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Das Rechtssein als Lebensform

War Caroline Sommerfeld, die Gattin von Helmut Lethen (Wien), eigentlich immer schon rechts und wenn nein: Warum nicht? Nicht zu vergessen: Wer, zum Teufel, ist Sommerfeld überhaupt? Und wenn ja: Wie viele? Eine Glosse über das Rechtssein als Lebensform, gedacht zu den Bundestagswahlen, insbesondere jenen von 2025, wo „die aus der ‚Ostmark‘“ dank Björn Höcke ja vielleicht schon wieder mitwählen dürfen.

Von Christian Niemeyer

Ihrer uns aus meiner Glosse Tristesse Droite, reloaded bereits recht gut bekannten Götz-Kubitschek-Gattin und Geschlechts- wie Gesinnungsgenossin Ellen Kositza zufolge ist Caroline Sommerfeld dank ihres bei Antaios in Schnellroda erschienenen Buches Wir erziehen. Zehn Grundsätze (2019; zur Kritik: Niemeyer 2021a) so etwas wie die „Ikone der Neuen Rechten“. Mit diesen Worten lobte diese siebenfache neu-rechte Mutter am 26.6.2019 auf Kanal Schnellroda jene dreifache neu-rechte Mutter aus Wien im Blick auf ihr „Standardwerk“, nur: Weswegen eigentlich, abgesehen vielleicht davon, dass die Neue Rechte bis dato des Erziehungssachverstandes komplett entbehrte? Woran sich im Übrigen wenig geändert hat mit Sommerfelds Buch. Wie nun ein wenig genauer begründet werden soll.

Einblicke in das „Standardwerk“ einer „Ikone der Neuen Rechten“ bis hin zu deren Reflexion auf ihren Vater, den „Müsli-Mann“

Manche „Standardwerke“ werden ja schon durch ihre Verfasser*innen selbst hingerichtet – dieses hier beispielsweise durch die Autorin mittels ihrer auf YouTube zu besichtigenden Lesungen. Etwa jene vom 9.9.2019 in der ‚Bibliothek des Konservativismus‘ in Berlin, die durch eine Vortragsart von Typ ‚Holzklasse‘ bestach. Gewiss: Gleichgesinnten wie Kositza darf derlei natürlich nicht auffallen. Muss es aber auch nicht. Zumal die Selbstexekution qua öffentlicher Rede nichts ist im Vergleich zu jener durch die veröffentlichte Schreibe. Was Sommerfeld beispielsweise zu des Kinderarztes Herbert Renz-Polster Bestseller Erziehung prägt Gesinnung. Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte – und wie wir ihn aufhalten können (2019) nachtrug, also zu dieser subtilen Tiefenbohrung in Sachen Rechtspopulismus, angetrieben durch die allzu berechtigte Frage: „Wie konnte diese neue, fanatischen Kälte nur entstehen?“, lautete allen Ernstes, als habe sie nicht eine Zeile gelesen:

„Es fragt sich, wer die heutigen ‚Rechtspopulisten‘ denn so unbarmherzig erzogen hat – was haben Ostdeutsche und Donald Trump wohl gemeinsam?“ (Sommerfeld 22020: 26)

Nun, der Dame kann geholfen werden: Gemeinsam haben sie, von Renz-Polster vielfach beschrieben und durch Zahlen unterlegt, eben dies: „die fanatische Kälte“, besser vielleicht: den Fanatismus und die Kälte. Sommerfeld interessiert derlei nicht, wohl aber Renz-Polsters Co-Autor (bei einem anderen Buch), Gerald Hüther, der sich „2015 in Phantasien darüber [erging], daß die ‚lernbegierigen Flüchtlingskinder […] ein Motor werden (könnten), ein Treibstoff, mit dem die Lernlust in unsere Schulklassen zurückkehrt. Das wird aber nie passieren, wenn die Schüler die Angst ihrer Eltern vor dem Fremden übernehmen.‘“ (Sommerfeld 22020: 26) Wow! Was für ein treffender Satz (ich meine jetzt den von Sommerfeld zitierten Hüthers) – und wie unklug in einer für Rechtspopulisten gedachten Schrift, ihn überhaupt anzuführen, um das Ganze dann mittels der Vokabel „Befreiungsbegeisterung, die heute en vogue ist“ (ebd.: 27), wieder einfangen zu wollen.

Vergleichbar peinlich: Dass Sommerfeld als einigermaßen der Ideengeschichte der Pädagogik Kundige wenig später den ersten Satz von Rousseaus Émile (1762) beizieht: „Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt, alles entartet unter den Händen des Menschen.“ Um ihn dann, wohl aus der Sorge, die Vorurteilsfreiheit und Neugierde des Neugeborenen stünde für Natur, die – beispielsweise – „Vogelschiss“-Rhetorik des späten Alexander Gauland hingegen bezeuge Entartung, wie eine heiße Kartoffel fallenzulassen, mitsamt Rousseau, dem sie das böse Wort nachschleudert:

„Rousseau ist Propagandist, Massensuggestionsmeister, und deswegen nicht länger Denker und Philosoph.“ (Sommerfeld 22020: 35 f.)

Wow! Endlich mal ein ausgegorenes, gut begründetes, nicht allein durch pejorative Vokabeln getragenes Verdikt! Auch, von der Logik her betrachtet, extrem subtil nach dem Muster: Dieser Mann, Rousseau, vertritt eine Prämisse, die im Ergebnis mir und den meinen schädlich ist – und kann eben deswegen nicht länger als Denker und Philosoph betrachtet werden.

Diesem Themenakzent zugehörend: Sommerfelds Suggestion, sie gehe Renz-Polsters Postulat Erziehung prägt Gesinnung nichts an – und dies trotz wortreicher Darlegung ihres eigenen Aufwachsens, übrigens mittels grenzwertiger, taktloser Bilder („der erste Bioladen weit und breit war der meiner Mutter, und die Schüler grinsten, wenn ‚der Müsli-Mann mit den Müsli-Schuhen‘, mein Vater, über den Schulhof latschte“; ebd.: 11); sowie lautstark ausgepreister Rätselfrage: „War ich eigentlich schon immer ‚rechts‘ […]? Ich kann diese Frage nicht beantworten, da liegt der blinde Fleck der Selbstbeobachtung.“ (ebd.: 13)

Okay, man hilft doch gerne: Vom „Müsli-Mann“ zum „Mao-Gatten“ –  Einblicke in die Abgründe einer „Ikone der Neuen Rechten“

Ich – eine Warnung vorweg, auch wenn’s meine Frau einfach nicht glauben will: von Haus aus diplomierter Psychologe, der nicht nur in die Schule Freuds, sondern, schlimmer noch, in jene Nietzsches gegangen bin – erlaube mir an dieser Stelle, den von Caroline Sommerfeld hiermit letztlich öffentlich ausgeschriebenen Job („blinde Fleck der Selbstbeobachtung“) zu übernehmen und also die Fragen in der Überschrift abzuarbeiten, als da wären: Wer und wie viele ist sie eigentlich, besser vielleicht, jedenfalls sozialpädagogischer (vgl. Niemeyer 2015: 12 ff.): Welches ist das Problem, das sie hat? Und welches dasjenige, das sie deswegen anderen macht, etwa ihrem Gatten?

