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Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Januar 2022…

Mo., 3. Jan · 06:55-07:20 · HR
Schau in meine Welt: Bar Mitzwa in Jerusalem – Omer wird ein Mann

Omer ist 13 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Nes Ziona, einer kleinen Stadt in Israel. Dreizehn! Ein ganz wichtiges Alter für einen Israeli, denn genau mit 13 Jahren feiert ein jüdischer Junge seine Bar Mitzwa und das ist vor der Hochzeit das wichtigste Ereignis im Leben eines Juden. Mit der Bar Mitzwa erklärt Omer sich bereit, alle Gebote und Verbote der Thora zu befolgen und sie einzuhalten. Omers Bar Mitzwa findet direkt an der Klagemauer in Jerusalem statt. Die Bar Mitzwa hat den Sinn, einen Jungen im Judentum zum Mann zu machen. Das heißt, dass er alle Rechte und Pflichten eines Mitglieds der jüdischen Gemeinschaft übernimmt und dass sein Vater für ihn hinsichtlich der Erfüllung der religiösen Pflichten nicht mehr verantwortlich ist.

Mo., 3. Jan · 23:55-00:40 · NDR
Unsere Geschichte – die lange Nacht: Kapitän Schröder und die Irrfahrt der „St. Louis“ – Erinnerungen an ein Drama auf See

Im Mai 1939 versuchen gut 900 jüdische Mitbürger Deutschland von Hamburg aus zu verlassen. Sie haben ein Schiff gechartert: den Hapag-Dampfer „St. Louis“. Ihr Ziel: Havanna auf Kuba. Dort wollen sie abwarten, bis sie ein Visum für die USA bekommen. Für die Passagiere ist es die letzte Gelegenheit, dem Terror der Nationalsozialisten zu entkommen. Doch die Flüchtlinge kommen niemals ans Ziel: Die kubanischen Behörden, später auch die USA, verweigern ihnen die Einreise. In dieser Situation kommt alles auf den Kapitän an: Gustav Schröder, ein Hamburger mit dänischen Wurzeln. Nach einer mehr als einmonatigen Seereise bringt er die Flüchtlinge zurück nach Europa. Dort lässt sie die belgische Regierung in Antwerpen an Land gehen. Die Schutzsuchenden sind zunächst in Sicherheit vor dem Zugriff der Nationalsozialisten und werden von Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien aufgenommen. Doch mit Ausnahme Großbritanniens sind diese Länder bereits ab 1940 durch die Wehrmacht besetzt. Die Geflüchteten geraten somit erneut in das Herrschaftsgebiet der Nationalsozialisten, rund 250 von ihnen werden ermordet. 76 Jahre nach der Irrfahrt der „St. Louis“, die bereits in Büchern, Dokumentationen und in einem Spielfilm erzählt wurde, ist auf einem Hamburger Dachboden eine alte Seekiste aufgetaucht. Ihr Inhalt: Fotos, Briefe und das Originalmanuskript der Lebenserinnerungen von Gustav Schröder. Die Dokumente zeigen den Kapitän in einem neuen Licht, erlauben eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse. In einer Collage aus Logbuch-Eintragungen, Tagebuch-Notizen und Erinnerungen von Überlebenden zeichnet der Film die abenteuerliche Reise nach. Von den über 900 Passagieren leben heute noch ein gutes Dutzend – überall auf der Welt verstreut. Auf der Fahrt waren sie zwischen sieben und 16 Jahre alt – heute sind sie hochbetagt. Für die Kinder war die Seereise in erster Linie ein Abenteuer, für ihre Eltern ein Drama. Herbert Karliner, der als Rentner in Miami-Beach lebt, erinnert sich noch genau an den Moment der Abfahrt: Eine Kapelle spielte „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“. Während die Eltern weinend von ihrer Heimat Deutschland Abschied nahmen, spielten die Kinder an Deck Verstecken. Noch heute hadert der alte Mann mit der Entscheidung der damaligen US-Regierung, die Flüchtlinge abzuweisen. Aufgrund dieses Beschlusses musste die „St. Louis“, anders als von Kapitän Schröder geplant, nach Europa zurückkehren. Dort wurden seine Eltern ermordet.

Di., 4. Jan · 01:25-02:25 · NDR
Unsere Geschichte: Hitlers Zorn – Die Kinder von Bad Sachsa

Verräter: so wurden die Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 noch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs genannt. Nur wenige Stunden nach dem gescheiterten Attentat befahl Adolf Hitler: „Elemente, die jetzt unbarmherzig ausgerottet werden.“ „Da ist Verräterblut drin“, warnte Reichsinnenminister Heinrich Himmler und verfügte die „absolute Sippenhaftung“. Die Kinder der Widerstandskämpfer waren „Verräterkinder“. Deren Väter wurden hingerichtet, ihre Mütter ins Gefängnis gesteckt. Die Töchter, Söhne und Enkel wurden in ein Nazikinderheim nach Bad Sachsa im Harz verschleppt: 46 Mädchen und Jungen im Alter von einem Monat bis zu 15 Jahren. So wurden die Kinder zu Geiseln und bekamen einen anderen Namen. Anlässlich des 75. Gedenktages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler hat der mehrfach preisgekrönte NDR-Autor Michael Heuer die ehemaligen Kinder von Bad Sachsa getroffen. Zum ersten Mal sprechen sie im Fernsehen über ihr heutiges Leben: Wie haben sie das Trauma der Internierung in Bad Sachsa verarbeitet? Welchen beruflichen Weg sind sie gegangen? Und: Was denken sie heute über den wieder erstarkten Rechtsextremismus in Deutschland? Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, mit 90 Jahren der älteste Zeitzeuge, die Geschwister Helmtrud und Albrecht von Hagen, damals acht und elf Jahre alt, Friedrich-Wilhelm von Hase, der als Siebenjähriger allein ohne seine älteren Geschwister nach Bad Sachsa deportiert wurde, die drei Hansen-Geschwister Frauke, Karsten und Wolfgang und die Enkel Rainer und Carl Goerdeler, damals vier Jahre beziehungsweise 16 Monate alt. Ihr Großvater wäre nach einem geglückten Umsturz der Naziherrschaft Reichskanzler geworden. Fünf Erfahrungen einer verlorenen Kindheit, aber zugleich einer nie aufgegebenen Hoffnung: dass Menschen in der Lage sind, aus der Geschichte zu lernen.

