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Wie deutsch ist Jiddisch?

“Loschen Aschkenas” (= Sprache Deutschlands) oder “Teitsch” (= Deutsch) war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für die herkömmliche Muttersprache‚ das ‘Mameloschn’, der aschkenasischen Jüdinnen und Juden üblich. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung  ‚Yiddish’ durch.

Ende Oktober, am 24./25. 10.2021 in den Berliner Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung, beschäftigt sich eine Tagung mit Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Israel, Frankreich, Russland, USA und Deutschland mit Jiddisch, der historischen Muttersprache der aschkenasischen Jüdinnen und Juden.

Der Bundesgerichtshof hat die Frage, ob die jiddische Sprache als deutsche Sprache anzusehen sei, stets dahingehend beantwortet, dass Jiddisch nicht Deutsch sei und als Sprache der Ostjuden den Zugang nur zur jüdischen Kultur, nicht aber zur deutschen Kultur eröffnete. Ähnliches urteilten die Sozialgerichte.

Diese Rechtsauffassung hatte und hat weitreichende Folgen: Manche Opfer des Nationalsozialismus wurden von Leistungen des Bundesentschädigungsgesetz und jüdische Zuwanderer:innen aus der Sowjetunion vom Fremdrentengesetz ausgeschlossen. Den Gerichten war, wenn man die entsprechenden Urteilsbegründungen liest, offensichtlich nicht bewusst, dass das Jiddische neben z. B. Ladino, Tad etc. nur eine unter mehreren profanen jüdischen Alltagssprachen war.

Aber welche Beziehung haben das Deutsche und das Jiddische? Wie beurteilen die Sprachwissenschaften das Verhältnis von jüdischer Minderheiten- und Umgebungssprache in den verschiedenen Sprachräumen? Welche Sprachstruktur und welches Vokabular haben Jiddisch und Deutsch gemeinsam? Welche Gemeinsamkeiten gibt es mit Hebräisch und mit den nicht-deutschen Umgebungssprachen? Was folgt aus Gemeinsamkeiten und Trennendem für die Definition des sprachwissenschaftlichen Verhältnisses? Ziel der Tagung ist es, einem breiteren Publikum die Nähe des Jiddischen zum Deutschen verständlich zu machen. Wir werden auch einen Blick auf das Jiddische als Gegenstand von Sprachpolitik in Deutschland, in der Sowjetunion oder Israel werfen.

Wir wollen gängige Zuschreibungen und Fremdschreibungen in Frage stellen: Lässt sich Jiddisch tatsächlich aus dem deutschen Sprach- und Kulturkreis ausschließen,wie das die deutsche Rechtspraxis bisher getan hat? Müssen wir Begriffe wie Kultur, Sprache, Dialekt, Identität nicht multidirektionaler und historisch dynamischer betrachten und diskutieren?

Anmeldung unter: 
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Zum Programm: 
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Mit einem Quiz können Sie Ihr Wissen zu der Thematik überprüfen: 
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