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Die Gerechten – Courage ist eine Frage der Entscheidung

Eine Ausstellung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem

Von Georg Schuster

Am 18. Mai 2021 eröffnete Verteidigungsministerin Mag.a Klaudia Tanner die Ausstellung „Die Gerechten – Courage ist eine Frage der Entscheidung“ im HGM in Wien. Die Wanderausstellung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem wurde für den Ausstellungsort adaptiert. Als „Gerechte unter den Völkern“ ehrt der Staat Israel jene Menschen, die während der NS-Zeit unter Lebensgefahr Jüdinnen und Juden retteten. 113 Österreicherinnen und Österreicher tragen diesen Ehrentitel. Über ihre mutigen Taten werden bis zum 1. Oktober im HGM Filme, Fotos, Dokumente, Ausstellungsgegenstände und mehr gezeigt.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, HR Dr. Christian Ortner, dass man trotz schwierigster Corona-bedingter Auflagen am Eröffnungstermin festhalten konnte. Dem HGM sei das Thema besonders wichtig, denn gerade die Retter in Uniform wären heeresgeschichtlich von besonderer Bedeutung. Man könne diese Menschen aber nicht isoliert betrachten. Sie werden in der Ausstellung auch den österreichischen NS-Tätern in Uniform gegenübergestellt.

Es habe viel zu lange gedauert, bis Österreich die volle Verantwortung für seine Geschichte übernommen habe, so Europaministerin Mag.a Karoline Edtstadler in einer Videobotschaft. Es habe auch viel zu lange gedauert klarzumachen, dass Antisemitismus kein jüdisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Die Taten der Gerechten sollten Ansporn sein, gegen Antisemitismus aufzustehen sowie jüdisches Leben in Österreich zu fördern, sichtbar zu machen und zu schützen.

Yad Vashems Direktorin für deutschsprachige Länder, Ruth Ur, sandte ihre Grüße per Video aus Berlin. Der Holocaust als dunkelstes Ereignis der Geschichte habe unfassbare Grausamkeit offenbart. Es gebe aber auch berührende Zeugnisse von Menschlichkeit – zwischen Familien, Freunden, aber auch Fremden, so Ruth Ur. Sie hoffe, dass die Ausstellung alle Herzen so berühre wie ihres.

Kurator Univ.Prof. Dr. Michael John ging detailliert auf die Ausstellung ein und erläuterte, welches Risiko gerade Retter in Uniform auf sich nahmen. Menschen wie Feldwebel Anton Schmid oder SS-Untersturmführer Oswald Bouska bezahlten mit ihrem Leben dafür. Die Lebensretter kamen aber aus allen gesellschaftlichen Schichten. Ihre Motivationen waren in jedem Fall Mitgefühl und Menschlichkeit.

Cokurator Univ.Prof. Dr. Albert Lichtblau vermittelte die Perspektiven von Geretteten. Er schilderte die Geschichte von Dr. Lucia Heilmann, die als Kind gemeinsam mit ihrer Mutter vom Wiener Kunstmaler Reinhold Duschka versteckt wurde. Die beiden mussten monatelang bei absoluter Stille in einem Kohlenkeller ausharren, das Kind verstummte in dieser angsterfüllten Zeit.

In einer Videoeinspielung kam Dr. Lucia Heilmann selbst zu Wort. Die Ärztin schilderte ihre Eindrücke von Finsternis und Anspannung. Sie denke mit Schrecken daran zurück, so Heilmann, die ihrem Retter aber zutiefst dankbar ist.

Mit der Sonderausstellung leiste der Verein Österreichische Freunde von Yad Vashem einen dreifachen Dienst an der Gesellschaft, so Verteidigungsministerin Mag.a Klaudia Tanner in ihrer Eröffnungsrede. Erstens zeige die Ausstellung, dass es auch nichtjüdische Österreicherinnen und Österreicher gab, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens geholfen haben. Sie mussten einsame und häufig lebensgefährliche Entscheidungen treffen – ohne zu wissen, was die Zukunft bringen würde. Zweitens rufe der Verein auf, nicht zu vergessen, so Tanner. Es sei Pflicht, die Erinnerung an jene Menschen wach zu halten, die ihrer Freiheit, ihrer Würde oder ihres Lebens beraubt wurden. Drittens rufe die Ausstellung dazu auf, Courage zu zeigen. Auch jetzt würden Menschen gebraucht, die Unrecht nicht einfach ignorieren, sondern den Mut und das Rückgrat aufbringen, etwas dagegen zu unternehmen. Durch die Wehrpflicht kämen beim Österreichischen Bundesheer Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen. Daher sei die Vermittlung der Themen dieser Ausstellung besonders für Soldatinnen und Soldaten wichtig. Sie seien diejenigen, die unser Land im Ernstfall verteidigen und unsere demokratischen Werte schützen müssen, so Tanner. Sie warb für einen regen Besuch der Ausstellung.

Im Namen des Vereines Österreichische Freunde von Yad Vashem erläuterten Günther und Ulrike Schuster den Aufbau der Ausstellung. Vorsitzender Günther Schuster dankte zudem dem Heeresgeschichtlichen Museum für die engagierte Umsetzung.

Die Eröffnung, die Corona-bedingt gänzlich ohne Publikum stattfinden musste, wurde von der Gardemusik Wien musikalisch eindrucksvoll umrahmt. Eine Videoaufzeichnung ist online verfügbar