Di., 4. Jan · 21:05-22:30 · arte
Amerika in Aufruhr – Von Charlottesville zum Sturm aufs Kapitol

Der investigative Dokumentarfilm untersucht, wie rechtsextreme Gruppen durch den ehemaligen Präsidenten Trump zu Gewalt ermutigt wurden, wie sich Einzelpersonen radikalisierten und wie sich die politische Landschaft veränderte. Steht die nächste Gewalteskalation der Rechtsextremen bereits bevor? „In den letzten Jahren haben viele dieser rechtsextremen Gruppen und Milizen von Bürgerkrieg gesprochen, vom Sturz der Regierung“, sagt der Reporter Adam Clay Thompson. „Diese Gruppen sprechen von Revolution und glauben, dass wir eine tyrannische und zutiefst korrupte Regierung haben, die Trump daran gehindert hat, die Wahl für seine zweite Amtszeit zu gewinnen.“ Dieser aufrüttelnde Bericht untersucht die Bedrohung durch gewalttätige rechtsextreme Gruppen, die sich selbst als Verteidigende der US-Verfassung sehen, sich aber gleichzeitig auf staatsfeindliche sowie rassistische Ideologien berufen und mit der organisierten Kriminalität verbunden sind. „Während wir über die Spaltung berichtet haben, die der ehemalige Präsident Trump von den ersten bis zu den letzten Tagen seiner Präsidentschaft geschürt hat, hat der jüngste Angriff auf das Kapitol die Notwendigkeit eines Journalismus unterstrichen, der die Machthabenden zur Rechenschaft zieht“ sagt Raney Aronson-Rath, Executive Producer von FRONTLINE.

Di., 4. Jan · 22:30-23:20 · arte
Geschehen, neu gesehen. – „Wahre Geschichte“: D-Day. Freiheit, um jeden Preis!

Am 30. November 1943 einigten sich die Alliierten auf eine gigantische Offensive in Westeuropa, die den Feind ein für alle Mal besiegen sollte. Trotz eines knappen Zeitplans und vieler Hindernisse fiel der Startschuss für die Landung in der Normandie – eine Operation, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bei der Planung, fehlenden Booten und Soldaten, mangelhafter Vorbereitung sowie schlechtem Wetter mehrfach verschoben werden musste. Am 6. Juni 1944 schließlich stürmten die alliierten Truppen die Strände der Normandie. Die überraschten Deutschen schlugen zurück, waren aber schnell unterlegen. Doch auch wenn die erste Phase der Operation überwiegend ohne große Verluste verlief, geriet die Landung in Omaha Beach zum Desaster. Die Wochen nach dem D-Day darauf waren ein regelrechter Alptraum: Die Wehrmacht zeigte sich trotz Unterzahl und Führungsfehlern deutlich kämpferischer als gedacht und machte die Bocage-Landschaften der Normandie für die Alliierten zur tödlichen Falle. Wegen der ungünstigen Wetterlage stockte zudem die Logistik, und die Ankunft von Verstärkungen verzögerte sich. Die Soldaten der ersten Landungswelle, die über Wochen und ohne Luftunterstützung in einem engen Brückenkopf ausharren mussten, zweifelten am Sieg. Viele desertierten, erkrankten psychisch, begingen Diebstähle oder Vergewaltigungen. Trotz ihrer überwältigenden materiellen und zahlenmäßigen Überlegenheit konnten die Alliierten erst nach über zwei Monaten und unter hohen Verlusten Cherbourg und Caen einnehmen und die deutsche Verteidigung durchbrechen. Das war jedoch nur ein halber Sieg, schließlich gelang der Wehrmacht der geordnete Rückzug eines Großteils ihrer Männer. Die Hoffnung, dem Gegner mit der Operation Overlord den Todesstoß zu versetzen, hatte sich nicht erfüllt, und der Krieg dauerte an. Doch letztlich ließ die triumphale Befreiung von Paris alle Fehler der Operation vergessen. Für den Rest sorgte Hollywood.

