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Die neue Ausstellung „Sophie Scholl und die Weiße Rose“

Sophie Scholl ist heute eine der bekanntesten Frauen des deutschen Widerstands. Sie war erst 21 Jahre alt, als sie von der nationalsozialistischen Diktatur wegen ihres gewaltlosen Widerstands hingerichtet wurde. Mutig und voller Überzeugung hatte sie zum Widerstand zusammen mit ihrem Bruder und dessen Freunden aufgerufen…

Von Hildegard Kronawitter

Die Gruppe, die später die Weiße Rose genannt wurde, hatte 1942/43 mit Flugblättern die Deutschen über die Verbrechen des NS-Terrorstaates und die Sinnlosigkeit des Krieges informiert. Sie forderte „einen gerechten Staat, der die Freiheit des Einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert“ und appellierte an die Bevölkerung, Widerstand, „wo immer ihr auch seid“, zu leisten. In der öffentlichen Wahrnehmung steht Sophie Scholl heute für die Weiße Rose und somit für die weiteren sechs von der NS-Justiz zum Tode verurteilten und hingerichteten Personen der Gruppe. Sophie Scholls Mut, ihre Klarsicht und ihr konsequentes Handeln in höchster Lebensgefahr beeindrucken gerade auch Heranwachsende, sie sehen in ihr ein Vorbild.

Die Biografie von Sophie Scholl zeigt das Leben einer Frau, die als Mädchen vom damaligen Zeitgeist geprägt wurde, sich in Mädchengruppen der Hitlerjugend bewähren wollte, dann aber einen eigenen Blick auf die nationalsozialistische Diktatur und deren Unrechtstaten gewann. Nach und nach wandte sich Sophie Scholl radikal ab. Als Begründung dafür, führt sie am 18. Februar 1943 im Gestapo-Verhör an: „… als hauptsächlichsten Grund für meine Abneigung gegen die Bewegung möchte ich anführen, dass nach meiner Auffassung die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise eingeschränkt wird, die meinem inneren Wesen widerspricht. Zusammenfassend möchte ich die Erklärung abgeben, dass ich für meine Person mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben will. Als sie wegen „Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und Feinbegünstigung“ vom NS-Regime hingerichtet wurde, war sie erst 21 Jahre alt.

Die Weiße Rose Stiftung entwickelte zusammen mit Experten die neue biografische Wanderausstellung „Sophie Scholl und die Weiße Rose“. Auf 14 Bannern beschreibt die Ausstellung in eindringlicher und doch klarer Erzählweise, mit aussagekräftigen Zitaten aus Briefen und Tagebucheinträgen von Sophie Scholl sowie anhand von Dokumenten eine junge Frau, die jenseits des propagierten Frauenbildes eine eigene Persönlichkeit entwickelte und zur entschiedenen Widerständlerin wurde. Orientierende Fragen bei der Erarbeitung der Ausstellung waren u.a.: Welche Bedeutung hatten Eltern und Geschwister für die Ausprägung von Sophie Scholls Charakter? Welche persönlichen Erfahrungen spielten auf dem Weg ins Erwachsenwerden eine Rolle? Wie zeigte sich Sophie Scholls ausgeprägte künstlerische Begabung? Für welche Überzeugungen war Sophie Scholl schließlich bereit, ihr Leben einzusetzen? Und was gab ihr in der lebensbedrohlichen Situation des Widerstands Halt, was machte ihr Hoffnung? Was bedeutete die langjährige Freundschaft und der intensive Dialog mit Fritz Hartnagel, ihrem Freund, einem jungen Offizier, für die Ausprägung von Sophie Scholls unabhängigem Urteil? Gerade der Briefwechsel mit ihm, aus dem in der Ausstellung mehrmals zitiert ist, belegt Sophie Scholls Suche nach eigenen Maßstäben. Im Mai 1940 schrieb sie ihm: „Ich wünsche Dir, dass Du diesen Krieg und diese Zeit überstehst, ohne ihr Geschöpf zu werden“. Abschließend erläutert die Ausstellung, wie lebendig die Erinnerung an Sophie Scholl war und ist und wie sie zur Ikone werden konnte.

Die Wanderausstellung steht für den Verleih zur Verfügung.
Interessierte wenden sich bitte an:
Weiße Rose Stiftung e. V., München, Dr. Edith Koller, zuständig für den Ausstellungsverleih
www.weisse-rose-stiftung.de

Bild oben: Gestaltung: Hinz und Kunst, Braunschweig, (c) Weiße Rose Stiftung e.V.