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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. April 2021…

Fr., 16. Apr · 09:50 · arte
Göring, Brueghel und die Shoah – Die Blutspur der NS-Raubkunst

Ein Dokument, das lange im Archiv des französischen Außenministeriums lagerte, kam im Jahr 2015 an die Öffentlichkeit: Der sogenannte Göring-Katalog enthält das komplette Verzeichnis der Gemälde, die Hermann Göring in seiner Villa Carinhall in der Nähe von Berlin aufbewahrte. Der Katalog gibt Einblicke in die Sammlung, die fast noch größer war als die von Adolf Hitler, bestimmt für das sogenannte Führermuseum in Linz. Er enthält die Namen der Nazi-Größen, die an dem groß angelegten Kunstraub beteiligt waren.Hermann Göring sammelte mit Besessenheit Kunst. Er gefiel sich in der Rolle des Renaissancefürsten, der Kunstmäzen und Kriegsherr gleichzeitig ist. Im Zuge seiner Raubzüge durch das besetzte und unterdrückte Europa ließ er unzählige wertvolle Werke zusammentragen, darunter Bilder bedeutender flämischer Maler des 17. Jahrhunderts, deutscher Künstler des 16. Jahrhunderts sowie klassische französische und italienische Kunst.Bei Kriegsende ließ Göring sein Anwesen Carinhall sprengen. Amerikanische Truppen fanden aber einen Teil dieser Kunstschätze wieder, zum Teil in einem Güterzug in Berchtesgaden. Die französische Regierung bemühte sich daraufhin, die in Frankreich geraubten Werke zurückzuholen. Rose Valland, Konservatorin im Musée du Jeu de Paume, setzte sich neben den Monument Men unermüdlich für diese Recherchearbeiten ein.Der Dokumentarfilm erzählt anhand des Inventars der geraubten Kunstwerke die Geschichte des Aufbaus der Sammlung sowie die nach dem Krieg eingeleitete Suche nach den Eigentümern. Bis heute wurden noch nicht alle Eigentümer gefunden. Die Nachkommen der betroffenen jüdischen Familien kämpften – bisweilen vergeblich – um Entschädigung.

Sa., 17. Apr · 01:00-01:45 · BR
Saboteure im Eis 1/6

Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen. Der Norwegische Professor und Reserveoffizier Leif Tronstad, der bereits selbst als Wissenschaftler bei Norsk Hydro gearbeitet hat, ahnt den Grund für das deutsche Interesse am schweren Wasser. Er versucht, die Norsk Hydro zu warnen, die unter dramatischen Bedingungen das schwere Wasser nach Frankreich verschickt. Ein aufwendiges Ablenkungsmanöver wird eingeleitet. Das Flugzeug, in dem sich angeblich die wertvolle Fracht befindet, wird schließlich von deutschen Kampfflugzeugen über Hamburg zur Landung gezwungen. Im April 1940 besetzt Deutschland Norwegen und befiehlt eine Verdoppelung der Produktion von schwerem Wasser. Tronstad flieht nach England und warnt die Alliierten vor dem seiner Meinung nach geplanten Bau einer deutschen Atombombe. Die von Kritikern hochgelobte norwegisch-britische Koproduktion wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und sorgte in ihrem Heimatland Norwegen für einen Quotenrekord.

Sa., 17. Apr · 05:15-06:00 · NDR
DAS!

Den Namen ihres Großvaters, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, kennen in Deutschland alle, die an Geschichte interessiert sind. Sophie von Bechtolsheim, geborene von Stauffenberg, legte vor zwei Jahren in einer Stauffenberg-Biografie ihre eigene Sicht auf den Mann dar, der am 20. Juli 1944 versuchte, Hitler zu töten. Nach der Veröffentlichung ihres Bestsellerbuches „Mein Großvater war kein Attentäter“ hatten sehr viele Leserinnen und Leser den Kontakt zur Autorin gesucht. Mit zwölf ausgewählten Personen aus diesem Kreis führte sie dann ausführliche Gespräche, deren spannende Geschichten jetzt in ihr neues Buch Eingang gefunden haben, der Titel: „Stauffenberg. Folgen. Zwölf Begegnungen mit der Geschichte“. Sophie von Bechtolsheim ist in Oberbayern und Franken aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet vor allem als Künstlerin und Mediatorin. Ihren am 21. Juli 1944 von den Nazis hingerichteten Großvater Claus Schenk Graf von Stauffenberg konnte die studierte Historikerin freilich nicht kennenlernen. Ihre Biografie über ihn im Rahmen der Stauffenberg’schen Familiengeschichte erregte 2019 großes Interesse. Ihr Fazit: Stauffenberg wollte damals nicht das Attentat, er wollte den Umsturz der politischen Ordnung. Sophie von Bechtolsheim erzählt bei „DAS!“ von der spannenden Recherche auf den Spuren des Lebens ihres Großvaters und von neuen Perspektiven durch die Reaktionen auf ihre Biografie.

Sa., 17. Apr · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig: Ulf Nguyen

Ulf Nguyen ist Konvertit. In diesem Frühjahr prüft ein Rabbbinatsgericht, ob er – der evangelisch Getaufte – zum Judentum übertreten darf. Täglich lernt er für diese Aufnahmeprüfung. Seine Lehrer sind Rabbiner. Zu konvertieren ist nicht einfach, das Judentum legt viele Pflichten auf. Nicht nur die der Beschneidung. Der Neuling muss Hebräisch lernen, die Essensgewohnheiten ändern, streng nach Traditionen leben. Das verlangt Durchhaltevermögen. Der 50-jährige, der im sächsischen Pirna wohnt, will ein neues Leben. Bis 2013 leitete er hier einen kleinen Holzbaubetrieb. Dann kam das Elbe-Hochwasser und mit ihm Nguyens Insolvenz. Eine Scheidung folgte, er geriet in eine Lebenskrise. Kurz darauf besuchte er das erste Mal eine Synagoge. Ein jüdischer Freund hatte ihn dazu inspiriert. Ulf Nguyen erinnert sich: Der Gottesdienst, die intellektuellen Gespräche, der gute Kontakt zum Rabbi, das hat mir gefallen und so bin ich da reingewachsen. Vielleicht ist das auch meine provokante Seite, gerade jetzt – in dieser komisch unsicheren Zeit – Jude werden zu wollen. Antisemitismus ist ein Thema. Ulf Nguyen setzt auf Toleranz und Vielfalt. Seine (fünf) Kinder und auch die Exfrau stehen zu ihm und unterstützen seinen Weg.

Sa., 17. Apr · 20:15-21:50 · ARD-alpha
Der Staat gegen Fritz Bauer

Ende der 1950er-Jahre will der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer den in Argentinien untergetauchten Deportationsexperten des „Dritten Reiches“, Adolf Eichmann, in Deutschland vor Gericht stellen. Da die deutschen Behörden von ehemaligen Nationalsozialisten durchsetzt sind, wendet er sich an den israelischen Geheimdienst Mossad, und begeht damit Landesverrat. Für den Juden Bauer geht es dabei nicht um Rache für den Holocaust, es geht ihm um die Zukunft Deutschlands, das in seiner Depression ebenso zu versinken droht wie Bauer selbst.

