jad be Jad“ bildet, der Schüler Tim Kurockin aus Amberg und Isak Schilling aus Kiefersfelden: „Das Bayerische und das Jüdische miteinand – das bin ich!“

Di., 20. Sep · 21:45-22:15 · ARD-alpha
Heimat gesucht! Israelis in Berlin

Vielen Israelis macht es ihr Land nicht leicht: Hin- und hergerissen zwischen ihrer Kultur und dem andauernden Konflikt samt Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück in der Fremde. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht das Leben in der Diaspora mit ihrer Identität? Der Film begleitet ein gewerbetreibendes Ehepaar, das seit zehn Jahren hier lebt, eine Stadtführerin, die inzwischen 34 Jahre in Berlin zu Hause ist und ein schwules Literaten-Paar, das gerade ankommt. So verschieden sie sind, eines eint sie: die Suche nach Heimat. Mehr als acht Millionen Juden leben über den Globus verstreut in der Diaspora. Etwa so viele wie im heutigen Israel. Auch aus dem Gelobten Land selbst zieht es viele in die Fremde. Ihnen ist ihr kleines Land keine einfache Heimat: Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Kultur und dem andauernden Nahostkonflikt mit seinen Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück woanders. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht die Fremde mit ihrer Identität? Bekommt das Jüdische hier vielleicht eine andere Bedeutung? Der Film begleitet Israelis, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten, aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Berlin gekommen sind: Ein gewerbetreibendes Ehepaar, eine Stadtführerin und zwei Literaten, die neu in der Stadt sind. Bei allen Unterschieden, eines eint sie: die Suche nach einem friedlichen und toleranten Ort zum Leben. Shahar und Noam sind vor zehn Jahren nach Berlin gezogen. Ohne deutschen Pass und finanzielle Unterstützung haben sie ein kleines Label für nachhaltige (upcycling) Leder- und Mode-Accessoires etabliert. Sie entwerfen ihre Produkte selbst und verkaufen sie auf Kunstgewerbe- und Weihnachtsmärkten in verschiedenen deutschen Städten. Vor zwei Jahren kam eine kleine Berlinerin zur Welt, was ihr Leben ziemlich auf den Kopf gestellt hat. Nirit und der 22-jährige Joel sind Mutter und Sohn. Sie kam 1987 nach Berlin, lange bevor Berlin unter Israelis „populär“ wurde. Nachdem sie Deutsch gelernt und studiert hatte, zog sie (zunächst mit ihrem deutschen Mann) zwei Söhne groß. Seit Jahren ist sie vielleicht die versierteste Stadtführerin für jüdische Themen. Darüber hinaus recherchiert sie für einen Dokumentarfilm zum Judentum in der DDR. Joel studiert Philosophie und versteht sich, obwohl auch israelischer Staatsbürger, als jüdischer Deutscher. Neben seinem Studium arbeitet er im Bundestag als hebräisch-sprachiger Besucherbetreuer. Dory und Moshe sind Autoren und unter interessierten Israelis durchaus bekannt. Während sich Dory als Übersetzer und Dichter betätigt, schreibt Moshe Romane. Vor gut anderthalb Jahren kam das schwule Paar aus Tel Aviv nach Berlin. Davor lebten sie in Paris. Während Moshe an einem Roman arbeitet, der in Berlin spielt, forscht Dory u.a. nach seiner aus Berlin stammenden Familie. Er hat Anfragen an Archive gestellt und eine Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee entdeckt.

Mi., 21. Sep · 07:20-07:50 · HR
Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Drei Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Mi., 21. Sep · 14:30-14:45 · ARD-alpha
RESPEKT kompakt: Verrückte Normalität? Jung und jüdisch in Deutschland