Um in dieser Frage weiterzukommen, empfiehlt sich die Lektüre der im Oktober 2020 erschienenen Autobiographie desselben, des 36 Jahre älteren renommierten Germanisten Helmut Lethen, eines Alt-68er mit vormals maoistischer Orientierung und berufsverbotsbedingtem akademischen Exil in Holland. Denn seitdem ist das durch Caroline Sommerfelds Gespräche mit H. als Teil ihrer Beiträge auf der neu-rechten Seite Sezession sowie durch einen einschlägigen Aufsatz (Sommerfeld 2018) öffentlich gemachte Drama um diese „bi-ideologische Ehe“ (Supp 2020) ein Thema fast für Hinz und Kunz. Dies auch wegen ihres zusammen mit Martin Lichtmesz verfassten Buches Mit Linken leben (2017) – ein Titel, den man sich durchaus auch, was den Part Sommerfelds angeht und von ihrem Motto ausgehend[1], übersetzen darf in Richtung Mit meinem linken Mann leben. Dies wiederum würde die Fortsetzung des Satzteils „‚Mit Linken leben‘ kann heißen…“ mit: „… sich nicht scheiden zu lassen“ zu einer sinnvollen machen und zugleich Vokabeln wie „Psychokrieg“ oder Passagen wie „Linke beherrschen oft meisterhaft die Kunst aller Narzißten, ihr Gegenüber zu manipulieren, ins Irrenhaus zu treiben und es dabei überhaupt nicht gewesen zu sein“ (Lichtmesz/Sommerfeld 32019: 232 f.), anschaulicher werden lässt, ganz zu schweigen von kaum chiffrierten Gesprächsauszügen vom Typ:

„Was du sagst, ist doch krank, Caroline, das glaubt doch niemand außer dir, ich mach mir echt Sorgen, warum du so abrutschen konntest?“ (ebd.: 210)

Bleibt die Frage: Warum muss man eigentlich um derlei Peinlichkeiten so genau wissen? Nun, so würde „Caroline“ womöglich antworten: Weil es nicht schaden kann, Novizen wissen zu lassen, welche Preise sie, die „Ikone“, zu zahlen hatte für ihr geistiges Erwachen, etwa – so wird ein neu-rechter Gesinnungsgenosse zitiert – „daß man in der Gesellschaft, die einen umgibt, nur noch ein Irrenhaus sehen kann, geleitet von Verrückten, deren Geisteskrankheit darin besteht, sich für Psychiater zu halten.“ (ebd.: 207) Darf man angesichts dieses – übrigens nicht ganz frischen, von Edgar Allen Poe stammenden – Bildes vielleicht noch ergänzen: mit dem eigenen Gatten als einem dieser Verrückten?

Vermutlich schon, eingedenk von Helmut Lethens Erstaunen in seiner Autobiographie über die unvermutete Rechtswende seiner jungen Frau, die er als „mit 17 auf dem besten Weg zur Marxistin“ (Lethen 2020: 345) befindlich kennen und lieben gelernt habe und deren 2015 sich vollziehende Rechtswende er als „einen Bannfluch, der direkt gegen mich gerichtet war“ (ebd.: 346), las. Die Vokabel „Bannfluch“ weist auf eine tiefe Kränkung hin, auch auf Verzweiflung ob des für ihn nicht wirklich zu Verstehenden. Dabei sei – dies der erste Schritt – dasjenige, was Lethen „Bannfluch“ heißt, anhand von Sommerfelds Buch wie folgt auf den Punkt gebracht: Lethens Gattin, eine studierte Philosophin mit respektablen Anfangserfolg im Hause des an sich sehr renommierten Verlages Karl Alber, wurde in neu-rechten Kreisen ab 2015 als prominenter Nachschub aus Professorenhaushalt herzlich begrüßt, dies auch in der Hoffnung, ihr Gatte folge ihr zeitnahe nach als dringlich ersehnter erster A-Promi aus dem Kreis der Wissenschaft. Pustekuchen dies, und auch letztlich das Andere, insofern Sommerfeld kaum mehr und jedenfalls nichts Besseres wusste als den Schulterschluss mit dem oben bereits erwähnten konservativen Publizisten  Caspar von Schrenck-Notzing (1927-2009), dem die erwähnte Berliner ‚Bibliothek des Konservatismus‘ ihren Grundbestand verstand. Wichtig an „Caspar“, wie ich ihn mal, ohne jeden Hintersinn, nennen will: Er ist ein 68er-Fresser par excellence und damit auch ein Helmut-Lethen-Antipode à la carte. Fraglos besonders empörend für Lethen: Sommerfeld bekannte sich in ihrem Buch von 2019 ausdrücklich zu Schrenk-Notzings 1965 publizierter Kritik an der 1945 von den USA ausgehenden Umerziehung der Deutschen hin zur Demokratie (Reeducation), nennt sie, mit diesem, „Charakterwäsche“ (Sommerfeld 22020: 49). Um Lethens mutmaßlichen Schock ob dieser Option ermessen zu können, hier der Auszug aus einem Aufsatz Sommerfelds:

„Ich mußte mich für Jörg Meuthens Aussage über das ‚links-rot-grünversiffte 68er-Deutschland rechtfertigen. H. empfand das als unglaubliche Kränkung seiner selbst. Daß ich mit sowas sympathisiere, obwohl ich mit ihm verheiratet sei! Ich müsse mich distanzieren! Ich will mich aber nicht distanzieren, weil es die Aussage eines anderen war, nicht meine, und niemand etwas gegen H persönlich sagt, sondern nur einen gesellschaftlichen Mainstream beschreibt.“ (Sommerfeld 2018: 82)

Nicht wirklich glücklich argumentiert, wie auch Sommerfeld postwendend aus H.s Mund erfahren musste:

„Bald hätte mein  Mainstream recht behalten und es herrschten Zustände wie in Ungarn und Polen, und ethnische Säuberungen ließen nicht lange auf sich warten.“ (ebd.)