So., 18. Apr · 06:15-07:45 · HR
Carl Laemmle – Ein Leben wie im Kino

Nach dem Tod der Mutter gibt es für Carl Laemmle, einen armen jüdischen Jungen aus dem schwäbischen Laupheim, kein Halten mehr: Er entflieht der oberschwäbischen Provinz und wandert nach Amerika aus. Dort macht er eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Er kauft eine Hühnerfarm bei Los Angeles und gründet dort Universal Pictures. Dies ist die Geburtsstunde von Hollywood. Carl Laemmle ist der erste, der die Bedeutung von Leinwandstars für das Kino entdeckt. Filmklassiker wie „Dracula“ oder „Frankenstein“ werden in seinem Studio gedreht, aber auch Meilensteine der Kinogeschichte wie „Im Westen nichts Neues“. Laemmle ist ein fleißiger Schaffer und Strippenzieher, aber auch ein Spieler. Als Universal in die Krise gerät, setzt Lämmle alles auf eine Karte – und verliert. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Carl Laemmle in den folgenden Jahren Hunderte von deutschen Juden vor den Nazis rettet. Er übernimmt Bürgerschaften und sorgt dafür, dass diese Menschen nach Amerika ausreisen dürfen. Die Dokumentation ist eine bewegende Spurensuche an Originalschauplätzen. Wie erinnert seine Heimatstadt Laupheim an den großen Sohn? Welche Rolle spielt Laemmle tatsächlich für das große Kino und was ist von ihm in Hollywood geblieben? Experten äußern sich zu seinen bahnbrechenden Filmen. Seine Nachfahren sammeln heute noch in den USA alles, was an Spuren zu finden ist. Und Sandy Einstein aus der Nähe von San Franzisco, Sohn eines jüdischen Auswanderers, sagt: „Ohne Carl Laemmle wäre meine Familie ausgelöscht worden.“

So., 18. Apr · 09:50-10:20 · SWR
Menschen unter uns: Ich bin doch kein Rassist! Oder?

Kaum jemand würde von sich selbst behaupten, er oder sie sei rassistisch. Aber woher kommt dann all der Rassismus, der gerade weltweit zu Recht beklagt wird? Sind Rassistinnen und Rassisten immer nur „die anderen“? Oder kann es sein, dass in den allermeisten Menschen rassistische Gedanken schlummern? Wo genau fängt der eigene (Alltags-)Rassismus an? Schon bei der interessierten Frage an den neuen schwarzen Kolleginnen und Kollegen: „Kommen deine Eltern aus Afrika?“. Oder ist das eine völlig unproblematische Frage? Und: Ist man rassistisch, weil man seine Wohnung nicht an „Ausländer*innen“ vermieten will? Wie wird man solche … Kaum jemand würde von sich selbst behaupten, er oder sie sei rassistisch. Aber woher kommt dann all der Rassismus, der gerade weltweit zu Recht beklagt wird? Sind Rassisten immer nur „die Anderen“? Oder kann es sein, dass in den allermeisten von uns rassistische Gedanken schlummern? Und wo genau fängt dieser eigene (Alltags-)Rassismus an? Schon bei der interessierten Frage an den neuen schwarzen Kollegen: „Kommen deine Eltern aus Afrika?“ Oder ist das eine völlig unproblematische Frage? Und: Bin ich rassistisch, nur weil ich meine Wohnung nicht an einen „Ausländer“ vermieten will? Und wie werden wir unsere erlernten rassistischen Sichtweisen wieder los? Zusammen mit seiner schwarzen Kollegin Anne Chebu begibt sich der weiße Reporter Philipp Engel auf die Suche nach Antworten. Dabei müssen beide feststellen: Auch sie selbst sind nicht frei von rassistischen Stereotypen.

So., 18. Apr · 16:55-17:30 · arte
Twist: Identitätsdebatte – Der Kampf um Sichtbarkeit

Mittenrein in die Identitätsdebatte der Linken und Linksliberalen platzte in Deutschland der Aufruf #ActOut, unterschrieben von 185 SchauspielerInnen, in dem mehr Diversität und Sichtbarkeit auf der Bühne und im Film gefordert wird. Nach Veröffentlichung des Aufrufs hat sich die Diskussion zunehmend polarisiert. „TWIST“ spricht über #ActOut unter anderem mit dem Theater-Intendanten Milo Rau. Um mehr Sichtbarkeit und Teilhabe von behinderten Menschen kämpft das inklusive Tanzensemble „Szene 2wei“ seit Jahren. „TWIST“ hat die Kompanie bei Proben getroffen. Gleichberechtigung und Gleichheit fordert auch die französische Autorin Caroline Fourest, eine entschiedene Gegnerin der Identitätspolitik. „TWIST“-Moderatorin Romy Straßenburg interviewt die streitbare Feministin, deren Buch „Generation beleidigt“ vor kurzem auch auf Deutsch erschienen ist. Die Politologin Emilia Roig hingegen hat Verständnis für die Forderungen der identitär bewegten Linken. Seit 2005 lebt die Französin in Berlin und hat hier das Center for Intersectional Justice gegründet. In ihrem aktuellen Buch „Why we matter“ plädiert sie für notwendige Perspektivwechsel. Das weltbekannte Künstlerduo Gilbert & George setzt sich bereits seit den 70er Jahren für die queere Community ein. Die Frankfurter Kunsthalle Schirn zeigt aktuell eine große Retrospektive ihres Schaffens. „TWIST“ trifft die fast Achtzigjährigen in ihrem Londoner Atelier. Einer, der lange mit seiner Identität gehadert hat, ist Elton John. Mittlerweile scheint er sein Selbst gefunden zu haben. Ein Fall für die satirische Rubrik „Psychogramm auf Instagram“.

So., 18. Apr · 20:15-22:00 · ARD-alpha
Hannah Arendt

Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr wegzudenken. Als die jüdische Philosophin Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat. Im Auftrag der Zeitung „The New Yorker“ reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Als sie 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen, und ist zunächst irritiert. Die geistlose Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie mit dem Titel „Eichmann in Jerusalem“, deren provozierende These von der „Banalität des Bösen“ für weltweite Empörung sorgt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet und angefeindet. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Sie bleibt konsequent bei ihrer Haltung, kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt aber auch zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen).

So., 18. Apr · 20:15-21:45 · One
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

In Rückblenden erzählt der Film die frühe Lebensgeschichte des 1920 im polnischen WIocIawek geborenen Marcel Reich-Ranicki. Nach seiner Schulzeit in Berlin bleibt ihm als Jude das Studium verwehrt. Im Herbst 1938, wenige Monate nach seinem Abitur, wird er nach Warschau deportiert, 1940 ins Ghetto umgesiedelt, wo er in größter Not auch die Liebe seines Lebens findet: Der Hochzeitstag mit Teophila (genannt ‚Tosia‘) fällt zusammen mit dem Beginn der Räumung des Ghettos. Marcels Eltern, sein Bruder und Tosias Mutter werden in die Vernichtungslager deportiert. Im Februar 1943 gelingt Marcel mit seiner Frau die Flucht aus dem Ghetto in den Warschauer Untergrund. In den 50er Jahren entschließen sich beide zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie gehen in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Marcel Reich-Ranicki wird der deutsche ‚Kritiker-Papst‘. Die Liebe zur deutschen Sprache und Literatur ist ihm trotz allem geblieben.

