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„My Shidech“ – Eine Geschichte von Noa Baum

Aus dem Projekt „Treasures from Jewish Storytellers – Jüdische Geschichtenerzähler aus aller Welt und ihre Lieblingsgeschichten“

Eine Geschichte von Noa Baum

In „My Shidech“ erzählt Noa Baum, wie sie als junge Frau in den Augen ihrer Großmutter als „kaputt“ galt, als hoffnungsloser Fall, da sie mit Ende Zwanzig noch nicht verheiratet war, im Gegensatz zu allen anderen, die ihr als gutes Beispiel vorgehalten werden, und die möglichst den Chefarzt einer großen Klinik geheiratet hatten, vier Kinder großzogen und nebenher noch ihren Doktor machten. Noa, gerade aus New York nach Tel Aviv zurückgekehrt, hatte sich auf Dichter, Schauspieler und Künstler spezialisiert, also nichts, was man als „aus guter Familie“ bezeichnen kann.

Als sie ihren 29. Geburtstag feiert, will deshalb ihre Freundin Schoschana ihr ein Blind Date mit einem Amerikaner vermitteln. Noa hat die Nase voll von Blind Dates, aber eine Mizwa aus Mitleid für den einsamen jungen Mann im fremden Israel kann man doch nicht verweigern.

Wie befürchtet, hat sie nichts mit dem Amerikaner gemeinsam – ein Botaniker, einsilbig, und er hat keine Ahnung von allem, was ihr wichtig ist – Brecht? Dostojewski? Nie gehört, oder zumindest nie gelesen.

Nach Rücksprache mit einem Psychologen trifft sie ihn doch noch einmal, wieder geht alles schief, sie klappt im Schwimmbad samt einem Liegestuhl zusammen, und muss sich von ihm, der sich das Lachen kaum verkneifen kann, befreien lassen. Seine Hand fühlt sich kühl und sicher an, und seltsam vertraut… Und er liest tatsächlich ihr zuliebe Dostojewski, dieser seltsame Stuart Baum.

Es kommt, wie es kommen muss, und bei der Hochzeit stellt die kuppelnde Freundin – die ihn noch nicht mal persönlich gekannt hatte und ihm jetzt erst begegnet – zufrieden fest: „See? He comes from a good family!“

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