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Hitler – eine Meta-Rezension a priori in Prolog und Hauptstück

Prolog: Im Jahr …. [unleserlich!; A.L.] erschien im Verlag… [unleserlich!; A.L.] ein Buch über Hitler mit dem Titel … [unleserlich!; A.L.] des Philosophen … [unleserlich!; A.L.] von der Universität … [unleserlich!; A.L.]. Kurz vor Weihnachten folgte die darauf bezügliche Rezension aus der Feder meines von mir aus naheliegenden, 1998 öffentlich gemachten Gründen[1] hochgeschätzten Kollegen Gernot Böhme (Emeritus für Philosophie an der TU Darmstadt) unter dem Titel… [unleserlich!; A.L.]. Genauer gesagt [Komisch: Ab jetzt alles leserlich!; A.L.]: Diese Rezension erschien in Heft 4/2021 der vor 50 Jahren begründeten und seitdem sehr erfolgreichen Zeitschrift Information Philosophie, zu deren selbst definierten Aufgaben die Berichterstattung über die philosophische Szene gehört.

Von Christian Niemeyer

Dieses Aufgabenverständnis – um dies noch aufgrund eigener Erfahrung als Ex-Abonnent voranzustellen – schließt es nach Auffassung des nach wie vor aktiven Gründungs-Herausgebers und Bundesverdienstkreuzträgers Peter Moser offenbar aus, Überlegungen oder gar Werken von Nicht-Philosophen, selbst wenn sie ihr Zentrum im Gegenstand Nietzsche finden und Wellen schlagen in jener ‚philosophischen Szene‘, übermäßig Beachtung zu schenken.

Damit können wir einen Zwischenhalt einlegen: Aus dem benannten Grund erscheint diese „Meta-Rezension“ auch hier und nicht dort – ein, wenn Sie so wollen, Statement eines Emeritus für Sozialpädagogik (von der Technischen Universität), der nebenbei die Frage erörtern möchte, wem Nietzsche eigentlich ‚gehört‘: den Philosophen, wie unserem Autor trotz 25 Nietzscheforschung (Premiere 1997 in den Nietzsche-Studien) immer mal wieder versichert wird, zuletzt 2016 in einem anonymisierten Gutachten über einen den Nietzsche-Studien eingereichten Beitrag, in welchem sich als Ablehnungsgrund der nicht gerade auf doppelte Anonymisierung hinweisende Satz fand: „Im Beitrag des Pädagogen Niemeyer vermisst man den Bezug zur Philosophie Nietzsches.“ Über das Berechtigte dieses Vorwurfs kann anhand der Quelle bequem geurteilt werden[2], wichtiger ist allerdings eine andere Frage, welchen einen Hintergrund abgibt für diesen Text: War Nietzsche selbst eigentlich ein Philosoph? Galt er zu seiner Zeit als ein solcher? Wollte er, nach Erstellung der Grundzüge seines Denkgebäudes, überhaupt noch als ein solcher gelten?

Die überlieferten Quellen erlauben Zweifel bezüglich aller drei Fragen. Zentral dabei vielleicht Nietzsches Feststellung von 1886, ihm habe sich inzwischen herausgestellt, „was jede große Philosophie bisher war: nämlich das Selbstbekenntnis ihres Urhebers und eine Art ungewollter und unvermerkter mémoires.“ (JGB 6) Würde dies heutzutage ein junger Nachwuchsphilosoph von sich behaupten, könnte er sich – da bin ich sicher – die Karten legen, fände erst gar nicht hinein in jene „philosophische Szene“, über die Peter Moser in der Information Philosophie zu berichten sich verpflichtet fühlt.