Mo., 19. Apr · 01:15-03:45 · HR
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß hingegen kaum noch jemand: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL-AL-Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagsserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair-Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach einer Antwort auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der siebziger Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“, das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum Deutschland die Täter bereitwillig ohne Strafe abschob. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?

Mo., 19. Apr · 19:15-19:30 · ARD-alpha
RESPEKT kompakt: LGBTQI* – (k)ein Problem mit sexueller Vielfalt?

LGBTQI*: Die Abkürzung bezeichnet Menschen, für die das althergebrachte Mann-Frau-Schema nicht passt. Sie sind lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intersexuell… – und in der Gesellschaft selbstverständlich akzeptiert, oder? Leider nicht! Sie erfahren Diskriminierung, Hass und Gewalt. RESPEKT erkundet, wie es Menschen geht, deren sexuelle Orientierung nicht den Vorstellungen der Mehrheit entspricht und wie sie sich wehren können.

Mi., 21. Apr · 00:00-01:25 · NDR
Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto

Es ist eine der bemerkenswertesten und bislang unerzählten Geschichten des Holocaust: Der junge couragierte Historiker Emanuel Ringelblum initiierte und leitete im Warschauer Ghetto ein Untergrundarchiv. Dort wurden Tagebücher und Fotos, NS-Verordnungen und jiddische Poesie gesammelte und vergraben, um der Nachwelt ein authentisches Zeugnis zu geben vom Leben im Ghetto und den Verbrechen der NS-Besatzer. Seit 1999 ist das Ghettoarchiv Weltdokumentenerbe der UNESCO. Es ist eine der bemerkenswertesten und bislang unerzählten Geschichten des Holocaust: Die Geschichte des jungen couragierten Historikers Emanuel Ringelblum, der im Warschauer Getto ein Untergrundarchiv initiierte und leitete, in dem Tagebücher und Fotos, NS-Verordnungen und jiddische Poesie gesammelt und vergraben wurden, um der Nachwelt ein authentisches Zeugnis zu geben vom Leben im Getto und den Verbrechen der NS-Besatzer. Seit 1999 sind die Archive des Warschauer Gettos Weltdokumentenerbe der UNESCO. Wer schreibt unsere Geschichte? Wie können wir sicherstellen, dass unsere Erlebnisse, unsere Traditionen, unser Leid durch unsere eigenen Zeugnisse und nicht nur aus der menschenverachtenden Perspektive der Nazis überliefert werden? Getrieben von diesen Fragen und Motiven haben Emanuel Ringelblum und seine rund 60 Mitstreiter über Jahre hinweg ein Geheimarchiv betrieben und gefüllt. Der Film von Roberta Grossman erzählt von der Entstehungsgeschichte des Untergrundarchivs, über die Räumung des Gettos bis zum Auffinden der vergrabenen Dokumente nach dem Krieg. Mit aufwendigen Spielszenen, zeithistorischen Aufnahmen, renommierten internationalen Experten und vielfältigen Auszügen aus den überlieferten Tagebüchern werden das alltägliche Leiden im Getto, der Hunger, die Verzweiflung und die leidenschaftliche gemeinsame Arbeit an einer eigenen, jüdischen Überlieferung veranschaulicht. Der Film ist eine große internationale Koproduktion und unter Beteiligung des NDR in Zusammenarbeit mit Arte entstanden.

Mi., 21. Apr · 06:30-07:00 · arte
Square für Künstler – Carte Blanche für Alexandre Arcady

Im Januar 2020 reiste der französische Filmregisseur Alexandre Arcady in Begleitung des Staatspräsidenten zum 75. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz nach Israel. Dort besuchte er den Jerusalemer Friedhof, auf dem zehn der elf Opfer der seit 2006 in Frankreich begangenen antisemitischen Morde begraben sind.Diese Reise und der Anblick der Gräber veranlasste den Regisseur dazu, diesen Film zu drehen, damit die Opfer des mörderischen Antisemitismus nie vergessen werden.Seine Dokumentation ist eine Hommage an alle Opfer des Terrorismus, in der der Schauspieler Richard Berry das Plädoyer von Maitre Ouaknine Melki während des Prozesses zu den Anschlägen im Januar 2015 rezitiert. Alexandre Arcady führt in seinem Film vor Augen, wie der Antisemitismus sich heute zeigt.

Mi., 21. Apr · 20:15-21:05 · 3sat
Männlich, Weiblich, Trans* – Was heißt schon Geschlecht?“

Unter Jugendlichen ist die Zahl der Mädchen, die sich als Junge fühlen, weit höher als umgekehrt. Viele wünschen sich eine Hormonbehandlung vor der Pubertät. Wie schwierig der Weg der Geschlechtsangleichung ist und wie man bürokratische Hürden überwindet, darüber berichten junge Transmenschen auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Youtube. Manche Beobachter orten darin gar einen Trend. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind Transmenschen nach wie vor eine besonders verletzliche Gruppe. „Es waren früher nicht weniger Patientinnen und Patienten, sondern wir haben es nur nicht gesehen. Jetzt wird es deutlicher. Und natürlich auch durch die mediale Aufmerksamkeit, die das Ganze derzeit bekommt“, meint Mick van Trotsenburg. Der Gynäkologe gilt als Pionier der Transgender-Medizin und leitete das „Transgender Kompetenzzentrum“ in Amsterdam. Heute kann die Pubertät mit einer Hormonbehandlung unterbrochen werden, was eine spätere Geschlechtsangleichung erleichtert. Für manche ist das eine große psychische Entlastung, aber es gibt auch solche, die diesen irreversiblen Schritt bereuen. Und dann gibt es viele, die sich dafür einsetzen, Geschlechtergrenzen als „Spektrum“ mit individuellen Schattierungen zu verstehen. Der „Regenbogen“ hat mit Kerstin Ott einen prominenten Platz in der Schlagerwelt gefunden. Diese sei eben nicht so konservativ, wie manche vielleicht glauben, sagt Ott stolz über ihre Fangemeinde. Die Sängerin ist offen lesbisch und verheiratet. Bei der Fernsehshow „Let’s Dance“ war ihre Tanzpartnerin eine Frau, sie selbst ist im Anzug aufgetreten. Ist „Diversity“ als Vielfalt also im Mainstream angekommen? Oder handelt es sich bloß um ein Etikett, mit dem sich Firmen ihr Image aufpolieren? So gibt es bereits genderneutrale Unterwäsche, und eine bekannte Limonade lässt sich zu einer einmaligen Sonderedition mit Genderstern hinreißen. „Firmen wissen, dass sie eine bestimmte Klientel hinter sich haben, wenn sie sich jetzt als queerfreundlich geben. Das ist einfach Opportunismus“, konstatiert Kabarettistin Lisa Eckhart. Die junge Grazerin tritt radikal sexy vor ihr Publikum und verrät, dass sie sich als Kind eine Zeitlang eher als Junge gefühlt hat. Ihr Vorbild: der faule Willy aus „Biene Maja“. Danny hingegen hat sich schon immer als Mann gefühlt. Mit Einsetzen der Menstruation und seinem Brustwachstum konnte er nicht sofort handeln. Erst nach seiner Schulzeit hat er mit Testosteron begonnen. Offen und mit Humor berichtet er auf TikTok und Instagram über seinen Weg zum „richtigen“ Mann. Doch was ist schon ein richtiger Mann? Die Frage beantwortet der Journalist Malcolm Ohanwe, der sich mit Identität und Rassismus sowie toxischer Männlichkeit beschäftigt.