Do., 6. Jan · 14:15-18:05 · arte
Die zehn Gebote

Im antiken Ägypten: Als der Pharao von einer Prophezeiung hört, der Verkündung der Ankunft eines Erlösers, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei befreien werde, lässt er alle jüdischen Neugeborenen ermorden. Nur der junge Moses überlebt, in einem Korb versteckt treibt er den Nil hinab. Ausgerechnet die Schwester des Pharao findet ihn und nimmt ihn als ihren Sohn auf. Jahre später ist Prinz Moses der strahlende Held des ägyptischen Volkes, zum Stolz seines Vaters Ramses I. und zum Ärger seines Cousins Ramses II. Moses‘ Geliebte Prinzessin Nefretiri ist eigentlich Ramses II. versprochen, den sie verachtet. Sie ist getrieben von der Idee, Moses auf dem Thron zu sehen, um ihn heiraten zu können. Doch der sieht das Leid des hebräischen Volkes und fühlt sich verantwortlich. Als er von seiner wahren Herkunft erfährt, entsagt er allen Vorzügen des Lebens am Königshof und kehrt zu seiner leiblichen Familie in die Sklaverei zurück. Ramses II. wird zum Pharao ernannt, und der missgünstige und rachsüchtige König verbannt Moses ins Exil der Wüste, wo er in einem Hirtendorf ein neues Leben beginnt. In einer Vision erscheint ihm Gott, der ihn mit der Botschaft betraut, zurückzukehren und die Israeliten aus der Gefangenschaft zu befreien. Mit der Hilfe Gottes, der Plagen über die Ägypter bringt, gelingt es Moses, sein Volk zu befreien und durch die Wüste nach Israel zu führen.

Do., 6. Jan · 23:30-00:55 · WDR
Der Staat gegen Fritz Bauer

Fritz Bauer ist Generalstaatsanwalt und hat sein Leben der Jagd auf NS-Verbrecher verschrieben. Sein größter Fall: Adolf Eichmann. Bauer sieht den Fall schon als hoffnungslos an, als ihn ein Brief erreicht. Ein Mann behauptet, Adolf Eichmann in Argentinien aufgespürt zu haben. Bauer kontaktiert den israelischen Geheimdienst Mossad, der den Spuren aber nur halbherzig nachgeht. Sie versprechen, eine Ermittlung einzuleiten, sollte Bauer eine zweite Quelle auftun. Ein spannender Film über den mutigen Juristen, der einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen NS-Vergangenheit leistete. Im Deutschland der Nachkriegszeit ermittelt der hessische Generalstaatsanwalt gegen flüchtige NS-Verbrecher. Er ist ein Kämpfer, steht doch ein Großteil der Bevölkerung seiner Arbeit ablehnend gegenüber. Und auch die Behörden sind durchsetzt von Nationalsozialisten. Selbst in seiner eigenen Abteilung verschwinden immer wieder Akten, scheint seine Arbeit sabotiert zu werden. Als Bauer einen Hinweis darauf erhält, dass Adolf Eichmann sich in Argentinien aufhält, ist es zunächst unklar, wie er den SS-Offizier nun dingfest machen und vor Gericht stellen soll. Zu groß sind seine Befürchtungen, dass Eichmann gewarnt wird und erneut untertaucht. Und tatsächlich ist ihm der BND auf den Fersen und versucht Näheres über den Stand seiner Recherchen zu erfahren. Bauer beschließt, sich an den Mossad, den israelischen Geheimdienst, zu wenden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Eichmann später nach Deutschland ausgeliefert wird, um hier vor Gericht gestellt zu werden. Bauer will eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen während der NS-Zeit. Der Mossad ist nach einer oberflächlichen Untersuchung zunächst skeptisch. Sie bestehen auf eine zweite Quelle, bevor sie eine tatsächliche Ermittlung einleiten. Bauer ist außer sich, ist er doch überzeugt davon, auf der richtigen Fährte zu sein. In seinem jüngeren Kollegen Karl Angermann findet Bauer wider Erwarten einen Verbündeten. Als er von dessen ungewöhnlich geringem Strafmaß in einem Paragraf 175-Fall, einem Verstoß gegen das Verbot von Homosexualität, erfährt, fasst er Vertrauen zu dem jungen Mann. Doch auch Angermann gerät schnell ins Fadenkreuz der Behörden.

Sa., 8. Jan · 05:30-06:00 · SWR
Planet Schule: Juden im Mittelalter 1/2 Verfolgung und Vertreibung

Mit dem ersten Kreuzzug 1095 findet die friedliche Duldung der Jüdinnen und Juden im Rheintal ein Ende. Überall hetzen Demagog:innen gegen die „Christusmörder“ und beschuldigen die Jüdinnen und Juden der ungeheuerlichsten Verbrechen. Es kommt zu ersten Pogromen und Vertreibungen. In mehreren Wellen der Verfolgung spitzt sich die Lage der jüdischen Bewohner:innen in Europa immer weiter zu – auch im Rheintal folgen Stigmatisierung und Ausgrenzung, Vertreibung und Vernichtung. Mit dem ersten Kreuzzug 1095 findet die friedliche Duldung der Jüdinnen und Juden im Rheintal ein Ende. Überall hetzen Demagog:innen gegen die „Christusmörder“ und beschuldigen die Jüdinnen und Juden der ungeheuerlichsten Verbrechen. Es kommt zu ersten Pogromen und Vertreibungen. In mehreren Wellen der Verfolgung spitzt sich die Lage der jüdischen Bewohner:innen in Europa immer weiter zu – auch im Rheintal folgen Stigmatisierung und Ausgrenzung, Vertreibung und Vernichtung. Trauriger Höhepunkt der mittelalterlichen Judenverfolgung ist das Massaker vom Februar 1349 in Straßburg. Danach ist für die Jüdinnen und Juden im Rheinland nichts mehr, wie es war.

