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Rose Ausländers Leben im Wort

Eine Graphic Novel zur großen Lyrikerin aus Czernowitz

Von Christel Wollmann-Fiedler

Nun halte ich das Büchlein in der Hand, auf das ich sehnlichst gewartet habe und sehr gespannt bin. Rose Ausländers Leben als „Graphic Novel“? Rose als Comic? Ich blättere und blättere, sehe gute künstlerische graphische Darstellungen, ideenreich aufgebaut, ideenreich auch die farbliche Zusammenstellung. Das in Weiß gekleidete Mädchen, die kleine Rose in Czernowitz, ist ein regelrechter Blickfang, springt übermütig aus dem Bild, auch, wenn der Anlass, das Flitzen damals, fast daneben gegangen wäre. Die Käfer krabbeln durchs Buch, die Blüten erheitern die gesamte Szenerie, schließlich wird Rose eine Dichterin. Der Koffer ihres Lebens steht gepackt bereit fürs ruhelose Dasein und der Reiseleidenschaft. Oxana Matiychuk, die Autorin fasst sich kurz, prägnant erzählt sie zwischen all den Comics das Leben dieser ihr sehr vertrauten Lyrikerin. „Rose Ausländers Leben erscheint wie eine unglaubliche Geschichte. So viel hat sie durchgemacht!“ O.M.

Menschen lernt Rose kennen, verliebt sich und verliert sie wieder, verehrt andere, ereignisreich ist ihr Leben. Mit freundlicher Mimik tauchen die Personen auf, inmitten der krabbelnden und blühenden Natur. Eine graphische Meisterleistung, grandios illustriert, von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko, der Graphikerin und dem Graphiker aus Kiew . Der Koffer schwebt von Seite zu Seite, begleitet die Dichterin Rose Ausländer aus dem Buchenland in die Neue Welt, zurück in die Bukowina, der Heimat und wieder nach New York, dann zurück nach und durch Europa bis an den Rhein, nach Düsseldorf für immer.

„Aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 wird die Nordbukowina Teil der Sowjetunion“ O.M., jüdische Bewohner und so manch andere ungeliebte werden nach Sibirien deportiert. „Kurz nachdem Hitlerdeutschland die Sowjetunion überfallen hatte, besetzen am 6. Juli 1941 deutsche und rumänische Truppen Czernowitz“.O.M. Das Ghetto wird in der Stadt geschaffen, menschenverachtende Erschießungen am Pruth und auf den Wiesen beginnen, die Todeszüge nach Transnistrien transportieren täglich Juden in die Lager, aus denen die Meisten nicht mehr heimkehren. Der Krieg und die Vernichtung der Juden, nimmt Rose die Heimat, die vielgeliebte, die Bukowina, Czernowitz.

In Czernowitz, Foto: C. Wollmann-Fiedler

Friedliche Hügelstadt
von Buchenwäldern umschlossen

Weiden entlang dem Pruth
Flöße und Schwimmer

Maifliederfülle

um die Laternen
tanzen Maikäfer
ihren Tod

Vier Sprachen
verständigen sich
verwöhnen die Luft

Bis Bomben fielen
atmete glücklich
die Stadt

(Czernowitz vor dem Zweiten Weltkrieg)

Oxana Matiychuk ist heiter mit „ihrer“ Rose unterwegs bis an die Donau. Dort gelingt danubebooks ein zauberhaftes Buch, ein ComicBuch zum Durchblättern und Bewundern, zum Lesen und Staunen über das intensive Leben der Rose Ausländer, der Lyrikerin. Die Gedichte von Rose werden hier und dort eingefügt und geben einen Eindruck ihrer Sehnsüchte.

„Der Traum lebt mein Leben zu Ende“ R.A.

Interessierte, junge und alte, werden mitgenommen auf die Lebensreise der berühmten Lyrikerin Rose Ausländer, die am 11. Mai 1901 in Czernowitz geboren wurde und am 3. Januar 1988 in Düsseldorf starb. In diesem Jahr wäre sie 120 Jahre alt geworden. Das Rose Ausländer-Jahr feiern wir nun mit diesem nicht ganz so herkömmlichen Buch.

Oxana Matiychuk: Rose Ausländers Leben im Wort. Graphic Novel. Mit Illustrationen von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko. 56 S., 16,00 EUR, Bestellen?