Fr., 23. Apr · 23:30-00:00 · WDR
Freitagnacht Jews

Der jüdische Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy ist Gastgeber dieses neuen Formats. Immer freitags, am Beginn des jüdischen Feiertags Schabbat, begrüßt er einen Gast. Beim gemeinsamen Essen sprechen sie über „ihr“ jüdisches Leben und Erleben. „Freitagnacht Jews“ will etwas erzählen über die Erfahrungen der jungen Jüdinnen und Juden in Deutschland – kontrovers, provokant, aber mit Sinn für Humor. Die Reihe holt das Thema „Jüdisches Leben“ in die Gegenwart und ist ein ganz besonderer Beitrag des WDR zum Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“. Die Auftaktfolge läuft im WDR Fernsehen, alle Folgen gibt’s in der Mediathek und auf YouTube.

Sa., 24. Apr · 23:15-00:00 · PHOENIX
ZDF-History: Unsere Mütter – unsere Großmütter

Waren sie Opfer, Mitläuferinnen oder gar mitschuldig? Private Filmaufnahmen und Tagebücher zeigen das Leben von Frauen im Zweiten Weltkrieg jenseits der NS-Propaganda. Wie sah ihr Alltag damals aus, was hat der Krieg aus ihnen gemacht? Waren Frauen wirklich so angepasst, fügsam und fruchtbar, wie es die Naziideologie vorschrieb? „ZDF-History“ schildert fünf Frauenschicksale im Zweiten Weltkrieg. „Kein Gruß, kein Lebenszeichen. Meine Sorge um dich, mein Herzlieb, wird immer größer. Du musst einfach wiederkommen. Wir brauchen dich doch so notwendig“, schreibt Luise Stieber aus Stuttgart an ihren Mann Paul. Der gilt seit 1943 als vermisst. Luise bangt um sein Wohlergehen, muss sich allein um den Familienbetrieb und die Kinder kümmern – wie Millionen andere Frauen in diesen Kriegsjahren. Der Krieg zerreißt Familien, macht Frauen zu Alleinerziehenden und lässt sie oftmals verzweifeln. Das offenbaren Tagebücher und Briefe wie von Luise Stieber oder Ilse Schünemann aus Meerane. Die fünffache Mutter und Arztfrau ist überzeugte Nationalsozialistin. Als der Krieg ausbricht, ist es für sie selbstverständlich, dass auch ihre drei Söhne an die Front ziehen. Doch ihre Illusionen zerbrechen; zwei Söhne fallen und als der Krieg verloren ist, nimmt sich Ilse Schünemann das Leben und tötet auch ihre Töchter Heidi und Andrea. „Ohne Deutschland kann ich nicht leben und habe den Mädels das Leben gegeben und darf es ihnen auch nehmen“, schreibt sie in einem ihrer letzten Briefe. Lona von Lieres, adlige Gutherrin aus Oberschlesien, verliert durch den Krieg nicht nur ihre Überzeugungen, sondern auch ihren ältesten Sohn, ihr Leben auf Schloss Golkowitz und ihre Heimat. Die Hobby-Filmerin hat den Alltag und das Familienleben in bewegten Bildern festgehalten – einzigartige Filmaufnahmen einer untergegangenen Welt. Erika Ohr, Schäferstochter aus dem Hohenloher Land, gehört zu den vielen Frauen, die sich freiwillig zum Kriegseinsatz melden. Rund 500 000 Frauen dienen als Wehrmachtshelferinnen, 400 000 als Krankenschwestern beim Roten Kreuz. Erika Ohr hofft, dem ländlichen Dasein zu entfliehen, doch in der Ukraine wird sie mit der grausamen Kriegswirklichkeit konfrontiert. Das Beispiel von Ruth Andreas-Friedrich aus Berlin zeigt, dass es auch in der NS-Diktatur möglich war, ein Leben jenseits der Naziideologie zu führen. Die geschiedene Journalistin und Hitlergegnerin schart eine Gruppe Gleichgesinnter um sich, die sich „Onkel Emil“ nennt und jüdischen Verfolgten hilft, zu überleben. Diese Schicksale stehen stellvertretend für das Leben von Millionen Frauen damals in Deutschland.

So., 25. Apr · 00:10-01:55 · MDR
Mitten in Deutschland: NSU

Im November 2011 werden zwei junge Männer aus Ostdeutschland in einem ausgebrannten Camper tot aufgefunden: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Offenbar haben sie Selbstmord begangen. Ein Bekennervideo wird gefunden, der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) fliegt auf. Vier Tage später stellt sich die Dritte im Bunde, Beate Zschäpe, freiwillig der Polizei. Wir als Gesellschaft müssen uns fragen, wie eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung über ein Jahrzehnt unentdeckt in ganz Deutschland morden konnte. Wir nähern uns dieser Frage an, indem wir in der ersten Folge auf die mutmaßlichen Täter blicken, auf ihre Sozialisation und ihr Umfeld. Ostdeutschland, Jena 1990. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es keine ähnliche Situation in Deutschland, in der in so kurzer Zeit so viele Menschen gleichzeitig ihre Arbeit verlieren. Viele Jugendliche in Ostdeutschland erleben ihre verunsicherten Eltern und Lehrer, spüren die Machtlosigkeit der Polizei und des Staates. Sie fühlen sich orientierungslos, ungeliebt und gekränkt. Instinktiv ordnen sie sich als Menschen zweiter Klasse ein, versuchen sich anzupassen und lernen in kürzester Zeit, dass von Seiten der Gesellschaft keine oder wenig Hilfe zu erwarten ist. Reihenweise driften junge Leute von der Schule in die Arbeitslosigkeit. Manche schaffen den Sprung, indem sie in die alten Bundesländer wechseln. Doch der Film wendet sich jenen zu, die bleiben – und wütend anfangen zu rebellieren. Eine von ihnen ist Beate Zschäpe, die in den Bann junger Rechtsradikaler in Jena-Winzerla gerät. Sie freundet sich mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Aus den drei Freunden wird schnell eine verschworene Gemeinschaft. Ihr Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit ist das grundlegende Erfahrungsmuster, das sie mit tausenden jungen Menschen in Ostdeutschland teilen. Bei den dreien aber setzt eine eigene Entwicklung ein: Wut und Rebellion werden in Hass und Gewalt verkehrt. In einem rechtsextremen neonazistischen Umfeld organisieren und radikalisieren sie sich, dicht gefolgt und umgeben nicht nur von Verbündeten, sondern von „Nazi-Kameraden“, die inzwischen als Spitzel für den Verfassungsschutz arbeiten. Ihre Aktionen sind sowohl der Polizei wie dem Verfassungsschutz bekannt, dennoch werden sie nicht festgenommen. Nach einem missglückten Bombenanschlag und nach dem Fund von Sprengstoff in einer von Beate Zschäpe angemieteten Garage gehen die drei Neonazis, inzwischen ein unzertrennbares Trio, Ende 1998 in den Untergrund. Was folgt, ist die schwerwiegendste, erschütterndste Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte.