Was man dem Holden an dieser Stelle vielleicht zusätzlich noch verraten muss: Dass mir der Zufall (oder was auch immer) Protokolle einer Akademiker-Ehe zuspielte, die mir einschlägig relevant scheinen. Hören Sie, bitte:

Szenen einer Akademiker-Ehe, die mir weitere Einblicke in die Abgründe einer „Ikone der Neuen Rechten“ erlauben

Wichtig scheint mir vor allem die folgende Äußerung, die eines Tages aus einem XYZ herausbricht:

„Ich erinnere mich an unzählige Nächte, in denen wir ‚alle Probleme der Menschheit endgültig gelöst‘ haben. Schon damals reizten mich meistens die von Dir vorgetragenen Ansichten zum Widerspruch, auch dann noch, wenn sie meine eigenen waren. Das Radikale faszinierte auch mich. Aber vom Gebräu aus dem Giftschrank der Rechten ließ ich die Finger.“

Wenig später folgt, nach einer Tour d’Horizon bis in den Mai 2016 hinein, vom nämlichen XYZ und die Grundzüge einer tiefen Ehekrise verratend:

„Ist es noch ein Relikt aus früherer Zeit, mir nicht vorstellen können, die Freundschaft zu einem Menschen aufrechtzuerhalten, der kurdischen männlichen Flüchtlingen vorhält, sie würden Frauen und Kinder in der Kampfzone zurücklassen, ihnen mangele es also an Ritterlichkeit? Will ich weiter mit jemandem verkehren, in dessen Geschichtsbild unter einer ‚amerikanisch-russischen Doppelhegemonie‘ stand und der Meinung ist, dass die ‚Holocaust-Industrie mittlerweile auch die philosophischen Ideenmärkte erobert hat‘? Der mit rechtsnationalen und konservativen Publizistinnen und Publizisten befreundet ist, mit denen ich nicht einmal über das Wetter reden würde?“

Spätestens hier scheint mir kaum Zweifel möglich: XYZ oder sagen wir besser gleich: Helmut Lethen empört sich hier über Martin Lichtmesz – und die Theorien, die er hier referiert, sind jene seiner Gattin Caroline Sommerfeld. Sie umgarnt er in der nächsten Einstellung mit Worten, denen etwas Rührendes anhaftet:

„Ich prüfe auch mich: Bin ich am Ende der ‚Faschist‘ oder ‚Stalinist‘, weil ich in mir den Rigorismus verspüre, Dich aus meiner Welt zu verbannen? Oder habe ich am Ende Angst, Dir zu gleichen? Sollte mir ein so sanfter, im Grunde zutiefst humaner, freundlicher Mensch wie Du im gegnerischen Lager nicht willkommener sein als ein Charakterschwein in den eigenen Reihen? Es ist wohl so, dass man den mehr liebt, der auf derselben Seite der Barrikade steht.“

So, emphatisch-kämpferisch um den Erhalt seiner Ehe besorgt, redet dieser hochintelligente Germanist mit seiner eine Generation jüngeren Frau, diese hochintelligente Philosophin. Die im Mai 2016 offenbar im Begriff stand, eine große Dummheit zu begehen, denn, so Lethen weiter:

„Wie grotesk: Der, der eigentlich keiner Fliege etwas antun kann, wünschte sich immer, Teil eines verwegenen Stoßtrupps in gefährliche Gefilde des Denkens zu sein. […]. Früher störte mich das nicht so, weil ich dachte, so ein musischer Weichling wird in so einer männerbündischen Rotte gar nicht…“

„Musischer Weichling“? „Männerbündische Rotte“? Oh, liebe(r) Leser*in, ahnen Sie auch, was sich nun nicht länger verschweigen lässt? Richtig: Ich habe gerade ins falsche Regal gegriffen – und gar nicht den Germanisten Helmut Lethen zitiert. Sondern den Kulturredakteur Andreas Öhler aus seinem mit Adieu, ami, lieber Siegfried überschriebenen, Ende Mai 2016 in der von ihm mitredigierten Zeit-Beilage Christ & Welt erschienenen Brief an den bis dato mit ihm befreundeten Pianisten Siegfried Gerlich über dessen damalige Rechtswende. (vgl. Öhler / Gerlich 2016) Ich kann mich nur entschuldigen für dieses Versehen, resultierend aus einer Gegendarstellung und einem offenen Brief. Beides schickte mir Gerlich via Andrea Livnat auf meine haGali-Veröffentlichung Nietzsche und der Antisemitismus (vom 18. April 2021, Gegendarstellung und Brief dortselbst; vgl. auch Niemeyer 2021: 538 ff.) hin. Aber der Sache nach macht dies eigentlich keinen großen Unterschied, erlaubt uns sogar, die Eingangsfrage („Wer ist Caroline Sommerfeld? Und wenn ja: Wie viele?“) probeweise zu beantworten mit: Caroline ist auch Siegfried Gerlich, will sagen: Sie muss, wie er, entwicklungsnotwendig im Rahmen ihrer Geschlechtsrollenfindung ihre männlichen Anteile (wie er seine weiblichen) organisieren, woraus in Einzelfällen ein passageres Rechtssein resultieren kann, im Fall Gerlich nach Beobachtung Öhlers eines vom Typ „männerbündische Rotte“ (statt „Weichling“). Zu diesem Passageren passt, dass Gerlich offenbar, jener gegen mich gerichteten „Gegendarstellung“ zufolge sowie des erwähnten Folgebriefes inzwischen angeblich gar nicht mehr rechts ist. Was mich natürlich herzlich freuen würde und mich erwartungsfreudig stimmt in Sachen weiterer heilbarer Fälle nach jenem Franziska Schreibers (vgl. Schreiber 2018).

Damit zurück zu einem insoweit offenbar unheilbaren Fall. Hey, Klasse Überschrift, also nochmal:

Zurück zu Caroline Sommerfeld, einem offenbar unheilbaren Fall, der sich im Kreis ihrer neuen Lieben im Lager der Neuen Rechten geradezu grotesk ausnimmt

Caroline Sommerfeld, offenbar gänzlich unbesorgt um Kritik wie diese sowie Kritik an ihrem Buch Wir erziehen, präsentierte unlängst auf dem neu-rechten Blog Sezession Updates zu eben diesem Buch unter dem Titel Erziehungsgrundsätze, überdacht 1-3, die zumindest eines verdeutlichen: „Überdacht“ ist hier gar nichts, Zweifel sind ihr, Sommerfeld, nach wie vor fremd, Unsinn verfügbar wie geschnitten Brot, beispielsweise dieser hier vom 13. April 2021:

„Führung ist die selbstbewußte, kenntnisreiche und situationsgerechte Durchsetzung des angemessenen, richtigen Verhaltens.“

Allen Eltern und Erziehern kräftig die Daumen gedrückt, so sie glauben, mit derlei Schwarzer Pädagogik durchkommen zu können. Vielleicht hilft ihnen da ja der jüngst durch Nicole Rosenbauers WDR-Reportage Warum Kinder keine Tyrannen sind – das System Dr. Winterhoff (2021) schwer ins Gerede gekommene Kinderarzt und Bestsellerautor Michael Winterhoff weiter resp. dessen bedenkenlos eingesetzte, in Altersheimen sehr beliebte und für Kinder gar nicht gedachte chemische Keule Pimpameron – etwa so, wie den Nazis anfangs in Polen und später in der Sowjetunion der Crystal Meath-Vorläufer Pervitin (dem Hitler, wie man so hört und an seinem Gebaren erkennbar, seinen raschen Verfall zu danken hat; vgl. Niemeyer 2021, Online-Material: 75 ff.). Das neu-rechte Erziehungsziel jedenfalls scheint allemal jedes Mittel zu rechtfertigen, lautet es doch auf, so Sommerfeld:

„Wir müssen unseren Kindern erklären, daß sie Erben des deutschen Volkes sind, müssen ihnen die großen Schöpfungen seiner Vergangenheit an Herz legen. Wirklich ans Herz, nicht bloß ins Geschichtsheft. Wir müssen sie packen!“ (Sommerfeld 22020: 131)