Jüdisches Leben: Dabei denkt RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl vor allem an koscheres Essen, an den Schabbat, Synagogen – oder an die weitgehende Vernichtung jüdischen Lebens Holocaust. Bis sie loszieht und junge Jüdinnen und Juden in ihrem oft verrückt normalen Alltag im heutigen Deutschland erlebt. Dazu besucht die Moderatorin etwa ein Sport-Girls-Camp, wo sie Krav Maga ausprobiert – einen modernen Selbstverteidigungssport. Was bedeutet jüdisch sein für die jungen Frauen dort? Was für den Münchner Rabbiner Israel Diskin? Und was für die queere Anna Fuhrmann, die mit der Initiative Keshet dafür kämpft, dass sich jüdische Gemeinden für LGBTQI* öffnen. Oder für Asaf Erlich, der in Israel geboren ist. Dort hat er sich kaum um jüdische Religion und Identität gekümmert. Bis er zum Arbeiten nach Deutschland ging und gefragt wurde, warum er ausgerechnet im Ex-Nazi-Land leben will. Sehr gläubig ist er immer noch nicht, aber jüdische Identität und Geschichte haben hier viel mehr Bedeutung für ihn bekommen. Er persönlich hat zwar keine Angst, erlebt aber, wie wachsender Antisemitismus bei vielen hier geborenen Jüdinnen und Juden ein alltägliches Gefühl der Bedrohung erzeugt. Gegen diese verrückte Normalität von Ausgrenzung und Angst kämpft Anna Fuhrmann auch in dem Projekt Meet a Jew. „Hey du Jude“ ist auf vielen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort – dabei haben viele junge Menschen null Kontakt zu Menschen jüdischen Glaubens. Um das zu ändern und um junge Jüdinnen und Juden sichtbar zu machen, gehen Meet a Jew-Teams an Schulen, in Vereine oder an Unis. Dort erzählen sie von sich, ihrer Religion und ihrem Alltag. Das Ziel: Begegnungen schaffen, Klischees und Vorurteile bekämpfen.

Mi., 21. Sep · 16:00-16:45 · ARD-alpha
Israel – hip und heilig

Tel Aviv: die Stadt, die niemals schläft, das New York des nahen Ostens – unbändige Lebensfreude, offen, tolerant und verdammt laut. Auch nicht wirklich leise geht es in Jerusalem zu – drei Weltreligionen auf engstem Raum, hier wird Gott überall und immer gefeiert. Ein bisschen Ruhe gibt’s am Toten Meer, wie lange noch steht in den Sternen, das einzigartige Naturwunder verschwindet jedes Jahr ein bisschen mehr. Kulinarisch ist Israel ein absolutes Highlight. Die israelische Küche ist so vielfältig wie die Israelis selbst. Filmautorin Natascha Rhein und Kameramann Steffen Heyermann erleben Israel in sieben Tagen auf eigene Faust – eine Reise zum Miterleben und Nachreisen.

Mi., 21. Sep · 21:00-21:45 · ARD-alpha
alpha-thema: Jüdisches Leben im Hier und Heute: Israels Erfolgsgeheimnis

Israel hat pro Kopf die größte Anzahl von Start-Up Unternehmen weltweit. 2021 war ein Rekordjahr mit insgesamt mehr als 6.500 Start-ups bei rund neun Millionen Einwohnern. 68 der in Israel oder von Israelis gegründeten Start-ups waren mehr als eine Milliarde US-Dollar wert. In dieser Größenordnung werden die innovativen Neugründungen in der Szene als „Einhörner“ bezeichnet. Was ist das Erfolgsgeheimnis des noch relativ jungen, kleinen Staates? Wie konnten in Israel innerhalb weniger Jahre so viele „Einhörner“ entstehen, dass das Land zu einer bedeutenden Hightech-Nation geworden ist? Was sind die Schattenseiten? Susanne Glass und Karolina Toren haben den Markt über mehrere Jahre beobachtet. Sie haben fünf Gründerinnen und Gründer regelmäßig besucht und deren Entwicklung, Hoffen und Bangen im knallharten Business-Umfeld begleitet. Unter ihnen sind bereits etablierte, milliardenschwere Unternehmer, etwa im Bereich Datenkommunikation oder Cyper-Sicherheit. Aber auch hoffnungsfrohe Anfängerinnen und Anfänger, deren Gründungsideen darin bestehen, veganen Fleischersatz aus dem 3-D-Drucker zu liefern oder Strom aus Meereswellen zu erzeugen. Dabei zeigt sich, wie wichtig es ist, dass in Israel der Start-up-Spirit bereits an Schulen und beim Militärdienst stark gefördert wird. Aber es gibt noch weitaus mehr Gründe für den israelischen Start-up-Erfolg, zu dem neben Einhörnern mittlerweile auch Zebras, Haie und Engel gehören.

Mi., 21. Sep · 22:15-23:00 · ARD-alpha
alpha-thema: Jüdisches Leben im Hier und Heute: Wenn der Rabbi lacht

Wer etwas über jüdischen Humor in Wien sagen will, kommt an Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg nicht vorbei. Niemand verkörpert so eine feinsinnige, kluge Heiterkeit wie er. Niemand erzählt Witze so wie er und ist gleichzeitig eine zentrale Figur des österreichischen Judentums. Eisenberg führt an ausgesuchte Orte in Wien, an denen er gemeinsam mit seinen Freunden und Freundinnen die Tiefen und Untiefen der jüdischen Heiterkeit erläutert. In der jüdischen Gemeinschaft kritisieren manche den umtriebigen Rabbiner als „Entertainer“ und als „zu wenig religiös“. Für Eisenberg ist Humor aber nicht Selbstzweck, sondern eine Methode, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf die ernsteren Anliegen zu lenken. Humor hat im Judentum einen fixen Stellenwert: Egal, ob es um Religion, Geschichtsaufarbeitung, Politik oder Zwischenmenschliches geht – das Augenzwinkern besiegt jede Form von Autorität und Fundamentalismus.