So., 25. Apr · 14:00-14:05 · WDR
Kulenkampffs Schuhe

Mit Einschaltquoten von 80 Prozent erlebte das Fernsehen in den 60er und 70er Jahren der Bundesrepublik goldene Zeiten. Die Familie saß am Samstagabend im Wohnzimmer, alle freuten sich auf „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff oder die „Peter-Alexander-Show“. Der Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe“, der vollständig aus Archivmaterial besteht, zeigt Nachkriegsgeschichte auf überraschende, ungewöhnliche und berührende Art und Weise: Anhand von zahlreichen Showausschnitten von damals, Interviews, privatem Super8-Material, historischen Dokumenten und Fotos eröffnet sich eine ganz neue Sicht auf das Unterhaltungsfernsehen der Bundesrepublik: Es war angetreten, eine ganze Nation von ihren Kriegstraumata zu therapieren, ein unverzichtbarer Ruhepol. Ein Film, der generationsübergreifend herausfinden möchte, wie die Deutschen wurden, was sie sind. Hans Joachim Kulenkampff und Peter Alexander waren die großen Fernsehhelden der Familie von Regisseurin Regina Schilling. Und natürlich, etwas später, Hans Rosenthal mit „Dalli Dalli“. Die Quizshows verhießen leichte Unterhaltung, Entspannung, heile Welt. Entspannung hatte Schillings Vater nötig. Er arbeitete rund um die Uhr in seiner eigenen Drogerie. Eine Drogerie im Nachkriegs-Deutschland? Kaum etwas wurde mehr gebraucht: aufräumen, Wunden heilen, reparieren, saubermachen, Schädlinge bekämpfen. Was sahen die Väter der Kinder, die da im Schlafanzug vor dem Fernseher saßen, in den Showmastern? Wussten sie, dass Kulenkampff sich an der Ostfront vier Zehen eigenhändig amputiert hatte? Fragten sie sich, ob Peter Alexander wohl auch bei der Hitlerjugend gewesen war? Bei der Wehrmacht, in Kriegsgefangenschaft? Wie die meisten jungen Männer dieser Generation? Hatten sie davon gehört, dass Hans Rosenthal jüdisch war, sich in den Kriegsjahren als Vollwaise in einer Berliner Laube versteckte und jeden Moment damit rechnen musste, deportiert zu werden? Die Showmaster gehörten wie Regina Schillings Vater einer sehr besonderen Generation an: erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad der Nachkriegszeit, die von Traumatisierungen nichts wusste oder nichts wissen wollte.

So., 25. Apr · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Das Schweigen brechen – Ein Holocaustüberlebender und Täterkinder im Gespräch

Es ist eine Begegnung, wie sie niemand von ihnen in dieser Form zuvor gehabt hat: Der 94-jährige Holocaust-Überlebende Dr. Leon Weintraub, der Tätersohn Jens-Jürgen Ventzki und Julie Lindahl, die Enkeltochter eines SS-Mannes. Sie wollen miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig Fragen stellen. Über Schuld. Über Scham. Darüber, wie es weitergehen soll, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Dr. Leon Weintraub, Julie Lindahl und Jens-Jürgen Ventzki treffen sich vor der Münchner Feldherrnhalle – einem zentralen Ort der NS-Propaganda, wo immer wieder gewaltige Aufmärsche stattfanden. Die drei betrachten ein historisches Foto: Eine Menge Wehrmachtssoldaten mit Stahlhelmen und Uniformen stehen in Reih und Glied genau an der Stelle, an der sich die Gesprächspartner an diesem Septembertag im Jahr 2020 unterhalten. „Leon, hättest du dir vorstellen können, dass es wieder Rechtsradikale geben könnte in Deutschland?“, fragt Julie Lindahl. Der 94-Jährige antwortet schlagfertig und mit einer gewissen Eleganz: „Eine unangenehme Überraschung.“ Leon Weintraub ist einer der letzten Überlebenden, der davon berichten kann, wohin Rechtsradikalismus in der deutschen Vergangenheit führte: in den Holocaust. Er wurde als polnisch-jüdischer Junge im Alter von 13 Jahren ins berüchtigte Ghetto Lódz /Litzmannstadt eingesperrt und musste jahrelang unter Hunger und Folter Zwangsarbeit leisten. Wie durch ein Wunder überlebte er. Auch das Vernichtungslager Auschwitz und die Konzentrationslager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler. Jens-Jürgen Ventzki hört Dr. Leon Weintraub intensiv zu. Dass seine eigenen Eltern an diesem Vernichtungssystem aktiv mitwirkten und laut seiner Aussage erst mit ihrem eigenen Tod aus der NSDAP ausgetreten sind, ist für den 77-Jährigen belastend. Sein Vater war ein hochrangiger Schreibtischtäter gewesen: Als NS-Oberbürgermeister von Lódz /Litzmannstadt unterstand ihm die Verwaltung des Ghettos. In diesem Gespräch wendet sich Jens-Jürgen Ventzki an Leon Weintraub, der dort nur knapp dem Tod entkam: „Leon, was mich auch heute unglaublich emotional fordert, ist diese Gleichzeitigkeit: Du hast gehungert im Ghetto, ich wurde in einer großen Villa umsorgt. Wir hatten Kinderfräulein, wir hatten eine Gärtnerin und eine Köchin.“ Jens-Jürgen Ventzki Die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Julie Lindahl ist die Jüngste in dieser Gesprächsrunde. Sie wurde 1967 in Brasilien geboren und wusste lange Zeit nicht, wie es zu diesem ungewöhnlichen Geburtsort kam. Entgegen dem Willen der restlichen Familie forschte sie aber nach und entdeckte die düstere, schuldbehaftete Geschichte ihres Großvaters. Seine Taten als SS-Mann, der in Polen für Deportationen und mutmaßlich für Mordaktionen mitverantwortlich war, veranlassten ihn Anfang der 60er Jahre zur Flucht vor der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz. Dieses Treffen bringt einen ehrlichen, einen schmerzhaften Blick in die Vergangenheit hervor. Und doch geht es allen um die Zukunft: Was folgt aus dieser Auseinandersetzung? Wie lässt sich die Schuld der Vorfahren in einen Verwandlungsprozess übersetzen, hin zu verantwortlichem Handeln für die Verteidigung humanistischer Werte? Und: Was wünscht sich Dr. Leon Weintraub von den zukünftigen Generationen? Um Fragen wie diese geht es in diesem berührenden Gespräch.