Also sprach Sommerfeld – erkennbar ohne jeden Blick dafür, dass  ein Normalsichtiger ohne Gauland-Lesebrille („Vogelschiss“) bei Sätzen wie diesen notwendig das Grauen überkommen muss. Ebenso wie beim sonstigen Sommerfeld-Schrifttum. Zum bereits erwähnten Titel Mit Linken leben fällt mir beispielsweise kaum mehr ein als der Satz: Ich kenne nichts Unerquicklicheres als dieses auf über 300 Seiten sich hinziehende Mäandern. Welches beim Lesen unterschwellig die Frage aufkommen lässt: Wann reden diese Leute endlich mal wieder von etwas wirklich Wichtigem, etwa von den neuesten Attraktionen im Prater, vom Tesla S und wie toll es noch werde mit diesen lautlosen und abgasfreien Autos, die in Norwegen an jedem zweiten Fjord stünden, zur berechtigten Freude von Greta Thunberg. Und, wir sind ja immerhin in der Zeit vor Corona: Warum herzen sich die Leute in diesem Buch nicht, nehmen sich in statt auf den Arm, lesen schrecklichstes Zeug aus der Vergangenheit von verbiesterten alten Männern, die sich grämen, „damals“, weil zu jung, nicht dabei gewesen zu sein. Und die sich empören über die 68er, bei denen sie, weil zu alt, nicht dabei gewesen sein konnten, so dass sie über Gruppensex mit Girlies wie Uschi Obermaier leider nur ungefähre, selbstredend von zitternder Empörung durchzogene Auskünfte machen zu können. Warum fragt niemand in diesem schrecklichen Buch, was eigentlich wichtig ist an der Frage, ob jemand rechts oder links sei – im Vergleich etwa zu der Frage, ob jemand Fisch ist oder Widder oder ob jemand Hunde oder Katzen liebt (zwei Fragen, die, jedenfalls meiner Empirie zufolge, einen Rückschluss darüber erlauben, wie betrugssicher man seine Karten beim Doppelkopf zu halten hat.) Nicht zu vergessen, zumal das eben Gesagte dem einen oder anderen möglicherweise etwas gegen den Strich geht, den er in puncto Humor zog: Warum eigentlich darf ein Linker nicht Nietzsche lesen und ein Rechter nicht Marx? Und warum muss ein Rechter – so suggeriert dieses Buch – den Film Matrix (1999) gut finden, sollte aber um Spielbergs Schindlers Liste (1993) einen großen Bogen schlagen? Und welchen Sinn macht eigentlich der unausgesprochene Grundsatz dieses Buches von Walter-Ulbricht-Zuschnitt (ich schreibe speziell dies am 13. August, dem 60. Jahrestag des Mauerbaus), wie die hier dargebotene Variante deutlich macht:

Niemand im Buch Mit Linken leben hat die Absicht, einen offenen Austausch zu führen, ohne Ressentiments, ohne Vorurteile, orientiert am Ziel der Wahrheitsannäherung durch sukzessive Ausschaltung des Falschen. Nein, hier steht von Beginn an fest, dass alles, was von Linken kommt – lies: was von Helmut Lethen, dem Gatten der Co-Autorin seines Kontrahenten Martin Lichtmesz kommt – notwendig falsch sein muss.

Nicht, dass ich ‚den‘ Linken verharmlosen will, als gäbe es dort nur Lachen und nicht auch Fanatismus und schlechte Laune. Sommerfelds Humorlosigkeit scheint mir allerdings eine vom längst überholten kämpferischen Typus à la Roter Oktober, getrimmt auf so etwas wie Brauner November und dem Motto folgend:

„Unser Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform, nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party.“ (zit. n. Lichtmesz/Sommerfeld 32019: 91)

Okay, das ist jetzt nicht O-Ton Sommerfeld, das ist vielmehr O-Ton des Gatten ihrer Fürsprecherin Ellen Kositza, Götz Kubitschek. Auch wenn dieser, hasenfüßig, als stünde der Termin bei Petrus vor der Tür und damit die Entscheidung, ob er nach diesem Leben noch das ewige verdiene, dem Vernehmen nach seinen Anwalt einen Schriftsatz habe anfertigen lassen gegen alle, die ihn in dieser Frage falsch zitierten. Puh, Glück gehabt, denn zitieren kann ich, nur mit der „Rechts-Schreibung“ hapert‘s. Außerdem ist mein Verteidiger mit seinem Schriftsatz schon fertig (das hier Formulierte nämlich). Aus diesem und dem dazugehörenden Buch (Niemeyer 2021) sei jenen, die ob ihrer Begeisterung über jene 2006er Provokation Kubitscheks aus seinem gleichnamigen neu-rechten Schlüsseltext (vgl. Lang 2017/18: 166), der auch beim IB-Aktivisten und gerichtsnotorisch bekannten Schläger Mario Müller auf Beifall traf, insofern er diesen Satz „in seinem Buch Kontrakultur in gelben Buchstaben auf schwarzen Grund noch einmal hervor[hebt]“ (Speit 2018: 118), Folgendes zu bedenken geben: Halten Sie, die Anderen, also zumal die ohnehin schon im (Selbst-)Zweifel befindlichen Guten unter den Bösen meiner Leser*innen, sich bitte fern von derlei Kulturlosigkeit à al Kubitschek, Müller & Co. Entsagen Sie der Hoffnung, die Polizei werde Ihnen bei der Beendigung der von Ihnen nicht erwünschten Party helfen. Bleiben Sie lieber des Nietzsche-Wortes eingedenk, das da lautet:

„Zuletzt können wir selbst der Kriege entrathen; eine richtige Meinung genügte unter Umständen schon.“ (KSA 13: 644)

Als meine Übersetzungshilfe (Nietzsche, ist ja wahrlich nicht immer ganz einfach zu verstehen, weiß Gott!): Arbeiten Sie, ja: genau Sie, der aussteigewillige, aber noch immer AfD-nahe unter meinen Lesern sowie Leserinnen, mittels der hier und in jenem Buch vorgetragenen Argumente bitte an Ihrer Meinung und daran, dass sie sich einer ‚richtigen‘ annähert.

