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Antisemitischer Hassprediger in den 1930er Jahren in den USA

Father Coughlin war ein bekannter antisemitischer Hassprediger in den 1930er Jahren in den USA. Seine Agitation ähnelt heutigen Rechtspopulisten, was das Interesse an einem solchen historischen „Vorbild“ erklärt. Eine erste deutschsprachige Biographie hat jetzt der Politikwissenschaftler Helmut Klumpjan vorgelegt.

Von Armin Pfahl-Traughber

Nicht nur in Deutschland ist Father Couglin eine weitgehend unbekannte historische Figur, gleiches gilt auch für die Gegenwart seines Heimatlandes. Der hier gemeinte Charles Coughlin (1891-1979) war ein katholischer Priester, der in den 1930er Jahren insbesondere aufgrund seiner hasserfüllten populistischen Rhetorik in den USA sehr bekannt war. Blickt man auf seine Agitation in formaler wie inhaltlicher Hinsicht und berücksichtigt dabei die politischen und sozialen Rahmenbedingungen, so kann in ihm für heutige rechte Populisten ein direktes oder indirektes Vorbild gesehen werden. Um doch aus der Geschichte zu lernen, lohnt das Interesse an ihm. Indessen mangelte es dazu bislang an deutschsprachigen Büchern, was durch die erste entsprechende Biographie von Helmut Klumpjan nicht mehr so ist. Der Politikwissenschaftler, der durch seine Arbeiten zu Henry David Thoreau bekannt geworden ist, hat zu ihm die populärwissenschaftliche Lebensbeschreibung „Hassprediger Gottes. Der amerikanische Radio-Priester Father Charles Coughin“ vorgelegt.

Dabei handelt es sich um eine klassische Biographie, die historisch-chronologisch von der Geburt bis zum Tod reicht, nur am Ende unterbrochen durch Fallstudien als Kapitel. Aufgezeigt wird die Entwicklung eines Priesters, der die soziale Frage mit religiösen Interpretationen verband und als neues Medium für sich das Radio entdeckte. Ab 1930 nahm sein öffentliches Agieren auch immer stärker politische Orientierungen an. Dabei unterstützte Father Coughlin zunächst intensiv die Reformpolitik von Roosevelt, der mit seiner New Deal-Politik die lahmende Wirtschaft voran bringen wollte. Dieses Ansinnen war auch mit der Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit verbunden, was wiederum für Gemeinsamkeiten mit der christlichen Sozialethik stand. Dieser Aspekt erklärt Father Coughlins anfängliche Neigung zu Roosevelt. Da indessen die Reformen nicht rigoroser umgesetzt wurden, kam es bald auch zu heftiger Kritik am Präsidenten. Sie erfolgte aber nicht durch eine Kapitalismuskritik von links, sondern von rechts.

Denn Coughlin distanzierte sich eindeutig vom Kommunismus, während der Antisemitismus zunächst latent, dann manifest seine Kapitalismuskritik prägte. In der von ihm 1936 gegründeten wöchentlichen „Social Justice“ wurden gar antisemitische Werke nachgedruckt, wozu gar die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ zählten. Coughlin verharmloste auch die „Judenpolitik“ der deutschen Nationalsozialisten und sympathisierte immer mehr mit autoritären und totalitären Regimen. Damit ging kontinuierlich und langsam die öffentliche Akzeptanz für den Demagogen zurück, der mit vielen politischen Projekten auch und gerade gegen Roosevelt scheiterte. Nach dem Ende des Krieges geriet er in Vergessenheit. Politische Aussagen machte Coughlin in der Öffentlichkeit kaum noch. Daher starb er 1979 persönlich und politisch isoliert ohne größere öffentliche Wahrnehmung. Dies mag auch das Desinteresse an seiner Person erklären. Gleichwohl steht sein Agieren für eine frühe Form des heutigen Populismus und dessen Propaganda.

In der Darstellung von Klumpjan wird dies zwar indirekt angedeutet, eigene Betrachtungen dazu formuliert der Verfasser nicht. Dies ist mehr als nur bedauerlich für eben diese aktuelle Dimension, welche ein Historiker, aber nicht unbedingt ein Politikwissenschaftler ignorieren kann. Der Autor geht gleichwohl auf Coughlins manipulative Rhetorik gesondert ein, allerdings primär durch die Darstellung von zeitgenössischen Kritiken. Die antisemitischen Aussagen werden zwar thematisiert, aber nicht näher untersucht. Wie bereits erwähnt stand hier die Biographie von Coughlin im Zentrum, weniger der Blick auf seine Relevanz als populistischer Typus. Der Autor stellt stark auf dessen Persönlichkeitsdefizite ab, auch der Kontrast zu seinem christlichen Selbstverständnis ist Thema. Doch so geraten Aspekte aus dem Blick, die eben für die Aktualität derartiger Demagogie stehen. Gleichwohl kommt Klumpjan das Verdienst zu, an solche Figuren als populistische Vorbilder erinnert zu haben. Vielleicht schiebt er ein Buch zu dem hier ebenfalls relevanten Huey Long nach.

Helmut Klumpjan, Hassprediger Gottes. Der amerikanische Radio-Priester Father Charles Coughlin, Aschaffenburg 2022 (Alibri-Verlag), 321 S., Bestellen?