Sa., 8. Jan · 06:00-06:30 · SWR
Planet Schule: Juden im Mittelalter 2/2 Leben im rheinischen Paradies

Im ersten nachchristlichen Jahrtausend verlagerte sich der Schwerpunkt der jüdischen Diaspora immer mehr vom Nahen und Mittleren Osten nach Europa. Von Italien kommend siedelten die ersten jüdischen Familien entlang des Rheins und gründeten neue Zentren jüdischen Lebens – als Chasside Aschkenaze, die „Frommen Deutschlands“. Die jüdische Bevölkerung leistete Entscheidendes für die kulturelle Entwicklung der Städte: Vor allem in den Städten Speyer, Worms, Straßburg und Mainz entstanden bedeutsame jüdischen Gemeinden. Mit ihrer Siedlung im Rheintal nahmen die neuen Siedler:innen auch Gebräuche der neuen Heimat in ihre Kultur auf – vor allem übernahmen sie Wörter und Struktur des Mittelhochdeutschen in ihre Alltagssprache, das „Jiddisch“ entstand.

So., 9. Jan · 01:50-03:30 · arte
Stalins Henker – Das Massaker von Katyn

Im April 1940 wurden im Auftrag des sowjetischen NKWD 4.400 polnische Offiziere im Wald bei Katyn ermordet. Das Massaker wäre niemals an den Tag gekommen, hätten die Nazis das Massengrab nicht 1943 entdeckt und das Verbrechen für ihre antibolschewistische Propaganda ausgeschlachtet. Die Offiziere waren alle durch Kopfschuss getötet worden. Sogar die Nazis waren von der Präzision dieser fließbandartigen Hinrichtung beeindruckt. Die Sowjetunion, die 1943 an der Seite der Westmächte Krieg gegen die Hitlerbarbarei führte, bezichtigte die Nazis des Massakers. Jahrzehntelang bestanden Zweifel über den wahren Schuldigen. In Wahrheit war der Massenmord von Katyn Teil einer viel weitreichenderen Operation zur Sowjetisierung Polens, in deren Verlauf 22.000 Polen insgeheim ermordet und eine Million weiterer in Gulag-Lager deportiert wurden. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die schrecklichen Einzelheiten dieser Operation bekannt. Wer Katyn erzählen will, muss deshalb eine lange fest verschlossene Tür aufstoßen, die in das auch heute noch wenig bekannte Reich der dunklen Machenschaften eines Sowjetstaates führt, dessen paranoide Praktiken bis ins Jahr 1917 zurückreichen. Damals wurde die berüchtigte Tscheka gegründet, die erste politische Polizei der Bolschewiken, deren Nachfolger GPU und NKWD ebenfalls in die Annalen eingingen. Von Anfang an hatten die Tschekisten den Auftrag, alle Regimegegner zu liquidieren und später den sowjetischen Staatsapparat und die gesamte Gesellschaft kontinuierlich zu „säubern“. Das grausame Massaker von Katyn war nur eine der vielen Routineoperationen der Henker des NKWD. Das Ministerium suchte seine Agenten eigens wegen ihrer Kaltblütigkeit aus, und sein Chef Wassili Blochin soll im Laufe seiner Karriere 20.000 Menschen eigenhändig getötet haben. Die Geschichte von Katyn hat mit der Sowjetunion und Polen, mit dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Kalten Krieg zu tun. Der Enthüllung des Verbrechens folgte eine 50 Jahre währende Staatslüge. Erst 1990 bekannte sich die Sowjetunion zum Massaker von Katyn – wenige Monate vor dem Zusammenbruch des selbst zum Schutz seiner Staatsgeheimnisse nicht mehr fähigen Regimes. Der Film erzählt die Geschichte von Katyn anhand der Erinnerungen von polnischen Überlebenden des Massakers und des von den Historikern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in NKWD-Archiven entdeckten Materials.

So., 9. Jan · 07:05-07:50 · 3sat
Bibelrätsel – Die Macht der Zehn Gebote

Warum haben die Zehn Gebote – als einzige Gesetzessammlung aus der Zeit des Alten Orients – bis heute Bestand? Eine filmische Recherche begleitet von der Theologin Margot Käßmann. Es ist eine Erfolgsgeschichte: Die Regeln aus dem Alten Testament lassen sich bis in die Formulierungen moderner Rechtsordnungen hinein verfolgen. Sie gelten als Kern des Paktes zwischen dem Gott der Bibel und seinem auserwählten Volk. Das Alte Testament berichtet, Gott selbst habe sie auf zwei Steintafeln geschrieben, nachdem er sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit hat. In einer tragbaren Kiste, der Bundeslade, sollen die Gesetzestafeln auf dem Weg ins Gelobte Land mitgeführt worden sein, bis sie schließlich im Tempel von Jerusalem einen festen Platz erhielten. Für das Geschehen, das die Bibel schildert, gibt es nach dem renommierten Archäologen Professor Dr. Israel Finkelstein keine überzeugenden Belege. Mehr noch: Mit der Zerstörung des Tempels durch die Babylonier im Jahre 586 vor Christus verschwinden auch die Gesetzestafeln spurlos. Trotzdem geht die Geschichte der Zehn Gebote damit nicht zu Ende. Im Gegenteil – ob in den Paragraphen der Menschenrechtskonvention oder in den Verfassungen vieler Länder – die Regeln der Zehn Gebote gelten heute mehr denn je. Wie ist diese ungeheure Wirkungsgeschichte zu erklären? Die Frage nach der Macht der Zehn Gebote führt in das 5. Jahrhundert vor Christus. Damals fand in Jerusalem eine Bearbeitung der Heiligen Schriften statt, bei der auch eine Kurzfassung des biblischen Gesetzeskanons entstand, der insgesamt 613 Gebote umfasste. Thomas Römer, Professor für Biblische Wissenschaften, sieht in der Beschränkung auf lediglich zehn Gebote den Versuch, ein Regelwerk für jedermann zu verfassen, das sich an den Fingern von zwei Händen abzählen ließ. Aber die Kürze ist nicht der einzige Grund für den Fortbestand der göttlichen Gebote. Als die Bibelredakteure die Regeln formulierten, hatte das Königreich Israel längst seine Unabhängigkeit verloren. Das auserwählte Volk musste sich auf ein Leben unter fremder Herrschaft einstellen. Es war nur folgerichtig, die Zehn Gebote von der Existenz eines Herrscherhauses abzukoppeln und Gott selbst als Autoren auszugeben. Mit den Zehn Geboten schufen sich die Israeliten ein paralleles Rechtssystem: göttliche Gesetze, auf die sie sich, auch in der Behauptung ihrer Rechte gegenüber ständiger Fremdherrschern, immer berufen konnten. Die Zehn Gebote wurden zu einem Gesetz über dem Gesetz, so unverrückbar und ewig, dass sie die Jahrtausende wortwörtlich und gänzlich unverändert überdauert haben, wie ein experimenteller Vergleich am Ende des Films ergibt.