Aber warum in die Nähe schweifen, wo doch das Schlechte schon zur Zeit Nietzsches zu besichtigen ist, deutlicher gesagt: An seinem Fall studiert werden kann, so wie dies zuletzt hochkarätig[3] 1964/65 geschah, nämlich in Theodor W. Adorno 2006 nachgelassener Vorlesung Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit (1964/65). Adorno erinnerte hier an die skandalösen Umstände der Ablehnung von Nietzsches 1883er Begehr um einen viersemestrigen Lehrauftrag an seine alma mater, der Universität Leipzig. Nietzsche selbst, der vier Jahre zuvor, im Alter von nur 35 Jahren, seine Basler (Altphilologie-) Professur krankheitsbedingt[4] hatte aufgeben müssen, sich nun aber genesen wähnte, hatte auf die Ablehnung dieses seines Antrags einigermaßen fassungslos reagiert: „[Max] Heinze, der jetzige Rector der Universität hat mir klaren Wein darüber eingeschenkt, daß mein Gesuch in Leipzig scheitern werde (und wohl auch an allen deutschen Universitäten); die Fakultät werde es wohl nicht wagen, mich dem Ministerium vorzuschlagen – von wegen meiner Stellung zum Christenthum und den Gottes-Vorstellungen[.] Bravo! Dieser Gesichtspunkt gab mir meinen Muth wieder.“ Der Nachsatz dokumentiert dasjenige, was man Nietzsche in aller Regel bestreitet: Humor, in diesem Fall wohl besser: Galgenhumor. Dessen Nietzsche auch fünf Jahre später, kurz vor seinem Syphilis-bedingten Turiner Zusammenbruch im Alter von nur 44 Jahren, bedurfte. Ob er eigentlich Philosoph sei, hatte ihn sein dänischer Entdecker Georg Brandes (1842-1927) jüdischen Glaubens – zur Empörung von Nietzsches antisemitischer Schwester übrigens, der die Sache mit der Umbenennung des ursprünglich …. Benamstem zugetragen worden war[5] – brieflich gefragt, und Nietzsche hatte, konsterniert, geantwortet mit: „Was liegt daran?“ Damit womöglich beides meinend: Was liegt an Brandes‘ Judentum? Und was an der Frage, ob ich Philosoph bin, also, auch dies: Ob ich Philosophie studiert habe? (Was definitiv nicht der Fall war bei Nietzsche, diesem gelernten Altphilologen).

Diesen Punkt würde ich, wäre ein Vergleich mit Nietzche nicht allzu vermessen, am liebsten auch gegenüber Peter Moser von der Information Philosophie geltend machen, etwa: „Was, lieber Herr Moser, liegt eigentlich daran, dass ich nur Sozialpädagoge bin?“ Schicker scheint es mir aber, Kompetenzerweis in der Sache zu bringen, und dies auch noch perfekt gekleidet. Resp. eingekleidet, etwa in eine Glosse. Stammleser*innen dieser wunderbar toleranten Internetzeitschrift ist diese Textform wohlbekannt. Auch im einschlägigen Zusammenhang übrigens, also aus meinem gleichfalls als Meta-Rezension zu lesenden, hier am 28. Juli 2021 eingestellten Text Die Geschichte der feindlichen Übernahme von Thilo Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“. Versuchen  wir es also erneut – erneut, wie ich nun verraten darf, mit einer Rezension der von mir gar nicht gelesenen Rezension eines von mir gar nicht gelesenen Buches im Blick auf einen Vorgang, von dem mir nur der Name des Rezensenten, eben Gernot Böhmes, erinnerlich ist. Versuchen wir es, so könnte ich auch weitermachen, erneut mit meiner Geschichte, diesmal als   

Hauptstück

Auf dem Kalender in der Küche steht „23. Dezember 2021“, höchste Zeit also, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern – was, einem alten Ritual folgend, für mich heißt: um die meiner Frau. Also suche ich hektisch in einem unbewachten Moment ihren Kleiderschrank auf – und entdecke doch tatsächlich, als handele es sich um einen etwas in die Jahre gekommenen Bumerang, Heft 4/2021 der Information Philosophie. Meine Erinnerung nach hatte ich es nach kurzem Studium des Inhaltsverzeichnisses gleich nach Erhalt entsorgt – und fand es nun, am Vorweihnachtsabend, im Kleiderschrank meiner Frau wieder, inmitten der Weihnachtsgeschenke für die Kinder, den Hund und mich. War das Heft also für mich gedacht, als Weihnachtsgeschenk meiner Frau?