Mo., 26. Apr · 01:50-03:28 · Das Erste (ARD)
Berlin ’36

Berlin 1936: Die Amerikaner drohen, die Olympischen Spiele zu boykottieren, sollten im deutschen Olympia-Kader keine jüdischen Sportler vertreten sein. Aus diesem Grund wird die Jüdin Gretel Bergmann (Karoline Herfurth), die überragende Hochspringerin dieser Zeit, in das deutsche Trainingslager aufgenommen. In den Augen der Nazis darf Gretel aber auf keinen Fall gewinnen: Der Reichssportführer schickt gegen Gretel die bis dahin unbekannte „Konkurrentin“ Marie Ketteler (Sebastian Urzendowsky) ins Rennen um die Olympia-Qualifikation – sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden gemeinsam gegen die Intrige der Nazis ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt. „Berlin ´36“ basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin als Favoritin für die Goldmedaille galt. Um einen möglichen Sieg Bergmanns jedoch zu verhindern, schicken die Nationalsozialisten Marie Ketteler, in Wahrheit ein Mann, als Konkurrentin gegen sie ins Rennen.

Di., 27. Apr · 00:35-03:05 · ZDF
Mein Opa, Karin und ich

„Mein Opa, Karin und ich“ ist ein persönliches Dokumentarfilmprojekt von Moritz Springer, das einen intimen Einblick in die Lebenswelt einer deutschen Familie in drei Generationen gewährt. Ganz nebenbei wird ein Stück bundesdeutsche Geschichte erzählt: von der Mutter, die sich früh gegen das Leben ihrer Eltern auflehnte und sich als 68er-Generation ihre eigene Welt bauen wollte, sowie vom Enkel, der die SS-Vergangenheit des Opas hinterfragt. Das Aufwachsen in NS-Zeit, Hitlerjugend, SS und russischer Gefangenschaft bildet den Erfahrungshintergrund, auf dem Moritz Springers Opa seine Existenz aufbaut. Für seine Mutter Karin ist die „Grauheit und Verlogenheit“ der 50er- und 60er-Jahre der Nährboden für das Rebellieren gegen die „Enge und Spießigkeit“ ihrer Eltern und die Sehnsucht nach anderen Lebenskonzepten. Der Regisseur selbst macht sich auch zum Thema – er wächst mit WGs, Kinderladen und antiautoritärer Erziehung auf und sucht dann sein ganz eigenes Lebenskonzept fern seiner Eltern. Moritz Springer spannt einen weiten Bogen von der Psychologie familiärer Abgrenzung und Emanzipation hin zum Versuch, durch die Konfrontation mit seinen Großeltern und Eltern am Ende auch die eigenen Verletzungen annehmen zu können. Er ist hier Regisseur, Kameramann und Protagonist in einer Person.

Di., 27. Apr · 20:15-21:00 · RBB
Berlin und Brandenburg unterm Hakenkreuz 1/2

Die zweiteilige Dokumentation zeigt seltene Farbaufnahmen aus Berlin und Brandenburg während der Zeit des Nationalsozialismus. Gedreht nicht von professionellen Wochenschaukameramännern, sondern von Hobbyfilmern jenseits der offiziellen NS-Propaganda. Private Bilder vom Alltag in Berlin und Brandenburg während der NS-Zeit, aufschlussreich und beklemmend. Die Hobbyfilmer besuchten den Berliner Zoo und durchstreiften das Havelland, sie filmten im legendären „Wintergarten“-Varieté und zur Kirchweihe in der Prignitz. Sie hielten die ersten Schwimmversuche der Tochter im städtischen Flussbad in Perleberg fest und hatten die Kamera bei der Hochzeitsreise im Paddelboot auf der Oder dabei. Doch bei aller Privatheit: die Politik ist allgegenwärtig in den Aufnahmen der Amateurfilmer: Beiläufig blitzt das NSDAP-Parteiabzeichen am Revers, auf jedem öffentlichen Gebäude, an jedem Ausflugsdampfer auf Havel oder Spree weht die Hakenkreuzfahne – und an beinahe jedem Wochenende gibt es irgendwo einen Nazi-Aufmarsch mit Marschmusik und Militärparade. Der erste Teil der Dokumentation von Jan Lorenzen „Berlin Brandenburg unterm Hakenkreuz“ erzählt die Jahre von 1933 bis zum Kriegsbeginn 1939. Er erzählt von einem Land, das glaubte, glücklich zu sein, von Menschen, die sich ihrer Nähe zum NS-Regime noch nicht schämten, von Familien, die Ausflüge machten und Feste feierten und von einer nahenden Katastrophe nichts zu ahnen scheinen – und das, obwohl der Nationalsozialismus in fast allen Aufnahmen präsent ist und auch der Krieg sich in vielen Bildern ankündigt: In den paramilitärischen Spielen der HJ und der Pimpfe, in den Übungen, um die Zivilbevölkerung im Umgang mit Brandbomben zu schulen, oder in Volksfesten, wie dem 800-Stadtjubiläum von Perleberg, das unweigerlich in einer militärischen Parade endet. Bei aller scheinbaren Leichtigkeit entsteht das bedrückende Bild einer Gesellschaft auf dem Weg in einen Krieg, der alles verändern wird, durchdrungen vom Geist des Nationalsozialismus.

Di., 27. Apr · 22:10-22:55 · MDR
Die geheimen Depots von Buchenwald

Ende der 1980er-Jahre taucht bei Recherchen des amerikanischen Historikers Kenneth Alford in den National Archives in Washington eher zufällig eine mysteriöse handgemalte Skizze auf. Sie zeigt den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald, darin eingezeichnet acht Bunker. Stollen, die vermutlich von den Nazis kurz vor Kriegsende in den Berg getrieben wurden. Zwei Stollen wurden von der First US Army 1945 nach ihrer Ankunft in Buchenwald nach Hinweisen entdeckt und geöffnet. Tonnenweise bargen die zusammengerufenen Helfer Raubgut, das als Ladung #16 nach Frankfurt am Main gebracht wurde und deren Spuren sich später in ihrer Gänze verlieren. Von den sechs anderen Stollen wussten die Amerikaner nichts. Eine Skizze gab es damals nicht. Doch seit ihrer Entdeckung rätseln Experten und Wissenschaftler, wie auch der Historiker Dr. Harry Stein von der Gedenkstätte Buchenwald, was im Berg wirklich noch verborgen liegt. Aufgrund der Recherchen von Filmemacher Peter-Hugo Scholz, wurde die Indizienkette immer stärker. Daraufhin gab das wissen-schaftliche Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora grünes Licht, den Berg zu öffnen und das Rätsel endlich zu lösen. Was hat es mit den zusätzlichen Stollen von der Skizze auf sich? Gibt es sie wirklich? Was liegt darin verborgen? Der Film „Die geheimen Depots von Buchenwald“ begleitet und dokumentiert die Ausgrabungsarbeiten, macht sich auf eine Spurensuche und offenbart eine bisher unerzählte Geschichte.