So., 9. Jan · 09:00-09:55 · arte
Chagall – Ein Maler zwischen den Welten

Die Dokumentation „Chagall – Ein Maler zwischen den Welten“ zeichnet den persönlichen und künstlerischen Werdegang von Marc Chagall nach und stützt sich dabei auf seine sehr poetischen Schilderungen in der Autobiografie „Mein Leben“ sowie auf in der Sowjetunion veröffentlichte Artikel. Gleichzeitig zeichnet sie das Porträt einer Künstlergeneration, die zwischen 1910 und 1930 ihren eigenen Weg zwischen Volkskunst und Moderne fand. Manche dieser Künstler kamen vor dem Ersten Weltkrieg nach Paris, weil sie frei malen wollten. Einige schlossen sich Kubismus oder Fauvismus an, andere suchten nach einem jüdischen Stil in der Kunst. Marc Chagall gründete nach dem Krieg in seiner Heimatstadt Witebsk eine Kunstschule, die das einfache Volk an die Kunst und die Revolution heranführen sollte und zu einer wichtigen Wirkungsstätte der russischen Avantgarde in der jungen Sowjetunion wurde. Doch unvermeidlich kam es hier auch zu künstlerischen Richtungsstreits und menschlichen Konflikten. Am Beispiel des faszinierenden Lebensweges von Chagall veranschaulicht die Filmemacherin Laurence Jourdan das für diese Zeit der politischen, künstlerischen und menschlichen Umbrüche charakteristische Spannungsverhältnis zwischen Verwurzelung in der Tradition und Modernität, nach der diese Generation junger russischer Künstler strebte.

So., 9. Jan · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Ausstieg rechts. Oder: Einmal Nazi, immer Nazi?

Die rechte Szene in Deutschland wächst wieder. Vergangenes Jahr zählte der Verfassungsschutz 33.000 Rechtsextremist:innen. Darunter 13.000 gewaltbereite, die 22.000 Straftaten verübten. Wie geraten Menschen in (Neo-)Nazi-Kreise? Wie kommen sie da wieder raus? Aussteiger und Ausstiegshelfer geben RESPEKT-Moderatorin Sabine Pusch Einblicke in eine brandgefährliche Parallelwelt. Morde in München 2016, 2019 in Kassel und Halle, 2020 in Hanau. Mordversuche, Körperverletzungen: eine Horror-Serie rechtsextremistischer Gewalttaten. Und die Täter:innen-Szene wächst weiter. So zählt das Bundesamt für Verfassungsschutz für vergangenes Jahr 13.000 gewaltbereite Rechtsextreme. Inhaltlich und ästhetisch bedienen sich Neo-Nazi-Gruppen bei aktuellen (Jugend-)Trends: Sie rekrutieren über die Sozialen Medien, arbeiten mit coolen Influencer:innen, ästhetisch ansprechenden Videos und vernetzen sich mit Anhänger:innen anderer Verschwörungsideologien. Ihre Ideologie ist aber unverändert: nationalistisch, rassistisch und gewaltaffin. Was treibt Menschen in dieses Milieu, will RESPEKT-Moderatorin Sabine Pusch wissen – und: Gibt es einen Weg zurück? Die Moderatorin kontaktiert Personen, die aus der Neo-Nazi-Szene ausgestiegen sind. Aber Aussteiger:innen oder Menschen, die ihnen dabei helfen, vor laufender Kamera zu treffen, ist höchst problematisch. Denn es kann lebensgefährlich sein, öffentlich über die Szene zu sprechen. Mit Felix Benneckenstein klappt es dennoch. Nachdem er zehn Jahre lang in der Neo-Nazi-Szene aktiv war, ist er ausgestiegen, tritt offen als Aussteiger auf und berät andere Ausstiegswillige. Von Felix Benneckenstein erfährt Sabine, was ihn als Teenager in die Neo-Nazi-Szene gebracht hat, was ihn beim Aussteigen motiviert und unterstützt hat – und wie es danach weiterging. Über ihn bekommt sie auch Kontakt zu Z., einem jungen Mann, der versucht „still“ auszusteigen, also, ohne dass das jemandem auffällt. Sabine trifft Z. an einem geheimen Ort und vollkommen anonymisiert. Im Gespräch verrät er ihr seine Geschichte und warum er aussteigen will. Die RESPEKT-Moderatorin bekommt so Einblick in eine abgeschottete Szene, die ihre Mitglieder mit allen Mitteln halten will. Und sie versteht, was den Ausstieg so schwer macht: Will jemand die rechtsextreme Szene verlassen, muss diese Person ihr ganzes bisheriges Leben komplett umkrempeln. Ein Prozess, der Jahre dauern kann und alles andere als ungefährlich ist.