Do., 22. Sep · 00:15-02:00 · arte
Love Trilogy – In Ketten

Rashi Malka ist ein angesehener, altgedienter Polizeibeamter, ein sehr dominanter Mann, der bei seiner Arbeit oft in gefährliche und gewalttätige Situationen gerät. Seine Frau Avigail hat eine Tochter aus erster Ehe, aber Rashi träumt von einem gemeinsamen Baby. Dieser Traum hat sich bisher nicht erfüllt, Avigail unterzieht sich gerade einer Fruchtbarkeitsbehandlung. Generell ist das Familienleben der Malkas konfliktreich, denn Rashis autoritäres Auftreten führt häufig zum Streit mit Avigails rebellischer Teenager-Tochter Yasmin. Yasmin fordert die Solidarität ihrer Mutter ein, während Rashi ganz klar der Ansicht ist, dass allein sein Wort zählt, und so gerät Avigail immer zwischen die Fronten. Schließlich führt Rashis knallharte Haltung auch im Dienst zu einem Skandal: Nach einer Drogenkontrolle bei einigen Jugendlichen im Park behaupten zwei der Jungen, dass Rashi sie sexuell belästigt habe. Während die Dienstaufsicht ermittelt, wird Rashi suspendiert – ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Zwischen Frustration, Wut, Scham und seinem Selbstbild als Bestimmer und Beschützer ist Rashi hilflos, fast wie gefesselt. Der allmähliche Verlust der Kontrolle über sein Leben treibt ihn schließlich an den Abgrund. Er wird zu einer Gefahr für sich selbst und seine Liebsten.
Bild oben: © ZDF/ARTE/Shai Skiff/Nizan Lotem – Rashi (Eran Naim, li.) beobachtet misstrauisch, wie seine Stieftochter Yasmin (Stav Patay, re.) beim Fotografen geschminkt wird.

Do., 22. Sep · 14:30-14:45 · ARD-alpha
RESPEKT kompakt: Ausstieg rechts. Oder: Einmal Nazi, immer Nazi?

Morde in München 2016, 2019 in Kassel und Halle, 2020 in Hanau. Mordversuche, Körperverletzungen: eine Horror-Serie rechtsextremistischer Gewalttaten. Und die Täter:innen-Szene wächst weiter. So zählt das Bundesamt für Verfassungsschutz für vergangenes Jahr 13.000 gewaltbereite Rechtsextreme. Inhaltlich und ästhetisch bedienen sich Neo-Nazi-Gruppen bei aktuellen (Jugend-)Trends: Sie rekrutieren über die Sozialen Medien, arbeiten mit coolen Influencer:innen, ästhetisch ansprechenden Videos und vernetzen sich mit Anhänger:innen anderer Verschwörungsideologien. Ihre Ideologie ist aber unverändert: nationalistisch, rassistisch und gewaltaffin. Was treibt Menschen in dieses Milieu, will RESPEKT-Moderatorin Sabine Pusch wissen – und: Gibt es einen Weg zurück? Die Moderatorin kontaktiert Personen, die aus der Neo-Nazi-Szene ausgestiegen sind. Aber Aussteiger:innen oder Menschen, die ihnen dabei helfen, vor laufender Kamera zu treffen, ist höchst problematisch. Denn es kann lebensgefährlich sein, öffentlich über die Szene zu sprechen. Mit Felix Benneckenstein klappt es dennoch. Nachdem er zehn Jahre lang in der Neo-Nazi-Szene aktiv war, ist er ausgestiegen, tritt offen als Aussteiger auf und berät andere Ausstiegswillige. Von Felix Benneckenstein erfährt Sabine, was ihn als Teenager in die Neo-Nazi-Szene gebracht hat, was ihn beim Aussteigen motiviert und unterstützt hat – und wie es danach weiterging. Über ihn bekommt sie auch Kontakt zu Z., einem jungen Mann, der versucht „still“ auszusteigen, also, ohne dass das jemandem auffällt. Sabine trifft Z. an einem geheimen Ort und vollkommen anonymisiert. Im Gespräch verrät er ihr seine Geschichte und warum er aussteigen will. Die RESPEKT-Moderatorin bekommt so Einblick in eine abgeschottete Szene, die ihre Mitglieder mit allen Mitteln halten will. Und sie versteht, was den Ausstieg so schwer macht: Will jemand die rechtsextreme Szene verlassen, muss diese Person ihr ganzes bisheriges Leben komplett umkrempeln. Ein Prozess, der Jahre dauern kann und alles andere als ungefährlich ist.

