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Das liberale Judentum und die Missbrauchsvorwürfe am AGK

Zu den Vorwürfen von sexualisierter Belästigung und Machtmissbrauch am Abraham-Geiger-Kolleg gibt es derzeit nichts zu sagen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat eine Anwaltskanzlei mit der Aufklärung beauftragt, bis die Ergebnisse vorliegen, heißt es abwarten. Betont werden muss in der Zwischenzeit allerdings etwas ganz anderes.

Das liberale Judentum existiert seit dem 19. Jahrhundert. Der Neubeginn nach der Schoah ließ zunächst auf sich warten, die in den 1990er Jahren gegründeten liberalen Gemeinden schlossen sich 1997 zur Union progressiver Juden in Deutschland zusammen. Walter Homolkas Beitrag und seine Arbeit für das liberale Judentum sind zweifelslos von enormer Bedeutung.

Aber das liberale Judentum ist nicht gleich Walter Homolka.

Diesen Eindruck kann man derzeit bekommen, wenn man Zeitung liest.

Das ist nicht nur falsch, das ist vor allem nicht fair für die 26 liberalen Gemeinden, die derzeit in der Union Mitglied sind. Ihrer tagtäglichen Arbeit gegenüber, ihren Rabbinerinnen und Rabbinern, ihren Kantorinnen und Kantoren, den Tausenden Mitgliedern gegenüber, die ihr Judentum leben mit vielfältigen Ausprägungen wie es nur im liberalen Judentum für sie möglich ist. 

Bleibt zu hoffen, dass es eine wirklich gründliche und zügige Aufklärung der Vorwürfe geben wird – mit entsprechenden Konsequenzen. Nicht um des liberalen Judentums willen. Denn das liberale Judentum gab es vor Walter Homolka und es wird auch weiter existieren und wachsen. Um der Opfer willen!

–> Stellungnahme Alumni des Rabbinerseminars am Abraham Geiger Kolleg vom 30. Mai 2022

Bild oben: Ordinationsfeier des Abraham Geiger Kollegs v. 10. September 2020, Foto: (c) Margrit Schmidt