Nicht ganz leicht, wie ich gerne einräumen will, solange Sommerfelds Buch Wir erziehen zustimmend aufgerufen wird mitsamt des in der Literaturliste dann allerdings (aus Scham?) verschwiegenen Verfasser des Titels Charakterwäsche. Die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland (1965). Ist dieser doch ein enger Weggefährte des Hitler-Bewunderers sowie späteren Franz-Josef-Strauß-Redenschreibers Armin Mohler (1920-2003), der, nach eigenem Zeugnis, geistig erwachte in der Frühe des 22. Juni 1941, als ihn die Mutter weckte „mit dem Zuruf: ‚Die Deutschen sind in Russland einmarschiert!‘“, und der im Februar 1942 aus der Schweiz „schwarz über die Grenze ins Reich [ging], um sich als Freiwilliger bei der Waffen-SS zu melden.“ (Funke 2020: 157) Wichtiger aber, in diesem Zusammenhang: Der Gemeinte, mit vollem, oben bereits erwähnten Namen Caspar von Schrenck-Notzing, brachte die US-Reeducation mit dem Verdacht in Verbindung, es sei den USA nach 1945 nach Art von Siegermächten vor allem um Abwertung spezifisch deutscher Kulturgüter zugunsten übernationaler gegangen, deutlicher und mit Karlheinz Weißmann: Ziel der Reeducation war nicht weniger als „ein nachhaltiger Eingriff in die Mentalität der Besiegten, eine Korrektur der Kollektivpsyche, um die Deutschen harmlos zu machen und als Konkurrenten auszuschalten“ (Weißmann 2010: 43) – eine Korrektur, die nun nach Re-Korrektur durch die Neue Rechte verlange und eben nach jenem oben bereits angeführten martialischen Erziehungsziel Sommerfelds („Wir müssen unseren Kindern erklären, daß…“).

Damit die Dramatik dessen deutlicher wird, auch, inwiefern wir uns hiermit dem Markenkern der AfD nähern, sei der Hinweis erlaubt, dass derlei ‚Erklärung‘ erklärtermaßen das Ziel der AfD ist seit der Erfurter Resolution von 2015. Gerichtet war sie seinerzeit gegen den damaligen Parteichef Bernd Lucke, dem vorgeworfen wurde, sich dem „Technokratentum, der Feigheit und dem Verrat an den Interessen unseres Landes“ (zit. n. Funke/Mudra 2018: 21) schuldig gemacht zu haben. Erstunterzeichnet von André Poggenburg, Björn Höcke sowie Alexander Gauland, später gutgeheißen u.a. von Markus Frohnmeyer, Andreas Kalbitz sowie Hans-Thomas Tillschneider, wurde die AfD damit im Geiste des völkischen „Flügels“ als „Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit usf.)“ (ebd.) definiert, also als Re-Reeducationprogramm gegen die 68er in Stellung gebracht – mit dem Höhepunkt, dass Poggenburg, der 2019 nach vielfachen parteiinternen Querelen aus der AfD austrat, nach seinem Einzug in den Landtag Sachsen-Anhalts 2016 mit immerhin 31,6% der Erststimmen dortselbst erklärte:

„Linksextreme Lumpen sollen und müssen von deutschen Hochschulen verbannt und statt eines Studienplatzes lieber praktischer Arbeit zugeführt werden. Nehmen Sie die linksextreme Bedrohung ernst und beteiligen Sie sich an allen möglichen Maßnahmen, um diese Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden.“ (zit. n. Bensmann/Hauptmeier/Röttger 2017: 108)

Soviel also zu dem Kreis, dem Caroline Sommerfeld ab 2015 nahetrat, was womöglich ihren demonstrativ-inkorrekten Spielplatzbericht vom Typ erklärt: „Eine N….mama [= N-Wort] schaffte nicht, ihr Kleinkind davon abzuhalten, im Februar barfuß zu rennen.“ (Sommerfeld 2018: 71) Ebenso kalkuliert-halbstark: Ihr Lob auf Wolfgang Brezinka, der „sich 1971 über die Pädagogik der Neuen Linken hergemacht und sie nach Strich und Faden zerlegt“ (Sommerfeld 22020: 215) habe. Was genau ‚zerlegt‘? Kein Anschluss unter dieser Nummer…

Auf diesem insoweit hinreichend definierten eigenen Mist ist auch gewachsen, was Sommerfeld als Ergebnis ihrer Lesart neu-rechter Pädagogik nach der Erfurter Resolution offeriert, nämlich kaum mehr als eine seit den Skandalen um sexualisierte Gewalt in kirchlichen und (reform-)pädagogischen Einrichtungen ohnehin auf dem Vormarsch befindliche Schwarze Pädagogik light nach dem vom Vater des aktuellen Laschet-Beraters Nathaniel Liminski – er versteht sich als geistiger Erbe seines katholisch-fundamentalistischen Vaters – stammenden Credo, die 68er hätten mit ihrer anti-autoritären Pädagogik nur Verwirrung gestifteten und Päderasten in ihren Reihen den direkten Zugriff auf die Kinder ermöglicht. (vgl. Niemeyer 2019: …) Sonst noch was? Ach ja: Die 68er sind auch schuld auch am sexuellen Missbrauch von katholischen Chorknaben durch Geistliche, und zwar weil etc. pp. (vgl. Niemeyer 2021: 66 ff.) – woraus, zumindest für den Gläubigen, folgt, dass Sommerfelds um das (selbstredend) rechte Vorzeichen ergänzte und unter dem Gebot der Grenzziehung und der durch sie möglichen „wohltuenden Hegung“ (Sommerfeld 22020: Rückumschlag) des Educanden als alternativlos behauptet werden kann.

Dem eingelegt: Eine geradezu enthemmte Polemik gegen jedwede Form der Erziehung nach Ausschwitz. „Der Gründungsmythos der Kritischen Erziehungswissenschaft ist ‚Auschwitz‘“ (Sommerfeld 22020: 46), lesen wir da beispielsweise, als gehe es um Harmlosigkeiten, ehe dann, erstaunlicherweise nicht die Vokabel ‚Auschwitz‘, sondern das Wort ‚Gründungsmythos‘ betonend, folgt: „Das Programm ist fruchtbar noch“ (ebd.), in Übersetzung geredet: Mit dieser erkennbar die legendären Schlussworte („Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“) von Brechts Anti-Hitler-Parabel Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (1941) paraphrasierenden, zeitgleich vom Hallenser Psychiater Hans-Joachim Maaz auf vergleichbar skandalöse Weise[2] beigezogenen Wendung wagt es Sommerfeld, gleich nachfolgend Micha Brumlik mit seinem Buch Aus Katastrophen lernen. Grundlagen zeitgeschichtlicher Bildung in menschenrechtlicher Absicht (2004) der Aktualisierung von Adornos 1966er Satz „Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung“ zu zeihen – als handele sich dabei um ein Vergehen vergleichbar jenem mit der Vokabel ‚Auschwitz‘ zu bezeichnenden. Mehr als dies: als sei jenes „Programm“, deutlicher: das Theorieprogramm der Kritischen Theorie Adornos, vergleichbar schlimm wie jenes Hitlers.

Zusammenfassend geredet: Sommerfeld ist inzwischen, im Wahn, ihrem Gatten Paroli bieten zu müssen, vollständig im rechten Lager angekommen, mit der Nebenfolge von Witzeleien, die jenem Alexander Gaulands über den „Vogelschiss“ nahekommen und mit der Pointe einer Analyse, die keinerlei Platz mehr lässt für Aufklärung, noch nicht einmal über Erziehung. Ersatzweise greift Sommerfeld ganz tief hinein in die Kiste des gegenaufklärerischen Rekurses auf das Böse, also des Rückgriffs auf die hilflose Vorstellung, „daß die Möglichkeit zum Bösen immer in der Natur des Menschen angelegt ist und im unheilvollen Zusammentreffen mit ausgefeilter Massentechnik zum Maximalbösen führt.“ (Sommerfeld 22020: 46) Nochmal, deutlicher: dies ist, maximal, mittelalterliche Erziehungsmetaphysik, vorangetrieben in der Absicht, den deutschen Namen inklusive der deutschen Erziehung und Bildung freizusprechen von Verdächtigungen aller Art, wie dies bei Leuten, vulgo: bei Juden wie Adorno und Brumlik gängig sei. Welches aber – um auf Lethens Autobiographie noch einmal zurückzukommen – ist das geheime Motiv hinter dieser Theorieoption, um das der Gatte offenbar ahnte, wie seine Rede von einem gegen ihn persönlich gerichteten „Bannfluch“ andeutet?