Do., 22. Sep · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Unterm Davidstern – Jüdisches Leben in Dresden

„Wir waren nicht streng religiös, dennoch haben wir uns als Juden gefühlt – nicht nur, weil es in unseren Pässen stand“, sagt Elena Tanaeva. Ihre Familie habe viele jüdische Traditionen weitergeführt, kein Schweinefleisch gegessen, Milch und Fleisch immer getrennt gekocht. Jetzt sei sie hier in Dresden und Mitglied der Jüdischen Gemeinde, hier fühle sie sich sicher, sicherer jedenfalls als in St. Petersburg, in Russland. Der latente Antisemitismus sei dort noch deutlicher präsent als in Deutschland. „Hier werde ich beschützt, hier gibt es Gesetze, die für jedermann verpflichtend sind“, erklärt sie. Elena Tanaeva gehört zu der großen russischen Community, die sich regelmäßig im Gemeindehaus der Neuen Synagoge Dresden trifft. Ursula Philipp-Drescher ist über die Musik zum jüdischen Glauben gekommen. 248 Gebote und 365 Verbote – sich an alles zu halten, ist ganz schön schwer, erklärt sie. Sie leitet den Synagogenchor und führt regelmäßig Besucherinnen und Besucher durch das Gotteshaus. Dabei erzählt sie auch die Geschichte der alten Semperschen Synagoge, die 1938 von der SA in Brand gesetzt wurde. Ein mutiger Feuerwehrmann rettete damals den Davidstern und versteckte ihn auf dem Dachboden vor den Nazis. Valentina Marcenaro kam 1998 aus Italien in die Elbestadt. Eigentlich wollte sie nur ihre Deutschkenntnisse verbessern. Inzwischen hat sie hier eine Familie gegründet und organisiert jüdische Feste in Dresden. Ihr Lieblingsfest aber sei der Schabbat jeden Freitag. „Der Schabbat, der ist mir heilig, das ist Primetime mit meiner Familie“, erzählt sie. Dass es draußen längst dunkel ist und sie eigentlich nicht mehr in der Küche stehen dürfte, ficht sie nicht an. Valentina Marcenaro bezeichnet sich als Kulturjüdin: „Im Judentum muss man sich nicht immer nur streng an Regeln und Bräuche halten. Jeder hat die Freiheit, so zu leben, wie er will, wie er es für richtig hält.“

Do., 22. Sep · 21:45-22:15 · ARD-alpha
STATIONEN: Auf schwankendem Boden – jüdisches Leben in Bayern

Das Jahr 2021 nimmt eine facettenreiche Geschichte in den Blick: mit dem bundesweiten Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das im Köln der Römerzeit ansetzt. Für Bayern sind die ersten Gemeinden später belegt, doch eines gilt für die Geschichte der Juden im gesamten heutigen Deutschland: Die Zeiten, in denen sie nicht nur ein bedeutendes kulturelles Gemeindeleben entfalten konnten, sondern auch mit wichtigen Politikern und Künstlern die deutsche Gesellschaft prägten, geraten angesichts der Katastrophe der Shoah im öffentlichen Gedächtnis immer wieder in Vergessenheit. STATIONEN widmet sich aus diesem Anlass einigen weniger bekannten Menschen und Orten, die für die lebendige Geschichte und Gegenwart jüdischer Gemeinden in Bayern stehen, und Moderatorin Irene Esmann trifft Menschen, denen die Bewahrung dieses kostbaren kulturellen Erbes sehr am Herzen liegt.

Sa., 24. Sep · 00:00-01:05 · HR
Verurteilt! Echte Kriminalfälle im Gespräch – Der Nazi-Sniper

Mit einem Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung schießt John Ausonius Anfang der 1990er Jahre in Schweden auf Migranten. Einen Mann tötet er. Die Medien geben ihm den Namen „Lasermann“. 1994 wird er in Schweden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Kurz bevor er aus der Haft entlassen werden sollte, wird der Lasermann 2017 erneut wegen Mordes angeklagt. Diesmal in Frankfurt. Er soll 1992 die jüdische KZ-Überlebende Blanka Zmigrod erschossen haben, weil sie ihm angeblich einen Taschencomputer mit wichtigen Daten gestohlen habe. 2018 verurteilt das Frankfurter Landgericht John Ausonius zu lebenslanger Haft und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an.