Di., 27. Apr · 22:50-23:35 · BR
„Wir sind jüdische Deutsche“ – Erbe und Identität seit 1945

„Es war wie ein eigenes Ghetto, in dem wir alle Jiddisch miteinander sprachen und unter uns waren“, erinnern sich die Brüder Fiszel und Simon Ajnwojner, wenn sie von ihrer Kindheit im Frankfurter Ostend erzählen. Dort fand die Familie, die zuvor im DP-Lager Föhrenwald in Bayern untergebracht war, ein neues Zuhause. Jüdisches Leben in der Nachkriegszeit: Das war geprägt durch Familien, die im Holocaust unermessliche Einschnitte und Verluste erlitten hatten. Von Eltern, deren Ängste und deren Schweigen auch die nächste Generation prägten. So erinnert sich Dieter Graumann: Als er in die Schule kommt, nehmen ihn die Eltern beiseite: „David, ab heute heißt du Dieter.“ Sie haben das KZ überlebt und wollen nicht, dass ihr Sohn schon an seinem Namen als Jude erkennbar ist. Denn auch im Nachkriegsdeutschland ist der Antisemitismus noch präsent. Für junge Jüdinnen und Juden heutzutage ist das Nachkriegsdeutschland lange her. Sie sehen sich ganz selbstverständlich zugehörig zu Deutschland mit seiner multikulturellen Gesellschaft. Wie etwa James und David Ardinast, die mehrere Restaurants mit internationaler Küche in Frankfurt am Main betreiben. Der Film „Zurück ins Herz der Stadt?“ schlägt den Bogen von den kleinen, überwiegend orthodoxen Nachkriegsgemeinden bis heute: Über die Beschränkungen jüdischen Lebens in der ehemaligen DDR und die Zuwanderung der sogenannten Kontingentflüchtlinge ab 1990, über die Neuentwicklung des liberalen Judentums, das an deutsche Traditionen vor der Shoa anknüpft, und den Bau neuer Synagogen im Herzen der Städte. In Frankfurt, Leipzig und Berlin begegnet die Filmemacherin Andrea Roth Männern und Frauen, die eines eint: Sie legen Wert darauf, nicht als Opfer gesehen zu werden. Sie sind Handelnde, geprägt von ihren Familiengeschichten, aber selbstbewusst und sehr unterschiedlich.

Mi., 28. Apr · 22:35-00:50 · arte
„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“

Die junge Theaterregisseurin Mariana möchte ihre rumänischen Landsleute daran erinnern, dass im Zweiten Weltkrieg unter der Regierung Marschall Antonescus unsagbare Morde an der jüdischen Bevölkerung begangen wurden. Jüngst hat sie den Auftrag erhalten, ein kleines Reenactment mit einer Laiengruppe Militärbegeisterter zu inszenieren. Die Show soll die Armee feiern und den Tourismus ankurbeln.Sie interpretiert den Auftrag allerdings so, dass eine Darstellung des Pogroms von Odessa beim Einmarsch der rumänischen Armee herauskommt. Mit dem Widerstand des Magistrats, der bald Wind von ihrer eigenwilligen Auslegung des Show-Auftrags bekommt, hat sie wohl noch gerechnet; doch als sich bald auch ihre Komparsen gegen sie stellen und ihr privates Leben drunter und drüber geht, werden die Proben zum wilden Ritt.„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ – ein wörtliches Zitat eines Ministers von Marschall Antonescu – will aufrütteln und stellt sich wütend den rumänischen Holocaust-Leugnern entgegen. Zugleich ist der Film aber auch ein sarkastischer Kommentar über das Scheitern eines adäquaten Erinnerns. Wut, Fassungslosigkeit und Komik sind die drei Säulen des Films, da angesichts der Monstrosität der Taten das Erinnern immer auch absurd unzureichend ist. Und Marianas Kampf mit der Bürokratie, den Holocaust-Leugnern und den unbegabten Darstellern hat in ihrem Mut und in ihrer Aussichtslosigkeit etwas von dem Kampf eines Don Quijote.
Bild oben: © Komplizen Film/Silviu Ghetie, Die Regisseurin Mariana (Ioana Iacob) versucht den skeptischen Kulturreferenten Movila (Alexandru Dabija) von ihrem provokanten Theaterkonzept zu überzeugen.

Mi., 28. Apr · 22:55-23:35 · RBB
Schattenwelten Berlin 3/3

Hinter einem der erfolgreichster Rapper Deutschlands steht ein türkischer Rechtsextremer. Wie ist das möglich? Und was sagt das über das Geschäft mit dem Deutsch-Rap aus? Spätestens seit dem Bushido-Abou Chaker-Prozess findet ein Thema im deutschen Rap Beachtung, das jahrelang ausgeklammert wurde: der sogenannte »Rücken«, also der Schutz von bekannten Rappern durch schwere Jungs. Auch einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands hat einen einflussreichen Unterstützer. In seinem Fall stehen aber türkische Rechtsextreme hinter ihm, Nationalisten mit Verbindungen in kriminelle Milieus. Welche Gefahr bergen solche Abhängigkeitsverhältnisse? Können durch Kooperationen dieser Art extremistische Weltbilder in die Kinderzimmer der Fans sickern? Anja Buwert, Tassilo Hummel, Jan Karon und Malte Schumacher zeigen, wie weit verbreitet fragwürdige politische Einstellungen in eine Szene eingedrungen sind, die eigentlich mal für Weltoffenheit und Toleranz stand.

Mi., 28. Apr · 23:45-01:10 · BR
Die Widerständigen „also machen wir das weiter…“

In dem Dokumentarfilm „Die Widerständigen ‚also machen wir das weiter…'“ schildern die letzten Zeitzeugen der Widerstandsbewegung Die Weiße Rose, wie sie nach dem Tod der Geschwister Scholl unter Einsatz ihres Lebens weiterhin Widerstand gegen das Hitler-Regime geleistet haben. Bis heute ist kaum bekannt, dass die Widerstandsbewegung Die Weiße Rose nicht mit dem Tod der Geschwister Scholl und Christoph Probst endete.

Do., 29. Apr · 20:15-21:15 · arte
Eine Familie unterm Hakenkreuz

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich der Doktorand Helmut und die Medizinstudentin Erna 1929 kennenlernen. Beide schauen zuversichtlich in die Zukunft. Dann erfährt Erna in der heraufziehenden Nazizeit von einem Familiengeheimnis: Ihre Mutter sei Jüdin. Erna ist sich sicher, dass sich Helmut von ihr trennen wird. Doch ihr Verlobter steht zu ihr. Die beiden heiraten und bekommen drei Söhne. Nach und nach wird das Leben im nationalsozialistischen Deutschland für die Familie immer schwerer. Erna gilt als Mensch zweiter Klasse, nach den sogenannten Rassegesetzen ist sie Halbjüdin und darf nicht mehr studieren. Helmut bekommt als Arzt keine Zulassung für Kassenpatienten.Das Ehepaar sieht nur noch eine Chance: Durch seine Bewährung als tapferer Soldat will Helmut die sogenannte Sippenschande tilgen. Der Führer und Reichskanzler kann durch seine Unterschrift Helmuts Familie angesichts seines tapferen Einsatzes im Krieg für „deutschblütig“ erklären. Helmut nimmt als Feldarzt am Krieg teil. Erna bleibt mit den drei Söhnen im Münsterland und muss dort den rassistischen Alltag und die Bedrohung von Gesundheit und Leben durch die Nationalsozialisten und ihre autoritätshörigen Helfer allein bestehen. Von der Wehrmacht wird Helmut für seine Tapferkeit ausgezeichnet. Er fällt an der Front. Doch das scheinbar Unmögliche, die Rettung seiner Familie, gelingt ihm posthum.Erna wird nach seinem Tod tatsächlich für „deutschblütig“ erklärt und entkommt den Deportationen. Sie überlebt mit ihren drei Kindern den Nationalsozialismus. Helmut und Erna waren beide sehr begabt, beide konnten gut schreiben; er war ein leidenschaftlicher Fotograf und Filmemacher. Er hielt die ersten Schritte seiner Kinder und das anfangs glückliche Leben als Arzt genauso in Filmen, Fotos und Briefen fest wie später das Grauen an der Front. Die Geschichte von Erna und Helmut zeigt eine sehr nahe, neue Perspektive auf das Leben im NS-Staat, sie bewegt, sie reißt mit und konfrontiert die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Gewissensfrage: Wie hätte ich mich verhalten?