Nochmals checkte ich das Inhaltsverzeichnis – und entdeckte den Namen meines von mir, wie in Fußnote 1 begründet, äußerst geschätzten Kollegen Gernot Böhme, über einer Rezension des Buches eines anderen Philosophen über Hitler prangend. Hitler? Was, zum Teufel, hatte die Philosophie denn mit dem zu tun? Gab es nichts Wichtigeres, einen richtigen Philosophen wie Nietzsche beispielsweise, und sei es unter der Fragestellung, was dieser mit Hitler zu tun habe und was dieser mit diesem Syphilitiker gemacht hätte, Nietzsches Gnade der frühen Geburt in Abzug gebracht? Und gesetzt, die Nazis hätten sich nicht ausgerechnet auf diesen Philosophen als ihren Nationalheiligen versteift? Was, fragen Sie jetzt möglicherweise aufgeregt? Und um Zeit zu sparen, antworte ich einfach mit: Hackfleisch. Sowie mit der Werbedurchsagen: Lesen Sie bitte mein Buch Nietzsches Syphilis – und die der Anderen, insbesondere das Schlusskapitel: Hitlers Sypholophobie – „Teufels Beitrag“, 2020 erschienen bei Karl Alber in Freiburg im Breisgau.

Karl Alber? Da entdeckte ich, wie als Echo auf diesen stillen Gedanken, ganz unten im Kleiderschrank noch ein weiteres Heft der Information Philosophie, Heft 1/2021. Das Verlagswesen im Umbruch stand auf dem Umschlag, und instinktiv, einer nur noch spärlich überlieferten Erinnerungsspur folgend, schlug ich, nein, nicht wie Sie jetzt vielleicht denken, Heinz-Erhardt-gesättigt: ich schlug nicht das Heft, sondern ich schlug es auf, traf S. 76 ff. – Volltreffer: Dokumentiert wurde, versehen mit einer wunderbaren Fotostrecke, auf immerhin sechs Druckseiten das Interview des Machers der Information Philosophie, Peter Moser, mit zwei Machern eben jenes altehrwürdigen Philosophie-Verlags, nur: keiner der Beteiligten erwähnte auch nur mit einer Zeile jenes Buchprojekt oder auch nur das andere, seinen Zwilling von 2019 mit dem Titel „Auf die Schiffe, ihr Philosophen!“ Friedrich Nietzsche und die Abgründe des Denkens. Als ich dann noch im Rezensionsteil (S. 145) zum erstgenannten Buch den Satz Peter Mosers fand: „In polemischer Abhebung von der dominierenden Nietzsche-Forschung, die den….“ etc. pp. warf ich dieses Heft dem anderen hinterher, zumal nun zusammenwuchs, was offenbar zusammengehört: Aus Rache dafür, dass ich, ein Sozialpädagoge, der Philosophie, zumindest aber doch der „dominierenden Nietzsche-Forschung“, ‚ihren‘ Nietzsche weggenommen hatte, so die für mich bestimmte Botschaft aus Heft 1, nahm man ‚der‘ Sozialpädagogik in Heft 4 Hitler weg.

