Der Stickstoffwerk-Direktor Dr. Siegfried Tauss

Von den Nazis verfemt und in den Tod getrieben. Von der SED verunglimpft und totgeschwiegen

Von Ronny Kabus

Es ist fast 34 Jahre her, dass ich durch eine Ausstellung und Publikationen in der seinerzeitigen „Staatlichen Lutherhalle Wittenberg“ erstmals zum Thema „Juden der Lutherstadt Wittenberg im Dritten Reich“ geforscht habe. Dabei ging ich auch auf den Direktor und Werksvorstand der Mitteldeutschen Stickstoffwerke AG Piesteritz, Dr. Siegfried Tauss, ein, über den sich sehr wenig recherchieren ließ.

Tauss hat als Führungspersönlichkeit des bedeutendsten Wittenberger Industrieunternehmens dieses von 1916 bis 1933 siebzehn Jahre lang erfolgreich durch eine politisch und sozial spannungsreiche Zeit gebracht und dadurch um die Stadt und ihr Umfeld große Verdienste erworben. Doch während es zu anderen rassisch verfolgten Familien der Stadt inzwischen mehrere Veröffentlichungen gibt, blieb das tragische Schicksal der Familie Tauss fast völlig im Dunkeln. Und dort, wo der „Kapitalist“ Dr. Siegfried Tauss in betriebsgeschichtlichen SED-Publikationen während der DDR-Zeit kurze Erwähnung fand, war diese – ohne die geringste Kenntnis seines tragischen Lebenslaufs – herabwürdigend.

Nun endlich kann in dieser im Heimatkalender 2022 des Wittenberger Drei Kastanien Verlags veröffentlichten international betriebenen Forschungsarbeit dem verdienstvollen Unternehmer Gerechtigkeit widerfahren