Rechts nicht als Inhalts-, sondern als Beziehungsbotschaft – eine enttäuschende Pointe für alle, die dachten, Rechts sei irgendwie schick und habe irgendetwas mit Vernunft oder Intelligenz zu tun!

Das Vorstehende sowie die Psychologie, die höher ist denn alle Vernunft, spricht im Fall Caroline Sommerfeld dafür, einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem „Müsli-Mann mit den Müsli-Schuhen“, als den Sommerfeld (22020: 11) eingangs ihres Buches, wie gesagt: recht taktlos ihres Vater gedenkt, und den im späteren Textverlauf angestellten Betrachtungen über ihren väterlichen Gatten, der hinter vergleichbar taktlosen Vokabeln wie „Fahlheit“ und „Fettleibigkeit bis zu den Haaren an den unmöglichsten Stellen“ verborgen scheint, und dies verbunden mit kaum verhüllten Drohungen im Blick auf Intimbeziehungen, die scheitern können, weil einer „dann doch zu gestört oder zu erfolgreich [war].“ (ebd.: 123) Entscheidend sind hier die Vokabeln „zu erfolgreich“, die fast zu der Fortführung zwingen, dass Sommerfeld, Jg. 1975, die sich als blutjunge Studierende in Rostock in ihren 36 Jahre älteren Professor, eben Helmut Lethen, verliebte, auf Dauer dessen Überlegenheit nicht wirklich aushielt – um ihn schließlich mit ihren Mitteln als Theoretikerin in die Konkurrenz mit ihr zu zwingen, gegen Ende gar: in die Empörung über sie als Verräterin seiner ihm heiligen Theorieideale. Womit die Pointe naheliegt, dass Lethen bei dem in seiner Autobiographie öffentlich gemachten Rätseln über die Beweggründe für die unvermutete Rechtswende seiner Frau im Alter von gut vierzig Jahren offenbar nicht hinreichend einbezogen hat, dass selbige womöglich eine primär rhetorische gegen ihn ist, eventuell auch gegen ihre – Stichwort „Müsli-Mann“ – ‚grünversifften‘ (AfD-Jargon) Eltern, also inhaltlich nicht ernstgenommen werden muss, wohl aber der Psychologie nach.

Deutlicher: Psychoanalytisch betrachtet – und dabei Nietzsches Vaterübertragung auf Richard Wagner nebst sechs Jahre später anhebenden Vatermord an diesem als Beispiel genommen, ebenso wie jenen am 15. Juli 2021 unter dem Titel Mein Wahlomat auf haGalil angesprochenen Vatermord Marc Jongens an seinem Doktorvater Peter Sloterdijk – scheint Sommerfeld als AfD-Newcomerin kaum mehr zu sein als eine Protestlerin vom Typ Spät-Spät-Pubertier, das sich genau überlegt hat, was Ihren Gatten (und damit womöglich auch ihren eigenen Vater) am meisten ärgern wird: ihr Spott nämlich auf das Linke, das ihm heilig ist. Traurig übrigens für Lethen, den sie so zwingt, sich dem sechzig Jahre alten Zorn seiner Eltern wg. seines Früh-Maoismus zu stellen. Und, um dies nicht zu übersehen und als besonders wichtig herauszustellen: Traurig für die AfD, deren Freude über diese Professorengattin als unverhoffte Mitstreiterin dann eine vom Typ „gewollte Blindheit“ wäre – blind auch gegenüber dem Umstand, dass, diesen Fall für das Ganze genommen, der Rechtspopulismus kaum für mehr stünde als für eine Riesen-Seifenblase Sozialisationsgeschädigter (was ja dann auch den Fall Donald Trump erklären könnte und eine Antwort geben könnte auf die Frage: „Wie viele“?).

Soweit, fürs Erste, meine Hypothese zu diesem Fall, die nebenbei dartun soll, dass Rechtssein sich nicht nur, à la Renz-Polster oder der Leipziger Autoritarismus Studie 2020 (vgl. Decker/Brähler 2020), als Effekt autoritärer Elternhäuser ergibt, wie schon für die Nazizeit behauptet. Wo zumal Psychoanalytiker anhand zahlloser Fallgeschichten das Desaströse von Autoritarismus-Erfahrungen betonten und dem Faktor „Identifizierung von Müttern mit einer Weltanschauung der Härte und Unnachsichtigkeit gegenüber Schwachen“ besondere „pathogene Bedeutung“ (Rosenkötter 1979: 1036) zuwiesen. Dieser Befund wird, gleichsam zur Täterseite hin, komplettiert durch den Nachweis, dass überzeugte Nazis, konkret: SS- im Vergleich zu Wehrmachtsangehörigen, höhere Autoritarismuswerte nach der auf Adorno et al. zurückgehenden Faschismus(F)-Skale erzielen. Fast ist man versucht zu aktualisieren: Nach dem Krieg ist inzwischen vor dem Krieg – umso wichtiger scheint mir der Versuch der Kleinarbeitung des leitmotivisch als pathologisch zu rubrizierenden Rechtsseins derart, dass es ja auch eine Reaktionsbildung sein kann (nicht muss!) gegen antiautoritäre Sozialisationsbedingungen sowie, wie in diesem Fall: dass Rechtssein, wie übrigens Sommerfeld selbst andeutet[3], als eine Art Beziehungsbotschaft (à la Watzlawick) kleingearbeitet werden kann und also gar kein Ernstnehmen und Widerlegen der Inhaltsbotschaft, wie im Vorhergehenden versucht, erfordert.

Ist noch was, Doc? Ach ja, natürlich, die Frage: Gibt es eigentlich noch echte, will sagen: „normale“ Rechte? Oder sind sie alle ver-rückt?