Meine Frau nannte mich zwar später unterm Weihnachtsbaum, als ich ihr alles gestand, auch die Sache mit meinen Weihnachtsgeschenken für die Kinder und meinem Knochen für den Hund, einen „Verschwörungstheoretiker“, der alles, was geschah, mit einer nur für ihn bestimmten und nur von ihm lesbaren Bedeutungsgebung versähe. Ich bezeichnete dies als ungerecht, verwies stolz auf die demnächst auf hagalil.com erscheinende Folge zum Buchstaben V [= Verschwörungstheorien; A.L.] aus Rechte(s) von A-Z. Aber dass keiner oder mich verstand und der Letzte, der dies behauptete, wenig später eben diese Behauptung à la Otto widerrief, war mir keineswegs neu. Also machte ich mich gleich nach Weihnachten unverzagt ans Werk und verfasste die folgende Rezension zur Hitlerbuch-Rezension Gernot Böhmes aus Information Philosophie, Heft 4/2021 (was sich nicht ganz einfach gestaltete, da ich ja, wie gesagt, dieses Heft zusammen mit dem anderen vor Weihnachten endgültig entsorgt hatte, aber immerhin über den hier wiedergegebenen Kerntext meiner Rezension[6] verfügte):

„Diese Person [Hitler] ihrer Genealogie nach darzustellen, fällt mir nicht ein […]. Hier nur so viel ad H., aus sozialpädagogischer Sicht: Der Irrsinn der meisten Reden und Taten H.s steht außer Frage, sie deuten auf eine schwere Psychopathie bei gänzlich fehlendem Gewissen oder emotionaler Intelligenz hin, erlauben aber keinen Rückschluss auf eine Geisteskrankheit, was ihn außer Verantwortung setzte. Alle Versuche dieser Art müssen als gescheitert betrachtet werden […], einschließlich des Versuchs eines Schulpsychologen, H.s Devianz, analog etwa zum Fall Robert Steinhäuser […], als Geschichte eines lebenslangen Amoklaufs aufzubereiten. […] H., der in einer Konsequenz, wie es sie bis dato bei noch keinem politischen Führer gab, das Diabolische wählte, war nach der von ihm mit mörderischen Folgen angewandten Rassenlehre ein typisch unnordischer, ost-slawischer Typus. […] Dass ein derart den SS-Idealen Hohn sprechender Typus unbeanstandet blieb und beinahe ein ganzes Volk in beglückte Raserei versetzte, gehört zu den allein (massen-) psychologisch zu klärenden Rätseln. Banaler zu klären ist H.s rasanter Verfall. Anzunehmen ist, durch seinen Leibarzt Theodor Morell zu verantworten und u.a. in Akte Nr. 462a nachlesbar, Pervitin-Abusus, der im Februar 1943, nach dem Fall Stalingrads, einen neuen Höhepunkt erreichte, mitsamt der unübersehbaren Nebenwirkungen, die wir in ähnlicher Form von der Modedroge Crystal Meth – mit Pervitin verwandt – kennen. […] Dass H., seine Untaten insgesamt vor Augen gestellt, nach wie vor Anhänger findet oder jedenfalls doch Interpreten wie Alexander Gauland, die von H.s Hinterlassenschaft als Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte […] reden, ist unfassbar. Dieser Mär gilt es entgegenzutreten: H. verwandelte Deutschland ab 1933 systematisch in eine Diktatur und damit in eine Spielweise