„Was sie weitergegeben hat, müssen in Zukunft andere weitertragen“

Die Holocaust-Überlebende Inge Deutschkron ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, erklärte hierzu:

„Mit großer Trauer habe ich heute vom Tode von Inge Deutschkron sel. A. erfahren. Eine Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts, eine verbindende Figur zwischen Deutschland und Israel und eine der bedeutendsten Zeitzeuginnen ist heute von uns gegangen. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“

Knobloch erinnerte an Deutschkrons außerordentlich langes und ereignisreiches Leben: „Als Kind der frühen Zwanzigerjahre erlebte Inge Deutschkron die Zeit des Zweiten Weltkriegs bereits als junge Erwachsene mit. Ihre Erinnerungen, die sie gerade in den letzten Lebensjahren an die jüngeren Generationen weitergab, waren dadurch sehr umfangreich. Ihre Kindheit verbrachte sie noch im Berlin der Weimarer Republik, den Holocaust überlebte sie gemeinsam mit ihrer Mutter im Versteck bei nichtjüdischen Freunden. Den Zusammenbruch der deutschen Demokratie erlebte sie 1933 aus nächster Nähe. Das Erlebnis war für sie prägend: Nach dem Krieg setzte sich die deutsch-israelische Journalistin und Buchautorin mit Nachdruck dafür ein, neuerlichen rechtsradikalen und antisemitischen Bestrebungen in Deutschland entgegenzutreten.

Unvergessen bleiben ihre Autobiographie ‚Ich trug den Gelben Stern‘ und ihre Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. Januar 2013.“
Knobloch erklärte abschließend: „Im Buch der Erinnerungen wurde mit dem Tod von Inge Deutschkron heute ein weiteres Kapitel geschlossen. Die ‚Zeit ohne Zeitzeugen‘ ist wieder ein Stück näher gerückt, die Verantwortung der nachfolgenden Generationen wächst weiter: Was Inge Deutschkron weitergegeben hat, müssen in Zukunft andere weitertragen. Die Vergangenheit darf nie in Vergessenheit geraten, damit sie sich nicht wiederholt.“

Foto: Screenshot Youtube

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