Sa., 24. Sep · 00:45-02:15 · BR
Monsieur Claude 2

In Sachen multikultureller Offenheit macht Claude Verneuil (Christian Clavier) und seiner Frau Marie (Chantal Lauby) so schnell keiner etwas vor: Ihre vier ebenso bezaubernden wie eigenwilligen Töchter haben Einwanderer aus vier verschiedenen Kulturkreisen geheiratet! Um die Angehörigen ihrer Schwiegersöhne kennenzulernen, unternimmt das wohlsituierte Ehepaar Verneuil eine kleine Weltreise. Von den Strapazen können sich Claude und Marie in ihrem geliebten Provinzstädtchen Chinon jedoch nur kurz erholen, denn ihre Töchter haben die nächste Überraschung parat: Alle vier beabsichtigen, ihren Männern zuliebe auszuwandern, die sich in Frankreich wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlen. Ségolène (Émilie Caen) und Chao (Frédéric Chau) zieht es nach China, Isabelle (Frédérique Bel) und Rachid (Medi Sadoun) nach Algerien und Odile (Julia Piaton) und David (Ary Abittan) nach Israel. Sogar Charles (Noom Diawara) und die hochschwangere Laure (Élodie Fontan) möchten nichts wie weg – allerdings nicht zur Elfenbeinkünste, sondern nach Indien, wo der unterbeschäftigte Schauspieler auf eine Bollywood-Karriere hofft. Dass sich ihre geliebte Großfamilie in alle Winde zerstreuen soll, nehmen Claude und Marie jedoch nicht kampflos hin. Um ihre Schwiegersöhne mit ihrem geliebten Frankreich zu versöhnen, ist ihnen jedes Mittel recht. Schon bald erkennen die vier verbitterten Herren ihre bislang ungeliebte Heimat nicht wieder.

Sa., 24. Sep · 05:00-05:55 · arte
Der Kindermörder von Bethlehem? Herodes der Große

Er ist berühmt und berüchtigt: Im Neuen Testament wird von Herodes dem Großen berichtet, er habe die Ermordung aller männlichen Säuglinge in Bethlehem befohlen. Doch ist das wahr? Viele Zeitgenossen hätten Herodes einen solchen Befehl durchaus zugetraut, denn obsessiver Ehrgeiz und rücksichtsloser Machterhalt gepaart mit heftiger Leidenschaft und einer wahnhaften Eifersucht wurden dem König Judäas schon zu Lebzeiten nachgesagt. Kaiser Augustus soll gesagt haben, er sei lieber des Herodes Schwein als des Herodes Sohn. Sein Aufstieg zur Macht war das Ergebnis kluger politischer Schachzüge in einer unruhigen Zeit, denn geboren wurde er in eine vornehme idumäische Familie, die zum Judentum erst zwangskonvertiert wurde. Seinen Untertanen war er somit „nicht jüdisch genug“. Seine Position versuchte Herodes durch die Heirat mit Mariamne, einer Prinzessin aus dem alten jüdischen Herrschergeschlecht, zu legitimieren. Populär wurde er bei seinen jüdischen Untertanen dennoch nicht. Seine offen zur Schau gestellte Freundschaft mit Rom, der damals bestimmenden Macht in der Region, nahmen sie ihm übel. Um sich Anerkennung zu verschaffen, startete Herodes ein großes Bauprogramm rund um das Mittelmeer. Sein bedeutendstes Projekt war der Neubau des Zweiten Tempels in Jerusalem, das absolute Zentrum jüdischen Glaubens. Jerusalem verhalf er so zu neuem Glanz. Seine lange Regentschaft wurde von ständigen Palastintrigen überschattet, die zu Morden und Hinrichtungen, selbst im allerengsten Familienkreis, führten. Und doch gelang es Herodes dem Großen im Gegensatz zu seinen Nachfolgern, den Frieden im Heiligen Land für viele Jahrzehnte zu bewahren.

Sa., 24. Sep · 20:15-21:15 · ARD-alpha
Die Kinder der Tora, 1/5 Ein Gott, ein Volk

Simon Schama, britischer Professor für Kunstgeschichte, beleuchtet in dieser fünfteiligen Serie die Geschichte und das Wirken des jüdischen Glaubens über die Jahrhunderte hinweg. Seine Weltreise auf den Spuren jüdischer Geschichte führt ihn unter anderem nach New York, Odessa, Berlin und Jerusalem. Sein erfrischender Ansatz verknüpft jüngste archäologische Entdeckungen mit jüdischer Kunst und Kultur, und verbindet antike und moderne Geschichten. Dieser bislang einzigartige Fokus erklärt zum einen die Leidenschaft und Verworrenheit der Juden von heute. Andererseits wird gezeigt, wie die jüdische Kultur und dem was Juden gedacht, geschrieben, gesprochen, betrauert und gefeiert haben, verknüpft ist mit dem Schicksal der übrigen Welt. Weitere Folgen im Anschluss.