für Rechtgläubige sowie eine offene Psychiatrie für die Gestörten unter ihnen – etwa Amon Göth –, die in den zügig ausgebauten KZ’s dringend gebraucht wurden und denen dort alles an Perversionen erlaubt war, sofern sie es, anders als Göth, nicht übertrieben. In die Psychiatrie hingegen wanderten eben jene anderen, als Sand in Getriebe Wahrgenommen, nicht mit dem Interesse an Ihrer Behandlung, sondern an Ihrer Vernichtung. Dem war jedenfalls ab 1939 so, als man die Krankenhäuser für die Kriegsbeschädigten benötigte und die in zureichender Anzahl verfügbaren „willigen Helfer“ unter den Ärztinnen und Ärzten die benötigten Betten gleichsam frei spritzen, unter Leitung von H.s Begleitarzt Karl Brandt und im Rahmen der Aktion T 4. […] H. war auch verantwortlich für den II. Weltkrieg, gar, als Oberster Kriegsherr, für die meisten der in seinem Verlauf getroffenen, zumeist falschen Entscheidungen, mit der Folge von insgesamt gut vierzig Millionen Toten. […] H. trug Verantwortung, wenn auch wohl nicht informiert für alle Details der Planung, auch für den auf Visionen wie diesen aufbauenden Holocaust mit mehr als 6 Millionen Toten. Unfassbar also, dass H. im neu-rechten Diskurs weiterlebt, sei es in Gestalt des H.-Grußes eines Elitesoldaten im April 2017 bei der Abschiedsparty für einen KSK-Kommandeur, bei der „Rechtsrock gespielt und verfassungsfeindliche Symbole gezeigt worden sein sollen.“ […] Sei es im Heim des Götz Kubitschek, in Gestalt eines den H.-Gruß zeigenden schwarzen Gartenzwergs […]. Sei es bei Burschenschaften oder beim AfD-MdB Stefan Keuter, der in seinem Büro hin und wieder als H.-Imitator auftrat und durch Versendung von H.-Bildern aus Wien zu Halloween („Hallo Wien“) […] sich im Bereich des Grenzüberschreitenden erprobte. […] Nicht vergessen sei in diesem Zusammenhang auch Björn Höcke: Das große Problem sei, so Höcke 2017 gegenüber dem Wall Street Journal, „dass man H. als das absolut Böse darstellt.“ […] Heißt: Durch ein positiveres H-Bild und einen dem korrespondierenden Geschichtsrevisionismus à la Staatspolitisches Handbuch aus dem Antaios Verlag zu einem neuen großen Deutschland! Demgegenüber sei hier die Jämmerlichkeit H.s betont, die ihren klarsten Ausdruck findet im larmoyanten Ton, mit dem er seinen Suizid orchestrierte, etwa in Weisung Nr. 75 vom 15. April 1945, in welcher er im Fall der Niederlage das Schicksal der Besiegten weissagt („Während die alten Männer und Kinder ermordet werden, werden Frauen und Mädchen zu Kasernenhuren erniedrigt. Der Rest marschiert nach Sibirien!“), um zu enden mit einem Satz, den man wohl als Eingeständnis lesen darf. H. nämlich schreibt: „Im Augenblick, in dem das Schicksal den größten Kriegsverbrecher aller Zeiten dieser Erde weggenommen hat, wird sich die Wende dieses Krieges entscheiden“ […] – und gibt damit zu, dass er eben dies war: Der „größte Kriegsverbrecher aller Zeiten“, und nichts außerdem!“