Di., 11. Jan · 19:40-20:14 · arte
Re: Stark am Ball – Im Verein gegen Judenhass

„Scheißjude“ – das hört die 13-jährige Torhüterin Lian nicht zum ersten Mal. Hassparolen wie „Brecht den Juden die Beine“ bis hin zu körperlicher Gewalt sind für die Sportlerinnen und Sportler des jüdischen Vereins Makkabi Normalität. Besonders schlimm ist es im Fußball und da im Jugendbereich. Dabei ist Makkabi bunt gemischt: Alle Hautfarben, Nationalitäten und Religionen sind vertreten – nur ein Drittel sind Jüdinnen und Juden. Aber ganz gleich, ob Muslima oder Christ – der Judenhass trifft sie alle. „Re:“ begleitet Makkabäerinnen und Makkabäer wie sie diesem Hass entgegentreten. Lian ist Jüdin, mit 5 Jahren kickte sie schon bei Makkabi. Der Verein ist für sie ein geschützter Raum, ihre Mannschaft gibt ihr Kraft und motiviert sie. Lian gehört zu den besten Torhüterinnen ihres Jahrgangs deutschlandweit. Weil zu wenige Mädchen spielen, steht sie bei den Jungs im Tor. Ihr großes Ziel ist die Frauen-Bundesliga. Luis Engelhardt ist kein Jude, aber sein halbes Leben lang schon Makkabäer. Hass und Hetze hat auch er oft genug erlebt. Er bietet Workshops für Vereine an. Beim Fußballtraining sollen Kinder hier lernen, den Mund aufzumachen, wenn auf dem Platz antisemitische Sprüche fallen. Kann Makkabi Kinder stark machen gegen Hass? Kann gegenseitiges Kennenlernen Antisemitismus vorbeugen? Hakan Tekin ist Moslem und seit 20 Jahren bei Makkabi, erst als Spieler, dann als Jugendtrainer. Heute trainiert er sogar die jüdische Nationalmannschaft der Männer. Gemeinsam gewinnen und verlieren, das schweißt zusammen. Hakans Blick auf das Judentum ist durch den Verein ein anderer geworden.

Mi., 12. Jan · 20:45-21:15 · MDR
Schwul in Uniform – Ein Problem?

Queer in der Bundeswehr – das war lange ein Tabu. Bis in die 1960er Jahre galten homosexuelle Handlungen in der Truppe als Straftaten. Wer sich in den späteren Jahren outete, musste lange damit rechnen, degradiert zu werden. Inzwischen sollen Gleichbehandlungsgesetzte bei der Bundeswehr Diskriminierung unmöglich machen. Doch wie sieht die Realität queerer Menschen in Uniform heute aus? “Exakt – Die Story” spricht mit queeren Soldaten, die ihre Sexualität immer noch geheim halten, weil sie Angst haben, von Kameraden ausgegrenzt zu werden. Auch wer offen mit seiner Homosexualität umgeht, scheint es nicht überall leicht zu haben. Das MDR-Team trifft einen ehemaligen Soldaten. Hinter ihm liegen Auslandseinsätze für die Bundeswehr in Afghanistan. Aufgrund seiner Homosexualität fühlte er sich ungerecht behandelt und in Beförderungen übergangen. Nach 12 Jahren verlässt er frustriert die Truppe. Bundesweit setzt sich der Verein “QueerBW” für die Interessen queerer Soldaten ein. Leutnant Sven Bähring ist der erste Vorsitzende des Vereins und besonders stolz auf einen aktuellen Erfolg gegen Homophobie bei der Bundeswehr: das im Sommer vom Bundestag beschlossene Rehabilitierungsgesetz homosexueller Soldaten. Das Gesetz sieht eine pauschalisierte Entschädigung für homosexuelle Soldaten vor, deren Karriere vor dem Jahr 2000 verhindert wurde. Ein wichtiger Schritt, meint Sven Bähring, doch das Gesetz geht ihm nicht weit genug. Kommt Homophobie unter Soldatinnen und Soldaten vermehrt vor? Professor Dr. Rolf Pohl ist Soziologe und Sozialpsychologe. Sein Schwerpunkt: Männlichkeits- und Geschlechterforschung. Beim Thema Akzeptanz seien wir längst nicht so weit, wie wir glauben, ist sich Pohl sicher. Grund sei ein Männlichkeitsbild, das auf Stärke und Weiblichkeitsabwehr fußt. Eine starke Ausprägung homophober Einstellungsmuster in Organisationen mit hoher Konzentration an Männlichkeit überrascht ihn nicht. Wohl deshalb ist auch bei der Polizei Queerness noch kein einfaches Thema. Grit Merker ist Ansprechperson für LSBTI der Polizei Sachsen-Anhalt. Auf dem Christopher Street Day in Magdeburg will sie für mehr Vertrauen in die Polizei werben. Denn viele Opfer von Hasskriminalität aus der queeren Szene scheuen sich nach wie vor, zur Polizei zu gehen. “Exakt – Die Story” fragt nach und erfährt: Viele CSD Teilnehmer sind misstrauisch gegenüber der Polizei. Auch innerhalb der Behörde haben es queere Polizistinnen und Polizisten nicht immer leicht. In Mainz berichtet die LSBTI-Ansprechpartnerin Diana Gläßer von Schwierigkeiten im Berufsalltag. “Exakt – Die Story” begleitet Betroffene, Forschende und Aktive in den Institutionen, die sich für mehr Gleichberechtigung einsetzen. Eine Spurensuche mit der Frage: Schwul in Uniform – Wie homophob sind Polizei und Bundeswehr?