So., 25. Sep · 13:15-13:30 · Das Erste (ARD)
Jewish Songbook – Die neue Musik jüdischer Künstler

In seinem Buch „Richard Wagner und die Klezmerband“ hat Yuriy Gurzhy sich auf die Suche nach einem neuen „jüdischen Sound“ in Deutschland gemacht und unzählige verschiedene Antworten bekommen.

So., 25. Sep · 20:15-22:45 · arte
Der Untergang

Berlin, im April 1945: In den Straßen der deutschen Hauptstadt tobt der Häuserkampf. Der Diktator Adolf Hitler hat sich mit einigen Generälen und engsten Vertrauten im Führerbunker der Reichskanzlei verschanzt. Während draußen die Lage immer mehr eskaliert und die Rote Armee weiter vorrückt, erlebt Hitler den Untergang des sogenannten Dritten Reiches in einer abgeschlossenen Welt hinter Bunkermauern. Die Anwesenden, unter ihnen die junge Sekretärin Traudl Junge, erleben den steten Verfall des „Führers“, der durch eine fortschreitende Parkinsonerkrankung gezeichnet ist und zunehmend unter Realitätsverlust leidet. Obwohl Berlin nicht mehr zu halten ist, weigert sich Hitler, die Stadt zu verlassen. Während sich die Wucht des verlorenen Krieges mit aller Härte über den Deutschen entlädt, entzieht der Diktator sich der Verantwortung und begeht im Bunker gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Eva Braun, die er wenige Tage zuvor geheiratet hat, Selbstmord.

So., 25. Sep · 22:30-00:00 · MDR
Unter Deutschen – Eindrücke aus einem fremden Land

Regisseur Georg Stefan Troller geht in dem Dokumentarfilm „Unter Deutschen – Eindrücke aus einem fremden Land“ der Frage nach: Was ist nach der Wiedervereinigung eigentlich deutsche Identität? Was ist nach der Wiedervereinigung deutsche Identität? Kein Thema beschäftigt die Deutschen so sehr wie dieses. Troller inspizierte ein Jahr lang deutsche Befindlichkeiten in Städten und Dörfern, auf dem Karneval und dem Oktoberfest. Er begegnet Arbeitern, Künstlern und feinen Leuten, nimmt an einer ökumenischen Tiermesse teil, spricht mit Kaminfegern, Prostituierten, Autorasern, Pennern, schlagenden Studenten, Neonazis … Auch Deutschlands geistige Elite tritt auf, von Grass bis Heiner Müller, von Doris Dörrie bis Reich-Ranicki. Und immer wieder werden unbequeme Fragen gestellt nach deutscher Identität und Selbsteinschätzung, Vergangenheit und Zukunftshoffnung. Die Fragen eines Filmemachers, der nie in Deutschland gelebt hat und weite Teile davon zum ersten Mal sah. Georg Stefan Troller wurde 1921 in Wien geboren. Im Alter von 16 musste der spätere Journalist wegen seiner jüdischen Herkunft das Land verlassen und emigrierte nach Frankreich, von wo aus er 1941 in die USA flüchtete und dort 1943 in die US-Army eingezogen wurde. Nach Kriegsende kehrte Troller nach Österreich zurück, verließ das Land jedoch wieder, um 1946 bis 1949 Germanistik und Theaterwissenschaft an der University of California sowie an der Sorbonne in Paris zu studieren. Ab 1949 arbeitet Troller in der französischen Hauptstadt als Rundfunkreporter für deutsche Sender sowie von 1962 bis 1971 als Autor des legendären „Pariser Journals“. Im Anschluss wurde er Sonderkorrespondent des ZDF in Paris und begann die berühmte Reihe seiner „Personenbeschreibungen“ mit über 70 Folgen. Neben zahlreichen großen Dokumentarfilmen über Arthur Rimbaud, Peter Handke, Muhammad Ali und Karl Kraus, schrieb Troller Drehbücher für Axel Corti. Auch seine zwischen 1998 und 2001 entstandene sechsteilige Reihe „Hollywood-Profile“ sorgte für Aufsehen, als Troller auf gewohnt persönliche Weise Stars wie Kirk Douglas porträtierte.

Mo., 26. Sep · 01:05-02:35 · HR
Swimmingpool am Golan

Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen des Sozialismus, denen ihre Vorfahren gefolgt sind und stößt auf Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen politisch brisante Lücken in den Biographien der Familien auf.

