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Das jüdische Theaterschiff legt los

Am 23. Mai 2022 eröffnet die „MS Goldberg“, das erste jüdische Theaterschiff Deutschlands, an seinem Heimathafen am Spandauer Havelufer unterhalb der Dischinger Brücke seinen Veranstaltungsbetrieb mit der Uraufführung der szenisch-musikalischen Performance „Der Sänger“. Das Stück nach dem gleichnamigen Roman von Lukas Hartmann in der Dramatisierung und Regie von Armin Petras befasst sich mit dem jämmerlichen und vermeidbaren Ende des berühmten jüdischen Tenors Joseph Schmidt in einem Internierungslager in der Schweiz.

„Der 23. Mai ist ein bewusst gewähltes Datum, das ist der Tag des Grundgesetzes“, so Intendant Peter Sauerbaum, der seit 2018 auch den Choriner Musiksommer leitet. Das Jüdische Theaterschiff MS „Goldberg“ möchte mit diesem Datum und der Stückauswahl gleich zu Beginn ein Zeichen in der Auseinandersetzung mit Phänomenen und Problemen der jüdischen Existenz in Vergangenheit und Gegenwart setzen. Denn Zweck und Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu leisten. In guter alter talmudischer Manier wird dabei auf Austausch, wechselseitige Inspiration und die gegenseitige Akzeptanz auch von Minderheiten gesetzt.

Träger des Projektes ist der Verein „Discover Jewish Europe e.V.“, in dem sich jüdische und nichtjüdische Künstler*innen zusammengefunden haben, die dieses Ziel mit Theater, Musik, Film, Lesungen, Talkrunden und Education-Projekte für Jugendlichen angehen und ihr Publikum – ganz gleich, ob jüdisch, nicht-jüdisch, jung oder alt, und mit welchem Bildungshorizont – mit einem hochwertigen Programm natürlich auch bestens unterhalten möchten.

In der Sparte „Goldberg Musik“ gibt so unter anderem der Neue Musikverein Berlin (Liv Migdal, Claudio Bohórquez, Michal Friedländer) noch im Mai einen Abend mit Werken von Paul Ben-Haim und Felix Mendelssohn; in der Sparte „Goldberg-Theater“ kommt „Ich will keine Blaubeertorte, ich will nur raus“, eine „Totenbeschwörung“ nach dem Buch von Gabriel Heim mit Yael Schüler zur Aufführung; in der Sparte „Goldberg-Salon“ diskutiert Ahmad Mansour mit Sharon Adler, Deborah Hartmann, Noa Luft, Peter Prange und Michael Wuliger die Frage „Was geht mich Judentum in Deutschland an?“; die Sparte „Goldberg-Kino“ zeigt, passend zum „Sänger“, den Ufa-Film „Ein Lied geht um die Welt“ mit Joseph Schmidt in seiner ersten großen Filmrolle; in der Sparte „Goldberg-Variationen“ erzählt und singt der Berliner Rabbiner Walter Rothschild, am Klavier begleitet vom Komponisten und Pianisten Max Doehlemann; und im Literaturprogramm „Zu Schiff mit Heinrich Heine“ mit Veit Schubert, Isabel Dörfler und Tal Balshai werden auch Chansons von Tucholsky, Mehring, Gilbert und Heymann zu hören sein.

Apropos Schiff – das Jüdische Theaterschiff ist ein mit Hilfe finanzieller Mittel der Stiftung Deutsche Klassiklotterie umgestalteter, 1964 in der VEB Elbewerft Boizenburg gebautes Motorgüterschiff, das jetzt über 190 Plätze verfügt. Da die „MS Goldberg“, auch im Theatermodus ein ein zertifiziertes Motorgüterschiff bleibt, und eine mobile Spielstätte ist, wird sie vom Heimathafen in Berlin-Spandau aus auch für Veranstaltungen quer durch Berlin über die Spree nach Köpenick oder nach Süden über die Havel auf den Wannsee schippern. Bereits jetzt liegt eine Einladung des Kurt-Weill-Fests 2023 in Dessau vor.

Tickets können über Ticketmaster.de und an der Abendkasse erworben werden.

Weitere Informationen und Spielprogramm:
https://goldberg-theaterschiff.de/