Do., 13. Jan · 01:05-02:00 · arte
Jüdisch in Europa (1/2)

Wie leben Juden in Europa? Welche Geschichten erzählen sie? Wie leben sie Tradition und Moderne? Und wie gehen sie mit Ausgrenzung und Bedrohung um? „Es gibt einen jüdischen Alltag in Europa, der selten gezeigt werden kann. Debatten über Politik, Nahost und Antisemitismus überlagern das vielfältige jüdische Leben. Daher war es wichtig, dass wir dieses einfach mal einfangen können, indem wir spontan hingehen und schauen, was läuft.“ Mit diesem Anspruch haben sich der Schweizer Publizist Yves Kugelmann und die deutsche Filmproduzentin Alice Brauner auf eine Reise durch Europa begeben. Der erste Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Marseille, Straßburg, Frankfurt und Berlin. Mit Harold Weill, dem Großrabbiner von Straßburg, sprechen die beiden über das Leben im jüdischen Viertel. Fühlen er und seine Gemeinde sich bedroht? Alon Meyer, Vorsitzender des TuS Makkabi Frankfurt sowie Präsident des jüdischen Sport-Dachverbands Makkabi Deutschland, erklärt in Frankfurt, welchen Anfeindungen seine Mannschaft abseits des Fußballfelds ausgesetzt ist. In Berlin treffen Alice Brauner und Yves Kugelmann danach die Dramaturgin und Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann. „Jüdisch in Europa“ ist eine facettenreiche Reportagereise voller neuer Blickwinkel.

Do., 13. Jan · 02:00-02:50 · arte
Jüdisch in Europa (2/2)

Wie leben Juden in Europa? Welche Geschichten erzählen sie? Wie leben sie Tradition und Moderne? Und wie gehen sie mit Ausgrenzung und Bedrohung um? „Es gibt einen jüdischen Alltag in Europa, der selten gezeigt werden kann. Debatten über Politik, Nahost und Antisemitismus überlagern das vielfältige jüdische Leben. Daher war es wichtig, dass wir dieses einfach mal einfangen können, indem wir spontan hingehen und schauen, was läuft.“ Mit diesem Anspruch haben sich der Schweizer Publizist Yves Kugelmann und die deutsche Filmproduzentin Alice Brauner auf eine Reise durch Europa begeben. Der zweite Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Budapest, Warschau und Venedig. Mit der Philosophin Agnes Heller sprechen die beiden in der ungarischen Hauptstadt über das judenfeindliche Klima, das die Regierung Orban im Land etabliert hat. In Warschau besuchen sie die Grabstätten der Widerstandskämpfer des Ghetto-Aufstands von 1943, und in Venedig lassen sie sich von dem italienischen Schriftsteller und Vizepräsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde, Riccardo Calimani, vom jüdischen Alltag im „Land der Unordnung“ (Calimani) berichten. „Jüdisch in Europa“ – zwei facettenreiche Filme voller Überraschungen.

Do., 13. Jan · 06:45-07:00 · PHOENIX
Von Chuzpe und Schmonzes – Jüdischer Witz als Waffe der Wehrlosen?

Was macht ihn aus, den jüdischen Humor, diese Mischung aus bissiger Selbstironie, fatalistischem Galgenhumor und immer wieder Chuzpe, die sympathisch vorgetragene Frechheit? Jüdischer Humor zieht sich als eine Lebenseinstellung quer durch Alltag, Kultur und Religion. Dabei steht ein schier unerschöpfliches Arsenal an Witzen und Pointen zur Verfügung, das sich über viele Jahrhunderte auch als Selbstverteidigungsstrategie entwickelt hat. Im März steht das jüdische Purim-Fest an. Dann heißt es, ähnlich wie im Fasching, verkleiden, trinken, feiern! Witz und gute Laune sind aber nicht nur auf einige Tage im Jahr beschränkt. Jüdischer Humor zieht sich als eine Lebenseinstellung quer durch Alltag, Kultur und Religion. Dabei steht ein schier unerschöpfliches Arsenal an Witzen und Pointen zur Verfügung, das sich über viele Jahrhunderte auch als Selbstverteidigungsstrategie entwickelt hat. Was macht ihn aus, den jüdischen Humor, diese Mischung aus beißender Selbstironie, fatalistischem Galgenhumor und immer wieder Chuzpe, die sympathisch vorgetragene Frechheit. Was bedeutet jüdischer Humor heute? Ist es nur (noch) eine Konstruktion? Eine verblassende Erinnerung? Oder lebt Chuzpe einfach weiter?