Mo., 26. Sep · 23:35-00:35 · Das Erste (ARD)
Adam & Ida – Die lange Suche der Zwillinge

Die jüdischen Zwillinge Adam und Ida Paluch sind drei Jahre alt, als sie 1943 im jüdischen Getto der damals schlesischen Stadt Sosnowiec durch die Nazis voneinander getrennt werden. Ihre Mutter nimmt sich aus Verzweiflung das Leben. Adam kommt ins KZ Majdanek, Ida kann sich verstecken. Beide überleben den Holocaust und werden nach Kriegsende von polnischen Pflegefamilien aufgenommen. Adam wird sich seiner jüdischen Herkunft früh bewusst, kennt aber mehr als 50 Jahre lang weder seinen richtigen Namen noch seine Herkunft. Geplagt von der ständigen Frage „Wer bin ich?“, reißt er als Kind immer wieder aus, um seine Familie zu suchen. Als junger Erwachsener heuert er bei der Marine an. Mit dem Ziel, bei jüdischen Gemeinden in aller Welt mehr über seine Herkunft herauszufinden. Ohne Erinnerung an seine frühe Kindheit bleibt die Suche aber erfolglos. Ida indes kann sich an das Trauma von Sosnowiec gut erinnern. Mittlerweile lebt sie in Chicago, gibt die Suche nach ihrem Zwillingsbruder aber nie auf. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es neue Hoffnung: Eines Tages meint Ida, ihren Bruder auf einem Zeitungsfoto zu erkennen und nimmt Kontakt auf. Nach einem halben Jahrhundert der Suche fallen sich die beiden 1995 schließlich in die Arme. Damit beginnt für beide ein neues Leben. Bedeutet das also ein Happy End? Diese Frage bleibt offen, besonders für Adam, der sein altes Leben in Polen mitsamt Frau und Kindern hinter sich lässt, um zu seiner Schwester in die USA zu ziehen. Sein neuer Lebensabschnitt ist geprägt vom lang ersehnten Gefühl der Zugehörigkeit, aber auch von der Zerrissenheit zwischen der neuen und der alten Welt, zwischen den Religionen, der neuen und der alten Familie. Für ihn verlagert sich die lebenslange Frage des „Wer bin ich wirklich?“ zum „Wer will ich sein?“.

Di., 27. Sep · 19:40-20:14 · arte
Re: Theresienstadt und das Lager – Maroder Gedenkort oder lebenswerte Stadt?

Michaela Vidláková wurde 1942 mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert. Die tschechische Stadt Terezín war ein Jahr zuvor von den Nazis als jüdisches Ghetto eingerichtet worden. Ein Viertel der Gefangenen, etwa 33.000, starben vor allem wegen der entsetzlichen Lebensumstände im Lager. Etwa 88.000 Häftlinge wurden von 1941 bis 1945 weiter nach Auschwitz-Birkenau und andere Konzentrationslager deportiert. „Theresienstadt spielte eine große Bedeutung in der Geschichte des Holocaust“, sagt die Zeitzeugin, die mittlerweile 85 Jahre alt ist. „Es war ein Vorraum der Hölle.“ Heute leben knapp 2.000 Menschen in Theresienstadt, die Erinnerungsorte verfallen. Die Stadtverwaltung will sie restaurieren und auch Michaela Vidláková setzt sich für ihren Erhalt ein. Doch bisher fehlen zahlungskräftige Investoren für die Restaurierung der historischen Festungsstadt. Für viele Einwohnerinnen und Einwohner ist Terezín aber ein ganz normaler Wohnort. Jiří Hofman ist mit seiner Familie dorthin gezogen und wünscht sich, dass gerade jüngere Menschen es ihm nachtun. „Die Geschichte des Ghettos darf natürlich nicht ausgelöscht werden“, sagt der Historiker, „aber sie sollte nicht der einzige Grund sein, nach Terezín zu kommen“. Die Zukunft einer Stadt zu gestalten, die Wohnort und Mahnmal zugleich ist – eine komplexe Aufgabe und eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