Sie, liebe Leser*innen, haben es natürlich längst schon geahnt nach dem Prolog und gemerkt anhand den Auslassung sowie der An- und Abführung: Das Vorstehende war natürlich keine Rezension der Rezension eines Philosophen, das Hitler-Buch eines Philosophen in Heft 4 der Information Philosophie betreffend. Vielmehr handelt es sich um den Auszug aus einem vorher schon erstellten Text[7], der mir einigermaßen zu passen scheint, um eine Rezension, gesetzt, ich verfügte über jenes Heft, einzuleiten. Ich hätte jetzt natürlich vollstes Verständnis, wenn Sie mich jetzt mit Herbert Groenemeyer anheischten: „Was soll das!?“ Um mir im ferneren Argumentgang darzulegen, Sie ließen sich nicht Schleichwerbung für mein neues Buch als Bären aufbinden mit dem Argument, dass das Ganze, gleichsam als passe partout, zugleich auch als Rezension einer Rezension in der Information Philosophie durchgehen könnte.

Und wenn doch? Ich meine, gesetzt, wir könnten uns nach dem eben aus hagalil.com vom 3. Januar 2022 Zitierten darauf einigen, der Fall Hitler entwerte das sozialpädagogische Prinzip, wonach immer und unter allen Umständen nach den Schwierigkeiten zu fragen sei, die jemand habe, der andere welche mache – dann, so meine ich, ist schon a priori das Urteil gesprochen über jenes in der Information Philosophie 4/2021 besprochene Buch: Es ist, von wem es immer sei, was immer sein Inhalt sein möge, schon der Frage nach, ob es in Hitlers Leben nicht irgendetwas gäbe, was sein späteres Handeln wenigstens ein Stück weit verständlich mache, zutiefst a-sozialpädagogisch – und entwertet dadurch das Streben dieses Periodikums, dass ich, ein Sozialpädagoge, dafür gestraft gehöre, den Philosophen den (mutmaßlichen!) Philosophen Nietzsche entwendet zu haben. Gestraft etwa durch Entwendung Hitlers aus den Klauen der Sozialpädagogen. Denn diese, die Klugen unter ihnen jedenfalls, wollen den Hitler gar nicht, wollen auch den Sarrazin et tutti quanti nicht, haben schon genug zu tun mit den anderen, den Jüngeren, die darauf beharren, ihre Springerstiefel stünden nur für einen Schrei nach Liebe. Nein, so fürsorglich bin ich schon lange nicht mehr, derlei Albernheiten überlasse ich gerne den Ärzten.

Bild: (c) Talmoryair / CC BY 3.0

[1] Nachlesbar in meinem – auch dem Titel nach auf Böhme verweisenden – Buch Nietzsches andere Vernunft. Psychologische Aspekte in Biographie und Werk. Darmstadt 1998. Im Vorwort, am Ende des ersten Abschnitts, wird denn auch auf Böhme (wie auch auf seinen Bruder Hartmut) verwiesen, auch, zu beider Buch (Das Andere der Vernunft, 1985), einer Pathographie Kants, „die zu dem Ergebnis gelangte, daß dieser gute Gründe hatte, einen Blick auf das Andere seiner Vernunft nicht zu riskieren“, angemerkt, dass Ähnliches im Blick auf Nietzsche zu versuchen meine Absicht sei. Dies wird hier nur in Erinnerung gerufen, damit nicht der Eindruck Platz greift, diese Meta-Rezension, eigentlich eine Glosse, ziele ab auf Kritik an Gernot Böhme (dessen 85. Geburtstag hier nachträglich gedacht sein). Sie zielt eher schon ab auf den gegenwärtigen Zustand der Philosophie als auch der Nietzscheforschung, die für Böhmes (also auch seines Bruders) wichtige Anfragen von 1985 keinen Platz mehr vorrätig zu halten scheint und deswegen unter Rückschritt verbucht werden muss.

[2] Christian Niemeyer: Anti-Nietzsche? Über das anti-biographische Apriori der neueren Nietzscheforschung – eine Kritik an Werner Stegmaier und seiner Schule). In: Zeitschrift für Sozialpädagogik 15 (2017), H. 2, S. 187-219. Das angegebene Zitat findet sich im Dokumentenanhang auf S. 209.

[3] Zum Folgenden gleichfalls den eben nachgewiesenen Text, diesmal S. 194 f.

[4] Syphilis bedingt, wie man inzwischen konkretisieren darf unter Verweis auf eine zustimmenden Rezension von Micha Brumlik zu meinem Buch Nietzsches Syphilis – und die der Anderen. Eine Spurensuche. Freiburg / München 2020, erschienen in Frankfurter Rundschau v. 22. Dezember 2020, Nr. 298, S. 25.

[5] Einzelheiten dazu in meinem Schwarzbuch Neue / Alte Rechte. Glossen, Essays, Lexikon. Weinheim Basel 2021, S. 302 f. sowie, am 23. November 2021 auf hagalil.com eingestellt, in Folge 2 meiner Serie Rechte(s) von A-Z unter dem Namen „Bewer, Max“, ein völkischer Ideologe, der sich mit dem „Juden“ Brandes geprügelt hatte.

[6] Gemeint ist das Hitler-Lemma aus der am 3. Januar 2022 auf hagalil.com eingestellten Folge 8 meiner Serie Rechte(s) von A-Z.

[7] Neben hagalil.com ist zu denken an mein in Fußnote 5 genanntes Schwarzbuch, diesmal das dazugehörende Ònline-Material (S. 50) betreffend.