Ich möchte meine Solidarität mit Helmut Lethen nicht schuldig bleiben. Ich jedenfalls hätte vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten, Auffassungen wie jene Caroline Sommerfelds in einem Schwarzbuch Neue / Alte Rechte (vgl. Niemeyer 2021: 135 ff.) notieren zu müssen. Schlimmer: Ich hätte nie für möglich gehalten, ein Buch wie jenes schreiben zu müssen, dies zumal nicht damals, in den 1960er Jahren, als wir, meine Generation inklusive jener der etwas älteren Lethens, uns noch umstellt sahen von (gewesenen?) Nazis aller Couleur, sei es zu Hause, sei es in der Schule, sei es in der Jugendbildungsarbeit oder eben in der Politik. Und die nun plötzlich hoch gehandelt werden, etwa durch den eigentlichen neu-rechten Chefideologen Karlheinz Weißmann, einen offenbar nicht zureichend ausgelasteten Studienrat, der ein ganzes Heer von Ewiggestrigen oder bisher seiner resp. ihrer Meinung nach nicht hinreichend Beachteten nach oben spülte, als da wären, ausweislich der Tabula Gratulatorum (vgl. Stein 2019: 295 ff.) in der anlässlich seines 60. Geburtstages aufs Gleis gesetzten, von Dieter Stein, Chef des neu-rechten Sprachrohrs Junge Freiheit herausgegebenen Festschrift: Der Freiburger Historiker Hans Fenske oder sein Zunft- und Gesinnungsgenosse Stefan Scheil, hinzugerechnet den, für welchen  dieser gerne mal ein Vorwort schreibt, nämlich für den NPD-nahen Historiker Dirk Bavendamm, seit 2006 Schwiegervater des Militärhistorikers Sönke Neitzel, will sagen: Steht hier womöglich der nächste Familienskandal ante portas, diesmal ausgehend von Neitzels Frau Gundula Bavendamm, die aktuell (vgl. Werneburg 2021) als Direktorin der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ kein Problem darin sah, ausgerechnet ihren Vater zwischen 2012 und 2016 mit Archivarbeiten zu einem Thema beauftragt zu haben, zu dem er eine klar ablehnende, in der Vokabel „US-Siegerjustiz“ zum Ausdruck gelangende Haltung einnahm?

Wir wissen es nicht, müssen im Übrigen gar nicht in die Ferne schweifen, hin nach Wien, zum Paar Sommerfeld/Lethen – liegt doch das Schlechte dem Nietzscheforscher so nahe, hinzugerechnet die Abrechnung des Gudrun-Ensslin-Gatten Bernward Vesper mit seinem Nazi-Vater Will Vesper (vgl. Niemeyer 2015: 207 ff.) oder jene von Norwin Dwinger mit dem seinen, dem völkischen Schriftsteller Edwin Erich Dwinger (vgl. Niemeyer 2013: 156 ff.), dem uns aktuell Erik Lehnert als neue Neu-Rechts-Ikone andienen will, im Verein mit dem offenbar völlig enthemmten Verleger Götz Kubitschek. Himmel, hilf! Und gib‘ Frank Lisson wenigstens so viel Verstand, dass er endlich den Fall Nietzsche versteht: Der Sohn – so könnte man oberflächlich wähnen – wird Antichrist aus Wut über den vom lieben Gott zugelassenen frühen Tod seines Vaters, eines ihm als untadelig (ha! ha!) vorgestellten Pastors. Um dessen düsteres Geheimnis allenfalls ahnend, verschlingt er in der Folge mit der unersättlichen Gier eines früh Enttäuschten einen Ersatzvater nach dem anderen, um schließlich dem letzten in dieser Reihe, Richard Wagner, dem er zunächst durch Übernahme seiner völkischen Ideologeme geschmeichelt hatte, Schritt für Schritt nach allen Regeln der Kunst des gehobenen Vatermordes den Garaus zu machen, indem er zum Gegenteil des von diesem Verehrten, nämlich dem Anti-Antisemitismus, konvertiert. (vgl. Niemeyer 2021: 538 ff.)

Nicht schlecht auch Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die, so wurde zur neu-rechten Thematisierung Nils Wegners zur Göring-Ikone Rudolf Berthold auf haGalil vom 8. März 2021 diskutiert (vgl. auch Niemeyer 2021: 407 ff.), nur deswegen zur Rechten mutierte und einen Ultrarechten heiratete, weil sie unter der Größe ihres Bruders litt (den sie schließlich den Nazis zum Fraß vorwarf). Weiter im Text, mit Siebenmeilenstiefeln, ganz dicht heran an Wien: Ist Gabriele Kuby nur rechts, weil ihr Vater Erich Kuby links war? Und Erik Lehnert eben dies nur deswegen, weil er sich an der Vorstellung weidet, seinen Ziehvater Rudolf Bahro sel. könne dies freuen? Und ist Richard Sarrazin nur deswegen Hartz-IV-Empfänger, weil er seinen Vater Thilo Sarrazin ärgern will? Und ist Dorothea Gauland nur deswegen linke Pastorin, weil sie sich ihres Vaters Alexander Gauland schämt?

Worauf ich hinauswill? Natürlich nicht auf Küchenpsychologie, sondern auf die kleine, aber die AfD-Wähler*innen, zumal die Maskenverweigerer*innen unter ihnen, zutiefst schmerzende Wahrheit: Jeder Mensch trägt eine Maske! Traue also keinem, der sagt, er sei eigentlich gar nicht rechts – traue aber auch keinem, der Dir schwört, er sei zutiefst rechts! Traue niemandem, nur Deiner Psychoanalytikerin – es kann übrigens auch ein Mann sein oder ein Computer –, die/der/das Dir erklären wird, wer genau an Dir schuld ist und ab wann Du Dein Wahlrecht als zur Mündigkeit Gekommener vermutlich wieder ausüben darfst. Und, um dies nicht zu vergessen: Himmel hilf! Auch Caroline Sommerfeld: Nein, es waren nicht die Alliierten, die nach 1945 zwecks Schwächung der Deutschen als einer konkurrierenden Nation den Nachwuchs lehrten: „Eure Eltern waren Lügner!“ (Sommerfeld 22020: 49) Nein, liebe „Muesli“-Tochter: Der Nachwuchs damals, der ehrliche jedenfalls, wusste es und erfuhr es auf kritische Rückfragen hin, wenn es sein musste, täglich: Die meisten Eltern waren, was die NS-Zeit angeht, Lügner! Und es ist Unsinn – wie Sommerfeld-Intimus Martin Lichtmesz ihr assistiert[4] –, den Linken vorzuwerfen, sie hätten die Elterngeneration damals mit Schuldvorwürfen zuverlässig diskreditiert. Wer so argumentiert, verwechselt Ursache mit Folge oder scheitert, mit Nietzsche geredet, schon an der Grammatik, weil er Activum und Passivum verwechselt.