Di., 27. Sep · 22:25-23:20 · arte
Libanon: Inside the Hezbollah

Vor 40 Jahren, im Juni 1982, bildete sich eine kleine paramilitärische Gruppierung im Widerstand gegen den israelischen Einmarsch im Libanon. Die Miliz wurde von der Islamischen Republik Iran unter Ajatollah Chomeini unterstützt und ausgebildet; 1985 formierte sie sich offiziell unter dem Namen Hisbollah, „Partei Gottes“. 40 Jahre später hat sich aus der kleinen Gruppierung eine der größten militärischen und politischen Kräfte im Nahen Osten entwickelt. Während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) konzentrierte die Hisbollah ihre militärischen Aktivitäten auf den Kampf gegen Israel, das den Südlibanon besetzt hielt und 1982 auch Beirut okkupiert hatte. Die Hisbollah richtete dabei auch Selbstmordattentate gegen israelische Truppen. Neben solchen Anschlägen griff die Hisbollah auf Entführungen israelischer Soldaten zurück und setzte konventionelle Waffen ein. Legitime und populäre Widerstandsbewegung für die einen, terroristische Organisation für die anderen – die Hisbollah wird genauso verehrt wie gefürchtet. Doch heute steckt der Libanon in einer politischen und wirtschaftlichen Krise, und ein Teil der Bevölkerung wirft der Regierung Korruption und Scheitern vor. Auch die Hisbollah entkommt der Kritik nicht. Sie wird offen infrage gestellt und muss sich entscheiden, ob sie in der Region weiterhin als „langer Arm“ des Irans fungieren oder sich von dessen Vormundschaft befreien und ganz den Interessen des Libanons widmen will.

Di., 27. Sep · 23:20-00:10 · arte
Libanon: Krisenstaat am Abgrund

In den 1960er Jahren galt der Libanon als das wohlhabendste Land des Nahen Ostens. Zwischen Mittelmeer und den schneebedeckten Berggipfeln lebten Muslime, Christen und Drusen friedlich nebeneinander. Doch Bürgerkrieg und der Konflikt mit Israel stürzten das Land in eine Dauerkrise. Die einst so starke Wirtschaft des Landes liegt am Boden. Im Oktober 2019 gehen Zehntausende Libanesen auf die Straße und demonstrieren gegen den Verfall der Währung und die Korruption im Land. Das Vertrauen der Menschen in die Regierung ist an einem Tiefpunkt angelangt. Im Jahr darauf wird das Land von einer weiteren Katastrophe getroffen: Eine apokalyptische Explosion im Hafen von Beirut verwüstet große Teile der libanesischen Hauptstadt. Tausende Menschen werden verletzt oder getötet und zahlreiche Gebäude zerstört. In dem Land, das einst als die Schweiz des Orients bekannt war, lebt heute die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Wie konnte es passieren, dass der Libanon in diese Notlage gerutscht ist? Waren die unterschiedlichen Volksgruppen und Religionen nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht? Ist der Libanon im Machtkampf zwischen Israel dem Iran und den USA zwischen die Fronten geraten? Im Film „Libanon: Krisenstaat am Abgrund“ erzählt die frankolibanesische Regisseurin Amal Mogaizel die bewegte Vergangenheit des Libanon. Sie begleitet junge Libanesen zwischen Beirut und Tripolis auf ihrer Suche nach einer besseren Zukunft. Zeitzeugen wie der Schriftsteller Amin Maalouf, die Journalistin Giselle Khoury, der ehemalige Außenminister Nassif Hitti und der Psychiater Chawki Azoury geben den Zuschauern Einblicke in die Seele eines gespaltenen Landes, das seit seiner Gründung vor 100 Jahren immer wieder von schweren Krisen erschüttert wird. Am zweiten Jahrestag der Revolution ist klar, dass die Spannungen im Libanon noch immer anhalten. Die Bevölkerung ist mit ihren Kräften am Ende. Auch heute ist Amal Mogaizels Bilanz zur Libanonkrise aktuell.

Mi., 28. Sep · 20:15-21:40 · arte
Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene

Als Kind hat Elsa mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit dem ausgestreckten rechten Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war, und versucht zu verstehen, was die Erziehung in einem rechtsradikalen Umfeld aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat. Ausgehend von dieser authentischen Geschichte, gewährt „Kleine Germanen“ in einer spannenden Verbindung aus Animations- und Dokumentarfilm Einblicke in die Strukturen rechtsextremer Familien verschiedenster Ausprägung. Wir erleben mit, was es heißt, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und tagtäglich dazu erzogen zu werden, das vermeintlich Fremde zu hassen. Wie ist es, in einer Welt aufzuwachsen, in der der Stolz auf die nationale Identität über allem steht? Und was wird aus diesen „kleinen Germanen“, wenn sie später einmal groß sind? Das Schicksal von Elsa und ihren eigenen Kindern ist nur ein Beispiel von vielen. Elsa gelingt zwar der Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene, aber ihre Entscheidung hat dramatische Folgen. „Kleine Germanen“ blickt über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen unterspült wird, und konfrontiert den Betrachter mit den Protagonisten einer Ideologie, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen.

Fr., 30. Sep · 05:30-05:50 · SWR
Planet Schule: Schalom und Hallo – 7 Fragen zum jüdischen Leben

Lars Umanski vermittelt Insider:innen-Wissen und Einblicke in die jüdische Religion. Eri verrät, dass nicht einmal alle Jüdinnen und Juden Ahnung von der jüdischen Religion haben.