Do., 29. Apr · 23:00-23:55 · 3sat
Golda Meir – Ministerpräsidentin

Golda Meir war die erste und bisher einzige Frau an der Spitze Israels. Der Film blickt auf den Zeitraum vom Tag ihres Amtsantrittes im März 1969 bis zu ihrem Rücktritt im April 1974. Fünf entscheidende Jahre, in denen die Weichen für den Verlauf des Nahostkonfliktes gestellt wurden. Den roten Faden für die Erzählung bildet zum Teil unveröffentlichtes Interviewmaterial, das einen neuen und unverfälschten Blick auf Golda Meir ermöglicht. Interviews mit Zeitzeugen wie ihrem Pressesprecher Meron Medzini, dem Journalisten und ehemaligen Knesset-Abgeordneten Uri Avnery – ihrem wohl härtesten Kritiker – sowie mit Parteifreunden und politischen Gegnern bieten eine vielschichtige Perspektive auf eine komplexe Persönlichkeit und auf eine turbulente und bisher wenig beachtete Epoche der jüngeren Zeitgeschichte. Eine Schlüsselszene im Film und in der Amtszeit von Golda Meir ist zweifelsohne das Münchner Olympia-Attentat 1972. Erstaunlich offen erzählt der ehemaligen Mossad-Chef Zvi Zamir, wie im Anschluss an die tragischen Ereignisse in enger Abstimmung mit Golda Meir die Liquidierung palästinensischer Terroristen beschlossen wurde. Golda Meir polarisiert – bis heute. Einerseits wird sie als Mutter des Zionistischen Staates und als Ikone Israels gefeiert. Andererseits beschreiben ihre Kritiker sie jedoch als engstirnige, vorurteilsbeladene Hardlinerin, die wesentlich für die Verschärfung des Nahostkonfliktes verantwortlich ist. Und in Israel gilt sie für viele gar als das schlechteste Staatsoberhaupt aller Zeiten.

Do., 29. Apr · 23:00-00:40 · HR
Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Berlin, 1943. Das Nazi-Regime hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft sind es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahren. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanni Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku´damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert. Sie alle kämpfen für ein Leben in Freiheit, ohne wirklich frei zu sein. „Die Unsichtbaren“ schildert ein weitgehend unbekanntes Kapitel des jüdischen Widerstands während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Drehbuch basiert auf Interviews, die Regisseur Claus Räfle und seine Ko-Autorin Alejandra López mit Zeitzeugen geführt haben. Einfühlsam, beklemmend und erstaunlich humorvoll verweben sie die Spielhandlung mit Interview-Ausschnitten und Archivaufnahmen zu einem dichten, emotional bewegenden Ensembledrama.

Fr., 30. Apr · 07:35-07:50 · WDR
Planet Schule: Die große Literatour – Joseph Roths Russland

„Die große Literatour“ begibt sich auf die Spuren von einigen der spannendsten Reiseschriftstellern der Geschichte, folgt ihren Reisen nach und sieht die Länder aus ihren Blickwinkeln. Eine literarische Zeitreise, die auf einzigartige Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt. Seine Romane zählen heute zur Weltliteratur: Joseph Roth – ein großer Erzähler und einer der besten Journalisten der Weimarer Zeit. Ein Meister der Beobachtung und Beschreibung. 1926 reist er mit einer großen Sehnsucht in die noch junge Sowjetunion. Mehrere Monate wird er unterwegs sein, Reportagen für die Frankfurter Zeitung schreiben und alle seine Illusionen über den Sowjetstaat verlieren. Roth wurde in Galizien, der heutigen West-Ukraine geboren und führte ein zerrissenes Leben, zwischen jüdischem Glauben und Katholizismus, er lebte in einer Zeit des Umbruchs, in den Zerfall des Österreichischen Kaiserreiches. Er reist über Polen in die noch junge Sowjetunion. Doch die anfängliche Faszination wird schnell der Desillusionierung weichen. Roth bricht als neugierig Hoffender auf und kehrt als ernüchterter Chronist zurück. Nach der Reise gelingt ihm sein Durchbruch als Romancier: seine bedeutendsten literarischen Werke wie ‚Hiob‘ oder ‚Radetzkymarsch‘ erscheinen.

Fr., 30. Apr · 09:30-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Holocaust – Erinnern ohne Zeitzeugen

Wie kann das Wissen über den Holocaust weitervermittelt und niemals vergessen werden? 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Ende des Nazi-Regimes in Deutschland gibt es nur noch wenige Überlebende, die von dem Grauen in den Konzentrationslagern berichten können. Wie kann Erinnern gelingen, wenn die letzten Zeitzeug*innen verstorben sind? Als „Holocaust“ wird der Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden bezeichnet. Wie viele jüdische Menschen Opfer des Holocaust wurden, lässt sich nur schätzen: zwischen 5,6 und 6,3 Millionen. Damit so etwas nie wieder passiert, darf die systematische und organisierte Ermordung von Menschen niemals in Vergessenheit geraten. Doch wie kann die Erinnerung bewahrt werden? Vor allem, wenn die letzten Zeitzeug*innen nicht mehr da sind, um ihre Stimme mahnend zu erheben? Dieser Frage geht RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl nach. Dazu ist sie in die Oberpfalz in das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg gefahren. Mit dem Leiter der KZ-Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, und Jugendlichen der evangelischen Jugend Weiden spricht sie darüber, wie mit neuen Wegen in der Museumspädagogik das Erinnern an einem historischen Ort auch künftig möglich sein kann. Wie können diese neuen, digitalen Wege des Erinnerns aussehen? Diese Frage stellt Verena Hampl auch Vertreter*innen von Yad Vashem. Yad Vashem in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt und wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht. Einen neuen Weg des Erinnerns sind der israelische Hightech-Millionär Mati Kochavi und seine Tochter Maya gegangen mit einem Instagram-Projekt 1944 wurde im deutschen Vernichtungslager Ausschwitz auch die 13-jährige Ungarin Eva Heymann ermordet. Nach ihrem Original-Tagebuch ist im letzten Jahr die Web-Serie „Eva Stories“ entstanden. Verena Hampl konnte dazu Macher*innen sprechen. Weitere Gesprächspartner*innen von Verena Hampl sind der KZ-Überlebende Ernst Grube sowie die Autorin Lena Gorelik.