Deutlicher, und auch dafür hat diese „Ikone der Neuen Rechte“ keinen Blick, will aus politstrategischen Gründen auch keinen haben: Die jüngere deutsche Geschichte, namentlich die Epoche des Nationalsozialismus, war mir (Jg. 1952) noch unmittelbar präsent und leibhaftig erfahrbar, in Gestalt von Ewiggestrigen, auch in Gestalt von Schuldbeladenen, die sich über einige ihrer jungen und gemeinhin besten Jahre schon als zukünftige Herren der Welt sahen – und am Ende bitter erfahren mussten, dass alles nur ein Traum gewesen war, genährt aus Großmannssucht, vor allem aber aus Gewissenlosigkeit. Denn natürlich: Wer damals hätte wissen wollen, hätte es wenn schon nicht wissen, so jedenfalls doch ahnen müssen, dass alles nur gestohlen und geraubt war sowie Stammtischparolen resp. der Propaganda nachgesprochen. Sowie: Wer schon ganz zu Anfang, 1933/34, nicht wirklich wissen wollte, wo die Kommunisten und Gewerkschaftler geblieben waren oder die Behinderten oder schließlich die Juden, darunter die vielen Freiberufler und Zahnärzte, beispielsweise in – um ein mir, auch durch die Forschungsarbeiten von Bernhard Gelderblom (21997; 2015; 2020), recht vertrautes Beispiel zu nennen – der Rattenfängerstadt Hameln an der Weser, stellte sich auch nach 1945 taub und unwillig. Ebenso jene, die nun wie vormals nichts wissen wollten von den vielen Arbeitssklavinnen aus den eroberten Räumen des Ostens, etwa aus der Ukraine, die nun unter elenden Bedingungen in der Hamelner Rüstungsindustrie die Tötungsmaschinen zusammenschrauben mussten, die den Völkern weltweit den Tod bringen sollten. Kurz: Wir, meine Generation der Nachgeborenen, nicht ein jeder, aber doch sehr viele, wussten zwar nicht alles über derlei NS-Verbrechen, aber doch sehr viel, und wir wussten oder mussten es im schlimmsten Fall am Beispiel unserer Eltern studieren, wie viel Verleugnung dazu gehörte, um all dies für nicht berichtenswert zu erklären.

Abschließend, und nun die Frage vieler nicht neu-rechter Eltern unter den Leser*innen dieses Aufsatzes einbeziehend, wie der von ihnen notierten (Rechts-) Devianz ihrer Kinder begegnet werden kann und welches Zeichen die anhebende Verhärtung gegenüber den Anderen und zumal Andersfarbigen (vom Ende her gesehen: das erwähnte N-Wort Sommerfelds), auf Seiten des bis dato so Kindlichen zukommt. Meine Antwort als die eines Sozialpädagogen wäre: Aller sozialpädagogischer Erfahrung aus der einschlägigen, mindestens 250 Jahre zurückreichenden Theoriegeschichte dieses Faches zufolge gibt alt- resp. neu-rechtes Denken wie dieses und damit auch jenes à la Sommerfeld, wie eigentlich jegliches von der Mehrheitsgesellschaft aufgrund der menschenverachtenden Züge desselben unter dem Diktum der ‚Political Correctness‘ in Bann getanes Denken plus Verhalten, Zeugnis dafür, dass da jemand die Verlässlichkeit der Beziehung zu seinen Nächsten testen will, also dringend und aus welchen Gründen auch immer in Erfahrung bringen muss, ob er noch geliebt wird. Deswegen stellen sich Zehnjährige in der Badewanne tot oder auf Schulversager um, sprechen Dreizehnjährige plötzlich all dem zuwider, was dem Vater geheiligt scheint – und geraten Vierzigjährige hin und wieder in die Not, Vergleichbares mit Blick auf den Ehegatten inszenieren zu müssen.

Abgerechnet die Fälle jener, die einfach nur so rechts sind oder weil sie sich Vorteile davon versprechen und/oder weil es ihnen ein Vergnügen ist, nicht gemocht zu werden. Aber über Fälle wie diese – Erik Lehnert etwa – sei andernorts gehandelt.

 

Prof. Dr. Christian Niemeyer, Erziehungswissenschaftler und Psychologe, Jg. 1952, geb. in Hameln, Prof. (i.R.; seit 2017) f. Sozialpädagogik an der TU Dresden (ab 1992), davor FU Berlin (1988-92), geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik (seit 2002), Nietzscheforscher, zahlreiche Bücher, für August 2021 ist angekündigt: Schwarzbuch Neue / Alte Rechte. Glossen, Essays, Lexikon (= Bildung nach Auschwitz, Bd. 1), mit Online-Material. 796 S., 39,95 Euro, Weinheim Basel. Der hier vorgelegte Essay wurde entwickelt aus Prolog Nr. 15 dieses Buches, S. 135-149.

Foto: Caroline Sommerfeld, (c) Nexus Institute, CC BY 3.0 / Helmut Lethen, (c) Amrei-Marie, CC BY-SA 4.0

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[1]Für H., meinen Felsen, der mich hält und an dem ich mir den Dickschädel einrenne.“ (Lichtmesz/Sommerfeld 32019: 14)
[2] Statt Brechts Satz, wie es angemessen wäre, zwecks Erläuterung der Wiederkehr nationalsozialistischer Gesinnung beizuziehen, suggeriert Maaz, fraglos zielgerichtet provozierend und (s)eine dominierend neu-rechts orientierte Leserschaft mit DDR-Sozialisationserfahrung in Rechnung stellend, Brecht habe mit jenem „Schoß“ jene „frühkindliche Selbst-Entfremdung“ gemeint, die sich im Erwachsenenalter zu einer wichtigen Prämisse „einer demokratiefeindlichen Spaltung der Gesellschaft entwickelt“ (Maaz 2020: 183) – Vokabeln, die auf niemand anderen zielen als auf die amtierende Kanzlerin. Kurz: Dass ‚das‘ im Brecht’schen Satzteil „…aus dem das kroch!“ ist laut Maaz zu übersetzen mit: Angela Merkel – eine Botschaft, angesichts derer mir Maaz’ Bemühen um Unterkunft unter dem Dach des angeblichen Toleranzgewährers Voltaire irgendwie dann doch wieder verständlich scheint, etwa in Gestalt der Variante: „Im Schutz der Psychotherapie ist es dem Menschen erlaubt und sogar geboten, alles zu sagen, um Krankheit und Gewalt zu verhindern.“ (ebd.: 194)
[3] Etwa dort, wo sie am Rande die Frage notiert, „ob unter der Oberfläche nicht ganz andere Sentiments und Ressentiments wirksam sind, die in Wahrheit mit ‚Politik‘ an sich nur wenig zu tun haben: Eifersucht, Rivalitäten, Vertrauenskrisen, Statusspiele, private Probleme, die sich auf ‚das Politische‘ projizieren…“ (Lichtmesz/Sommerfeld 32019: 236) Säße ich jetzt in Wien, etwa in der Berggasse 19, würde ich glatt zum Hörer greifen mit einer Nachricht via Antaios, Schnellroda, des Inhalts: „Bitte die Restexemplare aller Sommerfeld-Titel makulieren, die Sache läuft schwer gegen euch!“
[4] Peinlich in diesem Zusammenhang (auch für Lethen), was Sommerfeld 2018 öffentlich macht: Eine Bekannte habe vermutet, ihre Rechtswende erkläre sich damit, dass ihr „der Lichtmesz“ die Augen verdrehte, woraufhin im Druckmanuskript die Korrektur, wohl aus ihrer Hand, folgt: „nein, nicht der Lichtmesz, sondern ein früherer Kollege“ (Sommerfeld 2018: 70), was man wohl, vom Methodologischen her, übersetzen darf mit der auch von ihr gelegentlich beigezogenen 68er Parole: „Das Private ist politisch!“ Das Problem ist nur: Als dezidierte Anti-68erin hat Sommerfeld kein Recht auf diese Parole – und also auch nicht auf den Schutz, den sie bietet!