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„Nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist“

Vor 80 Jahren nahm sich Stefan Zweig das Leben

In der Erklärung, die Zweig in seinem Haus in Petrópolis hinterließ, als er und seine Frau Lotte am 22. Februar 1942 aus dem Leben schieden, schrieb er:

„Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich eine letzte Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gute und gastliche Rast gegeben. Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet.

Aber nach dem sechzigsten Jahre bedürfte es besonderer Kräfte um noch einmal völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft. So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzuschließen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen.

Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.

Stefan Zweig
Petrópolis 22. II 1942″

Viel ist geschrieben worden über den Freitod des Schriftstellers und seiner Frau. Ob das Paar nun im Exil in Brasilien glücklich war, ob Zweig unter Depressionen litt, was auch immer sie zu diesem letzten Schritt brachte, klar ist, dass Stefan Zweig an seiner Heimat und seinem Exil verzweifelte.

„Am Tage, da ich meinen Paß verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, daß man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde“, schrieb er in seinen Erinnerungen Die Welt von gestern.

Sein Werk lebt weiter, bleibt zeitlos.