Fr., 14. Jan · 23:15-01:15 · ZDF
Persischstunden

Um dem Tod durch die SS zu entgehen, gibt sich der jüdische Geflüchtete Gilles als Perser aus und erfindet eine Fantasiesprache, als er den Lagerkommandanten Koch unterrichten soll. Als Gilles von Koch neben dem Unterrichten und langen Küchendiensten bald zudem zum Gefangenenprotokollant ernannt wird, gestaltet sich das Aufrechterhalten seiner Scheinidentität immer schwieriger. Zumal ihm ein Aufseher auf die Schliche zu kommen droht. Im Jahr 1942 gerät der belgische Rabbinersohn Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) im besetzten Frankreich in die Fänge eines SS-Schießkommandos, kann sich aber dank eines zuvor durch Tausch erworbenen Märchenbuches als Perser ausgeben und retten. Denn der auswanderungswillige Kommandant eines nahe gelegenen Durchgangslagers, Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger), möchte Persisch lernen, weshalb er dem ihm überstellten Gilles anordnet, ihn in seiner vermeintlichen Muttersprache zu unterrichten. Des Persischen nicht mächtig, sieht sich Gilles gezwungen, eine Fantasiesprache zu entwickeln, wobei er die Namen der Lagerinsassen umdichtet, zu deren Protokollierung ihn Koch neben täglichen Küchendiensten bald befördert. Die Wahrung seiner falschen Identität gerät für Gilles nicht nur durch seine steigende Arbeitslast und die zunehmend komplexer werdende Sprachschöpfung in Gefahr, sondern überdies durch den von Beginn an misstrauischen Rottenführer Max Beyer (Jonas Nay). Dieser konspiriert mit der durch Gilles‘ Beförderung degradierten Elsa Strumpf (Leonie Benesch) gegen den Gefangenen. Die belarussisch-deutsch-russische Coproduktion „Persischstunden“ des in Kanada ausgebildeten ukrainischen Regisseurs Vadim Perelman basiert auf der Erzählung „Erfindung einer Sprache“ (1977) von Wolfgang Kohlhaase und feierte 2020 Premiere auf der Berlinale.
Bild: © ZDF und UGOLPHOTO – Der jüdisch-belgische Geflüchtete Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) ist nach einer Evakuierung einem nationalsozialistischen Durchgangslager im besetzten Frankreich entkommen.

Sa., 15. Jan · 05:30-06:00 · SWR
Planet Schule: Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Drei Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Sa., 15. Jan · 20:15-22:55 · Tele 5
Unbeugsam

Ostpolen, im Zweiten Weltkrieg: Die vier jüdischen Bielski-Brüder Aron (George MacKay), Asael (Jamie Bell), Tuvia (Daniel Craig) und Zus (Liev Schreiber) flüchten in die Wälder, nachdem ihre Eltern von Antisemiten getötet worden sind. Versteckt in der Wildnis formiert sich die Gruppe neu, um Rache zu üben und sich gegen die deutsche Besatzungsmacht zu verteidigen. Im Laufe der Zeit entsteht eine eingeschworene Gemeinschaft aus Geflüchteten, die teils mit sowjetischer Unterstützung ums Überleben, ihre Heimat und die Freiheit kämpfen. Kriegsdrama von Edward Zwick, das auf dem Buch „Defiance: The Bielski Partisans“ der Schriftstellerin und Holocaustüberlebenden Nechama Tec beruht.

Sa., 15. Jan · 21:35-22:20 · ARD-alpha
Geheimnisvolle Orte: Am Wannsee

Es ist viel passiert am Wannsee. Ein Ort zwischen Idylle und Schrecken. Hier spürt man die Zerrissenheit, die Ängste, aber auch die Freuden des 20. Jahrhunderts. Auf der einen Seite das quirlige Strandbad, auf der anderen die Villen der gediegenen Berliner Gesellschaft. Eine idyllische Gegend – und eine Gegend mit viel Geschichte. In den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nisteten sich Nazis in zahlreiche Villen ein. Die Besitzer mussten fliehen, weil sie jüdischer Herkunft waren. Aus der einstigen „Colonie Alsen“, dem Sommersitz reicher Großbürger, wurde ein bedeutender Standort des Sicherheitsdienst der SS. Im herrschaftlichen Landhaus Oppenheim wurde ein geheimes Institut eingerichtet, um die Ausbeutung Osteuropas vorzubereiten. Im „Haus der Wannseekonferenz“ koordinierten die Nationalsozialisten die Vernichtung der europäischen Juden – derweil jüdische Kinder und Jugendliche unter Bewachung der SS die Gärten der Umgebung pflegten. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt ein Hochbunker, von dem aus im Zweiten Weltkrieg die Berliner Luftverteidigung koordiniert wurde. Nach dem Krieg wurde er als „Notfallkrankenhaus“ umgebaut. Bis zu 600 Menschen sollten hier einen Atomangriff überleben können. In den Nachkriegsjahren entdeckten amerikanische Soldaten die Vorzüge des Wannsees – und verliebten sich in deutsche Fräuleins. Ursula Buchwitz-Wiebach, die Enkelin des legendären Droschkenkutschers „Eiserner Gustav“, erzählt von einer solchen „unmöglichen Liebesgeschichte“. Peter Zander, der schöne Kindertage im exklusiven „Seglerhaus“ erlebte, erinnert sich an die Ausgrenzung seiner Familie und den schweren Gang ins Exil. Und Peter Rieck berichtet, wie 1948 Luftbrücken-Flugzeuge hier „wasserten“. „Geheimnisvolle Orte – Am Wannsee“ führt an Schauplätze, die kaum bekannt sind.